{"id":84599,"date":"2022-06-07T09:35:24","date_gmt":"2022-06-07T07:35:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599"},"modified":"2022-06-07T10:34:18","modified_gmt":"2022-06-07T08:34:18","slug":"unerschwingliche-mieten-hintergruende-und-loesungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599","title":{"rendered":"Unerschwingliche Mieten? Hintergr\u00fcnde und L\u00f6sungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vonovia k&uuml;ndigt steigende Mieten an. <\/strong>Am 1. Juni sagte Vonovia-Chef Rolf Buch in einem Interview, dass bei einer Inflation von dauerhaft vier Prozent auch die Mieten k&uuml;nftig j&auml;hrlich dementsprechend ansteigen m&uuml;ssten. In den ersten drei Monaten 2022 seien die Mieten bei Vonovia bereits um 3,1 Prozent gestiegen.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] 2021 hatten sich die Mieten bei Vonovia laut Handelsblatt im Durchschnitt um 2,4 Prozent erh&ouml;ht[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>], laut Angaben des Deutschen Mieterbundes dagegen um 3,8 Prozent, in Berlin gar um acht Prozent.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Von <strong>Christian Krei&szlig;<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Protest erfolgte umgehend: Der Pr&auml;sident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, kritisierte, dass Mieterinnen und Mieter nun f&uuml;r den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und h&ouml;here Zinsen am Kapitalmarkt herhalten m&uuml;ssten. Das Gesch&auml;ftsmodell b&ouml;rsennotierter Wohnungskonzerne sei unsozial und spekulativ. Am Ende w&uuml;rden alles die Mieterinnen und Mieter zahlen.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Vonovia hat derzeit etwa 505.000 eigene Wohnungen in Deutschland.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Darin d&uuml;rften etwa 1,4 Millionen Menschen wohnen.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] K&uuml;nftige Mieterh&ouml;hungen des DAX-Konzerns w&uuml;rden also eine erhebliche Anzahl von Menschen betreffen. Zum Vergleich: Laut Vonovia-Gesch&auml;ftsbericht 2021 stiegen die Mieten in den Jahren 2017 bis 2021 um 4,2, 4,4, 3,9, 3,1 und 3,8 Prozent, jeweils gegen&uuml;ber dem Vorjahr.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Offenbar sollen sie k&uuml;nftig st&auml;rker steigen, sonst w&uuml;rde die &Auml;u&szlig;erung von Vorstand Buch wenig Sinn machen.<\/p><p><strong>&Uuml;ppige Dividendenzahlungen: Wohin flie&szlig;en sie und wer zahlt sie?<\/strong><\/p><p>In den letzten f&uuml;nf Jahren erzielte Vonovia recht gute Gewinne, sodass die Dividende 2021 &bdquo;zum achten Mal in Folge gesteigert&ldquo;[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] werden konnte, zuletzt auf 1,66 Euro pro Aktie. 2022 wurden mit 1,289 Milliarden Euro Dividende 34,8 Prozent mehr ausgesch&uuml;ttet[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] als 2021, als es 956 Millionen waren[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]. Zum Vergleich: Die Mieteinnahmen betrugen bei Vonovia 2020 3,069 Milliarden Euro, 2021 3,465 Milliarden.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Die Dividenden belaufen sich also auf etwa ein Drittel der Mietzahlungen. Die Mieteinnahmen stellen &uuml;ber 95 Prozent der liquidit&auml;tswirksamen regul&auml;ren Konzerneinnahmen dar.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Letztlich kommen langfristig betrachtet praktisch alle liquidit&auml;tswirksamen Ums&auml;tze und Gewinne von Vonovia aus Mietzahlungen. <\/p><p>Die Dividenden flie&szlig;en zu 96 Prozent an Gro&szlig;anleger, die zu 89,8 Prozent im Ausland sind[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>], und die vermutlich nicht so genau wissen, wo sich ihre vielen hunderttausend Wohnungen eigentlich befinden. W&uuml;rde man die Dividenden, statt sie an die anonymen gro&szlig;en Kapitaleigent&uuml;mer auszusch&uuml;tten, den Mietern zur&uuml;ckgeben, woher sie ja stammen, k&ouml;nnte man die Mieten um etwa ein Drittel <u>senken<\/u>[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>], statt sie st&auml;ndig weiter zu erh&ouml;hen. Vonovia hatte Ende 2020, vor der &Uuml;bernahme von Deutsche Wohnen, 415.700 eigene Wohnungen.