{"id":84683,"date":"2022-06-11T11:45:17","date_gmt":"2022-06-11T09:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84683"},"modified":"2022-06-11T12:10:37","modified_gmt":"2022-06-11T10:10:37","slug":"brasilien-die-zivile-und-militaerische-offensive-zur-wahlsieg-verhinderung-von-lula","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84683","title":{"rendered":"Brasilien \u2013 Die zivile und milit\u00e4rische Offensive zur Wahlsieg-Verhinderung von Lula"},"content":{"rendered":"<p>Am 2. Oktober 2022 sollen in Brasilien allgemeine Wahlen mit der Abstimmung &uuml;ber 513 Abgeordnete zur Erneuerung des Parlaments, &uuml;ber 26 Landesgouverneure und den Pr&auml;sidenten der Republik stattfinden. So sieht es der Wahlkalender des Obersten Wahlgerichts (TSE) vor. Doch einer der Pr&auml;sidentschafts-Kandidaten meutert gegen Wahlsystem und Wahlgericht, deren Transparenz er seit 2019 infrage stellt. Das haneb&uuml;chene Paradoxon ist, dass der Meuterer selbst nur mittels eines abgekarteten Justizman&ouml;vers die Macht eroberte, als der damalige Richter S&eacute;rgio Moro die Kandidatur des Wahlfavoriten Luiz In&aacute;cio Lula da Silva verbot, der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=46011\">seine Kampagne aus der Haft f&uuml;hrte<\/a>. Wie bekannt, wurde Moro f&uuml;r seinen politischen Handstreich von dem dadurch beg&uuml;nstigten Herausforderer Lulas mit der Nominierung zum Justizminister belohnt. Von <strong>Frederico F&uuml;llgraf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5618\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84683-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220609-Brasilien-Offensive-zur-Wahlsieg-Verhinderung-Lulas-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220609-Brasilien-Offensive-zur-Wahlsieg-Verhinderung-Lulas-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220609-Brasilien-Offensive-zur-Wahlsieg-Verhinderung-Lulas-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220609-Brasilien-Offensive-zur-Wahlsieg-Verhinderung-Lulas-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84683-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220609-Brasilien-Offensive-zur-Wahlsieg-Verhinderung-Lulas-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220609-Brasilien-Offensive-zur-Wahlsieg-Verhinderung-Lulas-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der beg&uuml;nstigte Meuterer hei&szlig;t Jair Bolsonaro, der sich f&uuml;r eine zweite Amtszeit bewirbt und nicht im Entferntesten damit rechnete, Lula ein zweites Mal zum Gegner zu haben. Seitdem die j&uuml;ngsten Umfragen des Instituts Datafolha seinem Rivalen <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/politica\/eleicoes\/2022\/pesquisa-eleitoral\/noticia\/2022\/05\/26\/datafolha-lula-tem-48percent-no-primeiro-turno-contra-27percent-de-bolsonaro.ghtml\">Lula 48 Prozent<\/a> der W&auml;hlerpr&auml;ferenz zuerkennen, scheint der rechtsradikale, ehemalige Fallschirmj&auml;ger Amok zu laufen. Bolsonaro vereinigt n&auml;mlich kaum 27 Prozent in der Wahlumfrage auf sich. Eine Differenz von 21 Prozentpunkten hinter Lula, die ihm eine spektakul&auml;re Niederlage schon in der ersten Wahlrunde, ohne Stichwahl, bescheren k&ouml;nnte. Selbstverst&auml;ndlich gibt es ausreichend Beispiele daf&uuml;r, dass Erhebungen der Meinungsforscher nicht die Macht der fehlerfreien Prophezeiung haben. Doch 21 Prozent sind kein Pappenstiel, das sehen selbst konservative einheimische Beobachter ein und bezeichnen den Wiederwahl-Anspruch des amtierenden Pr&auml;sidenten als vergeblichen Wunschtraum.