{"id":83613,"date":"2022-05-07T11:45:55","date_gmt":"2022-05-07T09:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83613"},"modified":"2022-05-09T07:25:42","modified_gmt":"2022-05-09T05:25:42","slug":"europaeisches-versagen-und-der-ukrainekrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83613","title":{"rendered":"Europ\u00e4isches Versagen und der Ukrainekrieg"},"content":{"rendered":"<p>Der russische Angriff auf die Ukraine hat in Deutschland und Europa gro&szlig;e Emp&ouml;rung hervorgerufen und f&uuml;r einen Gro&szlig;teil der deutschen &Ouml;ffentlichkeit d&uuml;rfte au&szlig;er Frage stehen, dass die Alleinschuld f&uuml;r den Krieg bei Russland liegt. Dass auch Europa und vor allem Deutschland einen nicht unbedeutenden Teil zur jahrelangen Eskalation beigetragen haben, wird selten erw&auml;hnt. Dabei ist das Versagen Deutschlands, seine nationalen Interessen durchzusetzen, von wesentlicher Bedeutung. Denn die wegweisenden Antworten f&uuml;r die zuk&uuml;nftige Vermeidung innereurop&auml;ischer Konflikte liegen gerade in diesem Scheitern der europ&auml;ischen Sicherheitspolitik in der Ukraine. Von <strong>Walther B&uuml;cklers<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nKrieg in Europa. Reale atomare Bedrohung. Die russische Invasion der Ukraine hat die europ&auml;ische Gemeinschaft in die tiefste Krise seit Jahrzehnten gest&uuml;rzt. Es ist eine Krise, deren Auswirkungen in Deutschland unmittelbar in Form von Inflation und Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;men sp&uuml;rbar waren. Das volle Ausma&szlig; der Konsequenzen f&uuml;r die deutsche Gesellschaft wird erst in den n&auml;chsten Wochen und Monaten greifbar werden. Aber es ist bereits jetzt klar, dass der Krieg in der Ukraine die Zukunft Deutschlands &uuml;ber Jahrzehnte pr&auml;gen wird und es stellt sich die Frage, wie es zu so einer gravierenden Eskalation innerhalb der Grenzen Europas kommen konnte.<\/p><p>Die Erkl&auml;rungen der deutschen Medienlandschaft zu den Ursachen der Krise sind &uuml;berraschend divergent. Einigkeit herrscht allein in der Schuldfrage, die man klar bei Russland und vor allem beim russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin sieht. Beim Kriegsmotiv sind die Meinungen aber uneinheitlich. So <a href=\"https:\/\/taz.de\/Putins-Motive\/!5837546\/\">vermutet<\/a> z.B. die taz, dass Putin die Sowjetunion wieder zu neuem Leben erwecken wolle. FAZ und Spiegel hingegen legen dem Leser nahe, dass der Konflikt schlicht auf Putins Geisteskrankheit zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sei. So titelt der Spiegel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/wie-tickt-wladimir-putin-der-mann-ist-groessenwahnsinnig-spiegel-tv-a-2a38ebab-b8e6-4492-acbe-1131fe128144\">Der Mann ist gr&ouml;&szlig;enwahnsinnig!<\/a>&ldquo; und die FAZ stellt die Frage in den Raum, ob Putin den <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-joe-bidens-ruhe-nach-wladimir-putins-drohung-17841254.html\">Verstand verloren<\/a> habe. Die Zeit wiederum gibt sich pathetischen Spekulationen hin, ob Putin wahlweise die Geschichte revidieren wolle, aufgrund von gekr&auml;nktem Stolz gehandelt oder sich von &bdquo;Demokratie und Recht&ldquo; im Nachbarland bedroht gef&uuml;hlt habe. Der Artikel l&auml;uft unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-02\/russland-angriff-ukraine-wladimir-putin\">Krieg ohne Grund<\/a>&ldquo;.<\/p><p>Putins eigene Rechtfertigung f&uuml;r die Invasion &ndash; in einer einst&uuml;ndigen Rede spricht er von V&ouml;lkermord im Donbass, Entnazifizierung und Entmilitarisierung und erw&auml;hnt die NATO &uuml;ber 40 Mal &ndash; wird von den Tagesthemen schlicht als &bdquo;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/49l5drcZ78s?t=381\">russisches Narrativ<\/a>&ldquo; abgetan. Damit l&auml;sst die Berichterstattung den Zuschauer ohne klare Antworten zur&uuml;ck. Anstelle von Aufkl&auml;rung steht h&auml;ufig Ratlosigkeit. So <a href=\"https:\/\/youtu.be\/YrILT78abQk?t=69\">nennen<\/a> die Tagesthemen die russische Invasion eine &bdquo;Aktion aus vergangen geglaubten Zeiten&ldquo; und Christian Sievers fragt, wie wir Putin nur so falsch einsch&auml;tzen konnten. Die SZ <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/russlandpolitik-deutschland-ukraine-1.5535309?reduced=true\">hadert<\/a>, man h&auml;tte lange gedacht, Russland k&ouml;nnte ein guter Nachbar sein. Was bleibt, ist das Bild eines russischen Kriegstreibers auf der einen und das eines wohlwollenden Westens, dessen Vertrauen mutwillig entt&auml;uscht wurde, auf der anderen Seite. Den Krieg in der Ukraine, so der Eindruck, konnte man nicht kommen sehen.<\/p><p><strong>Provokation NATO-Osterweiterung <\/strong><\/p><p>Die vage Berichterstattung der deutschen Medien in Bezug auf die Kriegsursachen in der Ukraine sind bemerkenswert. Denn die aktuelle Eskalation ist eine Entwicklung vor der f&uuml;hrende Russlandexperten seit 25 Jahren gewarnt haben und deren Ursprung &ndash; vor allem die NATO-Osterweiterung &ndash; die russische F&uuml;hrung mindestens ebenso lange beanstandet hat. Der Krieg in der Ukraine ist damit keine pl&ouml;tzlich eingetretene Katastrophe, sondern die logische Konsequenz einer jahrzehntelangen Russlandpolitik des Westens, die auf die Warnungen von Experten und die Proteste Russlands nur unzureichend reagiert oder sie vollst&auml;ndig ignoriert hat.