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Die Dividende f&uuml;r das Jahr 2020 betrug wie erw&auml;hnt 956 Millionen Euro. Pro Wohnung wurden von den Mietern also 2.300 Euro Dividende gezahlt, das sind im Monat 192 Euro. Jeder Mieter von Vonovia zahlte also jeden Monat 192 Euro Extra-Miete, um die leistungslosen Dividenden an die Gro&szlig;eigent&uuml;mer zu finanzieren.<\/p><p>192 Euro sind der Betrag netto nach Ertragssteuern. Setzt man vorsichtig einen Ertragssteuersatz von 30 Prozent an[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>], so m&uuml;ssen brutto, vor Steuern, 275 Euro Mietzahlungen flie&szlig;en, um netto, nach Abzug von 30 Prozent Ertragssteuern, 192 Euro Dividende aussch&uuml;tten zu k&ouml;nnen. Also aus Mietersicht bedeutet das, dass von den Mietern jeden Monat im Durchschnitt etwa 275 Euro Mietaufschlag gezahlt werden m&uuml;ssen, um die Dividenden m&ouml;glich zu machen. Andersherum ausgedr&uuml;ckt: Wenn man die Dividenden einstellen w&uuml;rde, wenn Vonovia beispielsweise eine Wohnungsgenossenschaft im Eigentum der darin wohnenden Genossen w&auml;re, k&ouml;nnten die Durchschnittsmieten rechnerisch um etwa 275 Euro pro Monat gesenkt werden. <\/p><p><strong>Die Gretchenfrage: Die Bodenrenten<\/strong><\/p><p>Und das f&uuml;hrt uns zu einem Grundproblem des deutschen (und internationalen) Immobilienmarktes. Ein gro&szlig;er Teil der Mieten stellt reine Rentenzahlungen dar: &bdquo;Bodenrenten sind leistungslose Eink&uuml;nfte, die sich aus den Vorteilen des Standorts bei Lage, Nutzungsintensit&auml;t und Qualit&auml;t ergeben&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>], wie die Bodenspezialisten Dirk L&ouml;hr et al. 2021 schreiben. Bei Vonovia hei&szlig;t das konkret: Nachdem alle Arbeiten, alle Leistungen erbracht sind, Reparaturen, Wartungen usw. und alle Zinsen f&uuml;r die Kredite bezahlt sind, bleibt ein Nettogewinn &uuml;brig, der nichts mehr mit Leistung oder Arbeit zu tun hat, sondern der leistungslos dadurch entsteht, dass man im Grundbuch steht und die Hand aufhalten kann, weil die anderen Menschen einfach Boden brauchen, um leben zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Leistungslose Eink&uuml;nfte hei&szlig;t, dass man daf&uuml;r keine Arbeit leisten muss. Sie sind so genannte Nicht-Arbeits-Einkommen bzw. Renteneinnahmen.[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] In der &Ouml;konomie behandelt man dieses Thema unter dem Begriff rent seeking capitalism.[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>] In Deutschland beliefen sich die Bodenertr&auml;ge 2017 auf etwa 400 Milliarden Euro[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>], die zum gro&szlig;en Teil Bodenrenten darstellen. Das ist erheblich mehr als der damalige Bundeshaushalt von etwa 330 Milliarden Euro.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] Es geht hier also nicht um &bdquo;peanuts&ldquo;, sondern um riesige Geldtransfers von sehr vielen an sehr wenige Menschen, die daf&uuml;r gezahlt werden, dass jemand im Grundbuch steht oder Aktien von Wohngesellschaften h&auml;lt &ndash; ohne irgendetwas daf&uuml;r zu arbeiten oder zu leisten. Letztlich findet hier ein perfekter, ger&auml;uschlos funktionierender Transfer &bdquo;von Arbeit nach reich&ldquo;, von vielen zu sehr wenigen statt. Denn sowohl der Aktienbesitz wie der Besitz von Grund und Boden ist &auml;u&szlig;erst ungleich verteilt und sehr stark konzentriert bei einer recht kleinen Gruppe von sehr wohlhabenden Menschen.[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]<\/p><p><strong>Monopoly im Alltagsleben<\/strong><\/p><p>Da man f&uuml;r alles und jedes Grund und Boden braucht, zum Wohnen, Arbeiten, f&uuml;r Freizeit, Fortbewegung, Essengehen, Einkaufen usw., sind die Bodenrenten in Form von Mieten und Pachten garantiert. Sie stellen eine Knappheitsrente dar, f&uuml;r die man nichts tun muss &ndash; au&szlig;er im Grundbuch stehen. Es ist wie beim Monopoly-Spiel: Fast egal, auf welches Feld man kommt, man muss daf&uuml;r zahlen. Wenn man selber keine Stra&szlig;en und H&auml;user hat, zahlt man alles an die anderen. Hat man ein wenig Grundbesitz, bekommt man auch ein wenig Einnahmen ab. Hat man viele Stra&szlig;en und viele H&auml;user bzw. Hotels darauf, dann verdient man so richtig viel. Und diejenigen, die viele Immobilien haben, bekommen durch die Zahlungen der anderen immer noch mehr dazu. Und so ist es auch im wirklichen Leben, wie beispielsweise Zahlen aus den USA zeigen, wo sich der Bodenbesitz in den letzten 10 Jahren immer st&auml;rker bei den gr&ouml;&szlig;ten 100 Landeigent&uuml;mern konzentriert hat.