{"id":83846,"date":"2022-05-13T12:23:28","date_gmt":"2022-05-13T10:23:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83846"},"modified":"2022-05-13T13:41:16","modified_gmt":"2022-05-13T11:41:16","slug":"wem-nutzt-der-krieg-russlands-gegen-die-ukraine-von-dr-peter-becker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83846","title":{"rendered":"Wem nutzt der Krieg Russlands gegen die Ukraine? Von Dr. Peter Becker"},"content":{"rendered":"<p>Es lohnt sich, diese Frage zu stellen. Denn es gibt &uuml;berraschende Resultate. Hat der Hauptbeg&uuml;nstigte diesen Krieg provoziert? Wenn ja, was ist zu tun?<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. Die politischen Ver&auml;nderungen seit Beginn des Krieges<\/strong><\/p><p>Seit langem versuchen die US-Republikaner, Nord Stream 2 zu verhindern. Was die Sanktionen nicht schafften, hat jetzt der Krieg erreicht: Deutschland hat sich gegen die Inbetriebnahme der Pipeline entschieden. Zugleich haben sich die USA neue Abnehmer f&uuml;r ihr &ndash; ungleich teureres &ndash; LNG gesichert: Deutschland und die EU. Deutschland arbeitet jetzt mit Nachdruck am Bau von LNG-Terminals &ndash; mit ihren betr&auml;chtlichen Kosten. Die deutsche Industrie st&ouml;hnt; auch wegen der durch den Krieg erzwungenen Abwanderung aus Russland.<\/p><p>Ein anderes politisches Ziel, das vor allem Deutschland immer unterwandert hat &ndash; das Zwei-Prozent-Ziel zur H&ouml;he der nationalen R&uuml;stungsausgaben, orientiert am Bruttoinlandsprodukt &ndash; wird auf einmal nicht mehr infrage gestellt. Deutschland beschlie&szlig;t sogar ein Sonderverm&ouml;gen von hundert Milliarden Euro f&uuml;r die Bundeswehr. Die deutsche R&uuml;stungsindustrie frohlockt; von den US-R&uuml;stungskonzernen ganz zu schweigen. Das viele Geld, das vor allem die USA f&uuml;r die Ukraine lockermachen, d&uuml;rfte alsbald in die Taschen der US-R&uuml;stungsfirmen zur&uuml;ckflie&szlig;en.<\/p><p>Auch die NATO profitiert; schon seit langem durch ihre Osterweiterung, begonnen unter dem demokratischen Pr&auml;sidenten Clinton, den die Republikaner im Wahlkampf 1997 unter Druck gesetzt hatten. 1999 wurden dann Polen, Ungarn und Tschechien in die NATO aufgenommen; gegen erheblichen innenpolitischen Druck: Der einflussreiche Diplomat George F. Kennan nannte das einen &bdquo;<em>verh&auml;ngnisvollen Fehler<\/em>&ldquo;. Russland wurde damals von Boris Jelzin regiert, mit dem Clinton eine &sbquo;M&auml;nnerfreundschaft&lsquo; pflegte. Die USA sicherten sogar Jelzins Wiederwahl 1995 mit finanzieller und professioneller Wahlkampfhilfe. Aus diesem Ablauf ergibt sich, dass die NATO-Osterweiterung keinen au&szlig;enpolitischen Zw&auml;ngen geschuldet war. Trotzdem wurde sie kontinuierlich fortgesetzt &ndash; und jetzt erw&auml;gen sogar die traditionell neutralen Staaten Finnland und Schweden einen NATO-Beitritt.<\/p><p>Fast nebenher setzten die USA ein zentrales geopolitisches Ziel durch: Die US-amerikanische Haltung zum Ukraine-Konflikt ist wohl Ausdruck der kritischen Haltung der USA zum N&auml;herr&uuml;cken Deutschlands und Russlands, das sich in den ber&uuml;hmten &Auml;u&szlig;erungen von Friedman\/ STRATFOR und Baron Ismay &auml;u&szlig;erte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das prim&auml;re Interesse der USA, wof&uuml;r wir seit einem Jahrhundert die Kriege f&uuml;hren &ndash; Erster und Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg &ndash; waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Weil vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann, und unser Interesse war es immer, sicherzustellen, dass das nicht eintritt&ldquo; (Friedman).<\/p>\n<p>&Auml;hnlich schon der erste Generalsekret&auml;r der NATO, Baron Ismay, die NATO habe den Zweck &bdquo;to keep the Russians out, the Americans in and the Germans down&rdquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Und Zbigniew Brzezi&#324;skis strategischer Auftrag an die USA, die Ukraine aus dem eurasischen Block zu l&ouml;sen und dem Westen einzugliedern, wird erreicht,<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;weil ihre blo&szlig;e Existenz als unabh&auml;ngiger Staat zur Umwandlung beitr&auml;gt. Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, w&uuml;rde dann aber ein vorwiegend asiatisches Reich werden&hellip;&ldquo; (Die einzige Weltmacht, 8. Aufl. 2004, S. 74).