<\/p><p>Bereits als der amerikanische Pr&auml;sident Bill Clinton 1996 die NATO-Osterweiterung auf den Weg brachte, f&uuml;hrte dies unmittelbar zu kritischen Reaktionen von prominenter Seite. George Kennan, der Vater der Containment-Strategie der USA im Kalten Krieg, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/1997\/02\/05\/opinion\/a-fateful-error.html\">nannte<\/a> Clintons Pl&auml;ne &bdquo;vollkommen unn&ouml;tig&ldquo; und &bdquo;einen fatalen Fehler&ldquo;, der die Spannungen zwischen Ost und West neu entfachen w&uuml;rde. Egon Bahr, der Architekt der deutschen Ostpolitik unter Willy Brandt, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/1997\/19\/Es_waere_ein_riesiger_Fehler\">warnte<\/a>, dass mehr als eine Erweiterungswelle der NATO eine potentielle Konfrontation mit Russland bedeuten w&uuml;rde und nannte eine solche Expansion &bdquo;einen riesigen Fehler&ldquo;. Es folgten zwei Wellen der Osterweiterung in 1999 und 2004 und die NATO war nun an Russlands Grenze.<\/p><p>In Reaktion auf die Bem&uuml;hungen der Regierung von George W. Bush die NATO-Expansion in 2008 auch auf die Ukraine auszuweiten, warnte der damalige US Botschafter Russlands und heutige CIA Direktor William Burns vor den weitreichenden Folgen, die dieser Schritt nach sich ziehen w&uuml;rde. In seiner Depesche mit dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/wikileaks.org\/plusd\/cables\/08MOSCOW265_a.html\">Nyet means Nyet<\/a>&ldquo; erkl&auml;rte er, dass die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens rote Linien f&uuml;r Russland seien. Insbesondere die Mitgliedschaft der Ukraine habe das Potential, zu einer tragischen Teilung des Landes und B&uuml;rgerkrieg zu f&uuml;hren, was im Eingreifen Russlands resultieren k&ouml;nne. Die Bush-Regierung und NATO reagierten mit der unverbindlichen Einladung Georgiens und der Ukraine in die NATO beim anschlie&szlig;enden Bukarest-Gipfel.<\/p><p>Nach dem Maidan-Umsturz 2014 <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/opinions\/who-is-the-bully-the-united-states-has-treated-russia-like-a-loser-since-the-cold-war\/2014\/03\/14\/b0868882-aa06-11e3-8599-ce7295b6851c_story.html\">bezeichnete<\/a> der vormalige US Botschafter, Jack Matlock, die NATO-Osterweiterung und amerikanische Einmischung in die Ukraine als &bdquo;diplomatischen Tritt zwischen die Beine&ldquo;, der das Vertrauen zwischen Russland und den USA ruiniert habe. Russland-Historiker und NYU Professor, Stephen F. Cohen, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mciLyG9iexE\">beschrieb<\/a> die NATO-Expansion als fundamentalen Vertrauensbruch und die Angst Russlands vor Einkesselung durch das B&uuml;ndnis. Henry Kissinger <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20140330011939\/https:\/www.washingtonpost.com\/opinions\/henry-kissinger-to-settle-the-ukraine-crisis-start-at-the-end\/2014\/03\/05\/46dad868-a496-11e3-8466-d34c451760b9_story.html\">mahnte<\/a> wiederholt, dass ein NATO-Beitritt der Ukraine nicht im Sicherheitsinteresse Europas sei. Der amerikanische Politikwissenschaftler, John Mearsheimer, <a href=\"https:\/\/youtu.be\/JrMiSQAGOS4?t=2646\">sagte<\/a> bereits 2015 voraus, dass die Russlandpolitik des Westens in finaler Konsequenz zur Zerst&ouml;rung der Ukraine f&uuml;hren w&uuml;rde.<\/p><p>Die Ursachen des Ukrainekriegs waren damit keinesfalls unklar, sondern zumindest in Expertenkreisen jahrzehntelang bekannt. Gleiches gilt f&uuml;r die russische Position zum Konflikt und dessen m&ouml;glichen L&ouml;sungen, wie die Neutralit&auml;t der Ukraine und Sicherheitsgarantien f&uuml;r Russland. Doch auch dieses Wissen konnte die Eskalation nicht abwenden.<\/p><p><strong>NATO-Osterweiterung &ndash; USA gegen Europa<\/strong><\/p><p>Bei einer solch unzweideutigen Ausgangslage stellt sich nat&uuml;rlich dennoch die Frage, warum ein Krieg in Europa nicht auf diplomatischem Wege verhindert werden konnte. Den entscheidenden Hinweis hierzu liefert die machtpolitische Dynamik, die der NATO-Osterweiterung zugrunde lag. Denn die Expansion des transatlantischen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses war vor allem das Ergebnis unnachgiebiger Bem&uuml;hungen der USA. Bem&uuml;hungen, denen das eher reservierte Europa nicht mittels oder nicht ausreichend willens war, im Sinne der eigenen sicherheitspolitischen Priorit&auml;ten entgegenzustehen.<\/p><p>Ein Beispiel daf&uuml;r ist Deutschland selbst. Denn sowohl im Vorfeld der ersten (1999) wie auch bei der zweiten Welle (2004) der NATO-Osterweiterung betonten die Regierungen <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article653050\/Kohl-steht-zu-Jelzin-in-guten-wie-in-schlechten-Zeiten.html\">Kohl<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/acad\/fellow\/98-00\/vilpisauskas.pdf\">Schr&ouml;der<\/a> zun&auml;chst die Bedeutung russischer Interessen, um dann nach amerikanischem Druck die Expansionsentscheidung doch einstimmig mitzutragen. Erst als die USA in 2008 versuchten trotz vehementer russischer Proteste auch die Ukraine und Georgien in die NATO einzugliedern, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2008\/04\/03\/world\/europe\/03nato.html\">bezogen<\/a> Deutschland und Frankreich klar Stellung und verhinderten den direkten Beitritt der beiden vormaligen Sowjetrepubliken.