{"id":83448,"date":"2022-05-02T11:00:48","date_gmt":"2022-05-02T09:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83448"},"modified":"2022-05-02T11:37:44","modified_gmt":"2022-05-02T09:37:44","slug":"1-mai-in-moskau-kommunisten-stellen-sich-hinter-den-einmarsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83448","title":{"rendered":"1. Mai in Moskau &#8211; Kommunisten stellen sich hinter den Einmarsch"},"content":{"rendered":"<p>Die Kommunistische Partei der Russischen F&ouml;deration (KPRF) hat sich hinter den russischen Einmarsch in die Ukraine gestellt. Momentan gehe es auch darum, eine multipolare Welt aufzubauen, so der Vorsitzende am 1. Mai: Bei einem  Frieden unter US-amerikanischer Oberhoheit sei der n&auml;chste Krieg &bdquo;vorprogrammiert&ldquo;. Von einer Kundgebung der Kommunistischen Partei der Russischen F&ouml;deration in Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSchon das dritte Jahr in Folge fanden in Moskau am 1. Mai keine Demonstrationen statt. In Russland standen die Mai-Feierlichkeiten im Zeichen von &Auml;u&szlig;erungen &bdquo;F&uuml;r den Frieden&ldquo; und der Unterst&uuml;tzung der russischen Armee in der Ukraine. Das &bdquo;Z&ldquo;-Symbol war auf zahlreichen von den Gewerkschaften organisierten Demonstrationen zu sehen. <a href=\"https:\/\/www.1tv.ru\/news\/2022-05-01\/427813-v_moskve_traditsionnoe_pervomayskoe_shestvie_zamenil_avtoprobeg_za_mir_bez_natsizma\">Unter diesem Link<\/a> finden Sie ein Video &uuml;ber Demonstrationen mit dem Z-Symbol in Wladiwostok und Chabarowsk. In Moskau kam am 1. Mai ein Korso von 70 PKWs mit dem Z-Symbol an. Die Autos kamen aus ganz Russland. Einige der Fahrer waren schon eine Woche unterwegs gewesen. <\/p><p><strong>Mit roten Fahnen am Marx-Denkmal<\/strong><\/p><p>Auf dem &bdquo;Platz der Revolution&ldquo; in Moskau hatten sich am 1. Mai an dem gro&szlig;en Marx-Denkmal aus grauem Granit 1.500 Menschen unter roten Fahnen versammelt. Es war an diesem 1. Mai in Moskau die einzige linke Kundgebung. Das ist f&uuml;r eine 14-Millionen-Stadt wie Moskau sehr wenig. <\/p><p>Die 80-j&auml;hrige Tatjana Nikolajewna, mit der ich von der U-Bahn zur Kundgebung ging, erkl&auml;rte mir, warum es so wenige waren. &bdquo;Die Leute m&uuml;ssen auf den Datschen Kartoffeln anpflanzen. Denn die kosten jetzt das Kilo schon 100 Rubel (vorher 60 Rubel).&ldquo;  Tatjana, die als Franz&ouml;sisch-&Uuml;bersetzerin arbeitete und ein fr&ouml;hliches Gesicht machte, hatte sich zur Feier des Tages eine rote Schleife auf ihren schwarzen Mantel gesteckt. Ob der Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine richtig war, frage ich die alte Dame. Ja, das sei richtig gewesen. &bdquo;Man muss gegen den Nationalismus k&auml;mpfen.