{"id":8427,"date":"2011-02-23T09:37:55","date_gmt":"2011-02-23T08:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8427"},"modified":"2014-07-28T15:55:15","modified_gmt":"2014-07-28T13:55:15","slug":"man-sollte-die-faehigkeit-der-guttenbergs-und-ihrer-hintermaenner-zum-strategischen-denken-und-zur-mobilisierung-von-manipulationspotenzial-nicht-unterschaetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8427","title":{"rendered":"Man sollte die F\u00e4higkeit der Guttenbergs und ihrer Hinterm\u00e4nner zum strategischen Denken und zur Mobilisierung von Manipulationspotenzial nicht untersch\u00e4tzen"},"content":{"rendered":"<p>Als Ende letzter Woche Umfragen bekannt wurden, wonach 74% (<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/sendungsbeitrag96684_res-.html\">ARD\/Infratest dimap<\/a>) bzw. 68% (<a href=\"http:\/\/www.koeln-nachrichten.de\/medien\/rundfunk\/koeln_rtl_aktuell_umfrage_2011_guttenberg_plagiatvorwurf_ruecktritt.html\">RTL\/Forsa<\/a>) der Befragten f&uuml;r den Verbleib Guttenbergs im Amt votiert h&auml;tten, erhielten wir einige Mails von NachDenkSeiten-Nutzern, die die Korrektheit dieser Befragungen in Zweifel ziehen. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass die Formulierung der Fragen und auch die Erhebung selbst im Sinne eines guten Ergebnisses f&uuml;r Guttenberg angelegt wurden. Aber die erstaunlichen Ergebnisse k&ouml;nnen dennoch tendenziell der Realit&auml;t entsprechen. Guttenberg und seine Leute haben ihre Strategie zur Verteidigung clever angelegt und sie verf&uuml;gen &uuml;ber ein gro&szlig;es publizistisches und finanzielles Potenzial, allem voran &uuml;ber die Bild-Zeitung. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"I\">\n<li><strong>Zu den Elementen ihrer Strategie:<\/strong>\n<p>Vermutlich haben sich die f&uuml;r Guttenberg und seine politische Richtung arbeitenden St&auml;be in und au&szlig;erhalb von Bundesregierung und CDU\/CSU schnell und umfassend mit den m&ouml;glichen Strategien der Verteidigung besch&auml;ftigt; vermutlich geschieht dies auch arbeitsteilig zwischen Union, den eingeschalteten PR-Agenturen und den Machern in den unterst&uuml;tzenden Medien, vor allem bei Springers Bild. Weil sich die Ereignisse &uuml;berst&uuml;rzen, m&uuml;ssen die Strategien des &Ouml;fteren angepasst werden.<\/p>\n<p>Hier sind ein paar der erkennbaren strategischen Linien:<\/p>\n<ol>\n<li>Guttenberg hat Fehler gemacht. Aber die passieren immer, wenn man viel besch&auml;ftigt ist und so viele wichtige Baustellen unterh&auml;lt (so oder &auml;hnlich zum Beispiel bei Gottlieb in den Tagesthemen, bei der ARD\/Infratest dimap und in vielen anderen Medien).<\/li>\n<li>Gegen ihn wird eine Kampagne gef&uuml;hrt, er wird verfolgt, von solchen, die ihm seine Erfolge und seine Beliebtheit neiden.<\/li>\n<li>Guttenberg hat es schwer mit den Medien. Der in Ziffer 6 zitierte Hefty von der FAZ begann in seinem Artikel schon eine Art von Medienbarriere gegen Guttenberg zu konstruieren. Guttenberg habe die medialen Meinungsmacher gegen sich aufgebracht. Guttenberg hat in Kelkheim diese Linie vertieft. Obwohl Guttenberg und sein Aufstieg vor allem ein Ergebnis der Unterst&uuml;tzung wichtiger Medien ist, wird jetzt also konstruiert, er werde von den Medien verfolgt. Das ist schon die hohe Schule des Haltet den Dieb Tricks.