\n<\/p><\/blockquote><p>Die USA profitieren auch unter Image-Aspekten: Russland ist der eindeutige v&ouml;lkerrechtswidrige Aggressor. Und die US-Untaten, z.B. im zweiten Golfkrieg Irak\/Kuwait (dazu der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark: <em>W&uuml;stensturm<\/em>, 1993), im Irak-Krieg 2003 etc., treten in den Hintergrund.<\/p><p><strong>2. Der Weg zum Krieg; vor allem: Die Ma&szlig;nahmen der USA f&uuml;r eine Ann&auml;herung der beiden Staaten<\/strong><\/p><p>Das ukrainische Parlament verabschiedete am 24.08.1991 eine formale Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung, die die ukrainische Bev&ouml;lkerung in einem anschlie&szlig;enden Referendum billigte. Zu den ersten Staaten, die die ukrainische Unabh&auml;ngigkeit anerkannten, z&auml;hlte Jelzins Russland.<\/p><p>Im Januar 1994 unterzeichneten die Pr&auml;sidenten Russlands, der USA und der Ukraine ein trilaterales Abkommen &uuml;ber die Vernichtung der 176 ehemaligen sowjetischen Interkontinentalraketen. Im Gegenzug erhielt die Ukraine nach ihrem Beitritt zum Vertrag &uuml;ber die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV, auch Atomwaffensperrvertrag, engl. Non-Proliferation Treaty, NPT) Sicherheitsgarantien von der Gemeinschaft Unabh&auml;ngiger Staaten (GUS) und den USA. Das war das letzte einvernehmliche Handeln Russlands und der USA.<\/p><p>Die Haltung Russlands &auml;nderte sich nach der ersten Phase der NATO-Osterweiterung, die auch Jelzin nicht billigte.<\/p><p>Im Sommer 1994 sagten die USA der Ukraine Finanzhilfen in H&ouml;he von 700 Millionen USD zu. Ende 1994 schlossen die USA und die Ukraine eine Charta der amerikanisch-ukrainischen Partnerschaft, Freundschaft und Kooperation. Die USA gew&auml;hrten der Ukraine eine Finanzhilfe von 900 Millionen USD. Pr&auml;sident Clinton besuchte im Jahr 1995 die Ukraine. Es fand ein gemeinsames Milit&auml;rman&ouml;ver statt. 1996 &auml;u&szlig;erte der ukrainische Pr&auml;sident Kutschma die Hoffnung, partnerschaftlich mit Westeurop&auml;ischer Union (WEU), EU und NATO zusammenarbeiten zu k&ouml;nnen.<\/p><p>2001 wurde in Russland gegen die Stellvertreterin des ukrainischen Ministerpr&auml;sidenten Juschtschenkos, Julija Timoschenko, ein Verfahren wegen Bestechung von Milit&auml;rs er&ouml;ffnet.<\/p><p>W&auml;hrend des Irak-Krieges 2003 war die Ukraine an der &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; beteiligt. 2004 fand die &bdquo;Orange Revolution&ldquo; statt, die wie ein spontaner Volksaufstand wirkte. In Wahrheit war Vieles sorgf&auml;ltig geplant &ndash; von Studentenf&uuml;hrern und vernetzten Organisationen, einer &bdquo;<em>Revolutions-GmbH<\/em>&ldquo;, so genannt vom Magazin Der SPIEGEL (46\/2005, S. 178-199). Putin sieht in ihnen &bdquo;<em>die F&uuml;nfte Kolonne Washingtons<\/em>&ldquo;, weil sie von amerikanischen Institutionen wie F<em>reedom House<\/em> und dem <em>International Republican Institute<\/em> finanziert werden, gelenkt von &bdquo;<em>Politikern mit CIA-Verbindungen<\/em>&ldquo;, wie es im SPIEGEL hei&szlig;t (S. 181). So sollte ein &bdquo;<em>Machtwechsel von innen<\/em>&ldquo; organisiert werden; Aufgabe der amerikanischen Stiftung <em>Freedom House<\/em> (SPIEGEL, S. 182). Schlie&szlig;lich setzt sich in der Pr&auml;sidentschaftswahl der westlich orientierte ehemalige Ministerpr&auml;sident Juschtschenko gegen den russlandfreundlichen Janukowitsch durch. Russland reagiert mit einer Preiserh&ouml;hung f&uuml;r russisches Erdgas. Diese f&uuml;hrt zum ersten russisch-ukrainischen Gasstreit.<\/p><p>Im Fr&uuml;hjahr 2005 unterzeichneten die EU und die Ukraine einen bilateralen &bdquo;Aktionsplan&ldquo;, der auch die Konvergenz des ukrainischen Rechtssystems mit dem EU-Recht vorsah. In diesem Programm besuchte ich die Ukraine und arbeitete an Schritten zur Ann&auml;herung der Regelungen zum Atomrecht. Daraus resultierte mein Interesse an den ukrainischen Verh&auml;ltnissen.<\/p><p>Im Jahr 2006 wurde Janukowitsch Ministerpr&auml;sident. 2007 gr&uuml;ndete der sp&auml;tere Ministerpr&auml;sident Arsenij Jazenjuk die <em>Open Ukraine Foundation<\/em>. Sie wurde vom US-Au&szlig;enministerium, der NATO, der britischen Denkfabrik <em>Chatham House<\/em>, dem <em>German Marshall Fund of the United States<\/em> sowie der Stiftung von George Soros gef&ouml;rdert. Auf ihrer Webseite fand sich das Logo der NATO.