{"id":83221,"date":"2022-04-25T09:03:42","date_gmt":"2022-04-25T07:03:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83221"},"modified":"2022-04-25T16:55:05","modified_gmt":"2022-04-25T14:55:05","slug":"der-westen-will-keinen-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83221","title":{"rendered":"Der Westen will keinen Frieden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der ehemalige Schweizer Geheimdienstoffizier und NATO-Berater Jacques Baud spricht &uuml;ber die Wurzeln des Ukraine-Krieges und seine wachsenden Gefahren<\/strong>. Manch einen plagt die Sorge, dass in der kollektiven Hysterie des Westens mit ihren Sanktionen und Waffenlieferungen, und mit der absurden Idee, diesen Krieg auf dem Schlachtfeld gewinnen und Russland bestrafen zu wollen, die Gefahr einer Eskalation zum Atomkrieg liegt. Dieser Auffassung scheint auch <strong>Jacques Baud<\/strong> zu sein, der hier von <strong>Aaron Mat&eacute;<\/strong> interviewt wird. Zwar lesen sich seine Einlassungen streckenweise wie eine Putin-Apologie, doch eine sehr kenntnis- und detailreiche, die den Versuch einer Charakterisierung aller Akteure rund um den 24. Februar 2022 unternimmt, und auch vor einer Deutung des &bdquo;R&auml;tsels Putin&ldquo; nicht zur&uuml;ckschreckt. Aus dem Englischen von <strong>Susanne Hofmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8320\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-83221-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220425_Der_Westen_will_keinen_Frieden_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220425_Der_Westen_will_keinen_Frieden_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220425_Der_Westen_will_keinen_Frieden_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220425_Der_Westen_will_keinen_Frieden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=83221-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220425_Der_Westen_will_keinen_Frieden_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220425_Der_Westen_will_keinen_Frieden_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Vorbemerkung Jens Berger: Die NachDenkSeiten sind bem&uuml;ht, beim Thema &bdquo;Krieg in der Ukraine&ldquo; die verschiedenen Facetten im Meinungsspektrum abzubilden und &uuml;berlassen es ihren Lesern, die Versatzst&uuml;cke zusammenzuf&uuml;hren. Wir halten unsere Leser f&uuml;r erwachsene Menschen, die sich ihre eigene Meinung machen k&ouml;nnen. Wenn wir Gastartikel und Interviews abdrucken, hei&szlig;t dies daher nicht, dass wir s&auml;mtliche Aussagen eins zu eins teilen. So teile ich pers&ouml;nlich beispielsweise die Aussagen von Jaques Baud zu Bucha und Kramatorsk nicht und finde auch seine Aussagen zum Beginn der Invasion ein wenig unterkomplex und einseitig. Das soll aber nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass viele andere Aussagen hochinteressant sind und so in den allermeisten Medien, die alles verteufeln, was auch nur im Verdacht steht, Spuren von Verst&auml;ndnis f&uuml;r die russische Position zu haben, nicht zu lesen oder zu h&ouml;ren sind. <\/em><\/p><p><strong>AARON MAT&Eacute;: Willkommen bei Pushback. Ich bin Aaron Mat&eacute;. Mein heutiger Gast ist Jacques Baud. Er hat eine Reihe hoher Sicherheits- und Beraterpositionen bei der NATO, der UN und den Schweizer Streitkr&auml;ften bekleidet. Er ist auch ehemaliger Geheimdienstoffizier des Swiss Strategic Intelligence Service. Jacques, danke, dass Sie sich zuschalten konnten.<\/strong><\/p><p>JACQUES BAUD: Danke f&uuml;r die Einladung.<\/p><p><strong>Lassen Sie mich mit der Frage beginnen &ndash; erz&auml;hlen Sie doch mehr von Ihrem Hintergrund und welche Einblicke in die Ukrainekrise Ihnen dieser verschafft.<\/strong><\/p><p>Wie Sie gerade sagten, bin ich strategischer Geheimdienstoffizier. Mein Aufgabengebiet waren die Kr&auml;fte des Warschauer Paktes. Das war w&auml;hrend des Kalten Krieges, aber ich habe immer noch einen guten Blick auf die Vorg&auml;nge in Osteuropa. Ich pflegte auch russisch zu sprechen und zu lesen, das erleichtert den Zugang zu gewissen Dokumenten.<\/p><p>Und k&uuml;rzlich wurde ich zur NATO geholt als Chef der Abteilung gegen die Proliferation kleiner Waffen. In dieser Eigenschaft nahm ich an mehreren NATO-Projekten seit 2014 in der Ukraine teil. Dadurch kenne ich diesen Kontext gut. 2014 untersuchte ich auch den m&ouml;glichen Influx kleiner Waffen in den Donbass.