{"id":83934,"date":"2022-05-16T15:02:40","date_gmt":"2022-05-16T13:02:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83934"},"modified":"2022-05-16T16:09:39","modified_gmt":"2022-05-16T14:09:39","slug":"die-verbreitung-des-grundgefuehls-wir-sind-die-guten-ist-die-wirkungsvollste-methode-der-manipulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83934","title":{"rendered":"Die Verbreitung des Grundgef\u00fchls \u201eWir sind die Guten\u201c ist die wirkungsvollste Methode der Manipulation"},"content":{"rendered":"<p>Wenn unsere Au&szlig;enministerin &uuml;ber die Sanktionen gegen Russland spricht, wie zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article237145901\/Ukraine-Krieg-Baerbock-bestaetigt-EU-Sanktionen-gegen-Putin-und-Lawrow.html\">hier<\/a>, wenn sie verk&uuml;ndet, die Sanktionen w&uuml;rden Russland ruinieren, dann nimmt ihr die Mehrheit diese Politik und diese Sprache vermutlich vor allem deshalb ab, weil als Grundton mitschwingt, dass Frau Baerbock wie auch andere Vertreter des Westens auf der Seite der Guten steht. Dieses Grundgef&uuml;hl aufgebaut zu haben und dann auch immer zu nutzen, ist eine der ganz gro&szlig;en Leistungen des Westens. Wegen der Bedeutung dieser Manipulationsmethode habe ich diese in die erweiterte Neuauflage meines Buches &bdquo;Glaube wenig &hellip;&ldquo; aufgenommen. Hier folgt Nummer 18 der Methoden als Leseprobe:<br>\n<!--more--><br>\n<em><strong>Albrecht M&uuml;ller: &bdquo;Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut&ldquo;, erweiterte und &uuml;berarbeitete Neuauflage, 192 Seiten, Westend Verlag, 9.5.2022<\/strong><\/em><\/p><p>Demokratie klingt sch&ouml;n. Tats&auml;chlich wird sie t&auml;glich ausgeh&ouml;hlt. Wir alle werden st&auml;ndig bedr&auml;ngt zu denken, was andere uns vorsagen. Die meisten politischen Entscheidungen werden unter dem Einfluss massiver Propaganda getroffen &ndash; von der Agenda 2010 bis zu den neuen Kriegen. Dieses Buch hilft, sich aus dem Gestr&uuml;pp der Manipulationen zu befreien. Albrecht M&uuml;ller beschreibt g&auml;ngige Methoden der Manipulation sowie F&auml;lle gelungener oder versuchter Meinungsmache und analysiert die dahintersteckenden Strategien. Es ist an der Zeit, skeptischer zu werden, nur noch wenig zu glauben und alles zu hinterfragen. Es ist Zeit, wieder selbst zu denken.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/club-der-klaren-worte\/langemanns-buchempfehlungen\/glaube-wenig-hinterfrage-alles-denke-selbst.html?listtype=search&amp;searchparam=albrecht%20m%C3%BCller\">Albrecht M&uuml;ller: Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst<\/a><\/p><p><strong>Auszug: 18. Die Verbreitung und Nutzung des Grundgef&uuml;hls &raquo;Wir sind die Guten&laquo;<\/strong><\/p><p>Die Verbreitung des Gef&uuml;hls, dass wir hier im Westen ehrenwert, freiheitlich, gut, demokratisch und vorbildlich sind, ist als Methode der Manipulation nicht so einfach zu begreifen wie zum Beispiel die Methoden Wiederholen, &Uuml;bertreiben, Verschweigen oder Geschichten verk&uuml;rzt erz&auml;hlen. Und dennoch kann die Verbreitung des Grundgef&uuml;hls, wir hier im Westen seien die Guten, als eine Methode der Manipulation verstanden werden. Die Methode ist &uuml;beraus wirksam und bestimmt einen weiten Bereich des gegenw&auml;rtigen politischen Lebens.