<\/li>\n<li>Die Kampagne kommt von links, sie hat parteipolitische Hintergr&uuml;nde. &ndash; Hier werden tief sitzende Vorurteile gegen alles Linke und der alte Antikommunismus mobilisiert. Nebenbei: jene Sozialdemokraten, die so besonders eifrig die Linken-Verfolgung betreiben, merken vermutlich gar nicht, wie sehr sie damit das Gesch&auml;ft der Union betreiben.<\/li>\n<li>Keine Zweifel aufkommen lassen. Affirmativ auftreten.<\/li>\n<li>&bdquo;Gutenbergs Ansehen und &Uuml;berleben ist auch zu einer Zukunftsfrage der Union geworden&ldquo;. Das ist <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1\/Doc~E845D588CCA4C40EE9256DCC89385A1FB~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html\">w&ouml;rtlich aus der FAZ<\/a> und geschrieben von einem engen Freund der Union bei der FAZ: Georg Paul Hefty. Damit wird zumindest bei konservativen und der Union nahestehenden W&auml;hlern der Vorgang &uuml;berh&ouml;ht. Sollten diese Kreise gegen Guttenberg Bedenken entwickeln, weil sie das Abschreiben von anderen ohne Quellenangabe f&uuml;r unanst&auml;ndig halten, dann wird Ihnen nahe gelegt, den Machtverlust ihres politischen Lagers zu bedenken.<\/li>\n<li>Zeit gewinnen. Das ist erkennbar eine zentrale &Uuml;berlegung.<\/li>\n<li>Ist der Ruf erst ruiniert, dann lebt sich&rsquo;s v&ouml;llig ungeniert. Nach diesem Motto &uuml;berlebten schon Franz Josef Strau&szlig; und Helmut Kohl und Roland Koch harte Zeiten.<\/li>\n<li>Die Umfragen und ihrer Ver&ouml;ffentlichung spielen eine wichtige Rolle bei der Festigung der Popularit&auml;t und der Position Guttenbergs als Politiker.<\/li>\n<li>Die Strategen setzen zynisch darauf, dass es in Deutschland wie in fr&uuml;heren Zeiten ausreichend Menschen gibt, die ihrem Idol blind vertrauen. Diese werden entsprechend gef&uuml;ttert. Das &bdquo;Schweiz Magazin&ldquo;, ein offensichtlich sehr christliches Organ, hat unter dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.schweizmagazin.ch\/panorama\/6090-Die-Hitler-Guttenberg-Parallelen.html\">Die Hitler-Guttenberg Parallelen<\/a>&ldquo; unter anderem folgendes geschrieben:<br>\n<blockquote><p><em>&bdquo;Doch aber gibt es Parallelen und die finden sich bei den Anh&auml;ngern. Die Verehrer Hitlers waren blinde Gefolgsleute die ihr Idol anhimmelten und sich bedingungslos unterwarfen. Sie liessen keine Kritik an ihrem Helden zu und waren bereit jede Schlechtigkeit zu ignorieren oder als gerechtfertigt anzusehen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>(Nachbemerkung: ich wei&szlig;, dass es unter NachDenkSeiten Lesern wie &uuml;berall viele gibt, die nicht sch&auml;tzen, dass man mit der Hitlerzeit vergleicht. Das will ich, so es geht, gerne beherzigen. Im konkreten Fall sind es aber leider &auml;hnliche Gef&uuml;hlslagen beim angesprochenen Publikum.)<\/p><\/li>\n<li>In Anlage 3 folgt ein Nachtrag zur Strategie, formuliert von jenem freundlichen NachDenkSeiten-Leser, der uns die Wette angeboten hatte, dass Guttenberg seinen Doktor behalten kann. Siehe <a href=\"\/?p=8392\">hier<\/a>. Sein Text ist interessant. Kernthese zur Strategie: Den Betrug in einen &ldquo;Fehler&rdquo; zu verwandeln und diesen von der Frage des R&uuml;cktritts zu entkoppeln.