{"id":83660,"date":"2022-05-09T13:32:04","date_gmt":"2022-05-09T11:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83660"},"modified":"2022-05-11T15:34:32","modified_gmt":"2022-05-11T13:34:32","slug":"andrij-melnyk-und-sein-faible-fuer-stepan-bandera-und-asow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83660","title":{"rendered":"Andrij Melnyk und sein Faible f\u00fcr Stepan Bandera und Asow"},"content":{"rendered":"<p>Der ukrainische Botschafter Andrij Melniyk beleidigt und beschimpft. Mit immer neuen und w&uuml;steren Tiraden treibt er die Ampel-Regierung zur st&auml;rkeren Beteiligung Deutschlands am Ukraine-Krieg. Wenige wissen allerdings von seiner Verehrung von Faschisten.<br>\nVon <strong>Sevim Dagdelen<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_422\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-83660-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220510-Andrij-Melnyk-und-sein-Faible-fuer-Stepan-Bandera-und-Asow-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220510-Andrij-Melnyk-und-sein-Faible-fuer-Stepan-Bandera-und-Asow-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220510-Andrij-Melnyk-und-sein-Faible-fuer-Stepan-Bandera-und-Asow-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220510-Andrij-Melnyk-und-sein-Faible-fuer-Stepan-Bandera-und-Asow-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=83660-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220510-Andrij-Melnyk-und-sein-Faible-fuer-Stepan-Bandera-und-Asow-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220510-Andrij-Melnyk-und-sein-Faible-fuer-Stepan-Bandera-und-Asow-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, polarisiert mit immer neuen provozierenden Worten, mit Beschimpfungen und Beleidigungen treibt er das politische Berlin an, und er steht f&uuml;r eine Art v&ouml;lkische Sippenhaftung, wenn er sagt: &bdquo;Alle Russen sind Feinde&ldquo;, seien sie nun f&uuml;r Putin oder gegen ihn (FAZ vom 6.4.2022). Mit dem Wiener &Uuml;bereinkommen &uuml;ber diplomatische Beziehungen steht sein Agieren in Deutschland schon lange nicht mehr in &Uuml;bereinklang. Dazu kommt seine Verehrung f&uuml;r den Stepan Bandera und die Asow-Faschisten.<\/p><p>&bdquo;Wer wie Melnyk den Nazikollaborateur Bandera als &sbquo;unseren Helden&lsquo; bezeichnet und zu seinem Grab pilgert oder das rechte Asow-Bataillon als &sbquo;mutig&lsquo; verteidigt, ist mit &sbquo;Nazi-Versteher&lsquo; eigentlich noch wohlwollend beschrieben&ldquo;, entgegnete ich Kritikern meiner <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SevimDagdelen\/status\/1521505914968227840?cxt=HHwWgICylbDkvJ0qAAAA\">Forderung nach Botschafter-Ausweisung<\/a>. Warum ich das so sehe, will ich im Folgenden ausf&uuml;hren.<\/p><p><strong>Wer ist Stepan Bandera?<\/strong><\/p><p>Stepan Bandera war seit 1933 Chef der &bdquo;Organisation Ukrainischer Nationalisten&ldquo; (OUN). 1935 erkl&auml;rte er vor einem Gericht in Polen, seine Idee sei so gro&szlig;, dass zu ihrer Verwirklichung &bdquo;nicht Hunderte, sondern Tausende von Menschen geopfert werden m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><p>Die OUN kollaborierte mit dem Dritten Reich. Von den Nazis erhofften sie sich &ndash; vergeblich &ndash; die Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine. Aufgrund dieser Differenzen kam Bandera im Juli 1941 in sogenannte &bdquo;Ehrenhaft&ldquo; im KZ Sachsenhausen. Ende September 1944 wurde er entlassen und beteiligte sich am Aufbau eines &bdquo;Ukrainischen Nationalkomitees&ldquo;, das am 12. M&auml;rz 1945 in Weimar vorgestellt wurde, um Ukrainer f&uuml;r den &bdquo;Endkampf&ldquo; gegen die Sowjetunion zu motivieren.