{"id":83068,"date":"2022-04-19T12:30:45","date_gmt":"2022-04-19T10:30:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83068"},"modified":"2022-04-19T13:10:09","modified_gmt":"2022-04-19T11:10:09","slug":"ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83068","title":{"rendered":"Ukraine: \u00abEs ist ein Krieg zwischen den USA und Russland\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Christian M&uuml;ller<\/strong> von Global Bridge hat uns <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland\/\">auf diesen Text<\/a> aufmerksam gemacht. Er hat den Mitschnitt eines Gespr&auml;chs , das der bekannte, auf internationale Beziehungen spezialisierte Politologe <a href=\"https:\/\/www.mearsheimer.com\/\">John J. Mearsheimer<\/a>, emeritierter Professor der Universit&auml;t Chicago, mit <a href=\"https:\/\/usrussiaaccord.org\/team-member\/katrina-vanden-heuvel\/\">Katrina vanden Heuvel<\/a>, Herausgeberin der US-amerikanischen Wochenzeitschrift &laquo;The Nation&raquo; und Witwe des 2020 verstorbenen Russistik-Professors <a href=\"https:\/\/usrussiaaccord.org\/team-member\/stephen-f-cohen\/\">Stephen F. Cohen<\/a> gef&uuml;hrt hat, &uuml;bersetzt. Es ist ein Gespr&auml;ch &uuml;ber den Krieg in der Ukraine. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIm Gespr&auml;ch wird die vertrackte und gef&auml;hrliche Lage sichtbar, in der wir uns befinden. Es ist eine gef&auml;hrliche Eskalation dadurch eingetreten, dass die USA direkt in einen Konflikt mit Russland geraten sind und dass der Schritt in die nukleare Auseinandersetzung nicht ausgeschlossen werden kann. Die Lage ist brisant, weil beide L&auml;nder gewinnen m&uuml;ssen &ndash; so Mearsheimer. Im Falle Russlands gehe es nicht um Expansion. Es gehe darum zu verhindern, besiegt zu werden. Im Gespr&auml;ch wird auch klar, wie und wo sich die heutige Lage von der Konfrontation im Kalten Krieg unterscheidet.<\/p><p>Hier das Gespr&auml;ch von <a href=\"https:\/\/www.mearsheimer.com\/\">John J. Mearsheimer<\/a> mit <a href=\"https:\/\/usrussiaaccord.org\/team-member\/katrina-vanden-heuvel\/\">Katrina vanden Heuvel<\/a> &uuml;ber den Krieg in der Ukraine:<\/p><p>Vielen Dank, dass ihr mich eingeladen habt, hier zu sein. Ich erinnere mich gerne an unsere Reisen nach Deutschland, vor allem als Steve (Stephen F. Cohen, der verstorbene Ehemann von Katrina vanden Heuvel) und ich damals &uuml;ber die Ukraine diskutierten. Ich stimme auch mit dir Katrina &uuml;berein, als du sagtest, dass dies die gef&auml;hrlichste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg ist. Ich glaube, sie ist sogar noch gef&auml;hrlicher als die damalige Kubakrise, was die Gefahr jener Krise allerdings nicht schm&auml;lern soll. Aber im Grunde haben wir es hier mit einem Krieg zwischen den USA und Russland zu tun und ein Ende ist nicht in Sicht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dieser Krieg in naher Zukunft enden soll. Und ich denke, dass die Gefahr einer weiteren Eskalation sehr gro&szlig; ist. Erstens eine Eskalation, bei der die USA tats&auml;chlich gegen Russland k&auml;mpfen und die beiden Seiten <em>milit&auml;risch<\/em> aufeinandertreffen, was bisher noch nie vorgekommen ist. Und ich denke, zweitens, dass hier auch eine ernsthafte Gefahr einer nuklearen Eskalation besteht. Ich sage nicht, dass das wahrscheinlich ist, aber ich k&ouml;nnte Geschichten erz&auml;hlen, wie so etwas tats&auml;chlich passieren kann.