{"id":83368,"date":"2022-04-29T08:41:04","date_gmt":"2022-04-29T06:41:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83368"},"modified":"2022-04-29T10:08:40","modified_gmt":"2022-04-29T08:08:40","slug":"roca-barea-die-anfaenge-der-russophobie-gehen-auf-die-franzoesische-aufklaerung-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83368","title":{"rendered":"Elvira Roca Barea: Die Anf\u00e4nge der Russophobie gehen auf die franz\u00f6sische Aufkl\u00e4rung zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Verschwinden der UdSSR hat sich die traditionelle Russophobie nur in der Erscheinung, nicht aber im Wesen ver&auml;ndert. Sie ist kulturell zu tief verwurzelt. Wie im Fall der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leyenda_negra\">Schwarzen Legende<\/a> ist dieses rassistische Vorurteil weder zuf&auml;llig in die K&ouml;pfe der Westler gelangt, noch ist es spontan entstanden. Die europ&auml;ischen L&auml;nder, in denen es am st&auml;rksten kultiviert wurde, sind Frankreich, Gro&szlig;britannien und Deutschland. <em>Ausz&uuml;ge aus dem Kapitel &bdquo;Die Angst vor den Russen &ndash; damals und jetzt&ldquo; in dem Buch&nbsp;&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A41717826&amp;listtype=search&amp;searchparam=roca%20barea\">Imperiophobie<\/a>&ldquo;&nbsp;von <strong>Elvira Roca Barea<\/strong>.<\/em><br>\n<!--more--><br>\nUm die Russophobie isoliert zu analysieren, ist es ratsam, die Zeit vor und nach der UdSSR zu betrachten. Wir werden dann erkennen, dass russenfeindliche Gef&uuml;hle einen so dauerhaften Bestand hatten, dass dieses Ph&auml;nomen weit &uuml;ber die &uuml;blichen Ideologien hinausgeht. Die Angst vor dem Imperium &uuml;berschreitet einzelne Anschauungen und sie geht tiefer als jedes liberale, sozialdemokratische oder kommunistische Credo.<\/p><p>In der Literatur wird &uuml;blicherweise davon ausgegangen, dass die Russophobie w&auml;hrend des Krimkrieges in Gro&szlig;britannien oder in mehreren westlichen L&auml;ndern gleichzeitig als Folge dieses Konflikts entstand. In Wirklichkeit aber kam dieses Ph&auml;nomen zumindest ein Jahrhundert fr&uuml;her zu einer Zeit auf, die Vorurteile und Phobien hervorgebracht hat wie kaum eine andere in der Geschichte des Westens. Die Rede ist von der Aufkl&auml;rung, insbesondere der Aufkl&auml;rung in Frankreich. Damals wurden die Klischees der russischen Schwarzen Legende gepr&auml;gt, die w&auml;hrend des Krimkriegs bis zum Erbrechen wiederholt wurden und auch heute noch nicht aus der Welt geschaffen sind. Die Kriegspropaganda erfand nichts Neues, sondern st&uuml;tzte sich auf das, was die Aufkl&auml;rer bereits in die Welt gesetzt hatten. Werfen wir einen Blick auf diesen Prozess und seine Ursachen. Warum kam der Antirussismus w&auml;hrend der Aufkl&auml;rung in Frankreich auf? Westeuropa erfuhr von der Existenz Russlands, als Peter I., genannt der Gro&szlig;e (1672&ndash;1725), im Jahr 1697 eine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Reise unternahm. Der Zar besuchte mehrere L&auml;nder, aber nicht Frankreich, denn abgesehen davon, dass er, wie wir alle es gelernt haben, die Erfindungen des Westens kennenlernen wollte, suchte der Zar in erster Linie nach christlichen Verb&uuml;ndeten im Kampf gegen die T&uuml;rken. Frankreich war damals jedoch der beste Verb&uuml;ndete des Osmanischen Reiches.