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich bin dessen sicher, dass auf Seiten Gutenbergs und seiner politischen Freunde intensiv an den Strategien zur Beeinflussung der &ouml;ffentlichen Meinung und der ver&ouml;ffentlichten Meinung gearbeitet wird. Bei einem Kunstprodukt wie Guttenberg sind die Strategien der Meinungsbildung besonders wichtige St&uuml;tzen des politischen Erfolgs.<br>\nEine Methode sich dagegen zu wehren, ist es, die Strategien zu analysieren und sie &ouml;ffentlich zu machen. Deshalb dieser Beitrag. Er gr&uuml;ndet auf einer konkreten Erfahrung. Wir haben 1972 systematisch &uuml;ber die teils infamen Attacken gegen Willy Brandt informiert und so die zun&auml;chst hilflosen Sympathisanten und neutralen Beobachter gegen den Einfluss solcher Strategien der Manipulation immunisiert. (Zur Dokumentation und Analyse siehe <a href=\"\/?p=2381\">hier<\/a>) Das ist ein wichtiger Schritt zum Aufbau einer Gegen&ouml;ffentlichkeit. Es ist gut, sich das immer wieder klarzumachen. Es ist gut, die strategischen Elemente zu beobachten. Und es ist gut, mit Freunden, Nachbarn und Kollegen &uuml;ber diese Strategien zu sprechen. Die meisten Menschen haben davon keine Ahnung. Sie machen sich nicht klar, wie sehr sie t&auml;glich Opfer der strategischen &Uuml;berlegungen Dritter sind. Deshalb ist es wichtig, die Menschen um uns herum auf solche Planungen aufmerksam zu machen. Dies rechtzeitig zu tun, ist die beste Methode zur Immunisierung in gegen solche Machenschaften.<br>\nEs ist auch wichtig zu erkl&auml;ren, wie Teile der Medien einen solchen Menschen wie Guttenberg zum Star machten und wie sie ihn in einer solchen Turbulenz begleiten.<br>\nIm Forum von Spiegel Online hatte &uuml;brigens einer unserer Zeitgenossen verdienstvoller weise ebenfalls einen Versuch der Analyse der Strategie zu Guttenbergs gemacht. Man muss das immer wieder tun. Die Strategien variieren.<\/p><\/li>\n<li><strong>Zum publizistischen Potenzial:<\/strong>\n<p>Clever ausgedachte Strategien alleine helfen nicht, um die Entscheidungen &uuml;ber das politische Personal und die Sachentscheidungen zu bestimmen. Bei weitem nicht jede Partei kann diesen Weg gehen. Guttenberg und seine Hinterm&auml;nner und -Frauen k&ouml;nnen dies, weil sie die Unterst&uuml;tzung wichtiger Medien haben, allen voran der Bild-Zeitung. Die Bild-Zeitung ist auch in der gegenw&auml;rtigen leichten Krise von Guttenberg das R&uuml;ckgrat seiner Kampagne. Sie hat lange Zeit die Mehrheit der Medien mitgezogen. Ob das weiter gelingt, ist zur Zeit nicht ganz gewiss aber wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Das uns alle zutiefst betreffende Problem, dass n&auml;mlich die Mehrheit in unserem Land wenig bis nichts zu sagen hat, ist in der Vorbemerkung von &bdquo;Meinungsmache&ldquo; zusammenfassend beschrieben. Siehe Ziffer 2, <a href=\"\/?page_id=4138\">hier<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p><em>&bdquo;Viertens: Wer &uuml;ber viel Geld und\/oder publizistische Macht verf&uuml;gt, kann die politischen Entscheidungen massiv beeinflussen.<br>\nDie &ouml;ffentliche Meinungsbildung ist zum Einfallstor f&uuml;r den politischen Einfluss der neoliberalen Ideologie und der damit verbundenen finanziellen und politischen Interessen geworden.