{"id":83515,"date":"2022-05-04T10:08:34","date_gmt":"2022-05-04T08:08:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83515"},"modified":"2022-05-04T16:55:51","modified_gmt":"2022-05-04T14:55:51","slug":"leitender-angestellter-klimaschutzminister-habeck-dreht-den-hahn-fuer-us-frackingas-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83515","title":{"rendered":"Leitender Angestellter: Klimaschutzminister Habeck dreht den Hahn f\u00fcr US-Frackinggas auf"},"content":{"rendered":"<p>In ihrem &Uuml;bereifer, der Abh&auml;ngigkeit von russischer Energie zu entrinnen, setzt die Bundesregierung mit Vehemenz auf die Alternative Fl&uuml;ssiggas. F&uuml;r drei Milliarden Euro will man daf&uuml;r im Schweinsgalopp vier schwimmende Terminals an Nord- und Ostsee in Betrieb nehmen. Zur &bdquo;Beschleunigung&ldquo; werden per Gesetz Beteiligungs- und Klagerechte beschnitten und Umweltvertr&auml;glichkeitspr&uuml;fungen ausgesetzt. Bei einer Technologie mit extrem schlechter Klimabilanz, die in den USA B&ouml;den, Wasser und Menschen vergiftet, erscheint das nur konsequent. Und dass ein Wirtschaftsminister mit gr&uuml;nem Parteibuch ein &ouml;kologisches Quatschprojekt mit transatlantischer Schlagseite vorantreibt, nicht minder. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2287\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-83515-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220504-Habeck-dreht-den-Hahn-fuer-Frackinggas-auf-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220504-Habeck-dreht-den-Hahn-fuer-Frackinggas-auf-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220504-Habeck-dreht-den-Hahn-fuer-Frackinggas-auf-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220504-Habeck-dreht-den-Hahn-fuer-Frackinggas-auf-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=83515-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220504-Habeck-dreht-den-Hahn-fuer-Frackinggas-auf-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220504-Habeck-dreht-den-Hahn-fuer-Frackinggas-auf-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Am Donnerstag macht Robert Habeck, Bundesminister f&uuml;r Wirtschaft und Klimaschutz, einen Abstecher nach Wilhelmshaven an der Nordsee. Bei dem Stelldichein von politischen und Industrievertretern werden gewiss eifrig Schultern geklopft. Gibt es dieser Tage und Wochen doch nichts Dringlicheres zu erledigen, als sich aus der Abh&auml;ngigkeit von russischem Gas zu l&ouml;sen &ndash; um sich hoppladihopp in neue, den westlichen B&uuml;ndnispartnern genehme Abh&auml;ngigkeiten zu begeben.  <\/p><p>In Wilhelmshaven werden zu diesem Zweck Pfl&ouml;cke eingeschlagen. Das sogar buchst&auml;blich: Unweit des Tiefwasserhafens Jade-Weser-Port wird im Beisein des Gr&uuml;nen-Ministers der erste Rammschlag zur Ert&uuml;chtigung eines Anlegers erfolgen, an dem in m&ouml;glichst naher Zukunft eine Anlande- und Speicherplattform f&uuml;r Fl&uuml;ssigerdgas vert&auml;ut werden soll. Eine Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) ist eine riesige schwimmf&auml;hige Anlage, an der Hochseetanker festmachen, um ihre Fracht &ndash; in diesem Fall sogenanntes Liquefied Natural Gas (LNG) &ndash; zur Weiterverarbeitung zu &uuml;bergeben. <\/p><p><strong>Putin