{"id":84498,"date":"2022-06-03T10:30:07","date_gmt":"2022-06-03T08:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84498"},"modified":"2022-06-05T09:17:10","modified_gmt":"2022-06-05T07:17:10","slug":"die-amerikanisierung-europas-und-ihr-notwendiges-ende-warum-die-eu-und-vor-allem-deutschland-sich-von-america-first-befreien-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84498","title":{"rendered":"Die Amerikanisierung Europas und ihr notwendiges Ende &#8211; Warum die EU und vor allem Deutschland sich von \u00bbAmerica First\u00ab befreien m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p>Der Krieg in der Ukraine und die europ&auml;ischen Reaktionen darauf zeigen einmal mehr, wie sehr Europas Politik die Interessen der USA priorisiert &ndash; sie scheinen sogar wichtiger zu sein als die eigenen europ&auml;ischen Interessen. Diese Entwicklung ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Folge einer langen und sehr erfolgreichen Einflusspolitik der USA. <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong> hat diese Entwicklung in einem vor der russischen Invasion geschriebenen Beitrag f&uuml;r den neu erschienenen Sammelband <a href=\"https:\/\/shop.papyrossa.de\/epages\/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7.sf\/de_DE\/?ObjectPath=\/Shops\/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7\/Products\/787-7\">&bdquo;Fortschritt in neuen Farben? Umbr&uuml;che, Machtverschiebungen und ungel&ouml;ste Krisen der Gegenwart&ldquo;<\/a> skizziert, den die NachDenkSeiten heute ihren Lesern vorstellen wollen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8092\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84498-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603-Die-Amerikanisierung-Europas-und-ihr-notwendiges-Ende-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603-Die-Amerikanisierung-Europas-und-ihr-notwendiges-Ende-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603-Die-Amerikanisierung-Europas-und-ihr-notwendiges-Ende-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603-Die-Amerikanisierung-Europas-und-ihr-notwendiges-Ende-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84498-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220603-Die-Amerikanisierung-Europas-und-ihr-notwendiges-Ende-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220603-Die-Amerikanisierung-Europas-und-ihr-notwendiges-Ende-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>F&uuml;hrende EU-PolitikerInnen fordern seit einigen Jahren immer st&auml;rker eine &raquo;gr&ouml;&szlig;ere Unabh&auml;ngigkeit Europas&laquo;. Doch in Wirklichkeit w&auml;chst die Gefolgschaft der EU gegen&uuml;ber den USA in mehrfacher Hinsicht: milit&auml;risch, investiv, au&szlig;enpolitisch, finanziell, kulturell, geheimdienstlich. Das hat eine hundertj&auml;hrige Vorgeschichte, die vielen Europ&auml;ern, auch Linken gerade in Deutschland, immer noch weitgehend unbekannt ist. Es geh&ouml;rt im 21. Jahrhundert zu den Existenzfragen der Menschheit, ob und wie sich Europa und Deutschland auf friedenspolitischer Grundlage von einer imperialen Politik l&ouml;sen kann, die seit Jahrzehnten US-dominiert ist.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>Umkehrung des Verh&auml;ltnisses durch den Ersten Weltkrieg <\/strong><\/p><p>Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren US-Unternehmen auf Kredite europ&auml;ischer Banken, insbesondere aus Frankreich und England, angewiesen. Auch die Nord- wie die S&uuml;dstaaten wurden f&uuml;r den B&uuml;rgerkrieg von europ&auml;ischen Banken und B&ouml;rsenpl&auml;tzen mitfinanziert, vor allem aus London, Paris, Frankfurt und Amsterdam.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Ab den 1870er Jahren war etwa die Deutsche Bank an der Elektrifizierung des Landes beteiligt.<\/p><p>Die Wall Street war durch eingewanderte Bankiers aufgebaut worden. Die Gr&uuml;ndung der US-Zentralbank Federal Reserve 1913 durch Wall-Street-Banken markiert einen Einschnitt: Die Kreditm&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Banken selbst wie f&uuml;r den Staat wurden enorm ausgeweitet. So finanzierten nun v.&#8197;a. US-Banken den Krieg in Europa, insbesondere finanzierten sie Frankreich und England.