{"id":84520,"date":"2022-06-05T11:45:54","date_gmt":"2022-06-05T09:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84520"},"modified":"2022-06-07T16:54:41","modified_gmt":"2022-06-07T14:54:41","slug":"der-krieg-fiel-nicht-vom-himmel-ii-putins-rede-im-bundestag-nach-911","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84520","title":{"rendered":"Der Krieg fiel nicht vom Himmel! (II) &#8211; Putins Rede im Bundestag nach 9\/11"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn Russlands Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen ist, er hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. An der der Westen nicht unschuldig ist. &ndash; Vor mehr als zwanzig Jahren warb Pr&auml;sident Putin vor dem Deutschen Bundestag leidenschaftlich f&uuml;r eine vertrauensvolle bilaterale Zusammenarbeit. Von <strong>Leo Ensel<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3045\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84520-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_II_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_II_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_II_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_II_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84520-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_II_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_II_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84514\">Teil I &bdquo;By the grace of God America won the Cold War!&ldquo;<\/a><\/em><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir leben weiterhin im alten Wertesystem. Wir sprechen von einer Partnerschaft. In Wirklichkeit haben wir aber immer noch nicht gelernt, einander zu vertrauen. Trotz der vielen s&uuml;&szlig;en Reden leisten wir weiterhin heimlich Widerstand. Mal verlangen wir Loyalit&auml;t zur NATO, mal streiten wir uns &uuml;ber die Zweckm&auml;&szlig;igkeit ihrer Ausbreitung. Wir k&ouml;nnen uns zum Beispiel immer noch nicht &uuml;ber die Probleme im Zusammenhang mit dem Raketenabwehrsystem einigen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Liest man diese S&auml;tze aus der Rede[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Wladimir Putins vom 25. September 2001 &ndash; genau zwei Wochen nach den Terroranschl&auml;gen gegen das World Trade Center &ndash; vor den versammelten Abgeordneten des Deutschen Bundestages heute, so sehnt man sich geradezu nach diesen vergleichsweise idyllischen Zeiten im deutsch-russischen Verh&auml;ltnis zur&uuml;ck. Denn Putin hatte zwar deutliche Kritik am nach wie vor holprigen Vertrauen zwischen beiden Seiten ge&auml;u&szlig;ert &ndash; der junge russische Pr&auml;sident tat dies allerdings im Kontext eines schon fast inbr&uuml;nstigen Werbens um eine nachhaltige vertrauensvolle Zusammenarbeit. Gro&szlig;e Teile seiner Rede hielt er in deutscher Sprache. Und erntete am Ende &ndash; heute unvorstellbar &ndash; partei&uuml;bergreifend Standing Ovations.<\/p><p>Es lohnt sich, die damalige Rede Putins heute, mehr als zwanzig Jahre danach, nochmals intensiv zu studieren, besser: sie sich nochmals als Video[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] anzusehen. Bildet sie doch den idealen Referenzpunkt, um den dramatischen Niedergang der folgenden Jahre im bilateralen Verh&auml;ltnis genauer zu bestimmen.<\/p><p><strong>Die Samen des Misstrauens<\/strong><\/p><p>Vergegenw&auml;rtigen wir uns kurz die damalige Situation.