<\/p><p><strong>Die Ideologie von Banderas OUN<\/strong><\/p><p>Die OUN hatte ein rechtsextremes, rassistisches Programm. Eine ihrer &bdquo;Lebensregeln des ukrainischen Nationalisten&ldquo; lautete: &bdquo;Mache aus deiner Familie ein Gef&auml;&szlig; f&uuml;r die rassische Reinheit deiner Nation&ldquo;. Die Theoriezeitschrift der OUN &bdquo;Aufbau der Nation&ldquo; schrieb 1929, Juden seien ein &bdquo;feindlicher K&ouml;rper in unserem nationalen Organismus&ldquo;. Durch s&auml;mtliche Publikationen, auch w&auml;hrend des Krieges, zog sich Hetze gegen die &bdquo;Judenkommune&ldquo; oder den &bdquo;moskau-j&uuml;dischen Apparat&ldquo;. Der von der OUN am 30. Juni 1941 in Lemberg (Lwiw) ausgerufene &bdquo;Regierungschef&ldquo; der Ukraine, Jaroslaw Stezko, schrieb im Juli 1941: &bdquo;Daher stehe ich auf dem Standpunkt, dass die Juden vernichtet werden m&uuml;ssen und dass es zweckm&auml;&szlig;ig ist, in der Ukraine die deutschen Methoden der Judenvernichtung einzuf&uuml;hren.&ldquo;<\/p><p>Das angestrebte Staatsverst&auml;ndnis der OUN orientierte sich an dem von der faschistischen Ustascha regierten Kroatien: Ein rassisch homogener Staat in Hitlers &bdquo;Neuem Europa&ldquo;.<\/p><p><strong>Kollaboration und Verbrechen<\/strong><\/p><p>Am &Uuml;berfall auf die Sowjetunion am 20. Juni 1941 nahmen zwei ukrainische Einheiten teil, deren Angeh&ouml;rige von der OUN benannt worden waren, darunter das Bataillon &bdquo;Nachtigall&ldquo;, das am 1. Juli 1941 in Lwiw unter F&uuml;hrung von Roman Schuchewytsch am Pogrom an Tausenden Juden beteiligt war. Ebendieser Schuchewytsch wurde Ende 1942 Anf&uuml;hrer der &bdquo;Ukrainischen Aufst&auml;ndischen Armee&ldquo; (UPA), des milit&auml;rischen Arms der OUN, deren Vorsitzender er ab Sommer 1943 ebenfalls war.<\/p><p>Die UPA war nur selten in Kampfhandlungen mit Deutschen verwickelt. Ihre Hauptgegner waren sowjetische Partisanen sowie die polnische Zivilbev&ouml;lkerung in Wolhynien, dem nord&ouml;stlichen Landesteil der Ukraine. 70.000 bis 90.000 Menschen massakrierte die UPA dort 1943. J&uuml;dische Fl&uuml;chtlinge aus Ghettos oder KZ wurden von der UPA meist ermordet, ebenso viele Roma. <\/p><p>Zahlreiche OUN-Mitglieder schlossen sich den Polizeiverb&auml;nden der Besatzer an. Nur mit ihrer Hilfe konnten die Nazis &uuml;berall Juden und Roma identifizieren und ermorden.<\/p><p>N&auml;heres zu Bandera und der Ideologie der ukrainischen Nazi-Kollaborateure findet sich bei Franziska Bruder: &ldquo;&lsquo;Den ukrainischen Staat erk&auml;mpfen oder sterben!&lsquo; Die Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) 1928-1948&ldquo; (Metropol-Verlag 2006) oder bei Grzegorz Rossolinski-Liebe: &bdquo;Stepan Bandera: The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist. Fascism, Genocide and Cult&ldquo; (Ibidem-Verlag 2014).<\/p><p>Zusammenfassend l&auml;sst sich sagen: Stepan Bandera war der Anf&uuml;hrer einer faschistischen Organisation, die einen ethnisch-homogenen Staat gr&uuml;nden wollte. Ungeachtet politischer Zerw&uuml;rfnisse mit den deutschen Nazis agierte die OUN bzw. ihr milit&auml;rischer Arm UPA als Kollaborateur im Holocaust und ermordete Zehntausende Zivilistinnen und Zivilisten.<\/p><p><strong>Denkm&auml;ler f&uuml;r Bandera heute<\/strong><\/p><p>Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 und der staatlichen Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine 1991 setzte die Glorifizierung von Bandera und OUN als &bdquo;Freiheitsk&auml;mpfer&ldquo; ein. Sie zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Verweise auf OUN-Verbrechen werden als &bdquo;russische Propaganda&ldquo; zur&uuml;ckgewiesen.