{"id":84555,"date":"2022-06-06T14:00:00","date_gmt":"2022-06-06T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84555"},"modified":"2022-06-06T14:50:24","modified_gmt":"2022-06-06T12:50:24","slug":"die-einfachen-menschen-wollen-frieden-kriegsgeil-sind-nur-die-eliten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84555","title":{"rendered":"Die einfachen Menschen wollen Frieden \u2013 kriegsgeil sind nur die Eliten"},"content":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky w&uuml;rde heute wieder, wie zu seinen Lebenszeiten, fragen: &bdquo;Merkt Ihr nischt?&ldquo; Dieser Frage m&uuml;ssen wir uns stellen. Die Antwort muss lauten: Doch, wir merken, was los ist, was der Plan ist, auf alle F&auml;lle keiner, der uns vielen Menschen gut tut. Die Zeitung aufgeschlagen, den Fernsehsender eingestellt, das Radio angeschaltet, schon ist zu vernehmen, &uuml;berall in diesen Medien herrscht wilder Trommelwirbel, heftig wird f&uuml;r Aufr&uuml;stung, f&uuml;r Eskalation, gegen Entspannung und gegen Verst&auml;ndigung getrommelt. Schlimmerweise es ist so, dass dementgegen das Wort Frieden nicht inflation&auml;r und heftig ausgerufen w&uuml;rde. Aber es muss herausgeschrien werden, seiner Umsetzung Nachdruck verliehen werden. Eine Polemik von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas Wort Frieden in seiner grandiosen, wunderbaren Natur &ndash; es ist alternativlos. Bringen Sie das unter die Leute! Lassen Sie sich nicht l&auml;nger von den gro&szlig;en Gazetten, von den Tagesschauen, Deutschlandfunkh&auml;usern, von den Baerbocks und Hofreitern, von ehemaligen und amtierenden Bundespr&auml;sidenten, von der Ampel, von den mainstream-genehmen Talkshowg&auml;sten, von den Lobbyisten, Netzwerkern, Transatlantikern, Denkfabrikakteuren aufhetzen und vereinnahmen! Werben Sie in Ihrem Umfeld f&uuml;r Frieden und f&uuml;r ein Engagement, Emp&ouml;rung gegen&uuml;ber den Volksvertretern in den Parlamenten zu &auml;u&szlig;ern! Mindestens besteht nun echt Hoffnung, der Frieden, der wird wieder vorgeschlagen, wenn auch nicht aus unserem Land kommend &ndash; der Ruf hallt aus Italien. Es gibt nicht nur Bedarf um eines Waffenstillstandes wegen. Die Krake Krieg hat unser Land und unsere Nachbarl&auml;nder im Griff, wir sp&uuml;ren es Tag f&uuml;r Tag, die Bedrohungen werden Tatsachen, das Gef&uuml;hl, arm und unsicher und ausgegrenzt und verachtet zu sein, es wird zunehmend zu realem Erleben.  <\/p><p>Es besteht Handlungsbedarf, weil unsere Eliten schon handeln und das zu unser aller Schaden. Der deutsche Milit&auml;rhaushalt wird monstr&ouml;s erweitert. Daf&uuml;r ist in unserem Bundestag, dem Haus, wo &uuml;ber dem Eingang &bdquo;Dem deutschen Volke&ldquo; steht, eine Einigung &uuml;ber ein 100 Milliarden Euro schweres &bdquo;Sonderverm&ouml;gen&ldquo; f&uuml;r die Bundeswehr abgesegnet worden. Das bedeutet das &Uuml;berschreiten der so genannten Zwei-Prozent-Schwelle (zwei Prozent des BIP f&uuml;r R&uuml;stung), auf die sich Deutschland im Kreise der NATO schon 2014 geeinigt hatte. Kanzler Olaf Scholz nimmt derzeit starke, bedrohliche Begriffe in den Mund, &bdquo;Machtkampf gegen Russland&ldquo;, &bdquo;gro&szlig;e, nationale Kraftanstrengung&ldquo;, &bdquo;neue, starke F&auml;higkeiten f&uuml;r die Bundeswehr&ldquo;. Die gr&ouml;&szlig;te konventionelle Streitmacht auf europ&auml;ischem Boden &ndash; sie werde in Deutschland stationiert sein, schw&auml;rmt er und sein Gefolge. Merken Sie was?