{"id":84236,"date":"2022-05-27T09:00:51","date_gmt":"2022-05-27T07:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84236"},"modified":"2022-05-27T10:05:39","modified_gmt":"2022-05-27T08:05:39","slug":"mit-double-standards-in-den-naechsten-weltkrieg-von-peter-vonnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84236","title":{"rendered":"Mit double standards in den n\u00e4chsten Weltkrieg. Von Peter Vonnahme"},"content":{"rendered":"<p>Wer ist schuld am Krieg in der Ukraine?<br>\nDie Antwort ist nicht so einfach, wie uns oft glauben gemacht wird. Die Frage, wer einen Streit verursacht hat, begleitet uns vom Sandkasten bis ins Altersheim. Erfahrene Streitschlichter wissen, dass nicht unbedingt derjenige der eigentliche Aggressor ist, der zuerst zur Gewalt gegriffen hat. (Mit-)schuld kann auch der sein, der durch sein Verhalten den anderen zur Gewalttat provoziert hat. Leider hilft diese Erkenntnis nicht, um im aktuellen Streitfall die Schuldfrage eindeutig zu kl&auml;ren.<br>\n<!--more--><br>\nHilfreich ist ein Regelwerk, das beide Konfliktparteien als Richtschnur anerkennen, etwa deshalb, weil sie sich vor Beginn des Streits darauf verst&auml;ndigt haben. Ein solches verbindliches Regelwerk gibt es zwischen den Staaten. Die Gemeinschaft der V&ouml;lker hat es 1945 angesichts der zivilisatorischen Katastrophen zweier Weltkriege erarbeitet und verabschiedet:<\/p><p><strong>Charta der Vereinten Nationen (UN-Charta)<\/strong><\/p><p>Dieses Vertragswerk formuliert fundamentale Regeln, die zwischen den V&ouml;lkern der Welt gelten. Solange es nichts Besseres gibt, tun wir gut daran, uns daran zu halten.<\/p><p>Das Grundprinzip des V&ouml;lkerrechts steht in Art. 2 Ziffer 4 der Charta:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabh&auml;ngigkeit eines Staates gerichtete [..] Androhung oder Anwendung von Gewalt.&ldquo; Dieses <b>Gewaltverbot<\/b> ist die von allen Mitgliedsstaaten der UNO vereinbarte Fundamentalnorm des Rechts zwischen den Staaten (&bdquo;V&ouml;lkerrecht&ldquo;).\n<\/p><\/blockquote><p>Ein weiteres Grundprinzip ist in Art. 2 Ziffer 7 der Charta verankert: <\/p><blockquote><p>\nDanach gibt es kein Recht &bdquo;zum Eingreifen in Angelegenheiten, die ihrem Wesen nach zur inneren Zust&auml;ndigkeit eines Staates geh&ouml;ren&ldquo;. Das bedeutet, dass kein Staat berechtigt ist, in innere Konflikte eines anderen Staates mit Mitteln der Gewalt einzugreifen.\n<\/p><\/blockquote><p>Von dem Gewaltverbot gibt es zwei Ausnahmen:<\/p><ul>\n<li>Nach Art. 42 der Charta kann der <b>Weltsicherheitsrat<\/b> bei Bedrohung oder Bruch des Friedens oder bei einer Angriffshandlung zu &bdquo;robusten Ma&szlig;nahmen&ldquo; erm&auml;chtigen.<\/li>\n<li>Nach Art. 51 der Charta hat ein angegriffener Staat &bdquo;das naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven <b>Selbstverteidigung<\/b>, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Ma&szlig;nahmen getroffen hat&ldquo;. <\/li>\n<\/ul><p><strong>Was bedeutet das f&uuml;r den Ukraine-Krieg?<\/strong><\/p><p>Ma&szlig;nahmen nach Art. 42 kommen schon deshalb nicht in Betracht, weil der Sicherheitsrat Russland nicht zu Gewaltma&szlig;nahmen erm&auml;chtigt hat.