<br>\nIn einer von Medien und Geld gepr&auml;gten Gesellschaft ist das zum Problem der Mehrheit unseres Volkes geworden, zum Problem des sogenannten Mittelstands und vor allem der Arbeitnehmerschaft<br>\nund der Gewerkschaften, denn diese Mehrheit und ihre Interessen werden zunehmend kaltgestellt. Das erkl&auml;rt die breite und wachsende Kluft zwischen den Interessen der Mehrheit und den von oben eingeleiteten politischen Entscheidungen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Zeit gibt es eine Chance, sich dagegen zu wehren. Nicht nur in den arabischen L&auml;ndern.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage 1:<\/strong><\/p><p><strong>Verteidigungsminister zu Guttenberg<\/strong><br>\n<strong>Im Ausnahmezustand<\/strong><\/p><p>Guttenbergs politisches Schicksal ist auch zu einer Zukunftsfrage der Union geworden; sie ber&uuml;hrt das ganze Land sowie das St&auml;rkeverh&auml;ltnis aller Bundestagsparteien. Ein blamabler R&uuml;cktritt des Verteidigungsministers h&auml;tte weitreichende Folgen.<\/p><p><strong><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1\/Doc~E845D588CCA4C40EE9256DCC89385A1FB~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html\">Von Georg Paul Hefty<\/a><\/strong><\/p><p><strong>Anlage 2:<\/strong><\/p><p><strong><a href=\"http:\/\/www.schweizmagazin.ch\/panorama\/6090-Die-Hitler-Guttenberg-Parallelen.html\">Die Hitler-Guttenberg Parallelen<\/a><\/strong><\/p><p><strong>Der Vergleich dieser beiden gegens&auml;tzlichen Figuren der Zeitgeschichte mag zun&auml;chst abstrakt wirken aber angesichts der derzeitigen Geschehnisse in Deutschland dr&auml;ngt es sich geradezu auf, ein gr&ouml;sseres Augenmerk darauf zu legen.<\/strong><\/p><p>Hitler und der Freiherr von Guttenberg lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen. Hitler war ein Massenm&ouml;rder, grausamer Verbrecher und ein Diktator wie er im Buche steht. Guttenberg hingegen ist ein &uuml;berzeugter Demokrat der fest zur Freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht und dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit absolut fern sind. Er ist intelligent, charmant, gutaussehend, weiss sich zu verkaufen, wirkt sympathisch und nationalsozialistisches Gedankengut ist ihm fremd.<\/p><p>Doch aber gibt es Parallelen und die finden sich bei den Anh&auml;ngern. Die Verehrer Hitlers waren blinde Gefolgsleute die ihr Idol anhimmelten und sich bedingungslos unterwarfen. Sie liessen keine Kritik an ihrem Helden zu und waren bereit jede Schlechtigkeit zu ignorieren oder als gerechtfertigt anzusehen. <\/p><p>&Auml;hnlich verh&auml;lt es sich dieser Tage mit dem Freiherrn zu Guttenberg. Egal wie falsch Entscheidungen als Wirtschaftsminister gewesen sein m&ouml;gen, im Krieg gegen Afghanistan oder im Fall des Segelschulschiffes Gorch Fock und zuletzt in der Plagiat-Aff&auml;re, seine Anh&auml;nger folgen in der gleichen blinden und kritiklosen Verehrung wie sie auch Hitler zuteil wurde. Jede politische Entscheidung wird von ihnen ungepr&uuml;ft abgesegnet, sie verdrehen Unrechtes ins Gegenteil und verharmlosen das Vorgefallene und vermuten hinter jedem &ouml;ffentlichen Zweifel an hrem &ldquo;F&uuml;hrer&rdquo; geheime Aktionen linker B&uuml;nde.