{"id":840,"date":"2005-08-15T16:32:44","date_gmt":"2005-08-15T14:32:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=840"},"modified":"2016-03-06T10:43:44","modified_gmt":"2016-03-06T09:43:44","slug":"was-bei-aller-berechtigten-kritik-an-der-ubernahme-von-prosiebensat1-durch-den-springer-konzern-vergessen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=840","title":{"rendered":"Was bei aller berechtigten Kritik an der \u00dcbernahme von ProSiebenSat.1 durch den Springer-Konzern vergessen wird:"},"content":{"rendered":"<p>Presse- und Medienfreiheit ist die Freiheit einiger weniger reichen Leute, die ihre wirtschaftlichen Interessen mit ihrer Medienmacht verteidigen und politisch durchsetzen.<br>\n<!--more--><br>\nDer Kauf der ProSiebenSat.1 Media AG durch die Axel Springer AG wird in vielen Medien, die nicht zum Springer Verlag geh&ouml;ren, wie etwa in der &bdquo;Zeit&ldquo;, der &bdquo;Berliner Zeitung&ldquo;, der &bdquo;FAZ&ldquo;, der &bdquo;Hamburger Morgenpost&ldquo; und auch von der ARD und dem ZDF, als besorgniserregende Medienkonzentration und Gefahr f&uuml;r die Meinungsvielfalt kritisiert. <\/p><p>Der CDU-Medienexperte G&uuml;nter Nooke sieht in der Fusion allerdings eine &bdquo;St&auml;rkung des Medienstandorts Deutschland&ldquo; und aus der Provinzperspektive der &bdquo;klugen Bayern&ldquo; spricht Ministerpr&auml;sident Stoiber von einer &bdquo;St&auml;rkung des Medienstandortes Bayern&ldquo;. Selbst die FDP sieht in dem Zusammenschluss aber einen &bdquo;ordnungspolitischen S&uuml;ndenfall&ldquo;, die Gr&uuml;nen wollen die kartellrechtlichen Regelungen &uuml;berpr&uuml;fen und SPD-Fraktionsvize Stiegler hofft, dass die weitere Zusammenballung von Meinungsmacht von den Kartellbeh&ouml;rden untersagt wird. (Man h&auml;tte allerdings bei Rot-Gr&uuml;n erst gar nicht auf das Kartellamt zu setzen brauchen, wenn der Wirtschaftsminister, statt solche Fusionen im Interesse des Medienstandortes zu begr&uuml;&szlig;en, eindeutige gesetzliche Regelungen ins Parlament eingebracht h&auml;tte.) Sauer sind auch einige Verlagswettbewerber, wie der Holtzbrinck-Verlag &ndash; das aber vor allem deshalb, weil diesem Mit-Oligopolisten von der Kartellbeh&ouml;rde der Besitz zweier Berliner Zeitungen, n&auml;mlich dem &bdquo;Tagesspiegel&ldquo; und der &bdquo;Berliner Zeitung&ldquo;, bisher verweigert wurde. &Auml;hnliche Motive treiben auch das K&ouml;lner Haus Neven Du Mont oder den S&uuml;ddeutschen Verlag um. M&ouml;glicherweise auch deswegen, d&uuml;rfen in deren verlagseigenen Bl&auml;ttern auch <a href=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/text\/2005\/33\/Springer1\" title=\"Externer Link zu http:\/\/zeus.zeit.de\/text\/2005\/33\/Springer1\">kritische T&ouml;ne<\/a> laut werden. Auffallend zur&uuml;ckhaltend reagieren Bertelsmann, Bauer, Burda oder die WAZ-Gruppe, dort f&uuml;hlt man sich wohl im Glashaus sitzend und wagt deshalb nicht, Steine zu werfen. <\/p><p>Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Bundeskartellamt, dessen Pr&auml;sident Ulf B&ouml;ge eine intensive Pr&uuml;fung verspricht. Kann man sich also unbesorgt zur&uuml;cklehnen und abwarten? <\/p><p>Das Kartellrecht kann allenfalls die wettbewerbsrechtlichen Aspekte &uuml;berpr&uuml;fen, also ob es durch die Fusion zu einer wirtschaftlichen, das Marktgeschehen beeintr&auml;chtigenden &ouml;konomischen &Uuml;bermachtstellung kommt. &Ouml;konomischer Wettbewerb auf dem Medienmarkt ist zwar &ndash; wie auf jedem Markt &ndash; gut und sch&ouml;n, v&ouml;llig ausgeblendet bleiben bei dieser kartellrechtlichen Pr&uuml;fung jedoch die Aspekte des &ouml;ffentlichen Interesses, also die Gew&auml;hrleistung der Meinungsvielfalt als grundlegende Voraussetzung f&uuml;r eine offene, breite und vielf&auml;ltige Interessen ber&uuml;cksichtigende demokratische Meinungsbildung.<br>\nUnd gerade die Vielfalt der Meinungen in den Medien, die liegt &ndash; mit oder ohne den Sprung Springers ins TV-BILD &ndash; schon l&auml;ngst im Argen.