macht&rsquo;s m&ouml;glich<\/strong><\/p><p>LNG-Terminals gibt es auch in station&auml;rer Ausf&uuml;hrung, ganz Europa z&auml;hlt &uuml;ber 30 davon, allein in Spanien sind es sechs. Deutschland hat noch kein einziges, obschon in der Vergangenheit immer wieder Vorst&ouml;&szlig;e unternommen wurden, das zu &auml;ndern. Zum Beispiel ist im Koalitionsvertrag der Jamaika-Regierung in Kiel das Ziel formuliert, das Projekt eines LNG-Terminals in Brunsb&uuml;ttel voranzutreiben. Aber passiert war seit 2017 kaum bis gar nichts in der Angelegenheit und am Sonntag wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gew&auml;hlt. <\/p><p>Erst mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nahmen die Planungen nicht nur wieder Fahrt auf. Praktisch &uuml;ber Nacht wurden sogleich N&auml;gel mit K&ouml;pfen gemacht. Weil f&uuml;r den Bau einer Anlage auf dem Festland jedoch Jahre vergehen w&uuml;rden, setzt die Politik vorerst auf die schwimmende Variante. So soll etwa der Standort Wilhelmshaven bereits Anfang 2023 in der Lage sein, erste Rohstofflieferungen in Empfang zu nehmen und mittels einer ebenfalls zu errichtenden, 30 Kilometer langen <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/wirtschaft\/gas-pipeline-fuer-lng-terminal-in-wilhelmshaven-soll-unterirdisch-verlegt-werden-PG3YRVZR2ZPQWDRYGMLEJ2HK5I.html\">unterirdischen Pipeline<\/a> weiterzutransportieren. Nach Angaben des nieders&auml;chsischen Umweltministeriums k&ouml;nnten so bis zu 20 Prozent der j&auml;hrlichen Gasimporte aus Russland ersetzt werden. <\/p><p>Schnell gehen wird es auch in Brunsb&uuml;ttel an der Elbe-M&uuml;ndung. Ende April hat der Kieler Landtag eigens das Landeswassergesetz dahingehend ge&auml;ndert, dass der Bau auch dann aufgenommen und weitergef&uuml;hrt werden darf, wenn Gerichte &uuml;ber m&ouml;gliche Anfechtungsklagen noch nicht entschieden haben. Mit der Neuerung sei eine Inbetriebnahme bereits <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/schleswig-holstein\/LNG-Terminal-in-Brunsbuettel-Landtag-aendert-Gesetz-fuer-schnellen-Bau,lng264.html\">im Fr&uuml;hjahr 2024<\/a> m&ouml;glich, andernfalls h&auml;tte es wohl bis fr&uuml;hestens 2027 gedauert.  <\/p><p><strong>Drei Milliarden Euro Steuergeld<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich schultern die beiden Nordlichter die Vorhaben nicht allein. Schon vor einigen Wochen hat die Bundesregierung die Beschaffung von zun&auml;chst vier schwimmenden LNG-Terminals auf den Weg gebracht. Nach dem am Sonntag vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) ver&ouml;ffentlichten zweiten Fortschrittsbericht Energiesicherheit sind die Vertr&auml;ge &bdquo;auf der Zielgeraden&ldquo; und die fraglichen Anlagen schnellstm&ouml;glich fertigzustellen. Gr&uuml;nes Licht haben bisher Wilhelmshaven und Brunsb&uuml;ttel sowie ein namentlich noch unbekannter dritter Kandidat erhalten. Gute Aussichten auf einen Zuschlag sollen Stade, Hamburg sowie Rostock an der Ostsee haben. Im Gespr&auml;ch ist nach einem Bericht des Deutschlandfunks vom Dienstag auch das <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/lng-terminal-gas-energie-wasserstoff-100.html\">niederl&auml;ndische Eemshaven<\/a> an der Ems-M&uuml;ndung.