<\/p><p>Vor dem Frieden von Paris war Russland f&uuml;r die franz&ouml;sische Aufkl&auml;rung ein nachahmenswertes Vorbild, danach war es eine zum Scheitern verurteilte historische Realit&auml;t. Es gibt Autoren, die von einem wahren &raquo;Russlandmythos&laquo; im Frankreich des 18. Jahrhunderts sprechen, ein Ph&auml;nomen, das es allein in Frankreich und in keinem anderen Land gab. Um 1700 wurde Zar Peter als ein den Weiten Asiens entsprungenes, groteskes und barbarisches Wesen angesehen. Doch Mitte des Jahrhunderts &auml;nderte sich diese Meinung und man hielt ihn f&uuml;r den genialen Sch&ouml;pfer eines riesigen Reiches, das &ndash; so dachte man in Frankreich &ndash; ohne die Hilfe Frankreichs und der franz&ouml;sischen Aufkl&auml;rung nicht m&ouml;glich gewesen w&auml;re. Das Paradox irritiert: Wie ist es m&ouml;glich, dass die franz&ouml;sischen K&uuml;nste, das franz&ouml;sische Talent und die franz&ouml;sische Kultur in den H&auml;nden von Halbbarbaren ein Imperium von epischen Ausma&szlig;en hervorgebracht hatten, jedoch in Frankreich nichts &Auml;hnliches erschaffen konnten? In der Tat war die franz&ouml;sische &Ouml;ffentlichkeit davon &uuml;berzeugt, dass alles, was in Russland und in den Vereinigten Staaten geschah, das Werk franz&ouml;sischer Aufkl&auml;rer war.<br>\n&nbsp;<br>\nDas gigantische Missverh&auml;ltnis zwischen der wahren wirtschaftlichen und sozialen Situation Frankreichs und dem Bild, das die aufgekl&auml;rten Franzosen im In- und Ausland von ihrer Nation verbreiteten, ist ein faszinierendes und wenig untersuchtes kollektives Ph&auml;nomen.<\/p><p>Offensichtlich ist man der Meinung, die Aufkl&auml;rung sei ein Produkt &bdquo;Made in France&ldquo;, das &uuml;berallhin exportiert und allerorts nachgeahmt worden ist. Zumindest wird angenommen, die Aufkl&auml;rung habe in Frankreich ihre Vollkommenheit erlangt. Diese Idee ist nicht nur in Frankreich, sondern auch in anderen europ&auml;ischen L&auml;ndern allgemein anerkannt. Beim Gedanken an die Aufkl&auml;rung kommt einem Frankreich in den Sinn. Dieses geistige Konstrukt, das als unwiderlegbare Realit&auml;t gilt, ist ein kulturelles Produkt, das von den franz&ouml;sischen Aufkl&auml;rern im Rahmen einer intellektuellen &bdquo;Marketingkampagne&ldquo; in einer Weise in die Welt gesetzt wurde, die die modernsten Werbefirmen vor Neid erblassen lie&szlig;e.<\/p><p>Die Kontroverse &uuml;ber Russland und das Konzept der Zivilisation, an der sich die Geister Diderots, Rousseaus, Voltaires und anderer Aufkl&auml;rer schieden, ist wohlbekannt. Ohne die Umw&auml;lzungen des Siebenj&auml;hrigen Krieges und den Verlust von Neufrankreich kann man diese Aufmerksamkeit, die Russlands neuem Imperium geschenkt wurde, nicht verstehen. (&hellip;) Es war das Interesse an einem Imperium, das aus dem Nichts, der Barbarei und der Wildnis auferstanden war. (&hellip;) Aber zu jener Zeit wurde auch eine Reihe von Klischees &uuml;ber die R&uuml;ckst&auml;ndigkeit und die ethnischen Merkmale der V&ouml;lker des Zarenreichs verbreitet. Gewiss war dies der Zeitpunkt, an dem eine stark an eine lokale, nicht expansionsf&auml;hige Macht gebundene Elite in Frankreich russenfeindliche Stereotype pr&auml;gte.<\/p><p>Diese Auseinandersetzungen der franz&ouml;sischen Aufkl&auml;rer &uuml;ber Zivilisation oder Barbarei in Russland hatten einen enormen Einfluss auf alle intellektuellen Kreise in Europa. Es wurden antirussische Vorurteile in die Welt gesetzt, die in Westeuropa Fu&szlig; fassten und nicht mehr verschwinden sollten.<\/p><p>Die Vorstellung, dass Russland nicht gedeihen werde, weil es nur das Ergebnis einer verf&auml;lschten Zivilisation sei, findet sich &uuml;berall in der Aufkl&auml;rung. Viele Male wird sie von Auteroche und anderen Aufkl&auml;rern von mehr Format, etwa von Diderot, wiederholt. Die Russen h&auml;tten nur den Anstrich, die Erscheinung zivilisierter Wesen. Darunter aber schlage das Herz eines wilden Asiaten.