<\/p><p>In 2010 gewann Viktor Janukowitsch die ukrainische Pr&auml;sidentschaft in einer Wahl, die die OSZE als &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.osce.org\/node\/51888\">transparent und ehrlich<\/a>&ldquo; bezeichnete. Anders als sein Vorg&auml;nger Viktor Juschtschenko, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2004\/nov\/26\/ukraine.usa\">den die USA<\/a> mit der orangenen Revolution in 2004 an die Macht gebracht hatten und dessen erkl&auml;rtes Ziel seither der NATO-Beitritt seines Landes gewesen war, schloss Janukowitsch diesen aus. Ein Schritt, der, wie Umfragen dieser Zeit zeigen, den Willen seines Volkes <a href=\"https:\/\/www.pewresearch.org\/global\/2010\/03\/29\/ukraine-says-no-to-nato\/\">widerspiegelte<\/a>. Die Reaktion der USA auf diesen Widerstand der Europ&auml;er und der ukrainischen Regierung war der zweite erzwungenen Regierungswechsel in der Ukraine innerhalb von 10 Jahren.<\/p><p><strong>Weichenstellung der USA<\/strong><\/p><p>Der Euromaidan 2014 wurde im Westen als Sieg der Demokratie &uuml;ber die autokratische Herrschaft Janukowitschs gesehen. Dabei handelte es sich um die illegale Absetzung eines demokratisch gew&auml;hlten Staatsoberhaupts durch einen vom Ausland finanzierten und unterst&uuml;tzten Putsch. Der amerikanische Einfluss auf die Maidanproteste gilt im Westen als umstritten, dabei m&ouml;gen vielleicht Zweifel am Umfang der Einmischung, aber sicher nicht an der Einmischung selbst bestehen.<\/p><p>Die USA <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?t=463&amp;v=rPVs5VuI8XI&amp;feature=youtu.be\">investierten<\/a> $5 Milliarden seit der ukrainischen Unabh&auml;ngigkeit in 1991 in die &bdquo;Demokratisierung&ldquo; des Landes. Mehrere Zehnmillionen Dollar <a href=\"https:\/\/www.huffpost.com\/entry\/us-foreign-aid-ukraine_n_4914682\">flossen<\/a> in den Jahren vor dem Umsturz via USAID, dem National Endowment for Democracy und dem <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20140228231341\/https:\/pando.com\/2014\/02\/28\/pierre-omidyar-co-funded-ukraine-revolution-groups-with-us-government-documents-show\/\">Omidyar Network<\/a> in den Aufbau von NGOs, Training von Aktivisten und den Aufbau von &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; Medien. Nach Protestbeginn <a href=\"https:\/\/rumble.com\/vwxxi8-ukraine-on-fire.html\">reisten<\/a> die US-Senatoren John McCain und Chris Murphy zur Unterst&uuml;tzung der Demonstranten nach Kiew und hielten Reden auf dem Maidan. Ein ver&ouml;ffentlichtes <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=JoW75J5bnnE\">Telefonat<\/a> zwischen US Diplomatin Victoria Nuland und dem US Botschafter Geoffrey Pyatt zeigte, wie die USA mit den Protestgruppen im Austausch standen und die Besetzung von Schl&uuml;sselpositionen der Putschregierung entschied. In dem Telefonat kommentiert Nuland die mangelnde europ&auml;ische Begeisterung f&uuml;r den Umsturz und die damit einhergehende Sabotage der Sicherheitsinteressen Europas mit &bdquo;Fuck the EU!&ldquo;. <\/p><p>Wie wenig der Euromaidan mit ukrainischer Selbstbestimmung zu tun hatte, l&auml;sst sich aber nicht nur am unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen Einfluss der USA, sondern auch an Umfragen und am letztendlichen Ergebnis des Umsturzes selbst ablesen. Denn die landesweiten Umfragen dieser Zeit <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/monkey-cage\/wp\/2014\/02\/12\/who-are-the-protesters-in-ukraine\/\">zeigen<\/a>, dass die Proteste keine mehrheitliche Zustimmung genossen. Die Putschregierung setzte sich anschlie&szlig;end zu nicht unerheblichen Teilen aus von den USA abgenommen <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2022\/03\/16\/diana-johnstone-for-washington-war-never-ends\/\">Ausl&auml;ndern<\/a> zusammen. Natalia Jaresko, eine Amerkanerin ukrainischer Herkunft, die zuvor um US Au&szlig;enministerium gearbeitet hatte, wurde Finanzministerin. Der Litauer A&iuml;varas Arbomavitchous wurde Wirtschaftsminister. Der Georgier und vormalige Gesundheitsminister Georgiens Sandro Kvitachvili wurde Gesundheitsminister. Der amerikanische Think Tank Cato Institute <a href=\"https:\/\/www.cato.org\/commentary\/americas-ukraine-hypocrisy\">nannte<\/a> das Ausma&szlig; der Einmischung durch die eigene Regierung in die souver&auml;nen Angelegenheiten der Ukraine folgerichtig &bdquo;atemberaubend&ldquo;.<\/p><p>Zentralen Anliegen der Demonstranten, wie Bek&auml;mpfung von Korruption und Eind&auml;mmung des Einflusses von Oligarchen auf die Politik, wurden mit der Wahl von Petro Poroschenko, eines <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20131103105813\/http:\/en.for-ua.com\/analytics\/2005\/10\/28\/164030.html\">korrupten<\/a> Oligarchen und siebtreichsten Mannes der Ukraine, zum Pr&auml;sidenten direkt zuwidergehandelt. Rechtsextreme, ultranationalistische Gruppierungen, die w&auml;hrend der Proteste eine <a href=\"https:\/\/youtu.be\/5SBo0akeDMY?t=83\">entscheidende Rolle<\/a> gespielt hatten, wurden in die Regierung, Verwaltungsapparat und Streitkr&auml;fte <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-30414955\">integriert<\/a>. Die anschlie&szlig;ende Unterdr&uuml;ckung der Opposition und russischen Minderheit f&uuml;hrte zu Massakern in <a href=\"https:\/\/ukraine.un.org\/en\/126054-7-years-no-answers-what-lacking-investigations-events-odesa-2-may-2014\">Odessa<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2014\/05\/10\/ukra-m10.html\">Mariupol<\/a> und dem von William Burns vorausgesagten B&uuml;rgerkrieg. Der NATO-Beitritt der Ukraine &ndash; eigentlich keine der Kernforderungen der Demonstranten &ndash; <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/en\/20140829-ukraine-death-toll-nato-membership-russia-putin\">war sofort<\/a> wieder erkl&auml;rtes Ziel der Regierung.