<br>\nDas gilt in ganz besonderer Weise, wenn es um wirtschafts-, sozial- oder gesellschaftspolitische Themen geht. Wir haben auf den NachDenkSeiten schon h&auml;ufig beklagt, dass sich die ver&ouml;ffentlichte Meinung, etwa wenn es um die Reform des Sozialstaats oder wenn es um die Ankurbelung der Wirtschaft zur Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen geht, auf einem eindimensionalen Mainstream bewegt. Im Gegensatz zu ausl&auml;ndischen Medien herrscht bei uns in Deutschland eine einseitige &bdquo;angebotsorientierte&ldquo; Betrachtungsweise, die eine L&ouml;sung aller Probleme vor allem in einer Verbesserung der unternehmensseitigen Angebotsbedingungen sieht. Unisono wird verlangt, die Unternehmenssteuern zu senken, die Lohnnebenkosten zu senken, die Staatsquote zu senken, die Arbeitnehmerrechte einzuschr&auml;nken usw.usf. <\/p><p>Da m&ouml;gen die Verleger noch so sehr die publizistische Vielfalt in Deutschland r&uuml;hmen, nichts f&uuml;hrt an der Tatsache vorbei, dass die vier Gro&szlig;konzerne Bertelsmann, Springer, Bauer und Burda die ver&ouml;ffentlichte Meinung in Deutschland beherrschen. <\/p><p>Aus der konservativen Grundhaltung des Springer-Konzerns macht der Verlag selbst keinen Hehl und davon kann man sich auf seinem Flagschiff, der BILD-Zeitung, t&auml;glich &uuml;berzeugen. Der Hauptanteilseignerin Friede Springer wird ein freundschaftliches Verh&auml;ltnis zu Angela Merkel nachgesagt, kein Wunder, dass eindeutig f&uuml;r die Union oder f&uuml;r Schwarz-Gelb Partei ergriffen wird.<br>\nDie Axel Springer Verlag AG, der gr&ouml;&szlig;te Zeitungsverlag Europas mit zuletzt 2,4 Milliarden Euro Umsatz, ist Herausgeber der auflagenst&auml;rksten<\/p><ul>\n<li>&uuml;berregionalen Boulevardzeitung (&ldquo;Bild-Zeitung&rdquo;),<\/li>\n<li>Mittagszeitung (&ldquo;Hamburger Abendblatt&rdquo;),<\/li>\n<li>Sonntagszeitungen (&ldquo;Bild am Sonntag, &ldquo;Welt am Sonntag&rdquo;),<\/li>\n<li>H&ouml;rfunk- und Fernsehzeitschrift (&ldquo;H&ouml;r zu&rdquo;).<\/li>\n<\/ul><p>Zum Springer-Konzern geh&ouml;ren ferner unter anderem die Tageszeitungen &ldquo;Berliner Morgenpost&rdquo;, &ldquo;Die Welt&rdquo;, &ldquo;BZ&rdquo;, &ldquo;Elmshorner Nachrichten&rdquo; und die &ldquo;Bergedorfer Zeitung&rdquo; sowie die Zeitschriften &ldquo;Funk Uhr&rdquo;, &ldquo;Bildwoche&rdquo;, &ldquo;Auto-Bild&rdquo;, &ldquo;Bild der Frau&rdquo;, &ldquo;Sport-Bild&rdquo;, &ldquo;Journal f&uuml;r die Frau&rdquo;, &ldquo;TV neu&rdquo;, &ldquo;Allegra&rdquo; und &ldquo;Computer Bild&rdquo;. Hinzu kommen Anzeigenbl&auml;tter. Au&szlig;erdem besitzt der Konzern Kapitalanteile an Zeitungen wie der &ldquo;Volkszeitung&rdquo; (Leipzig), der &ldquo;Ostsee-Zeitung&rdquo; (Rostock), den &ldquo;Harburger Anzeigen und Nachrichten&rdquo;, den &ldquo;Kieler Nachrichten&rdquo; und den &ldquo;L&uuml;becker Nachrichten&rdquo;. Der Marktanteil der Springerschen Tageszeitungen liegt bei etwa einem Viertel. <\/p><p>Jenseits des Schr&ouml;derschen Agenda-Kurses ist in den Springer-Bl&auml;ttern wirtschaftspolitisch kaum Raum. <\/p><p>Welche Linie die Bertelsmann-AG wirtschaftspolitisch vertritt, unterliegt auch kaum einem Zweifel. Der mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Medienkonzern in Europa aus G&uuml;tersloh mit einem Umsatz von 17 Milliarden Euro (davon 30% in Deutschland) begann mit B&uuml;chern und Schallplatten, baute Leseringe auf (unter anderem Deutsche Buchgemeinschaft), kaufte Gro&szlig;druckereien und Verlage und stieg ins Funk-, Fernseh- und Filmgesch&auml;ft ein (unter anderem UFA Filmproduktion, RTL Group). Bertelsmann ist mehrheitlich am Hamburger Zeitschriften-Gro&szlig;verlag Gruner + Jahr beteiligt. Der Bertelsmann AG geh&ouml;rt auch die US-Verlagsgruppe Random House, dem bedeutendsten englischsprachigen Buchverlag der Welt. Mit BMG in New York ist