{"id":84320,"date":"2022-05-30T09:00:43","date_gmt":"2022-05-30T07:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84320"},"modified":"2022-05-30T14:25:38","modified_gmt":"2022-05-30T12:25:38","slug":"man-erklaert-putin-zum-faschisten-so-einfach-verabschiedet-sich-die-spd-fuehrung-von-der-entspannungspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84320","title":{"rendered":"Man erkl\u00e4rt Putin zum Faschisten. So einfach verabschiedet sich die SPD-F\u00fchrung von der Entspannungspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Die Entspannungspolitik der sechziger und siebziger Jahre war die historische Leistung der SPD. Es liegt nahe, zu fragen, warum sie dieses gro&szlig;e Erbe vergessen hat und verspielt. Die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von gestern gezeigt, wie das geht: Man erkl&auml;rt Putin zum Faschisten. Deshalb m&uuml;ssten wir erkennen, dass Putin unser Feind ist, mit dem &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; keine Option mehr ist. Damit jede Frau und jeder Mann auch wahrnehmen, welche Schuld die SPD auf sich genommen hat, f&uuml;gt Esken an: &bdquo;Wir haben das leider zu sp&auml;t erkannt&ldquo;. &ndash; Das ist der helle Wahnsinn. Ein ausgesprochen gef&auml;hrlicher Wahnsinn. Im Folgenden finden Sie in I. die einschl&auml;gigen Ausz&uuml;ge aus der FAS und dann in II. eine kritische Bewertung dieser himmelschreienden Beerdigung der Friedenspolitik.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4017\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84320-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220530-So-einfach-verabschiedet-sich-die-SPD-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220530-So-einfach-verabschiedet-sich-die-SPD-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220530-So-einfach-verabschiedet-sich-die-SPD-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220530-So-einfach-verabschiedet-sich-die-SPD-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84320-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220530-So-einfach-verabschiedet-sich-die-SPD-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220530-So-einfach-verabschiedet-sich-die-SPD-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><ol type=\"I\">\n<li><strong>Saskia Esken in FAS-Interview vom 29. Mai 2022 (Auszug)<\/strong>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220530-Friedenspolitik-01.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220530-Friedenspolitik-01.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div>\n<div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220530-Friedenspolitik-02.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220530-Friedenspolitik-02.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div>\n<\/li>\n<li><strong>Kritische Bewertung der Beerdigung des Konzepts der Friedenspolitik der SPD durch die heutige SPD-Vorsitzende Esken<\/strong>\n<ol>\n<li>Um Putin zum Faschisten erkl&auml;ren zu k&ouml;nnen, bezieht sich die SPD-Vorsitzende auf eine &ndash; in der Tat verbitterte &ndash; Rede vom M&auml;rz 2022.  Die Tagesschau hatte davon berichtet und gleich auch noch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/putin-tv-verraeter-101.html\">die Interpretation durch Stefan Meister von der DGAP mitgeliefert<\/a>.<br>\nDie SPD-Vorsitzende Esken l&auml;sst bei ihrer Bewertung dieser Rede die ganze Vorgeschichte weg. Zu dieser Vorgeschichte geh&ouml;ren die Nichtbeachtung der russischen Sicherheitsinteressen, der vom Westen betriebene Regime Change in der Ukraine, der Jugoslawien-Krieg, die Missachtung der ausgestreckten Hand Putins (siehe zum Beispiel die Rede im Deutschen Bundestag vom September 2001). In der Rede vom M&auml;rz 2022 &ndash; siehe hier &ndash; ist deutlich zu sp&uuml;ren, dass Putin den in der Nachbarschaft und anderswo erfahrenen Regime Change auch f&uuml;r Russland erwartet. \n<p><strong>Zur Vorgeschichte w&auml;re beispielhaft auf zwei Dokumente hinzuweisen: <\/strong><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Auf eine Rede des ehemaligen Leiters der Strafverfolgungsabteilung der US-Armee im Pentagon und ehemaligen Senators des Bundesstaates Virginia, Oberst a. D. Richard H. Black, zum &ldquo;revolution&auml;ren Putsch&rdquo; in der Ukraine von 2014, der vom MI6 und der CIA in der Ukraine gegen Russland durchgef&uuml;hrt worden sei. Zur aktuellen Situation sagte Black, sie erinnere an den &ldquo;Moment im Jahr 1914&rdquo;, der den Grundstein f&uuml;r den Ersten und Zweiten Weltkrieg legte.<br>\n<a href=\"https:\/\/veezee.tube\/w\/x8URuZjn6t3HveLAaGbE8g\">Hier der Link zum Video<\/a> mit dem ehemaligen Senator und Oberst a. D. Richard H. Black (13:01 Minuten).<\/li>\n<li>Zur Vorgeschichte, die Esken ausblendet, geh&ouml;rt auch dies:<br>\n<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83564\">Geschichten verk&uuml;rzt erz&auml;hlen. Das ist die f&uuml;r die Erz&auml;hlungen zum Ukrainekrieg wohl wichtigste Manipulationsmethode<\/a>.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li>Die SPD-Vorsitzende blendet bei ihrer Betrachtung aus, dass die von einem Sozialdemokraten gef&uuml;hrte Bundesregierung mit autorit&auml;ren und faschistischen Regimen &ndash; auch jenseits Russlands &ndash; vortrefflich zusammenarbeitet &ndash; mit den Saudis z. B. und anderen menschenverachtenden Diktatoren.