{"id":84158,"date":"2022-05-24T12:30:05","date_gmt":"2022-05-24T10:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84158"},"modified":"2022-05-24T14:48:10","modified_gmt":"2022-05-24T12:48:10","slug":"was-waere-wenn-leipzig-in-bayern-laege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84158","title":{"rendered":"Was w\u00e4re, wenn Leipzig in Bayern l\u00e4ge?"},"content":{"rendered":"<p>Fu&szlig;ball ist die sch&ouml;nste Nebensache der Welt, okay, im kommerziellen Bereich sind andere Dinge sch&ouml;ner und wichtig(er). Der Rasenballsport ist ganz nebenbei beobachtet auch ein Spiegelbild f&uuml;r den Zustand unserer Gesellschaft, die sich derzeit mehr und mehr zu einer unvers&ouml;hnlichen, verh&auml;rteten, polarisierten entwickelt, und am Besten ist es dabei so, man geh&ouml;rt stets zu dem Pol, der die Marke &bdquo;gut und auf der richtigen Seite&ldquo; tr&auml;gt. Was gut und was wichtig ist, das bestimmt der Mainstream, die Mehrheit, die, die das Sagen haben oder meinen, dieses Privileg zu besitzen. Auf alle F&auml;lle passen bei denen andere Auffassungen, Entw&uuml;rfe und Positionen nicht dazu. Mehr noch &ndash; sie werden bek&auml;mpft, sie werden ausgeschlossen &ndash; wenn m&ouml;glich. Im Fu&szlig;ball ist das genauso, nach der 10. Meisterschaft von Dauerkr&ouml;sus FC Bayern zeigt zum Saisonende das Sportereignis DFB-Pokalfinale SC Freiburg &ndash; RB Leipzig, dass wir innehalten und einen Neustart angehen sollten. Im Sport wie im Leben. Gegen Polarisierung und Ausgrenzung. Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1177\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84158-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220524_Was_waere_wenn_Leipzig_in_Bayern_laege_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220524_Was_waere_wenn_Leipzig_in_Bayern_laege_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220524_Was_waere_wenn_Leipzig_in_Bayern_laege_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220524_Was_waere_wenn_Leipzig_in_Bayern_laege_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84158-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220524_Was_waere_wenn_Leipzig_in_Bayern_laege_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220524_Was_waere_wenn_Leipzig_in_Bayern_laege_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es war ja eigentlich nur ein Fu&szlig;ballfinale in Deutschland, das Pokal-Endspiel in Berlin. Doch drumherum und dabei tobte eine Hysterie, die einen um ein Spiel zweier Mannschaften atemlos werden lassen konnte, atemlos nicht wegen der Begeisterung, sondern atemlos wegen des latenten bis offenen Gegenwindes, wegen der Vorbehalte, wegen, ja wegen des andauernden, sturen Hasses, der Ablehnung, die einer Mannschaft, der von RB Leipzig, entgegenfegte und seiner Fans, Anh&auml;nger und Sympathisanten, selbst den Leuten, die einfach mal so sagen: Leipzig ist ja nicht schlecht. <\/p><p>In zahlreichen Medien&uuml;berschriften und Postings sozialer Netzwerke hie&szlig; es zum Spieltag inflation&auml;r auf die Art: &bdquo;Heute ist ganz Deutschland Freiburg.