<\/p><p>Und drittens arbeitete ich &ndash; weil ich f&uuml;r die UN schon mit der Wiederherstellung von Streitkr&auml;ften befasst war &ndash; als die ukrainische Armee Probleme kriegte mit pers&ouml;nlichen Angelegenheiten, Selbstmord, all diese Dinge, die es 2014 gab, auch Probleme bei der Rekrutierung von Soldaten &ndash; wurde ich von der NATO-Seite gebeten, an mehreren Projekten zur Wiederherstellung der ukrainischen Streitkr&auml;fte teilzunehmen. Das ist also, kurz zusammengefasst, mein Hintergrund zu diesem Thema.<\/p><p><strong>#Runup zum 24. Februar<\/strong><\/p><p><strong>Sie haben <a href=\"https:\/\/corona-transition.org\/jacques-baud-die-militarische-lage-in-der-ukraine\">einen langen Artikel geschrieben<\/a>, in dem Sie die Ursachen des Ukrainekonfliktes in drei Hauptgebieten darlegen. Da gibt es die strategische Ebene, die Expansion der NATO; die politische Ebene mit dem, was Sie als die Weigerung des Westens bezeichnen, die Minsker Vereinbarungen umzusetzen; und auf der operativen Ebene die andauernden und wiederholten Angriffe auf die Zivilbev&ouml;lkerung des Donbass w&auml;hrend der letzten Jahre, die gegen Ende Februar 2022 dramatisch zunahmen.<\/strong><\/p><p><strong>Lassen Sie uns damit beginnen. Sprechen Sie &uuml;ber diesen Anstieg der Angriffe auf Zivilisten im Donbass im Februar, also den Tagen unmittelbar vor der russischen Invasion, und wie dieser Anstieg zu diesem Krieg oder dieser Invasion f&uuml;hrte.<\/strong><\/p><p>Nun, wir d&uuml;rfen nat&uuml;rlich nicht vergessen, wie Sie wissen, dass der Krieg nicht wirklich am 24. Februar dieses Jahres begonnen hat. Sondern schon im Jahr 2014. Aber ich glaube, die Russen hatten immer die Hoffnung, dass dieser Konflikt auf der politischen Ebene gel&ouml;st werden k&ouml;nne, ich meine die Minsker Vereinbarungen und all das. Was also zu der Entscheidung f&uuml;hrte, eine Offensive im Donbass loszutreten, waren nicht die Ereignisse seit 2014. Sondern es gab einen Ausl&ouml;ser, und der kam, wenn Sie so wollen, in zwei Phasen. Die erste ist die Entscheidung und das Gesetz, das Wolodymyr Selenskij im M&auml;rz 2021 &ndash; also letztes Jahr &ndash; verabschiedet hat, die Krim gewaltsam zur&uuml;ckzuerobern, und daran schloss sich ein Aufmarsch russischer Trupp&hellip; pardon, ich meinte nat&uuml;rlich ukrainischer Truppen, an, im s&uuml;dlichen Teil des Landes. Und so glaube ich, dass die Russen &uuml;ber diesen Aufmarsch genau Bescheid wussten. Ihnen war klar, dass eine Operation gegen die Republiken im Donbass bevorstand, aber sie wussten nicht wann, und nat&uuml;rlich haben sie das nur beobachtet, aber dann kam der wirkliche Ausl&ouml;ser.<\/p><p>Vielleicht erinnern Sie sich &ndash; ich meine, es war am 16. Februar &ndash; da sagte Joe Biden in einer Pressekonferenz, er wisse, die Russen w&uuml;rden angreifen. Und woher h&auml;tte er das wissen sollen? Nun, ich habe noch einige Kontakte, und zu Ende Januar, Anfang Februar, glaubte noch niemand, dass die Russen die Ukraine angreifen w&uuml;rden. Also muss es etwas gegeben haben, das Biden gewarnt hat. Und dieses Etwas, das war die Zunahme des Artilleriebeschusses des Donbass (1), die am 16. Februar begann. Und das wurde tats&auml;chlich von der Beobachtungsmission der OSZE (Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) beobachtet, sie zeichneten diesen Anstieg der Waffenstillstandsverletzungen (2) auf, das war ein massiver Anstieg.<\/p><p>Ich meine, wir haben es mit einer Steigerung auf das Drei&szlig;igfache zu tun &ndash; in den letzten acht Jahren hatte es schon eine Menge Waffenstillstandsverletzungen (2) von beiden Seiten gegeben. Aber dann am 16. Februar gab es diesen massiven Anstieg von der ukrainischen Seite. Deshalb war das f&uuml;r die Russen, und insbesondere Wladimir Putin, das Signal, dass die Operation &ndash; n&auml;mlich die der ukrainischen Seite &ndash; nun beginnen w&uuml;rde. Und dann ging alles los: ich meine, nun ging es Schlag auf Schlag. Wenn wir uns die Zahlen ansehen, dann bemerken Sie einen massiven Anstieg vom 16. auf den 17. Februar, und dann erreichte es eine Art Maximum am 18., und setzte sich weiter fort. (3)<\/p><p>Auch in der Duma, dem russischen Parlament, wusste man &uuml;ber diese m&ouml;gliche Offensive Bescheid, und sie verabschiedeten eine Resolution, in der sie Wladimir Putin baten, die Unabh&auml;ngigkeit der beiden selbstproklamierten Republiken im Donbass anzuerkennen. Und das tat Putin dann am 21. Februar. Und gleich nach dem Gesetz, das die Unabh&auml;ngigkeit der beiden Republiken anerkennt, unterzeichnete er eine Vereinbarung &uuml;ber Freundschaft und gegenseitige Hilfe mit diesen Republiken. Zu welchem Zweck? Nun, das w&uuml;rde den Republiken gestatten, milit&auml;rische Hilfe anzufordern, wenn sie angegriffen w&uuml;rden. Und deshalb konnte am 24. Februar, als Putin die Offensive begann, diese sich auf Artikel 51 der UN-Charta berufen, der genau diese Art von Hilfe gew&auml;hrleistet.