<br>\nEin Selbstverteidigungsrecht Russlands nach Art. 51 entf&auml;llt, weil die Ukraine Russland nicht angegriffen hat und auch nicht erkennbar ist, dass die Ukraine einen bewaffneten &Uuml;berfall auf das russische Staatsgebiet geplant hat.<br>\nUkrainische Milit&auml;rangriffe auf die Territorien Donezk und Luhansk (Donbass) k&ouml;nnen ein Selbstverteidigungsrecht Russlands auch nicht ausl&ouml;sen, weil diese Gebiete nicht Teil des russischen Staatsgebiets sind.<\/p><p>Zwischenergebnis: Da die russische Invasion durch keinen der beiden Ausnahmef&auml;lle gerechtfertigt ist, ist der Krieg<b> v&ouml;lkerrechtswidrig<\/b>. Wer Glaubw&uuml;rdigkeit beansprucht, sollte diese Erkenntnis nicht infrage stellen. Einw&auml;nde hiergegen n&uuml;tzen weder Russland noch dem V&ouml;lkerrecht. Es spielt rechtlich keine Rolle, dass die russische Regierung das Wort &bdquo;Krieg&ldquo; vermeidet, sondern von einer &bdquo;milit&auml;rischen Sonderaktion&ldquo; spricht. Das V&ouml;lkerrecht orientiert sich nicht an Worten, sondern an Sachverhalten.<\/p><p><strong>Verletzung russischer Interessen<\/strong><\/p><p>Der russische V&ouml;lkerrechtsbruch schlie&szlig;t jedoch nicht aus, dass die Ukraine im Vorfeld des Krieges berechtigte Interessen Russlands verletzt hat. Russland erhebt insbesondere folgende Vorw&uuml;rfe: verst&auml;rkte Bem&uuml;hungen der ukrainischen Staatsf&uuml;hrung um Aufnahme in die Nato ohne R&uuml;cksicht auf russische Sicherheitsinteressen; Inszenierung des &bdquo;Maidan-Putsches&ldquo; von 2014 mit politischer und milit&auml;rischer Unterst&uuml;tzung des Westens; Duldung eines extremen Nationalismus in der Ukraine; Diskriminierung der russischsprachigen Bev&ouml;lkerung im Donbass; Einsatz von &bdquo;Nazi-Bataillonen&ldquo;; &bdquo;B&uuml;rgerkrieg&ldquo; im Donbass mit bisher 14.000 Toten; verweigerte Umsetzung des Minsk-II-Abkommens; geplante Offensive gegen die Volksrepubliken Donezk und Lugansk.<\/p><p>Es w&uuml;rde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wollte man untersuchen, ob und inwieweit die Vorw&uuml;rfe gegen die Ukraine, die USA und die EU begr&uuml;ndet sind. Eine Kl&auml;rung ist auch nicht erforderlich. Denn selbst wenn die Vorw&uuml;rfe zutr&auml;fen, k&ouml;nnte hieraus kein Recht Russlands abgeleitet werden, die Ukraine milit&auml;risch anzugreifen. Politische Provokationen rechtfertigen keinen Angriffskrieg. Dieses Ergebnis mag aus russischer Sicht unbefriedigend sein, das &auml;ndert aber nichts an der v&ouml;lkerrechtlichen Bewertung.<\/p><p>Wir leben in keiner idealen &ndash; gerechten &ndash; Welt. Die letzten Jahrzehnte haben wiederholt gezeigt, dass selbst massive V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che (zum Beispiel Jugoslawien, Irak, Syrien, Libyen, Pal&auml;stina) ungeahndet geblieben sind. Der Grund hierf&uuml;r liegt auf der Hand: Recht ist das eine, Macht ist das andere. Nicht immer siegt die St&auml;rke des Rechts, manchmal triumphiert leider die Macht des St&auml;rkeren. Gleichwohl darf die Welt nicht m&uuml;de werden, immer wieder Gerechtigkeit einzufordern. Alle Staaten der Welt sind aufgerufen, auf staatliches Fehlverhalten mit politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ma&szlig;nahmen zu reagieren und die T&auml;ter einer (v&ouml;lker-)strafrechtlichen Verurteilung zuzuf&uuml;hren.