{"id":84038,"date":"2022-05-19T13:55:54","date_gmt":"2022-05-19T11:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84038"},"modified":"2022-05-20T12:26:23","modified_gmt":"2022-05-20T10:26:23","slug":"zum-tod-von-shireen-abu-akleh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84038","title":{"rendered":"Zum Tod von Shireen Abu Akleh"},"content":{"rendered":"<p>In den fr&uuml;hen Morgenstunden des 11. Mai 2022 wurde die pal&auml;stinensische Journalistin Shireen Abu Akleh ermordet. Der Fernsehsender Al Jazeera, f&uuml;r den die Kollegin seit 1997 aus den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten berichtet hatte, nutzte alle Kan&auml;le und das Internet, um &uuml;ber die ungeheuerliche Tat zu informieren. Shireen Abu  Akleh hatte an dem Morgen &uuml;ber eine Razzia der israelischen Streitkr&auml;fte im Fl&uuml;chtlingslager Jenin im Westjordanland, der Westbank, berichten wollen. &bdquo;Das Wespennest&ldquo; nennen die israelischen Streitkr&auml;fte das Fl&uuml;chtlingslager, in dem 11.000 Menschen auf einem Quadratkilometer zusammengepfercht sind. 65 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind j&uuml;nger als 24 Jahre. Niemand dieser Generation hat jemals in einem freien Land, einem freien Staat gelebt. Jung und Alt kennen nur Leid, Tod und Elend unter israelischer Besatzung. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5237\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84038-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220520-Zum-Tod-von-Shireen-Abu-Akleh-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220520-Zum-Tod-von-Shireen-Abu-Akleh-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220520-Zum-Tod-von-Shireen-Abu-Akleh-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220520-Zum-Tod-von-Shireen-Abu-Akleh-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84038-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220520-Zum-Tod-von-Shireen-Abu-Akleh-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220520-Zum-Tod-von-Shireen-Abu-Akleh-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Shireen Abu Akleh kannte das Leben unter der israelischen Besatzung. Sie war selber in Jerusalem geboren und aufgewachsen und wusste, was Israel den Pal&auml;stinensern antat. &bdquo;Sie gab Menschen eine Stimme, von denen wir sonst nie geh&ouml;rt h&auml;tten&ldquo;, sagte eine Kollegin. Man habe Shireen nie den Auftrag zu einem Bericht gegeben, sagte der zust&auml;ndige Chefredakteur f&uuml;r Al Jazeera Arabisch, Mohamed Moawaz. &bdquo;Sie ist einfach da, sie ist da.&ldquo; <\/p><p>Bilder von ihren Reportagen zeigen sie in zerst&ouml;rten H&auml;usern, bei Demonstrationen, oft mit Helm und schusssicherer Weste, auch mit Gasmaske, um trotz des Einsatzes von Gas durch die israelischen Streitkr&auml;fte weiter berichten zu k&ouml;nnen. Sie berichtete aus Jerusalem genauso wie vom Sitz der Vereinten Nationen in Genf, wo es Jahr um Jahr um die Sache der Pal&auml;stinenser ging, die bis heute keine Gerechtigkeit erfahren. &bdquo;Ganze Generationen sind mit ihren Berichten aufgewachsen&ldquo;, sagt eine Kollegin. &bdquo;Sie war in den Wohnzimmern aller Pal&auml;stinenser&ldquo;. Und all derer, die sich f&uuml;r die Sache der Pal&auml;stinenser interessieren, die f&uuml;r ihre Rechte eintreten.