[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>]<\/p><p>Letztlich liegt der Grund f&uuml;r die permanent steigenden Bodenpreise daran, dass Boden ein nicht vermehrbares, &bdquo;superiores Gut&ldquo; ist (ein Gut, das man bei steigendem Einkommen vermehrt nachfr&auml;gt). Bei Wirtschaftswachstum steigt daher der Bodenpreis von ganz allein und automatisch st&auml;rker als die Wachstumsrate des nominalen Sozialproduktes &ndash; ohne dass man irgendetwas daf&uuml;r tun muss.<\/p><p>Die Zahlungen f&uuml;r die Bodenrenten flie&szlig;en nicht nur durch die Mieter, sondern auch durch jeden Produkt- und Dienstleistungskauf. So sind beispielsweise in jedem Produkt, das wir kaufen, Bodenrenten in Form von Mieten oder Pachten als Teil des Kaufpreises enthalten. Mit jedem Produkt, das wir kaufen, zahlen wir die Bodenbenutzung, die f&uuml;r seine Erstellung n&ouml;tig ist, mit, ob wir es wissen oder nicht und ob wir es wollen oder nicht.[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>] Also auch die Familien, die in ihren eigenen vier W&auml;nden wohnen und keine Miete &uuml;berweisen, zahlen tagt&auml;glich Bodenrenten an die Bodeneigent&uuml;mer.<\/p><p><strong>John Maynard Keynes &uuml;ber &bdquo;funktionslose Investoren&ldquo;<\/strong><\/p><p>Solche leistungslosen Rentier-Einkommen kritisierte schon 1936 der m&ouml;glicherweise ber&uuml;hmteste Volkswirt John Maynard Keynes in seiner bahnbrechenden &bdquo;General Theory&ldquo; scharf. Er sieht in dem Rentier-Kapitalismus keinen Sinn und bezeichnet Investoren, die Renten-Einkommen beziehen, als &bdquo;funktionslose Investoren&ldquo; (&bdquo;functionless investors&ldquo;), also sinnlose Investoren, die keinen Beitrag zum Wohlergehen in der &Ouml;konomie leisten. Er spricht dabei explizit von solchen Eigent&uuml;mern, die Bodenrenten (in Form von Mieten oder Pachten) erhalten. Solche funktionslosen Investoren m&uuml;ssten laut Keynes verschwinden, weil sie keinen &ouml;konomischen Zweck erf&uuml;llen, und d&uuml;rften nicht l&auml;nger einen Bonus erhalten.[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>] Genau das tun aber die Aktion&auml;re von Vonovia (und anderen Immobilienunternehmen und andere gro&szlig;e Bodenbesitzer). Sie bekommen zu Lasten der Mieterinnen und Mieter ohne zu arbeiten leistungslose Renteneinkommen in Form von Dividenden.<\/p><p>Insofern trifft der Pr&auml;sident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, mit seiner Aussage &bdquo;Am Ende zahlen alles die Mieterinnen und Mieter, das ist das Gesch&auml;ftsmodell von Vonovia und Co., [&hellip;] das Gesch&auml;ftsmodell b&ouml;rsennotierter Wohnungskonzerne sei unsozial und spekulativ &ldquo;[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>] den Nagel auf den Kopf.<\/p><p><strong>Was tun?<\/strong><\/p><p>Es gibt eine ganze Reihe sehr vielversprechender Ans&auml;tze, um dem &Uuml;bel abzuhelfen.[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>] Vorschl&auml;ge sind unter anderem 1.) die Enteignung von Gro&szlig;eigent&uuml;mern, wie es bei dem Volksbegehren am 26.9.2021 in Berlin zur Abstimmung stand. &Uuml;ber 56 Prozent der Teilnehmer haben sich dabei f&uuml;r eine Enteignung ausgesprochen, 39 Prozent dagegen.[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>] Man k&ouml;nnte 2.) ein neu, &bdquo;smart&ldquo; ausgestaltetes, konzeptionell weiterentwickeltes kommunales Erbbaurecht einf&uuml;hren bzw. wiederbeleben. Auf diese Weise k&ouml;nnten Wohnungsbest&auml;nde in die Sozialbindung zur&uuml;ckgeholt werden.[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>] 3.) Neue Wohnungsgemeinn&uuml;tzigkeit oder Gemeinwohlwohnungen ausbauen.