{"id":84788,"date":"2022-06-14T09:00:09","date_gmt":"2022-06-14T07:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84788"},"modified":"2022-06-14T13:50:33","modified_gmt":"2022-06-14T11:50:33","slug":"uebergewinnsteuer-eine-nett-klingende-schnapsidee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84788","title":{"rendered":"\u00dcbergewinnsteuer &#8211; eine nett klingende Schnapsidee"},"content":{"rendered":"<p>Der Staat senkt die Steuern auf Benzin und Diesel und die Mineral&ouml;lkonzerne geben diese Steuersenkung nicht an den Endverbraucher weiter, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84416\">sondern nutzen den Ukraine-Krieg<\/a>, um fette Gewinne zu machen. Es ist klar, dass nun der Staat gefragt ist. Die Frage ist, was der Staat tun k&ouml;nnte, um derartige Kriegs- und Krisenprofite zu verhindern. Auch wenn sich eine &Uuml;bergewinnsteuer oberfl&auml;chlich gut anh&ouml;rt, ist sie kein wirklich taugliches Mittel. Wer bislang seine Gewinne im Ausland versteuert hat, muss auch von der &Uuml;bergewinnsteuer nichts bef&uuml;rchten. Besser w&auml;ren hohe Strafandrohungen, die derartige Kriegsgewinne erst gar nicht entstehen lassen. Eine &Uuml;bergewinnsteuer k&ouml;nnte dies jedoch f&uuml;r bestimmte Sektoren wie die R&uuml;stungsindustrie oder Pharmakonzerne erg&auml;nzen, doch gerade hier wird eine solche Steuer nicht gefordert. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1021\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-84788-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220614_Uebergewinnsteuer_eine_nett_klingende_Schnapsidee_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220614_Uebergewinnsteuer_eine_nett_klingende_Schnapsidee_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220614_Uebergewinnsteuer_eine_nett_klingende_Schnapsidee_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220614_Uebergewinnsteuer_eine_nett_klingende_Schnapsidee_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=84788-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220614_Uebergewinnsteuer_eine_nett_klingende_Schnapsidee_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220614_Uebergewinnsteuer_eine_nett_klingende_Schnapsidee_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Was sind &Uuml;bergewinne und wie kann man sich eine Besteuerung dieser &Uuml;bergewinne vorstellen? Um diese Fragen zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die USA. Dort hat der Staat bereits 1940 &ndash; also vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg &ndash; eine &Uuml;bergewinnsteuer f&uuml;r Kriegsgewinne eingef&uuml;hrt. Wenn die Gewinne eines Unternehmens &uuml;ber dem Durchschnitt der Vorkriegsjahre 1936 bis 1939 lagen, mussten sie mit einem Satz von 25 bis 50 Prozent zus&auml;tzlich versteuert werden. Der Steuersatz wurde immer wieder angehoben und betrug ab 1943 stolze 95 Prozent. Am 1. Januar 1946 wurde diese Steuer abgeschafft, w&auml;hrend des Koreakriegs aber wieder mit etwas geringeren Steuers&auml;tzen eingef&uuml;hrt. <\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich macht eine solche Steuer durchaus Sinn. In der Kriegswirtschaft war es vor allem der Staat selbst, der der Kunde dieser Unternehmen war, die meist direkt oder indirekt mit der Waffenproduktion oder der Kriegslogistik zu tun hatten. So konnte der Staat sich auf dem Umweg der Steuern einen gro&szlig;en Teil des &bdquo;zu viel&ldquo; bezahlten Geldes zur&uuml;ckholen. Dies ist jedoch nicht