<\/p><p>Im Jahr 2007 sprach Putin bei der M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz, bezeichnete die NATO-Osterweiterung als &bdquo;provozierenden Faktor&ldquo;, warnte vor weiterer Gewalt (siehe Irak-Krieg 2003) und verwies auf die wirtschaftliche Macht der BRICS-Staaten.<\/p><p>Im Jahr 2010 wurde Janukowitsch zum Pr&auml;sidenten der Ukraine gew&auml;hlt; der ebenfalls kandidierende amtierende Staatspr&auml;sident Juschtschenko war chancenlos.<\/p><p>Die US-Finanzierung der Einflussnahme auf die innere Entwicklung der Ukraine ist umfangreich. Das offenbarte Victoria Nuland, Assistant Secretary of State for Europe and Eurasian Affairs, die Beauftragte der US-Regierung auch f&uuml;r die Ukraine, auf einer Pressekonferenz am 13. Dezember 2013. Sie erkl&auml;rte, dass die USA seit der Unabh&auml;ngigkeit 1991 den &bdquo;<em>&Uuml;bergang der Ukraine zu guten demokratischen Institutionen und Regierungsformen sowie zu einer Zivilgesellschaft<\/em>&ldquo; mit mehr als f&uuml;nf Milliarden Dollar unterst&uuml;tzt haben. Interessant ist, dass das Video des CNN &uuml;ber diese Pressekonferenz mit &bdquo;<em>Regime Change in Kiev<\/em>&ldquo; (Regime-Wechsel in Kiew) &uuml;berschrieben wurde.<\/p><p>Drei Monate nach Beginn der Proteste unterschreiben Pr&auml;sident Janukowitsch, die Opposition sowie die Au&szlig;enminister Deutschlands, Frankreichs und Polens (Weimarer Dreieck) die Vereinbarung &uuml;ber die Beilegung der Krise in der Ukraine vom 21. Februar. Aber vor der Umsetzung kommt es zum &bdquo;Massaker&ldquo; vom Maidan. Es gibt Belege f&uuml;r die Beteiligung des &bdquo;Rechten Sektors&ldquo;. Janukowitsch wird von der Werchowna Rada abgesetzt, ohne dass die erforderliche Mehrheit erreicht ist; ein Putsch. Jazenjuk, &bdquo;<em>unser Mann<\/em>&ldquo; (so Victoria Nuland, Ehefrau von Robert Kagan, Mitgr&uuml;nder des PNAC, zust&auml;ndige US-Diplomatin, in einem abgeh&ouml;rten Telefongespr&auml;ch mit dem US-Botschafter in Kiew), schickt einen Brief an den NATO-Generalsekret&auml;r, in dem er um Aufnahme der Ukraine in die NATO bittet. Ein gelungener &bdquo;regime change&ldquo;! Die USA setzen ihre finanzielle und milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine fort.<\/p><p>Der &bdquo;Rechte Sektor&ldquo; gilt als &bdquo;bewaffneter Arm der Rada&ldquo;; verantwortlich f&uuml;r das &bdquo;Massaker auf dem Maidan&ldquo;. Aber dessen Untersuchung wird bis heute verhindert.<\/p><p>Die USA liefern seit 2014 Ausr&uuml;stung f&uuml;r &Uuml;bungen der ukrainischen Armee, unterst&uuml;tzten die ukrainische Marine, liefern Scharfsch&uuml;tzengewehre, Panzerabwehrwaffen, Radaranlagen sowie Nachtsicht- und Kommunikationsger&auml;te. Hinzu kommt geheimdienstliche Hilfe. Schlie&szlig;lich unterst&uuml;tzen die USA die Ukraine im Kampf gegen Cyber-Angriffe.<\/p><p>Die Frage, ob man t&ouml;dliche Waffen an die Ukraine liefern sollte, wurde in den USA im Laufe der Jahre unterschiedlich bewertet. Zur Zeit von US-Pr&auml;sident Barack Obama wurde bef&uuml;rchtet, dass Russland im Fall einer solchen Lieferung den Konflikt weiter anheizen k&ouml;nnte. Deshalb lehnte Obama die Lieferung t&ouml;dlicher Waffen an die Ukraine ab. Trotzdem gab Philip Breedlove, der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, unbelegbar hohe Zahlen &uuml;ber russische R&uuml;stungsbewegungen im Donbass bekannt und so den Hardlinern in Washington und im Pentagon Futter. Seine Presse&auml;u&szlig;erungen seien mit Washington abgestimmt, hei&szlig;t es im SPIEGEL (<em>Immer wieder Kopfsch&uuml;tteln<\/em>, 11\/2015, S. 32 f.). Die Abstimmungen erfolgten wohl mit Vizepr&auml;sident Biden (zu Bidens Rolle sogleich).<\/p><p>Unter der Regierung von US-Pr&auml;sident Donald Trump wurden defensive t&ouml;dliche Waffen geliefert, insbesondere Javelin-Panzerabwehrwaffen. Um eine neue solche Lieferung ging es in dem Telefonat zwischen dem ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj und Trump, von dem ein Ged&auml;chtnisprotokoll ver&ouml;ffentlicht wurde. Darin bat Selenskyj um die Lieferung von 150 Javelin-Raketen im Wert von umgerechnet 35,7 Millionen Euro. Anfang Oktober stimmten die USA der Waffenlieferung zu.