[<a href=\"#foot_30\" name=\"note_30\">30<\/a>] 4.) Vorkaufsrecht f&uuml;r Kommunen bei zum Verkauf angebotenen Immobilien zu einem unter dem Marktpreis liegenden Wert. Im Anschluss k&ouml;nnten diese Liegenschaften auf Erbpachtbasis an private Nutzer oder Unternehmen f&uuml;r 99 Jahre vergeben werden. 5.) Vermehrung von Genossenschaften im Wohnbereich nach dem Vorbild der Raiffeisengenossenschaften. 6.) Progressive Abgabe auf Bodeneigentum, das nicht selbst genutzt wird. Nach Ber&uuml;cksichtigung eines Freibetrages von vielleicht 0,5 Millionen Euro f&uuml;r Bodeneigentum wird alles nicht selbst genutzte Bodeneigentum mit einer immer weiter steigenden Bodenwertsteuer belegt. Besonders gut mit dem Thema vertraut ist &bdquo;Grundsteuer zeitgem&auml;&szlig;&ldquo;.[<a href=\"#foot_31\" name=\"note_31\">31<\/a>] Dort findet man gute Konzepte, die man dringend umsetzen m&uuml;sste.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Mindestens ein Drittel der Mietzahlungen durch die Mieter von Vonovia flie&szlig;t in die Dividenden und damit an verm&ouml;gende Gro&szlig;anleger, die nicht einmal wissen, wo die Wohnungen sind. W&uuml;rden diese leistungslosen Dividendenzahlungen an Gro&szlig;grundbesitzer wegfallen, k&ouml;nnten die Mieten um etwa ein Drittel gesenkt werden. Das gilt nicht nur f&uuml;r Vonovia, sondern d&uuml;rfte auf die meisten vermieteten Immobilien in Deutschland zutreffen. <\/p><p>Das Kernproblem ist die heutige stark ungerechte Verteilung des Grund und Bodens, dessen starke Konzentration in den H&auml;nden der Verm&ouml;genden. Sie ist meiner Meinung nach asozial, un&ouml;konomisch, ethisch falsch sowie sozialpolitisch ein Problem. Solange wir die Bodeneigentumsfrage nicht ernsthaft angehen, solange werden wir ein Mietproblem haben. Dass Gro&szlig;eigent&uuml;mer sich auf dem R&uuml;cken von Mieterinnen und Mietern bereichern, indem sie sich enorme leistungslose Einkommen aus Bodenrenten aneignen, ist ein Irrweg und wird uns, wenn wir dieses System nicht &auml;ndern, in immer st&auml;rkere soziale Konflikte st&uuml;rzen. Gro&szlig;grundbesitz in Privathand ist meiner Meinung nach falsch und m&uuml;sste langfristig abgeschafft werden, beispielsweise durch eine progressive Bodenbesteuerung. Wir sollten hier dringend umdenken und dieses Unrecht abschaffen.<\/p><p>Titelbild: txking\/shutterstock.com<\/p><p><em><strong>Zum Autor:<\/strong> Prof. Dr. Christian Krei&szlig;, Jahrgang 1962: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU M&uuml;nchen. Neun Jahre Berufst&auml;tigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor an der Hochschule Aalen f&uuml;r Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Autor von sieben B&uuml;chern: Gekaufte Wissenschaft (2020); Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft (2019); BWL Blenden Wuchern Lamentieren (2019, zusammen mit Heinz Siebenbrock); Werbung nein danke (2016); Gekaufte Forschung (2015); Geplanter Verschlei&szlig; (2014); Profitwahn (2013). Drei Einladungen in den Deutschen Bundestag als unabh&auml;ngiger Experte (Gr&uuml;ne, Linke, SPD). Zahlreiche Fernseh-, Rundfunk- und Zeitschriften-Interviews, &ouml;ffentliche Vortr&auml;ge und Ver&ouml;ffentlichungen. Mitglied bei ver.di und Christen f&uuml;r gerechte Wirtschaftsordnung. Homepage <a href=\"http:\/\/www.menschengerechtewirtschaft.de\/\">menschengerechtewirtschaft.de<\/a><\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/im-interview-vonovia-chef-rolf-buch-wenn-die-inflation-dauerhaft-bei-vier-prozent-liegt-muessen-mieten-ansteigen\/28384082.html\">handelsblatt.com\/finanzen\/im-interview-vonovia-chef-rolf-buch-wenn-die-inflation-dauerhaft-bei-vier-prozent-liegt-muessen-mieten-ansteigen\/28384082.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/dpa\/wohnen-vonovia-chef-hohe-inflation-geht-an-mieten-nicht-vorbei-\/28391702.html\">handelsblatt.com\/dpa\/wohnen-vonovia-chef-hohe-inflation-geht-an-mieten-nicht-vorbei-\/28391702.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/steigende-mieten-vonovia-inflation-101.html\">tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/steigende-mieten-vonovia-inflation-101.