<\/p><p>Wie bereits im Zitat angeklungen, herrschte schon zu diesem Zeitpunkt im Verh&auml;ltnis zwischen dem Westen und Russland keineswegs mehr eitel Sonnenschein. Schon 1994 hatte Putins Amtsvorg&auml;nger Boris Jelzin vor einem &bdquo;Kalten Frieden&ldquo; f&uuml;r den Fall gewarnt, dass sich die NATO nach Osten ausdehnen sollte. Dies hielt das westliche Milit&auml;rb&uuml;ndnis allerdings nicht davon ab, genau solche Beitrittsverhandlungen &ndash; zun&auml;chst einmal &sbquo;nur&lsquo; mit Polen, Tschechien und Ungarn &ndash; zu starten und diese Staaten am 12. M&auml;rz 1999 als neue Mitglieder aufzunehmen. Dass die Aspirationen bereits damals erheblich ambitionierter waren, l&auml;sst sich unschwer an der Tatsache ablesen, dass der russische Pr&auml;sident Jelzin schon im M&auml;rz 1997 dem Westen gedroht hatte, sp&auml;testens mit einem NATO-Beitritt der Ukraine w&uuml;rde f&uuml;r Russland eine rote Linie &uuml;berschritten. Diese Warnung fand nicht im luftleeren Raum statt: Im selben Jahr hatten die USA begonnen, unter Beteiligung weiterer Staaten &ndash; NATO-Mitglieder wie der T&uuml;rkei und (damalige) Nicht-Mitglieder wie Rum&auml;nien &ndash; vor der K&uuml;ste der Ukraine ihre von nun an j&auml;hrlichen Marineman&ouml;ver &bdquo;See Breeze&ldquo; im Schwarzen Meer durchzuf&uuml;hren. Marineinfanteristen &uuml;bten in den Regionen Odessa und Mykolajiw Landeoperationen unter Einsatz von Schiffen, Flugzeugen und Panzern. (Wohlgemerkt: im Jahr 1997, also genau anderthalb Jahrzehnte vor den Maidan-Ereignissen!)<\/p><p>Kein Wunder, dass diese Bef&uuml;rchtungen prompt Folgen auf der strategischen Ebene zeitigten: Die wenige Wochen sp&auml;ter &ndash; ausgerechnet am 8. Mai 1997 &ndash; von Jelzin in Kraft gesetzte neue russische Sicherheitsdoktrin sah nun erstmals eine atomare Erstschlagsoption vor. Zwar wurden Russland als Ausgleich f&uuml;r die (erste) NATO-Osterweiterung vom Westen noch ein paar Bonbons serviert, wie die &bdquo;NATO-Russland-Grundakte&ldquo;, die am 27. Mai desselben Jahres unterzeichnet wurde und aus der der &bdquo;NATO-Russland-Rat&ldquo; erwuchs, sowie die Aufnahme in die nun zur G8 erweiterten G7 &ndash; sie wurde im M&auml;rz 2014 im Zuge des Krim-Konfliktes wieder r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht &ndash; aber das hinderte die NATO keineswegs an ihrem Expansionskurs und vom 24. M&auml;rz 1999 an durften die keine zwei Wochen zuvor frischgebackenen neuen NATO-Mitglieder zusammen mit dem wiedervereinten Deutschland gleich mal &ndash; ohne v&ouml;lkerrechtliches Mandat &ndash; beim ersten Out-of-Area-Einsatz des B&uuml;ndnisses, beim Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, mitmachen. Kein Bild bringt den dadurch provozierten Beginn der Abkehr Russlands vom Westen deutlicher auf den Punkt als die 180-Grad-Kehrtwende des Flugzeugs des damaligen russischen Ministerpr&auml;sidenten Primakow, der &ndash; &uuml;ber dem Atlantik, auf dem Wege nach Washington &ndash; seiner Crew die R&uuml;ckkehr nach Moskau befahl, als er von der Bombardierung Belgrads durch die NATO erfuhr.<\/p><p>Im November desselben Jahres wurde zwar auf der OSZE-Konferenz in Istanbul der KSE-A-Vertrag zur konventionellen Abr&uuml;stung in Europa unterzeichnet, allerdings im Gegensatz zu den postsowjetischen L&auml;ndern Russland, Ukraine, Belarus und Kasachstan von den NATO-Staaten nie ratifiziert. Anfang 1999 hatten die USA unter Bill Clinton bereits den &bdquo;National Missile Defence Act&ldquo;, eine abgespeckte Version von Ronald Reagans Raketenabwehrsystem SDI, beschlossen. (Dass die UN-Vollversammlung im Dezember desselben Jahres in einer Resolution die USA aufforderte, von diesen Pl&auml;nen Abstand zu nehmen, k&uuml;mmerte diese wenig.)<\/p><p><strong>Der Westler im Kreml<\/strong><\/p><p>In dieser Situation wurde Wladimir Putin Ende 1999 von Boris Jelzin zu seinem Nachfolger ernannt.