<\/p><p>Shireen Abu Akleh war 51 Jahre alt, als sie ermordet wurde. Sie hatte keine Chance, denn ihr M&ouml;rder hatte es genau auf sie und ihre Kollegen und Kolleginnen an diesem Morgen abgesehen. Aufnahmen ihres Kameramanns zeigen, wie sie am fr&uuml;hen Morgen ihre schusssichere Weste anlegt und ihre Haare zur&uuml;ckstreift, um den Helm aufzusetzen. Es sei ruhig gewesen in der kleinen Stra&szlig;e, die auf beiden Seiten mit Mauern befestigt war, hinter denen Plantagen lagen, berichtet Shatha Hanaysha, eine der Journalistinnen in der kleinen Gruppe.<\/p><p>Sie seien an den israelischen Kr&auml;ften vorbeigegangen, damit diese sie sehen konnten, berichtet Ali Al Samoud, ein Kollege von Shireen. Es habe &bdquo;keine bewaffneten Leute, keine Zivilisten&ldquo; gegeben, erinnert er sich. Pl&ouml;tzlich sei das Feuer auf sie er&ouml;ffnet worden und er habe den Kollegen zugerufen, dass sie angegriffen w&uuml;rden, sagt Al-Samoudi sp&auml;ter. Er habe sich umgedreht und gerufen, sie sollten alle in Deckung gehen, das Feuer richte sich direkt gegen sie. Dann sei er in den R&uuml;cken getroffen worden. Shireen sah es und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RaJ8_5MJHAs\">rief<\/a>, ihr Kollege Ali sei verletzt. <\/p><p>Ihm gelang es, auf ein Auto zuzulaufen, das eine nahegelegene Stra&szlig;e entlangfuhr und ihn in Sicherheit in ein Krankenhaus brachte. Das ist auf Filmmaterial von Journalisten der Gruppe zu sehen, die das Geschehen festhielten. Sch&uuml;sse sind zu h&ouml;ren, Rufe der Journalistin Shatha Hanaysha zu ihrer Kollegin Shireen, sie m&uuml;ssten sich in Sicherheit bringen. Als sie sich umdrehte, habe Shireen am Boden gelegen. Sie habe versucht, ihr aufzuhelfen, aber jedes Mal, wenn sie zu ihr gehen wollte, um sie umzudrehen und ihr auf die Beine zu helfen, sei auf sie geschossen worden. Auch das ist auf Filmmaterial zu sehen. Die Kamera, die die Szene festh&auml;lt, ist nur wenige Schritte von den beiden Frauen entfernt und zeigt, wie ein Kollege vorsichtig auf die schmale Stra&szlig;e zugeht, um den beiden zu helfen. Sofort fallen wieder Sch&uuml;sse und der junge Mann zieht sich zur&uuml;ck. Die Kamera bewegt sich vorsichtig auf die Ecke zu der kleinen Stra&szlig;e zu und zeigt die junge Journalistin, die ihnen zuruft, verzweifelt den schweren Helm auf ihrem eigenen Kopf zurechtr&uuml;ckt und sich schlie&szlig;lich mit dem R&uuml;cken an die Mauer lehnt, um den Sch&uuml;ssen zu entgehen. Dabei zeigt sie immer wieder auf ihre Kollegin Shireen. Diese kommt schlie&szlig;lich ins Bild der Kamera, die sich langsam vorw&auml;rtsbewegt. Shireen liegt am Boden. Sie tr&auml;gt die schwere schusssichere Weste mit der Aufschrift &bdquo;Presse&ldquo;. Ihr Gesicht ist nach unten gedreht, dar&uuml;ber der schwere Helm. <\/p><p>Die junge Journalistin Shatha Hanaysha <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/news\/shireen-abu-akleh-killing-al-jazeera-journalist-eyewitness-account\">berichtete<\/a> sp&auml;ter ausf&uuml;hrlich &uuml;ber das Geschehen. Shireen war tot, als sie im Krankenhaus ankam. Eine Kugel hatte unterhalb des Ohrs den Hals durchschlagen. Eine Stelle, die weder vom Kragen einer kugelsicheren Weste noch vom Helm gesch&uuml;tzt ist. &bdquo;Wir betrachten das als einen gezielten Angriff&ldquo;, sagt der leitende Al-Jazeera-Manager Mohamed Moawad. &bdquo;Es war eine gezielte Ermordung.