<\/p><p>Es ist eine ungeheuer gro&szlig;e Leistung des Westens, sich als eine rundum gute Welt etabliert zu haben. Genauer m&uuml;sste ich wohl sagen: das Gef&uuml;hl und den Eindruck erweckt und gefestigt zu haben, dass wir hier die Guten sind. Es ist ein Grundgef&uuml;hl westlicher Gesellschaften und wird von den dort lebenden Menschen mehrheitlich nicht hinterfragt, sondern genutzt. Dieses Selbstwertgef&uuml;hl nutzen zu k&ouml;nnen, ist ja auch sch&ouml;n und hilfreich. In allen Lebenslagen. Denn mit diesem Grundgef&uuml;hl lebt es sich recht gut. Wir hier im Westen sind, ohne jeweils besonders viel zum Aufbau dieses Grundgef&uuml;hls getan zu haben, die Profiteure dieses Arrangements.<\/p><p>Dieses Grundgef&uuml;hl kann, ohne immer wieder neu erkl&auml;rt und begr&uuml;ndet werden zu m&uuml;ssen, benutzt werden. Jegliche Diskussion ist ausgeschlossen; so ist die Welt halt aufgeteilt.<\/p><p>Die am 8. Dezember 2021 ernannte Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock hat dieses f&uuml;r uns im Westen bequeme Weltbild voll in sich aufgenommen. Sie hatte in einem Interview mit der taz, das acht Tage vor ihrer Ernennung zur Ministerin gef&uuml;hrt worden war, erkl&auml;rt: &raquo;Als europ&auml;ische Demokratien und Teil eines transatlantischen demokratischen B&uuml;ndnisses stehen wir &hellip; auch in einem Systemwettbewerb mit einem autorit&auml;r gef&uuml;hrten Regime wie China.&laquo; Sie spricht auch von einer &raquo;Werte geleiteten&laquo; Au&szlig;enpolitik. Au&szlig;erdem bezieht sie in den Kreis dieser von Werten geleiteten Nationen ganz selbstverst&auml;ndlich auch die USA ein. Ohne Pr&uuml;fung des Realit&auml;tsgehalts dieser Behauptung. Also ohne Beachtung der vielen Kriege, die die USA gef&uuml;hrt und mit L&uuml;gen begr&uuml;ndet haben, und ohne R&uuml;cksicht auf die Millionen Toten und die vielen von den USA und ihren Alliierten zerst&ouml;rten L&auml;nder und Kulturen. &Uuml;brigens auch ohne Beachtung der inneren Verh&auml;ltnisse in vielen Teilen der westlichen Welt. Auch im Westen gibt es himmelschreiendes Unrecht und Ungerechtigkeiten. Gewalt und Egoismus werden gesch&uuml;rt. Der Begriff &raquo;Wertegemeinschaft&laquo; dient eben vor allem der verschleiernden Propaganda als Paravent und nicht der Beschreibung der Situation eines Landes oder der westlichen Welt insgesamt.<\/p><p>Es ist begehrt, zu diesem Kreis der Auserw&auml;hlten und Guten zu geh&ouml;ren. Das konnte man bei der Integration der fr&uuml;heren Staaten des Ostblocks, der Warschauer-Pakt-Staaten in die Europ&auml;ische Union und in die NATO beobachten. Damit wurde das Selbstwertgef&uuml;hl dieser Nationen offensichtlich gest&auml;rkt. Entsprechend militant verhalten sich diese V&ouml;lker und Nationen, zum Beispiel Polen, Balten, Tschechen und Rum&auml;nen, bei der Verteidigung dieser &raquo;westlichen Wertegemeinschaft&laquo;. Andere brennen darauf, auch dazuzugeh&ouml;ren, viele Ukrainer und Georgier zum Beispiel.<\/p><p>Den Koalitionsvertrag der neuen Ampelkoalition, der im November 2021 ver&ouml;ffentlicht wurde, durchzieht wie ein roter Faden das Grundgef&uuml;hl, wir und damit auch die neue Regierung geh&ouml;rten zu den Guten. In der Pr&auml;ambel, im au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Teil, immer wieder wird ohne jegliche kritische Randnotiz gepriesen, wir lebten in einer Demokratie. Die Europ&auml;ische Union wird im Interesse dieser Wahrnehmung &uuml;berh&ouml;ht zu einer besonderen Gemeinschaft der Guten. Da hei&szlig;t es: &raquo;Wir handeln im europ&auml;ischen Selbstverst&auml;ndnis, eingebettet in das historische Friedens- und Freiheitsprojekt der Europ&auml;ischen Union (EU).&laquo;<\/p><p>Und dann taucht in diesem Papier ein Begriff auf, von dem man eigentlich h&auml;tte annehmen m&uuml;ssen, er sei schon zu den Akten gelegt: Systemwettstreit. Ich zitiere w&ouml;rtlich aus der Pr&auml;ambel des Koalitionsvertrags: &raquo;Im internationalen Systemwettstreit gilt es, unsere Werte entschlossen mit demokratischen Partnern zu verteidigen.