<\/p><p>&hellip;<\/p><p><strong>Anlage 3:<\/strong> <\/p><p><strong><a href=\"\/?p=8392\">Angebot zur Einl&ouml;sung der Wette<\/a><\/strong><\/p><p>Lieber Herr M&uuml;ller,<br>\nDie Wette um den Doktortitel haben Sie so gut&nbsp;wie&nbsp;gewonnen. Ich habe aus meiner Erfahrung mit der demokratisch-moralischen Qualit&auml;t des akademischen Betriebes heraus darauf gewettet, dass die Universit&auml;tskommission einen Weg finden w&uuml;rde, den Titel nicht aberkennen zu m&uuml;ssen, da sie dem Druck, damit den Superstar der deutschen Politik und die Hoffnung der konservativen Neoliberalen (es gibt ja auch noch die rotgr&uuml;nen Neoliberalen) vom Sockel zu sto&szlig;en, nicht standhalten w&uuml;rde. G. und seine Berater versuchen nun, die Machterhaltung und den vorgezeichneten Weg ins Kanzleramt vom Ergebnis der Plagiat-Untersuchung zu entkoppeln (Motto: &ldquo;Na und?!&rdquo;), denn inzwischen sind die Beweise f&uuml;r einen Betrug &uuml;berw&auml;ltigend.<br>\nDer ertappte Dieb l&auml;sst auf der Flucht seine gestohlene Beute fallen. Aber damit bleibt er ein Dieb. Das geradezu groteske Ausma&szlig; und die Dreistigkeit des Textdiebstahls selbst sind beredter Ausdruck einer Bedenkenlosigkeit, wie sie nur aus einem habitualisierten Gef&uuml;hl gesellschaftlicher Unverwundbarkeit heraus erwachsen kann. F&uuml;r diese &ldquo;Elite&rdquo; ist es von jeher selbstverst&auml;ndlich, zum eigenen Vorteil von anderen zu nehmen, andere zu instrumentalisieren, &uuml;ber andere zu verf&uuml;gen oder sie wegzuwerfen, wenn es n&uuml;tzt. Der Baron hat in seiner kurzen Karriere jedes Mal, wenn er in Bedr&auml;ngnis kam Karrieren von Untergebenen zerst&ouml;rt, nur um zu signalisieren, dass er &ldquo;entschlossen handeln&rdquo; kann. Ein bewusstes Mitglied dieser Klasse gibt aus freien St&uuml;cken keinen Jota einer Beute her, denn die Aneignung von Werten, die andere geschaffen haben (wie von Texten, die andere geschrieben haben) ist ihr ureigenstes moralisches Recht seit Jahrhunderten.<br>\n&ldquo;Verzichtet&rdquo; hat G. mit dem Eingest&auml;ndnis, einen &ldquo;Fehler&rdquo; gemacht zu haben. Assoziieren soll man: &ldquo;Fehler macht doch schlie&szlig;lich jeder mal, und irren ist menschlich&rdquo;. Aber es werden ihm ja keine Fehler vorgeworfen, sondern er ist &ouml;ffentlich des Betruges &uuml;berf&uuml;hrt worden, wenn auch noch nicht formell.<br>\nDie Sprache der Fakten ist derartig deutlich, dass auch die beflissenste Universit&auml;tskommission sie nicht im Sinne des Barons interpretieren kann. K&auml;me sie aber formell zu dem Ergebnis, dass hier sich einer den Doktortitel erschlichen hat, w&auml;re der Staatsanwalt nicht mehr weit. Daher muss das jetzt verhindert werden. Ein Doktortitel ist ein &ndash; auch geldwerter &ndash; Vorteil, er verschafft Zugang zu bestimmten akademischen Berufen, l&auml;sst Vortragshonorare steigen, erh&ouml;ht den sozialen Status usw. Wer sich den Vorteil betr&uuml;gerisch erwirbt, kommt mit den Strafrecht in Konflikt.