&ldquo;<\/p><p>Al Jazeera ver&ouml;ffentlichte eine Erkl&auml;rung, in der es hie&szlig;, Shireen Abu Akleh sei absichtlich von den israelischen Streitkr&auml;ften angegriffen worden. Das B&uuml;ro von Ministerpr&auml;sident Naftali Bennet erkl&auml;rte dagegen, dass vermutlich &bdquo;bewaffnete Pal&auml;stinenser f&uuml;r den ungl&uuml;cklichen Tod der Journalistin&ldquo; verantwortlich seien. Sie h&auml;tten &bdquo;zu dem Zeitpunkt wild um sich geschossen&ldquo;. <\/p><p>Nur wenige Stunden sp&auml;ter drangen israelische Sicherheitskr&auml;fte in das Haus der Familie von Shireen Abu Akleh ein, wo sich eine Trauergemeinde versammelt hatte. Und als der Sarg zwei Tage sp&auml;ter vom Krankenhaus zum Friedhof getragen werden sollte, r&uuml;ckten bewaffnete israelische Sicherheitskr&auml;fte auf dem Hof des Krankenhauses gegen die Sargtr&auml;ger vor, schlugen mit Kn&uuml;ppeln auf sie ein, traten sie, stie&szlig;en sie zu Boden, so dass der Sarg fast herunterfiel, wie auf Filmmaterial zu sehen ist. Blendgranaten wurden von den israelischen Kr&auml;ften gefeuert. Kein Stein war geworfen worden, wie die israelische Seite sp&auml;ter ihren Angriff begr&uuml;ndete. Es war v&ouml;llig ruhig, wie Aufnahmen zeigen. Hunderte Trauerg&auml;ste, die vor dem Krankenhaus warteten, wurden auseinandergetrieben, darunter zahlreiche internationale Medienvertreter.  Schlie&szlig;lich jagten die israelischen Sicherheitskr&auml;fte sogar durch das Krankenhaus, auch das ist auf Filmmaterial festgehalten. Es sollte verhindert werden, dass der Sarg zum Friedhof getragen wird, es sollte verhindert werden, dass auf dem Sarg die pal&auml;stinensische Fahne lag.<\/p><p>Der Direktor des Krankenhauses und Vertreter von 15 Kirchengemeinden traten am Tag nach der Beerdigung vor die Presse und <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-middle-east-61463886\">schilderten<\/a> das Geschehen. <\/p><p><strong>Die Fakten sprechen f&uuml;r sich<\/strong><\/p><p>Deutsche &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; (O-Ton Ursula von der Leyen) berichteten z&ouml;gerlich, in einer Fu&szlig;note, mit gro&szlig;er Versp&auml;tung oder gar nicht &uuml;ber den Tod der Kollegin. Dabei &uuml;bernahmen sie ganz oder teilweise die Darstellung der israelischen Regierung, Shireen sei m&ouml;glicherweise von pal&auml;stinensischen Bewaffneten erschossen worden, die zu dem Zeitpunkt wild um sich geschossen h&auml;tten. Manche Medien versuchten immerhin, sowohl die eine als auch die andere Darstellung zu &uuml;bernehmen. Sehr wenige lie&szlig;en die Kollegen und Kolleginnen, die Augenzeugen selber, zu Wort kommen. <\/p><p>Doch die Tatsachen sprechen f&uuml;r sich, die von allen Journalisten, die bei dem Tod der Journalistin dabei waren, vorgetragen wurden und die bezeugt werden k&ouml;nnen. Die Gruppe der Journalisten wurde gezielt von der israelischen Armee angegriffen. Es gab keine bewaffneten Pal&auml;stinenser, es gab nur die israelische Armee vor Ort. <\/p><p>Die weist jede Verantwortung von sich. Der Sprecher der israelischen Streitkr&auml;fte, Ron Kochav, erkl&auml;rte, die Journalistin habe sich &bdquo;unter bewaffneten Pal&auml;stinensern (befunden) und f&uuml;r ein Medium gefilmt und gearbeitet. Diese Leute seien &bdquo;mit Kameras bewaffnet&ldquo; gewesen, &bdquo;wenn Sie mir erlauben, das so zu sagen&ldquo;, so <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3qg9pt5Ivd0\">Kochav<\/a>.<\/p><p>Der Journalist Ayman Mohyeldin, ein Freund und Kollege von Shireen Abu Akleh, hebt diesen Satz hervor in seinem Kommentar zu der Ermordung der Reporterin. Gerade weil Journalisten vor Ort seien, &bdquo;bewaffnet&ldquo; mit einer Kamera, k&ouml;nnten andere Reporter in Studios in New York oder woanders auf der Welt erfahren, was in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten oder anderen Kriegs- und Krisengebieten auf der Welt geschehe. Mit einer Filmausr&uuml;stung vor Ort zu sein, geh&ouml;re zu den Aufgaben von Journalisten und sei Ausdruck von Pressefreiheit. Daf&uuml;r habe Shireen gelebt.