&laquo; Systemwettstreit, Systemwettbewerb &ndash; das sind Begriffe aus dem Zeitalter der Konfrontation zwischen dem kapitalistischen Westen und dem kommunistischen Osten. Er wird jetzt neu aufgelegt, obwohl zumindest in Russland, also beim Hauptgegner, das kommunistische System ja gar nicht mehr aktuell ist und schon deshalb ein Systemwettbewerb nicht stattfinden kann. Und selbst China hat in der Praxis schon lange kapitalistische Z&uuml;ge. Deshalb macht es auch im Verh&auml;ltnis zu China wahrlich keinen Sinn, von Systemwettstreit zu sprechen. Aber die Vorstellung von der Systemkonkurrenz wird gebraucht, um sich selbst herauszuputzen, sich &uuml;ber die Anderen zu erheben. Das ist das, was ich mit der Manipulationsmethode &raquo;Wir sind die Guten&laquo; meine.<\/p><p>Um das Grundgef&uuml;hl, zu der auserw&auml;hlten Schar der Guten zu geh&ouml;ren, zu f&ouml;rdern und zu erhalten, muss alles getan werden, um die Realit&auml;ten auszublenden, zu verschweigen, zu verwischen. Denn die Realit&auml;t ist nicht so, wie wir sie bei uns im Westen gerne h&auml;tten.<\/p><p>In den USA zum Beispiel muss man Milliarden &ndash; nicht Millionen &ndash; man muss Milliarden Dollar besitzen oder mobilisieren, um in einem Pr&auml;sidentschaftswahlkampf antreten zu k&ouml;nnen und eventuell Pr&auml;sident zu werden. Die Gesamtkosten des Pr&auml;sidentschaftswahlzyklus 2020 beliefen sich auf knapp 14 Milliarden US-Dollar.34<\/p><p>Nur Superreiche oder ihre Beauftragten haben eine Chance, in diesem Wettbewerb &uuml;berhaupt anzutreten. Die dortige Gesellschaft ist keine Gesellschaft der Gleichen. Und das w&auml;re eigentlich eine Eigenschaft, die einer Demokratie zuallererst eigen sein sollte. Nichts davon. Auch in Europa &auml;ndert sich das in Richtung der Verh&auml;ltnisse in den USA. So wurde der SPD-Parteitag im Dezember 2021 unter anderem von Microsoft und dem Impfstoff-Giganten Pfizer gesponsert.35<\/p><p>Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Wirklichkeit in den USA ist alles andere als wertorientiert. Der Umgang miteinander und der Umgang der staatlichen Stellen, zum Beispiel der Polizei mit den B&uuml;rgern, ist oft gepr&auml;gt von Gewalt, Rassismus und Klassendenken. Im Jahr 2020 wurden 1021 Menschen von der Polizei erschossen, darunter &uuml;berproportional viele Schwarze und Menschen lateinamerikanischen Ursprungs.36 Der Journalist Julian Assange wird von den USA &ndash; unterst&uuml;tzt von Gro&szlig;britannien und anderen westlichen L&auml;ndern &ndash; unmenschlich behandelt. Er hatte als Whistleblower wichtige Informationen &uuml;ber undemokratische Machenschaften der USA ver&ouml;ffentlicht. Deshalb wird er verfolgt, eingesperrt, seine Gesundheit und seine Familie ruiniert. Aber diese Schandtaten werden von uns Guten im Westen geschickt mit Propaganda &uuml;berlagert. Oder verschwiegen. Geschieht so etwas in Russland oder in China, dann prangern wir das an und die Gazetten sind voll von Klagen &uuml;ber Menschenrechtsverletzungen in diesen L&auml;ndern. <\/p><p>Alleine der Umgang mit Assange reicht aus, um zu begr&uuml;nden, wie verlogen die Manipulationsmethode &raquo;Wir sind die Guten&laquo; ist.<\/p><p>Auch anderswo, zum Beispiel in Frankreich, gibt es autorit&auml;re Str&ouml;mungen. Daf&uuml;r sorgen schon das Pr&auml;sidialsystem und das Schattendasein demokratischer Parteien. In Gro&szlig;britannien ist die Arbeiterklasse nach wie vor weit entfernt von der Mitbestimmung des Geschehens im Land. Und in unserem Land ist die Machtverteilung alles andere als demokratisch &ndash; hohe Konzentration der Medien in wenigen H&auml;nden. Sie bestimmen oft mehr als die gew&auml;hlten Politikerinnen und Politiker, was zur &ouml;ffentlichen Meinung wird und wie entschieden wird.