<\/p><p>Die Frage ist also: Wie sind wir in diesen Schlamassel geraten? Was sind die Ursachen? Es ist sehr wichtig, sich mit dieser Frage zu besch&auml;ftigen, weil sie alle m&ouml;glichen Auswirkungen auf das Verst&auml;ndnis der russischen Denkweise hat. Wenn du verstehen willst, wie die Russen &uuml;ber diese Krise denken, musst du <em>die Ursachen<\/em> verstehen. Die vorherrschende Meinung, die ich nat&uuml;rlich ablehne, ist, dass Wladimir Putin entweder schon von seiner Geburt her ein Aggressor ist oder dass er einfach nur entschlossen ist, die Sowjetunion oder eine neue Version der Sowjetunion wiederherzustellen; er sei ein Expansionist, ein Imperialist. Meiner Meinung nach ist dieses Argument aber falsch. In Wirklichkeit geht es um die Bem&uuml;hungen des Westens, die Ukraine zu einem westlichen Bollwerk an der Grenze Russlands zu machen.<\/p><p><strong>Das Problem ist die Erweiterung der NATO nach Osten<\/strong><\/p><p>Das Schl&uuml;sselelement in dieser Strategie ist nat&uuml;rlich die NATO-Erweiterung. Meiner Meinung nach geht das alles auf den Beschluss des NATO-Gipfels in Bukarest im April 2008 zur&uuml;ck, bei dem beschlossen wurde, dass sowohl Georgien als auch die Ukraine Teil der NATO werden sollen. Die Russen machten damals unmissverst&auml;ndlich klar, dass dies inakzeptabel ist und dass weder Georgien noch die Ukraine Teil der NATO werden d&uuml;rfen. Die Russen haben sogar deutlich gemacht, dass sie dies <em>als existenzielle Bedrohung<\/em> ansehen. Es ist sehr wichtig, diese Worte zu verstehen. Aus russischer Sicht wurde die NATO-Osterweiterung von Anfang an als existenzielle Bedrohung wahrgenommen. Viele Menschen im Westen glauben nicht, dass es sich um eine existenzielle Bedrohung f&uuml;r die Russen handelt, aber was sie glauben, ist irrelevant, denn das Einzige, was z&auml;hlt, ist, was Putin und seine russischen Kollegen denken, und sie halten die NATO-Osterweiterung f&uuml;r eine existenzielle Bedrohung.<\/p><p>Um ehrlich zu sein, denke ich, dass es &uuml;berw&auml;ltigende Beweise gibt, dass es sich hier nicht um Putins imperialistisches Vorgehen handelt, sondern, wie erw&auml;hnt, um die Erweiterung der NATO. Wenn du dir seine Rede vom 24. Februar anschaust, in der er begr&uuml;ndet, warum Russland in die Ukraine einmarschiert ist, geht es um die NATO-Erweiterung und die Tatsache, dass er sie als existenzielle Bedrohung f&uuml;r Russland ansieht. Wenn du dir den Einsatz der Streitkr&auml;fte in der Ukraine ansiehst, ist es schwer zu behaupten, dass die Russen die Ukraine erobern, besetzen und in ein gr&ouml;&szlig;eres Russland integrieren wollen. Wenn du Selenskyj zuh&ouml;rst, wie er &uuml;ber eine m&ouml;gliche L&ouml;sung spricht, ist das erste, was er anspricht, das Thema einer neutralen Ukraine. Das zeigt dir, dass es in Wirklichkeit um die NATO-Erweiterung und um die ukrainische Neutralit&auml;t geht. Es gibt kein Indiz daf&uuml;r, dass Putin die Ukraine tats&auml;chlich zu einem Teil Russlands machen will.<\/p><p>Es gibt auch keine Beweise daf&uuml;r, dass er gesagt hat, dies sei m&ouml;glich und er habe die Absicht, es zu tun. Man darf annehmen, dass er in seinem Herzen die Ukraine gerne als Teil Russlands s&auml;he. In seinem Herzen w&uuml;rde er wahrscheinlich auch gerne die Sowjetunion zur&uuml;ckkehren sehen. Aber wie er selber deutlich gemacht hat, ist das nicht m&ouml;glich, und jeder, der so denkt, denkt eben in die falsche Richtung. So hat er es formuliert. Ich w&uuml;rde mich freuen, wenn mir jemand zeigen