<\/p><p>Durch den unter F&uuml;hrung von US-Pr&auml;sident Woodrow Wilson abgeschlossenen Versailler Vertrag wurde das Deutsche Reich der Hauptschuldner und, um auch die Kriegsreparationen zahlen zu k&ouml;nnen, Hauptempf&auml;nger von US-Krediten: Sie gingen an die Deutsche Reichsbank, an deutsche Unternehmen, aber auch an US-Unternehmen: Sie kauften in Westeuropa Unternehmen oder Unternehmensanteile und errichteten Tochterfirmen, so etwa Ford, General Motors, IBM, ITT, General Electric, International &shy;Harvester, Coca-Cola und Hollywood-Firmen wie Paramount. Dabei spielten der Dawes-Plan (1924) und der Young-Plan (1929) eine wichtige Rolle. Auch in faschistischen Regimen wie unter Benito Mussolini in Italien oder Francisco Franco in Spanien, von den USA schnell diplomatisch anerkannt, wurde kr&auml;ftig investiert.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Schwerpunkt war allerdings der technologisch f&uuml;hrende Standort Deutschland, hier waren Anfang der 1930er Jahre einige hundert der wichtigsten US-Unternehmen pr&auml;sent.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>So entstand auch mithilfe der USA in Hitler-Deutschland die modernste Milit&auml;rmaschine Europas &ndash; und keineswegs unterbrochen im Zweiten Weltkrieg. Trotz milit&auml;rischer Feinderkl&auml;rung durch die US-Regierung produzierten Ford, General Motors, IBM, Hollywood und Co. auch im Krieg f&uuml;r das NS-System, f&uuml;r die Wehrmacht und auch f&uuml;r die KZ-Verwaltung.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Die von der Wall Street 1930 in Basel\/Schweiz gegr&uuml;ndete Bank for International Settlements (BIS, Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich\/BIZ, Zentralbank der Zentralbanken auch heute) wusch Raubgold und Raubaktien, die die Wehrmacht aus den besetzten Staaten herausholte, und verschaffte dem Deutschen Reich international notwendige Devisen f&uuml;r die Beschaffung von Rohstoffen und Kriegsmaterial.<\/p><p>In der BIS kooperierten auch w&auml;hrend des Krieges die Zentralbanken der milit&auml;risch verfeindeten Staaten, also USA und Deutschland, Japan, Frankreich, Belgien, Italien, Schweden usw. Nur die Sowjetunion war nicht vertreten, die Leitung hatte der Wall-Street-Banker Thomas McKittrick.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p><strong>US-Neuordnung (West)Europas I: Marshall-Plan<\/strong><\/p><p>Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA die neue westliche Supermacht. Nicht nur (West-)Deutschland war wesentlich geschw&auml;cht, sondern auch die anderen imperialistischen und kolonialistischen Staaten Europas, insbesondere Gro&szlig;britannien und Frankreich, aber auch die kleineren Staaten Italien, Belgien, Portugal und die Niederlande. Vor allem Gro&szlig;britannien war bei den USA tief verschuldet.<\/p><p><em>USA nach dem Krieg: Den Wirtschaftsboom fortsetzen | <\/em>Die USA hatten sich durch den Zweiten Weltkrieg endlich aus der tiefen Produktionskrise, die 1928 begonnen hatte, befreit. Den Kriegsboom, den gr&ouml;&szlig;ten Wirtschaftsboom, den die USA bis dahin erlebt hatten, wollten sie nach dem Krieg fortf&uuml;hren. Nach dem Dawes-Plan folgte der viel umfangreichere Marshall-Plan (1947).<\/p><p>Das treibende Motiv des Plans war nicht die vielbeschworene &raquo;Hilfe&laquo; f&uuml;r das zerst&ouml;rte Europa &ndash; denn zum einen war nur das kapitalistische Westeuropa gemeint, nicht die am meisten zerst&ouml;rte Sowjetunion und andere von den Nazis verw&uuml;stete osteurop&auml;ische Staaten. Zum anderen galt die Hilfe vorrangig den USA, ihren Unternehmen und Banken selbst.<\/p><p>Das Marshall-Programm wurde von denen geleitet, die schon die transatlantischen Beziehungen zwischen US-Unternehmen und europ&auml;ischen, insbesondere deutschen Konzernen vor und w&auml;hrend des Krieges gestaltet hatten. So etwa war McKittrick, von 1940 bis 1945 Chef der u.&#8197;a. als NS-Finanzier fungierenden BIS, in der Pariser Zentrale des Marshall-Plans zust&auml;ndig f&uuml;r die Finanzabwicklung. So wurde der Wall-Street-Anwalt, dann stellvertretende Kriegsminister (&raquo;Assistant Secretary of War&laquo;), dann Pr&auml;sident der Weltbank, John McCloy, zum Marshall-Plan-Beauftragten f&uuml;r die neu gegr&uuml;ndete Bundesrepublik Deutschland und ab 1949 auch zu deren US-Hochkommissar.