<\/p><p>Die eklatant ungerechte und immer schlimmer werdende Verteilung von Einkommen und Verm&ouml;gen tut ihr &Uuml;briges. Jugendliche in der Unterschicht teilen vermutlich nicht das Grundgef&uuml;hl, sie geh&ouml;rten zu den Guten auf dieser Welt. Rentner und Rentnerinnen, die im hohen Alter noch arbeiten oder Flaschen sammeln m&uuml;ssen, um finanziell zu &uuml;berleben, k&ouml;nnen gar nicht daran denken, dass diese Gesellschaft eine Gesellschaft der Gleichen, wenigstens der Gleichberechtigten und damit der Guten sei, sie erfahren es t&auml;glich anders. Allerdings strengen sich die meisten Medien, die von verm&ouml;genden Leuten beherrscht werden, unentwegt an, um den Benachteiligten den Eindruck und das Gef&uuml;hl zu vermitteln, sie lebten in einer Demokratie und wir alle seien gleich und zusammen die Guten.<\/p><p>In der Welt der Guten lebt sich&rsquo;s gut. Deshalb wird auch viel getan, um das Image der westlichen Demokratien zu pflegen. Ein ganz besonderes Projekt ist der &raquo;Demokratie-Gipfel&laquo;. Zu diesem hatte US-Pr&auml;sident Biden f&uuml;r den 9. und 10. Dezember 2021 geladen. Der virtuell stattfindende Gipfel soll eine Plattform zur Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten sein &ndash; im eigenen Land und im Ausland sowie zur gemeinsamen Abwehr der gr&ouml;&szlig;ten Gefahren, denen sich Demokratien heute gegen&uuml;bersehen. Das Projekt ist offensichtlich l&auml;ngerfristig angelegt.<\/p><p>Typisch ist die Abgrenzung gegen das B&ouml;se. Joe Biden hatte schon in seinem Wahlprogramm angek&uuml;ndigt, ein globales Gipfeltreffen der Staaten der freien Welt mit dem vorrangigen Ziel, &raquo;Russlands Aggression abzuwehren, die milit&auml;rischen F&auml;higkeiten der NATO auf hohem Niveau aufrechtzuerhalten und Russland die realen Kosten f&uuml;r seine Verletzung internationaler Normen aufzub&uuml;rden&laquo;, zu arrangieren. Gleichzeitig sollte eine einheitliche Front gegen Chinas offensive Aktionen und Menschenrechtsverletzungen aufgebaut werden. Biden w&ouml;rtlich: &raquo;Die Verteidigung demokratischer Werte ist in unsere nationale DNA eingeschrieben.&laquo; Diese T&ouml;ne, auch die harten T&ouml;ne des US-Pr&auml;sidenten gegen&uuml;ber Russland, stammen von 2020 und damit aus einer Zeit lange vor der milit&auml;rischen Aggression Russlands gegen&uuml;ber der Ukraine. Der Zusammensto&szlig; der angeblich Guten mit den B&ouml;sen war angelegt.<\/p><p><strong>Die immer wieder genutzte Kombination mit dem Wippschaukeleffekt<\/strong><\/p><p>Den Eindruck zu vermitteln, wir seien untadelig und die Guten und wir h&auml;tten das richtige Modell &ndash; im Unterschied zu anderen V&ouml;lkern &ndash;, gelingt dann besonders gut, wenn man immer wieder Ereignisse schaffen kann, an denen man zeigen kann, wie schlecht die Anderen sind.<\/p><p>Das geschieht in der &ouml;ffentlichen Debatte unentwegt. Manchmal muss man den Eindruck gewinnen, der Westen habe sich auch deshalb von der 1990 verabredeten Kooperation und Partnerschaft mit Russland verabschiedet, um Russland als gescheitert, als schlecht, als minderwertig darstellen zu k&ouml;nnen. Es wird alles unternommen, um diesen Zustand herzustellen. Etwa indem Kontrahenten wie Russland, Syrien oder Kuba durch Sanktionen und auch durch Aufr&uuml;stung so gro&szlig;e Lasten auferlegt werden, dass diese V&ouml;lker in Schwierigkeiten geraten. Im Falle Syriens hat man offen davon gesprochen, das System Assad aushungern zu wollen. F&uuml;r Kuba gilt &Auml;hnliches.