{"id":84493,"date":"2022-06-03T08:34:18","date_gmt":"2022-06-03T06:34:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84493"},"modified":"2026-01-27T11:43:01","modified_gmt":"2026-01-27T10:43:01","slug":"markus-lanz-und-der-krieg-gegen-ulrike-guerot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84493","title":{"rendered":"Markus Lanz und der Krieg gegen Ulrike Gu\u00e9rot"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/markus-lanz\">Die Sendung Markus Lanz vom 2. Juni muss man gesehen haben<\/a>. Sie zeigt, was passiert, wenn ein Moderator die Kontrolle verliert und in einer Sendung sich berufen f&uuml;hlt, zum Krieg zu blasen. Inhaltlich ging es an diesem Abend um den Krieg in der Ukraine. Doch nach 15 Minuten stellte sich heraus: Der Moderator und zwei seiner G&auml;ste er&ouml;ffneten w&auml;hrend der Diskussion gemeinsam eine eigene Front &ndash; gegen die Politikwissenschaftlerin <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ulrikeguerot?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Eauthor\">Ulrike Gu&eacute;rot<\/a>.  Gu&eacute;rot vertrat in der Diskussion eine friedenspolitische Position. Das war offensichtlich f&uuml;r Lanz, die Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und den Journalisten Frederick Pleitgen zu viel. Wenn sie schon nicht den Krieg in der Ukraine gewinnen k&ouml;nnen, sollte wohl wenigstens ihr Krieg gegen eine Stimme des Friedens gewonnen werden. Lanz und Co zeigten, wie es aussieht, wenn ideologische Verblendung und gespaltene Zungen auf klaren Verstand und Analysef&auml;higkeit treffen. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3350\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84493-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603_Markus_Lanz_und_der_Krieg_gegen_Ulrike_Guerot_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603_Markus_Lanz_und_der_Krieg_gegen_Ulrike_Guerot_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603_Markus_Lanz_und_der_Krieg_gegen_Ulrike_Guerot_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603_Markus_Lanz_und_der_Krieg_gegen_Ulrike_Guerot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84493-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603_Markus_Lanz_und_der_Krieg_gegen_Ulrike_Guerot_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220603_Markus_Lanz_und_der_Krieg_gegen_Ulrike_Guerot_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Von deutschen Medien ist man seit geraumer Zeit einiges gew&ouml;hnt, was das Sch&uuml;ren von Kriegsstimmung angeht, aber die Lanz-Sendung vom Mittwochabend zeigte etwas Neues. <\/p><p>Wie sieht der Versuch aus, mit viel ideologischer Verblendung, fehlendem Sachverstand , Doppelmoral und einer Politik der gespaltenen Zunge eine Stimme des Friedens mundtot zu machen? Markus Lanz, die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und der CNN-Journalist Frederick Pleitgen haben diesen Versuch durchgef&uuml;hrt &ndash; mit gro&szlig;em Engagement. Gescheitert sind sie dennoch. Sie wollten, der Eindruck ist entstanden, die Politikwissenschaftlerin Ulrike Gu&eacute;rot gemeinsam vorf&uuml;hren. Wieder und wieder attackierten sie Gu&eacute;rot, die im Hinblick auf den Ukraine-Krieg einen sofortigen Waffenstillstand und Verhandlungen fordert. Der Versuch ist misslungen. Als Zuschauer merkt man, wenn ein Gast auf ungerechtfertigte Weise in die Mangel genommen wird. Wenn drei auf einen einschlagen, dann empfinden allenfalls sehr &bdquo;spezielle&ldquo; Charaktere Sympathie f&uuml;r die Pr&uuml;gelnden. <\/p><p>W&auml;hrend