<\/p><p>Seit 2014 ist der 14. Oktober, der offizielle Gr&uuml;ndungstag der UPA, Feiertag in der Ukraine. Das staatliche &bdquo;Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg&ldquo; ordnet OUN und UPA als &bdquo;Teil der europ&auml;ischen Freiheitsbewegung&ldquo; ein. Insbesondere in der Westukraine stehen heute Dutzende Denkm&auml;ler zu Ehren Banderas und anderer OUN-F&uuml;hrer. In Ternopil wurde 2021 ein &bdquo;Roman Schuchewytsch&ldquo;-Stadion er&ouml;ffnet.<\/p><p>Das Rathaus in der Hauptstadt Kiew wird immer wieder mit gro&szlig;fl&auml;chigen Portr&auml;ts von Bandera und Schuchewytsch &bdquo;verziert&ldquo;, zuletzt am 1. Januar 2000 zum Geburtstag Banderas. Die Botschafter Israels und Polens verurteilten die &bdquo;Glorifizierung ethnischer S&auml;uberung&ldquo; als <a href=\"https:\/\/www.israelnetz.com\/israel-und-polen-verurteilen-ukrainische-aktionen\/\">&bdquo;Beleidigung&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Der Generalsekret&auml;r des J&uuml;dischen Weltkongresses sagte 2016 zur Benennung des &bdquo;Stepan-Bandera-Prospekts&ldquo; in Kiew, es werde ein Mann geehrt, &bdquo;dessen Anh&auml;nger sich den deutschen Todesschwadronen anschlossen, um w&auml;hrend des Holocaust Juden zu ermorden&ldquo;.<\/p><p><strong>Botschafter Melnyk zu Bandera<\/strong><\/p><p>2015 legte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk am Grab von Bandera in M&uuml;nchen Blumen nieder und twitterte, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/melnykandrij\/status\/592635676258148352?lang=de\">Bandera sei &bdquo;unser Held&ldquo;<\/a>. Von dieser Position l&auml;sst sich der Kiewer Diplomat bis heute nicht abbringen. Im Interview der SZ verteidigte er am 14.4.2022 seine Aussagen; Bandera habe lediglich gewisse &bdquo;menschliche Verfehlungen&ldquo; aufzuweisen.<\/p><p>Heribert Prantl hatte zuvor in der SZ unter der Fragestellung &bdquo;Ein Nazi-Kollaborateur als Held?&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/prantls-blick-1.5559543\">kommentiert<\/a>: &bdquo;Irritieren muss freilich die Verehrung, die Andrij Melnyk dem ukrainischen Partisanenf&uuml;hrer und Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera entgegenbringt. (&hellip;) Dieser Personenkult ist befremdlich: Bandera ist verurteilter M&ouml;rder des polnischen Innenministers Pieracki im Jahr 1934; er wurde 1940 Anf&uuml;hrer des radikal antisemitischen Fl&uuml;gels der Organisation Ukrainischer Nationalisten; der &uuml;bernahm nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Lemberg\/Lwiw dort Polizeigewalt und war an Pogromen gegen die j&uuml;dische Zivilbev&ouml;lkerung sowie an der Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener beteiligt.&ldquo;<\/p><p>Der Historiker G&ouml;tz Aly wertet Bandera als <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/asow-regiment-stepan-bandera-ukraine-100.html\">&bdquo;gr&ouml;&szlig;ten ukrainischen Nazi-Kollaborateur und Antisemiten&ldquo;.<\/a><\/p><p><strong>Die Bundesregierung zu Melnyk und Bandera<\/strong><\/p><p>Auf meine Nachfrage 2015, inwiefern der Bundesregierung bekannt ist, ob der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrii Melnyk, bei seinem Besuch in M&uuml;nchen am 27. April 2015 am Grab des Antisemiten und Nazikollaborateurs Stepan Bandera Blumen niederlegte, und inwieweit es nach Kenntnis der Bundesregierung zutrifft, laut dem polnischen Pr&auml;sidenten Bronislaw Komorowski, dass das vom ukrainischen Parlament am 9. April 2015 verabschiedete Gesetz, das die ehemaligen Mitglieder der Organisation Ukrainischer Nationalisten, OUN, und der nationalistischen Aufstandsarmee