&ldquo; Landkarten wurden gezeigt, bei denen in allen Bundesl&auml;ndern das Logo des SC Freiburg als Positionssignal prangte, lediglich bei Sachsen gab es das RB-Logo zu sehen. Das wirkte wie ein Stempel. Vielfach wurde der Wunsch von Freiburg-Fans, einfache B&uuml;rger wie Prominente, s&uuml;ffisant zitiert, dass man den Breisgauern den Sieg w&uuml;nschte. Gut. Geradezu unter gingen &auml;hnliche mediale W&uuml;nsche f&uuml;r den Kontrahenten, den Mitfinalisten aus Leipzig.<\/p><p>Wie das Spiel endete, ist bekannt: Leipzig gewann nach Verl&auml;ngerung und Elfmeterschie&szlig;en. Allein Freude, Respekt und Lob f&uuml;r RB vernahm man als Mediennutzer eher sparsam. Wiederum wurde Freiburg gelobt und getr&ouml;stet und als klarer Sieger der Herzen gefeiert. <\/p><p>Man k&ouml;nnte das alles als leicht &uuml;berzogen und doch als nicht allzu ernst zu nehmen abtun, denn es ist ja nur ein Spiel. Ja, wenn es das w&auml;re! Seit Jahren bis heute werden Vorw&uuml;rfe gepflegt, als w&uuml;rden Auss&auml;tzige im gro&szlig;en Spiel der Profis mitmachen wollen, wie k&ouml;nnen die nur, die aus Leipzig? So hei&szlig;t es:  <\/p><p>Leipzig sei keine Mannschaft, Leipzig sei ein Konstrukt, sei ein kommerzielles Etwas, nur dank eines Sponsors hochgekommen, kein Verein, nein, so einen Begriff verdiente RB nicht. Leipzig habe keine Fankultur, Leipzigs Team sei zusammengekauft und nur wegen des gro&szlig;en Getr&auml;nkeherstellers in die Bundesliga gelangt. Und so weiter und so fort. Seht her: Andere Vereine sollten als Vorbilder herhalten: Dortmund, St. Pauli, Bayern, Freiburg &ndash; das seien Ma&szlig;st&auml;be liefernde Clubs. Nicht diese b&ouml;se Truppe &ndash; aus dem &hellip; Osten. Osten? Da war doch was, da ist doch immer noch etwas? Einig Vaterland &hellip;<\/p><p>Zur Historie dieses Vereins aus Leipzig sei erz&auml;hlt: 2009 wurde der Verein RasenBallsport Leipzig gegr&uuml;ndet. Der &uuml;bernahm das Oberliga-Startrecht des Leipziger Vorort-Vereins SSV Markranst&auml;dt. Oberliga! Das ist in unserem Land die 5. Liga. 2012 kam Sportdirektor Ralf Rangnick nach Leipzig. Jahr f&uuml;r Jahr wurden Meisterschaften gewonnen und Aufstiege gelangen. Schlie&szlig;lich gl&uuml;ckte 2016 der Aufstieg in die Bundesliga. All diese Jahre des Aufbaus hielt sich der gepflegte Hass gegen RB in Grenzen, klar, ein Verein aus der Oberliga, Regionalliga &hellip; Schlagzeilen und Schlagkraft verpufften. Aber dann. Leipzig trat in der Bundesliga an. Und wie. Endlich wurde dem Tiki-Taka von Bayern offensiver, leidenschaftlicher Fu&szlig;ball entgegengesetzt. Und das von einem Team aus dem Osten? Gegenwind kam auf. Und wie.<\/p><p>Die Ursache der, vorsichtig ausgedr&uuml;ckt, best&auml;ndig gepflegten Vorbehalte versus RB liegt nun eben auch daran, dass RB Leipzig ein Ost-, ein s&auml;chsischer Club ist. Man stelle sich vor, RB w&auml;re in Bayern daheim. Ist es ja nicht, also Red Bull. Nein? Doch. In M&uuml;nchen sogar. In der Eishockey-Bundesliga spielt ein Team mit dem Namen Red Bull M&uuml;nchen. Es gibt keinen Fanaufschrei gegen den Limonadenhersteller. Ja, auch gibt es Teams in Salzburg und sogar in New York. Red Bull, das gro&szlig;e Unternehmen aus &Ouml;sterreich, das den Energydrink gleichen Namens produziert und vertreibt und bewirbt mit &bdquo;&hellip;. verleiht Fl&uuml;gel&ldquo; ist geradezu unanst&auml;ndig erfolgreich mit einem ungesunden Getr&auml;nk und dem F&ouml;rdern und Vermarkten ungesunder