<\/p><p><em>Ausschluss sozialistischer Parteien und Staaten <\/em><strong>| <\/strong>F&uuml;r den Erhalt von Marshall-Hilfen mussten die Empf&auml;nger das Politik-, Parteien- und Gewerkschaftssystem antikommunistisch s&auml;ubern. Kein Kommunist durfte Regierungsmitglied werden. Sozialisten und Sozialdemokraten durften sich nur dann an einer Regierung beteiligen, wenn sie zugleich antikommunistisch waren. Sogar der konservative Charles de Gaulle, der mit &raquo;Freies Frankreich&laquo; gegen die Nazis gek&auml;mpft hatte, wurde von den USA schon 1946 aus der Regierung verdr&auml;ngt.<\/p><p>Sozialistische Staaten wollten und konnten sich dem Marshall-Regelsystem nicht anschlie&szlig;en. Das hatten die USA von vornherein geplant und schlossen die Sowjetunion schon 1944 bei der Gr&uuml;ndung des Internationalen W&auml;hrungsfonds IWF und der Weltbank aus.<\/p><p><em>&Ouml;ffnung f&uuml;r den Marshall-Plan: Krieg der USA in Griechenland <\/em><strong>| <\/strong>Wenn es n&ouml;tig schien, versch&auml;rften die USA auch B&uuml;rgerkriege. Sie wurden dann anders entschieden als es nach den Kr&auml;fteverh&auml;ltnissen im Land gekommen w&auml;re. 300 CIA-Agenten, 450 US-Milit&auml;r- und 1.200 US-Wirtschaftsberater wurden 1947 als American Mission for Aid to Greece (AMAG) eingesetzt. Sie unterst&uuml;tzten nationalistische und monarchistische Milit&auml;rs in Griechenland (die teilweise mit den Nazi-Besatzern kooperiert hatten) durch Geld, Sturzkampfbomber und Napalmbomben. Reiche griechische Unternehmerfamilien, darunter Reeder wie Aristoteles Onassis, wurden subventioniert. Die schw&auml;chelnde Kolonialmacht Gro&szlig;britannien zog sich aus ihrem traditionellen Einflussbereich zur&uuml;ck und &uuml;berlie&szlig; der neuen Supermacht das Feld.<strong>[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/strong> So wurde die demokratische und antifaschistische Befreiungsbewegung mitten in &raquo;Friedenszeiten&laquo; vernichtet: Zwischen 1948 und 1952 wurden zehntausende Kommunisten und Linke eingesperrt, &uuml;ber 1.500 wurden hingerichtet. Dann flossen auch die Gelder des Marshall-Plans. Zum &raquo;Kalten Krieg&laquo; geh&ouml;rten f&uuml;r die USA immer auch &raquo;hei&szlig;e&laquo; Kriege.<\/p><p><em>Antikommunistische Steuerung der Gewerkschaften <\/em>| Der mit der CIA verbundene US-Gewerkschafts-Dachverband AFL-CIO infiltrierte, finanzierte, spaltete, erpresste ab 1945 Gewerkschaften und sozialdemokratische Parteien und Funktion&auml;re in allen westeurop&auml;ischen Staaten, so in Frankreich, Italien, Gro&szlig;britannien, Westdeutschland, aber auch etwa in den skandinavischen Staaten.<\/p><p>Antifaschismus und Kapitalismus-Kritik wurden weitgehend ausgetrieben. Gegen den 1945 gegr&uuml;ndeten &uuml;berparteilichen Welt-Gewerkschaftsbund initiierten die USA &uuml;ber den AFL-CIO den antikommunistischen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, in den der DGB, der englische TUC usw. aufgenommen wurden.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Noch in den 1970er Jahren war z.&#8197;B. der hauptamtliche DGB-Funktion&auml;r Walter Boehm gleichzeitig Gehaltsempf&auml;nger des US-Geheimdienstes.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p><strong>Seit den 1980er Jahren: Noch mehr transatlantische Investitionen <\/strong><\/p><p>Der Marshall-Plan l&ouml;ste eine dauerhafte US-Investitionswelle aus, die weit &uuml;ber den Umfang der Plan-Hilfen hinausging: W&auml;hrend die US-Investitionen zwischen 1950 und 1970 in Lateinamerika auf das Dreifache stiegen, in Asien (einschlie&szlig;lich Japan) auf das F&uuml;nffache, im traditionellen Nachbarschaftsmarkt Kanada um das Sechsfache, stiegen sie in Westeuropa um das Vierzehnfache. Aber das war nicht das Ende.<\/p><p><em>US-Berater: F&uuml;r DDR-Verkauf, Privatisierung, R&uuml;stungsbeschaffung&#8197;&hellip; | <\/em>Ab den 1980er Jahren wurden Wall-Street-Investmentbanken wie JP Morgan und Goldman Sachs, teilweise vermittelt &uuml;ber die Europ&auml;ische Kommission, in EU-Staaten f&uuml;r die Privatisierung der gro&szlig;en staatlichen Unternehmen wie Post, Bahn, Medien und deren B&ouml;rseng&auml;nge herangezogen, zuerst in Gro&szlig;britannien durch die Tory-Regierung von Thatcher, dann auch etwa durch die von Bundeskanzler Kohl gef&uuml;hrte Bundesregierung aus CDU\/CSU und FDP: Sie holte ab 1990 JP Morgan, McKinsey, Pricewaterhouse&shy;Coopers (PwC) usw. als Berater in die Treuhand-Anstalt, um die Betriebe der Ex-DDR m&ouml;glichst schnell und billig zu privatisieren.