UPA &ndash; die im Jahr 1943 die Massaker an der polnischen Bev&ouml;lkerung in Wolhynien begingen &ndash; als Unabh&auml;ngigkeitsk&auml;mpfer eingestuft und ihnen gesetzlich weite Sozialpr&auml;ferenzen gew&auml;hrt hat, den Dialog mit der Ukraine &uuml;ber die polnisch-ukrainische Geschichte verhindert, antwortete der damalige Staatsminister Michael Roth (Drs. 18\/4773, Frage 19):<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Bundesregierung ist ein Tweet des ukrainischen Botschafters bekannt, in dem er &uuml;ber seinen Besuch am Grab Banderas berichtet.<\/p>\n<p>Dem ukrainischen Botschafter ist unsere Position hierzu hinl&auml;nglich bekannt. Die Bundesregierung verurteilt die von der Organisation Ukrainischer Nationalisten, OUN, teilweise unter Leitung Banderas begangenen Verbrechen an polnischen, j&uuml;dischen und ukrainischen Zivilisten und Amtstr&auml;gern. Dabei ist sie sich bewusst, dass ein erheblicher Anteil an diesen Verbrechen in Kollaboration mit deutschen Besatzungstruppen begangen wurde.<\/p>\n<p>Die Aussage des polnischen Pr&auml;sidenten ist der Bundesregierung bekannt. Das am 9. April von der Rada beschlossene Gesetz &sbquo;&uuml;ber den Rechtsstatus und das Andenken an die Teilnehmer am Kampf f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine im 20. Jahrhundert&lsquo; ist bislang nicht in Kraft getreten, sodass seine m&ouml;glichen Auswirkungen auf den polnisch-ukrainischen Dialog zu historischen Fragen derzeit noch nicht eingesch&auml;tzt werden k&ouml;nnen.&ldquo; (Plenarprotokoll vom 6. Mai 2015 18\/102, Seite 9775)<\/p><\/blockquote><p><strong>Botschafter Melnyk und das Asow-Regiment<\/strong><\/p><p>Zur Faschistenverehrung von Botschafter Melnyk passt seine Haltung zum Asow-Regiment. Nach einem kritischen Bericht in der Hamburger Wochen-Zeitung DIE ZEIT dekretierte Melnyk <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MelnykAndrij\/status\/1503879338558730240\">per Tweet<\/a>: &bdquo;Bitte h&ouml;ren Sie auf, das Asow-Regiment zu d&auml;monisieren und Propaganda &ndash; jetzt auch mitten im RUS Vernichtungskrieg &ndash; in die H&auml;nde zu spielen. Diese mutigen K&auml;mpfer verteidigen ihre Heimat, vor allem die belagerte Stadt Mariupol. Lassen Sie sie in Ruhe&ldquo;.<\/p><p>In dem von Melnyk monierten <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2022-03\/asow-regiment-ukraine-rechtsextremismus\">ZEIT-Artikel &bdquo;Extreme Verteidiger&ldquo;<\/a> schreibt Hauke Friederichs, dass das Asow-Regiment vor den heftigen Gefechten um Mariupol &bdquo;gut 2000 Mann&ldquo; umfasste, &bdquo;von denen eine gro&szlig;e Zahl ultranationalistisch und rechtsextrem eingestellt ist&ldquo;.<\/p><p>Zum Asow-Hintergrund hei&szlig;t es in dem ZEIT-Beitrag, den ich hier ausf&uuml;hrlich zitieren m&ouml;chte, da er leider hinter einer Paywall steht und f&uuml;r viele daher vermutlich nicht zug&auml;nglich ist:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das Regiment entstand vor acht Jahren als Asow-Bataillon. Der Name verweist auf das Asowsche Meer. Einer der Gr&uuml;nder war Andrej Biletzki, Anf&uuml;hrer der neonazistischen Organisationen Sozial-Nationale Versammlung und Patriot der Ukraine. Als Russland 2014 die Krim annektierte und angebliche Separatisten, von denen viele aus dem russischen Geheimdienst FSB kamen, Teile des Donbass besetzten, gr&uuml;ndeten sich in der Ukraine zahlreiche Freiwilligenverb&auml;nde.