<\/p><p><strong>Systemmedien und Volksverdummung<\/strong><\/p><p>Der deutsche Medien-Mainstream beschr&auml;nkt sich &ndash; von wenigen Ausnahmen abgesehen &ndash; auf eine einseitige, von US-, Nato- und EU-Interessen bestimmte Sicht auf die Welt, so auch hier. Die russische Perspektive wird entweder v&ouml;llig ausgeblendet oder von vorneherein als unglaubw&uuml;rdig abgetan. Diese Art von Journalismus versteht sich als Lautverst&auml;rker der Regierungspolitik, Servilit&auml;t ist ihr Markenzeichen. Karl Kraus nannte diese Spielart der Pressearbeit &bdquo;Journaille&ldquo;. Im Fall des Ukraine-Krieges st&uuml;tzt sie sich mit Vorliebe auf ukrainische Regierungsverlautbarungen, westliche Geheimdienstinformationen, handverlesene Auslandskorrespondenten und obskure Rechercheportale. Auch wenn offensichtlich ist, dass Meldungen durch die Interessen einer Kriegspartei und deren Unterst&uuml;tzer geleitet sind, vernachl&auml;ssigen die systemtreuen Medien die vornehmste Journalistenpflicht, n&auml;mlich die &Uuml;berpr&uuml;fung ihrer Informationen auf den Wahrheitsgehalt. Sie berichten ohne ausreichende Recherche, ohne seri&ouml;se juristische Einordnung, daf&uuml;r aber mit dem Ausdruck tiefer Emp&ouml;rung &uuml;ber &bdquo;Russlands Verbrechen&ldquo;. <\/p><p>In den allabendlichen Talkshows geht die Indoktrination verst&auml;rkt weiter. Die Gastgeberinnen und Gastgeber lassen schon in der Anmoderation keinen Zweifel daran, auf welcher Seite sie stehen. In der n&auml;chsten Stunde f&uuml;hren der ukrainische Botschafter (und Flegel!) Andrij Melnyk sowie Bellizisten der Machart Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Anton Hofreiter, Roderich Kiesewetter und Robin Alexander das gro&szlig;e Wort. Sie &uuml;berbieten sich gegenseitig mit der D&auml;monisierung Putins und der Forderung nach mehr und schwereren Waffen f&uuml;r die Ukraine. Gelegentlich wird zur Gespr&auml;chsrunde ein waffenkritischer Diskutant als publizistisches Feigenblatt zugeladen. Wenn dieser Einzelk&auml;mpfer zu Bedacht mahnt und auf die drohende Ausweitung des Krieges hinweist, wird er von einer Handvoll &bdquo;Rechtgl&auml;ubiger&ldquo; &ndash; mit Duldung des Moderators &ndash; in seinem Diskussionsbeitrag st&auml;ndig unterbrochen und notfalls mit vereinten Kr&auml;ften der Ukraine-Allianz niedergebr&uuml;llt. <\/p><p>Solche Sendungen wollen keine Diskussion, auch keine Information, sie wollen Krawall und &ndash; schlimmer noch &ndash; sie nehmen eine schleichende Volksverdummung in Kauf. So gering der Erkenntnisgewinn der Ukraine-Diskussionsrunden auch sein mag, sie sind durch die st&auml;ndige Wiederholung von Stereotypen meinungspr&auml;gend. Russische Kommentatoren werden dem deutschen Fernsehzuschauer ohnehin vorenthalten, sie k&ouml;nnten ja Wasser in den Wein der atlantischen Selbstgerechtigkeit sch&uuml;tten. &Auml;hnliches gilt f&uuml;r chinesische, indische, arabische, lateinamerikanische und afrikanische Stimmen. Menschen dieser L&auml;nder d&uuml;rfen zwar f&uuml;r die Ukraine hungern, d&uuml;rsten und sterben, aber sie d&uuml;rfen nicht ihre Sicht darlegen. Ergebnis: Mit publizistischen Scheuklappen wird der irrige Eindruck erweckt, die ganze Welt w&uuml;rde die westliche Sichtweise teilen. Doch das ist ein Zerrbild.