{"id":84478,"date":"2022-06-02T15:38:57","date_gmt":"2022-06-02T13:38:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84478"},"modified":"2022-06-03T07:21:04","modified_gmt":"2022-06-03T05:21:04","slug":"praxis-dr-heuschrecke-wie-finanzinvestoren-ueber-das-gesundheitswesen-herfallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84478","title":{"rendered":"Praxis Dr. Heuschrecke. Wie Finanzinvestoren \u00fcber das Gesundheitswesen herfallen."},"content":{"rendered":"<p>Private-Equity-Fonds kaufen seit Jahren und verst&auml;rkt noch durch die Corona-Krise massenweise Arztsitze auf und wandeln diese zu dukatenschei&szlig;enden Profitcentern um. Vorneweg in der Augen- und Zahnmedizin bringen sich immer mehr investorengetragene Medizinische Versorgungszentren in Stellung, die das Solidarsystem mit &uuml;berh&ouml;hten Honoraren und &uuml;berteuerten Zusatzleistungen pl&uuml;ndern, die als Rendite in Steueroasen landen. Die Bundesregierung wei&szlig; schon sehr lange von den Machenschaften, unternimmt aber nichts dagegen. Aus der Warte der Patienten wirkt das wie unterlassene Hilfeleistung, aus Sicht der Profiteure wie t&auml;tige Mithilfe. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3567\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84478-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220602_Praxis_Dr_Heuschrecke_Wie_Finanzinvestoren_ueber_das_Gesundheitswesen_herfallen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220602_Praxis_Dr_Heuschrecke_Wie_Finanzinvestoren_ueber_das_Gesundheitswesen_herfallen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220602_Praxis_Dr_Heuschrecke_Wie_Finanzinvestoren_ueber_das_Gesundheitswesen_herfallen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220602_Praxis_Dr_Heuschrecke_Wie_Finanzinvestoren_ueber_das_Gesundheitswesen_herfallen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84478-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220602_Praxis_Dr_Heuschrecke_Wie_Finanzinvestoren_ueber_das_Gesundheitswesen_herfallen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220602_Praxis_Dr_Heuschrecke_Wie_Finanzinvestoren_ueber_das_Gesundheitswesen_herfallen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>R&uuml;hrig, wie die Hamburger Sparkasse (Haspa) ist, k&uuml;mmert sie sich auch um niedergelassene &Auml;rztinnen und &Auml;rzte, die ihre Praxis loswerden wollen. Zum Beispiel an einen Private-Equity-Fonds (PEF). Seit gut zwei Jahren wirbt die Bank auf ihrer <a href=\"https:\/\/www.haspa-unternehmernetzwerk.de\/heilberufe-spezial\/nachfolgeloesungen-fuer-aerzte-durch-finanzinvestoren\/\">Webseite<\/a> ganz unverbl&uuml;mt und in Gestalt von Christian Holz, Berater f&uuml;r Firmen&uuml;bernahmen, der seine Br&ouml;tchen bei einer entsprechend spezialisierten Consultungfirma verdient, f&uuml;r die Vorteile eines &bdquo;Investments&ldquo;, die da aus Sicht der Anleger w&auml;ren: &bdquo;konjunkturunabh&auml;ngige und damit stabile Cash Flows, hohes Potential aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft sowie der allgemeine Trend zu qualitativ hochwertiger Fachbehandlung&ldquo;. <\/p><p>Nicht minder lohnend seien die Deals f&uuml;r die Verk&auml;ufer selbst, wei&szlig; der nette Herr Holz. Denn damit sicherten sie sich &bdquo;einen Gro&szlig;teil des in die Praxis investierten Kapitals auf die private Ebene und damit gegebenenfalls auch f&uuml;r nachfolgende Generationen&ldquo; &ndash; aus der eigenen Brut, versteht sich. Nat&uuml;rlich ist bei all dem Vorsicht geboten. &bdquo;Wir sehen oft Unternehmen, die den optimalen Verkaufszeitpunkt verpasst haben. Sei es aufgrund von konjunkturellen Schwankungen, Gesetzes&auml;nderungen, Regulierung beziehungsweise sonstigen Marktgegebenheiten.