<\/p>\n<p>Rechtsradikale, die bereits bei Protesten gegen den prorussischen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowitsch auf dem Euromaidan eine Rolle gespielt hatten, zogen in die Schlacht gegen die &ldquo;Kommunisten&rdquo; aus Moskau. Da sie politisch kaum Bedeutung erlangten, suchten Rechtsextreme durch den bewaffneten Kampf ihren Einfluss in der Ukraine auszuweiten. Das gelang vor allem der Asow-Bewegung, der enge Beziehungen zum fr&uuml;heren Innenminister der Ukraine, Arsen Awakow, nachgesagt werden.<\/p>\n<p>Deren Mitglieder inszenierten sich als Landesverteidiger und erlangten ab 2014 durchaus breite gesellschaftliche Anerkennung. So &uuml;bernahmen viele Ukrainer, auch Politiker und Milit&auml;rs, Parolen der Rechtsradikalen wie &sbquo;Slawa Ukrajini! Herojam slawa!&lsquo; &ndash; &sbquo;Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden!&lsquo;. Der Slogan geht auf die Zwanzigerjahre zur&uuml;ck und wurde von Stepan Bandera und seinen Anh&auml;ngern gepr&auml;gt. Sie bildeten einen einflussreichen und gewaltbereiten Fl&uuml;gel der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die in der Zwischenkriegszeit f&uuml;r einen unabh&auml;ngigen ukrainischen Staat k&auml;mpften. Die Ultranationalisten ver&uuml;bten Anschl&auml;ge und sympathisierten mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Zwei Kompanien der OUN nahmen an der Seite der Wehrmacht 1941 am Angriff auf die Sowjetunion teil. Sie waren zudem in Pogrome gegen Juden und Massenmorde involviert.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Asow-Mitglieder fielen, so ist in der ZEIT weiter zu lesen, &bdquo;mit rechtsextremen Symbolen, wie der Wolfsangel, die von Neonazis in der ganzen Welt verwendet wird, und der &sbquo;Schwarzen Sonne&lsquo; auf &ndash; und mit zahllosen Gewalttaten. Die UN-Menschenrechtsorganisation OHCHR wirft Anh&auml;ngern des Bataillons vor, mehrere schwere Verbrechen im Donbass begangen zu haben, darunter Vergewaltigung und Folter.&ldquo;<\/p><p>Asow hat bis heute enge Kontakte zu Nazigruppierungen in aller Welt, beispielsweise zu US-amerikanischen Anh&auml;ngern der &bdquo;Theorie&ldquo; der wei&szlig;en &Uuml;berlegenheit, zu NPD, &bdquo;Dritter Weg&ldquo;, Identit&auml;re Bewegung usw. Exemplarisch sei die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zitiert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das Projekt &sbquo;Kraftquell&lsquo; wurde nach eigenen Angaben im Juli 2018 von Angeh&ouml;rigen der Asow-Bewegung und deutschen Rechtsextremisten gegr&uuml;ndet. Gr&uuml;ndungsort war das sogenannte Haus Montag in Pirna (Sachsen), das auch als Sitz der Gesch&auml;ftsstelle des &ouml;rtlichen Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)-Kreisverbands fungiert. Hauptzweck des Projekts soll die Vermittlung von Ferienaufenthalten in Deutschland sein, die Familienmitgliedern von Angeh&ouml;rigen des Asow-Regiments zugutekommen sollen. Mutma&szlig;lich sollten diese &bdquo;Ferienaufenthalte&ldquo; unter anderem der Festigung von Verbindungen zwischen deutschen und ukrainischen Rechtsextremisten dienen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&bdquo;Bei der Gruppierung &sbquo;Misanthropic Division&lsquo; (MD) handelt es sich um eine rechtsextremistische bzw. nationalsozialistische Organisation, die ihre Wurzeln in der Ukraine hat. Die MD ist eng mit dem Asow-Regiment in der Ukraine verbunden und war an dortigen Kampfhandlungen beteiligt.&ldquo; (BT-Drs. 19\/26359 Januar 2021).\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend sich Botschafter Melnyk bedingungslos hinter die Asow-K&auml;mpfer stellt und antifaschistische Kritik als D&auml;monisierung &bdquo;mutiger K&auml;mpfer&ldquo; und Heimatsch&uuml;tzer zu denunzieren versucht oder als Beiwerk zu russischer Propaganda, hei&szlig;t es in dem von ihm zur&uuml;ckgewiesenen ZEIT-Artikel: &bdquo;Wie das Asow-Regiment derzeit vorgeht, dar&uuml;ber fehlen Informationen. Russland wirft dessen K&auml;mpfern vor, Zivilisten an der Flucht aus Mariupol zu hindern. Die Ukrainer dementieren das.