<\/p><p>Laut <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/lng-beschleunigungsgesetz-soll-umweltvertraeglichkeitspruefungen-abschaffen-deutsche-umwelthilfe-befue\/\">Deutscher Umwelthilfe<\/a> (DUH) sind insgesamt sieben solcher Unternehmungen angedacht, wovon die Bundesregierung allein f&uuml;nf finanzieren wolle. F&uuml;r die vier schon konkretisierten Projekte werden knapp drei Milliarden Euro veranschlagt. Die Ausgaben, die sich im Zuge der Bauphase mit Sicherheit noch vermehren werden, sind bereits in den laufenden Bundeshaushalt eingestellt. Zu den ohnehin schon horrenden Energiepreisen, die der Krieg, die Wirtschaftssanktionen und das Treiben von Spekulanten die Verbraucher kosten, kommen also weitere gewaltige Mehrbelastungen f&uuml;r den Steuerzahler, um sich von russischem Gas &bdquo;freizukaufen&ldquo;.<\/p><p>Freilich gilt es f&uuml;r die B&uuml;rger, noch andere Kr&ouml;ten zu schlucken. Ein die Planungen flankierendes sogenanntes LNG-Beschleunigungsgesetz, dessen Entwurf gerade die Ressortsabstimmung zwischen Wirtschafts-, Justiz- und Umweltministerium durchl&auml;uft, sieht gleich eine ganze Reihe von Einschr&auml;nkungen in puncto Beteiligungs- und Klagerechte vor. Nach dem Wortlaut eines durch die DUH publik gemachten <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/fileadmin\/user_upload\/download\/Pressemitteilungen\/Energie\/Thema_Gas\/220501_LNG-Beschleunigungsgesetz.pdf\">Hintergrundpapiers des BMWK<\/a> geht es dabei unter anderem um &bdquo;die M&ouml;glichkeit zur Ausnahme von einer Umweltvertr&auml;glichkeitspr&uuml;fung&ldquo;, eine &bdquo;Reduzierung der zeitlichen Dauer der &Ouml;ffentlichkeitsbeteiligung&ldquo;, &bdquo;beschleunigte Vergabe- und Nachpr&uuml;fungsverfahren&ldquo; sowie eine &bdquo;Rechtswegeverk&uuml;rzung&ldquo;. <\/p><p><strong>Bei Bedarf fiktive Genehmigung<\/strong><\/p><p>Begr&uuml;ndet werden die rechtsstaatlichen Abstriche mit einem &bdquo;&uuml;berragenden &ouml;ffentlichen Interesse&ldquo; und einem &bdquo;Interesse der &ouml;ffentlichen Sicherheit&ldquo;. Damit k&ouml;nne eine deutliche &bdquo;Beschleunigung erfolgen, da bei einer Vielzahl von Pr&uuml;fungsverfahren mit Abw&auml;gungen dem Ausbau von LNG-Anlagen ein besonderes Gewicht einger&auml;umt wird und eine Planrechtfertigung erfolgt&ldquo;, hei&szlig;t es in dem Dokument. Und weil alles gerade so leicht von der Hand geht, sollen die Hemmnisse zivilgesellschaftlichen Widerstands nicht nur f&uuml;r die schwimmenden, sondern ebenso f&uuml;r die auf viel l&auml;ngere Sicht zu realisierenden landgebundenen LNG-Terminals gelten. Das passt: Schlie&szlig;lich steht wenigstens f&uuml;r Wilhelmshaven und Brunsb&uuml;ttel eine sp&auml;tere Dauerl&ouml;sung auf der Agenda. <\/p><p>Tats&auml;chlich braucht es auch f&uuml;r das Festmachen der schwimmenden FSRUs ein  Planfeststellungsverfahren mit wasser- und immissionsschutzrechtlicher Pr&uuml;fung. Um das Verfahren abzuk&uuml;rzen, m&uuml;sse man im Zweifel &bdquo;vom Rechtsmittel der Genehmigungsfiktionen Gebrauch machen&ldquo;, &auml;u&szlig;erte sich unl&auml;ngst Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD). Die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Mindestens-drei-neue-Fluessiggasterminals\/!5844254\/\">&bdquo;Tageszeitung&ldquo;<\/a> (taz) &uuml;bersetzte das Ende M&auml;rz so: &bdquo;Wenn eine zust&auml;ndige Beh&ouml;rde nicht innerhalb einer bestimmten Frist &uuml;ber eine Genehmigung entscheidet, gilt diese als erteilt.