{"id":84108,"date":"2022-05-23T10:30:13","date_gmt":"2022-05-23T08:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84108"},"modified":"2022-05-24T10:04:43","modified_gmt":"2022-05-24T08:04:43","slug":"der-kranke-mann-am-bosporus-tuerkei-als-ausloeser-der-naechsten-finanz-und-wirtschaftskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84108","title":{"rendered":"Der kranke Mann am Bosporus: T\u00fcrkei als Ausl\u00f6ser der n\u00e4chsten Finanz- und Wirtschaftskrise?"},"content":{"rendered":"<p>Weltweit hohe Inflation, steigende Zinsen und sinkende B&ouml;rsen verhei&szlig;en nichts Gutes f&uuml;r die Weltwirtschaft. Die Immobilienm&auml;rkte sind &uuml;berhitzt, die B&ouml;rsen nerv&ouml;s, die Kryptom&auml;rkte abgest&uuml;rzt, die Preise f&uuml;r Energie und Lebensmittel sind dramatisch gestiegen. Die Bruttoschulden sind heute so hoch wie noch nie und sowohl absolut wie im Verh&auml;ltnis zur Wirtschaftskraft deutlich h&ouml;her als bei Ausbruch der Finanz- und Schuldenkrise 2008. Steht uns eine Marktbereinigung bevor, kommt eine Finanz- und Wirtschaftskrise auf uns zu, eine Finanzkrise 2.0? Der Ausl&ouml;ser daf&uuml;r k&ouml;nnte die T&uuml;rkei sein. Von <strong>Christian Krei&szlig;<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Hohe t&uuml;rkische Schulden in Fremdw&auml;hrung<\/strong><\/p><p>Die T&uuml;rkei hatte Ende M&auml;rz 2022 laut Global Debt Monitor Schulden in H&ouml;he von insgesamt etwa 166 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Im M&auml;rz 2020 waren es noch 144 Prozent gewesen.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Bei einem BIP von ungef&auml;hr 796 Milliarden US-Dollar 2021[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] hat die T&uuml;rkei also momentan Schulden in H&ouml;he von etwa 1.320 Milliarden Dollar. Nach Berechnungen des Institute of International Finance beliefen sich die Schulden der T&uuml;rkei in ausl&auml;ndischer W&auml;hrung Ende M&auml;rz 2022 auf 96,7 Prozent vom BIP. Ende M&auml;rz 2021 waren es noch 87,2 Prozent gewesen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Demnach h&auml;tte die T&uuml;rkei momentan Fremdw&auml;hrungsverbindlichkeiten in H&ouml;he von etwa 770 Milliarden Dollar. Das hei&szlig;t, wenn die Lira sich abschw&auml;cht, wird das Bedienen der Fremdw&auml;hrungsschulden immer schwieriger. <\/p><p><strong>Der Absturz der t&uuml;rkischen Lira<\/strong><\/p><p>Am 20. Mai 2022 betrug der Wechselkurs der t&uuml;rkischen Lira zum US-Dollar rund 15,9 Lira pro Dollar.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Vor einem Jahr, am 20.5.2021, lag der Kurs bei etwa 8,4 Lira. Man muss heute also etwa 90 Prozent mehr Lira f&uuml;r einen Dollar bezahlen als vor einem Jahr. Der Wert der Lira hat sich also binnen Jahresfrist beinahe halbiert. Vor f&uuml;nf Jahren, im Mai 2017, stand die Lira bei rund 3,6. Heute bekommt man also beinahe viereinhalb Mal so viele Lira pro Dollar wie vor f&uuml;nf Jahren. Anders ausgedr&uuml;ckt: Die Lira hat in den letzten f&uuml;nf Jahren &uuml;ber drei Viertel ihres Wertes verloren. F&uuml;r t&uuml;rkische Schuldner, die sich in Dollar verschuldet haben, bedeutet das, dass sie durch den Lira-Absturz heute sehr viel mehr Lira aufbringen m&uuml;ssen, um ihre Schulden zu bedienen. In Lira gerechnet haben sich die Schulden also dramatisch erh&ouml;ht. Das k&ouml;nnte einige t&uuml;rkische Kreditnehmer in Schwierigkeiten bringen.