&ldquo; <\/p><p>Sie sei als Kriegskind Opfer des deutschen Faschismus geworden, erz&auml;hlte Tatjana. Sie erinnere sich, dass ihr Vater sie als Dreij&auml;hrige in die Luft geworfen habe. Danach habe sie den Vater nie wieder gesehen. Als &bdquo;Kind des Krieges&ldquo; habe sie nach dem Krieg verschiedene Privilegien erhalten, so eine kostenlose Wohnung. <\/p><p><strong>&bdquo;Wegen Corona&ldquo; keine Gro&szlig;veranstaltungen<\/strong><\/p><p>Die Kundgebungsteilnehmer auf dem Moskauer &bdquo;Platz der Revolution&ldquo; zeigten rote Organisationsfahnen, das waren die Fahnen der KPRF mit Hammer und Sichel, die Fahnen der &ldquo;Linken Front&ldquo; mit einem wei&szlig;en Stern sowie Fahnen der &bdquo;Bewegung f&uuml;r einen neuen Sozialismus&ldquo; mit einer aufgehenden Sonne und einer M&ouml;we. Der Gr&uuml;nder der Bewegung, der ehemalige Diplomat Nikolai Platoschkin, stand mit auf der Rednertrib&uuml;ne, sprach aber nicht. Auf der Kundgebung vertreten war auch die trotzkistische &bdquo;Revolution&auml;re Arbeiterpartei&ldquo;.<\/p><p>Die Stadtverwaltung hatte den Kommunisten nur ein 30-min&uuml;tiges &bdquo;Gespr&auml;ch mit Abgeordneten&ldquo; unter freiem Himmel erlaubt, teilt der Kundgebungsleiter der Versammlung mit. Obwohl die Masken-Pflicht in Moskau schon vor zwei Monaten gefallen ist, musste das Corona-Argument nochmal herhalten, um Gro&szlig;veranstaltungen am 1. Mai in Moskau zu untersagen.<\/p><p><strong>KPRF stellte sich hinter die Milit&auml;roperation in der Ukraine<\/strong><\/p><p>Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei der Russischen F&ouml;deration (KPRF), Gennadi Sjuganow, erkl&auml;rte auf der Moskauer Kundgebung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Angelsachsen haben den Hybrid-Krieg erkl&auml;rt, an allen Fronten, von den Finanzen &uuml;ber die Wirtschaft und die Technologien bis zur Ukraine, wo unter Leitung des CIA und der Bandera-Leute beschlossen wurde, den friedliebenden Donbass zu okkupieren.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>In der Ukraine sei es &bdquo;den Angelsachsen gelungen, die Bev&ouml;lkerung mit dem Nationalismus zu vergiften&ldquo;. Es sei ein Krieg &bdquo;gegen die russische Welt.&ldquo;<\/p><p>Russland versuche mit dem Krieg in der Ukraine, drei Aufgaben zu erf&uuml;llen. Zun&auml;chst gehe es darum, eine multipolare Welt aufzubauen. Bei einem Frieden unter amerikanischer Oberhoheit sei der n&auml;chste Krieg &bdquo;vorprogrammiert.&ldquo; Au&szlig;erdem k&auml;mpfe Russland in der Ukraine f&uuml;r &bdquo;die russische Welt&ldquo;, die in den Pl&auml;nen der Angelsachsen &bdquo;nicht vorkommt&ldquo;. Das Ziel der USA sei, Russland &bdquo;zu liquidieren&ldquo;.<\/p><p><strong>Sjuganow: &bdquo;Lenin-Mausoleum muss am 9. Mai sichtbar sein&ldquo;<\/strong><\/p><p>Sjuganow wandte sich von der Redner-Trib&uuml;ne an den russischen Pr&auml;sidenten mit der Aufforderung, das Lenin-Mausoleum bei der Milit&auml;r-Parade am 9. Mai nicht wie in den vergangenen Jahren mit Platten abzudecken. <\/p><p>Mit diesen Platten versuche sich &bdquo;die f&uuml;nfte Kolonne&ldquo; &ndash; gemeint sind die Liberalen in der russischen Regierung &ndash; von der &bdquo;sowjetischen Epoche&ldquo; und den Gener&auml;len und Stalin abzuschotten, die den Sieg &uuml;ber Hitler-Deutschland 1945 organisiert haben. Man d&uuml;rfe nicht vergessen, dass bei der Siegesparade 1945 Rotarmisten 200 eroberte Flaggen der Hitler-Wehrmacht vor das Mausoleum warfen, als Zeichen, dass der Sozialismus &uuml;ber den Faschismus siegt. <\/p><p><strong>Sjuganow: Putin hat erkannt, dass der Kapitalismus in der Sackgasse