<\/p><p>Das und vieles mehr sind emp&ouml;rend bis ins Mark. Es wird gelogen und man kommt damit durch, unsere regierenden Volksvertreter stimmen f&uuml;r einen Wahnsinn mit Methode. Die Eliten der Bundesrepublik arbeiten nicht erst seit dem Ukraine-Krieg, sondern lange vorher daran, ihre gewaltt&auml;tigen Gro&szlig;machtstr&auml;ume umzusetzen. Uns, der Bev&ouml;lkerung, wird das als ehrenwert zu unser aller Nutzen verkauft. Aus unserem Land, der Nation, die zwei Weltkriege zu verantworten hat, kommt dagegen kein Friedensangebot der f&uuml;hrenden Kr&auml;fte. Uns, den Mediennutzern, uns, dem gemeinen Fu&szlig;volk, wird von den Nutznie&szlig;ern der kriegerischen Auseinandersetzung samt deren Seilschaften stur und zielgerichtet eingebl&auml;ut, dass nur Waffen das Erfolgsmittel im Krieg w&auml;ren, dass man sich vom Feind abwenden muss, dass man den Feind bestrafen muss, und das auf viele Jahre, auf dass damit schlie&szlig;lich der Sieg errungen werde, um welchen zerst&ouml;rerischen Preis auch immer. Die Zerst&ouml;rung ist in vollem Gang, nicht nur in der Ukraine, viele Kriegsherde weltweit werden am Brennen gehalten. Die Krise nimmt Fahrt auf. Ursachen werden nicht benannt. Und ja, der wirkt (noch), dieser Wahnsinn: Wir, die einfachen B&uuml;rger, sind von der Maschinerie der Trommler ziemlich beeindruckt und gehen dabei z&auml;hneknirschend und ohnm&auml;chtig in die Knie, man schaue nur auf Tanks&auml;ulenanzeigen, auf den Einkaufsbon vom Supermarkt, auf die Rechnungen f&uuml;r Heiz&ouml;l. Von der mentalen Atmosph&auml;re im Land ganz zu schweigen.  <\/p><p>Hoffnung. Wenn denn nicht aus Deutschland, bahnt eine Spur Vernunft anderswo sich ihren Weg in das Geschehen: Sie wissen, es gibt einen Friedensplan aus Italien, Mitte Mai ver&ouml;ffentlicht und nun auf dem Weg, in langen Verhandlungen wom&ouml;glich eine Chance zu bekommen. Die Wortmeldungen, die Zustimmung daf&uuml;r mehren sich, die kriegsl&uuml;sternen Falken sp&uuml;ren Gegenwind. Und die Wiederholung eines weiteren Wortes, welches die Kriegstreiber ungern h&ouml;ren, ruft man lauter und lauter: Verhandeln, verhandeln, verhandeln. Mit Waffen, mit Pression gegen den Feind, mit Ausgrenzung, Boykotten, Sanktionen, Kontosperrungen wird der Krieg in der Ukraine nicht beendet werden. Dieser Weg sollte eingeschlagen werden, der Vorschlag aus Italien kurz beschrieben:    <\/p><blockquote><p>\nDer italienische Friedensplan ist eine Chance<br>\nAm 18. Mai 2022 legte die italienische Regierung zum ersten Mal einen mit dem UN-Generalsekret&auml;r und den G7-Staaten abgestimmten Friedensplan vor, der vier Stufen enth&auml;lt, die aufeinander aufbauen.<\/p>\n<ol>\n<li>Waffenstillstand: Dieser Waffenstillstand soll mit lokalen Kampfpausen beginnen, die von der OSZE oder den Vereinten Nationen &uuml;berwacht werden. Ziel ist die Entmilitarisierung entlang der derzeitigen Frontlinie, wobei eine Pufferzone entstehen w&uuml;rde, die frei von K&auml;mpfern beider Konfliktparteien ist.<\/li>\n<li>Neutralit&auml;t der Ukraine: Einem Waffenstillstand zeitlich nachgeordnet schl&auml;gt das italienische Au&szlig;enministerium eine Friedenskonferenz zur Statusfrage der Ukraine vor. Sollte sich die ukrainische Regierung auf eine Neutralit&auml;t des Landes einlassen, br&auml;uchte sie Sicherheitsgarantien verschiedener anderer Staaten.