auf unsere konkrete Problemlage an den Zapfs&auml;ulen &uuml;bertragbar. Hier ist der Endkunde derjenige, der &uuml;bervorteilt wird. Aber nicht er, sondern der Staat kriegt &uuml;ber den Umweg des Steuersystems einen Teil der zus&auml;tzlichen Gewinne der Mineral&ouml;lkonzerne wieder. Der Staat senkt also die Steuern auf Mineral&ouml;lprodukte und holt sich &uuml;ber die &Uuml;bergewinnsteuer &ndash; wenn sie denn funktioniert &ndash; einen Teil dieser Steuersenkung wieder. Aus Sicht des Staates und der Konzerne ist das halbwegs aufkommensneutral. F&uuml;r den Endkunden sieht es jedoch anders aus. Er bezahlt den Aufschlag und kriegt gar nichts wieder. An dem Inflationseffekt &auml;ndert sich durch die &Uuml;bergewinnsteuer ebenfalls nichts und die reduzierte Kaufkraft wird dadurch auch nicht gest&auml;rkt. Daher verpufft die Idee, den B&uuml;rger durch eine &Uuml;bergewinnsteuer vor dem Gewinnstreben der Konzerne zu sch&uuml;tzen, in der Realit&auml;t. Das Motto lautet hier eher &bdquo;linke Tasche, rechte Tasche&ldquo;.<\/p><p>Doch auch dies ist erst einmal nur Theorie. Wie setzt sich denn der Preis des Kraftstoffs an der Tankstelle zusammen? Es ist ja nicht der Tankwart, der &bdquo;&Uuml;bergewinne&ldquo; einf&auml;hrt. Die Mineral&ouml;lunternehmen haben ein geschlossene vertikale Wertsch&ouml;pfungskette &ndash; das hei&szlig;t, sie beherrschen die komplette Lieferkette, von der F&ouml;rderung &uuml;ber den Transport, die Raffinerien, den Gro&szlig;handel und oft sogar das Endkundengesch&auml;ft. Daher haben wir es hier auch mit einem Oligopol zu tun und es herrscht kein echter Wettbewerb. Wo ein Mineral&ouml;lkonzern nun durch kreative Buchf&uuml;hrung seine Gewinne erzielt, ist ihm selbst &uuml;berlassen. Das hat massive Folgen f&uuml;r eine angedachte &Uuml;bergewinnsteuer. Kein Mineral&ouml;lkonzern w&auml;re schlie&szlig;lich so dumm, seine Gewinne in einem Land entstehen zu lassen, in dem eine solche Besteuerung droht. Dann lie&szlig;e man die Gewinne halt nicht beispielsweise im deutschen Gro&szlig;handel, sondern in der Raffinerie in Rotterdam oder gleich bei dem Roh&ouml;lhandelsunternehmen mit steuerlichem Sitz auf den Kanalinseln oder in Singapur entstehen. Der deutsche Fiskus ginge in diesem Fall leer aus, da die Tochterfirmen mit Steuersitz in Deutschland in diesem Fall ja gar keine &Uuml;bergewinne erzielen und die ausl&auml;ndischen Tochterfirmen mit ihren &Uuml;bergewinnen nicht der deutschen Besteuerung unterliegen.<\/p><p>Ein Ausweg aus dieser Sackgasse w&auml;ren Monopolstrafen. Auch wenn der deutsche Staat ausl&auml;ndische Gewinne nicht besteuern kann, so kann er ausl&auml;ndischen Konzernen, die in Deutschland &Uuml;bergewinne erzielen, durchaus mit dem passenden Gesetzesrahmen Strafen aufbrummen. Hohe Strafen f&uuml;r Wettbewerbsverst&ouml;&szlig;e sind in der EU gang und g&auml;be. Und wenn diese im Strafma&szlig; h&ouml;her als die &Uuml;bergewinne selbst sind, w&auml;re dies ein guter &ouml;konomischer Grund, solche &Uuml;bergewinne gar nicht erst entstehen zu lassen. Abschreckung statt Strafe. Nur so wird man dem Gewinnstreben der Konzerne Einhalt gebieten k&ouml;nnen. <\/p><p>Vor diesem Hintergrund wirkt die gesamte Debatte fehlgeleitet. Gr&uuml;ne und Linke favorisieren eine &Uuml;bergewinnsteuer, die SPD findet sie auch ganz sympathisch, h&auml;lt sie aber nicht f&uuml;r umsetzbar und FDP und Union halten sie &ndash; welch&rsquo; &Uuml;berraschung &ndash; f&uuml;r Teufelswerk. Am&uuml;sant sind dabei die Begr&uuml;ndungen.