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>McKinsey, PwC, Ernst&amp;Young, Freshfields, Fleishman Hillard und Accenture &ndash; die &raquo;zivile Privatarmee des transatlantischen Kapitals&laquo; &ndash; sind zu Dauer-Beratern nicht nur der gro&szlig;en privaten Unternehmen in der EU geworden, etwa bei Bilanzen, &Uuml;bernahmen, Fusionen und B&ouml;rseng&auml;ngen, sondern auch der EU-Regierungen wie der deutschen und auch der Europ&auml;ischen Kommission, so bei Fl&uuml;chtlingspolitik, R&uuml;stungsbeschaffung oder Jobcenter-&shy;Umgestaltung.<\/p><p>Und die drei gro&szlig;en US-Ratingagenturen Standard&amp;Poor&rsquo;s, Moody&rsquo;s und Fitch beherrschen auch in der EU die Bonit&auml;tsbewertung nicht nur der Unternehmen, sondern auch der EU-Staaten und legen deren Kreditkonditionen fest, f&uuml;r den griechischen genauso wie f&uuml;r den deutschen Staat.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p><em>Weitere US-Investionen: De-Industrialiserung der EU <\/em>| Trotz der verst&auml;rkten Investitionen westeurop&auml;ischer Banken und Unternehmen seit den 1980er Jahren in den USA blieb die US-Dominanz nicht nur erhalten, sondern wurde seit Beginn des 21. Jahrhunderts weiter ausgebaut.<\/p><p>Dabei haben die US-Akteure die EU-Staaten Irland, Luxemburg, die Niederlande und auch die City of London zu besonders willigen Finanzoasen ausgebaut &ndash; mit Hilfe und aktiver Duldung der EU. Die strukturelle Verarmung der staatlichen Haushalte in der EU sind die Folge, Verfall oder teure Privatisierung der Infrastruktur inbegriffen.<\/p><p>Mit Beginn des 21. Jahrhunderts f&ouml;rderte die deutsche Regierung aus SPD\/Gr&uuml;nen unter Kanzler Gerhard Schr&ouml;der mit dem Programm &raquo;Entflechtung der Deutschland AG&laquo; durch Deregulierungen und Steuerbeg&uuml;nstigungen den Kauf deutscher Mittelstandsunternehmen und &ouml;ffentlicher Wohnungsbest&auml;nde durch Private-Equity-Investoren (&raquo;Heuschrecken&laquo;) wie Blackstone und KKR &ndash; Vorbild f&uuml;r die ganze EU.<\/p><p><em>Verwertung der Substanz, De-Industrialisierung <\/em>| Das Prinzip: Die vorhandene wirtschaftliche Substanz verwerten, Arbeitseinkommen senken, Gewinne rausziehen, keine Zukunftsinvestitionen. Ergebnis: Investive Entm&auml;chtigung der EU, De-Industrialisierung, Absturz gegen&uuml;ber den USA und v.&#8197;a. der Volksrepublik China.<\/p><p>Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 drangen dann die gr&ouml;&szlig;eren Kapital-Organisatoren der Ersten Liga ein, wieder v.&#8197;a. aus den USA: BlackRock, State Street, Vanguard und Co., neben vereinzelten Staatsinvestoren wie Norges (Norwegen), Temasek (Singapur) oder solchen aus den Golfstaaten. Sie sind nun die f&uuml;hrenden und gleichzeitigen Eigent&uuml;mer der wichtigsten Banken und Konzerne in Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Gro&szlig;britannien usw., auch in der Schweiz.<\/p><p>Und der gegenw&auml;rtig gr&ouml;&szlig;te Kapital-Organisator, BlackRock, ist nicht nur gleichzeitig Aktion&auml;r in allen DAX- und weiteren hunderten deutschen Unternehmen &ndash; auch in den f&uuml;nf gr&ouml;&szlig;ten Wohnungskonzernen &ndash; und in den bedeutendsten Unternehmen der wichtigsten EU-Staaten, sondern ist auch mit drei Managern in der US-Regierung von Joe Biden vertreten. Er ist gleichzeitig Berater der Federal Reserve, der Europ&auml;ischen Kommission und der EZB, auch f&uuml;r die Umsetzung des Corona-Wiederaufbau-Programms der EU.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><em>Arbeitsverh&auml;ltnisse und die Umdeutung der Menschenrechte <\/em>| Die International Labour Organization (ILO) konkretisiert die Universellen Menschenrechte der UNO im Bereich der Arbeitsbeziehungen: Recht auf Arbeit, Recht auf freie Gewerkschaften und Streik, Recht auf Kranken-, Arbeitslosigkeits- und Rentenversicherung, gerechtes Arbeitsentgelt, K&uuml;ndigungsschutz, Arbeits- und Ruhezeiten, bezahlter Urlaub, Verbot der Zwangs- und Sklavenarbeit, Schutz der Wanderarbeit usw. Die westlichen EU-Staaten haben in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg eine Vielzahl der knapp 200 ILO-&shy;Konventionen ratifiziert.