<\/p><p>Ein Vierteljahr sp&auml;ter, im M&auml;rz 2000, &auml;u&szlig;erte sich Putin gegen&uuml;ber der BBC, er halte einen Beitritt Russlands zur NATO durchaus f&uuml;r m&ouml;glich, <em>&bdquo;solange Russlands Interessen Ber&uuml;cksichtigung finden und es ein gleichberechtigter Partner ist.&ldquo;<\/em> Drei Monate danach bot Putin dem US-Pr&auml;sidenten Clinton, der mit einem &ndash; angeblich gegen iranische Mittelstreckenraketen gerichteten &ndash; Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien lieb&auml;ugelte, (vergeblich) den Aufbau eines gemeinsamen Abwehrsystems an, das die USA, Russland und Europa vor Angriffen von &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo; sch&uuml;tzen sollte. Au&szlig;erdem offerierte er Europa eine Energieallianz. In der im selben Jahre verabschiedeten russischen Milit&auml;rdoktrin wurde die NATO nicht einmal namentlich erw&auml;hnt.<\/p><p>Man muss kein Kreml-Experte sein, um die These zu wagen, dass der junge russische Pr&auml;sident damals intern um seine Westorientierung hart hatte ringen m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>Liebeswerben um den Westen<\/strong><\/p><p>Es hatte sich also im Herbst 2001&ndash; und zwar ausschlie&szlig;lich durch den Westen provoziert &ndash; bereits einiges im westlich-russischen Verh&auml;ltnis angesammelt, dennoch hatte Russland sowohl unter Boris Jelzin wie auch Wladimir Putin immer wieder Entgegenkommen und Kompromissbereitschaft signalisiert. Das genau war der Kontext von Putins Rede vor dem Bundestag, kurz nach den New Yorker Terroranschl&auml;gen.<\/p><p>Und die Rede, die er &uuml;berwiegend <em>&bdquo;in der Sprache von Goethe, Schiller und Kant&ldquo;<\/em> hielt, hatte es in sich.<\/p><p>Putin erkl&auml;rte gleich zu Beginn die Berliner Mauer, w&ouml;rtlich, f&uuml;r <em>&bdquo;vernichtet&ldquo;<\/em>. Zu ihrem Sturz h&auml;tte vor allem der Wunsch der &uuml;berwiegenden Mehrheit der russischen B&uuml;rger nach Demokratie und Freiheit gef&uuml;hrt:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Gerade die politische Entscheidung des russischen Volkes erm&ouml;glichte es der ehemaligen F&uuml;hrung der UdSSR, diejenigen Beschl&uuml;sse zu fassen, die letzten Endes zum Abriss der Berliner Mauer gef&uuml;hrt haben. Gerade diese Entscheidung erweiterte mehrfach die Grenzen des europ&auml;ischen Humanismus, sodass wir behaupten k&ouml;nnen, dass niemand Russland jemals wieder in die Vergangenheit zur&uuml;ckf&uuml;hren kann.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und er blieb nicht bei Deutschland stehen: <em>&bdquo;Was die europ&auml;ische Integration betrifft, so unterst&uuml;tzen wir nicht einfach nur diese Prozesse, sondern sehen sie mit Hoffnung!&ldquo; <\/em>Erg&auml;nzend &ndash; nicht als Alternative &ndash; zu den transatlantischen Beziehungen solle Europa seinen Ruf als m&auml;chtiger und selbstst&auml;ndiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig festigen durch die Vereinigung seiner Ressourcen <em>&bdquo;mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands.&ldquo; <\/em>Dies war nichts Anderes als die Vision des Gorbatschow&lsquo;schen Gemeinsamen Europ&auml;ischen Hauses &ndash; sogar unter Einschluss der Verteidigungspotenziale &ndash; mit anderen Worten!