<\/p><p>Gemeinsam mit anderen westlichen Nationen bildeten US-Milit&auml;rtrainer ukrainische Soldaten aus. Schon lange vor dem Maidan gab es gemeinsame Milit&auml;r&uuml;bungen der USA und der Ukraine. Das Marine-Man&ouml;ver Sea Breeze findet seit 1997 regelm&auml;&szlig;ig statt, die landbasierten &Uuml;bungen <em>Rapid Trident<\/em> seit 2011. Im Jahr 2018 kam noch die Luftwaffen&uuml;bung <em>Clear Sky<\/em> hinzu.<\/p><p><strong>3. Wie hilft die NATO der Ukraine?<\/strong><\/p><p>1994 wurde die Ukraine Mitglied im NATO-Programm <em>Partnerschaft f&uuml;r den Frieden<\/em>. Seit 1994 gibt es eine NATO-Ukraine-Kommission. Die NATO stellte der Ukraine und Georgien 2008 eine Mitgliedschaft in Aussicht, formulierte aber keinen konkreten Plan daf&uuml;r.<\/p><p>1997 unterzeichneten die Ukraine und die NATO die NATO-Ukraine-Charta, einen milit&auml;rischen Partnerschaftsvertrag. Danach verpflichtete sich die Ukraine, an milit&auml;rischen Operationen teilzunehmen, die entweder mit Mandat des UN-Sicherheitsrates durchgef&uuml;hrt werden oder unter Leitung der OSZE stehen.<\/p><p>Im Juni 2017 verabschiedete das ukrainische Parlament ein Gesetz, wonach eine NATO-Mitgliedschaft das strategische au&szlig;en- und sicherheitspolitische Ziel darstellt. Seit Februar 2019 steht das strategische Ziel einer NATO- und EU-Mitgliedschaft in der ukrainischen Verfassung.<\/p><p>Russland lehnt eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens vehement ab und nennt sie eine Bedrohung f&uuml;r die eigene Sicherheit. &bdquo;<em>Der Vormarsch von NATO-Einrichtungen Richtung unserer Grenzen wird f&uuml;r uns eine Bedrohung darstellen und wir sehen das &auml;u&szlig;erst negativ<\/em>&ldquo;, sagte Pr&auml;sident Wladimir Putin in einem Interview mit dem Sender Fox News 2018. Putin erw&auml;hnte dabei die US-Raketenabwehr, die in Polen und Rum&auml;nien stationiert ist. &bdquo;<em>Das stellt f&uuml;r uns eine direkte Bedrohung unserer Sicherheit dar.<\/em>&ldquo;<\/p><p><strong>4. Die Einflussnahme von Joe Biden<\/strong><\/p><p>Obamas damaliger Vize-Pr&auml;sident Biden reiste 2014 als Ukraine-Beauftragter nach Kiew. Wie die Welt inzwischen durch die Ver&ouml;ffentlichung von Mitschnitten mehrerer Telefonate zwischen ihm und Ex-Pr&auml;sident Poroschenko erfahren hat, nutzte Biden seinen Einfluss, um politische Parteien zu finanzieren, hohe Regierungsbeamte zu ernennen und alles daf&uuml;r zu tun, die Abh&auml;ngigkeit der Ukraine von russischen Energielieferungen zu reduzieren.<\/p><p>Er verschaffte auch seinem Sohn Hunter einen hochbezahlten Job im Erdgasunternehmen eines ukrainischen Oligarchen. Als ein ukrainischer Staatsanwalt deshalb Ermittlungen wegen Beg&uuml;nstigung aufnahm, drohte Biden der ukrainischen Regierung, US-Kreditgarantien &uuml;ber eine Milliarde Dollar auszusetzen, und bewirkte so die Entlassung des Juristen.<\/p><p>Im November 2014 wurde die US-Staatsb&uuml;rgerin und Wall-Street-Investmentbankerin Natalija Jaresko unter Bidens &Auml;gide eingeb&uuml;rgert und am gleichen Tag zur Finanzministerin der Ukraine ernannt. Die von ihr betriebene Politik beg&uuml;nstigte u.a. US-Agrar-Multis wie Monsanto, die der verarmten Bauernschaft gro&szlig;e Teile des Landes abkauften.<\/p><p>Seit seinem Einzug ins Wei&szlig;e Haus setzt Joe Biden alles daran, seine alten Mitstreiter in Kiew bei der Versch&auml;rfung der Spannungen mit Russland zu unterst&uuml;tzen. Am 21.02.2021 bekr&auml;ftigte er, dass die Krim zur Ukraine geh&ouml;rt. Am 17.03.2021 nannte er den russischen Pr&auml;sidenten in einem Interview des Fernsehsenders ABC einen &bdquo;<em>M&ouml;rder<\/em>&ldquo;. Mehrfach sicherte er Selenskyj online die &bdquo;<em>uneingeschr&auml;nkte Unterst&uuml;tzung der USA gegen Russland<\/em>&ldquo; zu; Ende April 2021 lie&szlig; er zehn russische Diplomaten aus den USA ausweisen.<\/p><p><strong>5. Wurde der Krieg provoziert? Ein historisches Beispiel<\/strong><\/p><p>Michael L&uuml;ders schreibt in seinem Buch Hybris am Hindukusch (2022, S. 45):<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Januar 1998 gab der US-amerikanische strategische Vordenker Zbigniew Brzezi&#324;ski der franz&ouml;sischen Zeitschrift Le Nouvel Observateur ein bemerkenswertes Interview, in dem er Klartext redete, [&hellip;]:<\/p>\n<p>&laquo;Der fr&uuml;here CIA-Direktor Robert Gates schreibt in seinen Memoiren, dass die amerikanischen Geheimdienste den afghanischen Mudschahedin schon ein halbes Jahr vor der sowjetischen Invasion Hilfe zu leisten begannen. Sie als damaliger Sicherheitsberater waren daran beteiligt, nicht wahr?