{"id":83634,"date":"2022-05-09T08:42:06","date_gmt":"2022-05-09T06:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83634"},"modified":"2022-05-09T16:54:38","modified_gmt":"2022-05-09T14:54:38","slug":"der-wahre-zelensky-vom-prominenten-populisten-zum-unbeliebten-neoliberalen-im-stile-pinochets","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83634","title":{"rendered":"Der wahre Zelensky: Vom prominenten Populisten zum unbeliebten Neoliberalen im Stile Pinochets"},"content":{"rendered":"<p>Die ukrainische Wissenschaftlerin Olga Baysha hat Wolodymyr Zelenskys Aufstieg zur Macht und die Art und Weise, wie er diese Macht seit seiner Wahl zum ukrainischen Pr&auml;sidenten aus&uuml;bt, untersucht. In einem Interview spricht sie &uuml;ber Zelenskys Bekenntnis zum Neoliberalismus und seinen zunehmenden Autoritarismus &ndash; und dar&uuml;ber, wie seine Handlungen zum aktuellen Krieg beigetragen haben, sowie &uuml;ber seine kontraproduktive F&uuml;hrung w&auml;hrend des Krieges. Diesen Beitrag haben wir von <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2022\/04\/28\/zelensky-celebrity-populist-pinochet-neoliberal\/\">&bdquo;Grayzone&ldquo;<\/a> &uuml;bernommen. &Uuml;bersetzung: <strong>Heiner Biewer. <\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<i>Das folgende Interview wurde am 28. April auf <\/i><a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2022\/04\/28\/zelensky-celebrity-populist-pinochet-neoliberal\/\"><i>TheGrayZone <\/i><\/a><i>ver&ouml;ffentlicht. Die Verweise sind zum gro&szlig;en Teil aus dem Original &uuml;bernommen, in einigen F&auml;llen hat der &Uuml;bersetzer <strong>Heiner Biewer <\/strong>eigene Links hinzugef&uuml;gt, meist auf deutsche Quellen.<\/i><\/p><p><strong>Die ukrainische Wissenschaftlerin <\/strong><a href=\"https:\/\/www.hse.ru\/en\/staff\/baysha\"><strong>Olga Baysha<\/strong><\/a><strong> beschreibt, wie Zelensky die weithin verhasste neoliberale Politik verfolgte, wie er seine Rivalen unterdr&uuml;ckte und wie seine Ma&szlig;nahmen den derzeitigen Krieg mit Russland anheizten.<\/strong><\/p><p>Der Kom&ouml;diant Zelensky, der 2019 in das h&ouml;chste Amt des Landes aufstieg, war dem Durchschnittsamerikaner praktisch unbekannt, au&szlig;er vielleicht als <a href=\"https:\/\/www.usatoday.com\/story\/news\/politics\/2019\/12\/18\/trump-impeachment-path-vote-started-zelensky-call\/2674518001\/\">Kleindarsteller<\/a> im Theater um die Amtsenthebung Trumps. Doch als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine angriff, wurde Zelensky pl&ouml;tzlich zu einem A-Promi in den US-Medien. Das amerikanische Nachrichtenpublikum wurde mit Bildern eines Mannes &uuml;berh&auml;uft, der von den tragischen Ereignissen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ClintEhrlich\/status\/1496709505396051968\">&uuml;berw&auml;ltigt<\/a> und m&ouml;glicherweise &uuml;berfordert war, aber letztlich sympathisch wirkte. Es dauerte nicht lange, bis sich dieses Bild in einen unerm&uuml;dlichen Helden in Khaki-Montur verwandelte, der eine wehrhafte, kleine Demokratie regiert und im Alleingang die autokratischen Barbaren aus dem Osten abwehrt.<\/p><p>Doch hinter diesem von den westlichen Medien sorgf&auml;ltig erstellten Bild verbirgt sich etwas viel Komplizierteres und weniger Schmeichelhaftes. Zelensky wurde mit <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-48007487\">73 Prozent<\/a> der Stimmen gew&auml;hlt, weil er versprach, sich f&uuml;r den Frieden einzusetzen, w&auml;hrend der Rest seines Programms vage blieb. Am Vorabend der Invasion war seine Zustimmungsrate jedoch auf <a href=\"https:\/\/abtc.ng\/volodymyr-zelensky-approval-rating-2022\/\">31 Prozent<\/a> gesunken, weil er eine &auml;u&szlig;erst unpopul&auml;re Politik verfolgte.<\/p><p>Die ukrainische Wissenschaftlerin Olga Baysha, Autorin von <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books\/about\/Democracy_Populism_and_Neoliberalism_in.html?id=kEpREAAAQBAJ&amp;redir_esc=y\">Democracy, Populism, and Neoliberalism in Ukraine<\/a> (Demokratie, Populismus und Neoliberalismus in der Ukraine), hat Zelenskys Aufstieg zur Macht und die Art und Weise, wie er diese Macht seit seiner Wahl zum Pr&auml;sidenten aus&uuml;bt, untersucht. Im folgenden Interview spricht sie &uuml;ber Zelenskys Bekenntnis zum Neoliberalismus und seinen zunehmenden Autoritarismus, dar&uuml;ber, wie seine Handlungen zum aktuellen Krieg beigetragen haben, &uuml;ber seine kontraproduktive und selbstvergessene F&uuml;hrung w&auml;hrend des Krieges, &uuml;ber die vielf&auml;ltigen kulturellen und politischen Ansichten und Identit&auml;ten der Ukrainer, &uuml;ber die Partnerschaft zwischen Neoliberalen und der radikalen Rechten w&auml;hrend und nach dem Maidan und dar&uuml;ber, ob eine russische &Uuml;bernahme der gesamten Donbass-Region bei der lokalen Bev&ouml;lkerung weniger popul&auml;r sein k&ouml;nnte, als es 2014 der Fall gewesen w&auml;re.<\/p><p><strong>Erz&auml;hlen Sie uns ein wenig &uuml;ber Ihren Hintergrund. Woher kommen Sie und was hat Sie auf Ihr derzeitiges Untersuchungsgebiet gef&uuml;hrt?<\/strong><\/p><p>Ich bin ethnische Ukrainerin, in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charkiw\">Charkow<\/a> geboren, einer ukrainischen Stadt an der Grenze zu Russland, wo mein Vater und andere Verwandte noch leben. Vor dem derzeitigen Krieg war Charkow eines der f&uuml;hrenden Bildungs- und Wissenschaftszentren der Ukraine. Die Einwohner der Stadt sind stolz darauf, in der &ldquo;intellektuellen Hauptstadt&rdquo; der Ukraine zu leben. Im Jahr 1990 wurde dort der erste parteifreie Fernsehsender gegr&uuml;ndet, und schon bald ging die erste Nachrichtensendung auf Sendung. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mein Studium an der Universit&auml;t Charkow abgeschlossen, und eines Tages wurde ich von einem Studienfreund eingeladen, als Journalistin f&uuml;r diese Sendung zu arbeiten. Am n&auml;chsten Tag begann ich, ohne vorherige Erfahrung, mit der Berichterstattung. Nach ein paar Monaten war ich bereits Nachrichtensprecherin. Meine kometenhafte Karriere war keine Ausnahme.<\/p><p>Die neuen, nicht kontrollierten Medien, deren Zahl t&auml;glich enorm zunahm, verlangten nach immer mehr Medienschaffenden. In den allermeisten F&auml;llen handelte es sich um junge, ehrgeizige Menschen ohne jegliche journalistische Ausbildung oder Lebenserfahrung. Was uns einte, war der Wunsch, uns zu verwestlichen, das fehlende Verst&auml;ndnis f&uuml;r die gesellschaftlichen Widerspr&uuml;che, die den postsowjetischen &Uuml;bergang kennzeichnen, und die Taubheit gegen&uuml;ber den Anliegen der arbeitenden Bev&ouml;lkerung, die sich den Reformen widersetzte. Letztere waren in unseren Augen r&uuml;ckw&auml;rts gewandt: Sie verstanden nicht, was Zivilisation bedeutet. Wir sahen uns als revolution&auml;re Avantgarde und w&auml;hlten fortschrittliche Reformer. Wir &ndash; die Medienschaffenden &ndash; waren es, die ein g&uuml;nstiges Umfeld f&uuml;r die Neoliberalisierung der Ukraine schufen, die als Verwestlichung und Zivilisation dargestellt wurde, mit allen katastrophalen Folgen f&uuml;r die Gesellschaft, die sie mit sich brachte. Erst Jahre sp&auml;ter wurde mir das klar.<\/p><p>Sp&auml;ter, als ich die Produktion historischer Dokumentarfilme in einem Kiewer Fernsehsender &uuml;berwachte, erkannte ich, dass die Mythologie eines einseitig gerichteten, historischen Fortschritts und der Unvermeidlichkeit der Verwestlichung der &ldquo;Barbaren&rdquo; eine ideologische Grundlage f&uuml;r neoliberale Experimente nicht nur in den ehemaligen Sowjetstaaten, sondern auf der ganzen Welt bot. Dieses Interesse an der globalen Hegemonie der Ideologie der Verwestlichung f&uuml;hrte mich zun&auml;chst zum Doktorandenprogramm f&uuml;r kritische Medienwissenschaft an der University of Colorado in Boulder und dann zu der Forschung, die ich jetzt betreibe.<\/p><p><strong>Laut der <\/strong><a href=\"https:\/\/jacobinmag.com\/2022\/02\/us-russia-nato-donbass-maidan-minsk-war\"><strong>wissenschaftlichen Arbeit einiger ukrainischer Soziologen<\/strong><\/a><strong> haben Umfragen in der j&uuml;ngeren Vergangenheit gezeigt, dass die meisten Ukrainer nicht sehr an der Frage der Identit&auml;t interessiert sind, sondern sich eher mit Themen wie Arbeitspl&auml;tzen, L&ouml;hnen und Preisen besch&auml;ftigen. In Ihrer Arbeit geht es vor allem um die neoliberalen Reformen, die in der Ukraine seit 2019 gegen den Willen der Bev&ouml;lkerung durchgef&uuml;hrt werden. K&ouml;nnen Sie uns sagen, wie die meisten Ukrainer &uuml;ber wirtschaftliche Fragen denken und warum?<\/strong><\/p><p>In den sozialen Milieus, in denen ich lebte &ndash; im Osten der Ukraine, auf der Krim und in Kiew &ndash; gab es nur sehr wenige Menschen, die sich mit den Fragen der ethnischen Identit&auml;t besch&auml;ftigten. Ich betone nicht umsonst &ldquo;meine sozialen Milieus&rdquo;. Die Ukraine ist ein komplexes und geteiltes Land, in dem der weit voneinander entfernte Osten und Westen vollkommen gegens&auml;tzliche Ansichten zu allen gesellschaftlich bedeutsamen Fragen vertreten. Seit der Erkl&auml;rung der Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine im Jahr 1991 konkurrieren in der Ukraine zwei Vorstellungen von nationaler Identit&auml;t: eine &ldquo;ethnisch ukrainische&rdquo; versus einer &ldquo;ostslawischen&rdquo;. Die ethnisch ukrainische nationale Idee beruht auf der Vorstellung, dass die ukrainische Kultur, Sprache und ethnisch gepr&auml;gte Geschichte die dominierenden integrierenden Kr&auml;fte im ukrainischen Nationalstaat sein sollten und ist im Westen der Ukraine wesentlich popul&auml;rer gewesen. Die ostslawische Vorstellung, nach der die ukrainische Nation auf zwei prim&auml;ren ethnischen Gruppen, Sprachen und Kulturen &ndash; dem Ukrainischen und dem Russischen &ndash; beruht, wurde im ukrainischen S&uuml;dosten als normal akzeptiert. Im Gro&szlig;en und Ganzen kann ich jedoch zustimmen, dass die meisten Ukrainer viel mehr mit wirtschaftlichen Fragen besch&auml;ftigt sind, was schon immer der Fall war.<\/p><p>In der Tat war die Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine 1991 zu einem gro&szlig;en Teil auch eine Frage wirtschaftlicher Erw&auml;gungen. Viele Ukrainer unterst&uuml;tzten die Idee der politischen Losl&ouml;sung von Russland, weil sie sich davon eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Ukraine versprachen &ndash; so versprachen es uns propagandistische Flugbl&auml;tter. Diese wirtschaftliche Hoffnung hat sich nicht erf&uuml;llt. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat das Leben der Menschen in vielerlei Hinsicht radikal zum Schlechteren ver&auml;ndert, weil die Ukraine neoliberalisiert wurde &ndash; durch die Vermarktlichung des sozialen Bereichs und die Zerschlagung des sowjetischen Sozialstaates.<\/p><p>Was die von Zelensky initiierten neoliberalen Reformen angeht, so l&auml;sst sich ihre Beliebtheit anhand von Meinungsumfragen beurteilen: bis zu 72 % der Ukrainerinnen und Ukrainer haben seine Landreform, das Aush&auml;ngeschild von Zelenskys neoliberalem Programm, nicht unterst&uuml;tzt. Nachdem seine Partei sie trotz der Emp&ouml;rung der Bev&ouml;lkerung gebilligt hatte, fiel Zelenskys Umfragewert von 73 Prozent im Fr&uuml;hjahr 2019 auf 23 Prozent im Januar 2022. Der Grund daf&uuml;r ist einfach: ein tiefes Gef&uuml;hl des Verrats. In seinem inoffiziellen Wahlprogramm &ndash; der Sendung &ldquo;Diener des Volkes&rdquo; &ndash; versprach Zelesnky-Holoborodko [Holoborodko war Zelenskys Figur in der Fernsehsendung], dass er, wenn er das Land nur eine Woche lang regieren k&ouml;nnte, &ldquo;den Lehrer zum Pr&auml;sidenten machen w&uuml;rde und den Pr&auml;sidenten zum Lehrer&rdquo;. Um es milde auszudr&uuml;cken, dieses Versprechen wurde nicht eingel&ouml;st. Die Menschen erkannten, dass sie wieder einmal betrogen wurden &ndash; die Reformen wurden nicht im Interesse der Ukrainer, sondern des globalen Kapitals durchgef&uuml;hrt.