<\/p><p>Die milit&auml;rischen Altlasten des Kalten Krieges schienen zu diesem Zeitpunkt zu einem Gro&szlig;teil abgetragen. Putin zu den Abgeordneten des Bundestages: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Eine der Errungenschaften des vergangenen Jahrzehnts war die beispiellos niedrige Konzentration von Streitkr&auml;ften und Waffen in Mitteleuropa und in der baltischen Region. Russland ist ein freundlich gesinntes europ&auml;isches Land. F&uuml;r unser Land, das ein Jahrhundert der Kriegskatastrophen durchgemacht hat, ist der stabile Frieden auf dem Kontinent das Hauptziel. Wie bekannt, haben wir den Vertrag &uuml;ber das allgemeine Verbot von Atomtests, den Vertrag &uuml;ber die Nichtverbreitung von Kernwaffen, die Konvention &uuml;ber das Verbot von biologischen Waffen sowie das START-II-Abkommen ratifiziert. Leider folgten nicht alle NATO-L&auml;nder unserem Beispiel.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;<strong>Ist das echte Partnerschaft?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Diesen S&auml;tzen, die am Ende bereits eine gewisse Entt&auml;uschung erkennen lassen, folgte eine vergleichsweise moderate Kritik, in der sich allerdings in der Retrospektive bereits viele Konflikte im Ansatz erkennen lassen, die dann f&uuml;nfeinhalb Jahre sp&auml;ter, als sie sich weiter ausgewachsen hatten, denselben russischen Pr&auml;sidenten auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz im Februar 2007 zu einem Ausbruch in einer anderen Tonlage veranlassten.<\/p><p>Damals in Berlin kritisierte Putin vorsichtig das Verharren in den bipolaren Denkmustern des Kalten Krieges. Die Welt sei seitdem sehr viel komplizierter geworden und die erfolgreiche Sicherheitsstruktur der vergangenen Jahrzehnte den neuen Bedrohungen nicht gewachsen. Und dann wurde er deutlicher:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die bisher ausgebauten Koordinationsorgane geben Russland keine realen M&ouml;glichkeiten, bei der Vorbereitung der Beschlussfassung mitzuwirken. Heutzutage werden Entscheidungen manchmal &uuml;berhaupt ohne uns getroffen. Wir werden dann nachdr&uuml;cklich gebeten, sie zu best&auml;tigen. Dann spricht man wieder von der Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber der NATO. Es wird sogar gesagt, ohne Russland sei es unm&ouml;glich, diese Entscheidungen zu verwirklichen. &ndash; Wir sollten uns fragen, ob das normal ist, ob das eine echte Partnerschaft ist.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das anvisierte Gemeinsame Europ&auml;ische Haus sei noch nicht realisiert, <em>&bdquo;weil wir uns bis jetzt noch nicht endg&uuml;ltig von vielen Stereotypen und ideologischen Klischees des Kalten Krieges befreit haben. Heute m&uuml;ssen wir mit Bestimmtheit und endg&uuml;ltig erkl&auml;ren: Der Kalte Krieg ist vorbei!&ldquo; <\/em>Putin empfahl die Schaffung einer dauerhaften und standfesten internationalen Sicherheitsstruktur, um auf dem europ&auml;ischen Kontinent ein Vertrauensklima zu schaffen, ohne das ein, wie er es nannte, <em>&bdquo;einheitliches Gro&szlig;europa&ldquo;<\/em> nicht m&ouml;glich sei. Alle sollten sich, so schloss er vers&ouml;hnlich, von den Stereotypen und Ambitionen der Vergangenheit verabschieden, <em>&bdquo;um die Sicherheit der Bev&ouml;lkerung Europas und die der ganzen Welt zusammen zu gew&auml;hrleisten.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Epilog<\/strong><\/p><p>Man wird zugeben: Weiter konnte der junge russische Pr&auml;sident dem Westen, insbesondere Deutschland, nicht entgegenkommen! Und immerhin folgten damals statt des heutigen Pawlow&lsquo;schen Reflexes, Putin wolle den Westen spalten und Europa von den USA abkoppeln, noch partei&uuml;bergreifend Standing Ovations. Putins Rede zwei Wochen nach 9\/11 ging als eine der gro&szlig;en Reden in die Geschichte des Bundestages und in die der deutsch-russischen Beziehungen ein.