<\/p><p>Mit der umfangreichen Finanzierung von zivilgesellschaftlichen Institutionen, der Nutzung von reaktion&auml;ren oder rechtsextremen gesellschaftlichen Elementen, der Kooperation mit korrupten Eliten, der anschlie&szlig;enden Unterdr&uuml;ckung von Opposition, Minderheiten und Meinungsfreiheit und der Einsetzung einer USA-freundlichen Regierung zeigt der Euromaidan deutliche Parallelen zu anderen amerikanisch organisierten Umst&uuml;rzen weltweit (z.B. <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/commentisfree\/2020\/sep\/18\/silence-us-backed-coup-evo-morales-bolivia-american-states\">Bolivien 2019<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.jacobinmag.com\/2019\/08\/us-honduras-coup-manuel-zelaya-exile-excerpt\">Honduras 2009<\/a>,<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2004\/03\/hait-m01.html\"> Haiti 2004<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.amazon.com\/Killing-Hope-Military-Interventions-Updated\/dp\/1783601779\/ref=sr_1_1?dchild=1&amp;keywords=killing+hope&amp;qid=1630148182&amp;sr=8-1\">weitere Beispiele<\/a>). Mit der &bdquo;Revolution der W&uuml;rde&ldquo;, wie der Putsch seither in englischsprachigen Medien bezeichnet wird, wurden die Europ&auml;er vor vollendete Tatsachen gestellt. Es war die entscheidende Weichenstellung, die zusammen mit weiteren Provokationen in der russischen Invasion im Februar 2022 resultieren w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Rote Linien und V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che<\/strong><\/p><p>Auf die massive Einflussnahme und Koordination des Maidan-Umsturzes durch die USA &ndash; <a href=\"https:\/\/pesd.princeton.edu\/node\/551\">ein Versto&szlig;<\/a> gegen das internationale Gewaltverbot und damit ein V&ouml;lkerrechtsbruch &ndash; antwortete Russland mit der Besetzung und Annexion der Krim. Ebenfalls ein <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwiF_POY2p_3AhUXwosBHafNBsgQFnoECBAQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.ifhv.de%2Fdocuments%2Fhuvi%2Fselectedarticles%2F3-2014-heintze.pdf&amp;usg=AOvVaw3VrKRH-pVmPJbcJtp8FH6X\">V&ouml;lkerrechtsbruch<\/a>, der vermutlich weniger mit dem von Putin angegebenen <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/krim-krise-russland-schafft-fakten\/a-17468196\">Schutz russischer Staatsb&uuml;rger<\/a> als mit der Sicherung des strategisch wichtigen russischen Schwarzmeerflottenst&uuml;tzpunktes Sewastopol zu tun hatte.<\/p><p>Der Westen reagierte mit Sanktionen und milit&auml;rischer Aufr&uuml;stung innerhalb und au&szlig;erhalb der Ukraine. Nachdem die USA bereits 2002 einseitig vom ABM-Vertrag zur&uuml;ckgetreten waren, platzierten sie nun Raketenabwehrsysteme in <a href=\"https:\/\/seapowermagazine.org\/navy-commissions-naval-support-facility-redzikowo-a-future-aegis-ashore-site\/\">Rum&auml;nien (2014) und Polen (2016)<\/a>. Gleichzeitig <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/official_texts_133169.htm\">entschied<\/a> sich die NATO dazu, Truppenstationierungen in Polen und auf dem Baltikum vorzunehmen. Damit war das Milit&auml;rb&uuml;ndnis nicht nur territorial, sondern auch milit&auml;risch an Russlands Grenzen angekommen. Deutschland reagierte erwartungsgem&auml;&szlig;. Die Regierung Merkel weigerte sich zun&auml;chst Truppen an die NATO-Ostflanke zu verlegen und sprach von Drohgeb&auml;rden gegen&uuml;ber Russland, um die Neuausrichtung dann doch <a href=\"https:\/\/www.chathamhouse.org\/sites\/default\/files\/publications\/ia\/INTA93_2_02_Rynning.pdf\">mitzutragen<\/a>.<\/p><p>Innerhalb der Ukraine selbst erfolgte der Aufbau zum NATO-Mitglied in jeglicher nur nicht in offizieller Hinsicht direkt im Anschluss an den Maidan. <a href=\"https:\/\/www.defenseone.com\/threats\/2017\/10\/ukraine-us-trains-army-west-fight-east\/141577\/\">Hunderte US-Milit&auml;rs<\/a> begannen in permanenter Mission das ukrainische Milit&auml;r auszubilden. Milit&auml;rman&ouml;ver unter NATO-Beteiligung in der Ukraine oder unter ukrainischer Beteiligung in Europa fanden mindestens einmal j&auml;hrlich statt. Die NATO <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/nato_static_fl2014\/assets\/pdf\/pdf_2016_07\/20160627_1607-factsheet-nato-ukraine-support-eng.pdf\">investierte<\/a> durchg&auml;ngig in die Anpassung der milit&auml;rischen Infrastruktur in der Ukraine an NATO-Standards. Ein Prozess der 2021 <a href=\"https:\/\/www.atlanticcouncil.org\/blogs\/ukrainealert\/is-ukraines-reformed-military-ready-to-repel-a-new-russian-invasion\/\">abgeschlossen wurde<\/a>. Allein Gro&szlig;britannien bildete 21.000 ukrainische Soldaten aus und <a