<\/p><p><strong>Inwieweit glauben Sie, dass sich die Priorisierung der wirtschaftlichen Sicherheit &uuml;ber Fragen der Identit&auml;t mit der russischen Invasion ver&auml;ndert hat? Wie wird sich das Ihrer Meinung nach auf die politische Zukunft der Nationalisten\/Ultranationalisten im Vergleich zu den gem&auml;&szlig;igten oder linken Kr&auml;ften auswirken?<\/strong><\/p><p>Das ist eine interessante Frage. Einerseits geht es den Menschen jetzt in erster Linie ums &Uuml;berleben, was die Sicherheit zu ihrer Hauptsorge macht. Um ihr Leben zu retten, haben Millionen von Ukrainern, darunter meine Mutter und meine Schwester mit Kindern, die Ukraine in Richtung Europa verlassen. Viele von ihnen sind bereit, f&uuml;r immer dort zu bleiben, fremde Sprachen zu lernen und sich an eine fremde Lebensweise anzupassen &ndash; all diese Entwicklungen stellen kaum die Sorge um die Identit&auml;t in den Vordergrund. Auf der anderen Seite ist aber auch die Intensivierung ethnischer Stimmungen und die St&auml;rkung der Nation angesichts der Invasion offensichtlich. Ich kann dies anhand der &ouml;ffentlichen Diskussionen in den sozialen Medien beurteilen &ndash; einige Charkower, die ich pers&ouml;nlich kenne, haben sogar damit begonnen, Beitr&auml;ge auf Ukrainisch zu verfassen, das sie zuvor nie verwendet hatten, um ihre nationale Identit&auml;t zu betonen und zu signalisieren, dass sie gegen jede ausl&auml;ndische Invasion sind.<\/p><p>Dies ist ein weiterer tragischer Aspekt dieses Krieges. Die Maidan-Revolution von 2014, die von vielen Menschen im S&uuml;dosten nicht unterst&uuml;tzt wurde, verwandelte diese Menschen in &ldquo;Sklaven&rdquo;, &ldquo;sovki&rdquo; (laut <a href=\"https:\/\/www.wordsense.eu\/sovki\/\">Wordesense.eu<\/a> &bdquo;eine Person, die unkritisch sowjetische Werte unterst&uuml;tzt oder eine sowjetische Mentalit&auml;t hat&ldquo;, A.d.&Uuml;.) und &ldquo;vatniki&rdquo; (patriotischer Hinterw&auml;ldler , ein Mensch, der dumm ist und sein Vaterland blind liebt, A.d.&Uuml;.) &ndash; abwertende Begriffe, die ihre R&uuml;ckst&auml;ndigkeit und Barbarei bezeichnen. So sahen die Maidan-Revolution&auml;re, die sich selbst als fortschrittliche Kraft der Geschichte betrachteten, die Anti-Maidan-&ldquo;Anderen&rdquo;, weil sie an der russischen Sprache und Kultur festhielten. Niemals h&auml;tte sich diese pro-russische Bev&ouml;lkerung vorstellen k&ouml;nnen, dass Russland ihre St&auml;dte bombardieren und ihr Leben ruinieren w&uuml;rde. Die Trag&ouml;die dieser Menschen ist eine doppelte: Zun&auml;chst wurde ihre Welt durch den Maidan symbolisch zerst&ouml;rt, jetzt wird sie von Russland physisch zerst&ouml;rt.<\/p><p>Die Folgen dieser Entwicklungen sind noch unklar, denn es ist unklar, wie der Krieg enden wird. Wenn die s&uuml;d&ouml;stlichen Regionen in der Ukraine verbleiben, wird der Ruin all dessen, was sich dem aggressiven Nationalismus widersetzt, h&ouml;chstwahrscheinlich vollendet werden. Dies wird wahrscheinlich das Ende dieser einzigartigen Grenzkultur sein, die nie vollst&auml;ndig ukrainisiert oder russifiziert werden wollte. Wenn Russland die Kontrolle &uuml;ber diese Regionen erlangt, wie es sich jetzt br&uuml;stet, kann ich kaum vorhersagen, wie es mit dem Widerstand der Massen umgehen wird &ndash; zumindest in erheblich besch&auml;digten St&auml;dten wie Charkow.<\/p><p><strong>Kommen wir zu Zelensky im Besonderen: Sie weisen in Ihrem Buch darauf hin, dass Zelensky als eine Art Rattenf&auml;nger fungierte, indem er seine Ber&uuml;hmtheit und seine schauspielerischen F&auml;higkeiten nutzte, um die Menschen dazu zu bringen, ihn im Namen einer vagen Wohlf&uuml;hl-Agenda (Frieden, Demokratie, Fortschritt, Korruptionsbek&auml;mpfung) zu unterst&uuml;tzen, was jedoch eine andere Agenda verdeckte, die nicht popul&auml;r gewesen w&auml;re, n&auml;mlich eine neoliberale Wirtschaftsagenda. Wie hat er das gemacht &ndash; wie hat er seine Kampagne gef&uuml;hrt und was waren seine Priorit&auml;ten, nachdem er ins Amt gekommen war?<\/strong><\/p><p>Das Hauptargument in meinem k&uuml;rzlich erschienenen Buch ist, dass der erstaunliche Sieg von Zelensky und seiner Partei, die sp&auml;ter in eine parlamentarische Maschine umgewandelt wurde, um neoliberale Reformen (in einem &ldquo;Turboregime&rdquo;, wie sie es nannten) durchzupeitschen und abzusegnen, nicht anders erkl&auml;rt werden kann als durch den Erfolg seiner Fernsehserie, die, wie viele Beobachter glauben, als Zelenskys informelle Wahlplattform diente. Anders als sein offizielles Programm, das nur 1.601 W&ouml;rter umfasste und nur wenige politische Einzelheiten enthielt, vermittelten die 51 halbst&uuml;ndigen Episoden seiner Sendung den Ukrainern eine detaillierte Vision dessen, was getan werden sollte, damit die Ukraine vorankommen konnte.<\/p><p>Die Botschaft, die Zelensky den Ukrainern durch seine Fernsehserie vermittelt, ist eindeutig populistisch. Das ukrainische Volk wird darin als eine unproblematische Gesamtheit ohne innere Spaltung dargestellt, von der nur Oligarchen und korrupte Politiker\/Beamte ausgeschlossen sind. Das Land wird erst gesund, wenn es sich der Oligarchen und ihrer Marionetten entledigt hat. Einige von ihnen werden inhaftiert oder fliehen aus dem Land; ihr Eigentum wird ohne R&uuml;cksicht auf die Legalit&auml;t beschlagnahmt. Sp&auml;ter wird Zelensky, der Pr&auml;sident, dasselbe mit seinen politischen Rivalen tun.