<\/p><p>Im Januar 2022 schloss die T&uuml;rkei zur Stabilisierung der Lira W&auml;hrungsabkommen mit Abu Dhabi und Katar &uuml;ber insgesamt 15 Milliarden Dollar ab.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Diese Abkommen d&uuml;rften letztlich darauf hinauslaufen, dass die T&uuml;rkei bis zu 15 Milliarden Dollar Kredite bei diesen beiden Staaten zus&auml;tzlich aufnehmen und diese Dollar dann in t&uuml;rkische Lira tauschen kann, sodass sich die t&uuml;rkische W&auml;hrung aufwertet bzw. stabilisiert. Die beabsichtigte Stabilisierung der Lira hat erstaunlich gut funktioniert. Nach den W&auml;hrungsturbulenzen im November und Dezember 2021 bewegte sich die t&uuml;rkische W&auml;hrung ab Januar 2022 in bemerkenswert ruhigem Fahrwasser. Durch die rasant steigende Inflationsrate von zuletzt 70 Prozent im April 2022[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] hat die Lira seit M&auml;rz ihren Abwertungstrend allerdings wieder aufgenommen, aber deutlich weniger turbulent als vor den W&auml;hrungsabkommen. Das Problem: Irgendwann d&uuml;rften auch diese geliehenen W&auml;hrungsreserven aufgebraucht sein. Dann d&uuml;rfte die Lira ihren Sinkflug beschleunigen.<\/p><p>Ein betr&auml;chtlicher Teil der t&uuml;rkischen Fremdw&auml;hrungsschulden muss innerhalb der n&auml;chsten 12 Monate zur&uuml;ckgezahlt werden. Nach Angaben der t&uuml;rkischen Zentralbank beliefen sich die kurzfristigen Auslandsschulden, also solche, die innerhalb eines Jahres zur&uuml;ckgezahlt werden m&uuml;ssen, Ende Februar 2022 auf 130 Milliarden Dollar. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Vor den Lockdowns, Ende 2019, waren es noch 97 Milliarden Dollar gewesen, ein beachtlicher Zuwachs um &uuml;ber 30 Prozent in gut zwei Jahren. Wie sollen diese Schulden angesichts des Lira-Absturzes zur&uuml;ckbezahlt werden?<\/p><p>Allein t&uuml;rkische Unternehmen haben derzeit beinahe 40 Prozent vom BIP bzw. &uuml;ber 330 Milliarden Dollar Fremdw&auml;hrungsschulden.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Wenn man die Verbindlichkeiten in Lira umrechnet, hei&szlig;t das, dass diese Unternehmen in t&uuml;rkischer Lira nun etwa 90 Prozent mehr Schuldendienst leisten m&uuml;ssen als vor einen Jahr oder 4,4 Mal so viel wie vor 5 Jahren. Konkret: Wenn ein Unternehmen vor f&uuml;nf Jahren 100 Millionen Dollar Kredit aufgenommen hat, bekam es damals 360 Millionen Lira daf&uuml;r. Heute muss das Unternehmen 1.590 Millionen Lira zur&uuml;ckbezahlen, 4,4 Mal so viel. Im selben Zeitraum stieg der Konsumentenpreisindex um etwa 290 Prozent.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Die Au&szlig;enwert der Lira, gemessen am Dollar, hat sich also in den letzten f&uuml;nf Jahren um den Faktor 4,4 und damit deutlich st&auml;rker verringert als die Binnenkaufkraft, die sich um den Faktor 2,9 verminderte. Die Auslandskaufkraft ist eineinhalb Mal so stark gesunken wie die Inlandskaufkraft. Das hei&szlig;t, dass es f&uuml;r t&uuml;rkische Unternehmen deutlich schwieriger geworden ist, Fremdw&auml;hrungsverbindlichkeiten zu bedienen. Sie m&uuml;ssen heute pro Dollar Fremdw&auml;hrungskredit 1,5 Mal mehr Cash Flow auf dem Binnenmarkt generieren wie vor f&uuml;nf Jahren. Kann ihnen das gelingen?<\/p><p><strong>Die aktuelle &ouml;konomische Situation der T&uuml;rkei<\/strong><\/p><p>Die Wachstumsprognose 2022 f&uuml;r die T&uuml;rkei lag im Februar 2022, vor der Ukraine-Krise, bei 3,5 Prozent.