&ldquo;<\/p><p>ZEIT-Autor Hauke Friederichs gibt abschlie&szlig;end zu bedenken:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das Asow-Regiment, daran l&auml;sst es keinen Zweifel ankommen, sieht sich selbst als einzig wahren Hort von Patrioten, die einen Kreuzzug f&uuml;hren gegen Separatisten, Russen und alle Andersdenkenden. Im Krieg m&ouml;gen solche Kr&auml;fte der ukrainischen Regierung n&uuml;tzlich sein. Fraglich bleibt, was aus dem Regiment wird, wenn der Konflikt vorbei ist. Milit&auml;risch gedrillte Neonazis mit Kampferfahrung, mit Panzerf&auml;usten und Sturmgewehren, d&uuml;rften sich kaum wieder einfach so einem demokratisch gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten unterordnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wei&szlig;waschungsversuche f&uuml;r Asow<\/strong><\/p><p>Kronzeuge f&uuml;r eine Wei&szlig;waschung ist aktuell der ukrainische Politikwissenschaftler Anton Schechowzow, der in mehreren deutschen Medien erkl&auml;rt, &bdquo;das Asow-Regiment ist keine extremistische Organisation&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2022\/19\/anton-schechowzow-asow-rechtsextremismus\">Zeit<\/a> &ndash; Paywall). Das heutige Regiment habe &bdquo;nichts mehr mit dem neonazistischen Bataillon zu tun&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus238277929\/Das-heutige-Asow-Regiment-hat-nichts-mehr-mit-dem-neonazistischen-Bataillon-zu-tun.html\">Welt<\/a> -Paywall). Das Asow-Regiment sei &bdquo;heute eine hochprofessionelle Spezialeinheit &ndash; keine politische Organisation, keine Miliz, kein rechtsextremes Bataillon&ldquo;. Asow-Angeh&ouml;rige f&uuml;hrten in Mariupol &bdquo;einen selbstlosen epischen Kampf&ldquo;.<\/p><p>Wie der Hamburger Spiegel berichtet, distanzierte sich die milit&auml;rische F&uuml;hrung des Asow-Regiments Ende M&auml;rz gegen&uuml;ber dem US-Sender CNN vom rechten &bdquo;National Corps&ldquo; und &ndash; &bdquo;wenn auch butterweich&ldquo; (Spiegel) vom ehemaligen Kommandeur Andrij Bilezkyj. Den sch&auml;tze und respektiere man zwar als Gr&uuml;nder und ersten Kommandeur, &bdquo;aber wir haben nichts mit seinen politischen Aktivit&auml;ten und der Partei &rsaquo;Nationales Korps&lsaquo; zu tun&ldquo;. (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/asow-regiment-die-umstrittenen-helden-von-mariupol-a-4b9d6ea9-baa0-49f1-947c-ba0189ec3a55\">Spiegel<\/a> &ndash; Paywall)<\/p><p>Michael Colborne, kanadischer Journalist und Autor des Buches &bdquo;From the Fires of War: Ukraine&rsquo;s Azov Movement and the Global Far Right&ldquo; widerspricht: &bdquo;Es stimmt, dass das Asow-Regiment, das der ukrainischen Nationalgarde unterstellt ist, in den letzten Jahren, zumindest seit 2018 oder 2019, eine gewisse Professionalisierung erfahren hat&ldquo;, schreibt Colborne auf Spiegel-Anfrage. Selbst Kritiker des Regiments m&uuml;ssten demnach zugeben, &bdquo;dass es sich um eine f&auml;hige, gut ausgebildete Milit&auml;reinheit handele. Zudem fungiere das Regiment unter einer anderen rechtlichen Autorit&auml;t als der Rest der Asow-Bewegung, da es dem Innenministerium unterstellt sei&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/asow-regiment-die-umstrittenen-helden-von-mariupol-a-4b9d6ea9-baa0-49f1-947c-ba0189ec3a55\">Spiegel<\/a> &ndash; Paywall). <\/p><p>Weiter hei&szlig;t es im Spiegel unter Verweis auf Colborne, der als Mitarbeiter beim Recherchenetzwerk Bellingcat jedweden prorussischen Sympathien oder