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/steigende-mieten-vonovia-inflation-101.html\">tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/steigende-mieten-vonovia-inflation-101.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Vonovia SE Gesch&auml;ftsbericht 2021, S.57<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Eigene Berechnung. Laut Spiegel wohnten bei Vonovia 2018 etwa eine Million Menschen. Heute hat Vonovia 43 Prozent mehr Wohnungen als damals, also d&uuml;rfte die Zahl der beherbergten Menschen heute &uuml;ber 1,4 Millionen betragen: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/vonovia-wer-ist-deutschlands-groesster-vermieter-a-1238297.html\">spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/vonovia-wer-ist-deutschlands-groesster-vermieter-a-1238297.html<\/a> Dass man pro Mietwohnung etwa drei Menschen ansetzen kann, zeigen auch aktuelle Zahlen vom Vonovia-Konkurrenten LEG Immobilien: <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/wohnungsmarkt-moegliche-mieterhoehungen-wegen-inflation-gruene-und-mieterbund-kritisieren-vonovia\/28391404.html\">handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/wohnungsmarkt-moegliche-mieterhoehungen-wegen-inflation-gruene-und-mieterbund-kritisieren-vonovia\/28391404.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2021, S.2<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2021, S.48<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2021, S.183<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2020, S.177<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2020, S.150<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2020, S.154f., Konzern-Kapitalflussrechnung<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2020, S.48f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Eigene Berechnung: ungef&auml;hr eine Milliarde Dividende 2021 geteilt durch etwa drei Milliarden Mieteinnahmen 2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2021, S.2<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] De facto lag der Ertragssteuersatz in den Jahren 2019, 2020 und 2021 bei 58,8, 33,4 und 48,4 Prozent, vgl. Vonovia Gesch&auml;ftsbericht 2021 S.152 und Gesch&auml;ftsbericht 2020 S.144, eigene Berechnungen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/s10273-021-2877-6.pdf\">link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/s10273-021-2877-6.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Vgl. Krei&szlig;, Christian, Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft, tredition 2019, S. 44ff. Das Buch kann hier kostenlos als pdf heruntergeladen werden: <a href=\"https:\/\/menschengerechtewirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Buch-Gekaufte-Wissenschaft-pdf.pdf\">menschengerechtewirtschaft.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Buch-Gekaufte-Wissenschaft-pdf.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Rent-seeking\">en.wikipedia.org\/wiki\/Rent-seeking<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/s10273-021-2877-6.pdf\">link.springer.com\/content\/pdf\/10.1007\/s10273-021-2877-6.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Monatsberichte\/2017\/02\/Inhalte\/Kapitel-3-Analysen\/3-5-Ausgaben-Einnahmen-Bundeshaushalt-2017.html\">bundesfinanzministerium.de\/Monatsberichte\/2017\/02\/Inhalte\/Kapitel-3-Analysen\/3-5-Ausgaben-Einnahmen-Bundeshaushalt-2017.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Vgl. Krei&szlig;, Mephisto-Prinzip, S. 42ff. Zur Verteilung von Grund und Boden in Deutschland gibt es m.W. keine belastbaren Zahlen. Die Bodenverteilung ist laut dem Spezialisten Dirk L&ouml;hr eines der bestgeh&uuml;teten Geheimnisse Deutschlands. In &Ouml;sterreich besitzen die 100 reichsten Familien 10 Prozent des Grund und Bodens (www.trend.at 5.7.2019), in den USA besitzen die 100 gr&ouml;&szlig;ten Bodeneigent&uuml;mer 40 Millionen acres Land, das entspricht etwa der Gr&ouml;&szlig;e Floridas (www.inequality.org 23.Sep.2019), der Multimilliard&auml;r Bill Gates ist laut &bdquo;Forbes&ldquo; vom 14.1.2021 der gr&ouml;&szlig;te Eigent&uuml;mer von Agrarland in den USA.