{"id":850,"date":"2005-08-23T14:28:44","date_gmt":"2005-08-23T12:28:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=850"},"modified":"2016-03-06T10:02:05","modified_gmt":"2016-03-06T09:02:05","slug":"weltjugendtag-zwischen-weltjugendfestival-und-weltpapsttag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=850","title":{"rendered":"Weltjugendtag zwischen Weltjugendfestival und Weltpapsttag"},"content":{"rendered":"<p>Ein pers&ouml;nlicher Eindruck.<br>\n<!--more--><br>\nIch will vorausschicken, dass ich protestantisch, ja noch mehr, pietistisch sozialisiert bin und gerade deswegen vielleicht auch zum Agnostiker geworden bin, und dass ich schon deshalb mit einer Institution wie der Kirche, zumal der katholischen oder gar mit einer Person als Nachfolger Petri und oder gar einer Erl&ouml;sung aus allen S&uuml;nden durch apostolischen Ablass meine Probleme habe. Ich ma&szlig;e mir weder in Glaubensfragen noch in theologischen Fragen ein kompetentes Urteil an. Aber Ich wohne nun mal in K&ouml;ln und ich konnte so den Weltjugendtag von au&szlig;en beobachten.<br>\nEs sind also nur Eindr&uuml;cke, die ich wiedergeben m&ouml;chte.<br>\nMan muss ja nicht alles kritisieren oder gar schlecht reden. Deshalb zuerst zu dem, was ich sehr eindrucksvoll und positiv empfand. <\/p><p>K&ouml;ln verwandelte sich f&uuml;r wenige Tage zu einer Weltstadt der Jugend. Bis in die &auml;u&szlig;ersten Stadtviertel begegneten einem junge, zumeist fr&ouml;hliche Menschen in kleineren und gr&ouml;&szlig;eren Gruppen meist mit einer Nationalflagge vornedran, aber ohne dass die Fahnen zu einem Symbol der Abgrenzung wurden. K&ouml;ln war ein Sprachbabylon und dennoch verstand man sich. Das war Multikultur im besten Sinne. Die meist j&uuml;ngeren M&auml;nner und Frauen zogen singend, lachend, freundlich und freudig erregt durch die Stadt. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung wie Stra&szlig;enkarneval ohne Alkohol und ohne Schunkeln. Trotz keineswegs durchgehend sch&ouml;nen Wetters zogen Menschen aller Hautfarbe und h&ouml;rbar aller Sprachen durch die Stra&szlig;en, sie dr&auml;ngten nicht in die Kneipen und die H&auml;schen &amp; M&auml;uschen-(H&amp;M)-Boutiquen blieben absolut leer. Die jungen Leute entsprachen auch keineswegs einem Vorurteil, das man bei kirchlich gebundenen Menschen oftmals mit sich herumtr&auml;gt. Sie wirkten ganz &uuml;berwiegend nicht fr&ouml;mmelnd, geschweige denn bigott. Es waren fr&ouml;hliche, offene, eher euphorisierte, hoffnungsfrohe oder begeisterungsf&auml;hige Gesichter, die einem entgegenstrahlten.