<\/p><p><strong>Und, wie Sie schon sagten, stellte die OSZE eine starke Zunahme der Waffenstillstandsverletzungen fest, Artilleriefeuer gegen die Seite der Rebellen. Aber glauben Sie, nach dem was Sie bei der Positionierung der ukrainischen Truppen beobachten konnten, dass die Bedrohung durch einen unmittelbar bevorstehenden Angriff der ukrainischen Truppen real war? Kann man das absch&auml;tzen anhand ihrer Positionierung auf der anderen Seite der Kontaktlinie?<\/strong><\/p><p>Ja, hundertprozentig. Ich meine, wir hatten Berichte, und die waren verf&uuml;gbar w&auml;hrend der letzten zwei Monate. Seit dem letzten Jahr wissen wir, dass die Ukrainer ihre Kr&auml;fte im S&uuml;den des Landes konzentrieren, nicht an der Ostgrenze mit Russland, sondern an der Kontaktlinie im Donbass. Und tats&auml;chlich, wie wir seit dem 24. Februar erleben, stie&szlig;en die Russen bei Beginn der Offensive kaum auf Widerstand, insbesondere im Norden.<\/p><p><strong>#Kriegsf&uuml;hrung im Donbass<\/strong><\/p><p>Und dadurch konnten sie, was sie seitdem getan haben, die ukrainischen Kr&auml;fte im S&uuml;den umstellen, im S&uuml;dostteil des Landes &ndash; zwischen den beiden Donbass-Republiken und der restlichen Ukraine. Und dort befindet sich heute die Hauptmasse der ukrainischen Kr&auml;fte. Das entspricht genau der russischen, operationellen Kampfdoktrin. Die Hauptoffensive war im S&uuml;den, weil durch die Zielvorgabe Wladimir Putins &ndash; Entwaffnung und Entnazifizierung &ndash; beide Ziele im S&uuml;den erreicht werden konnten, und dort wurden die Hauptanstrengungen der Offensive unternommen.<\/p><p>Der Angriff auf Kiew war ein sogenannter sekund&auml;rer Angriff, und er hatte im Grunde eine doppelte Funktion. Erstens, die politische F&uuml;hrung in Kiew unter Druck zu setzen, in der Hoffnung, sie an den Verhandlungstisch zu bekommen. Zweitens, den Rest der ukrainischen Streitkr&auml;fte zu binden und festzunageln, so dann sie die Hauptkr&auml;fte im Donbass nicht verst&auml;rken konnten. Und das hat gut funktioniert. Wie ich schon sagte, konnten die Russen die Hauptmasse der ukrainischen Kr&auml;fte umstellen, Nachdem sie das geschafft hatten, konnten sie einige Truppen von Kiew abziehen, und das ist es, was sie seit Ende M&auml;rz getan haben. Sie haben mehrere Einheiten abgezogen, um anderswo Verst&auml;rkung zu gewinnen, n&auml;mlich f&uuml;r die Hauptauseinandersetzung um den Donbass. Jetzt sind sie bei diesem Abzug, und diese Truppen lagen vorher im Gebiet um Kiew, und werden nun die Flanken der Vorhut sch&uuml;tzen, in der Offensive gegen die Hauptstreitkr&auml;fte im Donbass.<\/p><p>Und das ist es, was einige die &bdquo;Mutter aller Schlachten&ldquo; genannt haben, das findet jetzt im Donbass statt, wo sie &ndash; niemand kennt die genaue Anzahl eingekesselter ukrainischer Soldaten, die Sch&auml;tzungen reichen von 60.000 bis 80.000 &ndash; und diese Kr&auml;fte sollen in kleinere Kessel zerschnitten, und dann vernichtet oder neutralisiert werden.<\/p><p><strong>#Selenskij und seine Vorgesetzten<\/strong><\/p><p><strong>F&uuml;r mich ist es ziemlich klar, dass Selenskijs Regierung an ernsthaften Gespr&auml;chen &uuml;ber all die kritischen Themen, die diesen Krieg h&auml;tten vermeiden k&ouml;nnen, kein Interesse hatte, und f&uuml;r den Hauptgrund halte ich den wahrscheinlich hinter den Kulissen ausge&uuml;bten Druck der USA, was wir jetzt nicht endg&uuml;ltig beweisen k&ouml;nnen. Aber ich glaube, die Beweise werden sp&auml;ter auftauchen. Der zweite Grund ist offene Feindschaft von Ukraines Ultrarechten, die faktisch Selenskijs Leben bedrohten, wenn er Frieden mit Russland geschlossen h&auml;tte.