k&ouml;nnte, wo er bei der Erkl&auml;rung seiner Politik tats&auml;chlich als Ziel ge&auml;ussert hat, ein gr&ouml;&szlig;eres Russland zu schaffen oder die Sowjetunion wiederherzustellen. Wenn du (Katrina, Red.) wie auch ich glaubst, dass er sich einer existenziellen Bedrohung gegen&uuml;bersieht, bedeutet das, dass er dies <em>als Bedrohung f&uuml;r Russlands &Uuml;berleben<\/em> ansieht. Und wenn er sich in einer solchen Situation befindet, darf er nicht verlieren. Wenn du mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert bist, kannst du nicht verlieren. Du hast keine Wahl, du musst gewinnen.<\/p><p><strong>Den USA geht es darum, Russland zu besiegen<\/strong><\/p><p>Damit w&auml;ren wir bei der amerikanischen Seite. Was tun die Amerikaner? Was wir (Amerikaner) tun, ist das, was wir nach dem Ausbruch der Krise am 22. Februar 2014 schon getan haben: Wir verdoppeln unseren Einsatz. Wir haben beschlossen, Russland in der Ukraine zu besiegen. Wir werden den Russen in der Ukraine eine entscheidende Niederlage zuf&uuml;gen. Und gleichzeitig werden wir Russlands Wirtschaft strangulieren. Wir werden b&ouml;se Sanktionen gegen die Russen verh&auml;ngen und sie so in die Knie zwingen. Mit anderen Worten: Wir werden gewinnen und sie werden verlieren. Dar&uuml;ber hinaus haben die Biden-Administration und der Pr&auml;sident selbst enorme Anstrengungen unternommen, um die Rhetorik zu versch&auml;rfen und die Russen als die Quelle allen &Uuml;bels darzustellen und uns, die USA als die Guten zu pr&auml;sentieren und in den K&ouml;pfen der Menschen den Eindruck zu erwecken, dass diese Situation keine Kompromisse erlaubt, weil man mit dem Teufel keine Kompromisse eingehen kann. In der Realit&auml;t heisst das: Auch wir (die USA, Red.) m&uuml;ssen hier gewinnen.<\/p><p>Du wirst wissen, dass es eine verheerende Niederlage f&uuml;r Joe Biden w&auml;re, wenn die Russen diesen Krieg gewinnen w&uuml;rden. Und wie ich dir gerade gesagt habe, m&uuml;ssen die Russen diesen Krieg gewinnen, weil es sich f&uuml;r sie um eine existenzielle Bedrohung handelt. Die Frage, die man sich stellen sollte, ist also: Was bleibt uns? Beide Seiten m&uuml;ssen gewinnen. Es ist aber unm&ouml;glich, dass beide Seiten gewinnen &ndash; nicht in der Situation, mit der wir hier konfrontiert sind. Wie k&ouml;nnen wir also eine Verhandlungsl&ouml;sung finden? Ich glaube nicht, dass es dazu kommt. Ich sehe nicht, dass die Russen in irgendeiner Weise nachgeben, und ich sehe auch nicht, dass die Amerikaner in irgendeiner Weise nachgeben. Was also wird wahrscheinlich passieren? Auf unserer Seite und sogar auf der russischen Seite wird jetzt davon gesprochen, dass dieser Krieg noch Jahre dauern wird. Mit anderen Worten: Wir werden einen Krieg zwischen den USA und Russland haben, der sich &uuml;ber Jahre hinziehen wird.<\/p><p>Ich wei&szlig;, dass wir (die USA) zu diesem Zeitpunkt nicht in die K&auml;mpfe verwickelt sind, aber wir sind so nah dran, wie man nur sein kann. Und dann fragst du dich, ob es nicht m&ouml;glich ist, dass wir in diese Sache hineingezogen werden. Der politische Druck auf die Biden-Regierung ist gro&szlig;, die Flugverbotszone einzuf&uuml;hren und zu humanit&auml;ren Zwecken in die Ukraine einzudringen und so weiter und so fort. Bis jetzt konnte Biden diesem Druck widerstehen, aber wird er ihm f&uuml;r immer widerstehen k&ouml;nnen? Und was ist, wenn wir durch einen milit&auml;rischen Zwischenfall in die K&auml;mpfe hineingezogen werden? Wir k&ouml;nnten durchaus in eine Situation geraten, in der die USA und Russland in der Ukraine direkt gegeneinander k&auml;mpfen. Dann kommen wir zu der Frage der nuklearen Eskalation.