{"id":84529,"date":"2022-06-07T12:00:28","date_gmt":"2022-06-07T10:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84529"},"modified":"2022-06-07T16:55:23","modified_gmt":"2022-06-07T14:55:23","slug":"der-krieg-fiel-nicht-vom-himmel-iv-die-zweite-rede-des-wladimir-putin-muenchner-sicherheitskonferenz-2007","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84529","title":{"rendered":"Der Krieg fiel nicht vom Himmel! (IV) &#8211; Die zweite Rede des Wladimir Putin: M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2007"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn Russlands Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen ist, er hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. An der der Westen nicht unschuldig ist. &ndash; In seiner ber&uuml;hmten Rede auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz kritisierte Wladimir Putin den Unilateralismus der USA und die V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che des Westens. Auf die Argumente auch nur einzugehen, hielt damals niemand f&uuml;r n&ouml;tig. Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6566\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84529-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_IV_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_IV_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_IV_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_IV_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84529-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_IV_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220607_Der_Krieg_fiel_nicht_vom_Himmel_Teil_IV_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Lesen Sie dazu auch: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84514\">Teil I &bdquo;By the grace of God America won the Cold War!&ldquo;<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84520\">Teil II &bdquo;Putins Rede im Bundestag nach 9\/11&ldquo;<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84524\">Teil III &bdquo;Der Startschuss zum Wettr&uuml;sten 2.0: Als die USA den ABM-Vertrag k&uuml;ndigten &hellip;&ldquo;<\/a><\/em><\/p><p>Die zweite gro&szlig;e Rede, die der russische Pr&auml;sident Wladimir Putin in Deutschland am 9. Februar 2007 auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz hielt, fiel nicht nur im Inhalt, sondern auch im Ton deutlich anders aus als seine erste Rede, die er kurz nach 9\/11 am 25. September 2001[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>], &uuml;berwiegend in deutscher Sprache, in Berlin im Deutschen Bundestag gehalten hatte. Putins erste Rede war ein leidenschaftliches Angebot Russlands zur Kooperation mit dem Westen, insbesondere mit Deutschland, nach dem gl&uuml;cklichen Ende des Kalten Krieges gewesen. Wer ihm genauer zuh&ouml;rte, konnte zwar bereits zu diesem Zeitpunkt ein gewisses Unbehagen &uuml;ber den Umgang des Westens mit seinem Land heraush&ouml;ren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir leben weiterhin im alten Wertesystem. Wir sprechen von einer Partnerschaft. In Wirklichkeit haben wir aber immer noch nicht gelernt, einander zu vertrauen. Trotz der vielen s&uuml;&szlig;en Reden leisten wir weiterhin heimlich Widerstand. Mal verlangen wir Loyalit&auml;t zur NATO, mal streiten wir uns &uuml;ber die Zweckm&auml;&szlig;igkeit ihrer Ausbreitung. Wir k&ouml;nnen uns zum Beispiel immer noch nicht &uuml;ber die Probleme im Zusammenhang mit dem Raketenabwehrsystem einigen.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Aber diese Bemerkungen blieben Inseln in einem wahren Liebeswerben um eine erfolgversprechende russisch-deutsche Zusammenarbeit auf den unterschiedlichsten Ebenen.