<\/p><p>Interessanterweise ignoriert die Fernsehserie das Thema des Donbass-Krieges, der 2014 ausbrach, ein Jahr bevor die Serie auf Sender ging. Da der Maidan und die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sehr spaltende Themen in der ukrainischen Gesellschaft sind, ignorierte Zelensky sie, um die Einheit seiner virtuellen Nation, seiner Zuschauer und letztlich seiner W&auml;hler nicht zu gef&auml;hrden.<\/p><p>Zelenskys Wahlversprechen, im Grenzbereich zwischen virtueller und realer Welt, betrafen vor allem den &ldquo;Fortschritt&rdquo; der Ukraine, verstanden als &ldquo;Modernisierung&rdquo;, &ldquo;Verwestlichung&rdquo;, &ldquo;Zivilisation&rdquo; und &ldquo;Normalisierung&rdquo;. Dieser fortschrittliche Modernisierungsdiskurs erm&ouml;glichte es Zelensky, seine Pl&auml;ne f&uuml;r neoliberale Reformen zu verschleiern, die nur drei Tage nach dem Amtsantritt der neuen Regierung in Angriff genommen wurden. W&auml;hrend des gesamten Wahlkampfes wurde die von Zelensky betonte Idee des &ldquo;Fortschritts&rdquo; nie mit Privatisierungen, Landverk&auml;ufen, Haushaltsk&uuml;rzungen usw. in Verbindung gebracht. Erst nachdem Zelensky seine Macht als Pr&auml;sident gefestigt hatte, indem er die volle Kontrolle &uuml;ber die Legislative und die Exekutive erlangte, machte er deutlich, dass die &ldquo;Normalisierung&rdquo; und &ldquo;Zivilisierung&rdquo; der Ukraine die Privatisierung von Land und staatlichem\/&ouml;ffentlichem Eigentum, die Deregulierung der Arbeitsbeziehungen, eine Verringerung der Macht der Gewerkschaften, eine Erh&ouml;hung der Tarife &ouml;ffentlicher Versorger usw. bedeutete.<\/p><p><strong>Sie haben darauf hingewiesen, dass nach dem Putsch 2014 und vor Zelenskys Amtszeit viele Ausl&auml;nder in wichtige wirtschaftliche und soziale &Auml;mter berufen wurden. Ebenso haben viele von Zelenskys Beamten enge Verbindungen zu globalen neoliberalen Institutionen, und Sie haben angedeutet, dass es Beweise daf&uuml;r gibt, dass sie Zelensky manipulieren, der ein geringes Verst&auml;ndnis von Wirtschaft\/Finanzen hat. K&ouml;nnen Sie diesen Aspekt der Auswirkungen des pro-westlichen Regierungswechsels im Jahr 2014 er&ouml;rtern? Was sind die gr&ouml;&szlig;eren Interessen, die hier im Spiel sind, und haben sie &uuml;berhaupt die Interessen der allgemeinen ukrainischen Bev&ouml;lkerung im Sinn?<\/strong><\/p><p>Der Machtwechsel auf dem Maidan im Jahr 2014 markierte den Beginn einer v&ouml;llig neuen &Auml;ra in der Geschichte der Ukraine, was den Einfluss des Westens auf die souver&auml;nen Entscheidungen des Landes betrifft. Allerdings hat es diesen Einfluss schon immer gegeben, seit die Ukraine 1991 ihre Unabh&auml;ngigkeit erkl&auml;rt hat. Die amerikanische Handelskammer, das Zentrum f&uuml;r die Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine, der US-Ukraine Business Council, die European Business Association, der IWF, die <a href=\"https:\/\/www.ebrd.com\/de\/home\">EBWE<\/a>, die WTO und die EU &ndash; all diese Lobby- und Regulierungsinstitutionen haben die politischen Entscheidungen der Ukraine ma&szlig;geblich beeinflusst.<\/p><p>Vor dem Maidan hatte das Land jedoch noch nie ausl&auml;ndische Staatsb&uuml;rger in hohe Minister&auml;mter berufen &ndash; dies wurde erst nach dem Maidan m&ouml;glich. Im Jahr 2014 wurde die US-B&uuml;rgerin Natalie Jaresko zur ukrainischen Finanzministerin ernannt, der litauische Staatsb&uuml;rger Aivaras Abromavicius zum ukrainischen Minister f&uuml;r Wirtschaft und Handel und der georgische Staatsb&uuml;rger Alexander Kvitashvili zum Minister f&uuml;r Gesundheitswesen. Im Jahr 2016 wurde Ulana Suprun, eine US-B&uuml;rgerin, zur amtierenden Gesundheitsministerin ernannt. Andere Ausl&auml;nder &uuml;bernahmen &Auml;mter mit niedrigeren R&auml;ngen. Es er&uuml;brigt sich zu erw&auml;hnen, dass all diese Ernennungen nicht auf den Willen der Ukrainer, sondern auf die Empfehlungen der globalen neoliberalen Institutionen zur&uuml;ckgehen, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass der Maidan selbst von der H&auml;lfte der ukrainischen Bev&ouml;lkerung nicht unterst&uuml;tzt wurde.<\/p><p>Wie bereits erw&auml;hnt, wohnen die meisten dieser Anti-Maidan-&ldquo;Anderen&rdquo; in den s&uuml;d&ouml;stlichen Regionen. Je weiter man nach Osten blickte, desto st&auml;rker und einheitlicher war die Ablehnung des Maidan und seiner europ&auml;ischen Agenda. Mehr als 75 Prozent der Bewohner der Oblaste Donezk und Luhansk (zwei &ouml;stliche Regionen der Ukraine, die &uuml;berwiegend von russischsprachigen Menschen bewohnt werden) lehnten den Maidan ab, und nur 20 Prozent der Bewohner der Krim unterst&uuml;tzten ihn.<\/p><p>Diese statistischen Zahlen, die vom Kiewer Institut f&uuml;r Soziologie im April 2014 vorgelegt wurden, hinderten die westlichen Machtinstitutionen nicht daran, den Maidan als Aufstand des &ldquo;ukrainischen Volkes&rdquo; darzustellen, das als unproblematische Gesamtheit pr&auml;sentiert wurde &ndash; ein sehr wirkungsvoller ideologischer Trick. Als Mitglieder der &ldquo;internationalen Gemeinschaft&rdquo; den Maidan-Platz besuchten und die Revolution&auml;re zum Protest ermutigten, missachteten sie Millionen von Ukrainern, die gegen den Maidan waren, und trugen so zur Eskalation des B&uuml;rgerkriegs bei, der schlie&szlig;lich zu der Katastrophe f&uuml;hrte, die wir heute hilflos beobachten.<\/p><p>Wie steht es mit den ausl&auml;ndischen Interessen, die in die Neoliberalisierung der Ukraine investiert haben, welche im Namen des ukrainischen Volkes durchgef&uuml;hrt wurde? Sie sind vielf&auml;ltig, aber hinter der Bodenreform, die ich sorgf&auml;ltig analysiert habe, standen Finanzlobbys im Westen. Westliche Pensionsfonds und Investmentfonds wollten Gelder, die an Wert verloren, anlegen. Auf der Suche nach Verm&ouml;genswerten, in die sie investieren konnten, holten sie sich die Unterst&uuml;tzung des IWF, der Weltbank, der EBWE und verschiedener Lobbygruppen, um ihre Interessen durchzusetzen und alle notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Das hat nat&uuml;rlich nichts mit den Interessen der Ukrainer zu tun.