<\/li>\n<li>L&ouml;sung territorialer Fragen: Zeitlich wiederum nach einer Friedenskonferenz zur Frage der Neutralit&auml;t der Ukraine schl&auml;gt die italienische Regierung bilaterale Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland vor, die von einer neutralen Institution wie der OSZE oder den Vereinten Nationen moderiert werden k&ouml;nnten.<br>\nInhaltlich w&uuml;rde es dabei um die Autonomie der Separatistengebiete bei Wahrung der territorialen Landesintegrit&auml;t gehen. Konkret br&auml;uchte es eine Regelung der sprachlichen und kulturellen Rechte sowie des freien Personen- und Dienstleistungsverkehrs.<\/li>\n<li>Europ&auml;ischer Sicherheitspakt: Als vierte und letzte Stufe des italienischen Friedensplanes ist ein Abkommen &uuml;ber Frieden, Sicherheit und Stabilit&auml;t in Europa vorgesehen. Abr&uuml;stung, R&uuml;stungskontrolle, Konfliktverh&uuml;tung und Vertrauensbildung w&uuml;rden dabei auf der Tagesordnung stehen.<br>\nDas Ziel des italienischen Friedensplanes ist der vollst&auml;ndige R&uuml;ckzug der russischen Truppen aus der Ukraine und der Erhalt der territorialen Integrit&auml;t der Ukraine. Die schrittweise Aufhebung von Sanktionen gegen&uuml;ber Russland k&ouml;nnte in dem Ma&szlig;e erfolgen, wie die russischen Truppen den Boden der Ukraine verlassen. Eine Wiederaufbau-Geberkonferenz k&ouml;nnte der notleidenden Zivilbev&ouml;lkerung Perspektiven geben und die notwendigen Finanzmittel zur Beseitigung der Kriegssch&auml;den bereitstellen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Quelle: Clemens Ronnefeldt, Referent f&uuml;r Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Vers&ouml;hnungsbundes. Dem Internationalen Vers&ouml;hnungsbund geh&ouml;ren rund 100.000 Mitglieder in 50 Staaten der Erde an. Der Verband hat Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.\n<\/p><\/blockquote><p>Lange wurden diese im italienischen Plan stehenden W&ouml;rter bei uns nicht geh&ouml;rt, umso wichtiger ist es, diese weiterzugeben und einzufordern: Waffenstillstand. Neutralit&auml;t, Autonomie, sprachliche und kulturelle Rechte, europ&auml;ischer Sicherheitspakt. Abkommen &uuml;ber Frieden, Sicherheit und Stabilit&auml;t. Abr&uuml;stung, R&uuml;stungskontrolle, Konfliktverh&uuml;tung und Vertrauensbildung. Man fragt sich, ob unsere Au&szlig;enministerin den Vorschlag aus Italien vernommen hat. Man k&ouml;nnte annehmen, dass dem nicht so ist, h&auml;lt sie doch nach wie vor nicht inne, weiter den Krieg zu befeuern, indem sie das Wort Waffenstillstand nicht in den Mund nimmt. Sie nimmt stattdessen in Kauf, ja fordert gar, dass der von der Ukraine nicht zu gewinnende Konflikt gegen Russland andauert. Sie ahnt und beklagt schon Kriegsm&uuml;digkeit bei uns, dem Volk, das sie im Ausland vertritt. Ja, Frau Baerbock, wir sind kriegsm&uuml;de, richtigerweise: wir waren nie wach und bereit f&uuml;r einen Krieg, f&uuml;r eine Beteiligung, f&uuml;r eine Ausweitung. Russland d&uuml;rfe nicht gewinnen, sagt Frau Baerbock. Italien nimmt das Wort Sieg nicht in den Mund. Der Krieg in der Ukraine &ndash; er kennt keine Sieger. Jetzt nicht und sp&auml;ter nicht. Dieser Krieg, alle Kriege m&uuml;ssen beendet werden. Reden statt Schie&szlig;en. Verhandeln statt Eskalation.