{"id":84514,"date":"2022-06-04T11:45:58","date_gmt":"2022-06-04T09:45:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84514"},"modified":"2022-06-07T16:54:24","modified_gmt":"2022-06-07T14:54:24","slug":"der-krieg-fiel-nicht-vom-himmel-i-by-the-grace-of-god-america-won-the-cold-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84514","title":{"rendered":"Der Krieg fiel nicht vom Himmel! (I) &#8211; \u201eBy the grace of God America won the Cold War!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn Russlands Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen ist, er hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. An der der Westen nicht unschuldig ist. &ndash; Bereits am 28. Januar 1992 posaunte US-Pr&auml;sident George H.W. Bush stolz vor dem Kongress, Amerika habe den Kalten Krieg gewonnen. In der Retrospektive erweist sich genau dieser Satz als Startschuss f&uuml;r den neuen Kalten Krieg. Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2176\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84514-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_I_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_I_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_I_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_I_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84514-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_I_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_I_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Menschen in Russland m&ouml;gen f&uuml;r oder gegen Putin oder den gegenw&auml;rtigen Krieg gegen die Ukraine sein. Sie m&ouml;gen alte Kommunisten oder neue Reiche, Sowjetnostalgiker, &sbquo;Westler&lsquo; oder Panslawisten sein. Facharbeiter, Professoren, Verk&auml;uferinnen, Arbeitslose oder Rentnerinnen. Sie m&ouml;gen in der Schwarzerderegion, im Wolgadelta, Transbaikalien, Udmurtien, Jakutien oder in der Republik Komi leben. Mit <em>einem<\/em> Satz bringt man sie alle auf die Palme:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Sowjetunion hat den Kalten Krieg verloren!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>In der Tat hat der nassforsche Hurra-Triumphalismus bestimmter westlicher Kreise erheblich dazu beigetragen, dass Russland und der Westen sich schon lange vor Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine wieder in einem zweiten Kalten Krieg nebst &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlichem neuen Wettr&uuml;sten befanden. Und es ist bezeichnend f&uuml;r das geistige und moralische Niveau der Menschen, denen dieser Satz so flott &uuml;ber die Lippen geht, dass sie offenbar nur in den Kategorien von Sieg und Niederlage zu denken verm&ouml;gen! &ndash; Aber der Reihe nach.<\/p><p><strong>Vorl&auml;ufige Zur&uuml;ckhaltung<\/strong><\/p><p>Als im Herbst 1989 die Mauer fiel und die friedlichen Revolutionen in Osteuropa die kommunistischen Diktaturen hinwegfegten, hielt sich die US-Administration unter George H.W. Bush noch diplomatisch zur&uuml;ck. Man war sich in Washington dar&uuml;ber im Klaren, dass jedes lauthalse westliche Hurra-Get&ouml;se dem weiteren Verlauf der Ereignisse nur geschadet h&auml;tte. Schlie&szlig;lich zeichneten sich bereits umw&auml;lzende Ereignisse wie eine m&ouml;gliche Wiedervereinigung Deutschlands ab, die auf keinen Fall gef&auml;hrdet werden sollten. So enthielt man sich zun&auml;chst aller demonstrativen Gesten, die auf die Menschen in der Sowjetunion dem&uuml;tigend h&auml;tten wirken k&ouml;nnen &ndash; w&auml;hrend man bereits den &sbquo;russischen Separatisten&lsquo; und sp&auml;teren Totengr&auml;ber des Landes, Boris Jelzin, clandestin f&ouml;rderte[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]! Am 21. November 1990 unterzeichnete auch George Bush senior zusammen mit 31 weiteren Staats- und Regierungschefs die &bdquo;Charta von Paris&ldquo;, die in ihrem zentralen und epochalen Satz: <em>&bdquo;Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden&ldquo;<\/em> mit dem rivalisierenden Denken und Handeln, mit der potenziell weltvernichtenden Politik des Nullsummenspiels der Superm&auml;chte brach. Damit war der Kalte Krieg beendet.<\/p><p>Dachte die Welt zumindest.<\/p><p><strong>Das Coming out<\/strong><\/p><p>Aber bereits einen Monat nach dem Zerfall der Sowjetunion konnte Bush &ndash; zuf&auml;lligerweise in der Wahlkampfzeit &ndash; nicht mehr an sich halten und am 28. Januar 1992 brach es zu Beginn seiner j&auml;hrlichen &sbquo;State of the Union Adress&lsquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] vor dem Kongress f&ouml;rmlich aus ihm heraus: Die Welt habe in den vergangenen zw&ouml;lf Monaten Ver&auml;nderungen von wahrhaft biblischen Ausma&szlig;en erlebt. In diesem Jahr sei nichts weniger als der Kommunismus selbst gestorben. Und lange habe er, der Pr&auml;sident, vor lauter Besch&auml;ftigung mit diesen Ver&auml;nderungen und dem ganzen Fortschritt gar nicht die M&ouml;glichkeit gehabt, &bdquo;to show the joy that was in my heart&ldquo;. Aber, nun sollten alle die Ohren spitzen!, &bdquo;the biggest thing&ldquo;, das sich jemals in seinem und in dem Leben der Anderen ereignet habe, sei dies: <em>&bdquo;By the grace of God America won the Cold War!