&raquo;<\/p>\n<p>Brzezi&#324;ski: Ja. Die offizielle Version lautete, dass die CIA-Hilfe f&uuml;r die Mudschahedin im Laufe des Jahres 1980 einsetzte, also nach dem sowjetischen Einmarsch am 24. Dezember 1979. Die Wirklichkeit aber, das wurde bisher geheim gehalten, sah anders aus. Am 3. Juli 1979 hat Pr&auml;sident Carter die erste Direktive unterschrieben, um den Gegnern des pro-sowjetischen Regimes in Kabul still und leise Hilfe zu leisten. Am selben Tag noch habe ich dem Pr&auml;sidenten geschrieben. Ich habe ihm erkl&auml;rt, dass diese Hilfe meiner Meinung nach eine sowjetische Milit&auml;rintervention herbeif&uuml;hren w&uuml;rde.<\/p>\n<p>(&hellip;) Haben Sie selbst die Absicht verfolgt, dass die Sowjets einen Krieg beginnen, und nach Mitteln und Wegen gesucht, das zu provozieren?<\/p>\n<p>Nicht ganz. <strong>Wir haben die Russen nicht gedr&auml;ngt zu intervenieren, aber wir haben wissentlich die Wahrscheinlichkeit erh&ouml;ht, dass es dazu kommen w&uuml;rde<\/strong>.&ldquo; [Hervorhebung durch den Verf.]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>6. Der Krieg wurde provoziert! Bewertung der Abl&auml;ufe<\/strong><\/p><p>Zu betrachten sind die folgenden Vorg&auml;nge:<\/p><ul>\n<li>Die Vorteile der USA seit Beginn des Krieges: Sie setzen langfristige politische Ziele, auf die sie lange hingearbeitet haben, umstandslos durch:\n<ul>\n<li>Sie erreichen die tiefgreifende Entzweiung Russlands und Deutschlands, indem sie die Ukraine aus dem eurasischen Block herausl&ouml;sen;<\/li>\n<li>ihre v&ouml;lkerrechtswidrigen Kriege und Interventionen sind auf einmal vergessen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Die US-amerikanischen Werkzeuge sind vielf&auml;ltig und werden seit dem Ende des Kalten Krieges eingesetzt:\n<ul>\n<li>Die finanzielle Unterst&uuml;tzung der fast bankrotten Ukraine;<\/li>\n<li>die anlasslose NATO-Osterweiterung;<\/li>\n<li>die Charta der amerikanisch-ukrainischen Partnerschaft;<\/li>\n<li>das Eingreifen in die ukrainische Innenpolitik mit der Unterst&uuml;tzung des westlich orientierten Pr&auml;sidentschaftsbewerbers Juschtschenko mit Hilfe der &bdquo;Revolutions-GmbH&ldquo;.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Sturz des wieder an die Macht gekommenen Pr&auml;sidenten Janukowitsch durch direkte Unterst&uuml;tzung der Abl&auml;ufe auf dem Maidan, sogar der &bdquo;Rechte Sektor&ldquo; wird in Kauf genommen;<\/li>\n<li>gemeinsame Man&ouml;ver, Aufr&uuml;stung der ukrainischen Armee;<\/li>\n<li>Hetze gegen Russland durch unbelegbare Behauptungen &uuml;ber Russlands Unterst&uuml;tzung der Separatisten im Donbass;<\/li>\n<li>Einsatz der NATO beginnend mit der Partnerschaft f&uuml;r den Frieden 1994.<\/li>\n<\/ul><p>Bei allen Aktionen wussten die USA, dass sie gegen die Interessen Russlands gerichtet waren. Putin protestierte ja auch vielfach. Trotzdem wurden die Aktionen fortgesetzt.<\/p><p>Ein sch&ouml;nes Beispiel ist Putins Rede auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz. Putin sprach an<\/p><ul>\n<li>die NATO-Erweiterung, die ein &bdquo;<em>provozierender Faktor<\/em>&ldquo; sei. Also mussten die USA sie fortsetzen;<\/li>\n<li>in Bulgarien und Rum&auml;nien entst&uuml;nden sogenannte leichte amerikanische Vorposten-Basen mit jeweils 5.000 Mann, die Putin als Versto&szlig; gegen den KSE-Vertrag einordnet, w&auml;hrend sich Russland &bdquo;<em>streng an den Vertrag halte<\/em>&ldquo;. Also musste die NATO ihre Stationierungen auch in anderen Staaten fortsetzen;<\/li>\n<li>&bdquo;<em>Uns beunruhigen auch Pl&auml;ne zum Aufbau eines Raketenabwehrsystems in Europa.<\/em>&ldquo; Also mussten die USA ihre Pl&auml;ne nur umsetzen, was auch geschah.<\/li>\n<\/ul><p>Das hei&szlig;t, die USA mussten Putin nur beim Wort nehmen, um ihn weiter zu provozieren. Auch Biden wusste genau, wie er Putin reizen k&ouml;nne: Er nannte ihn &bdquo;M&ouml;rder&ldquo;, lie&szlig; russische Diplomaten ausweisen und brachte sogar eine US-Bankerin in der ukrainischen Regierung unter. Klarer konnte er den US-Einfluss auf die Regierung in Kiew nicht demonstrieren.