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Die Inflationsrate betrug im April 70 Prozent. Die Produzentenpreise, ein Fr&uuml;hindikator f&uuml;r die Inflation, stiegen im April 2022 um 122 Prozent gegen&uuml;ber dem Vorjahr.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Die Arbeitslosenquote erh&ouml;hte sich im M&auml;rz auf 11,6 Prozent, den h&ouml;chsten Stand seit August letzten Jahres.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Die Stimmung in der Industrie signalisiert eine leichte Schrumpfung und ist so schlecht wie zuletzt im Mai 2020.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Das Konsumentenvertrauen erreichte im April und Mai 2022 ein Rekordtief.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Die Leistungsbilanz war in den letzten f&uuml;nf Monaten (November bis M&auml;rz), also schon lange vor der Ukraine-Krise, mit 2,6 bis 5,9 Milliarden Dollar pro Monat stark negativ.[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Das bedeutet, dass die T&uuml;rkei derzeit akuten Finanzierungsbedarf im Ausland hat, in den letzten f&uuml;nf Monaten allein &uuml;ber 23 Milliarden Dollar, vor allem, um die hohen Energieimporte[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] zu bezahlen. An eine Netto-R&uuml;ckzahlung von Fremdw&auml;hrungskrediten ist in einer solchen au&szlig;enwirtschaftlichen Situation gar nicht zu denken. <\/p><p>Was Kreditaufnahmen im Ausland anlangt, ist die T&uuml;rkei mit einem sehr schlechten Bonit&auml;tsrating konfrontiert. Es liegt momentan bei &bdquo;B&ldquo; durch Moody&lsquo;s und S&amp;P,[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] das ist tief im Ramsch- bzw. High-yield-Bereich und sagt, dass es f&uuml;r die T&uuml;rkei momentan ziemlich schwer ist, an Auslandskredite zu kommen und, wenn das gelingt, &auml;u&szlig;erst hohe Zinsen daf&uuml;r bezahlen muss. Im 7-Jahres-Bereich liegen die Dollar-Zinsen der Republik T&uuml;rkei momentan bei 9,6 Prozent[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>], das sind 6,8 Prozentpunkte mehr, als die US-Regierung derzeit bezahlen muss[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>], im Dreijahresbereich bei 8,8 Prozent.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Das ist ein horrender Risikoaufschlag gegen&uuml;ber den USA, das sind horrende Zinsen angesichts eines stotternden Wirtschaftsmotors und vergleichsweise schwachen Wirtschaftswachstums.<\/p><p>Die &ouml;konomische Lage der T&uuml;rkei ist also nicht gerade beneidenswert. In diesem labilen &ouml;konomischen Umfeld m&uuml;ssen nun die t&uuml;rkischen Unternehmen, Banken sowie die Regierung drastisch gestiegene Fremdw&auml;hrungsverbindlichkeiten bedienen. Das k&ouml;nnte manche Unternehmen, aber auch Banken in Liquidit&auml;tsschwierigkeiten bringen und zu Problemen beim Schuldendienst f&uuml;hren. Das Gleiche gilt f&uuml;r die t&uuml;rkische Regierung.<\/p><p><strong>T&uuml;rkische Finanzkrise?<\/strong><\/p><p>Kurz: Der nun wiedereinsetzende Abschwung der Lira k&ouml;nnte in diesem kritischen &ouml;konomischen Umfeld dazu f&uuml;hren, dass so mancher t&uuml;rkische Schuldner in R&uuml;ckzahlungsprobleme kommt und damit eine nationale Finanzkrise ausl&ouml;st.