&ldquo; Noch viel sch&ouml;ner verspricht es f&uuml;r die Macher in Politik und Wirtschaft zu werden, wenn sie sich die umwelt- und klimapolitisch ungleich schwerer zu rechtfertigenden landgest&uuml;tzten Anlagen &bdquo;fiktiv&ldquo; genehmigen k&ouml;nnen. <\/p><p>Denn sp&auml;testens nach einem Ende des Ukraine-Krieges d&uuml;rften die Proteste gegen die fraglichen Projekte kr&auml;ftig an Fahrt aufnehmen. Dabei k&ouml;nnten sich die Einw&auml;nde nicht nur gegen die Anlagen selbst richten, sondern auch gegen das ganze Drumherum des damit verbundenen Modells der Energiegewinnung. Gro&szlig;e Best&auml;nde an LNG werden mittels der hochumstrittenen Fracking-Methode gewonnen, wie sie in gro&szlig;em Stil in den USA praktiziert wird. Dabei werden unter hohem hydraulischen Druck und durch Zugabe von Sand, Wasser und Chemikalien Gesteinsschichten in gro&szlig;er Tiefe aufgesprengt, woraufhin Gas und &Ouml;l entweichen und eingesammelt werden. Die nach der Ausbeutung hinterlassenen Bohrstellen sind ein &ouml;kologisches Schandmal &ndash; mit kaputten B&ouml;den, stinkender Luft und vergiftetem Grundwasser. Diese toxische Mischung wirkt wohl auch auf Menschen t&ouml;dlich. Gem&auml;&szlig; einer im Januar vorgelegten <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/frackinggas-aus-den-usa-ist-keine-gute-alternative\">Studie der Harvard School of Public Health<\/a> haben im Umkreis von Fracking-Standorten lebende Menschen eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung. <\/p><p><strong>Scheichegal<\/strong><\/p><p>Zur miserablen Umweltbilanz tr&auml;gt au&szlig;erdem der Transport von LNG bei. Nicht nur werden bei der Verschiffung j&auml;hrlich Abermillionen Tonnen Schwer&ouml;l verbrannt. Seinen fl&uuml;ssigen Zustand, bei dem das Erdgas auf einen Bruchteil seines Volumens reduziert wird, nimmt es erst bei minus 164 Grad Celsius an. Beim Herunterk&uuml;hlen geht ein betr&auml;chtlicher Teil seines Energieinhalts verloren. Viel Energie kostet auch die Regasifizierung durch Erw&auml;rmung auf den schwimmenden oder station&auml;ren Terminals. Und zu schlechter Letzt wird beim Verbrennen des Gases CO2 und das noch klimasch&auml;dlichere Methan freigesetzt. <\/p><p>Dass ausgerechnet der selbsternannte Klimaminister Habeck auf ein Pferd setzt, das umwelt- und klimapolitisch aus der Zeit gefallen ist, erscheint an sich schon beachtlich. Auch bei der Wahl seiner Partner kennt der olivgr&uuml;ne Realo keine Scheuklappen. Dass er der US-Frackinggasindustrie goldene Zeiten bescheren wird &ndash; geschenkt. Das gebieten schlie&szlig;lich die nach dem russischen Ukraine-Einmarsch wieder so intimen transatlantischen Beziehungen. Noch vielsagender war Habecks Aufwartung bei den despotischen Scheichs von Katar im M&auml;rz, als er dar&uuml;ber dealte, Deutschlands Energiehunger vom weltweit gr&ouml;&szlig;ten Fl&uuml;ssiggasproduzenten stillen zu lassen. <\/p><p>Ohne R&uuml;cksicht auf Verluste &ndash; in &ouml;kologieorientierten W&auml;hlerschichten &ndash; tr&auml;gt