<\/p><p><strong>Von Berlin (September 2001) bis M&uuml;nchen (Februar 2007)<\/strong><\/p><p>Knapp f&uuml;nfeinhalb Jahre sp&auml;ter hielt Putin im M&uuml;nchner Hotel &bdquo;Bayerischer Hof&ldquo; eine Rede, die in den westlichen Narrativ als &bdquo;Brandrede&ldquo;, gar als &bdquo;Beginn eines neuen Kalten Krieges&ldquo; eingehen sollte. &ndash; Schauen wir uns zun&auml;chst an, was sich in der Zwischenzeit im westlich-russischen Verh&auml;ltnis ge&auml;ndert hatte:<\/p><p>Zweieinhalb Monate nach dem Angebot des russischen Pr&auml;sidenten k&uuml;ndigten[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] die USA &ndash; ohne von irgendeiner Seite dazu provoziert worden zu sein &ndash; am 13. Dezember 2001 einen der zentralsten Vertr&auml;ge der noch w&auml;hrend des ersten Kalten Krieges m&uuml;hevoll &uuml;ber Jahrzehnte mit der Sowjetunion ausgehandelten R&uuml;stungskontrollarchitektur, den &bdquo;Anti-Ballistic-Missiles-Treaty&ldquo; (ABM-Vertrag), der f&uuml;r beide Superm&auml;chte die Zahl der Raketenabwehrsysteme auf jeweils eine Stellung begrenzt hatte, um die wechselseitig gesicherte Zweitschlagskapazit&auml;t offenzuhalten. Die USA wollten freie Fahrt f&uuml;r ihren sp&auml;testens seit Anfang 1999 in Planung befindlichen globalen Raketenabwehrschirm Aegis, der sich angeblich gegen Raketen aus &bdquo;Schurkenstaaten&ldquo; wie dem Iran und Nordkorea richten sollte. Sp&auml;testens im Fr&uuml;hjahr 2005 begannen die USA mit konkreten Sondierungen f&uuml;r zwei Module in Polen und Tschechien, w&auml;hrend Russland dar&uuml;ber lediglich informiert wurde. &ndash; Am 20. M&auml;rz 2003 fielen die USA und Gro&szlig;britannien mit ihrer &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; auf der Basis gef&auml;lschter &bdquo;Beweise&ldquo; in den Irak ein &ndash; ein v&ouml;lkerrechtswidriger Angriffskrieg, dem, Sch&auml;tzungen zufolge, &uuml;ber 100.000 Zivilisten zum Opfer fielen.<\/p><p>Am 29. M&auml;rz 2004 traten im Rahmen der zweiten Osterweiterung sieben weitere Staaten &ndash; Estland, Lettland, Litauen, die Slowakei, Slowenien, Rum&auml;nien und Bulgarien &ndash; der NATO bei. Damit hatte sich das westliche B&uuml;ndnis direkt an die Grenze Russlands ausgedehnt. War die erste NATO-Osterweiterung im M&auml;rz 1999 noch mit der NATO-Russland-Grundakte notd&uuml;rftig abgefedert worden, wurde Russland dieses Mal nur noch vor vollendete Tatsachen gestellt. &ndash; Der A-KSE-Vertrag, der die konventionellen Streitkr&auml;fte in Europa auf ein pr&auml;zedenzlos niedriges Niveau begrenzte, wurde im Jahre 2004 von Russland, Belarus, der Ukraine und Kasachstan ratifiziert &ndash; allerdings nicht von den NATO-Staaten. &ndash; Und auf dem EU-Russland-Gipfel im November 2006 scheiterte ein weiteres Partnerschaftsabkommen am Veto Polens.<\/p><p>Es hatte sich also im westlich-russischen Verh&auml;ltnis bereits eine Menge aufget&uuml;rmt, als Pr&auml;sident Putin am 9. Februar auf der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz das Podium[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] betrat.<\/p><p><strong>Die unipolare Welt: &bdquo;Niemand f&uuml;hlt sich mehr sicher!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Der russische Pr&auml;sident begann seine Rede[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] durchaus moderat, fast entschuldigte er sich gar f&uuml;r die folgenden Ausf&uuml;hrungen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das Format der Konferenz gibt mir die M&ouml;glichkeit, der &sbquo;&uuml;bertriebenen H&ouml;flichkeit&lsquo; zu entgehen, mit geschliffenen, angenehmen, aber leeren diplomatischen Worth&uuml;lsen sprechen zu m&uuml;ssen. Es erlaubt, das zu sagen, was ich wirklich &uuml;ber die Probleme der internationalen Sicherheit denke. Und wenn meine &Uuml;berlegungen meinen Kollegen allzu polemisch oder ungenau erscheinen, &auml;rgern Sie sich bitte nicht &uuml;ber mich &ndash; es ist doch nur eine Konferenz.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Doch dann kam Putin zur Sache. Ausgehend von der zentralen Maxime der Charta von Paris, dem Prinzip der allumfassenden, unteilbaren Sicherheit, kritisierte er die monopolare Welt, die die USA nach dem Ende des Kalten Krieges de facto angestrebt h&auml;tten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es ist die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souver&auml;ns. Und das ist am Ende nicht nur t&ouml;dlich f&uuml;r alle, die sich innerhalb dieses Systems befinden, sondern auch f&uuml;r den Souver&auml;n selbst, weil es ihn von innen zerst&ouml;rt. Das hat nat&uuml;rlich nichts mit Demokratie gemein. Nebenbei gesagt, lehrt man uns &ndash; Russland &ndash; st&auml;ndig Demokratie. Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Kriege, die lokalen und regionalen Konflikte seien nicht weniger geworden. Es st&uuml;rben sogar bedeutend mehr Menschen als fr&uuml;her:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophe Anwendung von Gewalt &ndash; milit&auml;rischer Gewalt &ndash; in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, welche eine Sturmflut aufeinander folgender Konflikte in der Welt ausl&ouml;st. Im Ergebnis reichen dann nicht die Kr&auml;fte f&uuml;r eine komplexe L&ouml;sung wenigstens eines dieser Konflikte.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Wer sich die bis heute katastrophalen Folgen des Irak-Krieges vor Augen f&uuml;hrt, der unter anderem nichts weniger als den Islamischen Staat zur Konsequenz hatte oder die westliche Milit&auml;rintervention in Afghanistan, die von der Talibanherrschaft zur Herrschaft der Taliban f&uuml;hrte, wird dem russischen Pr&auml;sidenten hier unschwer Recht geben. Aber Putin kritisierte auch die fortlaufenden V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che durch die USA:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir sehen eine immer st&auml;rkere Nichtbeachtung grundlegender Prinzipien des V&ouml;lkerrechts. Mehr noch &ndash; bestimmte Normen, ja eigentlich fast das gesamte Rechtssystem eines Staates, vor allem, nat&uuml;rlich, der Vereinigten Staaten, hat seine Grenzen in allen Sph&auml;ren &uuml;berschritten: sowohl in der Wirtschaft, der Politik und im humanit&auml;ren Bereich wird es anderen Staaten &uuml;bergest&uuml;lpt. Nun, wem gef&auml;llt das schon? Niemand f&uuml;hlt sich mehr sicher!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dies wiederum verst&auml;rke den globalen Terrorismus und den Drang einer Reihe von L&auml;ndern nach dem Besitz von Massenvernichtungsmitteln, was Putin zu einer logischen Konsequenz f&uuml;hrte, die heute &ndash; Mitte Februar 2022 &ndash; eine un&uuml;berbietbare Aktualit&auml;t erlangt hat:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich bin &uuml;berzeugt, dass wir heute an einem Grenzpunkt angelangt sind, an dem wir ernsthaft &uuml;ber die gesamte Architektur der globalen Sicherheit nachdenken sollten.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Anwendung von Gewalt &ndash; dies eine indirekte, aber klare Anspielung auf die v&ouml;lkerrechtswidrigen Kriege des Westens gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak &ndash; d&uuml;rfe nur durch die Charta der UN legitimiert sein. Keinesfalls d&uuml;rfe man etwa die UNO durch die NATO oder die EU ersetzen.<\/p><p>&bdquo;<strong>Abr&uuml;stungsstau&ldquo; und &bdquo;asymmetrische Reaktionen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im Anschluss daran kritisierte Putin den, wie er es nannte, &bdquo;Abr&uuml;stungsstau&ldquo; in den internationalen Beziehungen und machte bereits erste Risse in dem 1987 zwischen Gorbatschow und Reagan abgeschlossenen INF-Vertrag aus, der den USA und der Sowjetunion den Besitz landgest&uuml;tzter Raketensysteme einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern untersagt hatte. Andere Staaten wie Nord- und S&uuml;dkorea, Indien, Pakistan, der Iran und Israel w&uuml;rden dagegen bereits &uuml;ber solche Systeme verf&uuml;gen. Und er beendete dieses Thema mit einem omin&ouml;sen Satz: <em>&bdquo;Klar, dass wir unter solchen Bedingungen &uuml;ber die Gew&auml;hrleistung unserer eigenen Sicherheit nachdenken m&uuml;ssen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Putin warnte vor einer Militarisierung des Weltraums, der nichts weniger als den Beginn einer neuen Kernwaffen&auml;ra zur Folge haben w&uuml;rde und dann wurde es richtig brisant:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Uns beunruhigen auch Pl&auml;ne zum Aufbau von Elementen eines Raketenabwehrsystems in Europa. Wer braucht eine neue Runde eines in diesem Falle unausweichlichen Wettr&uuml;stens? Ich zweifle zutiefst daran, dass es die Europ&auml;er selbst sind.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Staaten wie Nordkorea w&uuml;rden &uuml;ber Raketen einer Reichweite von 5.000 bis 8.000 Kilometern, die Europa gef&auml;hrden k&ouml;nnten, gar nicht verf&uuml;gen und der hypothetische Start einer nordkoreanischen Rakete in Richtung USA &uuml;ber Westeuropa hinweg, widerspreche allen Gesetzen der Ballistik. In der Diskussionsrunde nach seiner Rede f&uuml;hrte Putin die Konsequenzen[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] unmissverst&auml;ndlich aus: <em>&bdquo;Eine solche Politik ist ein Katalysator des Wettr&uuml;stens. Hypothetisch m&uuml;ssen wir annehmen, dass das Potenzial unserer Nuklearstreitkr&auml;fte durch den US-Raketenschirm neutralisiert werden wird, mit dem Ergebnis des Ende des Gleichgewichts.