Gu&eacute;rot ein ums andere Mal versuchte, ihre Position darzulegen, n&auml;mlich: dass der Krieg nur am Verhandlungstisch zu einem Ende kommen k&ouml;nnte, setzen Lanz und seine Mitstreiter anstelle von Argumenten auf Emp&ouml;rung, Moralisierung, Emotionalisierung und eine verzerrte Realit&auml;t. Insbesondere Strack-Zimmermann hat sich dabei als Spezialistin erwiesen. Die FDP-Politikerin, die als Verfechterin von Waffenlieferungen an die Ukraine bekannt ist, verglich allen Ernstes den Krieg in der Ukraine mit einem &Uuml;berfallopfer in einem Park, das zur Polizei gehe und doch dort selbstverst&auml;ndlich auf Hilfe hoffen d&uuml;rfe. Dass eine Politikerin, die immerhin den Verteidigungsausschuss leitet, mit einem derart realit&auml;tsverzerrenden Vergleich versucht, in der Diskussion zu &bdquo;punkten&ldquo;, ist bezeichnend f&uuml;r die &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; der Sendung. W&auml;hrend der &Uuml;berfall im Park sowohl strafrechtlich und moralisch leicht zu erfassen ist, geht es bei dem Krieg in der Ukraine um hochkomplexe politische und tiefenpolitische Zusammenh&auml;nge, bei denen nicht nur eine Tat vorliegt und nur eine Person betroffen ist. Es geht um eine Verkettung von Entscheidungen von zahlreichen involvierten (Kriegs-)Parteien, die dazu f&uuml;hren, dass jeden Tag hunderte von Soldaten an der Front sterben und ein ganzes Land kriegstraumatisiert ist &ndash; ganz zu schweigen von den sekund&auml;ren Auswirkungen, die sich im Hinblick auf eine v&ouml;llig aus dem Ruder laufende Sanktionspolitik ergeben. In Strack-Zimmermanns unterkomplexem Vergleich ist kein Platz f&uuml;r die Tiefenpolitik der USA, f&uuml;r einen Stellvertreterkrieg und die Implikationen, die sich daraus f&uuml;r eine Unterst&uuml;tzung der Ukraine ergeben. Sie redet, bewusst Emotionen sch&uuml;rend, von &bdquo;Massenvergewaltigungen&ldquo; und get&ouml;teten Ukrainern, ganz so, als sei ihre Kriegspolitik nicht mitverantwortlich <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220429103845\/https:\/\/de.rt.com\/europa\/135061-verstummelte-tote-in-keller-in\/\">f&uuml;r die Schrecken des Krieges<\/a>. <\/p><p>Gu&eacute;rot hingegen spricht das aus, was Lanz f&ouml;rmlich das Erstaunen ins Gesicht mei&szlig;elt. Die Professorin der Universit&auml;t Bonn fragt ihrer Disziplin als Politikwissenschaftlerin alle Ehre bereitend: &bdquo;&Uuml;ber welchen Krieg sprechen wir denn eigentlich?&ldquo; Lanz fragt daraufhin v&ouml;llig verdutzt: &bdquo;Gibt es denn mehrere Kriege?&ldquo; Und muss sich dann eine Lehrstunde in kritischer Politikwissenschaft erteilen lassen: Es gibt einen &bdquo;ukrainischen B&uuml;rgerkrieg&ldquo;, einen &bdquo;russischen Angriffskrieg&ldquo;, einen <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/interview-mit-michel-wyss-es-ist-der-erste-stellevertreter-krieg-zwischen-russland-und-der-nato-in-europa_id_94392173.html\">&bdquo;Stellvertreterkrieg der NATO&ldquo;<\/a> und einen &bdquo;Informationskrieg&ldquo;. Und dann sagt Gu&eacute;rot auch noch: &bdquo;Der Schl&uuml;ssel zu diesem Konflikt liegt bei Amerika.