&ldquo; Deshalb gelte: &bdquo;Timing ist die halbe Miete.&ldquo; <\/p><p><strong>&Ouml;ffentlich-private-Partnerschaft <\/strong><\/p><p>Der Vorgang hat etwas Erhellendes. Ein staatlich verfasstes Finanzinstitut mit dem Label der Gemeinn&uuml;tzigkeit legt sich daf&uuml;r ins Zeug, sogenannten Heuschrecken Zugriff auf das &uuml;ber weite Strecken noch &ouml;ffentliche Gesundheitswesen zu verschaffen. So bekommt der Begriff &ouml;ffentlich-private Partnerschaft einen ganz neuen Dreh. In dieselbe Kategorie f&auml;llt das, was die Bundesregierung in der Angelegenheit unternimmt, n&auml;mlich: Nichts! Dieser Tage hatte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek &ouml;ffentlich vor einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/arztpraxen-experten-warnen-vor-uebernahme-durch-finanzinvestoren-a-1c9303c8-cf4e-4bc6-a40e-86df1e981509\">Ausverkauf von Arztpraxen<\/a> an internationale Finanzkonzerne gewarnt. Diese h&auml;tten insbesondere &bdquo;bestimmte Fach&auml;rzte wie Augen&auml;rzte, Nephrologen, aber auch Radiologen&ldquo; ins Visier genommen, befand der CSU-Politiker. Eindr&uuml;cklich habe er deshalb das Bundesgesundheitsministerium (BGM) schon vor l&auml;ngerer Zeit darum gebeten, sich des Themas anzunehmen und so schnell wie m&ouml;glich eine Bund-L&auml;nder-Arbeitsgruppe einzurichten. Reaktion? Fehlanzeige. <\/p><p>Zu Wort meldeten sich desgleichen der Medizinethiker Eckhard Nagel von der Universit&auml;t Bayreuth und Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Genesungschancen d&uuml;rften nicht durch wirtschaftliche Strukturen und Interessen gef&auml;hrdet werden und die lukrativste Behandlung oder Abrechnungsstrategie im Vordergrund stehen, bemerkte Brysch. &bdquo;Das unentbehrliche Vertrauensverh&auml;ltnis zwischen Arzt und Patient droht hier verletzt zu werden&ldquo;, &auml;u&szlig;erte sich Nagel, der von einer &bdquo;alarmierenden Lage&ldquo; sprach. Erst Anfang April hatte das ARD-Magazin Panorama  berichtet, dass in j&uuml;ngeren Jahren <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/archiv\/2022\/Spekulanten-greifen-nach-Arztpraxen,arztpraxen112.html\">&bdquo;bereits Hunderte, m&ouml;glicherweise sogar Tausende Arztsitze&ldquo;<\/a> den Besitzer gewechselt h&auml;tten. Genaue Daten und Zahlen existierten nicht. &bdquo;Der Wandel vollzieht sich nahezu unbemerkt.&ldquo; <\/p><p><strong>Noch mehr Corona-Profiteure <\/strong><\/p><p>Hoch im Kurs stehen insbesondere Augenarztpraxen, von denen bundesweit mittlerweile mehr als 500 in Ketten unter Regie internationaler Finanzunternehmen organisiert sein sollen. Das w&auml;ren dreimal so viele wie vor drei Jahren. Offenbar haben viele Mediziner unter dem Druck der Corona-Krise ihre Praxis an potente Verm&ouml;gensverwalter ver&auml;u&szlig;ert, f&uuml;r die sie sich jetzt im Angestelltenverh&auml;ltnis als Renditej&auml;ger bet&auml;tigen. Das w&auml;re ein weiterer von etlichen Kollateralsch&auml;den der Pandemie, die gerade im Gesundheitssektor schlimme Verheerungen anrichten. Dazu z&auml;hlen ein versch&auml;rfter Pflegenotstand, den die Hans-B&ouml;ckler-Stiftung in einer aktuellen Studie <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/pressemitteilungen-2675-auf-deutschen-intensivstationen-fehlen-pflegekrafte-41559.htm\">allein in der Intensivmedizin mit 50.000<\/a> beziffert, sowie ein <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=79245\">versch&auml;rftes Krankenhaussterben<\/a> wegen eines &uuml;ber zweij&auml;hrigen Bettenleerstands von historischem Ausma&szlig;.   <\/p><p>Profiteure sind, beim Klinikkahlschlag wie beim massenhaften Aufkauf von Praxen, finanzstarke Akteure mit namen- und gesichtslosen Geldgebern im R&uuml;cken, die die Krankheit beziehungsweise Gesundheit der Menschen als Renditeobjekt ausschlachten. Dabei seien Gewinnerwartungen von 20 Prozent &bdquo;&uuml;blich&ldquo;, wie Panorama herausfand, was sich etwa mittels &uuml;berh&ouml;hter Abrechnungen von Behandlungen oder durch das Aufschwatzen &uuml;berteuerter und unn&ouml;tiger Zusatzleistungen realisieren l&auml;sst. Ein bevorzugter Profitbringer ist nach Auskunft einer Augen&auml;rztin die Operation des Grauen Stars. &bdquo;Da sollten wir m&ouml;glichst hohe St&uuml;ckzahlen rekrutieren&ldquo;, sagte sie dem Magazin. Eine Dentistin gestand, Z&auml;hne angebohrt zu haben, die eigentlich noch gesund gewesen seien. Und wenn die Krankenkassen bei unangemessen hohen Forderungen doch einmal nachhakten, habe sie sich &bdquo;irgendeine Begr&uuml;ndung aus den Rippen geleiert&ldquo;.<\/p><p><strong>Abzockerei nach MVZ-Art<\/strong><\/p><p>Licht ins Dunkel dieser Machenschaften bringt das Berliner Institut f&uuml;r Gesundheits- und Sozialforschung (IGES). Vor knapp zwei Monaten legte es ein <a href=\"https:\/\/www.iges.com\/sites\/igesgroup\/iges.de\/myzms\/content\/e6\/e1621\/e10211\/e27603\/e27954\/e27955\/e27963\/attr_objs27965\/IGES-MVZ-Gutachten-April-2022-Kurzfassung_ger.pdf?preview=preview\">Gutachten<\/a> im Auftrag der Kassen&auml;rztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) vor, das konkrete Zahlen zu den Unkosten der Abzockerei f&uuml;r die Solidargemeinschaft liefert. Im Zentrum stehen dabei sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die das vielleicht gr&ouml;&szlig;te Einfallstor f&uuml;r Privatisierungen im Gesundheitssektor darstellen. Anders als Vollkrankenh&auml;user bieten diese ambulanten Einrichtungen keine Rundumversorgung (kein 24-Stundenbetrieb, keine Notfallambulanz), sondern arbeiten in aller Regel hochspezialisiert, vor allem in Bereichen mit den gr&ouml;&szlig;ten Margen. Vor allem auf diese H&auml;user haben es internationale Finanzjongleure abgesehen beziehungsweise sind die gro&szlig;en Klinikketten mit geldwerter Unterst&uuml;tzung der Politik (Krankenhausstrukturfonds) damit befasst, immer mehr Regelkrankenh&auml;user durch solche Einheiten zu ersetzen.   <\/p><p>Wie die IGES ermittelt hat, lassen sich die in Bayern operierenden MVZs Behandlungen schon ohne Zutun von Finanzinvestoren deutlich besser honorieren als Einzelpraxen. Im Betrachtungszeitraum 2018 und 2019 betrug die Differenz 5,7 Prozent. Sobald ein Investor die Strippen zieht, sind es sogar 10,4 Prozent. Untersucht haben die Forscher au&szlig;erdem, wie sich die T&auml;tigkeit mehrerer Fachrichtungen &bdquo;unter einem Dach&ldquo;, typisch f&uuml;r MVZs, auswirkt. Ergebnis: Es schlagen fast &bdquo;20 Prozent mehr Mitversorgungsleistungen&ldquo; zu Buche, wobei von diesen mehr als 60 Prozent innerhalb des gleichen MVZ vorgenommen werden. MVZs sind also buchst&auml;blich Profitcenter, in denen die beteiligten &Auml;rzte sich ihre Patienten gegenseitig zuschanzen, um das Maximum aus ihnen herauszuholen. <\/p><p><strong>Korporatisierung<\/strong><\/p><p>In einer im Dezember 2020 ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.iges.com\/sites\/igesgroup\/iges.de\/myzms\/content\/e6\/e1621\/e10211\/e24893\/e26287\/e26288\/e26290\/attr_objs26292\/Gutachten_Z-MVZ_IGES_2020-10_web_ger.pdf?preview=preview\">Studie<\/a> hatte