<br>\nDamit das Kalk&uuml;l, den Betrug in einen &ldquo;Fehler&rdquo; zu verwandeln und diesen von der Frage des R&uuml;cktritts zu entkoppeln, aufgehen kann, m&uuml;ssten nun alle mitspielen. Man darf davon ausgehen, dass nichts dem Zufall &uuml;berlassen wird: Die Universit&auml;t muss einen Weg finden, der es der prinzipiell geneigten Justiz erm&ouml;glicht, passiv zu bleiben. Wahrscheinlich will man mit dem &ldquo;Verzicht&rdquo; der Kommission die M&ouml;glichkeit geben, sich wieder aufzul&ouml;sen, da es ja nichts mehr abzuerkennen gibt. Damit w&auml;re wahrscheinlich auch die Justiz ruhig gestellt. Die ma&szlig;geblichen&nbsp; Politiker der Union werden sich &lsquo;loyal&rsquo; verhalten und die Medien werden &ndash; durchaus pluralistisch und ohne auf kritische Formen (bevorzugt im Feuilleton) zu verzichten &ndash; daf&uuml;r sorgen, dass das Thema recht bald durch ein anderes ersetzt werden kann. Der Ausgang dieses Falles wird Auskunft geben &uuml;ber die Qualit&auml;t der &ldquo;Selbstreinigungskr&auml;fte&rdquo;, die in unserer Rest-Demokratie vielleicht noch enthalten sind oder auch nicht.<br>\nUnd die &lsquo;Opposition&rsquo;? Die wird ihre verbalen Rollenpflichten auf gewohntem Niveau ableisten. So ist es am Wochenende einem SPD-Sprecher eingefallen, den Schwerpunkt der Attacke auf den Missbrauch von Steuergeldern zu legen, da wohl auch ein Papier eines Bundestagsangestellten zum &ldquo;summa cum laude&rdquo; beigetragen haben soll. Das ist so, als w&uuml;rde ein Handtaschenr&auml;uber daf&uuml;r angeklagt, dass er mit einem Dienstwagen zum Tatort gefahren ist. Ist das Komplizenschaft oder nur Dummheit? &hellip;<br>\nHerzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nH. K.<br>\n&nbsp;<br>\nPS: ich glaube &uuml;brigens nicht, dass ein solcher Karrierist sich die M&uuml;he gemacht hat, die &uuml;ber 50 bisher bekannten geklauten Textst&uuml;cke selber zu suchen und zusammen zu f&uuml;gen. Diese Leute &ldquo;lassen arbeiten&rdquo;, machen aber wohl &ldquo;Fehler&rdquo; beim Personal. Damit ist G. zu einer Figur geworden, die fr&uuml;her beliebter Gegenstand von Kom&ouml;dien war: dem betrogenen Betr&uuml;ger!<br>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Ende letzter Woche Umfragen bekannt wurden, wonach 74% (<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/sendungsbeitrag96684_res-.html\">ARD\/Infratest dimap<\/a>) bzw. 68% (<a href=\"http:\/\/www.koeln-nachrichten.de\/medien\/rundfunk\/koeln_rtl_aktuell_umfrage_2011_guttenberg_plagiatvorwurf_ruecktritt.html\">RTL\/Forsa<\/a>) der Befragten f&uuml;r den Verbleib Guttenbergs im Amt votiert h&auml;tten, erhielten wir einige Mails von NachDenkSeiten-Nutzern, die die Korrektheit dieser Befragungen in Zweifel ziehen. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass die Formulierung der Fragen und auch die Erhebung selbst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8427\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,122,11],"tags":[459,1542,480,647,348],"class_list":["post-8427","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-demoskopieumfragen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bild","tag-faz","tag-forsa","tag-infratest","tag-von-und-zu-guttenberg-karl-theodor"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8427"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8433,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8427\/revisions\/8433"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}