<\/p><p><strong>Wegsehen<\/strong><\/p><p>Deutschland, so hat man den Eindruck, m&ouml;chte lieber nicht wissen, was &bdquo;die einzige Demokratie im Mittleren Osten&ldquo;, was Israel tut. Nichts sehen, nichts h&ouml;ren, nichts sagen. Wie die drei Affen verschlie&szlig;t man Augen, Ohren und Mund, um nur ja nicht als &bdquo;anti-semitisch&ldquo; zu gelten. <\/p><p>Dass Bundesregierungen in Folge seit 2008 die Sicherheit des Staates Israel zur Chefsache erkl&auml;ren und &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo; nennen, ist das Eine. Dass Journalisten sich dieser politischen Linie unterordnen, man m&ouml;chte fast sagen unterwerfen, ist eine Bankrotterkl&auml;rung.<\/p><p>Wo bleiben die Berichte &uuml;ber die Nakba, Flucht und Vertreibung der Pal&auml;stinenser aus ihrer Heimat 1947\/48, &uuml;ber die in Schulb&uuml;chern nichts steht, obwohl das damalige Geschehen in direktem Zusammenhang mit den deutschen Kriegen im 20. Jahrhundert zu tun hat? Wo bleiben die Berichte &uuml;ber den ungebremsten Siedlungsbau, die Auspl&uuml;nderung der regionalen Wasserressourcen und des pal&auml;stinensischen und arabischen Bodens? Die israelische Mauer, die pal&auml;stinensische D&ouml;rfer zerteilt und Bauern von ihren Feldern trennt, wird &bdquo;Sicherheitszaun&ldquo; genannt, weil die israelische Regierung es sagt. Und wenn hunderttausende Pal&auml;stinenser in einem kleinen K&uuml;stenstreifen namens Gaza eingepfercht werden, ohne Entwicklungsm&ouml;glichkeiten, ohne Bewegungsfreiheit, ohne Wasser und ohne Strom, ist das kaum einem Medium heute noch einen Bericht wert.<\/p><p>Wenn Frauen in Gaza ihre Kinder unter israelischen Bombenangriffen geb&auml;ren, um sie kurz darauf wieder zu Grabe tragen zu m&uuml;ssen, wird die &bdquo;radikal-islamische Hamas&ldquo; daf&uuml;r verantwortlich gemacht, weil sie angeblich die Bev&ouml;lkerung als menschliche Schutzschilde mi&szlig;brauche. Die Zerst&ouml;rung von ziviler Infrastruktur wie Schulen, Wasser- und Stromversorgung und Wohnh&auml;usern durch israelische Angriffe wird als Verteidigung gegen eine Terrororganisation hingenommen.<\/p><p>Westliche Journalisten verfolgen die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen von der israelischen Seite wie von einem Feldherrenh&uuml;gel, w&auml;hrend die Menschen aus dem Gazastreifen keine M&ouml;glichkeit haben, zu entkommen.<\/p><p>&Uuml;ber die menschenverachtende Politik der israelischen Regierung gegen&uuml;ber den Pal&auml;stinensern zu sprechen und &uuml;ber die Gewalt der israelischen Armee gegen die Pal&auml;stinenser zu berichten, ist nicht antisemitisch, es ist Aufkl&auml;rung. Dazu geh&ouml;rt auch die &uuml;beraus enge Verbindung Deutschlands mit Israel bei Waffenlieferungen, Polizeihilfen und Ausbildungsprogrammen und bei der milit&auml;rischen Kooperation. Wenn die Bundesregierung sich aus Gr&uuml;nden der &bdquo;Staatsr&auml;son&ldquo; mit einem solchen Staat gemein macht, muss sie das politisch verantworten. Journalisten m&uuml;ssen berichten. <\/p><p><strong>Geben Sie uns 10 Minuten<\/strong><\/p><p>Shireen Abu Akleh wurde am 11. Mai 2022 ermordet. Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor, am 15. Mai 2021, hatte die israelische Luftwaffe den Al-Jalaa-Turm in Gaza zerst&ouml;rt. In dem 11-st&ouml;ckigen Haus waren rund 60 Appartements und B&uuml;ros verschiedener Medien untergebracht, unter anderem das B&uuml;ro von Al Jazeera und der Nachrichtenagentur AP. Seit sechs Tagen hatte die israelische Armee damals schon den Gazastreifen angegriffen, als die Journalisten den Anruf erhielten, dass das Geb&auml;ude zerst&ouml;rt werde. Man gab ihnen eine Stunde, um es zu evakuieren. <\/p><p>Weil es nur einen Aufzug gab, <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2021\/5\/15\/give-us-10-minutes-how-israel-bombed-gaza-mediatower\">mussten<\/a> die Menschen &uuml;ber das Treppenhaus entkommen. Die Journalisten brauchten Zeit, um ihre technische Ausr&uuml;stung herauszubringen. &bdquo;Geben Sie mir noch 15 Minuten&ldquo;, bat ein AP-Journalist in einem Telefonat mit einem israelischen Geheimdienstoffizier. &bdquo;Es wird nicht einmal 10 Minuten geben&ldquo;, so die Antwort des Offiziers. &bdquo;Niemand darf das Geb&auml;ude noch betreten, wir haben Ihnen schon eine Stunde Zeit f&uuml;r die Evakuierung gegeben.&ldquo;<\/p><p>Der AP-Reporter Fares Akram fertigte einen <a href=\"https:\/\/apnews.com\/article\/middle-east-evacuations-27d7ad6c70fabe0ad34e37013a364ca4\">Bericht &uuml;ber das Geschehen an<\/a>. Nachdem er sich in Sicherheit gebracht hatte, beobachtete er, wie das Geb&auml;ude, aus dem er mehr als zehn Jahre &uuml;ber Gewalt und Trauer in seiner Heimat berichtet hatte, bombardiert wurde und zusammenbrach. &bdquo;Unser Geb&auml;ude war zerst&ouml;rt und w&uuml;rde nicht wiederkommen&ldquo;, hei&szlig;t es in seinem Bericht. &bdquo;Schon passierten andere Dinge, &uuml;ber die ich berichten musste. Man muss wissen: Wir Journalisten sind nicht die Geschichte. Vorrang f&uuml;r unsere Berichte sind nicht wir. Es ist die Geschichte anderer Menschen, die um uns herum leben, &uuml;ber die wir berichten m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p><p><strong>Nicht wir sind die Geschichte<\/strong><\/p><p>Seit dem Jahr 2000 wurden nach Angaben des pal&auml;stinensischen Informationsministeriums mindestens 45 Journalisten von der israelischen Armee get&ouml;tet. Die pal&auml;stinensische Journalistenunion gibt die Zahl der get&ouml;teten Kollegen und Kolleginnen mit 55 an. Bei dem Angriff auf den Gazastreifen im Juli\/August 2014 wurden 17 Journalisten von der israelischen Armee get&ouml;tet. <\/p><p>Die Umst&auml;nde des Todes von Shireen Abu Akleh sind bekannt, es gibt zahlreiche Augenzeugen. Die israelische Armee geht &uuml;ber Leichen und macht auch vor deutlich als &bdquo;Presse&ldquo; gekennzeichneten Journalisten nicht Halt. <\/p><p>Tausende und Tausende Menschen haben ihre Antwort gegeben. Sie folgten dicht gedr&auml;ngt dem Sarg der Reporterin, der von einem Menschenmeer durch die Stra&szlig;en getragen wurde. Die Trauernden forderten &bdquo;Freiheit&ldquo;, wie die Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten schrieb, die dem Trauerzug folgte. Sie riefen: &bdquo;Das Volk fordert das Ende der Besatzung.&ldquo; Als die Journalistin ins Grab gelegt wurde, h&auml;tten alle Glocken Jerusalems gel&auml;utet.<\/p><p>In Deutschland wurden Mahnwachen zu Ehren der mutigen und angesehenen Journalistin verboten. Sie hat Menschen eine Stimme gegeben, von denen man sonst nie geh&ouml;rt h&auml;tte.<\/p><p>Titelbild: &copy; Jordan News<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den fr&uuml;hen Morgenstunden des 11. Mai 2022 wurde die pal&auml;stinensische Journalistin Shireen Abu Akleh ermordet. Der Fernsehsender Al Jazeera, f&uuml;r den die Kollegin seit 1997 aus den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten berichtet hatte, nutzte alle Kan&auml;le und das Internet, um &uuml;ber die ungeheuerliche Tat zu informieren. 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