<\/li>\n<li>Die SPD-Vorsitzende Esken erz&auml;hlt und bewertet die eigene Parteigeschichte, konkret die Geschichte der Entspannungspolitik, v&ouml;llig falsch. Selbstverst&auml;ndlich konnten die damals f&uuml;hrenden und f&uuml;r diese Politik und ihre Konzeption verantwortlichen SPD-Politiker Willy Brandt, Egon Bahr, Gustav Heinemann, Helmut Schmidt, Herbert Wehner &hellip; ihre Entspannungspolitik nicht auf lupenreine Demokraten im damaligen Osten beschr&auml;nken. Waren Breschnew, der Pole Gomulka und die Deutschen Ulbricht und Honecker lupenreine Demokraten? Waren ihre Taten aus westlicher Sicht so, dass man sich auf Kooperation und Entspannung einlassen konnte? Die von der heutigen SPD-Vorsitzenden zitierte Formel &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; wurde knappe zwei Jahre nach dem Mauerbau der &Ouml;ffentlichkeit als neue Konzeption der sozialdemokratischen Sicherheitspolitik vorgestellt. Der Mauerbau war doch aus der Sicht auch der heutigen SPD-F&uuml;hrung nicht gerade ein Ausweis besonderer demokratischer Tugend?\n<p>Die Sowjetunion intervenierte mit Unterst&uuml;tzung anderer Staaten des Warschauer Paktes im August 1968 in Prag, um die dortige Demokratiebewegung des tschechoslowakischen Parteichefs der KP, Dubcek, zu beseitigen. W&auml;re Esken damals SPD-Vorsitzende gewesen, dann w&auml;re die Entspannungspolitik abgebrochen worden &ndash; mit allen f&uuml;rchterlichen Konsequenzen. <\/p>\n<p>Wie anders damals reagiert wurde, habe ich als Redenschreiber des damaligen Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller konkret erlebt. Ich berichte davon, weil der Vorgang aktuell ist, noch einmal: Zur Besprechung einer Rede war ich am 21. August 1968 beim damaligen Parlamentarischen Staatssekret&auml;r Schillers, Klaus Dieter Arndt. Er war unter anderem direkt zust&auml;ndig f&uuml;r die Entwicklung der Handelsbeziehungen mit der DDR. &ndash; W&auml;hrend unserer Besprechung brachte seine Sekret&auml;rin einen Ticker mit der Meldung, die Sowjetunion und andere Warschauer-Pakt-Staaten h&auml;tten in Prag milit&auml;risch interveniert. Die Reaktion von Klaus Dieter Arndt: Wir machen trotzdem weiter. &ndash; Ein gutes Jahr sp&auml;ter wurde Willy Brandt zum Bundeskanzler gew&auml;hlt. Zwei Jahre sp&auml;ter gab&rsquo;s den Vertrag mit Moskau und dann auch mit Warschau &uuml;ber Gewaltverzicht und Zusammenarbeit. Das Konzept Wandel durch Ann&auml;herung hat die damalige SPD-F&uuml;hrung jedenfalls ungeachtet deutlicher St&ouml;rfaktoren durchgezogen &ndash; mit Erfolg f&uuml;r ganz Europa und unsere Sicherheit.<\/p>\n<p>Das gilt &uuml;brigens auch f&uuml;r einen sp&auml;teren Vorgang: Im Dezember 1979 intervenierte die Sowjetunion in Afghanistan. Der damalige CSU-Vorsitzende Strau&szlig; forderte sofort  vom Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) das Ende der Entspannungspolitik. Ihm schloss sich im Fr&uuml;hjahr 1980 auch der Koalitionspartner von Helmut Schmidt, der Vorsitzende der FDP und Au&szlig;enminister Genscher an. Helmut Schmidt blieb bei seiner friedenspolitischen Linie. Diese wurde bei der Landtagswahl im Mai 1980 in Nordrhein-Westfalen best&auml;tigt. Dort hatte die SPD ihren Landeswahlkampf voll auf die Bundespolitik und speziell die Entspannungspolitik abgestimmt. Nie wieder Krieg &ndash; war die zentrale Parole der NRW-SPD. Genschers FDP flog aus dem Landtag. Die SPD erreichte die absolute Mehrheit. Die FDP schwenkte nach der NRW-Wahl wieder auf Entspannungskurs ein.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol><p>Die heutige SPD sollte ein bisschen eigene Geschichte studieren. Das t&auml;te ihr und uns allen gut.<\/p><p><strong>Stattdessen setzt Esken im FAS-Interview beflissen ein Schuldbekenntnis obendrauf. W&ouml;rtlich: &bdquo;&hellip; dass dieser Autokrat (Putin) unser Feind ist, mit dem Wandel durch Ann&auml;herung keine Option mehr ist. Wir haben das leider zu sp&auml;t erkannt.&ldquo; <\/strong><\/p><p><strong>So ruiniert man unser Land und die SPD gleich mit.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entspannungspolitik der sechziger und siebziger Jahre war die historische Leistung der SPD. Es liegt nahe, zu fragen, warum sie dieses gro&szlig;e Erbe vergessen hat und verspielt. Die Co-Vorsitzende der SPD, Saskia Esken, hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von gestern gezeigt, wie das geht: Man erkl&auml;rt Putin zum Faschisten. Deshalb m&uuml;ssten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84320\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":84321,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,123,191],"tags":[3058,2013,2775,397,915,259],"class_list":["post-84320","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-spd","tag-diffamierung","tag-entspannungspolitik","tag-esken-saskia","tag-ostpolitik","tag-putin-wladimir","tag-russland"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/220530-Friedenspolitik-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84320","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=84320"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84320\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84353,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84320\/revisions\/84353"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/84321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=84320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=84320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=84320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}