der Minister auch sein Basta-Gehabe bei seiner Mission zur Schau, Deutschland von russischem Gas zu erl&ouml;sen. Vor ein paar Wochen bei einem Ortstermin in Brunsb&uuml;ttel sprach er zum Beispiel davon, dass beim Bau von Fl&uuml;ssiggasterminals die deutsche &bdquo;Schlafm&uuml;tzigkeit&ldquo; und &bdquo;Br&auml;sigkeit&ldquo; abgelegt werden m&uuml;sse. Und keinen Monat sp&auml;ter strahlt der neue Erweckungsgeist aus besagtem LNG-Beschleunigungsgesetz. <\/p><p><strong>&bdquo;Krasse fossile &Uuml;berkapazit&auml;t&ldquo;<\/strong><\/p><p>Umweltschutzverb&auml;nde verfolgen die Vorg&auml;nge mit Sorge. Die DUH sieht mit den LNG-Terminals eine klimasch&auml;dliche Infrastruktur mit langfristig schwerer klimapolitischer Hypothek entstehen. Die fraglichen Regelungen seien nicht nur &bdquo;&uuml;bereilt und un&uuml;berlegt&ldquo;. Damit drohe auch &bdquo;eine <a href=\"https:\/\/www.duh.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/lng-beschleunigungsgesetz-soll-umweltvertraeglichkeitspruefungen-abschaffen-deutsche-umwelthilfe-befue\/\">krasse fossile &Uuml;berkapazit&auml;t<\/a> und neue Abh&auml;ngigkeit von zweifelhaften Lieferl&auml;ndern&ldquo;, gab Constantin Zerger, im Verband zust&auml;ndig f&uuml;r den Bereich Energie und Klimaschutz, am Sonntag in einer Medienmitteilung zu bedenken. Mit dem Gesetz werde &bdquo;ein Bedarf f&uuml;r den Import von LNG unterstellt und sogar unter ein &sbquo;&uuml;berragendes &ouml;ffentliches Interesse&lsquo; gestellt, obwohl das Ministerium diesen Bedarf bis heute nicht mit Zahlen und Fakten belegt hat&ldquo;. <\/p><p>Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Sascha M&uuml;ller-Kraenner beklagte einen &bdquo;klima- und umweltpolitischen Blindflug&ldquo;. Die Einschr&auml;nkung der Beteiligungsrechte nannte er &bdquo;undemokratisch und einen gef&auml;hrlichen Pr&auml;zedenzfall&ldquo;. Was f&uuml;r jeden gr&ouml;&szlig;eren Windpark Pflicht sei, &bdquo;darf bei fossilen Megaprojekten wie LNG-Terminals nicht ausgelassen werden&ldquo;. Offenbar bef&uuml;rchte der Minister, &bdquo;dass die Projekte einer rechtlichen Pr&uuml;fung und einer kritischen Bewertung durch die &Ouml;ffentlichkeit nicht Stand halten w&uuml;rden&ldquo;. <\/p><p>Immerhin: Den Betrieb mit Fl&uuml;ssiggas will die Bundesregierung befristen und einen Weiterbetrieb auf l&auml;ngere Sicht &bdquo;nur f&uuml;r gr&uuml;nen Wasserstoff und dessen Derivate&ldquo; zulassen. So w&uuml;rden &bdquo;Lock-in-Effekte&ldquo;, also die quasi endlose Festlegung auf eine r&uuml;ckw&auml;rtsgewandte Technologie vermieden. Das indes ist ferne Zukunftsmusik. Laut Gesetzentwurf soll mit der LNG-Gesch&auml;ftemacherei erst &bdquo;bis sp&auml;testens zum 31. Dezember 2040&ldquo; Schluss sein.  <\/p><p><strong>Ein Fest f&uuml;r Investoren<\/strong><\/p><p>Bis dahin k&ouml;nnen sich Reedereien und Energieversorger &uuml;ber reichlich Profite freuen. Betreibergesellschaft in Wilhelmshaven ist die in D&uuml;sseldorf ans&auml;ssige und mehrheitlich vom finnischen Fortum-Konzern gehaltene Uniper. In Brunsb&uuml;ttel sitzen die staatliche F&ouml;rderbank KfW, die Essener RWE AG und die niederl&auml;ndische Gasunie in einem Boot. J&uuml;ngst hatte das Fachblatt &bdquo;Trade Winds&ldquo; berichtet, dass Uniper mit dem griechischen Reeder Dynagas verhandelt, die RWE mit dem norwegischen Anbieter H&ouml;egh LNG. Uniper soll sich bereits zwei FSRU-Schiffe vertraglich gesichert haben, die ein Volumen von 174.000 Kubikmeter fassen und beide von der chinesischen Werft Hudong-Zhonghua gebaut wurden. Allein die Leasingkosten sollen sich auf 730 Millionen US-Dollar in zehn Jahren belaufen.