<\/p><p><strong>Wie steht es unter Zelensky um Demokratie &ndash; Rede- und Pressefreiheit, politischen Pluralismus und die Behandlung verschiedener politischer Parteien? Wie sieht das im Vergleich zu fr&uuml;heren Pr&auml;sidenten der postsowjetischen Ukraine aus?<\/strong><\/p><p>Ich stimme <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jodi_Dean\">Jodi Dean<\/a> zu, die argumentiert, dass Demokratie eine neoliberale Fantasie in dem Sinne ist, dass sie in neoliberalen Regierungssystemen, die nicht von Menschen, sondern von supranationalen Institutionen kontrolliert werden, nicht existieren kann. Wie bereits erw&auml;hnt, wurde dies nach dem Maidan besonders deutlich, als Au&szlig;enminister von diesen Institutionen ernannt wurden, um ihre Interessen in der Ukraine zu vertreten. In seinem Reformeifer ging Zelensky jedoch noch weiter. Anfang Februar 2021 wurden zun&auml;chst drei oppositionelle Fernsehsender &ndash; NewsOne, Zik und 112 Ukraine &ndash; abgeschaltet. Ein weiterer oppositioneller Sender, Nash, wurde Anfang 2022, also noch vor Beginn des Krieges, verboten. Nach Ausbruch des Krieges wurden im M&auml;rz Dutzende unabh&auml;ngiger Journalisten, Blogger und Analysten verhaftet; die meisten von ihnen vertreten linke Ansichten. Im April wurden auch die rechtsgerichteten Fernsehsender Kanal 5 und Pryamiy geschlossen. Dar&uuml;ber hinaus unterzeichnete Zelensky ein Dekret, das alle ukrainischen Sender dazu verpflichtete, einen einzigen Telethon auszustrahlen, der nur eine regierungsfreundliche Sichtweise des Krieges pr&auml;sentiert.<\/p><p>All diese Entwicklungen sind in der Geschichte der unabh&auml;ngigen Ukraine beispiellos. Zelenskys Bef&uuml;rworter argumentieren, dass alle Verhaftungen und Medienverbote aus Gr&uuml;nden der milit&auml;rischen Zweckm&auml;&szlig;igkeit abgetan werden sollten, wobei sie die Tatsache ignorieren, dass die ersten Medien ein Jahr vor der russischen Invasion abgeschaltet wurden. Meines Erachtens nutzt Zelensky diesen Krieg nur, um die diktatorischen Tendenzen innerhalb seines Regierungsregimes zu st&auml;rken, die sich unmittelbar nach seiner Macht&uuml;bernahme herausbildeten, als er einen Parteiapparat schuf, um das Parlament zu kontrollieren und neoliberale Reformen ohne R&uuml;cksicht auf die Stimmung in der Bev&ouml;lkerung abzusegnen.<\/p><p><strong>Der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat (NSDC) wurde von Zelensky im Jahr 2021 eingesetzt, um bestimmte Personen &ndash; meist politische Rivalen &ndash; zu sanktionieren. K&ouml;nnen Sie erkl&auml;ren, was der NSDC ist, warum Zelensky dies tat und ob es legal war oder nicht?<\/strong><\/p><p>Nachdem seine Unterst&uuml;tzung in der Bev&ouml;lkerung im Jahr 2021 stark zur&uuml;ckgegangen war, leitete Zelensky das verfassungswidrige Verfahren der au&szlig;ergerichtlichen Sanktionen gegen seine politischen Gegner ein, die vom Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat (NSDC) verh&auml;ngt wurden. Diese Sanktionen umfassten die au&szlig;ergerichtliche Beschlagnahme von Eigentum, ohne dass es Beweise f&uuml;r illegale Aktivit&auml;ten der betreffenden nat&uuml;rlichen und juristischen Personen gab. Zu den ersten, die vom NSDC sanktioniert wurden, geh&ouml;rten zwei Parlamentsabgeordnete der Oppositionsplattform &ldquo;F&uuml;r das Leben&rdquo; (OPZZh) &ndash; Viktor Medwedtschuk (sp&auml;ter verhaftet und nach dem Verh&ouml;r mit zusammengeschlagenem Gesicht im Fernsehen gezeigt) und Taras Kozak (dem die Flucht aus der Ukraine gelang) sowie deren Familienangeh&ouml;rige. Dies geschah im Februar 2021; im M&auml;rz 2022 wurden 11 oppositionelle Parteien verboten. Die Beschl&uuml;sse &uuml;ber das Verbot der Oppositionsparteien und die Bestrafung der Oppositionsf&uuml;hrer wurden vom NSDC gefasst und durch Pr&auml;sidialdekrete in Kraft gesetzt.<\/p><p>In der ukrainischen Verfassung hei&szlig;t es, dass der Rat f&uuml;r nationale Sicherheit und Verteidigung ein Koordinierungsgremium ist: Er &ldquo;koordiniert und kontrolliert die T&auml;tigkeit der Organe der Exekutivgewalt im Bereich der nationalen Sicherheit und Verteidigung&rdquo;. Koordination hat nichts mit der Verfolgung politischer Gegner und der Beschlagnahmung ihres Eigentums zu tun &ndash; etwas, was das NSDC seit 2021 tut. Es versteht sich von selbst, dass dies verfassungswidrig ist &ndash; nur Gerichte d&uuml;rfen entscheiden, wer schuldig ist oder nicht, und Eigentum beschlagnahmen. Das Problem ist jedoch, dass die ukrainischen Gerichte nicht darauf vorbereitet waren, Zelenskys Marionetten zu spielen. Nachdem der Vorsitzende des ukrainischen Verfassungsgerichts, Oleksandr Tupytskyi, Zelenskys verfassungswidrige Reformen als &ldquo;Staatsstreich&rdquo; bezeichnet hatte, blieb Zelensky nichts anderes &uuml;brig, als sich auf das NSDC zu verlassen, um seine unpopul&auml;re Politik voranzutreiben. Und was geschah mit dem &ldquo;Dissidenten&rdquo; Tupytskyi? Am 27. M&auml;rz 2021 unterzeichnete Zelensky &ndash; ebenfalls unter Versto&szlig; gegen die ukrainische Verfassung &ndash; ein Dekret, mit dem seine Ernennung zum Richter des Verfassungsgerichts aufgehoben wurde.<\/p><p>Unter Stalin schuf das Volkskommissariat f&uuml;r Innere Angelegenheiten (NKWD) &ldquo;Troikas&rdquo;, um Menschen nach vereinfachten, schnellen Ermittlungen und ohne einen &ouml;ffentlichen und fairen Prozess zu verurteilen. Was wir im Fall des NSDC beobachten, ist eine ganz &auml;hnliche Entwicklung, nur dass an den verfassungswidrigen Prozessen des NSDC eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl von Personen teilnimmt &ndash; alle Schl&uuml;sselfiguren des Staates, darunter der Pr&auml;sident, der Premierminister, der Leiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes, der Generalstaatsanwalt der Ukraine usw. Eine einzige Sitzung des NSDC kann &uuml;ber das Schicksal von Hunderten von Menschen entscheiden. Allein im Juni 2021 setzte Zelensky einen NSDC-Beschluss zur Verh&auml;ngung von Sanktionen gegen 538 Einzelpersonen und 540 Unternehmen in die Tat um.