<\/strong><\/p><p><strong>Und diese Drohungen waren sein st&auml;ndiger Begleiter als Pr&auml;sident, die ganze Zeit bis zum Vorabend der Invasion, und f&uuml;hrten dazu, dass Leute wie sein Top-Sicherheitsberater Ende Januar verk&uuml;ndeten, die Implementierung von Minsk w&uuml;rde die Ukraine zerst&ouml;ren &ndash; nachdem Selenskij die Wahl mit dem Versprechen, Minsk zu implementieren, gewonnen hatte &ndash; und das f&uuml;hrte zu den finalen Gespr&auml;chen &uuml;ber die Implementierung von Minsk, die von Frankreich und Deutschland vermittelt wurden. In diesen Gespr&auml;chen im Februar weigerte Selenskijs Regierung sich urpl&ouml;tzlich, auch nur mit den Abgesandten der Rebellen zu sprechen, was jede &Uuml;bereinkunft unm&ouml;glich machte. Und in der Zwischenzeit hatte es Entwicklungen wie die folgende gegeben, was j&uuml;ngst vom *Wallstret Journal* publiziert wurde: Der deutsche Kanzler Olaf Scholz soll Selenskij am 19. Februar geraten haben, dass &bdquo;die Ukraine auf ihre NATO-Ambitionen verzichten und Neutralit&auml;t erkl&auml;ren sollte, als Teil eines weiter gefassten Sicherheitskonzepts zwischen Russland und dem Westen.&ldquo; Und dieses von Scholz vorgeschlagene Abkommen w&uuml;rde von Biden und Putin mitunterschrieben, aber Selenskij wollte das nicht und lehnte es rundheraus ab.<\/strong><\/p><p><strong>Aber meine Frage ist, nachdem es ziemlich klar ist, dass Selenskij und die Ukraine die Diplomatie sabotiert haben, was ist mit Russland? Hat Russland alle diplomatischen Mittel eingesetzt, um einen Krieg zu vermeiden? Zum Beispiel, warum geht es nicht zur UN und beantragt einen Blauhelmeinsatz f&uuml;r den Donbass? Und zweitens, wenn das Ziel ist, die Bev&ouml;lkerung des Donbass zu sch&uuml;tzen, warum invadiert man dann nicht nur im Donbass, sondern auch weit davon entfernt?<\/strong><\/p><p>Nun, ich glaube, die Russen haben ihr Vertrauen in den Westen komplett verloren. Ich glaube, das ist der Hauptgrund. Sie vertrauen dem Westen nicht mehr, und deswegen, glaube ich, setzen sie auf einen vollst&auml;ndigen milit&auml;rischen Sieg, um eine bessere Verhandlungsposition zu erreichen. <\/p><p>Ich glaube, dass Selenskij &hellip; ich bin nicht sicher, dass er dem Frieden so abgeneigt ist. Ich glaube, er kann es sich nicht leisten, Frieden zu schlie&szlig;en. Ich glaube, dass er von Anfang an gefangen war zwischen&hellip; Sie erinnern sich, er wurde gew&auml;hlt f&uuml;r die Idee, im Donbass Frieden zu stiften. Das war sein Ziel, das war seine Agenda als Pr&auml;sident.<\/p><p><strong>#Europa blockiert den Frieden<\/strong><\/p><p>Aber ich glaube, der Westen &ndash; besonders die Amerikaner und Briten &ndash; wollten nicht, dass es zu diesem Frieden kommt. Und nat&uuml;rlich die Deutschen und Franzosen, die Garantiem&auml;chte f&uuml;r die ukrainische Seite der Minsker Vereinbarung sind, haben das &ndash; ihre Funktion &ndash; nie implementiert. Sie haben schlicht und einfach ihren Job nicht gemacht. Das gilt besonders f&uuml;r Frankreich, das gleichzeitig im UN-Sicherheitsrat sitzt. Denn, zur Erinnerung, die Minsker Vereinbarung war auch Gegenstand einer Resolution des Sicherheitsrates. Also haben sie nicht nur die in Minsk geleisteten Unterschriften der Parteien, sondern auch jene der Mitglieder des Sicherheitsrates, die f&uuml;r die Implementierung verantwortlich waren &ndash; und keiner wollte, dass diese Vereinbarung umgesetzt wird. Das scheint zu bedeuten, dass Selenskij unter gro&szlig;em Druck stand, so dass er nicht einmal mit den Repr&auml;sentanten der beiden abtr&uuml;nnigen Republiken sprechen wollte.<\/p><p>Damit haben wir &uuml;brigens ein Beispiel gesehen, mehrere Hinweise, dass Selenskij nicht die volle Kontrolle &uuml;ber das hatte und hat, was in der Ukraine geschieht. Ich glaube, die, sagen wir, rechtsextremen Nationalisten &ndash; es ist schwierig, das richtige Wort zu finden, es ist eine Mischung von allem &ndash; aber eindeutig diese Kr&auml;fte haben ihn bisher gehindert, irgendetwas zu tun. Und wir sehen auch, dass er in der Frage des Friedens heftig schwankt. Sobald er anfing &ndash; Sie erinnern sich an das Ende vom Februar, als er seine Bereitschaft zu Verhandlungen bekundete, die damals in Belarus stattfinden sollten &ndash; Stunden, nachdem er das entschieden hatte, kam die EU mit einer Entscheidung, der Ukraine f&uuml;r eine halbe Milliarde Waffen zu liefern. Offenbar unternahmen die Amerikaner, aber wahrscheinlich der ganze Westen, jede m&ouml;gliche Anstrengung, eine politische L&ouml;sung des Konfliktes zu verhindern. Und