{"id":84416,"date":"2022-06-01T11:06:36","date_gmt":"2022-06-01T09:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84416"},"modified":"2022-06-02T07:15:16","modified_gmt":"2022-06-02T05:15:16","slug":"spritpreise-schwere-soziale-verwerfungen-sind-vorprogrammiert-und-werden-von-der-politik-billigend-in-kauf-genommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84416","title":{"rendered":"Spritpreise \u2013 schwere soziale Verwerfungen sind vorprogrammiert und werden von der Politik billigend in Kauf genommen"},"content":{"rendered":"<p>Trotz Ma&szlig;nahmenpaket und Tankrabatt bewegen sich die Spritpreise an deutschen Tankstellen auf einem historisch hohen Niveau. Die massiven Preissteigerungen sind direkte Folgen der von den westlichen Staaten verh&auml;ngten Sanktionen gegen Russland. Wenn das j&uuml;ngst verabschiedete &Ouml;lembargo der EU das Angebot an Roh&ouml;l noch weiter einschr&auml;nkt und die auf drei Monate befristete &bdquo;Anpassung&ldquo; der Energiesteuer ausl&auml;uft, wird das b&ouml;se Erwachen folgen. Vor allem einkommensschwache B&uuml;rger, die auf ihr Auto angewiesen sind, und die Bewohner l&auml;ndlicher Regionen werden &ndash; unabh&auml;ngig von ihrem Einkommen &ndash; herbe Einschnitte verkraften m&uuml;ssen. Das ist der Preis, den wir daf&uuml;r bezahlen m&uuml;ssen, dass unsere Politik sich bei den Sanktionen vollkommen verrannt hat und offensichtlich die Interessen der USA wichtiger findet als das Wohl ihres eigenen Landes. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5774\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84416-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220601_Spritpreise_schwere_soziale_Verwerfungen_sind_vorprogrammiert_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220601_Spritpreise_schwere_soziale_Verwerfungen_sind_vorprogrammiert_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220601_Spritpreise_schwere_soziale_Verwerfungen_sind_vorprogrammiert_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220601_Spritpreise_schwere_soziale_Verwerfungen_sind_vorprogrammiert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84416-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220601_Spritpreise_schwere_soziale_Verwerfungen_sind_vorprogrammiert_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220601_Spritpreise_schwere_soziale_Verwerfungen_sind_vorprogrammiert_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220601-Spritpreise-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220601-Spritpreise-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Seit heute gilt der sogenannte Tankrabatt an den Tankstellen. Je nach Sorte m&uuml;sste der Kraftstoff zwischen 16,7 und 35,2 Cent g&uuml;nstiger werden. Erste Zahlen deuten darauf hin, dass die Preise tats&auml;chlich im Vergleich zu gestern um rund die H&auml;lfte des von der Regierung erlassenen Rabatts gesunken sind &ndash; da die Mineral&ouml;lkonzerne die Preise jedoch trotz eines weitestgehend stabilen Roh&ouml;lpreises in den letzten Wochen massiv erh&ouml;ht haben, kommt am Ende beim Verbraucher fast nichts von diesem Rabatt an. So liegt der heute an den Tankstellen im Durchschnitt aufgerufene Dieselpreis mit 1,97 Euro ungef&auml;hr auf dem Niveau von 17. April (2,00 Euro). Der Preis f&uuml;r Super liegt mit 2,03 Euro sogar etwas h&ouml;her als damals (2,02 Euro). Der Preis f&uuml;r Roh&ouml;l lag am 17. April jedoch mit 111 USD pro Barrel nur unwesentlich unter dem Preis von heute, der bei 117 USD liegt. Der gesamte Tankrabatt ist somit verpufft oder besser gesagt in die Margen der Mineral&ouml;lkonzerne eingegangen. Die haben ihre Preiskalkulation &uuml;ber