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/uebergewinnsteuer-reax-101.html\">So bezeichnet<\/a> die wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU, Julia Kl&ouml;ckner, eine &Uuml;bergewinnsteuer als &bdquo;innovations- und forschungshemmend&ldquo; &ndash; gerade so, als w&uuml;rden Forschung und Innovation irgendetwas mit den Rekordgewinnen der Mineral&ouml;lkonzerne zu tun haben. Laut Kl&ouml;ckner w&uuml;rden die betroffenen Mineral&ouml;lunternehmen dann auf andere M&auml;rkte ausweichen. Wie darf man sich das vorstellen? W&uuml;rde BP dann sein &Ouml;l nicht mehr in Deutschland, sondern in D&auml;nemark verkaufen? An wen? Tankt der D&auml;ne etwa mehr, wenn es in Deutschland eine &Uuml;bergewinnsteuer g&auml;be? <\/p><p>Da muss man sich schon fragen, f&uuml;r wie dumm die CDU die &Ouml;ffentlichkeit h&auml;lt. Aber es ist ja nicht nur die CDU und es sind auch beileibe nicht nur die Gegner einer &Uuml;bergewinnsteuer, deren Statements strenggenommen eine intellektuelle Beleidung darstellen. Die Gr&uuml;nen k&ouml;nnen sich beispielsweise sehr wohl eine &Uuml;bergewinnsteuer f&uuml;r Mineral&ouml;lkonzerne vorstellen, wehren sich aber mit H&auml;nden und F&uuml;&szlig;en dagegen, dies auch auf R&uuml;stungskonzerne oder im Kontext der Coronapolitik auf Impfstoffhersteller und Digitalkonzerne auszuweiten. Zumindest bei Letzteren ist das eigentlich auch egal, da Konzerne wie Amazon, Google, Apple, Facebook und Co. in Deutschland ohnehin nicht steuerlich greifbar sind und so ohnehin keine &Uuml;bergewinnsteuer zahlen m&uuml;ssten. <\/p><p>Beim Impfstoffhersteller Biontech und der R&uuml;stungsindustrie gelten diese Argumente jedoch nicht. Nicht der Endverbraucher, sondern der Staat kauft Impfstoffe und Waffen. Hier w&auml;re &ndash; analog zum Beispiel der Kriegsgewinn-Besteuerung in den USA &ndash; durchaus eine &Uuml;bergewinnsteuer m&ouml;glich und auch sinnvoll. Biontech hat seinen Gewinn beispielsweise durch die staatliche Coronapolitik von 15,2 Millionen Euro auf 10,3 Milliarden Euro steigern k&ouml;nnen. Das sind krisenbedingte &Uuml;bergewinne, die eine direkte Folge staatlichen Handelns sind &ndash; und nebenbei war es &uuml;brigens auch der Staat, der die Entwicklung des Coronaimpfstoffs durch seine Finanzspritzen erst erm&ouml;glicht hat. <\/p><p>So haben wir die vollkommen absurde Situation, dass die &Uuml;bergewinnsteuer f&uuml;r Mineral&ouml;lkonzerne, die nichts bringt, von den &bdquo;linken&ldquo; Parteien gefordert wird und eine &Uuml;bergewinnsteuer f&uuml;r Pharma- und R&uuml;stungskonzerne, die etwas bringen w&uuml;rde, zumindest von den Gr&uuml;nen und der SPD gar nicht erst gefordert wird. So wird sich auch weiterhin weder an den hohen Preisen noch an den Kriegs- und Krisengewinnen bestimmter Konzerne etwas &auml;ndern. <\/p><p>Titelbild: Elnur\/shutterstock.com<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/b6cfbf4c71c446598ad30b00f57d7b77\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Staat senkt die Steuern auf Benzin und Diesel und die Mineral&ouml;lkonzerne geben diese Steuersenkung nicht an den Endverbraucher weiter, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84416\">sondern nutzen den Ukraine-Krieg<\/a>, um fette Gewinne zu machen. Es ist klar, dass nun der Staat gefragt ist. Die Frage ist, was der Staat tun k&ouml;nnte, um derartige Kriegs- und Krisenprofite zu verhindern. 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