<\/p><p>Auch Obama hatte Russland schon abwertend &bdquo;<em>Regionalmacht<\/em>&ldquo; genannt. Und Biden hatte Erfolg: Putin reagierte mit seinem Vertragsangebot, das auf Entspannung ausgerichtet war. Und Biden hat es &ndash; wohlweislich &ndash; nicht angenommen. So wurde der Krieg unvermeidbar, der ja auch von den US-Geheimdiensten richtig vorhergesagt wurde: do ut des.<\/p><p><strong>7. Die Fehler der Sowjetunion und Russlands<\/strong><\/p><p>Die beiden folgenden Fehler sind wohl Gorbatschow zuzuschreiben, der dem Westen zu sehr vertraute; er hatte vergeblich auf eine tiefgreifende Erneuerung der westlichen Strukturen, Institutionen und Denkweisen f&uuml;r das &bdquo;gemeinsame Haus Europa&ldquo; gehofft:<\/p><p>In der Charta von Paris aus dem Jahr 1990 sind die Prinzipien der unteilbaren Sicherheit und der freien B&uuml;ndniswahl enthalten. Das Prinzip der unteilbaren Sicherheit wurde folgenderma&szlig;en formuliert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nun, da die Teilung Europas zu Ende geht, werden wir unter uneingeschr&auml;nkter gegenseitiger Achtung der Entscheidungsfreiheit eine neue Qualit&auml;t in unseren Sicherheitsbeziehungen anstreben. Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden. Wir verpflichten uns daher, bei der Festlegung von Vertrauen und Sicherheit untereinander sowie bei der F&ouml;rderung der R&uuml;stungskontrolle und Abr&uuml;stung zusammenzuarbeiten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Prinzip der freien B&uuml;ndniswahl so:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die beispiellose Reduzierung der Streitkr&auml;fte durch den Vertrag &uuml;ber Konventionelle Streitkr&auml;fte in Europa wird &ndash; gemeinsam mit neuen Ans&auml;tzen f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit innerhalb des KSZE-Prozesses &ndash; unser Verst&auml;ndnis von Sicherheit in Europa ver&auml;ndern und unseren Beziehungen eine neue Dimension verleihen. In diesem Zusammenhang bekennen wir uns zum Recht der Staaten, ihre sicherheitspolitischen Dispositionen frei zu treffen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Einen Vorrang eines dieser Prinzipien kann man diesen Formulierungen wohl nicht entnehmen. Das hat sich m.E. sp&auml;ter ge&auml;ndert, wohl als Reaktion auf die 1997 beschlossenen und 1999 durchgef&uuml;hrten Beitritte Polens, Tschechiens und Ungarns. Denn beim Gipfeltreffen der OSZE in Istanbul im November 1999 hat man beide Prinzipien in der Nr. 8 zusammengefasst:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;8. Jeder Teilnehmerstaat hat dasselbe Recht auf Sicherheit. Wir bekr&auml;ftigen das jedem Teilnehmerstaat innewohnende Recht, seine Sicherheitsvereinbarungen einschlie&szlig;lich von B&uuml;ndnisvertr&auml;gen frei zu w&auml;hlen oder diese im Laufe ihrer Entwicklung zu ver&auml;ndern. Jeder Staat hat auch das Recht auf Neutralit&auml;t. Jeder Teilnehmerstaat wird diesbez&uuml;glich die Rechte aller anderen achten. Sie werden ihre Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer Staaten festigen. Innerhalb der OSZE kommt keinem Staat, keiner Staatengruppe oder Organisation mehr Verantwortung f&uuml;r die Erhaltung von Frieden und Stabilit&auml;t im OSZE-Gebiet zu als anderen, noch kann einer\/eine von ihnen irgendeinen Teil des OSZE-Gebiets als seinen\/ihren Einflussbereich betrachten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der letzte Satz der Ziffer 8 stellt n&auml;mlich klar, dass keine &bdquo;<em>Organisation<\/em>&ldquo; (n&auml;mlich die NATO) &bdquo;<em>irgendeinen Teil des OSZE-Gebiets als seinen\/ihren Einflussbereich betrachten<\/em>&ldquo; kann. Das sollte klar sein; nur wurde diese Klarstellung bei den folgenden NATO-Osterweiterungen nicht beachtet. Aber: Wo kein Kl&auml;ger, da kein Richter.