die gesamte Wertsch&ouml;pfungskette, angefangen bei den Raffinerien bis zum Gro&szlig;handel, in den letzten Wochen derart gestaltet, dass de facto nichts vom Rabatt beim Endkunden ankommt. Machte die Mineral&ouml;lwirtschaft im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,5 Billionen Dollar, so werden es dieses Jahr <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/benzin-diesel-und-kerosin-iea-chef-fatih-birol-warnt-vor-sprit-engpass-im-sommer-a-4a532976-fb1a-444d-97ab-888ff39eede8\">laut der Internationalen Energieagentur<\/a> stolze vier Billionen Dollar sein. Sch&auml;tzungen zufolge wird der Tankrabatt den Steuerzahler 3,15 Mrd. Euro kosten. Da h&auml;tte man das Geld auch gleich den Mineral&ouml;lkonzernen &uuml;berweisen k&ouml;nnen, die dann on top kommen.<\/p><p>Doch so einfach ist es dann auch wieder nicht. Der Tankrabatt ist n&auml;mlich auf drei Monate begrenzt. Und man muss sicher kein Hellseher sein, wenn man davon ausgeht, dass die Mineral&ouml;lkonzerne die Aufhebung des Rabatts diesmal 1:1 an den Endkunden durchreichen werden. Am 1. September k&ouml;nnen wir uns also bereits auf Spritpreise einstellen, die dann je nach Sorte mit einem Sprung um 16,7 bis 35,2 Cent steigen. Und das ist noch nicht alles. <\/p><p>Nach langem Ringen hat die EU nun auch ihr &Ouml;lembargo gegen Russland beschlossen. F&uuml;r einige Staaten wie Ungarn oder Bulgarien wurden zwar Ausnahmen gemacht, aber allen voran Deutschland und Polen haben bereits unilateral verk&uuml;ndet, dass sie sogar noch &uuml;ber die verabschiedeten Embargoma&szlig;nahmen hinausgehen und von Ausnahmeregelungen, die auch sie theoretisch in Anspruch nehmen k&ouml;nnten, keinen Gebrauch machen werden. Die Folge ist klar: Angebot und Nachfrage machen den Preis. Wenn die EU freiwillig ihren gr&ouml;&szlig;ten &Ouml;llieferanten vom Markt abschneidet, wird das Angebot deutlich sinken und bei weitestgehend konstanter Nachfrage werden die Preise deutlich steigen. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern unstrittiges Basiswissen der Mikro&ouml;konomie. Wie hoch die Preissteigerungen ausfallen, ist zurzeit nat&uuml;rlich nicht seri&ouml;s zu sagen. Wenn man allerdings bedenkt, dass noch im letzten Jahr ein Drittel der gesamten EU-&Ouml;limporte aus Russland kamen, bekommt man vielleicht eine gewisse Ahnung. Zum Jahresende k&ouml;nnte der Sprit drei Euro an der Zapfs&auml;ule kosten. Es k&ouml;nnten aber auch vier oder f&uuml;nf Euro sein. <\/p><p>Was h&auml;tte das f&uuml;r Folgen? Allen voran w&auml;ren genau diejenigen betroffen, die bereits heute einen gro&szlig;en Teil ihres verf&uuml;gbaren Einkommens f&uuml;r Kraftstoff ausgeben m&uuml;ssen. Das sind generell B&uuml;rger mit niedrigem Einkommen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Das sind aber auch B&uuml;rger mit mittlerem und sogar h&ouml;herem Einkommen, die auf dem Land leben, zum Arbeitsplatz pendeln m&uuml;ssen und auch f&uuml;r private Zwecke ihr Auto nutzen m&uuml;ssen. <\/p><p>Wer heute beispielsweise als Pendler 70 Kilometer zur&uuml;cklegen muss, zahlt bei einem Benzinpreis von 1,30 Euro, wie er im letzten Jahr &uuml;blich war, mit einem normalen Auto 2.912 Euro reine Spritkosten. Bei einem Benzinpreis von 2,30 Euro steigen die Kosten auf 5.796 Euro, bei einem hypothetischen, aber durch das &Ouml;lembargo perspektivisch durchaus wahrscheinlichen Benzinpreis von 3,50 Euro w&auml;ren es 8.820 Euro. Die monatlichen Mehrkosten liegen dann also bei rund 455 Euro. Und hier sprechen wir ja &bdquo;nur&ldquo; &uuml;ber die reinen Benzinkosten f&uuml;r den Arbeitsweg. Private Fahrten kommen hinzu und durch die &ndash; jedoch nicht ausschlie&szlig;lich