Bertelsmann stark in der internationalen Musikvermarktung vertreten und mit dem G&uuml;tersloher Unternehmensbereich Arvato im Druck-, Dienstleistungs- und Onlinegesch&auml;ft. <\/p><p>Bertelsmann ergreift zwar nicht so offensichtlich und durchg&auml;ngig Partei f&uuml;r die CDU wie Springer. Liz Mohn, der Vorsitzenden der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft und stellvertretenden Vorsitzende des Vorstands der Bertelsmann Stiftung werden allerdings, wie Friede Springer Sympathien f&uuml;r die Kanzlerkandidatin der CDU nachgesagt. Weil sich der fr&uuml;here nordrhein-westf&auml;lische Ministerpr&auml;sident f&uuml;r die Belange des Konzerns stark machte, galten RTL und VOX in der &Ouml;ffentlichkeit oft als das eher sozialdemokratisches Pendant zu der bis zur Insolvenz vom Kohl-Freund Leo Kirch gelenkten privaten Fernseh- und Filmrechte-Gruppe mit Premiere, Pro Sieben oder vor allem Sat1 in Bayern. Aber selbst der als &bdquo;linksliberal&ldquo; geltende &bdquo;Stern&ldquo; aus dem Verlag Gruner + Jahr, der wiederum gleichfalls mehrheitlich Bertelsmann geh&ouml;rt, folgt &ndash; jedenfalls wenn es um die Wirtschaftspolitik geht &ndash; &uuml;berwiegend der Linie des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn, die sich wie folgt beschreiben l&auml;sst: Privatisierung der Politik, Eigeninitiative statt Sozialstaat, Wettbewerb statt politischer (demokratischer) Gestaltung, betriebswirtschaftliche Effizienz in allen Lebensbereichen, vom Kindergarten, &uuml;ber die Schulen, in die Hochschulen bis hinein in die staatliche Verwaltung. <\/p><p>Mit einem Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Euro ist die Bauer-Verlagsgruppe der drittgr&ouml;&szlig;te Oligopolist im Bunde. Der Bauer-Verlag verdient zwar sein Geld im Wesentlichen mit sog. Yellow-Press-Produkten wie &bdquo;Bravo&ldquo;, &bdquo;Neue Revue&ldquo; oder &bdquo;Neue Post&ldquo;. 35 Zeitschriften hat der Verlag in Deutschland &ndash; mit einer Gesamtauflage von rund 17 Millionen Heften. Zusammen mit Bauers T&ouml;chtern sind es noch wesentlich mehr: Allein der Pabel-Moewig-Verlag aus dem badischen Rastatt hat noch mal 41 Titel im Programm. Jeder zweite Deutsche liest ein Bauer-Blatt, sagt der Bauer-Verlag von sich. Auch beim Rundfunk ist Bauer mit dabei: 31,2 Prozent halten die Hamburger am Fernsehsender RTL II, 25 Prozent an Radio Hamburg.<br>\nBauer ist Marktf&uuml;hrer bei Klatsch und Tratsch, vordergr&uuml;ndig &bdquo;unpolitisch&ldquo; aber hintergr&uuml;ndig sehr politisch, etwa bei der Vermittlung eines stockkonservativen Frauen- und Familienbildes und eines gesellschaftlichen &bdquo;Zaungast&ldquo; &ndash; Bewusstseins gegen &uuml;ber den wirtschaftlich- und gesellschaftlich M&auml;chtigen. <\/p><p>Der Burda-Verlag mit einem Umsatz von gleichfalls etwa 1,7 Milliarden Euro ist Marktf&uuml;hrer bei den Publikumszeitschriften mit einem Anteil von &uuml;ber 20 Prozent; die Programmzeitschriften kommen zu &uuml;ber der H&auml;lfte aller Bl&auml;tter aus diesem Hause. Mit seinen wichtigsten Zeitschriften &ldquo;Bunte&rdquo;, &ldquo;Focus&rdquo;, &ldquo;Freundin&rdquo; oder &ldquo;Super Illu&rdquo; ist das Haus Burda politisch und wirtschaftspolitisch gleichfalls konservativ verortet. Dazu braucht man nur einmal den Focus-Chefredakteur Helmut Markwort in einer Talk-Show erleben. Vom marktradikalen &bdquo;Focus Money&ldquo; braucht man erst gar nicht zu reden. <\/p><p>Neben diesen &bdquo;Elefanten&ldquo; in der Medienlandschaft gibt es noch andere &bdquo;gro&szlig;e Tiere&ldquo;. So etwa die Georg von Holtzbrinck GmbH mit einem Umsatz von &uuml;ber 2 Milliarden Euro (allerdings &uuml;berwiegend im Ausland). Die Gesellschaft besitzt Buchverlage, Tageszeitungen wie das &ldquo;Handelsblatt&rdquo; und Regionalbl&auml;tter wie die &ldquo;Lausitzer Rundschau&rdquo; (Cottbus), die &ldquo;Main-Post&rdquo; (W&uuml;rzburg), die &ldquo;Saarbr&uuml;cker