&ldquo; <\/em>Russland bliebe nur die Wahl, entweder ebenfalls Milliarden in ein ballistisches Abwehrsystem zu investieren oder asymmetrisch zu reagieren, <em>&bdquo;weil wir dann Waffen haben werden, die ihm mit Leichtigkeit ausweichen werden. Und den Weg gehen wir, das ist billiger f&uuml;r uns.&ldquo;<\/em><\/p><p>Im Gegensatz zu Russland habe der Westen auch den A-KSE-Vertrag immer noch nicht ratifiziert. (Er machte es &uuml;brigens nie, worauf Russland den Vertrag im Dezember 2007 aussetzte und im M&auml;rz 2015 schlie&szlig;lich k&uuml;ndigte, nachdem die USA beschlossen hatten, f&uuml;r ein Man&ouml;ver<em> <\/em>zeitweise 3.000 Soldaten ins Baltikum zu verlegen.) Im Gegenteil: In Bulgarien und Rum&auml;nien entst&uuml;nden sogenannte leichte amerikanische Vorposten-Basen mit jeweils 5.000 Mann.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das bedeutet, dass die NATO ihre Sto&szlig;kr&auml;fte immer dichter an unsere Staatsgrenzen heranbringt, und wir, die wir uns streng an den Vertrag halten, in keiner Weise auf dieses Vorgehen reagieren. Ich denke, es ist offensichtlich, dass der Prozess der NATO-Erweiterung ein provozierender Faktor ist, der das Niveau des gegenseitigen Vertrauens senkt. Gegen wen richtet sich diese Erweiterung? Und was ist aus jenen Versicherungen geworden, die uns die westlichen Partner nach dem Zerfall des Warschauer Vertrages gegeben haben?&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und Putin warnte vor neuen Mauern:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Jetzt versucht man, uns schon wieder neue Teilungslinien und Mauern aufzudr&auml;ngen &ndash; wenn auch virtuelle, trotzdem trennende, die unseren gesamten Kontinent teilen. Soll es nun etwa wieder viele Jahre und Jahrzehnte dauern und den Wechsel von einigen Politiker-Generationen, um diese neuen Mauern zu &sbquo;demontieren&lsquo;?&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;<strong>Ein Hauch von Kaltem Krieg&ldquo; &ndash; Die Reaktion des Westens<\/strong><\/p><p>Als Putin seine Rede beendet hatte, herrschte im Auditorium zun&auml;chst konsterniertes Schweigen. Bis schlie&szlig;lich der Herausgeber der <em>ZEIT<\/em>, Josef Joffe, aufstand und in Richtung des russischen Pr&auml;sidenten den vorwurfsvollen Satz schleuderte: &bdquo;Sie sprechen die Sprache des Kalten Krieges!&ldquo;<\/p><p>Damit war der Grundton in den westlichen Medien bis auf den heutigen Tag gesetzt. In den Headlines der &uuml;berregionalen deutschen Tageszeitungen war tags darauf nur noch vom &bdquo;Hauch des Kalten Krieges&ldquo; die Rede, der das Auditorium des Bayerischen Hofs durchweht habe. Auf die Aussagen Putins inhaltlich genauer einzugehen, hielt niemand f&uuml;r n&ouml;tig. Die Arroganz des Westens verhinderte es nicht nur, Putins Aussagen zu verstehen<em>, <\/em>nein: sie &uuml;berhaupt verstehen zu <em>wollen<\/em>!<\/p><p>Unwillk&uuml;rlich fragt man sich, wo wir heute st&uuml;nden, h&auml;tte man die Brandrede des russischen Pr&auml;sidenten damals ernst genommen und auf sie rechtzeitig reagiert.<\/p><p>Titelbild: Drop of Light\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/ostexperte.de\/der-kalte-krieg-ist-vorbei\/\">ostexperte.de\/der-kalte-krieg-ist-vorbei\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/ostexperte.de\/der-startschuss-zum-wettrusten-2-0\/\">ostexperte.de\/der-startschuss-zum-wettrusten-2-0\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VPyZX_Na5Hk\">youtube.com\/watch?v=VPyZX_Na5Hk<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.ag-friedensforschung.de\/themen\/Sicherheitskonferenz\/2007-putin-dt.html\">ag-friedensforschung.de\/themen\/Sicherheitskonferenz\/2007-putin-dt.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/online\/2007\/07\/Putin-Sicherheitskonferenz\/komplettansicht\">zeit.de\/online\/2007\/07\/Putin-Sicherheitskonferenz\/komplettansicht<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn Russlands Krieg gegen die Ukraine durch nichts zu rechtfertigen ist, er hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. 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