<\/p><p>Die Methode der absichtsvollen Gl&auml;ttung des Weltbildes hat Tradition in den deutschen Medien. Die Diskussionen um <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/medien\/mh-17-der-glaubwuerdigkeits-gau\/\">MH 17<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Gefaehrliche-Anti-Russland-Hysterie-Nowitschok-und-das-Gift-der-Theresa-May-4022365.html?seite=all\">Skripal<\/a>, und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=64719\">Nawalny<\/a> sind in unguter Erinnerung. Manche Edelfeder des deutschen Journalismus m&uuml;sste eigentlich vor Scham err&ouml;ten. Stattdessen ziehen es diese Leute vor, sich unter der Tarnkappe eines K&auml;mpfers f&uuml;r Freiheit und Demokratie zu verbergen.<\/p><p><strong>Double standards<\/strong><\/p><p>Wer eine bessere Welt will, muss aufh&ouml;ren, mit zweierlei Ma&szlig; zu messen. Denn Doppelmoral f&uuml;hrt nicht nur zum Verlust der Glaubw&uuml;rdigkeit, sie ist auch idealer N&auml;hrboden f&uuml;r neue Gewalt. Wer &uuml;ber den Tellerrand hinausblickt, kann unschwer feststellen, dass gro&szlig;e Teile der Welt &bdquo;den Westen&ldquo; bezichtigen, mit &bdquo;double standards&ldquo; zu messen. Die Kritisierten weisen den Vorwurf entr&uuml;stet zur&uuml;ck. Denn nach ihrem Selbstverst&auml;ndnis sind sie die Guten, die nur ein Ziel verfolgen, n&auml;mlich die Welt zu Demokratie und Wohlstand zu f&uuml;hren.<\/p><p>Schon der schlichte Hinweis, dass der Vorwurf des V&ouml;lkerrechtsbruchs nicht nur f&uuml;r Putins Krieg gilt, sondern auch f&uuml;r die Kriege der USA und ihrer Kriegsvasallen (z. B. die Kriege in Ex-Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen), wird sofort vom Tisch gewischt. Das sei sch&auml;biger <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Whataboutism#:~:text=Whataboutism%20ist%20nach%20der%20Definition,oder%20ein%20anderes%20Thema%20aufzugreifen%E2%80%9C\">Whataboutism<\/a> und diene nur der Verniedlichung des russischen Angriffskrieges. Dieser Vorwurf ist unredlich. Auch in diesem Artikel wird mehrfach festgestellt, dass der russische Krieg in der Ukraine rechtswidrig ist. Weshalb sollte es dann verboten sein, jemanden, der die Mordtaten von Butscha beklagt, an die Gr&auml;uel von Abu Ghraib, Guantanamo, Dubrovnik und an die amerikanischen Drohnenmorde zu erinnern? Auch wenn diese Kapitalverbrechen zeitlich zur&uuml;ckliegen, bleiben sie im historischen Ged&auml;chtnis und dienen der sachgerechten Einordnung des aktuellen Kriegsgeschehens. Das V&ouml;lkerrecht ist universell. Es galt damals und es gilt heute.<\/p><p>Warum sollte man nicht erw&auml;hnen d&uuml;rfen, dass die Kriege unter amerikanischer F&uuml;hrung weitaus mehr Tote, Verst&uuml;mmelte und Fl&uuml;chtlinge zur Folge hatten als Russlands Krieg in der Ukraine? Zahlen l&uuml;gen nicht.<\/p><p>Und warum soll sich nur Putin vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten m&uuml;ssen und nicht auch seine Kollegen Clinton, Bush und Obama? Auch sie haben das V&ouml;lkerrecht gebrochen. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, dass entweder alle angeklagt werden oder keiner. Wahrscheinlich wird keiner von ihnen vor dem Gerichtshof stehen. Putin w&uuml;rde sich vermutlich eher selbst richten, als vor einem Gericht des Klassenfeindes zu erscheinen. Die anderen Genannten sind Leuchtt&uuml;rme der westlichen Wertegemeinschaft, somit sind sie die &bdquo;Guten&ldquo;. Das impr&auml;gniert sie gegen gerichtliche Untersuchungen.<\/p><p>Unverst&auml;ndlich ist auch, weshalb &ndash; anders als im Fall Russlands &ndash; niemals Sanktionen gegen die USA und ihre Vasallen gefordert, geschweige denn verh&auml;ngt worden sind. Gro&szlig;e Teile der Welt h&auml;tten sicher nichts dagegen gehabt.<\/p><p>Dieses Messen mit zweierlei Ma&szlig;st&auml;ben hat den Westen im Rest der Welt viel Glaubw&uuml;rdigkeit gekostet. Deswegen sind die Reaktionen vieler L&auml;nder auf die westliche Forderung, die Sanktionen gegen Russland zu unterst&uuml;tzen, so verhalten.<\/p><p><strong>Wahnsinn<\/strong><\/p><p>Es scheint, dass Deutschland seinen politischen Kompass verloren hat.<\/p><p>Die Abstrafung Russlands ist heute wichtiger als Klima, Umwelt und Frieden zusammen. Erkl&auml;rtes Ziel der deutschen Au&szlig;enpolitik ist, Russland zu &bdquo;ruinieren&ldquo; (so die olivgr&uuml;ne Au&szlig;enministerin Baerbock). Das ist eine &Auml;u&szlig;erung zwischen Verantwortungslosigkeit und hellem Wahnsinn. Welchen Sinn soll es haben, ein Land zu zerst&ouml;ren, das Putin &uuml;berdauern und auf immer unser Nachbar bleiben wird? Die Bellizistin Baerbock fordert au&szlig;erdem einen Importstopp f&uuml;r russische Energie &bdquo;auf Null &ndash; und zwar f&uuml;r immer&ldquo;. Zum Ausgleich f&uuml;r wegfallendes &bdquo;b&ouml;ses&ldquo; Russengas macht Baerbocks kongenialer Parteifreund Habeck ges&auml;&szlig;tiefe B&uuml;cklinge vor arabischen Scheichs, um die zu erwartende Energiel&uuml;cke durch &bdquo;gutes&ldquo; Gas von notorischen Demokratiever&auml;chtern zu schlie&szlig;en. Einfach genial! Au&szlig;erdem arbeiten unsere Umweltexperten an langfristigen Liefervertr&auml;gen f&uuml;r klimasch&auml;dliches LNG-Gas aus den USA. Die hierf&uuml;r erforderlichen Terminals werden im Hauruckverfahren ohne Umweltpr&uuml;fung in den Nationalpark Wattenmeer gerammt.<\/p><p>Verst&ouml;rend, aber wahr: Die &bdquo;&Uuml;berlebensfrage Klimaschutz&ldquo; wird dem Ziel der Ruinierung Russlands geopfert &ndash; unter gr&uuml;ner Verantwortung.<\/p><p><strong>Hysterie<\/strong><\/p><p>Die kriegsbegleitende Hysterie hat mittlerweile absurde Z&uuml;ge angenommen. Aktuelle Beispiele:<\/p><p>Der Bundespr&auml;sident entschuldigte sich k&uuml;rzlich f&uuml;r seine russlandfreundliche Politik als Au&szlig;enminister. Seit wann sind Diplomatie und Freundlichkeit ein Vergehen, f&uuml;r das man sich an die Brust klopfen muss?<\/p><p>Ex-Kanzler Schr&ouml;der soll aus der SPD geschmissen werden, weil er f&uuml;r die russische Firma Gazprom t&auml;tig war. Vergessen ist, wie froh seinerzeit alle (!) waren, dass dem Kanzler Schr&ouml;der gelungen ist, dank seiner guten Beziehungen zu Putin f&uuml;r billiges und krisensicheres Gas aus Russland zu sorgen. Jetzt soll ihm daf&uuml;r sogar noch sein Ex-Kanzler-B&uuml;ro gestrichen werden. Wie heuchlerisch ist das denn?!