Zeitung&rdquo;, den &ldquo;Tagesspiegel&rdquo; (Berlin) und den &ldquo;S&uuml;dkurier&rdquo; (Konstanz) sowie Wochenzeitungen und -magazine (&ldquo;Die Zeit&rdquo; und &ldquo;Wirtschaftswoche&rdquo;). Das Stuttgarter Unternehmen ist ferner an verschiedenen Fernseh- und H&ouml;rfunkveranstaltern beteiligt, vor allem in Ostdeutschland. Die politische Bandbreite im zunehmend heranwachsenden Holtzbrinck-Imperium ist zwar etwas breiter als bei den vier Gr&ouml;&szlig;ten, im &bdquo;Tagesspiegel&ldquo; oder in der &bdquo;Zeit&ldquo; kann man schon hin und wieder liberale oder sogar links-liberale T&ouml;ne h&ouml;ren, doch in der Grundrichtung wird der neoliberale &bdquo;Reformkurs&ldquo; unterst&uuml;tzt und wie in der &bdquo;Wirtschaftswoche&ldquo; sogar militant vertreten. <\/p><p>Der gr&ouml;&szlig;te Regionalzeitungsoligopolist ist der Konzern der Westdeutschen Allgemeinen Zeitungsverlagsgesellschaft. Die vom CDU-Mann Jakob Funke und vom Sozialdemokraten Erich Brost gegr&uuml;ndete WAZ-Gruppe galt lange Zeit als eher sozialdemokratisch. Die &bdquo;Westf&auml;lische Rundschau&ldquo; oder die &bdquo;Neue Ruhrzeitung&ldquo; sind das wohl auch heute noch, wobei sie entsprechend der konservativen Ausrichtung der Ruhrgebiets-SPD nat&uuml;rlich dem Kanzlerkurs folgen. Das Essener Stammblatt, die &ldquo;Westdeutsche Allgemeine Zeitung&ldquo;, erlebt wohl derzeit &ndash; sicherlich nicht ohne Einfluss des Konzern-Vorstandsmitgliedes und Kanzler-Freundes Bodo Hombach &ndash; eine Vorwegnahme einergro&szlig;en Koalition, indem von der CDU-nahen christlich-konservativen Rheinischen Post der Chefredakteur Ulrich Reitz abgeworben wurde. Ansonsten kaufte die WAZ alles auf, was Geld bringt, von der pechschwarzen &bdquo;Westfalenpost&ldquo; bis zur Wiener &bdquo;Neuen Kronen-Zeitung&ldquo;, der schon mal antisemitische Untert&ouml;ne nachgesagt werden. <\/p><p>Man k&ouml;nnte im weiteren die gr&ouml;&szlig;eren Regionalverleger hintereinander durchgehen, wie etwa das K&ouml;lner Zeitungshaus Neven Du Mont, das mit dem &bdquo;Express&ldquo;, dem &bdquo;K&ouml;lner Stadt-Anzeiger&ldquo; und der (formell unabh&auml;ngigen aber wirtschaftlich abh&auml;ngigen) &bdquo;K&ouml;lnischen Rundschau&ldquo; ein regionales Monopol besitzt. In diesem Zeitungen kann man nur selten etwas zu Wirtschaftsthemen lesen, was vom Kurs ihres Verlegers und ehemaligen Industrie- und Handelskammer-Pr&auml;sidenten Alfred Neven Du Mont abweicht. <\/p><p>Wenn die Verlegerverb&auml;nde immer wieder die publizistische Vielfalt in Deutschland feiern, dann deshalb, weil es noch eine ganze Reihe kleiner, ja sogar kleinster Zeitungsverlage wie etwa &bdquo;Die Glocke&ldquo; mit einer Auflage von gerade mal etwas &uuml;ber sechzig Tausend Exemplaren im ostwestf&auml;lischen Warendorf gibt. Was den Jubel aber tr&uuml;bt, ist, dass es in &uuml;ber 60 Prozent der Kreise und kreisfreien St&auml;dte nur noch eine einzige Zeitung gibt, d.h. in weit mehr als der H&auml;lfte des Landes gibt es Zeitungsmonopole. <\/p><p>Kleinverlage auf der bundesrepublikanischen Zeitungslandkarte bedeuten aber noch lange nicht Meinungsvielfalt, denn typisch f&uuml;r diese Kleinzeitungen ist eine &bdquo;Versippung&ldquo; von Verlegern oder Chefredakteuren mit den &ouml;rtlichen Eliten und das ist gleichbedeutend mit der Ausrichtung an mittelst&auml;ndischen oder &bdquo;korporatistischen&ldquo; Interessen vor Ort. <\/p><p>Ach ja, da gibt es ja noch die Medienholding DDGV der SPD, die CDU\/CSU immer so gerne als Ausbund von parteipolitischer Meinungsmacht anprangert und die der finanziell angeschlagenen &bdquo;Frankfurter Rundschau&ldquo; unter die Arme gegriffen hat. Zu hundert Prozent geh&ouml;rt dieser sprichw&ouml;rtlichen Holding nur die &bdquo;Frankenpost&ldquo;, mit &uuml;ber f&uuml;nfzig Prozent die &bdquo;Neue Westf&auml;lische&ldquo; in Bielfeld, ansonsten ist sie haupts&auml;chlich &uuml;ber die hannoversche Verlagsgesellschaft Madsack an so meinungspr&auml;genden Zeitungen wie etwa dem &bdquo;Gandersheimer Kreisblatt&ldquo; beteiligt (siehe <a href=\"http:\/\/www.medienmaerkte.de\/artikel\/print\/040912_ddvg.