ich glaube, die Russen verstehen das genau. <\/p><p><strong>#Der Plan zur Schw&auml;chung Russlands<\/strong><\/p><p>Nun m&uuml;ssen wir auch wissen, dass die Russen ein ganz anderes Verst&auml;ndnis vom Krieg haben als westliche L&auml;nder, besonders die USA. Im Westen neigen wir dazu, wenn wir verhandeln, tun wir das bis zu einem bestimmten Punkt und h&ouml;ren dann auf, und der Krieg beginnt. Und dabei bleibt es dann. Ganz anders bei den Russen. Man f&auml;ngt zwar Krieg an, aber die Diplomatie l&auml;uft immer parallel, zugleich mit dem Kriegsgeschehen. Man benutzt mentalen Druck und versucht, ein Ziel zu erreichen, auch mit Diplomatie. Das erinnert sehr an Carl von Clausewitz, den preu&szlig;ischen General und Milit&auml;rtheoretiker, von dem der ber&uuml;hmte Satz stammt, Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.<\/p><p>Genauso sehen die Russen das auch. Deshalb boten sie w&auml;hrend der gesamten Offensive, und schon bei deren Beginn, Verhandlungen an. Denn die Russen wollen sicherlich verhandeln, aber sie trauen den westlichen L&auml;ndern &ndash; ja dem Westen insgesamt &ndash; nicht, die Verhandlungen zu erleichtern. Und deshalb kamen sie auch nicht zur [M&uuml;nchener] Sicherheitskonferenz. Au&szlig;erdem wissen sie wahrscheinlich, dass dieser Krieg, den wir jetzt sehen, Teil eines gr&ouml;&szlig;eren Krieges gegen Russland ist, der schon vor Jahren begonnen wurde (6), und ich glaube, in Wirklichkeit ist die Ukraine nur&hellip; in Wirklichkeit interessiert sich niemand f&uuml;r die Ukraine, denke ich. Das eigentliche Ziel, der Masterplan ist, Russland zu schw&auml;chen, und wenn sie mit Russland fertig sind, dann machen sie dasselbe mit China, wie man heute schon unschwer erkennen kann. Ich meine, wir haben gesehen, dass bis jetzt die Ukrainekrise den Rest &uuml;berschattet hat, aber etwas ganz &Auml;hnliches k&ouml;nnte zum Beispiel mit Taiwan passieren. Den Chinesen ist diese M&ouml;glichkeit voll bewusst. Deshalb werden sie auch nicht ihre, sagen wir, Beziehung zu Russland aufs Spiel setzen.<\/p><p>Nun, wenn der Name des Spiels ist, Russland zu schw&auml;chen, und wie Sie wissen, hat die RAND Corporation mehrere Studien durchgef&uuml;hrt, wo es um Ausdehnung oder &Uuml;berdehnung von Russland ging und so weiter, und wo das ganze Szenario&hellip;<\/p><p><strong>Nur zur Erkl&auml;rung f&uuml;r alle Zuschauer, die es noch nicht wissen: RAND ist eine dem Pentagon nahe Denkfabrik, und sie machten 2019 eine Studie, in der sie nach Wegen suchten, wie die USA Russland imperial &uuml;berdehnen und aus dem Gleichgewicht bringen k&ouml;nnten, und als Top-Option stellte sich heraus, Waffen in die Ukraine zu schicken und dort einen Konflikt zu entfachen, der Russland mit hineinziehen w&uuml;rde, also genau das Szenario, das jetzt eingetreten ist.<\/strong><\/p><p>Hundertprozentig. Und ich halte das f&uuml;r einen ausgereiften Plan zur Schw&auml;chung von Russland, und genau das geschieht jetzt vor unseren Augen. Wir h&auml;tten es voraussehen k&ouml;nnen, und ich denke, Putin hat es vorausgesehen. Und ich glaube, er verstand in den Tagen vor dem 24. Februar, dass er nicht nichts tun konnte. Er musste irgendetwas tun.<\/p><p><strong>#Putins Entscheidung<\/strong><\/p><p>Die &ouml;ffentliche Meinung in Russland w&uuml;rde es nie verstehen, wenn Russland dabei zuschauen w&uuml;rde, wie die Donbass-Republiken von der Ukraine invadiert oder zerst&ouml;rt w&uuml;rden. Niemand w&uuml;rde das verstehen. Also musste er etwas machen. Und dann &ndash; Sie erinnern sich, was er am 24. Februar sagte: Egal was er tun w&uuml;rde, das Sanktionspaket f&uuml;r Russland w&uuml;rde das gleiche bleiben. Er wusste also, dass die kleinste Intervention im Donbass ein massives Sanktionspaket nach sich ziehen w&uuml;rde, das war klar. Deshalb entschied er sich gleich f&uuml;r die maximale Option. Eine andere M&ouml;glichkeit w&auml;re gewesen, die Republiken, ohne staatliche Anerkennung, nur an der Kontaktlinie zu verteidigen. Aber er entschied sich f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;ere Variante, die Kr&auml;fte zu zerst&ouml;ren, die den Donbass bedrohten.