href=\"https:\/\/www.gov.uk\/government\/news\/uk-signs-agreement-to-support-enhancement-of-ukrainian-naval-capabilities\">plante<\/a> den Bau mehrerer ukrainischer Marinebasen. Unter Donald Trump <a href=\"https:\/\/www.truthdig.com\/articles\/russiagate-helped-secure-dangerous-arms-deal\/\">begann<\/a> die USA in 2017 der Ukraine auch Waffen zu liefern. Dies war ein Schritt, den die Vorg&auml;ngerregierung unter Barack Obama noch <a href=\"https:\/\/caitlinjohnstone.substack.com\/p\/re-visiting-russiagate-in-light-of?s=r\">abgelehnt hatte<\/a>, um nicht eine milit&auml;rische Antwort Russlands zu provozieren. Die &Uuml;berschreitung auch dieser <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/8a3b5e28-e896-11e7-bd17-521324c81e23\">roten Linie<\/a> veranlasste die US Senatoren McCain und Graham in die Ukraine zu reisen und dem ukrainischen Milit&auml;r zu <a href=\"https:\/\/twitter.com\/mtracey\/status\/1512422871032901636\">verk&uuml;nden<\/a> &bdquo;Euer Kampf ist unser Kampf. 2017 wird ein Jahr der Offensive!&ldquo;.<\/p><p>Der Maidanumsturz f&uuml;hrte zu Gegenprotesten, deren blutige Niederschlagung mit dutzenden Toten in <a href=\"https:\/\/ukraine.un.org\/en\/126054-7-years-no-answers-what-lacking-investigations-events-odesa-2-may-2014\">Odessa<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2014\/05\/10\/ukra-m10.html\">Mariupol<\/a> zur <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/4f4ade7d52f646118ab030b7c828d564\">Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung<\/a> des Donbass am 12. Mai 2014 und in den B&uuml;rgerkrieg f&uuml;hrte. Die K&auml;mpfe resultierten in &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.truthdig.com\/articles\/russiagate-helped-secure-dangerous-arms-deal\/\">einer Million Fl&uuml;chtlinge<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/whatsinblue\/2022\/02\/ukraine-briefing-4.php\">14.000 Tote<\/a>n in den n&auml;chsten 8 Jahren. Auf den Befehl der ukrainischen Regierung auf die eigenen Mitb&uuml;rger zu schie&szlig;en, <a href=\"https:\/\/www.thepostil.com\/the-military-situation-in-the-ukraine\/\">reagierten<\/a> bedeutende Teile des Milit&auml;rs mit Kriegsdienstverweigerung und dem &Uuml;berlaufen zu den Separatisten. Hunderte ukrainische Soldaten nahmen sich allein in den ersten 4 Jahren das Leben. <\/p><p>Um die Lage im Donbass zu normalisieren unterzeichneten die Ukraine, Vertreter der Separatisten zusammen mit der OSZE, Russland, Deutschland und Frankreich im Februar 2015 <a href=\"https:\/\/peacemaker.un.org\/sites\/peacemaker.un.org\/files\/UA_150212_MinskAgreement_en.pdf\">Minsk II<\/a>. Das Abkommen sah u.a. einen Waffenstillstand, Abzug von schweren Waffen, den Abzug von ausl&auml;ndischen Streitkr&auml;ften und Verhandlungen f&uuml;r eine zu einer gr&ouml;&szlig;eren Autonomie f&uuml;r den Donbass f&uuml;hrenden Verfassungsreform vor und wurde anschlie&szlig;end von der UN zum V&ouml;lkerrecht <a href=\"https:\/\/www.un.org\/press\/en\/2015\/sc11785.doc.htm\">erhoben<\/a>. Doch die Regierung in Kiew <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/national-security\/2022\/02\/11\/russia-ukraine-minsk-agreements\/\">lehnte<\/a> wie <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2015\/02\/13\/world\/europe\/ukraine-talks-cease-fire.html\">bereits zuvor<\/a> direkte Verhandlungen mit den Separatisten ab. Das Abkommen f&uuml;hrte so zwar zu einer gewissen Deeskalation, wurde aber von beiden Seiten in keinem Punkt umgesetzt. Deutschland und Frankreich versagten nicht nur in ihrer Funktion als Garantiem&auml;chte von Minsk II, sondern &ndash; wie die ver&ouml;ffentlichte <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20211117173959\/https:\/www.mid.ru\/documents\/10180\/4944950\/%D0%B4%D0%B8%D0%BF%D0%BB%D0%BE%D0%BC%D0%B0%D1%82%D0%B8%D1%87%D0%B5%D1%81%D0%BA%D0%B0%D1%8F+%D0%BF%D0%B5%D1%80%D0%B5%D0%BF%D0%B8%D1%81%D0%BA%D0%B0.pdf\/795480b9-c3\">Korrespondenz<\/a> zum Thema zwischen Lawrow, Heiko Maas und seinem franz&ouml;sischen Pendant Le Drian zeigte &ndash; <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2021\/kein-wort-in-den-medien-der-westen-hat-das-minsker-abkommen-beerdigt\/\">torpedierten<\/a> die Umsetzung des Abkommens proaktiv selbst.<\/p><p><strong>Kalkulierte Eskalation<\/strong><\/p><p>In 2019 <a href=\"https:\/\/www.voanews.com\/a\/ukraine-amends-constitution-to-cement-eu-nato-course\/4776669.html\">schrieb<\/a> die Ukraine ihre Ambitionen zum EU und NATO-Beitritt in der Verfassung fest. Im gleichen Jahr wurde Wolodymyr Selenskyj mit dem Versprechen, das Land zu vers&ouml;hnen, mit <a href=\"https:\/\/mate.substack.com\/p\/siding-with-ukraines-far-right-us?s=w\">&uuml;berragender Mehrheit<\/a> zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt. Ein Versprechen, dass er wohl vor allem aufgrund des Widerstands der seit dem Maidan <a href=\"https:\/\/youtu.be\/hE6b4ao8gAQ?t=352\">einflussreichen Rechtsextremen<\/a>, die ihm f&uuml;r die Aussicht auf Frieden im Donbass <a href=\"https:\/\/mate.substack.com\/p\/siding-with-ukraines-far-right-us?s=r\">Morddrohungen<\/a> zukommen lie&szlig;en, direkt ins Gegenteil verkehrte. Seine Zustimmung sackte innerhalb eines Jahres von &uuml;ber <a href=\"https:\/\/time.com\/magazine\/europe\/6144693\/february-14th-2022-vol-199-no-5-europe\/\">70% auf unter 40%<\/a> ab.