<\/p><p>Aber: Von 1948 bis ins Jahr 1970 war David Abner Morse Generalsekret&auml;r der ILO, l&auml;nger als jemals ein anderer Generalsekret&auml;r vor oder nach ihm. Er war zuvor Vize-Arbeitsminister der US-Regierung und Arbeits-Berater der US-Milit&auml;rregierung in Westdeutschland. <\/p><p>Die USA haben bis heute nur ein Dutzend der Konventionen ratifiziert, und schon gar nicht die wichtigsten &ndash; und stehen damit weltweit an vorletzter Stelle, weniger sind es noch bei Katar. Ein Hinweis darauf, warum die USA stets danach trachtete, dass einer der ihren, ob nun US-B&uuml;rger oder nicht, die ILO f&uuml;hrt und neutralisiert. Unter der Regie von Morse wurden die ILO-Arbeitsrechte v&ouml;lkerrechtswidrig verdr&auml;ngt, praktisch au&szlig;er Kraft gesetzt, gezielt auch bei den Vorl&auml;ufern der EU. Dies wirkt bis heute fort, etwa auch bei internationalen Freihandelsvertr&auml;gen.<\/p><p>Dies steht im Kontext der US-gef&uuml;hrten Umdeutung der Menschenrechte: Arbeits- und Sozialrechte raus, Individualrechte bleiben &uuml;brig, heute zugespitzt auf Diversit&auml;t.<\/p><p><em>Working poor, working sick, migrantische Arbeit von legal bis illegal <\/em>| US-Konzerne wie McDonald&rsquo;s und UPS waren in Westeuropa ab den 1970er Jahren die Vorreiter f&uuml;r gewerkschaftsfeindliche prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse. <em>Working poor<\/em>, zudem verbunden mit <em>working sick<\/em>, breitete sich von den USA kommend auch in der EU aus. Sie f&ouml;rdert den Ersatz des regulierten Voll- und Dauerarbeitsplatzes durch den hochflexiblen <em>job<\/em> nach US-Vorbild. Die Situation der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten in der EU gleicht sich den US-Verh&auml;ltnissen immer mehr an, auch mit der Nutzung legaler wie illegaler migrantischer Arbeit.<\/p><p>Seit Beginn der 2000er Jahre wurde die in den USA entwickelte Dienstleistung des Union Busting auch in der EU installiert: Professionelle Bek&auml;mpfung von unabh&auml;ngigen Belegschaftsvertretungen. Wie in den USA besteht die Klasse der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten heute aus vielf&auml;ltigsten Gruppen, die nach Nationalit&auml;t und Ethnie, rechtlichem Status, Arbeitsumfang und Legalit&auml;t\/Illegalit&auml;t hochgradig und kaum organisierbar zersplittert sind und wo schon erste Ans&auml;tze einer Organisierung bek&auml;mpft werden.<\/p><p><em>Ost-Erweiterung und Digitalisierung <\/em>| Mit der Osterweiterung der EU wurden und werden die neuen Mitglieds- und Anw&auml;rterstaaten zweifach genutzt: 1. f&uuml;r selektive Investitionen einzelner v.&#8197;a. westlicher Unternehmen, ohne die Volkswirtschaft und die Infrastruktur zu f&ouml;rdern, 2. als Reservoir f&uuml;r millionenfache, befristete migrantische Arbeit in den Sektoren Bau, Logistik, Gesundheit, Landwirtschaft (Saisonarbeit), h&auml;usliche und Alten-Pflege, Gastronomie und auch Prostitution.<\/p><p>US-Konzerne wie Uber, Amazon, Facebook\/Meta sind mit ihren EU-weiten Subunternehmerketten die Vorreiter der digitalisierten und durch K&uuml;nstliche Intelligenz beschleunigten Prekarit&auml;t (<em>gig<\/em> und <em>crowd working<\/em>, oft vertragslos, oft einseitiges anonymes Anweisungsverh&auml;ltnis), zus&auml;tzlich bef&ouml;rdert durch die Pandemie(-Politik).<\/p><p><strong>US-Neuordnung (West-)Europas II: NATO<\/strong><\/p><p>Im Vorfeld der NATO-Gr&uuml;ndung wussten die Verantwortlichen in den USA: Die Sowjetunion bedeutet keine milit&auml;rische Gefahr. Einen Angriff auf Westeuropa konnte die geschw&auml;chte Macht, selbst wenn sie wollte, nicht durchhalten: Die Wirtschaft der Sowjetunion war zu schwach; ihr Transportsystem zu unausgereift; ihre &Ouml;lindustrie ist viel zu leicht anzugreifen. Die M&auml;nner im Kreml sind kluge Tyrannen, urteilte der Chefplaner im State Department, George Kennan, die ihre innere Macht nicht durch milit&auml;rische Abenteuer im Ausland aufs Spiel setzen. Dies hielt Kennan ab 1948 f&uuml;r Au&szlig;enminister Marshall, Pr&auml;sident Truman und die US-Botschafter in diversen Memoranden wiederholt fest.<\/p><p><em>Die Gr&uuml;ndungsl&uuml;ge <\/em>| Die tieferen Gr&uuml;nde f&uuml;r die milit&auml;rische Besetzung Europas waren andere. Im M&auml;rz 1943 machte es der neoliberale Geostratege Walter Lippmann offiziell: Nach der Eroberung Nordamerikas, Mittelamerikas, der Karibik, der Philippinen und Inseln im Pazifik (Wake Islands, Guam, Hawaii&hellip;) seien die USA bisher gezwungen gewesen, &raquo;zwei Drittel der Erdoberfl&auml;che von unserer kontinentalen Basis in Nordamerika aus zu verteidigen.