{"id":83797,"date":"2022-05-12T09:30:34","date_gmt":"2022-05-12T07:30:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83797"},"modified":"2022-05-17T07:26:16","modified_gmt":"2022-05-17T05:26:16","slug":"rechtsextremer-geschichtsrevisionismus-in-der-taz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83797","title":{"rendered":"Rechtsextremer Geschichtsrevisionismus in der taz"},"content":{"rendered":"<p>War es als die ultimative Provokation gedacht? Ausgerechnet am 9. Mai, dem Tag, an dem Russland den Sieg &uuml;ber Nazi-Deutschland feiert, ver&ouml;ffentlichte die ehemals linksliberale taz einen <a href=\"https:\/\/taz.de\/Vom-Kult-des-Sieges-zum-Kult-des-Krieges\/!5851531\/\">Artikel<\/a> der rechtsextremen russischen Autorin Julia Latynina, dessen Inhalt daf&uuml;r geeignet w&auml;re, die taz vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen: Nicht Hitler, sondern Stalin h&auml;tte den Zweiten Weltkrieg geplant, die Gener&auml;le der Wehrmacht werden heroisiert und der Partisanenkampf hinter der Front als Terrorismus neu bewertet. Das ist nicht nur starker Tobak, sondern Geschichtsrevisionismus in Reinkultur, den heute wohl nicht einmal die Junge Freiheit abdrucken w&uuml;rde. Aber um die These, &bdquo;Putin verk&ouml;rpere sowohl Hitler als auch Stalin gleichzeitig&ldquo;, zu &bdquo;untermauern&ldquo; und den russischen Pr&auml;sidenten als den schlimmsten Verbrecher seit Menschheitsgedenken darzustellen, scheint der taz jede braune Jauche recht zu sein. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3965\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-83797-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220516_Rechtsextremer_Geschichtsrevisionismus_in_der_taz_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220516_Rechtsextremer_Geschichtsrevisionismus_in_der_taz_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220516_Rechtsextremer_Geschichtsrevisionismus_in_der_taz_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220516_Rechtsextremer_Geschichtsrevisionismus_in_der_taz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=83797-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220516_Rechtsextremer_Geschichtsrevisionismus_in_der_taz_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220516_Rechtsextremer_Geschichtsrevisionismus_in_der_taz_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wie um Himmels Willen kommt die Chefredaktion der taz auf die Idee, Texte einer russischen Rechtsextremistin zu ver&ouml;ffentlichen? Dabei h&auml;tte man doch nur im eigenen Archiv bl&auml;ttern m&uuml;ssen, um herauszufinden, wer Julia Latynina eigentlich ist. 2018 widmete die taz dieser Autorin ein wenig schmeichelhaftes <a href=\"https:\/\/taz.de\/Auf-Lesereise-gegen-Putin-und-den-Islam\/!5545369\/\">Portrait<\/a>. Latynina f&uuml;hre einen Kreuzzug gegen Linke, Migranten, Menschenrechtler und das allgemeine Wahlrecht &ndash; Letzteres f&uuml;hre dazu, dass die &bdquo;Steuerzahler einer Tyrannei der Wohlfahrtsempf&auml;nger ausgeliefert&ldquo; seien. &bdquo;Leistungstr&auml;ger finanzierten mit ihren Steuern arbeitslose Junkie-Frauen mit f&uuml;nf Kindern&ldquo;. Latynina wird als Adeptin von Ayn Rand mit Hang zu rechten Verschw&ouml;rungstheorien portraitiert &ndash; so sei f&uuml;r sie der Klimawandel eine &bdquo;Erfindung der globalen B&uuml;rokratie&ldquo;, die s&uuml;dafrikanische Apartheid sei gar nicht mal so schlecht gewesen und der rechtsextreme Terrorist Anders Breivik habe mit seinen wirren Thesen &uuml;ber seine Opfer letztendlich recht gehabt. Mit anderen Worten: Latynina vertritt eigentlich genau die Positionen, die ansonsten jeder taz-Schreiberin die Zornesr&ouml;te ins Gesicht treiben w&uuml;rden. Aber Latynina ist Russin und gegen Putin. Und wer gegen Putin ist, ist Freund der taz. So etwas nennt man dann wohl Querfront. Da d&uuml;rfen wir ja gespannt sein, ob die taz in der n&auml;chsten Querfront-Studie irgendeiner befreundeten NGO auftaucht.<\/p><p>Streng genommen m&uuml;sste die taz f&uuml;r das Latynina-St&uuml;ck sogar im Verfassungsschutzbericht auftauchen. Was die russische Autorin in der taz schreibt, ist n&auml;mlich genau der Geschichtsrevisionismus, den man hierzulande vom aller&auml;u&szlig;ersten rechten Rand kennt. Stalin als Verantwortlicher f&uuml;r den Zweiten Weltkrieg? Diese These wird schon seit den 1950ern von Altnazis vertreten. Und auch der Rest liest sich wie aus einer Nazi-Postille: <\/p><ul>\n<li>Tapfere deutsche Gener&auml;le, die mit ihren Truppen an der Front stehen, w&auml;hrend die sowjetische Generalit&auml;t als korrupter Haufen dargestellt wird, der mit voller Absicht nur darauf aus ist, die eigenen Soldaten zu opfern.