<\/p><p>Aber ist der ganze Aktionismus eigentlich vonn&ouml;ten? Deutschland k&ouml;nnte alternativ &bdquo;st&auml;rker auf die Terminals seiner Nachbarl&auml;nder&ldquo; zugreifen, schrieb der Deutschlandfunk. Die Anlagen im Rest Europas w&auml;ren nur zu 40 Prozent ausgelastet und &uuml;ber das gut ausgebaute europ&auml;ische Gasnetz k&ouml;nnte dann das bereits regasifizierte Erdgas nach Deutschland str&ouml;men&ldquo;. <\/p><p>Vielleicht hat der deutsche Alleingang ja andere Hintergr&uuml;nde. Auch in Stade, das als LNG-Standort hoch im Kurs steht, sind die Dinge in Bewegung. Die Hanseatic Energy Hub GmbH (HEH), die das Projekt vorantreibt, hatte Anfang April die Genehmigungsunterlagen eingereicht. Ob die Bundesregierung den Daumen f&uuml;r das St&auml;dtchen an der Elbe hebt, ist bisher nicht bekannt. Die Zeichen stehen auf alle F&auml;lle gut. Anfang April gab der <a href=\"https:\/\/www.nau.ch\/news\/wirtschaft\/flussigerdgas-soll-bei-teilhaber-dow-chemical-wieder-erwarmt-werden-66155644\">US-Chemiekonzern Dow Chemical<\/a> bekannt, in das Terminal investieren und als Gesellschafter einsteigen zu wollen. Auf die transatlantische Leitung ist offenbar Verlass.   <\/p><p>Titelbild: Tomasz Makowski<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/22d0efa171204e53a80701073287ee98\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ihrem &Uuml;bereifer, der Abh&auml;ngigkeit von russischer Energie zu entrinnen, setzt die Bundesregierung mit Vehemenz auf die Alternative Fl&uuml;ssiggas. F&uuml;r drei Milliarden Euro will man daf&uuml;r im Schweinsgalopp vier schwimmende Terminals an Nord- und Ostsee in Betrieb nehmen. Zur &bdquo;Beschleunigung&ldquo; werden per Gesetz Beteiligungs- und Klagerechte beschnitten und Umweltvertr&auml;glichkeitspr&uuml;fungen ausgesetzt. Bei einer Technologie mit extrem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83515\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":83516,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,162,126,178,176],"tags":[2318,877,1710,878,2366,3227,259,2061,1556],"class_list":["post-83515","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-energiepolitik","category-erosion-der-demokratie","category-ressourcen","category-umweltpolitik","tag-deutsche-umwelthilfe","tag-erdgas","tag-fossile-energie","tag-fracking","tag-habeck-robert","tag-lng","tag-russland","tag-umweltverschmutzung","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/shutterstock_2108022380.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83515"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83515\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83541,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83515\/revisions\/83541"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/83516"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}