Lebensweisen, Abenteuer, Risiko und Fun eingeschlossen. Komisch, wenn so viele Leute etwas gegen Red Bull haben, warum verkaufen die dennoch so viel Limonade mit Sprutz? Es muss sich so verhalten wie bei der Boulevardzeitung mit den vier gro&szlig;en Buchstaben: Keiner will sie je gelesen haben &ndash; elf Millionen B&uuml;rger kennen doch die Inhalte &hellip; <\/p><p>Nein, es gibt keine Aufschreie gegen Red Bulls Engagements bei der Formel 1, beim Kunstfliegen, beim Wintersport, Radsport, beim Skaten, bei gigantischen Ereignissen wie dem Red Bull Dolomitenmann, einem Staffellauf (Berglaufen, Paragliden, Wildwasser-Kajak und Moutainbiken) frei nach dem Motto &bdquo;Schneller, h&ouml;her, weiter und dar&uuml;ber hinaus&ldquo;. Und Fu&szlig;ballfans traditioneller Clubs st&ouml;ren sich sicher auch nicht an Red-Bull-Abenteurern wie Felix Baumgartner, der dank Sponsor und Pr&auml;sentator Red Bull vor wenigen Jahren einen Stratosph&auml;rensprung auf unsere Erde zur&uuml;ck wagte und &uuml;berlebte. <\/p><p>W&auml;re Leipzig also bayerisch, w&auml;ren kommerzielle, unternehmerische Belange kein Thema. Doch Leipzig ist einer der wenigen Vereine aus dem Osten, die in der Bundesliga spielen. <\/p><p>Noch ein R&uuml;ckblick: Nach der Wiedervereinigung duldeten die traditionsreichen Vereine des Westens (also in der Institution DFB) gerade zwei Teams im Oberhaus 1. Bundesliga &ndash; Dynamo Dresden und Hansa Rostock. In der zweiten Liga durften sechs Teams aus dem Osten ihr Gl&uuml;ck im nun gesamtdeutschen Profifu&szlig;ball versuchen. Von einer gemeinsamen Landesmeisterschaft konnte keine Rede sein. Stattdessen warben Westvereine die Talente des Ostens ab. Binnen vieler Jahre erholte sich der Fu&szlig;ball-Osten nicht, traditionsreiche Vereine von Jena, Erfurt, Halle, Magdeburg, Zwickau bis Rostock verschwanden zeitweise in der tiefen Unterklassigkeit. Die mediale Pr&auml;sentation zum Thema Fu&szlig;ball, zur Historie &ndash; stets eine bundesdeutsche, eine altbundesdeutsche. <\/p><p>RB Leipzig ist nur ein Profiverein, genau so einer wie Bayern M&uuml;nchen oder Borussia Dortmund. Das anzuerkennen und dazu, statt RB zu bek&auml;mpfen, lieber die vielf&auml;ltigen Defizite des Konstrukts Profifu&szlig;ball zu benennen und Ver&auml;nderungen, ja echte Reformen zu fordern, w&auml;re ein Fortschritt. Auch fortschrittlich und fair w&auml;re es, vom Spieltagsdurcheinander zu einem einheitlichen, wettbewerbsgerechten Tag zu kommen, die Werbeflut, &uuml;berteuerte Abos f&uuml;r Bezahl-TV bis hin zu den ausufernden &bdquo;Abl&ouml;se-Preise&ldquo; f&uuml;r die Spieler einzud&auml;mmen. Hier und anderswo. <\/p><p>Komisch, als j&uuml;ngst die Video-Vorstellung der neu verpflichteten Spieler des Vereins Manchester City zu sehen war, blieb einem die Spucke weg. Alle Spieler &bdquo;kosteten&ldquo; je mehr als 60 Millionen Euro. F&uuml;r den nun nicht mehr f&uuml;r Dortmund kickenden Haaland strich der traditionsreiche BVB eben diese Summe ein. Man vernahm keinen Aufschrei von Fans.       <\/p><p>Titelbild: Vitalii Vitleo\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fu&szlig;ball ist die sch&ouml;nste Nebensache der Welt, okay, im kommerziellen Bereich sind andere Dinge sch&ouml;ner und wichtig(er). 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