<\/p><p>Und dann haben Sie diese beiden [von Putin benannten] Ziele: Entwaffnung, das bezieht sich nicht auf die ganze Ukraine, sondern sollte die milit&auml;rische Bedrohung f&uuml;r den Donbass entsch&auml;rfen, das war das Hauptziel. Was er sagte, wurde vielfach missverstanden, und nat&uuml;rlich waren seine Worte nicht sehr klar, aber so ist nun mal die russische Art zu kommunizieren und zu agieren. Man h&auml;lt sich Optionen offen, aus diesem Grunde sagen sie nur so viel wie unbedingt n&ouml;tig. Und das ist genau das, was Putin am 21. meinte, als er von der Entsch&auml;rfung der milit&auml;rischen Drohung gegen den Donbass sprach. Sein zweites Ziel, Entnazifizierung, l&auml;uft nicht darauf hinaus, Selenskij umzubringen oder die Regierung in Kiew abzusetzen. Wie ich schon sagte, Krieg bedeutet f&uuml;r die Russen eine Kombination von Kampfhandlungen mit Diplomatie. Bei dieser Vorgehensweise braucht man eine intakte F&uuml;hrung als Ansprechpartner f&uuml;r die Verhandlungen, und deshalb scheiden alle Varianten aus, in denen die Kiewer F&uuml;hrung umgebracht oder zerst&ouml;rt wird.<\/p><p>Also geht es bei der &bdquo;Entnazifizierung&ldquo; nicht um jene 2,5 Prozent der rechtsextremen Parteien in Kiew. Sondern um die 100 Prozent von Asow-Leuten in Mariupol oder Charkow, und derartige Gruppen. Das wird immer missverstanden. Es geht definitiv um jene Gruppen, die tats&auml;chlich 2014 von den Ukrainern rekrutiert wurden, um, sagen wir, [potentielle Rebellen] zu beschwichtigen und zu kontrollieren (4). Mir fehlt das passende Wort daf&uuml;r, aber um im Donbass zu k&auml;mpfen. Diese Leute sind Extremisten, Faschisten, und sie sind gef&auml;hrlich.<\/p><p><strong>#&Uuml;berl&auml;ufer und andere Probleme<\/strong><\/p><p><strong>Und eine der Aussagen, die Sie in Ihrem Artikel machen und die ich noch nicht kannte, ist, dass ein Teil des Grundes, warum die Ukraine diese Milizen braucht, ultrarechte Milizen und ausl&auml;ndische S&ouml;ldner, die hohe Rate von &Uuml;berl&auml;ufern innerhalb der eigenen Milit&auml;rhierarchie ist, wobei es sich teils um Leute handelt, die nicht dienen wollen, und teils um solche, die im Donbass zu den Rebellen &uuml;berlaufen.<\/strong><\/p><p>Genau. Wie ich schon sagte, beobachtete ich f&uuml;r die NATO den Waffentransfer in den Donbass hinein, und was wir fanden, war, wir konnten keinen russischen Import oder Export von Waffen in Richtung Donbass feststellen. Aber was wir bemerkten, war das &Uuml;berlaufen ganzer Einheiten, bis hin zur Bataillonsst&auml;rke. Und im Jahr 2014 stammte der gr&ouml;&szlig;te Teil der schweren Artillerie, die der Donbass dazugewann, von solchen &Uuml;berl&auml;ufern. Ganze Einheiten wechselten die Seiten komplett mit Mannschaften, Munition und allem. Der Grund ist, dass die ukrainische Armee in Personal und Organisation regional strukturiert war. Dadurch gab es viele russischsprachige Soldaten. Wenn sie zum K&auml;mpfen in den Donbass geschickt wurden, wollten sie nicht gegen ihre russischsprachigen Kollegen k&auml;mpfen und zogen es vor, &uuml;berzulaufen. <\/p><p>Hinzu kommt, dass in den Jahren 2014 bis 2017 die F&uuml;hrung der ukrainischen Armee extrem schwach war. Es gab eine Menge Korruption. Ich bin mir nicht sicher, ob das Milit&auml;r f&uuml;r diese Art von Kriegsf&uuml;hrung vorbereitet war, ein Krieg, der seitens der Rebellen ganz &auml;hnlich gef&uuml;hrt wurde wie heute und in den letzten Jahren im Nahen Osten. Das bedeutet sehr mobile Einheiten, die sehr schnell die Position wechseln, viel schneller als die schweren Einheiten der ukrainischen Armee. Und wenn wir uns die verschiedenen Schlachten ansehen, die 2014\/15 ausgetragen wurden, dann waren es nie die Ukrainer, die vorne lagen. Sie hatten nie die Initiative, sondern die lag immer bei den Rebellen.<\/p><p>Und &ndash; das ist wichtig &ndash; es handelte sich nicht um Guerillak&auml;mpfer. Sondern es war einfach eine extrem mobile Art von Kriegsf&uuml;hrung. Hinzu kam, die ukrainische Armee war generell nicht wirklich bereit zu k&auml;mpfen. Es gab eine Menge Selbstmorde, Alkoholprobleme, Unf&auml;lle und Morde in der ukrainischen Armee. Und das f&uuml;hrte dazu, dass viele junge Ukrainer, um nicht gezogen zu werden, das Land verlie&szlig;en. Und was ich hier sage, wurde aufgezeichnet und stand in den offiziellen Berichten Gro&szlig;britanniens und der USA, glaube ich. Es gibt sehr interessante Berichte &uuml;ber die niedrige Rekrutierungsrate von Einzelpersonen, weil einfach niemand in die Armee wollte.