<\/p><p>Spiegelbildlich zur Russophobie hat sich eine Ukrainehysterie entwickelt. Beim k&uuml;rzlichen European Song Contest von 40 Staaten landete der ukrainische Musikbeitrag auf dem Siegerpodest. Die Medien hatten das Ergebnis vorausgesagt. Fachleute sind sich einig, dass der Sieg nicht der Qualit&auml;t des Beitrags, sondern allein dem Ukraine-Hype geschuldet war.<\/p><p>Wenn das Schule macht, dann steht auch schon der n&auml;chste Fu&szlig;ball-Weltmeister fest . .<\/p><p>Solche Possenspiele sind eher belustigend. Aber sie haben einen ernsten Hintergrund. Sie n&auml;hren n&auml;mlich den Verdacht, dass Selenskyjs Waffenlieferungs-Trommelfeuer das Denkverm&ouml;gen gro&szlig;er Teile der europ&auml;ischen Zivilgesellschaft besch&auml;digt hat.<\/p><p><strong>Gefahr eines Weltkriegs<\/strong><\/p><p>Die Dramatik der heutigen Situation wird durch zwei &uuml;beraus eindrucksvolle Wortbeitr&auml;ge der Weltkriegs-Zeitzeugen <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/information\/talk\/maischberger\/videos\/Dohnanyi-maischberger-video-100.html\">Klaus von Dohnanyi<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/beitraege\/ein-letztes-glueck-auf-von-oskar-lafontaine\/sr-de\/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9CRV9TUkRFXzExMzg3Ng\">Oskar Lafontaine<\/a> verdeutlicht. Die Gedanken dieser beiden Humanisten sollten Pflichtprogramm f&uuml;r alle sein, die heute in unserem Land Verantwortung &uuml;bernehmen. Denn es ist un&uuml;bersehbar, dass in Deutschland Politiker, welche die Schrecken eines Krieges und die Not der Nachkriegszeit noch am eigenen Leib versp&uuml;rten, Platz gemacht haben f&uuml;r eine Generation, die den Krieg nur aus dem Fernseher kennt. F&uuml;r Leute vom Schlage der kaltschn&auml;uzigen Ukrainebesucher Strack-Zimmermann, Hofreiter und Roth ist das Wort Krieg zu einer Formel verkommen, die ein Geschehen fernab von Deutschland beschreibt. Das Gef&uuml;hl, dass das Inferno eines Weltkrieges blitzschnell unser Land erfassen kann, ist ihnen offensichtlich fremd.<\/p><p>Unter der fatalen F&uuml;hrerschaft der USA &uuml;berbieten sich die L&auml;nder des westlichen B&uuml;ndnissystems mit Geld- und Waffenlieferungen an die Ukraine. Die Erfahrung lehrt, dass durch mehr Waffen das Blutvergie&szlig;en nicht beendet, sondern verl&auml;ngert wird, und zwar auf beiden Seiten.<\/p><p>Doch die bemerkenswerte Spendierfreudigkeit hat ein Gutes, sie gibt unmissverst&auml;ndlich Antwort auf die Frage, wessen Interessen der Krieg in der Ukraine wirklich dient. Die USA wollen ihrem erkl&auml;rten Ziel, die Weltherrschaft zu erringen (Pr&auml;sidentenberater <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/zbigniew-brzezinski-rueckblick-in-die-konflikte-der-zukunft-100.html\">Brzezinski<\/a>, &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo;) einen Schritt n&auml;herkommen. Es geht derzeit nicht um die Ukraine, sondern was wir sehen, ist ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stellvertreterkrieg\">Stellvertreterkrieg<\/a>, der auf ukrainischem Boden ausgefochten wird. Pr&auml;sident Biden hat hierf&uuml;r vom Kongress 33 Milliarden Dollar erbeten, bewilligt wurden ihm sogar 40 Milliarden &ndash; nat&uuml;rlich f&uuml;r den Frieden &hellip; Deutschland marschiert b&uuml;ndnisergeben mit. &Uuml;ber Nacht wurden 100 Milliarden f&uuml;r Aufr&uuml;stung lockergemacht &ndash; zus&auml;tzlich zu dem von den USA durchgesetzten &bdquo;Zwei-Prozent-Ziel&ldquo;.