<\/p><p><strong>Die Abkehr vom &bdquo;Faulenzer&ldquo; und dessen &Auml;ngste vor der Justiz<\/strong><\/p><p>Bolsonaro erschrickt vor seiner sinkenden Popularit&auml;t, sein erwiesener, psychopatisch anmutender Narzissmus verbietet ihm aber, seine Selbstverschuldung einzusehen. Seit seiner <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=61126\">Sabotage der Covid-Sanit&auml;rma&szlig;nahmen und Impfung<\/a> schmilzt die Anzahl seiner Anh&auml;nger dahin, die sich 2020 noch auf rund 35 Prozent der Wahlberechtigten summierten. Bei voranschreitender Machtaus&uuml;bung in den vergangenen 18 Monaten &ndash; die von ultraliberalen, arbeiterInnenfeindlichen Ma&szlig;nahmen wie Mindestlohn-Knebel bei rasant steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen, gepaart mit der fortschreitenden Privatisierung von &ouml;ffentlichen Energiebetrieben gepr&auml;gt ist &ndash; wendeten sich Hunderttausende seiner urspr&uuml;nglichen W&auml;hler von dem Pr&auml;sidenten ab. Nach neuesten Angaben hat ihn seine rabiate Amtsaus&uuml;bung rund <a href=\"https:\/\/oglobo.globo.com\/politica\/bolsonaro-perdeu-53-dos-eleitores-de-2018-25079669\">53 Prozent der urspr&uuml;nglichen W&auml;hler gekostet<\/a>, wovon 18 Prozent zum Rivalen Lula migrierten.<\/p><p>Gro&szlig;e Teile der Mittelschicht und der Armen interessiert weniger, ob das herrschende System &bdquo;blo&szlig; autorit&auml;r&ldquo; oder offen faschistisch handelt, sondern das &bdquo;Hier und Jetzt&ldquo;, also der imperative Antrieb zum nackten &Uuml;berleben. Auch wenn die Mehrheit es verdr&auml;ngt hat, dass w&auml;hrend der Regierung Dilma Rousseff (2011-2016) mit sozialen F&ouml;rderungsma&szlig;nahmen die <a href=\"https:\/\/institutolula.org\/lula-e-dilma-desafiaram-o-ciclo-da-pobreza-e-mostraram-que-e-possivel-aumentar-a-igualdade-no-brasil\">Armut auf 22 Prozent heruntergefahren<\/a> wurde, ist es Gespr&auml;chsthema in der eigenen Familie, in der Nachbarschaft, auf der Stra&szlig;e, dass umgekehrt die sozialen Abbau-Ma&szlig;nahmen von Bolsonaros skrupellos neoliberalem Wirtschaftsminister Paulo Guedes die <a href=\"https:\/\/www.brasil247.com\/brasil\/pobres-representam-mais-da-metade-da-populacao-populacao-brasileira\">Armut wieder auf schwindelerregende 50,7 Prozent<\/a> der Bev&ouml;lkerung katapultiert haben.<\/p><p>Emp&ouml;rung ergreift die Menschen, wenn Fernsehen und Tageszeitungen dokumentieren, wie der Pr&auml;sident seit mehr als drei Regierungsjahren die meisten Wochentage auf Strandpartys oder propagandistisch ausgerichteten Motorrad-Umz&uuml;gen und Einweihungen verbringt. Eine Untersuchung seines Terminkalenders durch Reporter der Tageszeitung Folha de S. Paulo belegte schlie&szlig;lich, dass Bolsonaro ein unt&auml;tiger <a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/poder\/2022\/05\/bolsonaro-enforca-dias-uteis-e-faz-do-lazer-uma-rotina-em-governo-mal-avaliado.shtml\">&bdquo;fauler Hund&ldquo;<\/a> ist. Dass der Staatschef obendrein zwischen Januar 2019 und M&auml;rz 2021 f&uuml;r seine privaten Am&uuml;sements umgerechnet 4,1 Millionen Euro verprasst hat, die <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/politica\/ultimas-noticias\/2022\/06\/03\/gastos-do-cartao-corporativo-de-jair-bolsonaro.htm\">mit einer Kreditkarte der Regierung<\/a>, also mit Mitteln des Steuerzahlers, beglichen wurden, das widert zunehmend auch die &bdquo;armen Fachos&ldquo; an, die sich 2018 von Bolsonaros scheinheiliger Devise des &bdquo;Kampfes gegen die Korruption&ldquo; verf&uuml;hren lie&szlig;en.