<\/p><p><strong>Ich m&ouml;chte Sie zu der &ldquo;Friedensstifter&rdquo;-Liste (Myrotvorets) befragen, die Berichten zufolge mit der ukrainischen Regierung und dem Geheimdienst SBU verbunden ist. Soweit ich wei&szlig;, handelt es sich dabei um eine Liste von &ldquo;Staatsfeinden&rdquo;, auf der die pers&ouml;nlichen Daten dieser Feinde ver&ouml;ffentlicht werden. Mehrere der Personen, die auf dieser Liste standen, wurden anschlie&szlig;end ermordet. K&ouml;nnen Sie uns etwas &uuml;ber diese Liste erz&auml;hlen, wie die Leute darauf landen und wie sie zu einer Regierung passt, von der man uns sagt, sie sei demokratisch?<\/strong><\/p><p>Die nationalistische Website Myrotvorets wurde 2015 laut UN-Bericht &ldquo;von einem Volksvertreter, der als Berater des ukrainischen Innenministeriums t&auml;tig ist&rdquo;, ins Leben gerufen. Dieser Volksvertreter ist Anton Geraschtschenko, ein fr&uuml;herer Berater des ehemaligen Innenministers Arsen Awakow. Unter dessen Schirmherrschaft wurden 2014 nationalistische Strafbataillone geschaffen, die in den Donbass geschickt wurden, um den Widerstand der Bev&ouml;lkerung gegen den Maidan zu unterdr&uuml;cken. Myrotvorets war Teil der allgemeinen Strategie zur Einsch&uuml;chterung der Gegner des Putsches. Jeder &ldquo;Volksfeind&rdquo; &ndash; jeder, der es wagt, sich &ouml;ffentlich gegen den Maidan zu &auml;u&szlig;ern oder die nationalistische Agenda der Ukraine infrage zu stellen &ndash; kann auf dieser Website auftauchen. Die Adressen von Oles Buzina, einem bekannten Publizisten, der von Nationalisten in der N&auml;he seines Wohnhauses in Kiew erschossen wurde, und von Oleg Kalashnikov, einem oppositionellen Abgeordneten, der von Nationalisten in seinem Haus get&ouml;tet wurde, waren ebenfalls auf Myrotvorets zu finden, was den M&ouml;rdern half, ihre Opfer zu finden. Die Namen der M&ouml;rder sind bekannt; sie werden jedoch nicht inhaftiert, weil sie in der heutigen Ukraine, deren politisches Leben von Radikalen kontrolliert wird, als Helden gelten.<\/p><p>Die Website wurde auch nach einem internationalen Skandal nicht geschlossen, als Myrotvorets die pers&ouml;nlichen Daten bekannter ausl&auml;ndischer Politiker, darunter des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schr&ouml;der, ver&ouml;ffentlichte. Aber im Gegensatz zu Herrn Schr&ouml;der, der in Deutschland wohnt, k&ouml;nnen sich Tausende von Ukrainern, deren Daten auf Myrotvorets gespeichert sind, nicht sicher f&uuml;hlen. Alle, die im M&auml;rz 2022 verhaftet wurden, wurden auch auf Myrotvorets aufgelistet. Einige von ihnen kenne ich pers&ouml;nlich &ndash; Yuri Tkachev, den Herausgeber der Odessaer Zeitung Timer, und Dmitry Dzhangirov, den Herausgeber von Capital, einem YouTube-Kanal.<\/p><p>Viele derjenigen, deren Namen auf Myrotvorets stehen, konnten nach dem Maidan aus der Ukraine fliehen; einige konnten dies nach den Massenverhaftungen im M&auml;rz tun. Einer von ihnen ist Tarik Nezalezhko, ein Kollege von Dzhangirov. Am 12. April 2022, als er bereits au&szlig;erhalb der Ukraine in Sicherheit war, ver&ouml;ffentlichte er einen Beitrag auf YouTube, in dem er den ukrainischen Sicherheitsdienst als &ldquo;Gestapo&rdquo; bezeichnete und Ratschl&auml;ge gab, wie man vermeiden kann, von seinen Agenten festgenommen zu werden.<\/p><p>Das hei&szlig;t, die Ukraine ist kein demokratisches Land. Je mehr ich beobachte, was dort vor sich geht, desto mehr denke ich an den Modernisierungskurs von Augusto Pinochet, der &uuml;brigens von unseren Neoliberalen bewundert wird (A.d.&Uuml;: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Chicago_Boys\">selbst Wikipedia verschweigt das nicht<\/a>). Lange Zeit wurden die Verbrechen des Pinochet-Regimes nicht aufgekl&auml;rt. Aber am Ende hat die Menschheit die Wahrheit entdeckt. Ich hoffe nur, dass dies in der Ukraine fr&uuml;her geschehen wird.<\/p><p><strong>Der ukrainische Akademiker Wolodymyr Ishchenko sagte k&uuml;rzlich in einem Interview mit <\/strong><a href=\"https:\/\/newleftreview.org\/issues\/ii133\/articles\/volodymyr-ishchenko-towards-the-abyss\"><strong>NLR<\/strong><\/a><strong>, dass es im postsowjetischen Osteuropa, anders als in Westeuropa, eher eine Partnerschaft zwischen Nationalismus und Neoliberalismus gibt. Dies wurde sogar im Donbass bei den wohlhabenderen Bev&ouml;lkerungsschichten beobachtet. Stimmen Sie dem zu? Wenn ja, k&ouml;nnen Sie erkl&auml;ren, wie sich diese Kombination entwickelt hat?<\/strong><\/p><p>Ich stimme mit Wolodymyr &uuml;berein. Was wir in der Ukraine beobachten, ist eine Allianz von Nationalisten und Liberalen, die auf ihrer gemeinsamen Intoleranz gegen&uuml;ber Russland bzw. gegen&uuml;ber allen, die f&uuml;r eine Zusammenarbeit mit Russland eintreten, beruht. Angesichts des derzeitigen Krieges mag diese Einheit von Liberalen und Nationalisten als gerechtfertigt erscheinen. Das B&uuml;ndnis wurde jedoch lange vor diesem Krieg geschlossen &ndash; 2013, w&auml;hrend der Entstehung der Maidan-Bewegung. Das vom Maidan bef&uuml;rwortete Assoziierungsabkommen mit der Europ&auml;ischen Union wurde von den Liberalen vor allem unter den Gesichtspunkten der Demokratisierung, Modernisierung und Zivilisation gesehen &ndash; es sollte die Ukraine an europ&auml;ische Regierungsstandards heranf&uuml;hren. Im Gegensatz dazu wurde die von Russland gef&uuml;hrte Eurasische Wirtschaftsunion mit einem zivilisatorischen R&uuml;ckschritt zum sowjetischen Etatismus und asiatischen Despotismus assoziiert. Hier trafen sich die Positionen von Liberalen und Nationalisten: Letztere unterst&uuml;tzten den Maidan nicht wegen der Demokratisierung, sondern wegen seiner klaren Anti-Russland-Haltung aktiv.