<\/p><p>Ich denke, wenn die USA in einen Kampf gegen Russland hineingezogen werden und es ein konventioneller Krieg in der Ukraine oder &uuml;ber der Ukraine in der Luft wird, werden die USA die Russen fertigmachen. Wenn sich die Ukrainer milit&auml;risch so gut gegen die Russen behaupten, kannst du dir vorstellen, wie viel besser die Amerikaner in Luftk&auml;mpfen und auch am Boden abschneiden w&uuml;rden, oder? H&auml;ltst du es nicht f&uuml;r m&ouml;glich, dass Russland in einer solchen Situation zu Atomwaffen greifen wird? Ich halte es f&uuml;r m&ouml;glich. Ich habe eine Menge Milit&auml;rgeschichte studiert. Ich habe mich mit der japanischen Entscheidung befasst, die Vereinigten Staaten 1941 in Pearl Harbor anzugreifen. Ich habe mich mit der deutschen Entscheidung besch&auml;ftigt, w&auml;hrend der Julikrise 1914 den Ersten Weltkrieg zu beginnen. Ich habe mir die &auml;gyptische Entscheidung angesehen, 1973 Israel anzugreifen.<\/p><p>In all diesen F&auml;llen hatten die Entscheidungstr&auml;ger das Gef&uuml;hl, dass sie sich in einer verzweifelten Situation befinden, und ihnen war bewusst, dass sie in gewisser Weise die W&uuml;rfel rollen lie&szlig;en, dass sie eine unglaublich riskante Strategie verfolgten. Aber sie hatten das Gef&uuml;hl, dass sie keine andere Wahl hatten. Sie hatten das Gef&uuml;hl, dass ihr &Uuml;berleben auf dem Spiel stand. Wir reden hier also von einem Land wie Russland, das glaubt, dass es sich einer existenziellen Bedrohung gegen&uuml;bersieht, das glaubt, dass sein &Uuml;berleben auf dem Spiel steht, und wir bringen es an seine Grenzen. Wir reden davon, Russland zu zerst&ouml;ren. Es geht nicht nur darum, Russland in der Ukraine zu besiegen, sondern Russland auch wirtschaftlich zu zerst&ouml;ren. Das ist eine bemerkenswert gef&auml;hrliche Situation und ich finde es erstaunlich, wie leichtfertig wir mit diesem Thema umgehen. Ich glaube &uuml;brigens, dass das viel damit zu tun hat, dass viele Menschen, die heute &uuml;ber dieses Problem nachdenken, in der unipolaren Zeit aufgewachsen sind und nicht w&auml;hrend des Kalten Krieges. W&auml;hrend des Kalten Krieges, und das kann dir jemand wie Jack (<a href=\"https:\/\/usrussiaaccord.org\/team-member\/jack-f-matlock-jr\/\">Jack F. Matlock Jr.<\/a>) noch besser erkl&auml;ren als ich, haben wir lange und intensiv &uuml;ber einen Atomkrieg nachgedacht.<\/p><p>Wir haben lange und intensiv &uuml;ber die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion nachgedacht und dar&uuml;ber, wie sie zu einem Atomkrieg f&uuml;hren k&ouml;nnten. Menschen, die in der unipolaren Zeit aufgewachsen sind, gehen mit diesen Themen viel unbek&uuml;mmerter um. Und ich denke, dass dies eine sehr gef&auml;hrliche Situation darstellt. Ich m&ouml;chte anmerken, dass selbst wenn die Russen und die Amerikaner nicht direkt gegeneinander k&auml;mpfen, sondern die Ukrainer in der Lage sind, die Russen in der Ukraine ins Wanken zu bringen und ihnen deutliche Niederlagen zuzuf&uuml;gen, die Russen auch so zu Atomwaffen greifen k&ouml;nnten. Das ist m&ouml;glich. Ist es wahrscheinlich? Nein, aber es ist m&ouml;glich. Und das macht mir gro&szlig;e Angst, und es sollte den meisten Amerikanern und vor allem auch den meisten Europ&auml;ern Angst machen. Wenn ich mir also die Beziehungen zwischen den USA und Russland heute anschaue, denke ich, dass wir uns praktisch im Krieg miteinander befinden. Zwar k&auml;mpfen die Amerikaner nicht auf dem Schlachtfeld gegen die Russen, aber die Situation ist sehr gef&auml;hrlich.