&ldquo; All das und noch viel mehr war jener Fraktion, die unbedingt mit Waffen Frieden in der Ukraine schaffen will, zu viel. <\/p><p>Gu&eacute;rot sollte nicht mehr ihre Gedanken ausbreiten d&uuml;rfen. Das ging gar so weit, als Gu&eacute;rot &ndash; wohl auch unter dem Druck &ndash; ein falsches Datum benannte, Lanz in ihre Ausf&uuml;hrungen reingr&auml;tschte und immer wieder das richtige Datum nannte, ganz so, als ob das irgendetwas zur Sache beitragen w&uuml;rde. <\/p><p>So wie Lanz vermochte es auch Pleitgen nicht, seinem Beruf als Journalist gerecht zu werden und mit jener kritischen Distanzierung in die Diskussion einzusteigen, die f&uuml;r einen Journalisten eine Selbstverst&auml;ndlichkeit sein sollte. Seine Sprache war verr&auml;terisch. Immer wieder sprach er aus Sicht der NATO bzw. der Ukraine und gebrauchte die erste Person Plural. &bdquo;12 Raketen k&ouml;nnen wir dann schie&szlig;en&ldquo;, so Pleitgen im Hinblick auf Langstreckenartilleriesysteme, die die Ukraine erhalten sollte. Bei dieser Sprache ist zu konstatieren: Das klingt verd&auml;chtig nach einem Journalisten, der selbst zur Kriegspartei wird. <\/p><p>Wenn Parteilichkeit dann auch noch auf Unwissenheit trifft, wird es besonders schlimm. Gegen Ende der Sendung zeichnete <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/ein-moderator-sieht-rot\">Lanz<\/a> wieder das Bild von Putin, der als Bock in dem Krieg alleine st&ouml;&szlig;t und sagte zu Gu&eacute;rot: &bdquo;In die Ukraine geht ja kein anderer rein au&szlig;er Putin.&ldquo; Davon, dass die CIA seit Jahren in der Ukraine operiert, also in die Ukraine &bdquo;reingegangen&ldquo; ist, hat Lanz wohl noch <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/krass-konkret\/seit-jahren-hat-die-cia-auch-in-den-usa-ukrainische-spezialkraefte-ausgebildet\/\">nichts geh&ouml;rt<\/a>. <\/p><p>Bereits nach 25 Minuten sagte Lanz zu Gu&eacute;rot bei einer Stimmung, die v&ouml;llig aufgeladen war: &bdquo;Frau Gu&eacute;rot, bevor das hier v&ouml;llig entgleitet&hellip;&ldquo; Lanz ist an dieser Stelle zu sagen: Die Sendung ist v&ouml;llig entglitten. Lanz, Pleitgen und Strack-Zimmermann standen am Ende nackt da. Von daher noch ein Wort an Lanz: &bdquo;Herr Lanz, bevor Ihnen das n&auml;chste Mal die Sendung v&ouml;llig entgleitet, &uuml;ben Sie noch mal, wie ein Journalist kritische Distanz aufbaut und vor allem informieren Sie sich umfassend und nicht mit einem Blickschutz. Und wenn Sie dann noch eine faire G&auml;stebesetzung hinbekommen&hellip;, vielleicht wird es ja dann etwas mit einem St&uuml;ck Qualit&auml;tsfernsehen und einem <a href=\"https:\/\/twitter.com\/KlocknerMarcus\/status\/1532481546636120064\">ausdifferenzierten Sinn f&uuml;r Frieden<\/a>.&ldquo; <\/p><p>Titelbild: Screenshot ZDF<\/p><p><em>Ulrike Gu&eacute;rot ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83335\">Gast des 33. Pleisweiler Gespr&auml;chs<\/a> am 10. Juli.<\/em><\/p><p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong> Wie kaum anders zu erwarten, wird die Sendung auch auf Twitter hei&szlig; debattiert. W&auml;hrend die &bdquo;&uuml;blichen Verd&auml;chtigen&ldquo;, also Hauptstadtjournalisten und User mit den Ukraine-Flaggen &ndash; die offenbar die Regenbogen-Flaggen und die Spritzen nun abgel&ouml;st haben &ndash; ihren zu erwartenden Shitstorm gegen Ulrike Gu&eacute;rot zwitschern, gibt es bei neutralen Nutzern erstaunlich viel Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Gu&eacute;rot.<\/em><\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220603-lanz-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220603-lanz-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Marcus Kl&ouml;ckner twittert unter: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/KlocknerMarcus\">twitter.com\/KlocknerMarcus<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/gesellschaft\/markus-lanz\">Die Sendung Markus Lanz vom 2. Juni muss man gesehen haben<\/a>. 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