<\/p><p>Den zweiten Fehler sehe ich in der Unterlassung einer Regelung zur NATO-Osterweiterung im 2+4-Vertrag, der vor dem Abschluss der Charta von Paris geschlossen wurde; also in Kenntnis der Politikerzusagen anl&auml;sslich der Verhandlung des 2+4-Vertrages. Der sehr interessante, weil aktualisierte, Wikipedia-Eintrag zur NATO-Osterweiterung (mein Stand: 07.04.2022) gibt die Politiker-Zusagen gut wieder. Besonders wichtig ist die des damaligen NATO-Generalsekret&auml;rs W&ouml;rner, der wohl erm&auml;chtigt war, f&uuml;r die NATO zu sprechen: &bdquo;<em>Gerade die Tatsache, dass wir bereit sind Nato-Truppen nicht jenseits des Gebiets der Bundesrepublik Deutschland zu stationieren, gibt der Sowjetunion verbindliche Sicherheitsgarantien<\/em>&ldquo; (Rede in Br&uuml;ssel am 17.05.1990). Und beim Besuch des russischen parlamentarischen Sicherheitsausschusses bei der NATO betonte W&ouml;rner am 01.07.1991, der NATO-Rat und er seien gegen die Erweiterung der NATO, 13 von 16 NATO-Mitgliedern w&uuml;rden diesen Standpunkt unterst&uuml;tzen. &bdquo;<em>In naher Zukunft werde er sich bei seinem Treffen mit L. Walesa und dem rum&auml;nischen Staatschef A. Iliescu gegen einen NATO-Beitritt Polens und Rum&auml;niens aussprechen, was er zuvor bereits gegen&uuml;ber Ungarn und der Tschechoslowakei erkl&auml;rt habe. Wir sollten (&hellip;) nicht zulassen, dass die UdSSR von der europ&auml;ischen Gemeinschaft isoliert wird.<\/em>&ldquo;<\/p><p>Ich vermute, dass die Sowjetunion die Zusagen f&uuml;r die Nichtausdehnung der NATO vor dem Hintergrund der Charta als Gesch&auml;ftsgrundlage des 2+4-Vertrags gewertet hat. Die Versprechen zeigen, dass den Politikern die transnationale Dimension der Verhandlungen bewusst war, auch wenn der 2+4-Vertrag nur f&uuml;r das Gebiet der Ex-DDR geschlossen wurde. Die Sowjetunion h&auml;tte daher z.B. in der Pr&auml;ambel des Vertrages die deutsche Erkl&auml;rung aufnehmen k&ouml;nnen, dass sie einer Aufnahme ehemaliger Ostblockstaaten in die NATO nicht zustimmen werde.<\/p><p>Auch Putin hat schwere Fehler gemacht. Als Hauptfehler sehe ich, dass er seinen &sbquo;Freund&lsquo; Gerhard Schr&ouml;der als Repr&auml;sentant des Westens eingesch&auml;tzt hat. Daf&uuml;r sprechen ja auch die stehenden Ovationen nach seiner Rede im Deutschen Bundestag 2001, in Kenntnis der deutschen Beteiligung am v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg der NATO gegen Jugoslawien. Danach hat er praktisch zwanzig Jahre lang stillgehalten, trotz einer endlosen Kette von Provokationen.<\/p><p>Warum hat er nicht &auml;hnliche Reden wie auf der M&uuml;nchener Sicherheitskonferenz 2007, in der er die US-Provokationen und die fortgesetzte NATO-Osterweiterung aufgriff, vor der UNO-Generalversammlung gehalten; und zwar st&auml;ndig? In seinen Reden anl&auml;sslich der UNO-Jubil&auml;en, z.B. in der am 28.09.2015, streifte er die NATO-Osterweiterung und das Minsker Abkommen nur kurz. Warum hat er nicht vor dem IGH geklagt, mit einem geeigneten Sujet, z.B. nach der US-Intervention in Syrien? Oder Assad zu einer Klage motiviert?<\/p><p>Warum hat er nicht auch zum Jahreswechsel 2021\/22 nach nicht-kriegerischen Auswegen gesucht, um seine Ziele zu realisieren, z.B. durch Druck auf die Umsetzung der Minsker Abkommen, die mit ihrem Sonderstatus f&uuml;r die Ostukraine die Aufnahme der Ukraine in die NATO weitgehend verhindert h&auml;tten?<\/p><p>Das ist wohl nur zu erkl&auml;ren durch seine Entt&auml;uschung &uuml;ber die letztlich nicht russlandfreundliche Politik der Gro&szlig;en Koalition.<\/p><p>Vor allem hat Putin die Propaganda-Potenz des Westens untersch&auml;tzt:<\/p><ul>\n<li>Wo sind die st&auml;ndigen Pressekonferenzen der russischen Botschaften in der EU; vor allem nach der Schlie&szlig;ung von RT Deutsch?<\/li>\n<li>Wie wirken grimmig dreinblickende russische Milit&auml;rs auf westliche Journalisten?<\/li>\n<li>Wie reagiert Russland auf das Propaganda-Genie Selenskyj, der unverhohlen &bdquo;<em>einheitliche Informationspolitik einsetzt<\/em>&ldquo; (SZ v. 07.05.2022)?<\/li>\n<li>Mit einem langen wei&szlig;en Tisch, mit acht Metern Distanz zwischen westlichen Regierenden und Putin?<\/li>\n<\/ul><p>Nein: Russland ist in fast Allem hoffnungslos unterlegen. Die voreingenommene Berichterstattung in deutschen Mainstream-Medien ist kein Wunder.<\/p><p><strong>8. Die Aufgabe der Friedensrechtler<\/strong><\/p><p>Einstiegsaufgabe ist der Faktencheck, ohne zweierlei Ma&szlig;. In den letzten Tagen mehren sich die Anzeichen f&uuml;r einen &bdquo;Stellvertreter-Krieg&ldquo; der USA gegen Russland, f&uuml;r den die USA die Ukraine nutzen. Die USA liefern dem ukrainischen Milit&auml;r Geheimdienstinformationen &uuml;ber bevorstehende russische Angriffe oder &bdquo;<em>zur Lokalisierung und T&ouml;tung von etwa einem Dutzend russischer Gener&auml;le<\/em>&ldquo; (SZ v. 06.05.2022). Die SZ schlussfolgert, dass man die USA &bdquo;<em>als indirekten Teilnehmer der K&auml;mpfe ansehen k&ouml;nnte<\/em>&ldquo;. Am 09.05.2022 hie&szlig; es: &bdquo;<em>Gleichzeitig setzen die USA ihr Informationsoffensive &uuml;ber den desolaten Zustand der Streitkr&auml;fte und der R&uuml;stungsindustrie Russlands fort.