&ldquo;<\/em> (Nebenbei: Dass er f&uuml;r diese dummdreiste Geschichtsl&uuml;ge auch noch keinen Geringeren als Gott pers&ouml;nlich in die Pflicht nahm, das verleiht dieser Bemerkung eine besonders peinliche Note.)<\/p><p>Kein Satz hat sich f&uuml;r das westlich-russische Verh&auml;ltnis als so fatal erwiesen wie dieser! Dieser Satz enth&auml;lt bereits im Keim die folgende amerikanische Politik des Unilateralismus, der &bdquo;Einzigen Weltmacht&ldquo;, der NATO-Osterweiterungen, der Politik der Regime-Changes, der v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskriege, der K&uuml;ndigungen fast s&auml;mtlicher Abr&uuml;stungs- und R&uuml;stungskontrollvertr&auml;ge. Und er beweist, dass der Mann, der ihn aussprach, und alle, die ihn sp&auml;ter mit stolzgeschwellter Brust gedankenlos nachplapperten und seiner Logik gem&auml;&szlig; handelten, offenbar geistig zu beschr&auml;nkt und moralisch zu verantwortungslos waren, das Entscheidende &uuml;berhaupt zu erfassen.<\/p><p><strong>Verspieltes Vertrauen<\/strong><\/p><p>Ohne die revolution&auml;re Politik der damaligen Sowjetadministration, sprich: ohne die Politik des Neuen Denkens &ndash; damals wie heute seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, <em>weil es die Interessen der gesamten Menschenheit &uuml;ber das t&ouml;dliche Rivalisieren der Superm&auml;chte stellt <\/em>&ndash; w&auml;re der Kalte Krieg niemals friedlich beendet worden! Michail Gorbatschow, der Architekt dieser revolution&auml;ren Wende im au&szlig;en- wie r&uuml;stungspolitischen Denken und Handeln, formuliert es so:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das Ende des Kalten Krieges war unser gemeinsamer Sieg. Er kam zustande durch Dialog und Verhandlungen &uuml;ber die kompliziertesten Probleme der Sicherheit und Abr&uuml;stung und indem man bilaterale Beziehungen aufnahm. Ohne all dies h&auml;tte der Kalte Krieg und das Wettr&uuml;sten noch einige Jahrzehnte andauern k&ouml;nnen. Und wer wei&szlig;, wozu dies h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Aber dabei blieb es leider nicht.<em> <\/em><\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Anstatt all dies anzuerkennen, erkl&auml;rte der Westen sich zum Sieger. Das Ende des Kalten Krieges &ndash; das war f&uuml;r ihn erst vollzogen mit dem Ende der Sowjetunion. Amerikanische Staatsm&auml;nner nannten das eine Politik aus der Position der St&auml;rke. Und schlossen daraus, es sei nun notwendig, die eigene milit&auml;rische Macht weiter auszubauen, den eigenen Willen durchzusetzen, eine unipolare Welt zu schaffen, ein amerikanisches Imperium. Nun musste die Welt mitansehen, wie das Vertrauenskapital, das in den 1980er Jahren angesammelt worden war, verspielt wurde, wie statt einer neuen, sicheren Weltordnung das Gespenst eines neuen Chaos auftauchte, in dem das Recht des St&auml;rkeren herrschte. Die Charta von Paris, die Ideen der kollektiven Sicherheit, die Schaffung eines Sicherheitsrates f&uuml;r Europa, die 1991 ernsthaft diskutiert wurden, gerieten dagegen in Vergessenheit.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Vor den Tr&uuml;mmern dieser Entwicklung stehen wir nun heute.<\/p><p><strong>Den Kalten Krieg haben die Kalten Krieger verloren<\/strong><\/p><p>Stellen wir die Dinge ein f&uuml;r alle Mal richtig. Der erste Kalte Krieg konnte beendet werden, weil die damalige Sowjetadministration um Michail Gorbatschow zuvor im Denken und Handeln nichts weniger als <em>die Logik des Wettr&uuml;stens selbst<\/em> besiegt hatte! Und genau dadurch konnte dem zun&auml;chst widerstrebenden Westen die restlose Verschrottung der gef&auml;hrlichsten Waffen im Kurz- und Mittelstreckenbereich und eine weltweite atomare Abr&uuml;stung um 80 Prozent aufgezwungen werden.<\/p><p>Den Russen ist dies nach wie vor sehr pr&auml;sent. Kleiner Tip: Fahren Sie doch einfach mal &ndash; jaja, es ist auch jetzt m&ouml;glich! &ndash; nach Russland und fragen Sie den ersten besten Russen, der Ihnen &uuml;ber den Weg l&auml;uft. Er wird Ihnen sagen: &bdquo;Wir haben den Kalten Krieg <em>beendet<\/em>!&ldquo;<\/p><p>Mit einem Wort: Den Kalten Krieg verloren haben damals die Kalten Krieger. Und gewonnen hat ihn die restliche Menschheit!<\/p><p><em>Hatte<\/em>!<\/p><p><em>Lesen Sie morgen den zweiten Teil &bdquo;Putins Rede im Bundestag nach 9\/11&ldquo;<\/em><\/p><p>Titelbild: zapomicron\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/meinung\/128200-putsch-von-wiskuli-vor-30-jahren\/\">de.rt.com\/meinung\/128200-putsch-von-wiskuli-vor-30-jahren\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=N2SDqiPbS2Y\">youtube.com\/watch?v=N2SDqiPbS2Y<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn Russlands Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen ist, er hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. An der der Westen nicht unschuldig ist. &ndash; Bereits am 28. Januar 1992 posaunte US-Pr&auml;sident George H.W. 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