<\/p><p><strong>Auswirkungen t&uuml;rkischer Finanzprobleme auf die Weltfinanzm&auml;rkte<\/strong><\/p><p>Angesichts des selbst im internationalen Vergleich relativ hohen Gesamtbetrages der Fremdw&auml;hrungsschulden von etwa 770 Milliarden Dollar k&ouml;nnten sich Zahlungsprobleme t&uuml;rkischer Schuldner schnell auf die Weltanleihem&auml;rkte &uuml;bertragen und dort zu weiteren Kursr&uuml;ckg&auml;ngen f&uuml;hren. Es ist also gut m&ouml;glich, dass t&uuml;rkische Finanzprobleme eine Ersch&uuml;tterung an den Bondm&auml;rkten nach sich ziehen und dort m&ouml;glicherweise eine Kettenreaktion ausl&ouml;sen. Zur Erinnerung: Lehman hatte kurz vor seiner Pleite 2008 Schulden von 613 Milliarden Dollar.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>] Dieser Betrag hat ausgereicht, um eine Weltfinanzkrise auszul&ouml;sen. Die Schulden der T&uuml;rkei heute sind deutlich h&ouml;her und haben daher m&ouml;glicherweise ebenfalls das Zeug, eine globale Finanzkrise loszutreten. Ist die T&uuml;rkei diesmal der erste Dominostein, der umf&auml;llt, wie es 2008 Lehman war?<\/p><p><strong>M&ouml;glicher Ablauf<\/strong><\/p><p>Wie k&ouml;nnten sich konkret t&uuml;rkische Schuldenprobleme auf die Weltfinanzm&auml;rkte auswirken? Wenn die ersten t&uuml;rkischen Gl&auml;ubiger ihren Schuldendienst nicht mehr bedienen k&ouml;nnen, d&uuml;rfte das zu einem weiteren Kurssturz bei t&uuml;rkischen Anleihen f&uuml;hren. Solche Turbulenzen in einem wichtigen Schwellenland f&uuml;hren leicht zu &Auml;ngsten der Anleger und zu einer allgemeinen Flucht aus riskanten Anleihen durch Investoren an den Bondm&auml;rkten. Konkret d&uuml;rften zun&auml;chst die Anleihen auch anderer Schwellenl&auml;nder unter Druck kommen und zu Kapitalflucht in sichere H&auml;fen, insbesondere die USA f&uuml;hren. Das Wall Street Journal betitelte bereits einen Artikel am 19. Mai 2022 &bdquo;The Next Emerging Market Crisis?&ldquo;[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]<\/p><p>Wie bei der S&uuml;dostasienkrise Ende der 1990er Jahre bringt dies schnell W&auml;hrungsturbulenzen, genauer W&auml;hrungsabst&uuml;rze von Schwellenl&auml;ndern mit sich. Aber nicht nur Anleihen in Schwellenl&auml;ndern d&uuml;rften Probleme bekommen, sondern auch bonit&auml;tsschwache Schuldner in Industriel&auml;ndern, insbesondere High-yield-Bonds und BBB-Anleihen, Stichwort Zombie-Unternehmen, k&ouml;nnten unter die R&auml;der kommen. In den letzten Wochen haben sich bereits die Risikoaufschl&auml;ge auf den High-yield-M&auml;rkten der USA deutlich von 2,8 Prozentpunkten im Januar 2022 auf 4,4 im Mai erh&ouml;ht.[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Das k&ouml;nnte noch erheblich mehr werden und so einige bonit&auml;tsschwache Schuldner weltweit in Bedr&auml;ngnis bringen.<\/p><p>Wenn ein starker Vertrauensverlust bzw. eine solche Angst weiter um sich greift, wie beispielsweise 1907 oder 1929, und zur Panik wird, dann kann dies recht schnell auch die Aktienm&auml;rkte weiter nach unten rei&szlig;en. Auch die Immobilienpreise w&uuml;rden dann eine starke Korrektur erleben, weil Immobilien mit ungeheuren Mengen an Schulden finanziert sind. Die internationalen Anleihe- bzw. Bondm&auml;rkte waren 2021 mit einem Marktvolumen von 123 Billionen Dollar gr&ouml;&szlig;er als die weltweiten Aktienm&auml;rkte mit 118 Billionen Dollar.[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Mit anderen Worten: Es ist weltweit mehr Geld in Anleihen investiert als in Aktien. Wenn die Bondm&auml;rkte in die Knie gehen, k&ouml;nnen sie daher leicht die Aktienm&auml;rkte weiter nach unten ziehen.