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.medienmaerkte.de\/artikel\/print\/040912_ddvg.html\">www.medienmaerkte.de<\/a>). <\/p><p>Die &bdquo;Frankfurter Rundschau&ldquo; mit einer verkauften Auflage von um die 180.000 Exemplaren ist ohne Zweifel (noch) eine der wenigen bedeutsameren Zeitungen, in der man auch Kritisches zum wirtschaftspolitischen Mainstream lesen kann. Ansonsten d&uuml;rfte die Bandbreite der Kritik der Zeitungen, an denen die SPD-Holding beteiligt ist, am Kurs der Bundesregierung wohl kaum weit &uuml;ber die des Parteiorgans &bdquo;Vorw&auml;rts&ldquo; hinausgehen. Die &bdquo;Leipziger Volkszeitung&ldquo; vielleicht ausgenommen, die aber meist eher von &bdquo;rechts&ldquo; attackiert. <\/p><p>Lassen wir, von der &bdquo;FR&ldquo; einmal abgesehen, noch einmal gesondert die anderen &uuml;berregionalen Zeitungen Revue passieren, dann kann die Verortung von Springers &bdquo;Welt&ldquo; &ndash; mit &uuml;ber 222.000 verkaufter Auflage &ndash; im konservativen Lager oder bei den &ouml;konomischen &bdquo;Neocons&ldquo; als unbestritten gelten. <\/p><p>Die Linie der &bdquo;FAZ&ldquo; mit einer verkauften Auflage von &uuml;ber 375.000 hat der ehemalige Leiter der innenpolitischen Redaktion Friedrich Karl Fromme einmal treffend mit schwarz-rot-gold beschrieben: Schwarz f&uuml;r die konservative Politikredaktion, rot f&uuml;r das oftmals durchaus kritische Feuilleton und gold f&uuml;r den &auml;u&szlig;erst wirtschaftsliberalen Wirtschaftsteil. <\/p><p>Die S&uuml;ddeutsche Zeitung als mit &uuml;ber 444.000 Exemplaren auflagenst&auml;rkste Tageszeitung hat zwar in der Innen- und Rechtspolitik vor allem mit Heribert Prantl kr&auml;ftige, jedenfalls heute als links-liberal geltende Tupfer. Der Leiter der Wirtschaftsredaktion, Nikolaus Piper f&uuml;hrt als Mitglied der Mont P&egrave;lerin Gesellschaft nicht nur seine Redaktionskollegen auf strammem wirtschaftsliberalen Kurs, sondern f&uuml;r ihn scheint es nahezu keine wirtschafts- oder gesellschaftspolitische Wirklichkeit zu geben, die nicht unter sein starres neoliberales Dogmengeb&auml;ude subsumiert w&uuml;rde (siehe <a href=\"?p=106\">NachDenkSeiten<\/a>). <\/p><p>Das holtzbrincksche &bdquo;Handelsblatt&ldquo; (verkaufte Auflage &uuml;ber 143.000) ist auf die Wirtschaft abonniert und ihr Chefredakteur Bernd Ziesemer spielt sich in den Talk-Shows geradezu wie der Papst der neoliberalen &Ouml;konomenzunft auf. Da ist die in Hamburg ans&auml;ssige, b&ouml;rsent&auml;glich erscheinende Wirtschaftszeitung &bdquo;Financial Times Deutschland&ldquo;(verkaufte Auflage um die 100.000), die vom Verlag Gruner + Jahr und dem englischen Pearson Verlag (Financial Times) publiziert wird, dogmatisch etwas offener und einige Leitartikler l&ouml;cken &ouml;fters mal wider den Stachel der uniform gewordenen deutschen &ouml;konomischen Lehre. Aber die Grundrichtung orientiert sich gleichfalls am angebotsorientierten Wirtschaftsdogma. <\/p><p>Letztlich bleibt noch die st&auml;ndig am Existenzminimum krebsende &bdquo;taz&ldquo; mit einer verkauften Auflage von 60.000 Exemplaren. Die taz-Genossenschaft, getragen von einigen tausend taz-LeserInnen, bei der auch die monatliche deutsche Ausgabe von Le Monde Diplomatique erscheint, hat schon allein mit ihrem &bdquo;Atlas der Globalisierung&ldquo; aufkl&auml;rendes geleistet. Der Wirtschaftsteil der taz ist jedoch arg unterentwickelt und seit die &bdquo;Gr&uuml;nen&ldquo;, denen die Zeitung mit den witzigen &Uuml;berschriften nahe steht, zu den Promotoren des neoliberalen wirtschaftlichen &bdquo;Reformkurses&ldquo; geh&ouml;ren, d&uuml;mpelt die taz in einer Bandbreite zwischen Attac und den Positionen der Gr&uuml;nen Fraktionsvorsitzenden G&ouml;ring-Eckardt, die