<\/li>\n<li>Aufrechte, rechtsextreme Bandera-Anh&auml;nger, die von heimt&uuml;ckischen Terroristen hinter den Linien gefoltert und ermordet werden.<\/li>\n<li>Russische Soldaten, die die KZs der Deutschen nicht befreien, sondern deren Insassen vergewaltigen.<\/li>\n<li>usw. usf.<\/li>\n<\/ul><p>Das alles ist &ndash; entschuldigen Sie die harten Worte &ndash; ekelhafter Dreck und noch nicht einmal satisfaktionsf&auml;hig f&uuml;r eine inhaltliche Analyse. Solche Texte findet man eigentlich eher in rechtsextremen Darknet-Foren als in einer sich als linksliberal verstehenden deutschen Zeitung. Diesen Text am 9. Mai zu ver&ouml;ffentlichen, ist bodenlos und ein moralischer wie intellektueller Offenbarungseid.<\/p><p>Der Text stammt &ndash; so erf&auml;hrt der Leser in einem Einschub &ndash; aus der Novaya Gazetta, die in Russland Opfer der staatlichen Zensur ist &ndash; wobei dieser Text eher Verst&auml;ndnis f&uuml;r die eigentlich scharf zu kritisierende Zensur in Russland weckt. Die taz habe diesen Text &bdquo;aus Solidarit&auml;t&ldquo; ver&ouml;ffentlicht, er entspr&auml;che jedoch &bdquo;nicht unbedingt&ldquo; der Meinung der taz-Redaktion. Was hei&szlig;t &bdquo;nicht unbedingt&ldquo;? Welche geschichtsrevisionistischen Aussagen entsprechen denn der Meinung der taz und welche nicht? taz-Mann Steffen Reinecke rang sich sogar zu einer <a href=\"https:\/\/taz.de\/9-Mai-Erinnerungskultur-in-Russland\/!5850435\/\">&bdquo;Replik&ldquo;<\/a> durch. Diese endet mit dem bemerkenswerten Satz, dass &bdquo;revisionistische Legenden, die NS-Parolen &auml;hneln, den offenen Dialog sprengen&ldquo; w&uuml;rden. Das ist ja richtig. Aber wieso ver&ouml;ffentlicht die taz dann &uuml;berhaupt solche &bdquo;revisionistischen Legenden&ldquo;? Dass die &bdquo;Pr&auml;ventionskriegsthese&ldquo; bei den &auml;lteren taz-Redakteuren sonderlich beliebt ist, kann man durchaus bezweifeln; bei den j&uuml;ngeren taz-Mitarbeitern w&uuml;rde ich die Hand jedoch nicht daf&uuml;r ins Feuer legen. <\/p><p>Wie es auch immer zur Entscheidung gekommen ist, dieses rechtsextreme Pamphlet abzudrucken &ndash; die taz hat damit eine rote Linie &uuml;berschritten und dieser Tabubruch ist und bleibt unentschuldbar. Fr&uuml;her habe ich selbst eine Kolumne bei der taz gehabt, heute muss ich mich f&uuml;r diesen dunklen Fleck in meinem Lebenslauf sch&auml;men.<\/p><p>Aber die taz ist ja nur ein &ndash; wenn auch besonders extremes &ndash; Beispiel von vielen. Geschichtsrevisionismus hat Konjunktur. Das T&auml;tervolk Nummer Eins hat nichts Besseres im Sinn, als seine Geschichte umzuschreiben, um Russland zu d&auml;monisieren. Offenbar ist dies n&ouml;tig, um kognitive Dissonanzen zu &uuml;berbr&uuml;cken. Die deutsch-ukrainischen Beziehungen sind vor allem in Hinblick auf die gemeinsame Feindschaft gegen&uuml;ber Russland nun einmal vor allem durch den Zweiten Weltkrieg gepr&auml;gt, in dem ukrainische Nationalisten Seit&rsquo; an Seit&rsquo; mit SS und Wehrmacht marschierten. Diese gemeinsame Geschichte eignet sich nat&uuml;rlich nicht, um in Deutschland gro&szlig;e Solidarit&auml;t zu entfachen. <\/p><p>Also wird die Geschichte umgeschrieben. Wenn nicht die Deutschen, sondern die Russen das mordende, vergewaltigende T&auml;tervolk waren, befinden sich Deutsche und Ukrainer ja in einer Art &bdquo;Opfergemeinschaft&ldquo;. Diese These &ndash; so falsch und wirr sie ist &ndash; k&ouml;nnte bei der taz ja tats&auml;chlich anschlussf&auml;hig sein. Sollen also nun Scholz und Selenskyj wie einst Hitler und Bandera gemeinsam gegen die &bdquo;russischen Horden&ldquo; ank&auml;mpfen, die heute wie damals einen Krieg entfachten und vergewaltigend und brandschatzend gen Westen ziehen? Zumindest die braunen Urgro&szlig;v&auml;ter w&auml;ren vielleicht stolz auf ihre Enkel*innen in der taz, die nichts, aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt haben. <\/p><p>Titelbild: photopixel\/shutterstock.com<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/42bcc80c0122420e85ade5bdf8ac7929\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War es als die ultimative Provokation gedacht? Ausgerechnet am 9. 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