<\/p><p>Letztlich beruht das Funktionieren aller Schuldbeziehungen, aller Kredit- und insbesondere der riesigen Anleihem&auml;rkte auf dem Glauben der Geldgeber, auf dem Vertrauen, dass das Geld zur&uuml;ckbezahlt werden wird. Das Wort Kredit kommt von credere, glauben. Wenn der Glaube der Gl&auml;ubiger, das Vertrauen der Investoren bricht, dann f&uuml;hrt dies zu einem allgemeinen Crash an den Finanzm&auml;rkten. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft w&auml;ren verheerend. Auch der Euro, der sich in den letzten Wochen der Parit&auml;t zum Dollar n&auml;hert, k&ouml;nnte dann infrage gestellt werden, was unabsehbare &ouml;konomische und gesellschaftliche Verwerfungen in Kontinentaleuropa nach sich ziehen w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Steht die Finanzkrise 2.0 bevor?<\/strong><\/p><p>Das Crashpotenzial an den Aktienb&ouml;rsen, den Bond- und Immobilienm&auml;rkten ist heute deutlich h&ouml;her als 2008. Der Sturz k&ouml;nnte also wesentlich tiefer werden als w&auml;hrend der Finanzkrise 2007-2009. Die Schulden der T&uuml;rkei k&ouml;nnten heute eine &auml;hnliche Rolle spielen wie die Schulden von Lehman 2008 und der Ausl&ouml;ser einer zweiten Finanzkrise sein. Diese d&uuml;rfte deutlich schlimmer werden als die erste. Ich denke, die Zeichen stehen auf Sturm, m&ouml;glicherweise einen perfekten Sturm.<\/p><p>Titelbild: Natanael Ginting\/shutterstock.com<\/p><p><em>Prof. Dr. Christian Krei&szlig;, Jahrgang 1962: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU M&uuml;nchen. Neun Jahre Berufst&auml;tigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor an der Hochschule Aalen f&uuml;r Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Autor von sieben B&uuml;chern: Gekaufte Wissenschaft (2020); Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft (2019); BWL Blenden Wuchern Lamentieren (2019, zusammen mit Heinz Siebenbrock); Werbung nein danke (2016); Gekaufte Forschung (2015); Geplanter Verschlei&szlig; (2014); Profitwahn (2013). Drei Einladungen in den Deutschen Bundestag als unabh&auml;ngiger Experte (Gr&uuml;ne, Linke, SPD). Zahlreiche Fernseh-, Rundfunk- und Zeitschriften-Interviews, &ouml;ffentliche Vortr&auml;ge und Ver&ouml;ffentlichungen. Mitglied bei ver.di und Christen f&uuml;r gerechte Wirtschaftsordnung. <\/em><em>Homepage <\/em><em><u><a href=\"http:\/\/www.menschengerechtewirtschaft.de\/\">menschengerechtewirtschaft.de<\/a> <\/u><\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] iif, Global Debt Monitor, Debt in the Time of Geopolitics 18.5.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] iif, Global Debt Monitor, Chipping Away at the mountain? 13.5.2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.statista.com\/statistics\/263757\/gross-domestic-product-gdp-in-turkey\/\">statista.com\/statistics\/263757\/gross-domestic-product-gdp-in-turkey\/<\/a> <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] iif, Global Debt Monitor 18.5.2022, eigene Berechnungen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/currency\">tradingeconomics.com\/turkey\/currency<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/politik\/ausland\/tuerkei-erdogans-harakiri-geldpolitik-ist-eine-gefahr-fuer-europa\/27993610.html\">wiwo.de\/politik\/ausland\/tuerkei-erdogans-harakiri-geldpolitik-ist-eine-gefahr-fuer-europa\/27993610.