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] www.inequality.org 23.Sep.2019: &bdquo;40 million &ndash; the total number of acres owned by the 100 largest landowners in the United States, a list that includes a growing number of U.S. billionaires. The acres, Bloomberg reports, represent a land mass the size of Florida. A decade ago, the nation&rsquo;s 100 largest landowners held 30 million acres.&rdquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Vgl. Krei&szlig;, Mephisto S.42ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Keynes, John Maynard (1964, (Erstver&ouml;ffentlichung 1936)): The General Theory of Employment, Interest and Money, New York, S.376: &ldquo;I see, therefore, the rentier aspect of capitalism as a transitional phase [&hellip;] that the euthanasia of the rentier, of the <u>functionless investor<\/u>, will be nothing sudden [&hellip;} so that the <u>functionless investor<\/u> will no longer receive a bonus&rdquo;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/steigende-mieten-vonovia-inflation-101.html\">tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/steigende-mieten-vonovia-inflation-101.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Ausgezeichnete, gut recherchierte und verst&auml;ndliche Vorschl&auml;ge finden sich in: Hans-B&ouml;ckler-Stiftung (Hg.): L&ouml;hr, Dirk, Soziale Wohnungspolitik &ndash; Zeitgem&auml;&szlig;e Konzepte und Instrumente, November 2021: <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008198#:~:text=Zeitgem%C3%A4%C3%9Fe%20Konzepte%20und%20Instrumente%20Soziale%20Wohnungspolitik&amp;text=Z0u%20modernen%20Ans%C3%A4tzen%20z%C3%A4hlen%20die,Studie%20einer%20Bewertung%20unterzogen%20\">boeckler.de\/de\/faust-detail.htm?sync_id=HBS-008198#:~:text=Zeitgem%C3%A4%C3%9Fe%20Konzepte%20und%20Instrumente%20Soziale%20Wohnungspolitik&amp;text=Z0u%20modernen%20Ans%C3%A4tzen%20z%C3%A4hlen%20die,Studie%20einer%20Bewertung%20unterzogen%20<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/volksentscheid-berlin-stimmt-fuer-enteignung-grosser-100.html\">deutschlandfunk.de\/volksentscheid-berlin-stimmt-fuer-enteignung-grosser-100.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] L&ouml;hr, Dirk, Deutsche Wohnen &amp; Co. enteignen: Soziale Innovationen statt Kn&uuml;ppel aus dem Sack! Unver&ouml;ffentlichtes Manuskript, Oktober 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_30\" name=\"foot_30\">&laquo;30<\/a>] Hans-B&ouml;ckler-Stiftung (Hg.): L&ouml;hr, Dirk, Soziale Wohnungspolitik &ndash; Zeitgem&auml;&szlig;e Konzepte und Instrumente, November 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_31\" name=\"foot_31\">&laquo;31<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.grundsteuerreform.net\/\">grundsteuerreform.net\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Vonovia k&uuml;ndigt steigende Mieten an. <\/strong>Am 1. Juni sagte Vonovia-Chef Rolf Buch in einem Interview, dass bei einer Inflation von dauerhaft vier Prozent auch die Mieten k&uuml;nftig j&auml;hrlich dementsprechend ansteigen m&uuml;ssten. In den ersten drei Monaten 2022 seien die Mieten bei Vonovia bereits um 3,1 Prozent gestiegen.[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] 2021 hatten sich die Mieten bei<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84599\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":84600,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[131,136,165,132],"tags":[3239,365,2557,1142],"class_list":["post-84599","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-oekonomie","category-banken-boerse-spekulation","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-dividende","tag-inflation","tag-vonovia","tag-wohnungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/shutterstock_255171040.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=84599"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84606,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84599\/revisions\/84606"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/84600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=84599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=84599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=84599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}