<\/p><p>Oktober 1797 sandte der polnische General Michal Sokoinicki ein Schriftst&uuml;ck mit dem Titel Aper&ccedil;u sur la Russie an Frankreichs Direktorium. Im Volksmund wurde es bekannt als das &bdquo;Testament Zar Peters des Gro&szlig;en&ldquo;. Im Oktober 1812 ver&ouml;ffentlichte Charles-Louis Lesur, Gr&uuml;nder der Zeitschrift L&rsquo;annuaire historique diesen Text, der zu einem der einflussreichsten in der Geschichte der Schwarzen Legende Russlands werden sollte, unter dem Titel Des progr&egrave;s de la puissance russe.<\/p><p>Das &bdquo;Testament Zar Peters des Gro&szlig;en&ldquo; erfreute sich f&uuml;r lange Zeit gro&szlig;er Beliebtheit. Es wurde Tausende Male zitiert und bei verschiedenen historischen Anl&auml;ssen verwendet. (&hellip;) Um zu beweisen, dass &bdquo;Europa unweigerlich dazu bestimmt ist, Russlands Beute zu sein&ldquo;, wollte Napoleon dieses angebliche Testament weit verbreiten lassen. Arg get&auml;uscht &uuml;ber das, was Russland wirklich war, st&uuml;rzte sich Napoleon nun selbst in einen katastrophalen Feldzug, der seine Armee und sein Land zerst&ouml;ren sollte. (&hellip;)<\/p><p>W&auml;hrend des Krimkriegs (1853&ndash;1856) wurde das angebliche Testament wieder mit gro&szlig;em Tamtam verbreitet. Die Engl&auml;nder machten ausgiebigen Gebrauch davon. Napoleon III. ordnete an, dass es in allen &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden in Paris und in ganz Frankreich ausgestellt werden sollte. Zu diesem Zweck wurden Tausende und Abertausende von Exemplaren gedruckt. Es handelte sich eindeutig um die F&auml;lschung eines Peter dem Gro&szlig;en zugeschriebenen Testaments, in dem der verstorbene Zar das Schicksal Russlands f&uuml;r die nachfolgenden Generationen aufgezeichnet haben soll. Dabei ging es um nichts anderes als um die Eroberung Europas.<\/p><p>Im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kam es zwischen Gro&szlig;britannien und Russland zu Reibereien um das zunehmend zerfallende Osmanische Reich. Die Russen hielten es f&uuml;r besser, dieses zerr&uuml;ttete Reich zu st&uuml;tzen, als mit den Westm&auml;chten, insbesondere &Ouml;sterreich-Ungarn und Gro&szlig;britannien, Krieg zu f&uuml;hren. Sie wussten, dass keine der beiden M&auml;chte es hinnehmen w&uuml;rde, wenn sie Konstantinopel einnehmen und die Kontrolle &uuml;ber die Meerengen &uuml;bernehmen w&uuml;rden. Es war besser, alles so zu belassen, wie es war.<\/p><p>Doch die Versuche der Russen, eine bewaffnete Auseinandersetzung zu vermeiden, waren vergeblich.<\/p><p>Zur Herabw&uuml;rdigung des Feindes kamen nun die politischen und intellektuellen Eliten &ndash; nat&uuml;rlich in Zusammenarbeit mit der Presse &ndash; ins Spiel. (&hellip;) Die englische Presse &ndash; wie zuvor der neu aufgekommene protestantische Klerus &ndash; wurde zum wichtigsten Medium der Meinungsbildung. (&hellip;)<\/p><p>Um dem Argument der britischen F&uuml;hrungseliten, sie verfolgten eine rein defensive Politik, Glaubw&uuml;rdigkeit zu verleihen, musste die &Ouml;ffentlichkeit davon &uuml;berzeugt werden, dass der Feind aggressiv war und die Briten &uuml;ber alles hasste. Am 18. Oktober 1838 druckte Morning Herald die Slogans von The Times ab und er&ouml;ffnete seinen Leitartikel mit folgendem Satz: &bdquo;Die Politik Russlands war lange Zeit vom Geist der t&ouml;dlichen Feindseligkeit gegen&uuml;ber England durchdrungen.&ldquo; (&hellip;) Europa wurde mit vulg&auml;ren Pamphleten &uuml;ber Russland &uuml;bers&auml;t.