<br>\nWenn man das mit den Aufm&auml;rschen zu den Fu&szlig;ballspielen vergleicht, so waren da keinerlei Aggression, keinerlei Gegeneinander und schon gar keine tumpen, den anderen niedermachenden Schlachtges&auml;nge. Gitarrenlieder und rhythmisches Trommeln und nicht gr&ouml;lender Gesang oder die &bdquo;dicke (nur laute) Karnevalstrumm&ldquo; bestimmten die Tonart &ndash; jugendbewegt eben. P&auml;rchen gingen H&auml;ndchen in H&auml;ndchen und k&uuml;ssten sich, so dass man beileibe nicht auf den Gedanken kommen konnte, es g&auml;be das katholischen Verbot der vorehelichen k&ouml;rperlichen Liebe und schon gar nicht, h&auml;tte man Ernst genommen, dass der Gebrauch des Kondoms als s&uuml;ndig eingestuft w&uuml;rde. Solche Beklemmungen schienen den jungen Frauen und M&auml;nnern fremd. Es &uuml;berwog wohl eine Einstellung, die man so kennzeichnen k&ouml;nnte: Lasst der Kirche was der Kirche ist, lasst den Papst einen guten Mann sein, lasst mich aber mein Leben, meine Einstellung zur Welt, zur Sexualit&auml;t und zu meinem pers&ouml;nlichen Gl&uuml;ck so leben, wie ich das f&uuml;r richtig halte.<br>\nKeine asketischen Pilgerm&auml;rsche und schon gar keine kasteienden Prozessionen. Ein fr&ouml;hliches Durch-die-Stra&szlig;en-Ziehen, ein offenes Aufeinander-Zugehen, kaum Aggression auch bei stundenlangem Schlangestehen oder bei be&auml;ngstigenden Menschenzusammenballungen. <\/p><p>Nun ist v&ouml;llig klar, dass die Jugend der Welt, die sich jetzt zu Hundertausenden in K&ouml;ln traf, keinen repr&auml;sentativen Querschnitt bildete. Dennoch gestehe ich, dass es sch&ouml;n w&auml;re, wenn man diesen &auml;u&szlig;eren Eindruck auch der gegenseitigen R&uuml;cksichtnahme h&auml;ufiger erleben k&ouml;nnte.<br>\nMan m&ouml;chte dieses ausgelassene Bild gerne immer in seiner Stadt haben, es w&auml;re eine Bereicherung. Die wichtigste (ganz weltliche) Erkenntnis f&uuml;r mich ist, dass es f&uuml;r das gegenseitige Kennenlernen junger Menschen aus allen Erdteilen, f&uuml;r das gegenseitige Verstehenlernen, ja vielleicht sogar f&uuml;r die V&ouml;lkerverst&auml;ndigung und damit f&uuml;r den Frieden in der Welt kein besseres Mittel gibt, als die pers&ouml;nliche Begegnung &ndash; und sei sie auch nur oberfl&auml;chlich. <\/p><p>Deshalb w&uuml;rde ich auch den Kritikern entgegentreten, die den Kostenaufwand von angeblich 130 Millionen Euro und dem staatlichen Zuschuss von angeblich 30 Millionen Euro f&uuml;r diesen Weltjugendtag f&uuml;r nicht angemessen halten. Dar&uuml;ber kann man dann streiten, wenn man mit viel gr&ouml;&szlig;erem Recht den staatlichen, kommerziellen Aufwand f&uuml;r die kommende Fu&szlig;ballweltmeisterschaft bestreitet. F&uuml;r das Miteinander und die friedliche Verst&auml;ndigung kommt dabei jedenfalls erheblich weniger raus und die Kommunen, L&auml;nder und Bund haben f&uuml;r Stadien, Verkehrsanbindungen ein Vielfaches an Steuergeldern ausgegeben. <\/p><p>Auch den K&ouml;lnern m&ouml;chte ich mein Kompliment machen, jedenfalls denen, die ich erlebt habe.<br>\nEs gab eine geradezu aufdringliche Hilfsbereitschaft. Kaum jemand von den G&auml;sten aus fernen L&auml;ndern konnte auf den Stadtplan schauen, ohne dass ihm &ndash; in welcher Sprache und mit welchen Handzeichen auch immer &ndash; Hilfe angeboten wurde. Niemand st&ouml;rte sich an den Ges&auml;ngen in der Stra&szlig;enbahn, ja sogar dass die Fahrpl&auml;ne oft v&ouml;llig auseinander gerieten, wurde &ndash; ausnahmsweise &ndash; klaglos hingenommen. Von keiner Gastfamilie in meinem Viertel habe ich Klagen geh&ouml;rt. F&uuml;r den K&ouml;lner war das eben wie Karneval. Er kann mit Menschenmassen gut leben, er wird nicht gestresst und er reagiert nicht aggressiv.