&laquo;<\/p><p>Jetzt aber er&ouml;ffne sich mit der absehbaren Niederlage der Achsenm&auml;chte Deutschland, Japan, Italien eine neue M&ouml;glichkeit: Die USA k&ouml;nnen jetzt ihre &raquo;Verteidigungs&laquo;linie entscheidend erweitern, &raquo;indem wir unsere Au&szlig;enpolitik auf zuverl&auml;ssige B&uuml;ndnisse in der alten Welt gr&uuml;nden.&laquo;[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p><em>1947: Vom Department of War zum Department of Defense <\/em>| Von 1776 an, seit ihrer Gr&uuml;ndung, hatten die USA faktengem&auml;&szlig; ein Kriegsministerium (Department of War). Aber gerade jetzt, 1947, auf der erweiterten Stufe ihrer globalen Expansion, wurde das Kriegsministerium als Verteidigungsministerium (Department of Defense) deklariert. Dies war durchaus ein internationaler Trend, der es dem Kriegsb&uuml;ndnis NATO leichter machte, unter &raquo;Verteidigungs&laquo;B&uuml;ndnis zu firmieren.<\/p><p>Die 1949 gegr&uuml;ndete NATO war Zwillingsgesch&ouml;pf des Marshall-Plans. Das verk&ouml;rperte George Marshall selbst: W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs koordinierte er als Chief of Staff das US-Milit&auml;r auf allen Kriegsschaupl&auml;tzen zwischen Nordafrika und Japan. Nach dem Krieg organisierte er als Au&szlig;enminister von 1947 bis 1949 den nach ihm benannten Plan. Und 1950 organisierte er als US-&raquo;Verteidigungs&laquo;minister die im Jahr zuvor aus der Taufe gehobene NATO mit.<\/p><p><em>Die Fortsetzungsl&uuml;ge: EU-Osterweiterung mit NATO | <\/em>Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war die ins Feld gef&uuml;hrte Legitimation f&uuml;r die NATO weggefallen. Aber f&uuml;r die USA als &raquo;einzige Weltmacht&laquo; war und ist die Beherrschung ganz Eurasiens &raquo;von Lissabon bis Wladiwostok&laquo; das Ziel, so 1996 der f&uuml;hrende Berater mehrerer US-Pr&auml;sidenten, Brzezinski. Der unter dem Deckmantel der Menschenrechte und des Selbstbestimmungsrechts der V&ouml;lker &ndash; bis hin zur Behauptung, &raquo;ein neues Auschwitz&laquo; m&uuml;sse verhindert werden &ndash;, gef&uuml;hrte Krieg gegen Jugoslawien war ein Einschnitt. Heute ist man weiter: Russland muss erobert werden, auch um die gro&szlig;en Ressourcen nicht China zu &uuml;berlassen; daf&uuml;r ist die Ukraine der wichtigste Zwischenschritt, so das geostrategische Konzept.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>Alle osteurop&auml;ischen Staaten, ob Ungarn, Polen, Tschechien, Kroatien, Litauen usw. wurden und werden zuerst Mitglieder der NATO, bevor sie nach einigen Jahren auch EU-Mitglied werden d&uuml;rfen. Der Kosovo wurde v&ouml;lkerrechtswidrig von Serbien abgetrennt und zum Staat erkl&auml;rt (bis Ende 2021 von gut 100 L&auml;ndern, darunter 22 der 27 EU-Staaten, anerkannt), um dort, umgeben von Armut und Korruption, den neuen US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt Bond Steel zu betreiben.<\/p><p>So sind zwar die britischen, franz&ouml;sischen, belgischen und niederl&auml;ndischen Besatzungstruppen aus der Bundesrepublik abgezogen, aber nicht die US Army und nicht die US-Atombomben &ndash; im Gegenteil: Die etwa drei Dutzend US-Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte und Operationsbasen werden umgebaut, erweitert, modernisiert, f&uuml;r Kriege in Asien, &raquo;Operationen&laquo; in Afrika und den Aufmarsch gegen Russland. Kein gr&ouml;&szlig;erer Staat der Welt ist so dicht mit ausl&auml;ndischem, also US-Milit&auml;r, besetzt wie der &raquo;m&auml;chtigste&laquo; EU-Staat, und dies versch&auml;rft in den 16 Regierungsjahren der &raquo;m&auml;chtigsten Frau der Welt&laquo;.<\/p><p><strong>Befreiung von &raquo;America First&laquo;!<\/strong><\/p><p>Die deutsche Bundeskanzlerin lie&szlig; sich und ihre Regierungsmitglieder von US-Geheimdiensten ausspionieren. Aber selbst als dieses Mal zuf&auml;llig und kurzzeitig bekannt wurde &ndash; Frau Merkel unternahm nichts dagegen. Das geh&ouml;rt seit Bundeskanzler Adenauer zum Standard dieser besonders tiefen transatlantischen &raquo;Freundschaft&laquo;. Ergebnis: Die Macht Deutschlands und der EU erodiert, auf allen technologischen und geostrategischen Gebieten, so der au&szlig;enpolitische Thinktank <em>European Council on Foreign Relations<\/em>.