<\/p><p><strong>Gratwanderung<\/strong><\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich darf sich die angegriffene Ukraine mit aller Vehemenz verteidigen und hierf&uuml;r auch &bdquo;schwere Waffen&ldquo; von anderen Staaten fordern. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Staaten rechtlich und politisch verpflichtet sind, den Forderungen nachzukommen, zumal dann nicht, wenn die Gefahr eines Nuklearkrieges besteht. Letzteres kann hier nicht bestritten werden. Offensichtlich ist der Konsens, dass der Weltfrieden &uuml;ber allem steht, verloren gegangen.<\/p><p>V&ouml;lkerrechtlich hoch umstritten ist die Frage, ab wann die Unterst&uuml;tzung einer Kriegspartei die Schwelle &uuml;berschreitet, ab der ein Unterst&uuml;tzer selbst zur Kriegspartei wird. Hierauf gibt es rechtlich keine &uuml;berzeugende Antwort. Und selbst wenn es sie g&auml;be, w&uuml;rde es nicht viel helfen. Denn auch der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass sich Aggressoren nicht an Rechtsnormen orientieren, sondern ausschlie&szlig;lich an Bedrohungsgef&uuml;hlen.<\/p><p>Erstaunlicherweise haben diese Fragen im &ouml;ffentlichen Diskurs bisher nur eine geringe Rolle gespielt. Diese Nachl&auml;ssigkeit ist lebensgef&auml;hrlich. Sie verwundert vor allem bei den Politikern, die nicht m&uuml;de werden, die Reizbarkeit und hohe Aggressivit&auml;t von Putin zu betonen. Zu dessen Beruhigung tr&auml;gt sicher nicht bei, dass Finnland und Schweden nun mit aller Macht in die Nato dr&auml;ngen.<\/p><p>Letzte Frage: Schlittern wir Europ&auml;er wieder wie &bdquo;Schlafwandler&ldquo; in einen Weltkrieg? (Prof. Christopher Clark, 2010, &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ausbruch-des-ersten-weltkrieges-1914-schlafwandler-und-selbstmitleid-1.2047555\">Die Schlafwandler<\/a> &ndash; Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog&ldquo;).<\/p><p>Noch nie seit 1945 war die Gefahr eines dritten &ndash; und wahrscheinlich letzten &ndash; Weltkrieges so gro&szlig; wie heute. Gemessen daran zeigen die politisch Verantwortlichen in Europa und in Amerika eine erstaunliche Gelassenheit &hellip;<\/p><p>Wir sollten aufwachen.<br>\nUnd unser Schicksal selbst in die Hand nehmen!<\/p><p>Titelbild: Sviatoslav_Shevchenko \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ist schuld am Krieg in der Ukraine?<br \/> Die Antwort ist nicht so einfach, wie uns oft glauben gemacht wird. Die Frage, wer einen Streit verursacht hat, begleitet uns vom Sandkasten bis ins Altersheim. Erfahrene Streitschlichter wissen, dass nicht unbedingt derjenige der eigentliche Aggressor ist, der zuerst zur Gewalt gegriffen hat. 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