<\/p><p>Von Beginn der Proteste an waren radikale Nationalisten die aktivsten Maidan-K&auml;mpfer. Die Einheit zwischen Liberalen, die den Euromaidan mit Fortschritt, Modernisierung, Menschenrechten usw. assoziierten, und Radikalen, die die Bewegung f&uuml;r ihre nationalistische Agenda vereinnahmten, war eine wichtige Voraussetzung f&uuml;r die Umwandlung des B&uuml;rgerprotests in einen bewaffneten Kampf, der zu einem verfassungswidrigen Sturz der Macht f&uuml;hrte. Die entscheidende Rolle der Radikalen in der Revolution wurde auch zu einem entscheidenden Faktor bei der Bildung der massenhaften Anti-Maidan-Bewegung im Osten der Ukraine gegen den &ldquo;Staatsstreich&rdquo;, wie der vorherrschende Anti-Maidan-Diskurs den Machtwechsel in Kiew bezeichnete. Zumindest teilweise ist das, was wir heute beobachten, ein tragisches Ergebnis dieser kurzsichtigen und ungl&uuml;cklichen Allianz, die w&auml;hrend des Maidan gebildet wurde.<\/p><p><strong>K&ouml;nnen Sie Zelenskys Beziehung zu den Rechtsextremen in der Ukraine erl&auml;utern?<\/strong><\/p><p>Zelensky selbst hat nie rechtsextreme Ansichten ge&auml;u&szlig;ert. In seiner Serie &ldquo;Diener des Volkes&rdquo;, die als inoffizielle Wahlkampfplattform genutzt wurde, werden die ukrainischen Nationalisten negativ dargestellt: Sie erscheinen als nichts anderes als dumme Marionetten der Oligarchen. Als Pr&auml;sidentschaftskandidat kritisierte Zelensky das von seinem Vorg&auml;nger Poroschenko unterzeichnete Sprachengesetz, das die Kenntnis des Ukrainischen zur Voraussetzung f&uuml;r Beamte, Soldaten, &Auml;rzte und Lehrer machte. &ldquo;Wir m&uuml;ssen Gesetze und Entscheidungen initiieren und verabschieden, die die Gesellschaft konsolidieren, und nicht das Gegenteil&rdquo;, forderte der Kandidat Zelensky im Jahr 2019.<\/p><p>Nach seinem Amtsantritt als Pr&auml;sident wandte sich Zelensky jedoch der nationalistischen Agenda seines Vorg&auml;ngers zu. Am 19. Mai 2021 verabschiedete seine Regierung einen Aktionsplan zur F&ouml;rderung der ukrainischen Sprache in allen Bereichen des &ouml;ffentlichen Lebens, der sich streng an Poroschenkos Sprachengesetz h&auml;lt &ndash; zur Freude der Nationalisten und zum Entsetzen der Russophonen. Zelensky hat nichts unternommen, um die Radikalen f&uuml;r all ihre Verbrechen gegen politische Gegner und die Bev&ouml;lkerung des Donbass zu belangen. Das Symbol f&uuml;r Zelenskys Rechtsruck war seine Unterst&uuml;tzung durch den Nationalisten Medwedko &ndash; einer derjenigen, die des Mordes an Buzina beschuldigt werden &ndash; der Zelenskys Verbot der russischsprachigen Oppositionskan&auml;le im Jahr 2021 &ouml;ffentlich billigte.<\/p><p>Die Frage ist, warum? Warum hat Zelensky eine Kehrtwende zum Nationalismus vollzogen, obwohl die Menschen hofften, dass er eine Politik der Vers&ouml;hnung verfolgen w&uuml;rde? Wie viele Analytiker glauben, liegt dies daran, dass Radikale, obwohl sie die Minderheit der ukrainischen Bev&ouml;lkerung darstellen, nicht z&ouml;gern, Gewalt gegen Politiker, Gerichte, Strafverfolgungsbeh&ouml;rden, Medienmitarbeiter usw. anzuwenden &ndash; mit anderen Worten, sie sind einfach gut darin, die Gesellschaft, einschlie&szlig;lich der Tr&auml;ger der &ouml;ffentlichen Gewalt, einzusch&uuml;chtern. Propagandisten m&ouml;gen das Mantra &ldquo;Zelensky ist ein Jude, also kann er kein Nazi sein&rdquo; so oft wiederholen, wie sie wollen, aber die Wahrheit ist, dass Radikale den politischen Prozess in der Ukraine durch Gewalt gegen diejenigen kontrollieren, die es wagen, sich ihren nationalistischen und suprematistischen Agenden entgegenzustellen. Der Fall von <a href=\"https:\/\/www.mintpressnews.com\/volodymyr-zelensky-secret-police-hunted-down-opposition-anatoly-shariy\/280200\/\">Anatoliy Shariy<\/a> &ndash; einem der popul&auml;rsten Blogger in der Ukraine, der im Exil lebt &ndash; ist ein gutes Beispiel, um dies zu veranschaulichen. Nicht nur, dass er und seine Familienmitglieder st&auml;ndig Morddrohungen erhalten, Radikale sch&uuml;chtern auch st&auml;ndig die Aktivisten seiner Partei ein (die im M&auml;rz 2022 von Zelensky verboten wurde), schlagen und dem&uuml;tigen sie. Die ukrainischen Radikalen nennen dies &ldquo;politische Safari&rdquo;.<\/p><p><strong>Im Blick auf den Ukrainekonflikt, der im Falle einer Eskalation schwerwiegende Folgen haben kann, ist Zelensky derzeit die einflussreichste Figur auf der Weltb&uuml;hne. Ich bin besorgt, dass er dieselben manipulativen Showbusiness-F&auml;higkeiten einsetzt, um Unterst&uuml;tzung f&uuml;r sein Image der personifizierten Inkarnation von Demokratie und Rechtschaffenheit gegen die M&auml;chte des B&ouml;sen und der Autokratie zu gewinnen. Es ist wie ein Film, der auf einem Comicstrip basiert. Das ist genau die Art von <\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Framing_(Sozialwissenschaften)\"><strong>Framing<\/strong><\/a><strong>, das der Diplomatie zuwiderl&auml;uft. Glauben Sie, dass Zelensky als Kriegsf&uuml;hrer der Ukraine eine konstruktive Rolle spielt oder nicht?