<\/p><p>Das Stereotyp des betrunkenen, ignoranten, barbarischen und aggressiven Russen verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der europ&auml;ischen Presse, und zwar sowohl in den L&auml;ndern, die in diesem Krieg gek&auml;mpft hatten, als auch in denen, die nicht daran teilgenommen hatten, wie zum Beispiel Spanien. (&hellip;) Wie bereits erw&auml;hnt, geht man &uuml;blicherweise davon aus, die Russophobie sei im 19. Jahrhundert in Gro&szlig;britannien in die Welt gesetzt worden. Wir bestehen hingegen darauf, dass der Ursprung dieses Ph&auml;nomens viel fr&uuml;her liegt und auf die franz&ouml;sische Aufkl&auml;rung zur&uuml;ckgeht.<br>\n&nbsp;<br>\nEs stimmt freilich, dass viele Klischees, die vor 1917 &uuml;ber Russland kursierten, infolge der antirussischen Propaganda Gro&szlig;britanniens, das sich gerade in einer expansionistischsten Phase befand, popul&auml;r wurden. Allerdings waren sie nicht von den Briten in die Welt gesetzt worden. F&uuml;r die Fabrikation eines minderwertigen und bestialischen Russen wurden alle g&auml;ngigen Medien verwendet, mit denen wir uns in diesem Buch vertraut machen werden.<\/p><p>Bakunin schrieb, dass es wenige Russen gebe, die sich nicht dar&uuml;ber bewusst waren, in welchem Ma&szlig;e die Deutschen Russland hassten. &bdquo;Dieser Hass ist eine der st&auml;rksten nationalen Leidenschaften Deutschlands.&ldquo;<\/p><p>Hegel und ein Teil der deutschen Idealisten sprachen den Russen jeden Beitrag zur europ&auml;ischen Zivilisation ab, ja sogar das Recht auf ein unabh&auml;ngiges Leben, ohne von den &bdquo;&uuml;berlegenen V&ouml;lkern&ldquo; bevormundet zu werden. In einem geteilten und zumeist armen Deutschland, wo die letzten &Uuml;berreste der Sklaverei und Fronarbeit in Westeuropa &uuml;berlebt hatten, war es l&auml;cherlich, die Situation so zu betrachten. Wie Frankreich, so projizierte auch Deutschland vor der Vereinigung seine enormen historischen Frustrationen auf Russland.<\/p><p>Als Hitler verk&uuml;ndete, die slawischen Rassen &ndash; die &bdquo;Untermenschen&ldquo; aus dem Osten &ndash; m&uuml;ssten versklavt werden, erfand er nichts Neues. (&hellip;) Houston Stewart Chamberlain, ein deutschsprachiger Brite, hatte Gobineaus &bdquo;Versuch &uuml;ber die Ungleichheit der Menschenrassen&ldquo; &uuml;bernommen und verk&uuml;ndete, dass es letztlich das nat&uuml;rliche Schicksal der Slawen sei, Sklaven zu sein. Damit scherzte er &uuml;ber die Herkunft dieses Wortes in vielen westeurop&auml;ischen Sprachen. Das Wort &bdquo;Sklave&ldquo; kommt tats&auml;chlich von &bdquo;Slawe&ldquo;. Im Laufe des Mittelalters verdr&auml;ngte es den lateinischen Begriff servus infolge des Zustroms versklavter Gefangener slawischer Herkunft, die dann in Europa verkauft wurden.<\/p><p>Hitler, Gobineau und Chamberlain sind abgesondert im Kreis der Verfluchten, aber viele andere, die ihre Ideen teilten, werden in unserem Europa ohne Wenn und Aber verehrt und angebetet. Ihr Prestige und ihre au&szlig;ergew&ouml;hnliche intellektuelle Stellung in der Gesellschaft trugen dazu bei, dass perverse Ideen legitimiert, popul&auml;r und glaubw&uuml;rdig gemacht wurden. Pers&ouml;nlichkeiten wie Voltaire, Rousseau, Goethe, Fichte oder Hegel, die noch heute unsere tiefste Bewunderung wecken, teilten antisemitische Ideen, Konzepte &uuml;ber die Bedeutung der Sch&auml;delform oder &uuml;ber die nat&uuml;rliche Minderwertigkeit der mediterranen und slawischen V&ouml;lker.<\/p><p>Sp&auml;testens seit dem 18. Jahrhundert haben sich die Russen in eine gr&uuml;ndliche, neurotische Analyse vertieft, denn sie wollen ihren wahren Nationalcharakter kennenlernen und wissen, wie bei diesem undefinierbaren Charakter ihre Zukunft aussehen wird.