den Sanktionen zu verdankende &ndash; allgemeine Preissteigerung kommen noch weitere Mehrausgaben hinzu. Viele Arbeitnehmer k&ouml;nnen sich das gar nicht leisten, und diejenigen, die es sich leisten k&ouml;nnen, m&uuml;ssen daf&uuml;r an anderer Stelle sparen. Leidtragende in zweiter Ebene sind damit vor allem die ohnehin bereits durch die Lockdown-Jahre gesch&auml;digten Branchen Tourismus, Gastronomie und Einzelhandel. <\/p><p>Die jetzigen sanktionsbedingten Teuerungen und mehr noch die zu erwartenden Preissteigerungen durch das &Ouml;lembargo werden somit nicht nur zu einer Wirtschaftskrise, sondern auch zu sozialen Verwerfungen bislang ungekannten Ausma&szlig;es f&uuml;hren, die vor allem die l&auml;ndlichen Regionen treffen. Da mag es kaum verwundern, dass die Gr&uuml;nen, die ja die gr&ouml;&szlig;ten Treiber dieser Sanktionspolitik sind, ihre W&auml;hlerklientel vor allem im urbanen, akademischen Bereich haben; also bei den B&uuml;rgern, die unter den jetzigen und kommenden Preissteigerungen im Vergleich am wenigsten zu leiden haben. <\/p><p>Und warum das Ganze? Russland wird durch diese Sanktionen allenfalls minimal gesch&auml;digt. Die Verluste durch die wegfallenden Lieferungen in die EU macht das Land &uuml;ber die steigenden &Ouml;lpreise bei seinen &uuml;brigen Lieferungen in die L&auml;nder, die kein Embargo verh&auml;ngt haben, mindestens wett. Vielleicht nimmt Russland in Endeffekt sogar mehr Geld ein &ndash; das h&auml;ngt letztlich nur davon ab, wie weit der Roh&ouml;lpreis steigen wird.  Wie kommt die Bundesregierung auf die absurde Idee, ihre eigenen B&uuml;rger bluten zu lassen? <\/p><p>Die Antwort kann eigentlich nur darin bestehen, dass die Regierung hier nicht ihre eigenen, sondern fremde Interessen vertritt. Es gibt n&auml;mlich auch absolute und relative Gewinner. Zu den absoluten Gewinnern geh&ouml;ren ganz klar die OPEC-L&auml;nder. Sie k&ouml;nnen ihre Exporterl&ouml;se in bislang nicht gekannte H&ouml;hen steigern und die Deviseneinnahmen u.a. in der EU investieren. Sprich: Wir verkaufen unser Land. Wenn Sie das n&auml;chste Mal lesen, dass irgendein Staatsfonds oder eine Beteiligungsgesellschaft aus den Emiraten, Katar oder Saudi-Arabien sich in Deutschland an einem Unternehmen beteiligt, Immobilien kauft oder sonstwie &bdquo;investiert&ldquo;, fragen Sie sich doch einmal, wo das Geld daf&uuml;r herkommt. Einen Teil haben auch die Pendler aus Deutschland bezahlt. <\/p><p>Der gro&szlig;e relative Gewinner sind jedoch die USA. Dort leidet vor allem die Landbev&ouml;lkerung zwar auch unter steigenden Energiepreisen, auf der anderen Seite sind die USA jedoch auch der gr&ouml;&szlig;te Erd&ouml;lf&ouml;rderer der Welt und auch beim Erdgas spielen sie ganz oben mit. Nicht der Farmer aus dem Mittleren Westen, aber die US-R&uuml;stungs- und &Ouml;l-Konzerne sowie die Banken und Finanzkonzerne sind die gro&szlig;en Gewinner der Selbstmordpolitik Deutschlands und der EU. Das sollten sich vor allem diejenigen noch einmal durch den Kopf gehen lassen, die Albrecht M&uuml;llers Begriff <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83789\">&bdquo;Einflussagenten&ldquo;<\/a> f&uuml;r eine &Uuml;bertreibung halten. <\/p><p>Titelbild: Jan von nebenan\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/c2e9c211fbe8464c897e6b9a69721de8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz Ma&szlig;nahmenpaket und Tankrabatt bewegen sich die Spritpreise an deutschen Tankstellen auf einem historisch hohen Niveau. Die massiven Preissteigerungen sind direkte Folgen der von den westlichen Staaten verh&auml;ngten Sanktionen gegen Russland. 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