ist<\/strong><\/p><p>Sjuganow &auml;u&szlig;erte die Hoffnung, dass Wladimir Putin die Zeichen der Zeit erkannt habe, als er im Oktober 2021 auf dem Waldai-Forum erkl&auml;rte, dass der Kapitalismus in eine Sackgasse geraten sei. <\/p><p>Putin hatte auf dem Forum <a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/economics\/21\/10\/2021\/617182b79a7947da0cfe221a\">erkl&auml;rt<\/a>, &bdquo;das bestehende Modell des Kapitalismus&ldquo; sei &bdquo;am Ende&ldquo;. Dieses System habe sich in &bdquo;Widerspr&uuml;che verstrickt&ldquo;. Selbst in den reichen L&auml;ndern verst&auml;rke sich die &bdquo;ungerechte Reichtumsverteilung&ldquo;, was zu &bdquo;aggressiven Reaktionen&ldquo; in der Bev&ouml;lkerung f&uuml;hre, was sich unter anderem bei den Protesten gegen die Corona-Beschr&auml;nkungen gezeigt habe.<\/p><p><strong>Mehrere linke Organisationen beteiligten sich<\/strong><\/p><p>Am Rande der Moskauer KPRF-Kundgebung <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iTPFV-OtoRg\">erkl&auml;rte<\/a> der Leiter der &bdquo;Linken Front&ldquo;, Sergej Udalzow, am 1. Mai m&uuml;ssten die Proletarier &bdquo;auch in Russland und der Ukraine ihre Klasseninteressen erkennen&ldquo; und &bdquo;sich nicht in einem unendlichen Krieg gegenseitig abschlachten&ldquo;. Immerhin seien das Menschen, die fr&uuml;her in einem Land friedlich zusammengelebt haben. <\/p><p>Die Menschen im Donbass h&auml;tten &bdquo;das Recht auf Unabh&auml;ngigkeit und das Recht, in ihrer Sprache zu sprechen&ldquo;, aber die russische Macht habe leider auch &bdquo;eigenn&uuml;tzige Ziele&ldquo;. Mit einem erfolgreichen Krieg wolle man die &bdquo;Popularit&auml;t der Regierung steigern.&ldquo; Der Krieg im Donbass sei &bdquo;schwierig und nicht ganz richtig&ldquo;. &bdquo;Das Kapital entscheidet heute seine Probleme und friedliche Menschen sterben&ldquo;. Nicht alle Menschen in der Ukraine seien Faschisten, wie es die russische Propaganda behaupte. <\/p><p><strong>Kundgebungs-Teilnehmer: &bdquo;Jetzt k&ouml;nnen wir nicht mehr zur&uuml;ck&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am Rande der Kundgebung kam ich mit einigen m&auml;nnlichen Kommunisten ins Gespr&auml;ch. Einer von ihnen ist Leiter eines Moskauer Parteibezirks und verdient sein Geld im Reklame-Gesch&auml;ft. Ich fragte ihn, was er vom Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine halte. Der Mann antwortet, er habe &ndash; wie auch andere in der Partei &ndash; seine Zweifel gehabt, ob das richtig war. Aber jetzt, wo die russische Armee sich schon in der Ukraine befinde, sei klar, dass man siegen m&uuml;sse. Das sei im &Uuml;brigen &bdquo;kein Krieg gegen die Ukraine, sondern ein Krieg zwischen Russland und den USA und deren Verb&uuml;ndeten&ldquo;. <\/p><p>Titelbild: Ulrich Heyden \/ Erster-Mai-Kundgebung der KPRF und anderer linker Organisationen am Karl-Marx-Denkmal in Moskau 2022<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/48ccfea284224c6f9e9472645f356c2f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kommunistische Partei der Russischen F&ouml;deration (KPRF) hat sich hinter den russischen Einmarsch in die Ukraine gestellt. 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