sich die Hartz-Reformen oder die Senkung der Lohnnebenkosten aufs Panier geschrieben hat. <\/p><p>Bei den Magazinen gilt f&uuml;r Viele immer noch der SPIEGEL (mit einer Auflage von 1,1 Millionen) als kritisches Intellektuellen-Blatt (die BILD-Zeitung f&uuml;r Intellektuelle), das sich gegen den Strom stellt. &bdquo;Seit Rudolf Augstein tot ist, hat der SPIEGEL noch weniger Meinung. Gleichzeitig ist er Meinungsf&uuml;hrer geblieben&ldquo;, schreibt Oliver Gehrs in seinem neuen Buch der &bdquo;SPIEGEL-Komlex&ldquo;. Das Magazin passe in eine Zeit, wo links fast rechts sei und klare Haltungen schnell unter Ideologieverdacht st&uuml;nden. Der neue Chefredakteur Stefan Aust wendete das Blatt f&uuml;r sich. Aust der zur Zeit nicht einmal mehr einen Herausgeber &uuml;ber sich hat, schiele vor allem auf die Auflage und handele meistens, bevor er nachdenke. Die Spiegel-Redakteure die einen Anteil von 50% am Verlag besitzen, lie&szlig;en sich ihr schlechtes journalistisches Gewissen und ihren sachlichen Widerstand durch die hohen Gewinnbeteiligungen abkaufen oder aber sie verlie&szlig;en das Haus. Aust hat sich mit dem bertelsmannschen Gruner + Jahr Verlag arrangiert und den Schulterschluss mit Springer gefunden. Austs Kronprinz, Gabor Steingart, der Leiter des Hauptstadtb&uuml;ros habe sich schon 1998 eine gro&szlig;e Koalition gew&uuml;nscht und sei daf&uuml;r bekannt, &bdquo;dass er die Globalisierung liebt und den Sozialstaat abschaffen will &ndash; zugunsten von m&ouml;glichst viel Freiheit f&uuml;r die Arbeitgeber&ldquo;. Steingarts Buch &bdquo;Deutschland &ndash; der Abstieg eines Superstars&ldquo; ist der beredte Beweis daf&uuml;r. Dass Aust und Steingart nicht nur im Spiegel das Sagen haben, sondern auch schon das &ouml;ffentlich-rechtliche Fernsehen mit ihrem Credo missionieren d&uuml;rfen, beweist die vor kurzem ausgestrahlte und gro&szlig; aufgemotzte dreiteilige ZDF-Serie der &bdquo;Fall Deutschland&ldquo;. Das im SPIEGEL-Haus erscheinende &bdquo;Manager-Magazin&ldquo; gibt schon mit seinem Namen die wirtschaftspolitische Richtung an. <\/p><p>Der Focus (verkaufte Auflage knapp 800.000) versteht sich selbst als das konservative Gegengewicht zum angeblich &bdquo;links-liberalen&ldquo; Spiegel. Damit ist nachdem, was vom SPIEGEL zu halten ist, nach rechts hin eigentlich alles offen. Auf die politische Rolle des Chefredakteurs und Stoiber-Freundes Markwort wurde schon hingewiesen. Focus Money interessiert sich wesentlich f&uuml;rs Geld-Verdienen und f&uuml;r die, die Geld verdienen. <\/p><p>Als Hort der Pluralit&auml;t der Meinungen und der kritischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Politik und dem Meinungsmainstream blieben also die &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramme. Ohne Zweifel sind ARD, ZDF, die dritten Programme, Arte, 3-Sat oder Phoenix noch die &bdquo;ausgewogensten&ldquo; elektronischen Medien bei der Bildung der &ouml;ffentlichen Meinung. Vor allem auch in den ARD-H&ouml;rfunksendern oder im Deutschlandfunk bzw. Deutschlandradio gibt es noch Programmketten, die man kritisch bezeichnen kann und die sich wohltuend vom Einheitsbrei abheben. Allein schon deshalb gilt es, die einzigen nicht von Privateigent&uuml;mern beherrschten Medien zu h&uuml;ten wie einen Augapfel. <\/p><p>Schaut man sich allerdings, die die politische Meinung pr&auml;genden Sendungen einmal genauer an, so wird man leider zunehmend eines Schlechteren belehrt. Nehmen wir als Beispiel einmal den Quotenbringer Sabine Christiansen, so geht es an unseren Sonntagabenden ganz &uuml;berwiegend nicht um eine ernsthafte Debatte &uuml;ber kontroverse Konzepte, sondern es geht einer &bdquo;gro&szlig;en Koalition der System&uuml;berwinder&ldquo; durch pausenloses Wiederholen um das Eintrichtern der These, dass es &bdquo;unserer&ldquo; Wirtschaft besser gehe, wenn es &bdquo;der&ldquo; Wirtschaft wieder gut geht und wenn es &bdquo;der&ldquo; Wirtschaft gut gehe, es auch &bdquo;uns&ldquo; wieder gut gehe (siehe <a href=\"?p=375\">NachDenkSeiten<\/a>). Im sonnt&auml;glichen Presse Club d&uuml;rfen sich die gleichen Chefredakteure oder Leitkommentatoren einmal ins Bild setzen, deren Kommentare wir schon die ganze Woche &uuml;ber lesen mussten. Und Plasberg fragt in &bdquo;Hart aber fair&ldquo; zwar hart und fair, aber auch nicht etwa nach den Begr&uuml;ndungen f&uuml;r die &bdquo;Reformen&ldquo; oder gar danach warum sie keine Erfolge zeitigen, sondern allenfalls warum sie handwerklich so schlecht gemacht w&uuml;rden.<br>\nDie &bdquo;Anchor-Men and Women&ldquo;, also die Moderatoren in den t&auml;glichen Nachrichtensendungen und Nachrichtenmagazinen plappern munter die Schlagzeilen nach, die sie tags&uuml;ber in den einschl&auml;gigen Zeitungen oder Agenturmeldungen gelesen haben oder sie stellen ihren Interviewpartnern nicht etwa Sachfragen, sondern Fragen, die von den anderen Medien aufgeworfen wurden. Es wird nur selten nachgehakt und schon gar nicht werden &bdquo;abweichende&ldquo; Frage gestellt. Durch die Niederlagen der SPD bei den Landtagswahlen in den letzten Jahren, gibt es in den Aufsichtsgremien des ZDF inzwischen eine klare konservative Mehrheit und liberale oder gar links-liberale oder wenigsten gegen&uuml;ber politischem Druck standfeste Intendanten bei den ARD-Anstalten sind rar geworden. Der Programmdirektor G&uuml;nter Struwe hat ostentativ der SPD den R&uuml;cken gekehrt.<br>\nDie Polit-Magazine sollen nach einer Programmreform auf eine halbe Stunde gek&uuml;rzt werden. Das Bedauern h&auml;lt sich aber in Grenzen, wenn, wie gerade im laufenden Vorwahlkampf zu beobachten, in den sich selbst immer noch kritisch bezeichnenden Sendungen wie etwa &bdquo;Panorama&ldquo; oder &bdquo;Monitor&ldquo; Werbekampagnen f&uuml;r die Hartz-Reformen und f&uuml;r die Senkung von Sozialleistungen aufgelegt werden. <\/p><p>Der neue Programm-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer beim Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix war langj&auml;hriger Redakteur des CSU-Kampfblattes &bdquo;Bayernkurier&ldquo;. Phoenix war sich z.B. auch nicht zu schade, ohne weitere Kommentierung die Verleihung des von der neoliberalen PR-Agentur &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; ausgelobten Titels des &bdquo;Reformers des Jahres&ldquo; zu &bdquo;dokumentieren&ldquo;. Dennoch: Ein Gl&uuml;ck, dass es Phoenix gibt, dann ist man wenigstens etwa bei Parteitagen oder Pressekonferenzen nicht ausschlie&szlig;lich auf die Eine-Minute-Drei&szlig;ig-Kompressionen der elektronischen Medien oder auf die Zitatglaubereien in den Tageszeitungen angewiesen. <\/p><p>Letztlich bilden ARD &ndash; manchmal etwas links von der Mitte &ndash; und ZDF &ndash; meistens eher rechts von der Mitte &ndash; das Meinungsspektrum der etablierten Parteien ab und da es in wirtschaftspolitischen Fragen eine Allparteienkoalition f&uuml;r eine neoliberale Grundausrichtung gibt, kann man Kritisches zum wirtschaftspolitischen Mainstream im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk nur selten h&ouml;ren und noch viel weniger sehen &ndash; schon gar nicht in den sog. Wirtschaftsmagazinen. Den Gipfelpunkt an regelrechter neoliberaler Propaganda hat das ZDF mit der Ausstrahlung des Dreiteilers &bdquo;Der Fall Deutschland&ldquo; erreicht, in dem der SPIEGEL-Chef Aust das Credo seines Kronprinzen Gabor Steingart verfilmen durfte, dass es mit Deutschland seit und wegen Adenauers Einf&uuml;hrung von sozialen Sicherungssystemen, wie etwa der gesetzlichen Rente, wirtschaftlich nur noch bergab gehe. <\/p><p>Fazit: Bis auf einzelne Beitr&auml;ge und Dokumente in der &bdquo;Frankfurter Rundschau&ldquo;, einige Features und Analysen in Minderheiten-H&ouml;rfunkketten, manchmal noch die Aufdeckung von Skandalen und Skand&auml;lchen in Fernsehmagazinen, bis auf einige