<\/p><p><strong>#Milizen und S&ouml;ldner<\/strong><\/p><p>Und das ist der Grund, warum die NATO involviert war, auch ich war Teil eines solchen Programms, das das Image der Armee und die Rekrutierungsbedingungen und Derartiges verbessern sollte. Aber die L&ouml;sungen, die die NATO lieferte, waren institutioneller Art und w&uuml;rden lange dauern, und um den Mangel an Personal zu kompensieren, und wahrscheinlich auch, um aggressivere Soldaten zu bekommen, fingen sie an, Internationalisten und S&ouml;ldner zu nehmen, das sind Tatsachen. Niemand kennt die genaue Zahl dieser Paramilit&auml;rs und rechtsextremen Milizion&auml;re. Reuters sch&auml;tzt ihre Zahl auf 100.000 &ndash; ich kann dazu nichts sagen. Aber es passt zu dem, was wir jetzt in den Regionen des Landes sehen. Dabei haben die Paramilit&auml;rs keine Rolle im mobilen Krieg, und ich w&uuml;rde sagen, auch nicht auf dem Schlachtfeld. Sondern sie wurden eingesetzt, um in den St&auml;dten f&uuml;r Ordnung zu sorgen.<\/p><p>Genau das sehen wir heute zum Beispiel in Mariupol, wo diese Leute sich aufhalten, denn sie sind f&uuml;r Feldoperationen nicht ausger&uuml;stet. Ihre Ausr&uuml;stung ist f&uuml;r den Stra&szlig;enkampf. Sie haben leichte Waffen und ein paar gepanzerte Fahrzeuge, aber nicht wirklich Panzer oder &Auml;hnliches. Es sind also definitiv Einheiten f&uuml;r die urbane Kriegsf&uuml;hrung. So ist das in allen gro&szlig;en St&auml;dten. Und diese Typen sind extrem fanatisch, kann man sagen, und extrem gef&auml;hrlich. Das erkl&auml;rt die Schlachten und sehr brutalen K&auml;mpfe in Mariupol, als Beispiel, und Dasselbe steht uns wahrscheinlich auch in Charkow bevor.<\/p><p><strong>#Bucha und Kramatorsk<\/strong><\/p><p><strong>Bevor wir zum Schluss kommen, m&ouml;chte ich Sie zu den j&uuml;ngsten Gr&auml;ueltaten befragen, &uuml;ber die berichtet wurde. Es gab Berichte &uuml;ber russische Massent&ouml;tungen von Zivilisten in der Stadt Bucha sowie T&ouml;tungen ukrainischer Kr&auml;fte, und dann hatten wir den Angriff auf den Bahnhof von Kramatorsk. Ich frage mich, ob Sie diese beiden F&auml;lle ausgewertet haben und was Sie dar&uuml;ber denken.<\/strong><\/p><p>Zwei Dinge. Erstens, was wir in beiden F&auml;llen an Indizien haben, deutet f&uuml;r mich darauf hin, dass die Russen nicht verantwortlich waren. Aber, wir wissen es nat&uuml;rlich nicht. Ich glaube, so ehrlich m&uuml;ssen wir sein, wir wissen nicht, was passiert ist. Das Wenige, was wir wissen, alles, die ganzen Einzelheiten scheinen auf die Ukrainer hinzuweisen, aber wir wissen es nicht.<\/p><p><strong>#Europa spielt mit dem Feuer<\/strong><\/p><p>Das was mich an der ganzen Sache st&ouml;rt, ist nicht, dass wir so wenig wissen. Solche Situationen, wo man die Verantwortlichen nicht festnageln kann, sind in Kriegszeiten normal. Was mich st&ouml;rt, ist, dass westliche F&uuml;hrer anfingen, Entscheidungen zu treffen, ohne zu wissen, was los ist, was passiert ist. Und das st&ouml;rt mich ganz gewaltig. Bevor irgendein Ergebnis von irgendeiner Untersuchung vorliegt &ndash; und das sollte eine internationale, unparteiische Untersuchung sein. Ohne das zu haben, fangen wir schon an, Sanktionen zu verh&auml;ngen, Entscheidungen zu treffen &ndash; ich denke, das zeigt, wie pervertiert dieser ganze Entscheidungsprozess im Westen ist. <\/p><p>Seit Februar oder noch davor, denn wir hatten etwas &Auml;hnliches nach der Entf&uuml;hrung &ndash; oder Nicht-Entf&uuml;hrung, denn es war keine &ndash; dieser Zwischenfall in Belarus mit dem Ryanair-Flug. Das war im letzten Mai, 2021, dass die Leute schon Minuten, nachdem die Presse dar&uuml;ber berichtet hatte, reagierten, obwohl sie nicht einmal wussten, was los war!<\/p><p>Das ist die Art und Weise, wie die politische F&uuml;hrung in Europa reagiert &ndash; auf EU-Ebene, aber auch in den einzelnen L&auml;ndern. Als Geheimdienstoffizier st&ouml;rt mich das. Wie kann man so schwerwiegende Entscheidungen treffen (5) f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung oder f&uuml;r ganze L&auml;nder, die sogar unsere Wirtschaften durcheinanderbringen?<\/p><p>Es schl&auml;gt also auf uns selbst zur&uuml;ck. Aber wir entscheiden ja auch, ohne wirklich den Sachstand zu kennen. Und das, glaube ich, zeigt, was f&uuml;r eine unreife F&uuml;hrungsschicht wir generell im Westen haben. Das gilt sicherlich f&uuml;r die USA, aber ich glaube, an diesem Beispiel der Ukrainekrise sieht man, dass die europ&auml;ische F&uuml;hrungsebene nicht besser ist als das, was wir in den USA haben. Wahrscheinlich eher noch schlimmer, denke ich manchmal. Das ist es, was uns wirklich beunruhigen sollte, dass wir Leute haben, die ohne jede Grundlage Entscheidungen treffen, und das ist extrem gef&auml;hrlich.