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p><em>&raquo;Machtlos gegen Big Tech&laquo; | <\/em>Die EU hat seit einem Jahrzehnt auf strategisch wichtigen Feldern immer wieder versucht, die US-Vorherrschaft zumindest etwas zu begrenzen: Bei der organisierten Steuerflucht<em> <\/em>von US-Unternehmen, bei der Einschr&auml;nkung des Wettbewerbs durch die gro&szlig;en f&uuml;nf US-Digitalkonzerne Google, Apple, Microsoft, Facebook und Amazon (GAMFA), bei der Absch&ouml;pfung von B&uuml;rger- und Unternehmensdaten und deren Transfer in die USA, bei der Abh&auml;ngigkeit der EU im Bereich der Software, der Chip-Produktion und der Clouds.<\/p><p>Es wurden schon mal ein paar Milliarden Bu&szlig;gelder eingetrieben &ndash; aber die Strukturabh&auml;ngigkeit von den Digitalkonzernen w&auml;chst, noch beschleunigt mit der Pandemie-Politik. Dabei werden die dreistelligen Millionenbetr&auml;ge nicht einmal thematisiert, mit denen die GAMFA mitunter Lehrst&uuml;hle finanzieren und &uuml;ber h&auml;ufige und gro&szlig;e Anzeigen auch Abh&auml;ngigkeiten der sogenannten Leitmedien in der EU schaffen, in Deutschland von <em>taz<\/em> bis <em>FAZ<\/em>.<\/p><p>Da bilanziert die <em>FAZ<\/em>: &raquo;Verzweifelte Aufholjagd einer Schl&uuml;sselindustrie. Br&uuml;ssel will die Chip-Branche in der EU vor dem Niedergang retten. Der aber ist l&auml;ngst im Gange.&laquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Und das <em>Handelsblatt <\/em>bilanziert: &raquo;Machtlos gegen Big Tech&laquo;. Deshalb schl&auml;gt die US-&shy;lastige Unternehmer-Postille als &raquo;L&ouml;sung&laquo; offen vor: &raquo;Mit Apple und Google verb&uuml;nden&laquo;![<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p><em>Noch mehr Unterwerfung trotz wachsender Zweifel an der Supermacht <\/em>| Zwei Jahrzehnte haben die wichtigsten und auch kleine EU-Staaten und ebenso ihre Neutralit&auml;t zelebrierende Staaten wie die Schweiz den US- und NATO-Krieg in Afghanistan mitgetragen: milit&auml;risch, finanziell, propagandistisch, geheimdienstlich und &uuml;brigens auch mit christlich-kirchlicher Beweihr&auml;ucherung vor Ort. Ergebnis: Millionen Menschen auf der Flucht, hunderttausende Tote, ein destabilisiertes und verarmtes Land, mit vielgestaltig korrumpierten Marionettenregierungen, Oligarchen, war lords, einheimischen &raquo;Menschenrechtlern&laquo; und &raquo;Ortskr&auml;ften&laquo; sowie eine wieder zur Macht gekommene Taliban-Regierung. Das nur als ein Beispiel, ein aktuelles, f&uuml;r die menschenrechtlich, moralisch, politisch, finanziell und sogar noch milit&auml;risch desastr&ouml;se US- und NATO-&shy;Gefolgschaft.<\/p><p>Selbst ein transatlantisches Flaggschiff wie die &raquo;Zeitung f&uuml;r Deutschland&laquo; konstatiert die technisch-finanzielle Dominanz der USA, und auch die sich vertiefenden Zweifel an der &raquo;einzigen Weltmacht&laquo;: Durch &raquo;strukturellen Rassismus, Waffengewalt auf den Stra&szlig;en, zehntausende Drogentote, rechten Populismus &ndash; die Krisensymptome sind nicht mehr zu leugnen und reichen weit in das liberale B&uuml;rgertum&laquo;, so die <em>FAZ<\/em> in ihrer immer noch besch&ouml;nigenden Krisenanalyse, in der z.&#8197;B. der Afghanistan-Krieg fehlt. Aber solange Russland und China uns bedrohen, so das von Facebook und Google mittels Inseraten reichlich bedachte Leitmedium, &raquo;muss Europa sein Misstrauen Washington gegen&uuml;ber &uuml;berwinden und auf Amerika setzen.&laquo;[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]<\/p><p><em>Milit&auml;rische Budgets weiter erh&ouml;hen <\/em>| Derlei herrschende Meinungsmache erreicht, in &Uuml;bereinstimmung mit der Bundesregierung und der Europ&auml;ischen Kommission, in der gegenw&auml;rtigen Feindbild-Konstruktion, in der Hass- und Hetzeproduktion gegen Russland und die Volksrepublik China &raquo;Weltniveau&laquo;.<\/p><p>Die EU erweitert die &raquo;eigenen&laquo; milit&auml;rischen Instrumente, aber die NATO-F&uuml;hrung bleibt, und die EU-Staaten erf&uuml;llen schrittweise die dem US-Pr&auml;sidenten Barack Obama verbindlich zugesagte Forderung der Supermacht, die R&uuml;stungsetats mindestens auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erh&ouml;hen. Die USA schrumpfen sich und die besten Alliierten volkswirtschaftlich, ihre wichtigsten internationalen Instrumente sind Boykotte und Sanktionen &ndash; und haben als wichtigstes Alleinstellungsmerkmal nur noch den weltweit gr&ouml;&szlig;ten Destruktionsapparat zu bieten: Milit&auml;r zu Land, zur See, in der Luft, im Weltraum; die mit riesigem Abstand meisten Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte rund um den Planeten; die gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;stungskonzerne und den gr&ouml;&szlig;ten R&uuml;stungsexport, die meisten Kriege, offene und verdeckte.