Gastbeitr&auml;ge in der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&ldquo; und bis auf einzelne Autoren in der &bdquo;Financial Times Deutschland&ldquo;, in der &bdquo;Berliner Zeitung&ldquo; oder manchmal auch in der &bdquo;Zeit&ldquo; und nur noch ganz versprengt im &bdquo;SPIEGEL&ldquo; gibt es in Deutschland allenfalls noch ein paar linke Randgruppenzeitungen (z.B. &bdquo;Junge Welt&ldquo;) und eine Reihe eher ein Minderheitenpublikum erreichende Zeitschriften, wie etwa den &bdquo;Freitag&ldquo; oder die &bdquo;Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik&ldquo;, ansonsten gibt es aber kaum ein relevantes und schon gar kein massenwirksames Medium mehr, in dem es wenigstens eine streitige Debatte um die Grundlinien der derzeitigen Wirtschaftspolitik gibt, geschweige denn, dass es eine vernehmbare Stimme gibt, die etwa einen &bdquo;nachfrageorientierten&ldquo; oder keynesianischen &ouml;konomischen Ansatz vertritt. <\/p><p>Es hat sich eine freiwillige Gleichschaltung der gesellschafts- sozial- oder wirtschaftspolitischen ver&ouml;ffentlichten Meinung eingestellt und diese Konzentration oder Verengung der Meinungen ist gravierender als die kartellrechtliche Frage nach der weiteren Konzentration der &ouml;konomischen Macht im Medienbereich oder der Blick auf den Wettbewerb im Medienmarkt. <\/p><p>Wir haben endg&uuml;ltig einen Zustand der Pressefreiheit erreicht, den der wortm&auml;chtige Paul Sethe, Ressortchef der Springer-Zeitung &bdquo;Die Welt&ldquo;, schon1965 in einem Leserbrief an den SPIEGEL so pr&auml;gnant beschrieben hat: <\/p><blockquote><p>Im Grundgesetz stehen wundersch&ouml;ne Bestimmungen &uuml;ber die Freiheit der Presse. Wie so h&auml;ufig, ist die Verfassungswirklichkeit ganz anders als die geschriebene Verfassung. Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer. Ich kenne in der Bundesrepublik keinen Kollegen, der sich oder seine Meinung verkauft h&auml;tte. Aber wer nun anders denkt, hat der nicht auch das Recht, seine Meinung auszudr&uuml;cken? Die Verfassung gibt ihm das Recht, die &ouml;konomische Wirklichkeit zerst&ouml;rt es. Frei ist, wer reich ist. Das ist nicht von Karl Marx, sondern von Paul Sethe. Aber richtig ist es trotzdem. Und da Journalisten nicht reich sind, sind sie auch nicht frei (jene wenigen Oasenbewohner ausgenommen).<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Quelle: <a href=\"http:\/\/www.gerdgruendler.de\/Erinnerung%20an%20Paul%20Sethe.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.gerdgruendler.de\/Erinnerung%20an%20Paul%20Sethe.html\">Erinnerung an Paul Sethe<\/a><\/p>\n<\/blockquote><p>Sethe hat vor 40 Jahren noch von zweihundert reichen Leuten geschrieben, inzwischen ist allenfalls noch ein gutes Dutzend reicher Leute &uuml;brig geblieben, die die Pressefreiheit aus&uuml;ben k&ouml;nnen. Und diese reichen Leute verteidigen ihre &ouml;konomischen Interesse mit aller geballten und konzentrierten Meinungsmacht, die sie haben. <\/p><p>Bis die Netzzeitungen als Faktor und Medium der Meinungsfreiheit diese Meinungsmacht wieder von unten und demokratisch aufbrechen k&ouml;nnen, wird es leider noch l&auml;ngere Zeit dauern. Aber immerhin das Medium dazu w&auml;re da.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Presse- und Medienfreiheit ist die Freiheit einiger weniger reichen Leute, die ihre wirtschaftlichen Interessen mit ihrer Medienmacht verteidigen und politisch durchsetzen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,41,182],"tags":[232,1701,494,271,244],"class_list":["post-840","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","tag-bertelsmann","tag-prosieben","tag-sat-1","tag-springer","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=840"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31893,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/840\/revisions\/31893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}