{"id":83669,"date":"2022-05-09T14:26:24","date_gmt":"2022-05-09T12:26:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83669"},"modified":"2022-05-09T21:16:03","modified_gmt":"2022-05-09T19:16:03","slug":"business-as-usual","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83669","title":{"rendered":"Business as usual"},"content":{"rendered":"<p>Man genie&szlig;t den Fr&uuml;hling und das warme Wetter. Autos sind wie immer blank gewienert, Eink&auml;ufe aller Art get&auml;tigt , die M&uuml;tter werden ins Gr&uuml;ne ausgef&uuml;hrt und ins schicke Lokal zum Essen eingeladen. Die endlose Flut der t&auml;glichen Werbe- und Spam-Mails rei&szlig;t nicht ab. Man sorgt sich um meine Potenz, meinen Harndrang oder ich werde trotz (oder vielleicht wegen?) derzeit abst&uuml;rzender Kurse ultimativ aufgefordert, endlich in Krypto zu investieren und man wird nicht m&uuml;de, mir die Vorz&uuml;ge dieser Anlagem&ouml;glichkeit ungefragt und t&auml;glich unter die Nase zu reiben. Es ist der 8. Mai, traditionell Muttertag in Deutschland, flankiert von den allseits pr&auml;senten Angeboten der Werbe- und Konsumwirtschaft. Von <strong>Michael Fitz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6754\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-83669-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220509-Business-as-usual-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220509-Business-as-usual-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220509-Business-as-usual-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220509-Business-as-usual-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=83669-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220509-Business-as-usual-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220509-Business-as-usual-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Szenerie wirkt alles in allem, als g&auml;be es keinen Krieg in der Ukraine und dessen wirtschaftliche Folgen. Und das n&auml;chste Ungemach wartet schon. Die durch das neuerlich beschlossene &Ouml;l- und Gasembargo der EU gegen&uuml;ber Russland und Putins Reaktion darauf zu erwartenden Energiepreisanstiege. Daf&uuml;r ist jetzt Fracking-Gas und Atomenergie wieder sowas von gr&uuml;n, dass man sich die Augen reiben muss.<\/p><p>An der Tankstelle zucken die Preise schon wieder merklich nach oben, aber vielleicht ist das ja auch nur dem Feiertag und den hier gerne vorgenommenen Aufschl&auml;gen geschuldet. In einem Nebensatz mal eben mit dem Kartellamt zu drohen, so wie das Herr Habeck, unser Wirtschaftsminister, neulich ein wenig halbherzig getan hat, ist sicher kein probates Mittel, um die Profitgier der Petro-Industrie auch nur geringf&uuml;gig einzud&auml;mmen. Das hat dann eher Symbolcharakter. Offenbar scheint das bisher gro&szlig;e Teile der Bev&ouml;lkerung nicht zu st&ouml;ren.<\/p><p>Frieren f&uuml;r die Ukraine muss ja derzeit keiner. Diese graue Wolke am Horizont wird sich erst in der kommenden kalten Jahreszeit &uuml;ber das Land legen. Wer wei&szlig;, was sonst noch f&uuml;r Wolken hierher im Anmarsch sind. Deutschland befindet sich, Dank des ziemlich einhelligen Beschlusses unserer Volksvertreter, faktisch im Krieg, ist Kriegspartei. Das kann man jetzt erbsenz&auml;hlerisch wegargumentieren, faktisch ist es so. Und wenn nicht die deutschen, dann auf jeden Fall die US-amerikanischen Nachschubbasen auf deutschem Boden sind Prim&auml;rziele f&uuml;r russische Atomschl&auml;ge, so begrenzt auch immer die m&ouml;glicherweise ausfallen und so unwahrscheinlich das auch im Augenblick sein mag.<\/p><p>Die deutsche Presse und die deutschen Medien feiern sich als solidarisch und aufrecht und der Michel glaubt ihnen offenbar mehrheitlich. Dass all dies Gerede von der Vernichtung Russlands, sowohl wirtschaftlich als auch milit&auml;risch, arg an in diesem Land ja schon mehrfach erfolgreich strapazierte, unappetitliche Kriegs-Propaganda erinnert, will man nicht, kann man nicht und darf man weder denken, sagen noch publizieren. Der Frame des naiven Pazifisten, gar des b&ouml;swilligen Putinhelfers ist ganz schnell, reflexhaft und sehr effektiv aufgestellt. Auch die leider inzwischen allt&auml;gliche Hetze gegen Anders- oder Querdenkende und die so stattfindende Verengung des &ouml;ffentlichen Meinungskorridors gr&uuml;ndet auf der Angst vor Meinungsvielfalt und Diversit&auml;t.<\/p><p>Da m&uuml;sste man ja die eigene Expertise infrage stellen oder gar Fehler zugeben. Trotzdem ist sie da, die Angst. Ein Gef&uuml;hl, das wir alle nicht haben wollen, weil das Leben doch angeblich ein Rundumsorglos-Wohlf&uuml;hl-Paket sein soll. Planbar und kontrollierbar. Die Angst ist sp&uuml;rbar, rund um uns herum. In der Luft, die wir atmen, in der Blase, in der wir alle leben. Um die eben nicht zu sp&uuml;ren, wird wie zum Trotz gefeiert, Auto gefahren, konsumiert, was das Zeug h&auml;lt und der Geldbeutel hergibt. Der Eine oder Andere wird Dank CORONA bereits von der Substanz leben, von Erspartem, von der Altersversorgung, bevor all das m&uuml;hsam Angeh&auml;ufte dem Wertverlust und der Inflation zum Opfer f&auml;llt&hellip;so kann man sich das auch sch&ouml;nreden.