<\/p><p>Der finale Akt begann mit Amtsantritt von Joe Biden in 2021. Bidens unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;iger Einfluss in der Ukraine war bereits zuvor bekannt. So hatte er eigenh&auml;ndig <a href=\"https:\/\/www.cfr.org\/event\/foreign-affairs-issue-launch-former-vice-president-joe-biden\">die Entlassung<\/a> eines ukrainischen Staatsanwalts und die Anstellung seines Sohnes inklusive Gehalt in <a href=\"https:\/\/nypost.com\/2021\/05\/26\/hunter-bidens-ukraine-salary-was-cut-after-joe-biden-left-office\/\">Millionenh&ouml;he<\/a> beim ukrainischen &Ouml;lkonzern Burisma arrangiert. Diesen Einfluss Bidens und damit der USA in der Ukraine, best&auml;tigte Selenskyj einmal mehr mit dem Abschalten von russlandfreundlichen Oppositions-Fernsehsendern Anfang 2021. Eine Aktion, die sein Sicherheitsberater, Oleksandr Danyliuk, ein &bdquo;<a href=\"https:\/\/time.com\/magazine\/europe\/6144693\/february-14th-2022-vol-199-no-5-europe\/\">Willkommensgeschenk f&uuml;r Biden<\/a>&ldquo;, das dessen Vorstellungen entsprechen w&uuml;rde, nannte.<\/p><p>Im M&auml;rz 2021 verst&auml;rkte der Westen in Koordination mit der Ukraine die Provokationen gegen&uuml;ber Russland. NATO begann Defender 21, ein massives Man&ouml;ver mit <a href=\"https:\/\/www.europeafrica.army.mil\/defendereurope\/\">28.000 Soldaten aus 26 Nationen<\/a>. Gleichzeitig erlie&szlig; Selenskyj eine <a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/documents\/1172021-37533\">Anordnung<\/a> zur &bdquo;R&uuml;ckeroberung der Krim&ldquo; und verlegte Truppen in den S&uuml;den des Landes. Angriffe auf den Donbass, die Russland wiederholt als m&ouml;glichen Grund f&uuml;r ein milit&auml;risches Eingriffen <a href=\"https:\/\/www.anti-spiegel.ru\/2022\/russlands-rote-linien-und-geopolitik-gibt-es-ein-denkbares-szenario-fuer-eine-russische-militaerintervention\/\">bezeichnet<\/a> hatte, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2021\/03\/30\/world\/europe\/ukraine-russia-fighting.html\">intensivierten sich<\/a> erneut im <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/files\/f\/documents\/4\/2\/495778.pdf\">April<\/a>. Russland reagierte mit Drohungen, einem <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/ukraine-russia-troops-border\/\">Truppenaufmarsch<\/a> an der ukrainischen Grenze und initiierte seinerseits Man&ouml;ver, griff aber nicht milit&auml;risch ein. Die Lage blieb weiterhin angespannt.<\/p><p>Es folgten weitere NATO-Man&ouml;ver im schwarzen Meer und den baltischen Staaten und <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/e7dc0f67-fd63-4c2b-bcc3-fdbe06c4672a\">Aufforderungen<\/a> von Selenskyj, den Aufnahmeprozess der Ukraine in die NATO zu beschleunigen. Im November machte Lawrow, die zuvor erw&auml;hnte Sabotage des Minsk-Abkommens durch Deutschland und Frankreich &ouml;ffentlich. Im Dezember schlug Russland konkrete gegenseitige <a href=\"https:\/\/tass.com\/russia\/1406687?utm_source=google.com&amp;utm_medium=organic&amp;utm_campaign=google.com&amp;utm_referrer=google.com\">Sicherheitsgarantien<\/a>, u.a. keine weitere NATO-Osterweiterung, keine Stationierung von Atomwaffen in Europa (einschlie&szlig;lich dem russischen Teil Europas) und eine R&uuml;ckkehr zur NATO-Grundakte von 1997 vor, die die dauerhafte Stationierung von NATO-Truppen in Osteuropa verbietet.<\/p><p>Die NATO-Staaten <a href=\"https:\/\/abcnews.go.com\/International\/nato-rejects-russian-demands-security-guarantees-latest-round\/story?id=82226913\">lehnten<\/a> den russischen Vorschlag im Januar 2022 ab und <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/u-s-nato-ukraine-weapons-defense-russia\/\">begannen<\/a> stattdessen im gro&szlig;en Stil Waffen an die Ukraine zu liefern. Anfang Februar <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/europe\/normandy-format-talks-in-berlin-end-without-tangible-results\/2499568\">scheiterte<\/a> nach 7 Jahren auch der letzte Versuch &uuml;ber Minsk II eine L&ouml;sung herbeizuf&uuml;hren am <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/national-security\/2022\/02\/11\/russia-ukraine-minsk-agreements\/\">Widerstand<\/a> der Ukraine. Die Medien, die ihre jahrelangen Ank&uuml;ndigungen einer russischen Invasion nun t&auml;glich machten, heizten die Stimmung weiter an. In dieser Atmosph&auml;re <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/amp\/articles\/vladimir-putins-20-year-march-to-war-in-ukraineand-how-the-west-mishandled-it-11648826461\">versuchte<\/a> Olaf Scholz bei der M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz am 19. Februar eine Last-Minute Einigung herbeizuf&uuml;hren, indem er Selenskyj nahelegte, auf die NATO-Mitgliedschaft &ouml;ffentlich zu verzichten. Selenskyj lehnte ab. Zeitgleich startete eine Gro&szlig;offensive auf den Donbass (OSZE <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/files\/2022-02-20-21%20Daily%20Report_ENG.pdf?itok=82567\">19.02.<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/www.osce.org\/files\/2022-02-22%20Daily%20Report_ENG.pdf?itok=63057\">22.02.<\/a>). Daraufhin erkannte Putin am 21. Februar die Unabh&auml;ngigkeit der Separatistenregionen an. Am 24.02. begann die russische Invasion der Ukraine und Olaf Scholz konnte mit betroffener Miene verk&uuml;nden &bdquo;Dieser Krieg ist Putins Krieg.&ldquo;.