<\/p><p>Und was ist mit der Ukraine? Haben die Ukrainer keinen Spielraum f&uuml;r ein anderes Vorgehen? Immerhin ist es ihr Land, das zerst&ouml;rt wird. Man k&ouml;nnte argumentieren, dass der Westen, insbesondere die USA, bereit sind, diesen Krieg bis zum letzten Ukrainer zu f&uuml;hren. Und das Endergebnis w&auml;re, dass die Ukraine als Land zerst&ouml;rt wird. W&auml;re es nicht m&ouml;glich, dass die Ukrainerinnen und Ukrainer selbst sagen, dass es jetzt genug ist, und dem Ganzen ein Ende setzen, wenn sie die M&ouml;glichkeit dazu haben? Leider glaube ich nicht, dass das der Fall ist. Ich glaube, dass die USA den Ukrainern nicht erlauben werden, einen Deal zu schlie&szlig;en, der f&uuml;r die USA inakzeptabel w&auml;re. Die &laquo;Washington Post&raquo; hat am Montag einen Artikel ver&ouml;ffentlicht, der deutlich macht, dass die Regierung und unsere NATO-Verb&uuml;ndeten sehr besorgt sind, dass die Ukrainer einen Deal mit den Russen eingehen k&ouml;nnten, der es so aussehen liesse, als h&auml;tten die Russen gewonnen, oder der in Wirklichkeit einr&auml;umt, dass die Russen zumindest bis zu einem gewissen Grad gewonnen haben.<\/p><p>Wir wollen nicht, dass das passiert. Wie ich bereits sagte, ist die Biden-Regierung darauf aus, Russland eine entscheidende Niederlage beizubringen. Wenn die Ukrainer beschlie&szlig;en, sich auf einen Deal einzulassen und Russland einen bedeutenden Sieg zuzugestehen, werden die Amerikaner sagen, dass das inakzeptabel ist. Und die Amerikaner werden mit den ultrarechten Nationalisten in der Ukraine zusammenarbeiten, um Selenskyj oder seinen Nachfolger politisch zu untergraben. Ich sehe also keine M&ouml;glichkeit, dass die Ukraine eingreifen und diese Krise selbst beenden kann. Ich sehe nur, dass sich diese Krise immer weiter ausdehnt.<\/p><p>Abschlie&szlig;end m&ouml;chte ich daran erinnern, dass George Kennan in den sp&auml;ten 1990er Jahren sagte, die NATO-Erweiterung sei ein tragischer Fehler und werde zum Beginn eines neuen Kalten Krieges f&uuml;hren. Zuerst sah es so aus, als h&auml;tte er Unrecht. Die erste Tranche der NATO-Erweiterung fand 1999 statt und wir (die USA, Red.) sind damit durchgekommen. Die zweite Tranche der Erweiterung erfolgte 2004 und auch damit sind wir durchgekommen. Aber als dann im April 2008 eine dritte Tranche beschlossen wurde, die auch Georgien und die Ukraine einschlie&szlig;en sollte, war klar, dass wir zu weit gegangen waren. Und das Endergebnis ist leider, dass sich Kennans Vorhersage bewahrheitet hat.<\/p><p>Ich danke dir.<\/p><p><em>Anmerkung der Redaktion von Global Bridge: Das Gespr&auml;ch wurde mitgeschnitten und als <a href=\"https:\/\/usrussiaaccord.org\/acura-viewpoint-transcript-of-john-mearsheimers-april-7th-presentation\/\">Transkript<\/a> festgehalten und auf der US-amerikanischen Plattform des &laquo;American Committee for US-Russia Accord&raquo; am 18. April ver&ouml;ffentlicht. Globalbridge.ch hat die Bewilligung erhalten, Mearsheimers Argumentation ins Deutsche zu &uuml;bersetzen und f&uuml;r den deutschsprachigen Raum zu ver&ouml;ffentlichen.<\/em><\/p><p><em>Die &Uuml;bersetzung ins Deutsche besorgte Christian M&uuml;ller. Zum Bild oben siehe auch <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/news_190906.htm\">hier<\/a>.