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/inflation-cpi\">tradingeconomics.com\/turkey\/inflation-cpi<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tcmb.gov.tr\/wps\/wcm\/connect\/b19b5048-dd64-4075-ae01-47b2fd3ede50\/st.pdf?MOD=AJPERES&amp;CACHEID=ROOTWORKSPACE-b19b5048-dd64-4075-ae01-47b2fd3ede50-o0I1pmL\">tcmb.gov.tr\/wps\/wcm\/connect\/b19b5048-dd64-4075-ae01-47b2fd3ede50\/st.pdf?MOD=AJPERES&amp;CACHEID=ROOTWORKSPACE-b19b5048-dd64-4075-ae01-47b2fd3ede50-o0I1pmL<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] iif, Global Debt Monitor 18.5.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/consumer-price-index-cpi\">tradingeconomics.com\/turkey\/consumer-price-index-cpi<\/a>, eigene Berechnungen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/markets\/asia\/turkeys-economy-grew-11-2021-cool-35-2022-2022-02-22\/#:~:text=GDP%20growth%20in%202022%20is,pandemic%2Drelated%20downturn%20in%202020\">reuters.com\/markets\/asia\/turkeys-economy-grew-11-2021-cool-35-2022-2022-02-22\/<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/producer-prices-change\">tradingeconomics.com\/turkey\/producer-prices-change<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/unemployment-rate\">tradingeconomics.com\/turkey\/unemployment-rate<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/manufacturing-pmi\">tradingeconomics.com\/turkey\/manufacturing-pmi<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/consumer-confidence\">tradingeconomics.com\/turkey\/consumer-confidence<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/current-account\">tradingeconomics.com\/turkey\/current-account<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/turkey\/imports-by-category\">tradingeconomics.com\/turkey\/imports-by-category<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.tradingeconomics.com\/turkey\/rating\">de.tradingeconomics.com\/turkey\/rating<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] <a href=\"https:\/\/cbonds.com\/bonds\/1504\/\">cbonds.com\/bonds\/1504\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] <a href=\"https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/government-bond-yield\">tradingeconomics.com\/united-states\/government-bond-yield<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] <a href=\"https:\/\/cbonds.com\/bonds\/10909\/\">cbonds.com\/bonds\/10909\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.rns-pdf.londonstockexchange.com\/rns\/8436Z_1-2008-7-24.pdf\">rns-pdf.londonstockexchange.com\/rns\/8436Z_1-2008-7-24.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/the-next-emerging-market-crisis-monetary-policy-debt-federal-reserve-institute-of-international-finance-11652903180\">wsj.com\/articles\/the-next-emerging-market-crisis-monetary-policy-debt-federal-reserve-institute-of-international-finance-11652903180<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/articles\/stocks-turmoil-spreads-to-junk-bonds-hurts-deals-11652261581\">wsj.com\/articles\/stocks-turmoil-spreads-to-junk-bonds-hurts-deals-11652261581<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.sifma.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2022-Capital-Markets-Outlook-FINAL-FOR-WEB.pdf\">sifma.org\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2022-Capital-Markets-Outlook-FINAL-FOR-WEB.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltweit hohe Inflation, steigende Zinsen und sinkende B&ouml;rsen verhei&szlig;en nichts Gutes f&uuml;r die Weltwirtschaft. 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