<\/p><p>Im Kern waren auch die verschiedenen Kriege, die der Westen in Afghanistan, gegen den Irak, gegen Serbien, gegen Syrien und gegen Libyen gef&uuml;hrt hat, immer auch Mittel zur Selbstdarstellung und &ndash; damit eng verkn&uuml;pft &ndash; zur Dem&uuml;tigung anderer V&ouml;lker. Es steht au&szlig;er Frage, dass es in den genannten L&auml;ndern problematische F&uuml;hrungspersonen gibt, dass es Polizeigewalt und Unterdr&uuml;ckung gibt. Aber der heutige Westen hat seltsamerweise nie einen &auml;hnlichen Versuch gemacht wie Ende der 1960er Jahre. N&auml;mlich im Rahmen der Entspannungspolitik die inneren Verh&auml;ltnisse dieser Staaten und V&ouml;lker dadurch zu verbessern, dass man zusammenarbeitet. Man nannte das Konzept damals &raquo;Wandel durch Ann&auml;herung&laquo;. Jetzt suchen die F&uuml;hrer des Westens die Konfrontation, um negativen Wandel auszul&ouml;sen. <\/p><p>Wer davon lebt, wer politisch und geistig davon lebt, behaupten zu k&ouml;nnen, er oder sie seien die Guten, der braucht schlechtere Verh&auml;ltnisse bei anderen V&ouml;lkern und in anderen L&auml;ndern. Deshalb zielt die heute erkennbare politische Linie auf Konfrontation und nicht auf die positiv erprobte Linie der Vers&ouml;hnung und der Verst&auml;ndigung. <\/p><p>Jahrelang hatte der Westen mit China ziemlich unproblematisch zusammengearbeitet. Westliche Unternehmen, auch viele deutsche Unternehmen, haben dort investiert. China hat Waren exportiert und importiert, China hat auch Kapital exportiert und hat im Westen Unternehmen gekauft oder aufgebaut. In den letzten Jahren ist das alles schwieriger geworden. China wird jetzt vermehrt als Feind und Gegner dargestellt. Das hat teilweise milit&auml;rische Konsequenzen und nimmt Formen der Konfrontation an. In den China benachbarten Gew&auml;ssern patrouillieren westliche Kriegsschiffe, die NATO ist dort t&auml;tig und die Bundeswehr hat eine Fregatte in den Fernen Osten geschickt. Das sind Vorg&auml;nge und Aktionen, die wir uns zum Beispiel 2010 nicht h&auml;tten vorstellen k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Die Guten brauchen als Gegenspieler das B&ouml;se. Auch im Falle Chinas<\/strong><\/p><p>Einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r diese ziemlich dramatischen Ver&auml;nderungen liegt in der Notwendigkeit, sich als die Guten darzustellen. Wenn man diese Rolle glaubhaft spielen will, dann muss das konkurrierende Gegen&uuml;ber in unfreundlichen, d&uuml;steren Farben dargestellt werden. Und es m&uuml;ssen Ereignisse der Konfrontation und des Sich-aneinander-Reibens geschaffen oder provoziert werden, und vor allem m&uuml;ssen diese publiziert und st&auml;ndig wiederholt werden, um so den schlechten Charakter des Gegen&uuml;bers und den guten eigenen Charakter &ouml;ffentlich sichtbar zu machen und wirken zu lassen.<\/p><p>Im Herbst des Jahres 2021 begann beispielsweise eine Kampagne des Westens gegen China. Aufh&auml;nger war ein Post der Weltklassetennisspielerin Peng Shuai. Sie hatte &ouml;ffentlich gemacht, dass sie von einem chinesischen Spitzenpolitiker sexuell gen&ouml;tigt worden sei. Sie verschwand daraufhin und war vor&uuml;bergehend nicht erreichbar. Eine schlimme Sache. Statt sich aber im Stillen f&uuml;r die Tennisspielerin einzusetzen, begann eine laute Kampagne zum Thema. Die <em>Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/em> forderte am 28. November 2021 den Boykott der Olympischen Winterspiele, das Europ&auml;ische Parlament forderte einen diplomatischen Boykott und wurde von den USA, von Gro&szlig;britannien und Australien unterst&uuml;tzt. &Auml;hnliche Vorw&uuml;rfe etwa der US-amerikanischen Turnerinnen gegen ihren Trainer zogen keine vergleichbaren Boykottaufrufe nach sich.