<\/p><p><strong>Der gewollte Krieg<\/strong><\/p><p>Es besteht kein Zweifel, dass Russland eine Mitschuld am Krieg in der Ukraine tr&auml;gt. Der russische Angriff ist ein Versto&szlig; gegen das UN-Gewaltverbot, eine Verletzung ukrainischer Souver&auml;nit&auml;t und ein eklatanter Bruch des V&ouml;lkerrechts. Mit der Invasion des Nachbarlandes eskalierte Russland einen Konflikt, der in 8 Jahren 14.000 Menschenleben gekostet hatte, in einen hei&szlig;en Krieg, der in nur wenigen Monaten diese Zahl &uuml;bertreffen wird und bereits zu diesem Zeitpunkt zu &uuml;ber <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220424012752\/https:\/data2.unhcr.org\/en\/situations\/ukraine\">5 Millionen Fl&uuml;chtlingen<\/a> gef&uuml;hrt hat. Russland h&auml;tte weitere Konfliktl&ouml;sungen &uuml;ber die UN suchen oder wirtschaftlichen Druck aus&uuml;ben k&ouml;nnen, um seine politischen Ziele auf anderem Wege zu erreichen. Die Invasion war nicht alternativlos.<\/p><p>Gleichzeitig war der Krieg eine Entscheidung, der jahrelange Versuche Russlands vorausgegangen waren, dem Westen auf diplomatischem Wege Zugest&auml;ndnisse in Bezug auf seine grundlegenden Sicherheitsinteressen abzuringen. Doch weder jahrzehntelange Verhandlungen, noch ein Gentleman&rsquo;s Agreement wie bei den 2+4 Gespr&auml;chen, bilaterale Vertr&auml;ge wie die NATO-Russland-Grundakte oder v&ouml;lkerrechtliche Vertr&auml;ge wie das Minsker Abkommen hatten die NATO-Expansion und die zunehmende Militarisierung der russischen Grenze verhindern k&ouml;nnen. Dass zuk&uuml;nftige Verhandlungen nun pl&ouml;tzlich zu Kompromissen zu Russlands Gunsten f&uuml;hren w&uuml;rden, war keine realistische Annahme. Russland sah sich somit vor die Wahl gestellt, seine Sicherheitsinteressen zur&uuml;ckzustellen, dem Aufbau der Ukraine zum NATO-Mitglied und dem fortw&auml;hrenden Beschuss des Donbass tatenlos zuzusehen oder die hohen Opfer und den wirtschaftlichen und politischen Preis f&uuml;r die milit&auml;rische Intervention zu zahlen. Die russische F&uuml;hrung entschied sich als finalen Ausweg f&uuml;r das Letztere.<\/p><p>Doch die russische Schuld ist sicher keine Alleinschuld. Denn auch wenn Russland die letztendliche Eskalation des Konflikts eingeleitet hat, wurden die Vorrausetzungen durch eine jahrzehntelange, aggressiv anti-russische Politik der USA geschaffen. Und im Gegensatz zu Russland d&uuml;rften bei den Vereinigten Staaten nur wenige Zweifel daran bestehen, dass der Ausbruch von Feindseligkeiten in Europa kein diplomatisches Versagen, sondern ein au&szlig;enpolitisches Ziel war.<\/p><p>Die USA trieben trotz deutlicher Proteste Russlands und dem gegens&auml;tzlichen Rat f&uuml;hrender Diplomaten und Russlandexperten die NATO-Osterweiterung unbeirrt jahrzehntelang voran. Als die NATO-Aufnahme der Ukraine und Georgien in der dritten Welle von den EU-L&auml;ndern blockiert wurde, arrangierten die USA kurzerhand einen blutigen Umsturz und bauten die Ukraine auch ohne offizielle Mitgliedschaft zum NATO-Mitglied auf. Sie installierten eine anti-russische Regierung mit rechtsextremen Elementen in <a href=\"https:\/\/youtu.be\/hE6b4ao8gAQ?t=352\">Machtpositionen<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2015\/04\/01\/ukra-a01.html\">bildeten<\/a> und r&uuml;sten faschistische Bataillone zum Kampf gegen den russisch-gepr&auml;gten Donbass aus. Sie k&uuml;ndigten einseitig die ABM- und INF-R&uuml;stungsabkommen, stationierten Raketenabwehrsysteme an der NATO-Ostflanke und initiierten allj&auml;hrliche Gro&szlig;man&ouml;ver an Russlands Grenzen. Victoria Nuland <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2022\/03\/09\/victoria-nuland-us-biological-research-facilities-ukraine\/\">gab<\/a> zudem zu Protokoll, dass das US-Verteidigungsministerium dutzende Projekte in biologischen Forschungslaboren in der Ukraine unterst&uuml;tzt. Viele dieser Ma&szlig;nahmen allein genommen h&auml;tten zu einer direkten milit&auml;rischen Antwort gef&uuml;hrt, w&auml;ren sie an der US-amerikanischen anstelle der russischen Grenze durchgef&uuml;hrt worden. Keine dieser Ma&szlig;nahmen war dem Frieden und der Stabilit&auml;t Europas zutr&auml;glich und die meisten standen im krassen Gegensatz dazu. <\/p><p>Russlands sicherheitspolitische Bedenken wurden nie ernst genommen und von Moskau formulierte rote Linien zielgerichtet &uuml;berschritten. M&ouml;gliche Konsequenzen, wie der Ausbruch des ukrainischen B&uuml;rgerskrieges in 2014 und die milit&auml;rische Intervention von Russland in 2022, wurden mindestens in Kauf genommen. Die 2019er Studie des Pentagon Think Tanks, Rand Corporation, mit dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.rand.org\/pubs\/research_briefs\/RB10014.html\">Overextending and Unbalancing Russia<\/a>&rdquo; zeigt, dass die zunehmende Eskalation in Osteuropa nicht ohne strategisches Kalk&uuml;l entstanden ist. Sie beschreibt Waffenlieferungen an die Ukraine als beste Option, &bdquo;Russlands externe Schw&auml;chen&ldquo; zu nutzen . Die amerikanische Reaktion seit der russischen Invasion zeigt eine deutliche Pr&auml;ferenz f&uuml;r weitere Eskalation mittels Sanktionen und Waffenlieferungen und ein Desinteresse an verhandlungsbasierten L&ouml;sungen.