<\/p><p>Wir Deutschen sind in der Pflicht. Wir m&uuml;ssen denen, die uns regieren, denen, die von unseren M&ouml;glichkeiten, F&auml;higkeiten profitieren, in Deutlichkeit und mit aller Emp&ouml;rung sagen: Schluss mit dem Kriegskurs, Schluss mit all dem Kriegshandeln und -denken! Wir brauchen Hoffnung, wir verdienen Hoffnung, die von guten Taten, friedvollen Konzepten und von einem Aufeinanderzugehen gen&auml;hrt wird. Stephane Hessel, Autor des Buches &bdquo;Emp&ouml;rt Euch&ldquo;, schrieb darin: &bdquo;Wir m&uuml;ssen begreifen, dass Gewalt von Hoffnung nichts wissen will. Die Hoffnung ist ihr vorzuziehen &ndash; die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit. Das ist der Weg, den wir einschlagen m&uuml;ssen.&ldquo; Die Akteure der Gewalt, die Nutznie&szlig;er von Gewalt &ndash; wir m&uuml;ssen sie t&auml;glich entlarven, kritisieren und eine Kehrtwende zum Frieden einfordern.<\/p><p>Zum Finale der Polemik sei eine Episode von vor vielen, vielen Jahren erz&auml;hlt. Die Lage ist wieder ernst, und es ist zu erahnen, dass Geschichte sich wiederholt. Erinnern Sie sich an den Spruch &bdquo;Friede den H&uuml;tten! Krieg den Pal&auml;sten!&ldquo;? Dieser Aufruf war Mitte des 19. Jahrhunderts die &Uuml;berschrift eines Flugblattes, welches der Student Georg B&uuml;chner, heute eine verehrte und geachtete historische Pers&ouml;nlichkeit, verfasste. Damals tat der junge Mann das nicht aus Lust an Gewalt, die blanke Existenzangst von B&uuml;chner und vieler seiner Landsleute waren der Grund und das w&uuml;tende Benennen der Verursacher (Krieg den Pal&auml;sten) die Folge. &bdquo;Der Hessische Landbote&ldquo; um 1830 wurde von dem 20-j&auml;hrigen Medizinstudenten B&uuml;chner geschrieben, heimlich gedruckt und verteilt. Die Aktion war h&ouml;chst gef&auml;hrlich, stand doch bei &bdquo;Ertappen&ldquo; die Anklage &bdquo;Hochverrat&ldquo; darauf. B&uuml;chner klagte die Oberschicht an, deren Gier, deren Ma&szlig;losigkeit, deren Verachtung des einfachen Volkes, der Untertanen und ihrer Unterdr&uuml;ckung und Ausbeutung, die z&uuml;gellose Formen angenommen hatte. Viele Menschen hungerten, bettelten, verzweifelten. Nicht nur das, das politische Klima im Land war eines der Angst, der Zensur, der Spitzel, der politischen Willk&uuml;r, Mitsprache, demokratische Rechte &ndash; Pustekuchen. Widerstand, Einspruch wurde drakonisch bek&auml;mpft. Der Kampf der einfachen Menschen, er war nicht erfolgreich. Dann, 1848, folgte die Deutsche Revolution, eine von vielen Aufst&auml;nden in Europa. Auch in diesen Auseinandersetzungen wurde nicht erreicht, dass die Welt besser wurde. Viele weitere Kriege &uuml;ber weitere Jahrhunderte folgten. Und stets hatten und haben die Eliten die Oberhand. <\/p><p>Jetzt im 21. Jahrhundert herrschen wieder Kriege, wieder kommt es zu Aufst&auml;nden und zu Unruhen. Das Wort des Klassenkampfes wird offen und ungeniert ausgesprochen, die Klasse der Reichen h&auml;lt sich den Bauch erfolgstrunken und vor Lachen, gewinnen sie den Kampf doch gerade immerzu und fortlaufend. Der US-Investmentbanker Warren Buffett sagte dazu mal l&auml;ssig: &bdquo;Es herrscht Klassenkampf und meine Klasse, die der Superreichen, gewinnt.&ldquo; Und wenn der Gewinner sich alles nimmt, ist der Verlierer in gro&szlig;er Not. &bdquo;Merkt Ihr was?&ldquo;  <\/p><p>Titelbild: Ilija Erceg\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky w&uuml;rde heute wieder, wie zu seinen Lebenszeiten, fragen: &bdquo;Merkt Ihr nischt?&ldquo; Dieser Frage m&uuml;ssen wir uns stellen. Die Antwort muss lauten: Doch, wir merken, was los ist, was der Plan ist, auf alle F&auml;lle keiner, der uns vielen Menschen gut tut. 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