die IGES die Bedeutung der MVZs in der Zahnmedizin beleuchtet. Demnach war damals schon bundesweit jedes f&uuml;nfte in diesem Bereich t&auml;tige MVZ Eigentum eines Private-Equity-Fonds, ans&auml;ssig &bdquo;vorrangig in gro&szlig;st&auml;dtischen Regionen, wo vor allem j&uuml;ngere und gutverdienende Bewohner leben&ldquo;. Bezogen auf s&auml;mtliche Fachrichtungen besa&szlig;en Finanzinvestoren im vierten Quartal 2019 nahezu zehn Prozent aller in Bayern t&auml;tigen MVZs. Nimmt man alle Arztpraxisstandorte, hat sich die Zahl derjenigen in H&auml;nden von Spekulanten befindlichen im Freistaat in den Jahren 2018\/19 um 72 Prozent erh&ouml;ht. <\/p><p>Wie genau der Vormarsch der PEFs vonstatten geht, haben Richard B&#367;&#382;ek von der Universit&auml;t M&uuml;nster und Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik (IAT) an der Westf&auml;lischen Hochschule in Gelsenkirchen in einem Artikel in der &bdquo;Zeitschrift f&uuml;r die wirtschaftliche und soziale Geografie&ldquo; ausgearbeitet. In den Blick nahmen sie daf&uuml;r 17 in Bayern t&auml;tige Arztketten, bei denen sich eine <a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news794096\">&bdquo;Korporatisierung&ldquo;<\/a> vollziehe, das hei&szlig;t ein &bdquo;Umbau von Einzelpraxen in gro&szlig;unternehmerische Strukturen&ldquo;. Die Ketten betrieben einerseits eine &bdquo;Zugangsstruktur&ldquo; mit einer Erwerbsgesellschaft und einem Krankenhaus, die dazu dienten, MVZs zu kaufen und zu steuern. Andererseits h&auml;tten sie eine &bdquo;Finanzstruktur&ldquo; aufgebaut, &uuml;ber die das Investitionskapital nach Deutschland transferiert werde, beziehungsweise der erzielte Gewinn zur&uuml;ck an die Kapitaleigner. <\/p><p><strong>Ausschlachten und weiterverkaufen<\/strong><\/p><p>Allein in 14 F&auml;llen seien &bdquo;Fonds-Standorte in einer Steueroase angesiedelt&ldquo;, etwa auf Guernsey, Jersey und den Cayman Islands. In vielen F&auml;llen w&uuml;rden zudem Tochtergesellschaften an mehreren Offshore-Finanzzentren errichtet, um die verschiedenen steuerlichen Vorteile miteinander zu kombinieren. Nach Darstellung der beiden Wissenschaftler treiben die PEFs ihren Beutezug &bdquo;mit hohem Tempo&ldquo; voran, wobei ihr Vorgehen f&uuml;r die Gesundheitspolitik und die Kassen&auml;rztliche Selbstverwaltung &bdquo;kaum transparent&ldquo; sei. In wenigen Jahren w&uuml;rden die Konstrukte &bdquo;entsprechend dem Gesch&auml;ftsmodell der Finanzinvestoren wieder verkauft&ldquo;, die &bdquo;Finanzstrukturen&ldquo; h&auml;tten dann ihren Zweck erf&uuml;llt oder werden ausgetauscht. &bdquo;Die konzernartigen Arztketten mit ihren &sbquo;Zugangsstrukturen&lsquo; aber werden die ambulante Patientenversorgung in Deutschland dauerhaft pr&auml;gen.&ldquo;<\/p><p>Wie auf diesem Wege in kurzer Zeit Empork&ouml;mmlinge mit gewaltiger Marktmacht entstehen, zeigt sich am Fall der <a href=\"https:\/\/sanoptis.com\/\">Sanoptis AG<\/a>. Nach Panorama-Recherchen hat sich seit 2019 ein Londoner Finanzinvestor &uuml;ber einen Fonds in Luxemburg im Bereich Augenmedizin mehrere regionale Verb&uuml;nde in Schleswig-Holstein unter den Nagel gerissen. Allein in Kiel sollen sich mehr als die H&auml;lfte aller Augen&auml;rzte unter dem Dach versammeln. Nach Eigendarstellung unterh&auml;lt das &bdquo;innovative Netzwerk&ldquo; f&uuml;r &bdquo;Augenheilkunde der Spitzenklasse&ldquo; in Deutschland und der Schweiz inzwischen &bdquo;&uuml;ber 240 Standorte&ldquo;.  <\/p><p><strong>Von Haus aus betriebsblind<\/strong><\/p><p>Sowohl die IGES als auch auch die Kassen&auml;rztliche Bundesvereinigung (KBV) haben angesichts dieser Vorg&auml;nge wiederholt dringenden &bdquo;politischen Handlungsbedarf&ldquo; angemahnt. Eigentlich sollte das 2019 unter Ex-BMG-Chef Jens Spahn (CDU) beschlossene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) Abhilfe schaffen und den Vormarsch der investorengetragenen Versorgungszentren (iMVZ), insbesondere jener im zahnmedizinischen Sektor, bremsen. Im Praxistest hat die Regelung jedoch komplett versagt. So hatte ein <a href=\"https:\/\/www.kzbv.de\/rechtsgutachten-z-mvz-sodan-2020-10-web.download.bcefddf08252ea6d857139bdebeef015.pdf\">Rechtsgutachten f&uuml;r die KBV<\/a> schon 2020 festgestellt, dass die von den iMVZ ausgehenden Gefahren auch mit der neuen Rechtslage unver&auml;ndert fortbest&uuml;nden. <\/p><p>Im vergangenen November nahmen die Gesundheitsminister der Bundesl&auml;nder den stetig steigenden Anteil investorengetragener Praxen in einem gemeinsamen Beschluss mit &bdquo;wachsender Sorge zur Kenntnis&ldquo; und forderten eine Gesetzesinitiative durch die Bundesregierung. Damals war formal noch Spahn im Amt, kurz darauf &uuml;bernahm Karl Lauterbach (SPD) das Ressort. Der Unt&auml;tigkeit tat dies keinen Abbruch. Auf Panorama-Anfrage lie&szlig; das Ministerium ausrichten, es sei ihm nicht bekannt, &bdquo;ob und inwieweit eine beherrschende Marktkonzentration augen&auml;rztlicher Versorgungsstrukturen&ldquo; in einzelnen Bereichen vorliege und &bdquo;worauf etwaige Konzentrationstendenzen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren&ldquo; seien. Im &Uuml;brigen sei es rechtlich schwierig, den Markt st&auml;rker zu beschr&auml;nken. Allein die Feststellung einer Zunahme von investorenbetriebenen Praxen reiche daf&uuml;r nicht aus. Und vom Bundeskartellamt verlautete, es habe in den zur&uuml;ckliegenden Jahren die Zuk&auml;ufe der gro&szlig;en Augenarztketten nicht kontrolliert. So etwas l&auml;uft wohl unter Betriebsblindheit.  <\/p><p><strong>Vertrau auf Doktor Blackstone!<\/strong><\/p><p>Wenigstens Herr Holz von ConsultingKontor beh&auml;lt im Namen der Hamburger Sparkasse den Durchblick. &bdquo;Der Gesundheitssektor ist derzeit nach Software und Technologie die gefragteste Branche bei Zuk&auml;ufen von Finanzinvestoren&ldquo;, wusste er schon vor zwei Jahren und beschwor die sch&ouml;nste Win-win-Situation f&uuml;r alle Beteiligten. Womit er freilich auch die Patienten meint, die bei Dr. Blackstone so gut aufgehoben sein sollen wie bei Dr. Best. Und was r&auml;t der Berater den Verk&auml;ufern nach einer erfolgreichen Transaktion? &bdquo;Sich zun&auml;chst eine Bank mit m&ouml;glichst wenig oder keinen Guthabengeb&uuml;hren suchen, damit die Millionen Kaufpreiszahlung m&ouml;glichst kostenneutral angelegt werden&ldquo;. Noch besser: Ab damit in die Steueroase. Das w&uuml;rde Holz nat&uuml;rlich niemals empfehlen &hellip; <\/p><p>Titelbild: Andrey_Popov\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/90c4a38343d147368f7d2f96fd9826ce\" alt=\"\" titl=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Private-Equity-Fonds kaufen seit Jahren und verst&auml;rkt noch durch die Corona-Krise massenweise Arztsitze auf und wandeln diese zu dukatenschei&szlig;enden Profitcentern um. Vorneweg in der Augen- und Zahnmedizin bringen sich immer mehr investorengetragene Medizinische Versorgungszentren in Stellung, die das Solidarsystem mit &uuml;berh&ouml;hten Honoraren und &uuml;berteuerten Zusatzleistungen pl&uuml;ndern, die als Rendite in Steueroasen landen. 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