<\/p><p>Doch der amtierende Staatschef f&uuml;rchtet die Wahlniederlage aus zweierlei Hauptgr&uuml;nden. Zum einen wegen seiner Verhaftung, zum anderen, vom Milit&auml;r verlassen zu werden, weil er seinen Auftrag als &bdquo;Drecksarbeiter&ldquo; nicht zufriedenstellend erledigt hat. Mindestens ein Hafturteil ist im Verlauf des kommenden Jahres 2023 deshalb nicht ausgeschlossen, weil Bolsonaro seit 2019 <a href=\"https:\/\/www.poder360.com.br\/governo\/bolsonaro-acumula-160-processos-desde-2019-1-a-cada-6-dias-de-governo\/\">Angeklagter in mehr als 160 Verfahren<\/a> (Stand: August 2021) ist.<\/p><p><strong>Das groteske Verschw&ouml;rungsgarn &uuml;ber die brasilianischen Wahlurnen<\/strong><\/p><p>Die politisch brisanteste Anklage gegen den Pr&auml;sidenten bildet den Kern der rechtsradikalen Offensive zur Delegitimierung eines Wahlsieges Luis In&aacute;cio Lula da Silvas. Es handelt sich um den Vorwurf der &bdquo;Bildung einer kriminellen Vereinigung im Bunde mit Milit&auml;rs zur Verbreitung von Fake News &uuml;ber die elektronischen Abstimmungsurnen des brasilianischen Wahlsystems&ldquo;, <a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/politica\/noticia\/2021\/08\/04\/leia-a-integra-da-decisao-de-alexandre-de-moraes-que-incluiu-bolsonaro-em-inquerito-das-fake-news-por-ataques-as-urnas-eletronicas.ghtml\">so Richter Alexandre de Moraes<\/a> im Obersten Gerichtshof (STF).<\/p><p>Alles begann mit der N&ouml;rgelei Jair Bolsonaros an der Zuverl&auml;ssigkeit der seit 1996 in Brasilien sicher, schnell und in <a href=\"https:\/\/www.tse.jus.br\/imprensa\/noticias-tse\/2021\/Maio\/urna-eletronica-25-anos-100-brasileira-e-admirada-pelo-mundo\">25 Betriebsjahren unbeanstandet arbeitenden elektronischen Wahlurnen<\/a>, denen er nach seiner eigenen Wahl Ende 2018 &bdquo;Betrug&ldquo; unterstellte. Die an den Haaren herbeigezogenen Mutma&szlig;ungen bekamen Aufwind mit der Hinterfragung der US-Wahl und der Ermunterung zur Kapitol-Erst&uuml;rmung durch das Bolsonaro-Idol Donald Trump. Seitdem verstieg sich der ver&auml;ngstigte, mehrfach angeklagte Pr&auml;sident zu einer Hetzkampagne gegen das Oberste Wahlgericht (TSE), dem er bei der kommenden Pr&auml;sidentenwahl ein &bdquo;Komplott&ldquo; zugunsten Lula da Silva unterstellte.<\/p><p>Im Parlament reichten seine Anh&auml;nger den Antrag auf Wiedereinf&uuml;hrung des Stimmzettel-Wahlverfahrens ein, womit im Falle eines Betrugsvorwurfs im elektronischen System die Papierstimmen manuell ausgez&auml;hlt werden k&ouml;nnen; genau das alte Verfahren, mit dem nicht nur in Brasilien mit Wahlzettelf&auml;lschung oder Urnen-Entwendung &uuml;ber Jahrzehnte hinweg allerdings Wahlbetrug betrieben wurde. Erwartungsgem&auml;&szlig; erlebte der Antrag auf Wiedereinf&uuml;hrung des Stimmzettels ein erb&auml;rmliches Scheitern im Parlament.<\/p><p><strong>Bewaffnete faschistische Milizen und &bdquo;Befriedung&ldquo; durch das Milit&auml;r?<\/strong><\/p><p>Seitdem eskaliert die Offensive der Rechtsradikalen in Zivil und Uniform gegen die Pr&auml;sidentschaftswahlen mit der Androhung von bewaffneten Aufm&auml;rschen und Milit&auml;r-Intervention. Bolsonaro rief am vergangenen 4. Mai seine Anh&auml;nger <a href=\"https:\/\/www.brasil247.com\/brasil\/bolsonaro-convocou-caos-armado-para-tumultuar-as-eleicoes\">zum &bdquo;Krieg&ldquo; auf<\/a>. Es m&uuml;sse die &bdquo;Freiheit&ldquo; verteidigt werden, Brasilien d&uuml;rfe nicht, &bdquo;wie Argentinien, Venezuela und Chile, einen linken Pr&auml;sidenten w&auml;hlen&ldquo;. &bdquo;Notfalls werden wir in den Krieg ziehen, aber ich m&ouml;chte das Volk auf meiner Seite haben, wissend, was es tut und warum es k&auml;mpft&ldquo;, denn es sei &bdquo;nicht nur Sache der Streitkr&auml;fte, das Land zu verteidigen&ldquo;. Mit diesen Worten feuerte der ehemalige Fallschirmj&auml;ger den verbleibenden harten Kern seiner Anh&auml;nger zum bewaffneten Aufstand an. In den Ohren eines jeden Demokraten ist das ein sprachlos machender Bruch der Verfassung, eine klare Bedrohung des Rechtsstaates, ein klarer Grund zur unmittelbaren Amtsenthebung und Festnahme. Doch nicht im Brasilien Bolsonaros, wo der Rechtsstaat an den letzten d&uuml;nnen F&auml;den h&auml;ngt.