Lobbyt&auml;tigkeiten unverd&auml;chtig sein d&uuml;rfte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Annahme jedoch, man k&ouml;nne das Regiment von der breiteren politischen Bewegung trennen, deren &ouml;ffentliches Gesicht Bilezkyjs Partei sei, weist Colborne jedoch deutlich zur&uuml;ck. Das Regiment sei untrennbar mit der breiteren Asow&lsquo;schen Bewegung verbunden, schreibt Colborne. Seit der Invasion unterst&uuml;tze die Bewegung etwa regelm&auml;&szlig;ig Spendenaktionen und inl&auml;ndische Rekrutierungsbem&uuml;hungen f&uuml;r das Regiment. Tausende Ukrainer sollen der Bewegung angeh&ouml;ren. Die Verbindungen zwischen Regiment und Partei sind leicht zu finden. Bilezkyj spricht bei j&auml;hrlich stattfindenden Gedenkfeiern f&uuml;r die Gefallenen. Vertreter des &sbquo;Nationalen Korps&lsquo; sind in der nach einem ukrainischen Nationalisten benannten Milit&auml;rschule des Regiments bis in die j&uuml;ngere Vergangenheit als Dozenten aufgetreten. Bilezkyj &auml;u&szlig;ert sich bis in die j&uuml;ngste Vergangenheit hinein auch gegen&uuml;ber Qualit&auml;tsmedien wie der &sbquo;Financial Times&lsquo; de facto als Sprecher des Regiments. Von Rechtsextremen und Neonazis im Ausland wird das Asow-Regiment weiterhin als gleich gesinnt wahrgenommen, wie Unterst&uuml;tzungsbotschaften in sozialen Netzwerken seit Beginn dieses Krieges zeigen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So wie Botschafter Melnyk die &bdquo;mutigen K&auml;mpfer&ldquo; bei Asow beschw&ouml;rt, verteidigt er weiterhin die Faschistenverehrung in seinem Land. Am 3. April <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MelnykAndrij\/status\/1510726492233347072\">wies er &bdquo;Heribert Prantl und Co.&ldquo; zurecht<\/a>: &bdquo;Weder die Russen, noch die Deutschen haben das Recht zu bestimmen, wen die Ukrainer als Helden verehren. Stepan Bandera &amp; Hunderttausende meine Landsleute k&auml;mpften sowohl gegen Hitler, als auch gegen Stalin f&uuml;r den ukrainischen Staat. Lasst uns in Ruhe mit euren Belehrungen.&ldquo;<\/p><p>Man muss hier Sigmount A. K&ouml;nigsberg, Beauftragter gegen Antisemitismus der J&uuml;dischen Gemeinde zu Berlin, beipflichten, wenn <a href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/meinung\/zu-helden-hochstilisiert\/\">er bekundet<\/a>: &bdquo;Ich kann nicht schweigen, wenn M&ouml;rder, Verbrecher und Antisemiten zu Helden hochstilisiert werden.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ukrainische Botschafter Andrij Melniyk beleidigt und beschimpft. Mit immer neuen und w&uuml;steren Tiraden treibt er die Ampel-Regierung zur st&auml;rkeren Beteiligung Deutschlands am Ukraine-Krieg. Wenige wissen allerdings von seiner Verehrung von Faschisten.<br \/> Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong><\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":83661,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,125],"tags":[1945,3202,835,955,260,966],"class_list":["post-83660","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-rechte-gefahr","tag-faschismus","tag-melnyk-andrij","tag-nationalismus","tag-neonazismus","tag-ukraine","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/220509-Dagdelen-Bandera.png","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83660","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83660"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83784,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83660\/revisions\/83784"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/83661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83660"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}