<\/strong><\/p><p>Ich verfolge regelm&auml;&szlig;ig die Kriegsreden von Zelensky und kann mit Sicherheit sagen, dass die Art und Weise, wie er den Konflikt darstellt, kaum zu einer diplomatischen L&ouml;sung f&uuml;hren kann, da er st&auml;ndig wiederholt, dass die Kr&auml;fte des Guten von den Kr&auml;ften des B&ouml;sen angegriffen werden. Es ist klar, dass es keine politische L&ouml;sung f&uuml;r ein solches Armageddon geben kann. Was in diesem mythischen Bezugsrahmen f&uuml;r den Krieg fehlt, ist der breitere Kontext der Situation: die Tatsache, dass die Ukraine sich seit Jahren weigert, die Minsker Friedensabkommen umzusetzen, die 2015 nach der Niederlage der ukrainischen Armee im Donbass-Krieg unterzeichnet wurden. Laut diesen Vereinbarungen sollte der Donbass eine politische Autonomie innerhalb der Ukraine erhalten &ndash; ein Punkt, der f&uuml;r Radikale unvorstellbar und inakzeptabel ist. Anstatt das von der UNO ratifizierte Dokument umzusetzen, k&auml;mpft Kiew seit acht langen Jahren entlang der Demarkationslinie gegen den Donbass. Das Leben der in diesen Gebieten lebenden Ukrainer hat sich in einen Albtraum verwandelt. F&uuml;r die Radikalen, deren Bataillone dort gek&auml;mpft haben, verdienen die Menschen im Donbass &ndash; die als sovki und vatniki bezeichnet werden &ndash; keine Gnade und Nachsicht.<\/p><p>Der gegenw&auml;rtige Krieg ist eine Fortsetzung des Krieges von 2014, der begann, als Kiew Truppen in den Donbass schickte, um die Anti-Maidan-Rebellion unter der Pr&auml;misse der sogenannten &ldquo;Anti-Terror-Operation&rdquo; zu unterdr&uuml;cken. Die Ber&uuml;cksichtigung dieses breiteren Kontextes setzt nicht voraus, dass man Russlands &ldquo;Milit&auml;roperation&rdquo; guthei&szlig;t, aber sie impliziert die Anerkennung, dass auch die Ukraine f&uuml;r die Geschehnisse verantwortlich ist. Die Frage des gegenw&auml;rtigen Krieges als Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei oder der Demokratie gegen die Autokratie zu formulieren, ist nichts anderes als Manipulation, und das ist wesentlich f&uuml;r das Verst&auml;ndnis der Situation. Bushs Formel &ldquo;Ihr seid entweder auf unserer Seite oder auf der Seite der Terroristen&rdquo;, die Zelensky in seinen Appellen an die &ldquo;zivilisierte Welt&rdquo; propagiert, hat sich als sehr bequem erwiesen, wenn es darum geht, der pers&ouml;nlichen Verantwortung f&uuml;r die laufende Katastrophe auszuweichen.<\/p><p>Wenn es darum geht, der Welt diese eindimensionale Geschichte zu verkaufen, scheinen Zelenskys k&uuml;nstlerische F&auml;higkeiten von unsch&auml;tzbarem Wert zu sein. Endlich ist er auf der Weltb&uuml;hne, und die Welt applaudiert. Der ehemalige Komiker versucht nicht einmal, seine Genugtuung zu verbergen. Auf die Frage eines franz&ouml;sischen Reporters am 5. M&auml;rz 2022 &ndash; dem zehnten Tag der russischen Invasion &ndash; wie sich sein Leben mit dem Beginn des Krieges ver&auml;ndert habe, antwortete Zelensky mit einem L&auml;cheln der Freude: &ldquo;<a href=\"https:\/\/youtu.be\/Z-R4sh2z0EM?t=3426\">Heute ist mein Leben sch&ouml;n<\/a>. (Kurzfassung <a href=\"https:\/\/twitter.com\/therecount\/status\/1499429621955235845\">hier<\/a>). Ich glaube, dass ich gebraucht werde. Ich glaube, das ist der wichtigste Sinn des Lebens &ndash; gebraucht zu werden. Zu sp&uuml;ren, dass man nicht nur eine Leere ist, die nur atmet, geht und etwas isst. Du lebst.&rdquo;<\/p><p>F&uuml;r mich ist diese Konstruktion beunruhigend: Sie impliziert, dass Zelensky die einmalige Gelegenheit genie&szlig;t, auf einer globalen B&uuml;hne aufzutreten, die ihm der Krieg bietet. Der Krieg hat sein Leben sch&ouml;n gemacht; er lebt. Im Gegensatz zu Millionen von Ukrainern, deren Leben &uuml;berhaupt nicht sch&ouml;n ist, und Tausenden von denen, die nicht mehr am Leben sind.<\/p><p><strong>Alexander Gabuev hat <\/strong><a href=\"https:\/\/twitter.com\/AlexGabuev\/status\/1501713416574193673\"><strong>angedeutet<\/strong><\/a><strong>, dass die russische F&uuml;hrung einen Mangel an Wissen &uuml;ber die Ukraine hat. Ich habe auch von russischen Kommentatoren geh&ouml;rt, dass die Ukraine mit Bezug auf ihre pro-westliche Einstellung ein &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl gegen&uuml;ber der pro-russischen Seite pflegt. Glauben Sie, dass dies f&uuml;r eine der beiden Seiten ein wichtiger Faktor ist?<\/strong><\/p><p>Ich bin geneigt zuzustimmen, dass die russische F&uuml;hrung die gesellschaftlichen Prozesse, die sich seit dem Maidan in der Ukraine vollzogen haben, nicht ausreichend verstanden hat. In der Tat hat die H&auml;lfte der ukrainischen Bev&ouml;lkerung den Maidan nicht begr&uuml;&szlig;t, und Millionen Menschen im S&uuml;dosten der Ukraine wollten, dass Russland eingreift. Ich wei&szlig; das mit Sicherheit, denn alle meine Verwandten und alten Freunde leben in diesen Gebieten. Doch was 2014 galt, muss heute nicht mehr unbedingt der Fall sein. Acht Jahre sind vergangen, eine neue Generation junger Menschen ist herangewachsen, die in einem neuen sozialen Umfeld aufgewachsen ist, und viele Menschen haben sich einfach an die neuen Realit&auml;ten gew&ouml;hnt. Auch wenn die meisten von ihnen Radikale und die Politik der Ukrainisierung verachten, hassen sie den Krieg noch mehr. Die Realit&auml;t vor Ort hat sich als komplexer erwiesen, als die Entscheidungstr&auml;ger erwartet hatten.<\/p><p><strong>Wie steht es mit dem &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl derjenigen Ukrainer, die sich eher mit den Westlern als mit den Russen identifizieren? <\/strong><\/p><p>Das stimmt, und das ist f&uuml;r mich der tragischste Teil der ganzen Post-Maidan-Geschichte, denn genau dieses &Uuml;berlegenheitsgef&uuml;hl hat die &ldquo;fortschrittlichen&rdquo; Pro-Maidan-Kr&auml;fte daran gehindert, eine gemeinsame Sprache mit ihren &ldquo;r&uuml;ckst&auml;ndigen&rdquo; prorussischen Landsleuten zu finden. Dies f&uuml;hrte zum Aufstand im Donbass, zur &ldquo;Anti-Terror-Operation&rdquo; der ukrainischen Armee gegen den Donbass, zur Intervention Russlands, zu den Minsker Friedensabkommen, deren Nichterf&uuml;llung und schlie&szlig;lich zum aktuellen Krieg.<\/p><p>Titelbild: Dmytro Larin \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ukrainische Wissenschaftlerin Olga Baysha hat Wolodymyr Zelenskys Aufstieg zur Macht und die Art und Weise, wie er diese Macht seit seiner Wahl zum ukrainischen Pr&auml;sidenten aus&uuml;bt, untersucht. 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