<\/p><p>Der Kriegsaufruf des Pr&auml;sidenten wurde im Handumdrehen von seiner &bdquo;Basis&ldquo; (Gro&szlig;grundbesitzer, Teile der Polizei, der Streitkr&auml;fte, der evangelikalen Kirchen, der kriminellen Holzh&auml;ndler und Goldsucher in Amazonien) beantwortet. &bdquo;Wir werden reagieren, ja, und wir werden das Land ver&auml;ndern. Das ist der Punkt&ldquo;, sicherte Marcos Pollon in einer Rede auf dem &bdquo;1. Kongress der Konservativen&ldquo; im zentralbrasilianischen Goi&aacute;s die <a href=\"https:\/\/jornalggn.com.br\/violencia\/nos-vamos-reagir-sim-como-a-incitacao-de-bolsonaro-as-armas-ecoa-em-sua-militancia-cac-por-hugo-souza\/\">Unterst&uuml;tzung der von ihm geleiteten Pro-Armas (&bdquo;Pro-Waffen&ldquo;)-Bewegung<\/a> zu. Eigenen Angaben zufolge rangiert diese brasilianische Organisation nach der US-amerikanischen National Rifle-Association bereits als zweitgr&ouml;&szlig;te zivile Selbstbewaffnungs-Bewegung der Welt. Kein Wunder: Seit Bolsonaros Amts&uuml;bernahme im Januar 2019 wurden in Brasilien <a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/cotidiano\/ultimas-noticias\/2022\/06\/04\/registro-de-armas-jair-bolsonaro-cacs-violencia-homicidios-lobby.htm\">mehr als eine Million neuer privater Waffen<\/a> polizeilich registriert.<\/p><p>Medien und ein Teil der &Ouml;ffentlichkeit haben jedoch l&auml;ngst Bolsonaros Macht- und Falschspiele erkannt, also sein Krakeelen und seine Drohungen nicht immer ernst zu nehmen. Ein bewaffneter Aufstand der Rechtsradikalen gegen Lulas Wahlsieg scheint einzelnen kritischen Beobachtern als ein kaum anzunehmendes Szenario, sondern eher als Provokation Bolsonaros. Nach dreieinhalbj&auml;hriger Amtszeit l&auml;sst sich andererseits nachweisen, dass Bolsonaros groteske Zwei-Gesichter-Rollenmischung &ndash; mal Hofnarr, mal Henker &ndash; von milit&auml;rischer Marionetten-Regie inszeniert wird. So das jetzige &bdquo;Skript&ldquo; der Bolsonaro-Berater: die Androhung bewaffneter Aufm&auml;rsche derart zu radikalisieren, dass das Milit&auml;r sich &bdquo;zur Wiederherstellung der Ordnung&ldquo; (Paragraph 142 der Verfassung) &bdquo;gezwungen sieht&ldquo;. Und nicht nur die Aufm&auml;rsche verhindert, sondern auch das Wahlergebnis annulliert.<\/p><p>Die seit der Amtsenthebung von Pr&auml;sidentin Dilma Rousseff de facto regierende rechtsradikale Fraktion der Streitkr&auml;fte sparte seit 2017 nicht mit Aversionen gegen Lula. Am 3. April 2018, dem Vorabend der Habeas-Corpus-Verhandlung zur Freilassung des damals illegal inhaftierten Ex-Pr&auml;sidenten, <a href=\"https:\/\/www.conjur.com.br\/2018-nov-11\/villas-boas-calculou-intervir-stf-hc-lula\">drohte der Heereskommandant General Eduardo Villas Boas<\/a>, den Obersten Bundesgerichtshof zu erst&uuml;rmen und aufzul&ouml;sen.<\/p><p><strong>Spionage-Technologie aus Israel gegen Wahlgericht und Lula<\/strong><\/p><p>Die mit mehreren Gener&auml;len in Minister&auml;mtern und 6.000 Offizieren das Bolsonaro-Regime kontrollierende rechtsradikale Fraktion der Streitkr&auml;fte schloss sich jedenfalls dem Verschw&ouml;rungs-Narrativ Bolsonaros an und droht dem Wahlgericht mit einer eigenen, &bdquo;parallelen Wahl&uuml;berwachung und -auswertung&ldquo;. Daf&uuml;r jettete General Heber Garcia Portela nach Israel und <a