<\/p><p>Dabei werden immer noch schlechte Witze erz&auml;hlt und es wird lautstark &uuml;ber Nichtigkeiten gestritten. Aber die Angst ist real. Das ist die gleiche namenlose Angst wie die, die man uns nun zweieinhalb Jahre lang medial eingebl&auml;ut hat. Die Angst vor dem Killervirus, die derzeit trotz eindeutiger Gegenanzeigen nach wie vor kursiert. Aber da ist noch viel mehr. Die Angst vor den Folgen des Klimawandels, die Angst vor einer atomaren Auseinandersetzung. Haben will die keiner, diese Angst, also kompensiert man. Tut so, als ob alles ganz normal w&auml;re, alles wie immer&hellip;wovor sollte man auch Angst haben? Die Reichen werden reicher und die Armen werden &auml;rmer. &Uuml;berall auf der Welt. Als ob das Schicksal w&auml;re. So als ob es keinerlei Hebel g&auml;be, um diese Entwicklung aufzuhalten oder gar umzukehren. Vielleicht braucht es dazu eben mehr als mehrheitliche Passivit&auml;t und Erstarrung. Vielleicht braucht es ein anderes Demokratie-Bewusstsein, neue politische Massenbewegungen, die gegen die leichtfertige Kriegshysterie, die ja im Grunde nur von den wahren Hintergr&uuml;nden und dahinterstehenden Interessen ablenken soll, vorgeht und diese zumindest in der breiten &Ouml;ffentlichkeit benennt. Nichts Dergleichen ist in Sicht. Eine Medienlandschaft, die sich mit vollster &Uuml;berzeugung instrumentalisieren l&auml;sst, muss, so scheint es, langfristig neu erfunden und ihrer weltanschaulichen Fixierung und Indoktrination beraubt werden.<\/p><p>Das wird nur gehen, wenn viele an einem Strick ziehen. Wenn die Vielen bereit sind, sich der namenlosen Angst zu stellen und sie auszuhalten. Sie also zun&auml;chst zu benennen und auszudr&uuml;cken. Es ist immer gut, wenn man wei&szlig;, womit man es zu tun hat. Leute, die keine Angst haben oder sp&uuml;ren wollen oder grunds&auml;tzlich Angst vor der Angst haben, kann man bestens manipulieren. Ideologische Konzepte und Schubladen, in die man meist die Anderen steckt, sind auch nur ein Halteger&uuml;st f&uuml;r die schon immer von vielerlei &Auml;ngsten und Zweifeln geplagte und gekr&uuml;mmte menschliche Natur. Das wissen vor allem die Kreise, die ihre globalen Interessen, koste es, was es wolle, durchsetzen m&ouml;chten und Kollateralsch&auml;den billigend in Kauf nehmen. Auch die sind getrieben. Von der Gier, aber eben auch von der Angst, ihre gewaltigen Verm&ouml;gen, aber vor allem ihre Macht und ihre Einflussm&ouml;glichkeiten zu verlieren. Tr&ouml;stlich, dass wir uns dann letztlich doch in einem zutiefst menschlichen Gef&uuml;hl alle wiedertreffen.<\/p><p>Wenn immer mehr Menschen aus ihrer sozialen Isolierung, aus ihrer Telefonzelle heraustreten, Verantwortung f&uuml;r sich, ihr Umfeld oder gar ihr Land &uuml;bernehmen und sich &auml;u&szlig;ern, auch wenn sie dann Freunde und Kollegen verlieren oder vielleicht einem Shitstorm in den sozialen Medien, die ohnehin nur eine Illusion von Gemeinschaft erzeugen, ausgesetzt sind. Davor kann man wei&szlig; Gott Angst haben. Aber wenn man die erstmal hat und aush&auml;lt, landet man unweigerlich mitten in der Realit&auml;t, so wie sie ist. Das ist nicht angenehm, das Leben au&szlig;erhalb der Illusions-Blase ist in diesen Tagen kein Ponyhof. Aber es ist allemal besser als das, was wir angesichts eines gef&auml;hrlichen, kriegerischen, m&ouml;glicherweise atomaren Konfliktes in Europa, einer durch die Ignoranz und den Leichtsinn unserer politisch derzeit Verantwortlichen zu erwartenden Wirtschaftskrise und Geldentwertung, einer beispiellosen Hungersnot in weiten Teilen der dritten Welt und der dazu noch uns allen drohenden Klimakatastrophe und ihrer unabsehbaren Folgen zu erwarten haben, wenn wir so weitermachen wie bisher: n&auml;mlich sehenden Auges und starr vor Angst in eine vor allem europ&auml;ische Katastrophe treiben. &bdquo;Business as usual&ldquo; ist die so beruhigende wie bequeme Losung, die wir dringend hinterfragen m&uuml;ssten.<\/p><p>Titelbild: Liderina\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man genie&szlig;t den Fr&uuml;hling und das warme Wetter. Autos sind wie immer blank gewienert, Eink&auml;ufe aller Art get&auml;tigt , die M&uuml;tter werden ins Gr&uuml;ne ausgef&uuml;hrt und ins schicke Lokal zum Essen eingeladen. Die endlose Flut der t&auml;glichen Werbe- und Spam-Mails rei&szlig;t nicht ab. 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