<\/p><p>(&hellip;) Was Russland eigentlich ist und welches Schicksal es erwartet, ist ein immer wiederkehrendes Thema unter den russischen Philosophen und Schriftstellern. Mit der metaphysischen Frage nach dem Grund f&uuml;r Russlands Existenz in der Geschichte besch&auml;ftigte sich der Philosoph Wladimir Solowjew immer wieder und auch Dostojewski oder Solschenizyn haben sie aufgeworfen. F&uuml;r Nikolai Berdjajew ist die Dualit&auml;t zwischen Ost und West der Gordische Knoten des russischen Leids, das gerade wegen der &bdquo;Inkonsequenz des russischen Geistes&ldquo; von au&szlig;ergew&ouml;hnlicher Natur ist. Russland wird seinen wahren Platz in der Welt erst dann entdecken, wenn es diesen Konflikt zwischen Ost und West l&ouml;st. (&hellip;)<\/p><p>F&uuml;r Anatol Lieven ist es klar, dass die Russophobie nicht nur von der Feindseligkeit gegen&uuml;ber der Sowjetunion w&auml;hrend des Kalten Krieges herr&uuml;hrt, und er ist der Ansicht, dass die Russophobie &bdquo;auch eine Hinterlassenschaft der Studien &uuml;ber Russland und die Sowjetunion ist, die in westlichen Hochschulen durchgef&uuml;hrt wurden&ldquo;. Im Falle der Russen gibt es also diese Komponente der intellektuellen Achtbarkeit, die f&uuml;r antiimperiale Vorurteile im Gegensatz zu anderen Arten von Vorurteilen charakteristisch ist. Dieses Ph&auml;nomen ist seit der Aufkl&auml;rung eng mit der Russophobie verkn&uuml;pft. (&hellip;)<\/p><p>Vladimir Volkoff bezeichnet die Russenfeindlichkeit, die seit 1991 im Westen zu beobachten ist, als postmoderne Russophobie. Humorvoll beschreibt er, wie die westlichen Medien tagt&auml;glich eine &bdquo;Orgie der Russophobie&ldquo; feiern. Dieses erneute Aufbl&uuml;hen der Russophobie erkl&auml;rt er mit den Gef&uuml;hlen der meisten Medieninhaber und Intellektuellen, f&uuml;r die der Fall der UdSSR und des Kommunismus ein unverzeihliches Scheitern der von ihnen jahrzehntelang verehrten Ideale darstellt. Seitdem Russland nicht mehr das gelobte Land eines neuen Glaubens ist, kann nichts anderes hingenommen werden als ein korruptes und dekadentes Russland. Entgegen aller Logik stellt sich in internationalen Umfragen heraus, dass sich das Image Russlands seit dem Ende des Sowjetregimes verschlechtert hat.<\/p><p>Nach dem Ende des Krimkrieges wurde erneut der Untergang Russlands oder zumindest seine Niederwerfung angek&uuml;ndigt, die das Land unwiederbringlich aus der Oberliga der Geschichte verdr&auml;ngen w&uuml;rde. Dasselbe wurde nach der Revolution von 1917, dem B&uuml;rgerkrieg und nach dem Fall des Kommunismus behauptet. Die Krise in der Ukraine und auf der Krim im Jahr 2014 zeigt, dass der Westen sich wieder einmal get&auml;uscht hat, wenn er glaubt, Russland gebe sich geschlagen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220429-Roca%20Barea-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p>Titelbild: Satirische Karte von 1887. Am Bild des b&ouml;sen Russen, der sich Europa unterwerfen will, hat sich wenig ge&auml;ndert. Bild: gemeinfrei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Verschwinden der UdSSR hat sich die traditionelle Russophobie nur in der Erscheinung, nicht aber im Wesen ver&auml;ndert. Sie ist kulturell zu tief verwurzelt. Wie im Fall der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leyenda_negra\">Schwarzen Legende<\/a> ist dieses rassistische Vorurteil weder zuf&auml;llig in die K&ouml;pfe der Westler gelangt, noch ist es spontan entstanden. 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