href=\"https:\/\/www.defesanet.com.br\/cyberwar\/noticia\/44061\/Exercito-Brasileiro--e-CySource-fazem-acordo-de-cooperacao-para-capacitacao-de-militares\/\">erwarb die Spionage-Ausr&uuml;stung des israelischen Startups CySource<\/a>, das die Milit&auml;rs in Brasilia bereits zu elektronischen Spionen und Hackern ausbildet. Das geschah im M&auml;rz. <\/p><p>Am vergangenen 22. Mai legten rechtsradikale Milit&auml;rs unter F&uuml;hrung des Generals a.D. Luis Eduardo Rocha Paiva noch eins drauf und ver&ouml;ffentlichten das 93-seitige Manifest <a href=\"https:\/\/static.poder360.com.br\/2022\/05\/projeto-de-nacao-fev-2022.pdf\"><em>Projeto de Na&ccedil;&atilde;o &ndash; Brasil em 2035<\/em><\/a> (&bdquo;Projekt einer Nation &ndash; Brasilien im Jahr 2035&ldquo;), ein autorit&auml;res Gemisch aus US Deep State und russischem Aleksandr Dugin, dem neuen <a href=\"https:\/\/www.defesanet.com.br\/nbr\/noticia\/44352\/Nota-Estrategica-BR---Flertando-com-Aleksandr-Dugin\/\">&bdquo;intellektuellen Helden&ldquo;<\/a> der ultrarechten Kreise im brasilianischen Milit&auml;r.<\/p><p>Das Pamphlet macht ein f&uuml;r alle Mal deutlich, dass es den Milit&auml;rs um mehr als Bolsonaro geht, dem bisher die Rolle des &bdquo;Terminators&ldquo; des fragilen Sozial- und Rechtsstaats zugedacht war. Der von allen drei Waffengattungen unterzeichnete &bdquo;Vorschlag&ldquo; der Milit&auml;rs best&auml;rkt das w&auml;hrend der Wahl von 2018 von einem &bdquo;deep throat&ldquo; (General Eduardo Villas Boas) den Medien zugefl&uuml;sterte Geheimprojekt von einer &bdquo;Neuen Demokratie&ldquo; im B&uuml;ndnis mit fundamentalistischen Evangelikalen. Mit der brutalen Versch&auml;rfung neoliberaler Normen und ausgeschm&uuml;ckt mit den Werten &bdquo;der traditionellen Familie&ldquo; &ndash; gegen alles, was progressiv, vielf&auml;ltig und demokratisch ist. Vom Revanchismus &uuml;ber Fake-News-Angriff zum Polizeistaat, genannt &bdquo;neue Demokratie&ldquo;, wie ich bereits im November 2018 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=47310\">Villas Boas&lsquo; Ideologie<\/a> zusammenfasste.<\/p><p>Titelbild: BW Press \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. Oktober 2022 sollen in Brasilien allgemeine Wahlen mit der Abstimmung &uuml;ber 513 Abgeordnete zur Erneuerung des Parlaments, &uuml;ber 26 Landesgouverneure und den Pr&auml;sidenten der Republik stattfinden. So sieht es der Wahlkalender des Obersten Wahlgerichts (TSE) vor. Doch einer der Pr&auml;sidentschafts-Kandidaten meutert gegen Wahlsystem und Wahlgericht, deren Transparenz er seit 2019 infrage stellt. Das<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84683\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":84684,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,122,126,20,125,190],"tags":[881,2454,1613,2056,2121],"class_list":["post-84683","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-demoskopieumfragen","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-rechte-gefahr","category-wahlen","tag-armut","tag-bolsonaro-jair","tag-brasilien","tag-lula-da-silva-luiz-inacio","tag-wahlfaelschung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/lula_shutterstock_1933725464.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=84683"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84683\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":84696,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84683\/revisions\/84696"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/84684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=84683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=84683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=84683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}