<\/p><p>Die laut veranstaltete Besch&ouml;nigung der eigenen Lage durch Konfrontation mit dem B&ouml;sen in China war im konkreten Fall bitter n&ouml;tig. Denn zur gleichen Zeit, im November 2021, waren zwei der angeblich Guten aneinandergeraten: Der franz&ouml;sische Pr&auml;sident und der britische Premierminister stritten sich dar&uuml;ber, wie und von wem Fl&uuml;chtlinge von dem Versuch, den &Auml;rmelkanal im eisig-nassen November mit Schlauchbooten zu &uuml;berqueren, abgehalten werden k&ouml;nnen. Gerade waren 27 Menschen bei einem solchen Versuch ertrunken. &raquo;Die Trag&ouml;die ist die Folge der Fehler von Boris Johnson&laquo;, meinte der Spiegel am 25. November 2021. Der Streit ging vor allem um die Forderung Johnsons, Frankreich solle diese und andere Fl&uuml;chtlinge zur&uuml;cknehmen.<\/p><p>Ja, so sind sie, die Guten. Sie lassen Menschen im &Auml;rmelkanal ertrinken und attackieren gleichzeitig die B&ouml;sen in Moskau und in Peking, in Minsk und in Damaskus.<\/p><p>Die Gr&ouml;&szlig;enordnungen des schlimmen Ereignisses im &Auml;rmelkanal ist &uuml;brigens harmlos gemessen an der Gesamtbilanz des Wertewestens beim Umgang mit Menschen, die &uuml;bers Mittelmeer zu fl&uuml;chten versuchten und versuchen. Ich zitiere Statista: <\/p><p>Im Mittelmeer ertrunkene Fl&uuml;chtlinge von 2014 bis 2021: 22 931. Im Jahr 2021 starben bis zum 24. November 1 645 Menschen bei der Flucht &uuml;ber das Mittelmeer.37 <\/p><p>Was hier geschieht, ist unw&uuml;rdig, unmenschlich &ndash; aber das macht nichts, wir sind die Guten. Jedenfalls haben es 22 931 Menschen mit ihrem Tod noch nicht geschafft, die Manipulationsmethode Wir sind die Guten zu ersch&uuml;ttern. Die neue Regierung in Berlin und alle anderen westlichen Regierungen nutzen weiter dieses herrliche Grundgef&uuml;hl. Und wir alle machen das mit, weil es auch uns ein sch&ouml;nes Gef&uuml;hl vermittelt. Damit &uuml;berlagern wir &uuml;brigens auch die Tatsache, dass hierzulande, in Ramstein in der Pfalz, die US-amerikanischen Drohnenangriffe gesteuert werden. Sie haben Tausende von Menschen das Leben gekostet oder sie zu Kr&uuml;ppeln geschossen. Aber das macht nichts. Wir sind die Guten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn unsere Au&szlig;enministerin &uuml;ber die Sanktionen gegen Russland spricht, wie zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article237145901\/Ukraine-Krieg-Baerbock-bestaetigt-EU-Sanktionen-gegen-Putin-und-Lawrow.html\">hier<\/a>, wenn sie verk&uuml;ndet, die Sanktionen w&uuml;rden Russland ruinieren, dann nimmt ihr die Mehrheit diese Politik und diese Sprache vermutlich vor allem deshalb ab, weil als Grundton mitschwingt, dass Frau Baerbock wie auch andere Vertreter des Westens auf der Seite der Guten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83934\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,11],"tags":[2665,379,1055,2727,305,2510,259,2700,1556,291],"class_list":["post-83934","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-strategien-der-meinungsmache","tag-baerbock-annalena","tag-china","tag-fluechtlinge","tag-glaube-wenig-buch","tag-menschenrechte","tag-methoden-der-manipulation","tag-russland","tag-systemkonkurrenz","tag-usa","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83934","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83934"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83935,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83934\/revisions\/83935"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83934"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}