<\/p><p>M&ouml;gliche Schritte zur Deeskalation wie die Gew&auml;hrung von Sicherheitsgarantien f&uuml;r Russland wurden bewusst nie in Erw&auml;gung gezogen. Im Gegenteil. So best&auml;tigte Selenskyj in einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/aaronjmate\/status\/1510676981536501766\">Interview<\/a> mit CNN, dass er, obwohl NATO ihm bez&uuml;glich des Beitritts der Ukraine bereits eine Absage erteilt hatte, &ouml;ffentlich trotzdem stets weiter die M&ouml;glichkeit einer NATO-Mitgliedschaft propagierte. Ein Eingest&auml;ndnis, dass er eine der Kernforderungen Russlands &ndash; den Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft der Ukraine &ndash; jederzeit h&auml;tte erf&uuml;llen k&ouml;nnen, sich aber bewusst dagegen entschied. Ein Entschluss, der allein dem Konflikt mit Russland dienlich war. Mit dieser Geisteshaltung konnte Selenskyjs Berater Oleksiy Arestovych dann auch bereits 2019 in einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/miguelsantosttr\/status\/1511991183488299010\">Interview<\/a> den Kriegsausbruch korrekt f&uuml;r 2020-2022 voraussagen. Einen Krieg mit Russland f&uuml;r die NATO-Mitgliedschaft beschrieb er als &bdquo;the coolest thing.&ldquo;<\/p><p><strong>Europ&auml;isches Versagen<\/strong><\/p><p>Aber der Krieg in der Ukraine ist nicht nur eine Geschichte amerikanischer Aggression und russischer Reaktion, sondern auch eine europ&auml;ischen Versagens. Es ist die Geschichte eines Europas, das die Gefahr eines innereurop&auml;ischen Konflikts jahrzehntelang kommen sah, zu vermitteln versuchte und am Ende doch machtlos war, den Krieg zu verhindern. F&uuml;r die von amerikanischen Think Tanks wie der Rand Corporation angegebenen geostrategischen Ziele der USA mag Russland in einem milit&auml;rischen Konflikt zu schw&auml;chen sinnvoll erscheinen. Aber f&uuml;r Europa sind die resultierenden wirtschaftlichen, sozialen und humanit&auml;ren Konsequenzen eine Katastrophe.<\/p><p>Europa &ndash; vor allem Deutschland und Frankreich &ndash; haben sich dem amerikanischen NATO-Aktivismus nicht vollkommen widerstandslos ergeben. Sie blockierten den NATO-Beitritt der Ukraine und Georgiens in 2008 und entwarfen das Minsk Abkommen f&uuml;r eine friedliche L&ouml;sung des durch den Maidanumsturz verursachten B&uuml;rgerkriegs. Aber gleichzeitig trugen sie f&uuml;nf weitere NATO-Osterweiterungen, den v&ouml;lkerrechtswidrigen Eingriff der USA in die inneren Angelegenheiten der Ukraine, die Militarisierung der NATO-Ostflanke, Sanktionen gegen Russland und die jahrelange Aufr&uuml;stung und Ausbildung des ukrainischen Milit&auml;rs mit, nahmen an den NATO-Man&ouml;vern an Russlands Grenzen teil und sahen als Garantiem&auml;chte ohnm&auml;chtig bei der Sabotage des Minsk-Abkommens durch die ukrainische Regierung zu. Das Vorgehen der USA und der ukrainischen Regierung verlief ohne bemerkenswerten deutsch-franz&ouml;sischen Protest. NATO B&uuml;ndnistreue wog schwerer als die Wahrung der sicherheitspolitischen Interessen Europas. Schlussendlich muss sich Deutschland vorwerfen lassen, fast alles f&uuml;r und zu wenig gegen einen Krieg in Europa getan zu haben. Und die nun nach jahrelanger Prinzipienlosigkeit von politischer und medialer Seite vorgetragene Fassungslosigkeit ob der aktuellen Ereignisse hat einen bitteren Beigeschmack von Heuchelei.<\/p><p>Das deutsch-europ&auml;ische Versagen, die Eskalation in der Ukraine abzuwenden, wirft tiefgreifende Fragen zur deutschen Souver&auml;nit&auml;t auf. Denn die Voraussetzungen f&uuml;r den Krieg in Europa wurden federf&uuml;hrend von der NATO gegen den Widerstand und im klaren Gegensatz zu den nationalen Priorit&auml;ten Deutschlands geschaffen. Die aktuelle Krise zeigt, dass die Interessen der NATO nicht mit den Interessen Deutschlands oder Europas gleichzusetzen sind. Die NATO bleibt prim&auml;r eine Allianz, die dem milit&auml;rischen Willen der Amerikaner Ausdruck verleiht, und Deutschland muss sich fragen lassen, ob es seinem nationalen Interesse entspricht, einem B&uuml;ndnis anzugeh&ouml;ren, das bereit ist, europ&auml;ische Stabilit&auml;t, Sicherheit, Wohlstand und Leben zu opfern, um seine geopolitischen Ziele zu erreichen. <\/p><p>Die Unf&auml;higkeit auf die Handlungen der NATO entscheidenden Einfluss zu nehmen und den amerikanischen Aktionismus zu entsch&auml;rfen, steht symbolisch f&uuml;r die deutsche Schuld an der Eskalation, die man jetzt versucht allein Russland in die Schuhe zu schieben. Wenn es auch nach dieser Katastrophe in Europa nicht gelingt, politisch die entsprechenden Schl&uuml;sse zu ziehen und eine B&uuml;ndnisstruktur zu w&auml;hlen, die es erlaubt, die eigenen Interessen durchzusetzen, wird auch die n&auml;chste Krise unvermeidbar sein und wir k&ouml;nnen uns bereits jetzt &uuml;berlegen, in welchen Farben wir das Brandenburger Tor beim n&auml;chsten Mal anstrahlen wollen.<\/p><p>Titelbild: Ivan Marc\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der russische Angriff auf die Ukraine hat in Deutschland und Europa gro&szlig;e Emp&ouml;rung hervorgerufen und f&uuml;r einen Gro&szlig;teil der deutschen &Ouml;ffentlichkeit d&uuml;rfte au&szlig;er Frage stehen, dass die Alleinschuld f&uuml;r den Krieg bei Russland liegt. Dass auch Europa und vor allem Deutschland einen nicht unbedeutenden Teil zur jahrelangen Eskalation beigetragen haben, wird selten erw&auml;hnt. 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