<\/em><\/p><p><strong>Nachbemerkung Albrecht M&uuml;ller: <\/strong><\/p><p>Das Gespr&auml;ch ist interessant, um vieles interessanter als Sonstiges, was in diesen Zeiten zu lesen ist. Es geht an die Wurzel. Aber dann doch nicht ganz: Das Problem sei die Erweiterung der NATO nach Osten, stellt Mearsheimer fest. &ndash; Das ist ein viel zu gro&szlig;es Zugest&auml;ndnis an die Verantwortlichen im Westen. Denn bei den nach dem Ende der Konfrontation zwischen Ost und West im Umfeld des Jahres 1990 stattfindenden &Uuml;berlegungen und Beratungen gab es doch auch die keineswegs abwegige Vorstellung, ein <strong>System gemeinsamer Sicherheit <\/strong>zu schaffen. Diese &Uuml;berlegungen enthielten auch die Vorstellung, nicht nur den Warschauer Pakt, sondern auch die NATO zu beenden. Ein fixierter Beleg daf&uuml;r ist das Berliner SPD-Grundsatzprogramm vom 20. Dezember 1989.<\/p><p>Gegen diesen Hinweis kann man einwenden, dass die SPD damals nicht einmal Regierungspartei war. Aber sie war als Partei und als politische Kraft bedeutsamer als heute und hatte au&szlig;erdem eine Vorstellung davon, wie Friedenspolitik nach dem Ende der Blockkonfrontation aussehen k&ouml;nnte. Au&szlig;erdem schwang auch in den Gespr&auml;chen mit Gorbatschow die Option des Endes der NATO mit. Die Abkehr von diesen &Uuml;berlegungen, die NATO zu beenden, und nicht die Erweiterung der NATO ist die eigentliche Z&auml;sur und der Beginn der neuen gef&auml;hrlichen Konfrontation.<\/p><p>Titelbild: &copy; NATO \/ Ukraine-Botschafterin Nataliia Galibarenko, &laquo;Head of Mission of Ukraine to NATO&raquo;, und Ludwig Decamps, &laquo;General Manager NATO Communication and Information Agency&raquo;, begl&uuml;ckw&uuml;nschen einander zur Erneuerung einer Vereinbarung f&uuml;r technische Zusammenarbeit &ndash; am 17. Januar 2022, einen Monat, nachdem Russland von den USA und von der NATO Sicherheitsgarantien verlangt hatte. Einmal mehr eine klare Provokation gegen&uuml;ber Russland.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Christian M&uuml;ller<\/strong> von Global Bridge hat uns <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland\/\">auf diesen Text<\/a> aufmerksam gemacht. Er hat den Mitschnitt eines Gespr&auml;chs , das der bekannte, auf internationale Beziehungen spezialisierte Politologe <a href=\"https:\/\/www.mearsheimer.com\/\">John J. Mearsheimer<\/a>, emeritierter Professor der Universit&auml;t Chicago, mit <a href=\"https:\/\/usrussiaaccord.org\/team-member\/katrina-vanden-heuvel\/\">Katrina vanden Heuvel<\/a>, Herausgeberin der US-amerikanischen Wochenzeitschrift &laquo;The Nation&raquo; und Witwe des 2020 verstorbenen Russistik-Professors <a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83068\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":83069,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171],"tags":[1519,1460,2529,2301,3220,466,915,259,260,1556],"class_list":["post-83068","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-biden-joe","tag-imperialismus","tag-konfrontationspolitik","tag-mearsheimer-john-j","tag-nato","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/220419-Maersheimeer.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83068"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83078,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83068\/revisions\/83078"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/83069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}