<\/p><p><strong>Jacques Baud, ehemaliger strategischer Geheimdienstoffizier beim Swiss Strategic Intelligence Service, der auch eine Reihe hoher Sicherheits- und Beratungspositionen bei der NATO, den UN und beim Schweizer Milit&auml;r innehatte. Jacques, vielen Dank f&uuml;r Deine Zeit und Deine Erkenntnisse. <\/strong><\/p><p>Danke f&uuml;r alles. Vielen Dank.<\/p><p><strong>Anmerkungen des &Uuml;bersetzers:<\/strong><\/p><ol>\n<li>&hellip; durch ukrainische Einheiten&hellip;<\/li>\n<li>&hellip; der Waffenstillstand im Rahmen der Minsker Vereinbarung&hellip;<\/li>\n<li>In diesen Tagen fanden, nach Berichten des russischen Senders RT, in gro&szlig;em Umfang Evakuierungen von Zivilisten aus dem Donbass nach Russland statt, man rechnete also wirklich mit einem ukrainischen Angriff.<\/li>\n<li>Eine solche rechtsradikale Gruppe, die von Kiew in die Schwarzmeermetropole Odessa geschickt worden war, ver&uuml;bte dort am 2. Mai 2014 ein Massaker an prorussischen Aktivisten mit mindestens 42 Toten. Der Vorfall konnte bis heute nicht juristisch aufgearbeitet werden, da die Ermittlungsbeh&ouml;rden sich auf die Untersuchung prorussischer Aktivisten als Verd&auml;chtige beschr&auml;nkten (Quelle: Wikipedia).<\/li>\n<li>Der europ&auml;ische Luftraum wurde f&uuml;r Flugzeuge belarussischer Herkunft &ndash; insbesondere f&uuml;r alle Fl&uuml;ge des staatlichen Carriers Belavia &ndash; gesperrt. Die meisten Airlines in der EU wurden angehalten, den belarussischen Luftraum nicht zu &uuml;berfliegen. Auch Wirtschaftssanktionen wurden angedacht. Wir haben ausf&uuml;hrlich &uuml;ber den Zwischenfall [berichtet.](<a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/das-ukraine-deja-vu\">rubikon.news\/artikel\/das-ukraine-deja-vu<\/a> ).<\/li>\n<li>Das klingt nach Dramatisierung, doch die Fakten sprechen f&uuml;r sich: siehe etwa <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/das-gesetz-des-dschungels\">rubikon.news\/artikel\/das-gesetz-des-dschungels<\/a> (Putin hat es angek&uuml;ndigt), <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/bewahrte-kriegstreiberin\">rubikon.news\/artikel\/bewahrte-kriegstreiberin<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/kalte-kriegerin\">rubikon.news\/artikel\/kalte-kriegerin<\/a> (Victoria Nuland und der Maidan-Putsch), <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/der-vernichtungsfeldzug\">rubikon.news\/artikel\/der-vernichtungsfeldzug<\/a> (Das britische Netzwerk zur Destabilisierung der Nachbarl&auml;nder Russlands).<\/li>\n<\/ol><p><a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2022\/04\/15\/us-eu-sacrificing-ukraine-to-weaken-russia-fmr-nato-adviser\/\">Link auf die Originaldatei (Video plus Transcript)<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Der ehemalige Schweizer Geheimdienstoffizier und NATO-Berater Jacques Baud spricht &uuml;ber die Wurzeln des Ukraine-Krieges und seine wachsenden Gefahren<\/strong>. Manch einen plagt die Sorge, dass in der kollektiven Hysterie des Westens mit ihren Sanktionen und Waffenlieferungen, und mit der absurden Idee, diesen Krieg auf dem Schlachtfeld gewinnen und Russland bestrafen zu wollen, die Gefahr einer Eskalation<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83221\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":83222,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3223,912,3004,2102,2175,304,466,955,915,259,2579,2620,260,1556,2377,1019,2360],"class_list":["post-83221","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-baud-jacques","tag-buergerkrieg","tag-donbass","tag-geostrategie","tag-interventionspolitik","tag-kriegsverbrechen","tag-nato","tag-neonazismus","tag-putin-wladimir","tag-russland","tag-soeldner","tag-selenskyj-wolodymyr","tag-ukraine","tag-usa","tag-waffenlieferungen","tag-wirtschaftssanktionen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/220225_mate2-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83221"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83242,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83221\/revisions\/83242"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/83222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}