<\/em>&ldquo; Und am 10.: Die USA seien &bdquo;<em>durch aktive Mithilfe l&auml;ngst in den Krieg involviert [&hellip;], &uuml;ber Aufkl&auml;rung, Echtzeit-Analysen, Feuerleithilfen, Cyber-Unterst&uuml;tzung oder Ausbildung<\/em>&ldquo;. Biden soll &bdquo;<em>zornig<\/em>&ldquo; auf die Ver&ouml;ffentlichung der Berichte &uuml;ber die T&ouml;tung russischer Gener&auml;le mit US-Hilfe reagiert haben.<\/p><p>Dann muss folgen eine politische Bewertung wie auf den IPPNW-Konferenzen &bdquo;<em>Kultur des Friedens<\/em>&ldquo; in der Berliner Urania. Dann sind die Friedensrechtler gefragt:<\/p><ul>\n<li>Gibt es Ans&auml;tze f&uuml;r strategic litigation?<\/li>\n<li>Gibt es Ans&auml;tze f&uuml;r die Entwicklung von V&ouml;lkerrecht, das Provokationen illegalisiert, wenn sie zum Krieg f&uuml;hren k&ouml;nnen?<\/li>\n<li>Wie kann man die UN-Charta nutzen?<\/li>\n<\/ul><p><strong>9. Die Aufgabe der EU und besonders Deutschlands<\/strong><\/p><p>Michael L&uuml;ders hat 2021 ein Buch mit dem Titel <em>Die scheinheilige Supermacht. Warum wir aus dem Schatten der USA heraustreten m&uuml;ssen<\/em> vorgelegt. Auf ihn beziehe ich mich bei den folgenden Ausf&uuml;hrungen. L&uuml;ders greift in seinen Kapiteln<\/p><ul>\n<li><em>&laquo;Fackeln der Freiheit&raquo;: Big Business bew&auml;hrt sich als Meister der Manipulation<\/em><\/li>\n<li><em>Das Propaganda-Modell: Wie Medien unsere Wahrnehmung filtern<\/em><\/li>\n<li><em>Macht und Meinungsmanagement: Die Guten gegen die B&ouml;sen<\/em><\/li>\n<li><em>Die Welt geh&ouml;rt uns: Von der &laquo;B&uuml;rde des wei&szlig;en Mannes&raquo; bis zum Einsatz f&uuml;r Freiheit und Demokratie<\/em><\/li>\n<li><em>Das Wahre ist das Ganze: Die Welt neu denken<\/em><\/li>\n<\/ul><p>vor allem die Propaganda-Instrumentarien der USA auf. Das Pentagon besch&auml;ftigt 27.000 Propaganda-Mitarbeiter! Die USA sind seit der Monroe-Doktrin 1823 in eine Vielzahl von Kriegen und Interventionen verstrickt (aufschlussreich William Blum: <em>Zerst&ouml;rung der Hoffnung. Bewaffnete Interventionen der USA und der CIA seit dem Zweiten Weltkrieg<\/em>, 2008).<\/p><p>Auch Helmut Schmidt hat in seinem Buch <em>Die Selbstbehauptung Europas. Perspektiven f&uuml;r das 21. Jahrhundert<\/em> (2000) europ&auml;ische Autonomie propagiert. Lesenswert sind vor allem die folgenden Kapitel:<\/p><ul>\n<li><em>Amerikanische Dominanz<\/em>\n<p><em>Unw&auml;gbarkeiten der amerikanischen Au&szlig;enpolitik &ndash; Avancen und Drohungen gegen&uuml;ber Ru&szlig;land &hellip; und gegen&uuml;ber China &ndash; Das au&szlig;enpolitische Desinteresse der Amerikaner &ndash; Ihr nationales Sendungsbewu&szlig;tsein &ndash; Die sogenannte &raquo;neue NATO&laquo; &ndash; Drohende Interessenkonflikte mit den europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten &ndash; Amerikanische Pseudokultur &ndash; Die Macht der Medienkonzerne &ndash; Der Siegeszug des amerikanischen Englisch<\/em><\/p><\/li>\n<li><em>Die notwendige B&uuml;ndelung europ&auml;ischer Interessen<\/em>\n<p><em>Zwei Bedingungen k&uuml;nftiger Entwicklungshilfe &ndash; Von den Klimaschutzkonferenzen zu einer globalen Energiepolitik &ndash; Zur Entstehungsgeschichte des Euro &ndash; Die Bedeutung der gemeinsamen W&auml;hrungs- und Finanzpolitik &ndash; Die Neuordnung der globalen Finanzm&auml;rkte &ndash; Das Beispiel Airbus und Europ&auml;ische Raumfahrt-Agentur &ndash; R&uuml;stungs-Zusammenarbeit<\/em><\/p><\/li>\n<\/ul><p>Schlie&szlig;lich hat j&uuml;ngst Josef Braml in seinem Buch <em>Die transatlantische Illusion. Die neue Weltordnung und wie wir uns darin behaupten k&ouml;nnen<\/em> (2022) f&uuml;r europ&auml;ische Souver&auml;nit&auml;t pl&auml;diert.<\/p><p>Deutschland kommt als Urheber zweier Weltkriege eine besondere Verantwortung f&uuml;r &bdquo;Frieden durch Recht&ldquo; zu. Deswegen muss Deutschland eine leitende Rolle einnehmen.<\/p><p>Titelbild: Evan El-Amin \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lohnt sich, diese Frage zu stellen. Denn es gibt &uuml;berraschende Resultate. Hat der Hauptbeg&uuml;nstigte diesen Krieg provoziert? 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