<\/p><p>Der nichts Substanzielles folgte!<\/p><p>Ein Vierteljahr sp&auml;ter k&uuml;ndigten die USA, v&ouml;llig unprovoziert, den ABM-Vertrag. Es folgte der Krieg des Westens in Afghanistan, bei dem Russland zeitweise logistische Unterst&uuml;tzung leistete und den US-Truppen in Zentralasien f&uuml;r ihren Kampf gegen die Taliban und Al Quaida Nachschublinien durch russisches Territorium, ja sogar einen amerikanischen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkt, ausgerechnet in Lenins Geburtsstadt Uljanowsk, gestattete. Es ging weiter mit dem Krieg der &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; unter F&uuml;hrung der USA gegen den Irak und der kriegerischen Einmischung westlicher Staaten in Libyen. Parallel dazu verliefen die zweite, dritte, vierte und f&uuml;nfte NATO-Osterweiterung, bis an die Grenzen Russlands. Insgesamt traten seit Ende des (ersten) Kalten Krieges vierzehn L&auml;nder des ehemaligen kommunistischen Raumes der NATO bei, weitere postsowjetische Staaten stehen noch auf der Liste &ndash; au&szlig;er Russland, versteht sich! Die USA errichteten gegen Russlands erkl&auml;rten Willen den sogenannten Raketenabwehrschild in Polen und Rum&auml;nien, k&uuml;ndigten den INF-Vertrag und den Open-Skies-Vertrag und mischten, vorsichtig formuliert, bei einer Reihe von Regime-Change-Versuchen im Osten kr&auml;ftig mit. Russland war gezwungen, milit&auml;risch und geopolitisch zu reagieren. Sp&auml;testens seit dem Ukraine-Konflikt ist die Situation heillos verfahren. Heute stehen wir vor einem Scherbenhaufen.<\/p><p>Fast 20 Jahre nach seiner Rede im Bundestag startete Wladimir Putin am 21. Juni letzten Jahres anl&auml;sslich des 80. Jahrestages des deutschen &Uuml;berfalls auf die Sowjetunion nochmals<em> <\/em>einen Verst&auml;ndigungsversuch[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>], indem er ein weiteres Mal Themen seiner Berliner Rede aufgriff und f&uuml;r gleichberechtigte Kooperation und einen gemeinsamen europ&auml;ischen Sicherheitsraum warb. Das Echo[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] in den deutschen Medien war niederschmetternd.<\/p><p>&bdquo;<em>Der Kalte Krieg ist vorbei!&ldquo;<\/em>, hatte Putin vor zwei Jahrzehnten im Bundestag mit Nachdruck verk&uuml;ndet. Heute m&uuml;sste man sagen: Der Kalte Krieg <em>war<\/em> vorbei.<\/p><p>Damals.<\/p><p>Titelbild: Frederic Legrand &ndash; COMEO \/ Shutterstock<\/p><p><em>Lesen Sie morgen den dritten Teil &bdquo;Der Startschuss zum Wettr&uuml;sten 2.0: Als die USA den ABM-Vertrag k&uuml;ndigten &hellip;&ldquo;<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/geschichte\/gastredner\/putin\/putin_wort-244966\">bundestag.de\/parlament\/geschichte\/gastredner\/putin\/putin_wort-244966<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/mediathek?videoid=4024571&amp;url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk=&amp;mod=mediathek\">bundestag.de\/mediathek?videoid=4024571&amp;url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk=&amp;mod=mediathek<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-06\/ueberfall-auf-die-sowjetunion-1941-europa-russland-geschichte-wladimir-putin\/komplettansicht\">zeit.de\/politik\/ausland\/2021-06\/ueberfall-auf-die-sowjetunion-1941-europa-russland-geschichte-wladimir-putin\/komplettansicht<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73782\">nachdenkseiten.de\/?p=73782<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn Russlands Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen ist, er hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. 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