<\/p><p><em>Die notwendige Befreiung von &raquo;America First&laquo; <\/em>| Nach dem bisher gr&ouml;&szlig;ten Weltkrieg wurden die Konsequenzen gezogen: UN-V&ouml;lkerrecht und Universelle Menschenrechte. Um den n&auml;chsten, noch gr&ouml;&szlig;eren Weltkrieg zu verhindern &ndash; und auch seine teils geifernd begr&uuml;&szlig;ten Vorstufen zu entsch&auml;rfen &ndash;, muss die Menschheit zu diesem V&ouml;lkerrecht und diesen Menschenrechten zur&uuml;ck: Globalisierung ohne milit&auml;rische Begleitung. Befreiung der UNO und ihrer Unterorganisationen aus dem Zugriff der USA. Austritt aus der NATO, stattdessen gemeinsame Sicherheitsarchitektur f&uuml;r das ganze Europa &ndash; jenseits von &raquo;America First&laquo;.<\/p><p>Titelbild: cbies\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Wenn im Text nicht anders belegt, sei auf folgende Ver&ouml;ffentlichungen hingewiesen: Werner R&uuml;gemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverst&auml;ndlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure, 3., erg&auml;nzte Aufl., K&ouml;ln 2021 (auch englisch, franz&ouml;sisch, italienisch, chinesisch); derselbe: Imperium EU-ArbeitsUnrecht, Krise, neue Gegenwehr, K&ouml;ln 2020 (auch englisch).<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Jay Sexton: Debt Diplomacy. Finance and American Foreign Relations in the Civil War Era 1837-1873, Oxford 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Frank Costigliola: Awkward Dominion. American Political, Economic, and Cultural Relations with Europe, 1919-1933. Cornell University Press 1984; Gian G. Migone: The United States and Fascist Italy. The Rise of American Finance in Europe, Cambridge University Press 2015.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Mira Wilkins: The Maturing of Multinational Enterprises. American Business Abroad from 1914 to 1970, Cambridge\/Mass. 1994.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Jacques Pauwels: Big Business avec Hitler, Bruxelles 2013.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Adam Lebor: Der Turm zu Basel. BIZ &ndash; Die Bank der Banken und ihre dunkle Geschichte, Z&uuml;rich 2014.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Judith Jeffrey: Ambiguous Commitments and Uncertain Politics. The Truman Doctrine in Greece 1947-1952, New York 2000.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Anthony Carew: American Labour&rsquo;s Cold War Abroad. From Deep Freeze to D&eacute;tente &ndash; 1945-1970, Edmonton 2018, S. 70ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Christoph Franceschini u.&#8197;a.: Spionage unter Freunden, Berlin 2017, S. 291.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Privatisierung in Deutschland &ndash; Eine Bilanz. Von der Treuhand zu Public Private Partnership, 4. erweiterte und aktualisierten Aufl., M&uuml;nster 2008, S. 38ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Ratingagenturen. Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart, 2. Aufl., Bielefeld 2013.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Werner R&uuml;gemer: BlackRock &amp; Co enteignen!, Frankfurt a.&#8197;M. 2021, S. 25ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Walter Lippmann: U.S. Foreign Policy. Shield of the Republic, Boston 1943; Die Au&szlig;enpolitik der Vereinigten Staaten, Z&uuml;rich 1944, S. 120ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft. Vorwort: Hans-Dietrich Genscher, Weinheim\/Berlin 1997.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] The Power Atlas, ecfr.eu, Dezember 2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Verzweifelte Aufholjagd, in: FAZ, 21.9.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Machtlos gegen Big Tech. Die EU muss sich mit Apple und Google verb&uuml;nden, in: Handelsblatt 26.10.2021.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Demokratische Selbstvergewisserung, in: FAZ, 7.12.2021.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg in der Ukraine und die europ&auml;ischen Reaktionen darauf zeigen einmal mehr, wie sehr Europas Politik die Interessen der USA priorisiert &ndash; sie scheinen sogar wichtiger zu sein als die eigenen europ&auml;ischen Interessen. 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