<br>\nDie K&ouml;bese (hochdeutsch: Kellner) waren eher freundlicher als normal, in den Kneipen hatte man (nat&uuml;rlich) Karnevalsmusik laufen und die Klofrau sang kr&auml;ftig mit und schnauzte nicht herum, wenn die jungen Leute keinen Obolus entrichteten: Eine offene, sich dem Fremden &ouml;ffnende, tolerante Atmosph&auml;re. Man sp&uuml;rte, dass K&ouml;ln seit Jahrhunderten eine nur noch Wenigen bekannte Pilgerstadt f&uuml;r die Reliquien der Heiligen drei K&ouml;nige ist. Es gab sogar (verbilligtes) &bdquo;Pilger&ldquo;-K&ouml;lsch und der Nepp hielt sich in Grenzen. <\/p><p>Meine insgesamt &auml;u&szlig;erst positiven Gef&uuml;hle gegen&uuml;ber dem Weltjugendtag &uuml;berzog ein Raureif, als ich donnerstags am Nachmittag mit dem Fahrrad den Rhein entlang fuhr, wo die Menschen &ndash; nach Ankunft des Papstes &ndash; auf dessen B&ouml;tchenfahrt von Rodenkirchen bis zur Zoobr&uuml;cke und wieder zur&uuml;ck zum Dom ausharrten. Stundenlang vor der Fahrt von Benedikt XVI. vom Rodenkirchener Anleger auf dem Katamaran namens &bdquo;RheinEnergy&ldquo; harrten die Jugendlichen aus, um ihrem vorbeischippernden Idol zuzujubeln. Die rhythmisch unterlegten &bdquo;Benedetto&ldquo;-Schlachtrufe lie&szlig;en mich erschauern. Wie Hunderttausende angesichts eines huldvoll gr&uuml;&szlig;enden, kaum erkennbaren &auml;lteren Menschen in Begeisterungsst&uuml;rme ausbrechen konnten, hat mich be&auml;ngstigt. Wem oder was wurde da zugejubelt? Wie kann man auf den Poller-Wiesen den Rhein zum indischen Ganges machen und wie die Hindus h&uuml;fthoch in das ziemlich kalte Wasser steigen, um begeistert einem in gebotener Distanz auf seinem Protz-Schiff verharrenden, nichtssagende (wenn man sie &uuml;berhaupt h&ouml;ren konnte oder sprachlich verstanden hat) Freundlichkeiten von sich gebenden &bdquo;Phantom&ldquo; zuzujubeln.<br>\nIst das nicht schierer Personenkult? Wem w&uuml;rden diese Massen auch sonst noch zujubeln? Wer k&ouml;nnte sie in gleicher Weise animieren, die rationale Distanz aufzugeben, und wer k&ouml;nnte ihnen sonst noch zum Objekt ihrer Anbetung werden? Als &bdquo;konvertierter&ldquo; K&ouml;lner kann man solche &auml;ngstlichen Gedanken wieder absch&uuml;tteln, indem man daran denkt, dass auf dem Rosenmontagszug auch Millionen von Menschen dem Karnevalsprinzen zujubeln. Aber da bettelt man wenigstens noch um &bdquo;Kamelle&ldquo; (S&uuml;&szlig;igkeiten) und &bdquo;Str&uuml;&uuml;ssje&ldquo; (kleinen Blumengebinden), aber vor allem wei&szlig; man, dass des Prinzen &bdquo;Herrschaft&ldquo; sp&auml;testens am Aschermittwoch vorbei ist. Der Papst bleibt und f&uuml;hlt sich wom&ouml;glich best&auml;tigt in dem, was er als Hirte seinen Schafen verk&uuml;ndet.<br>\nAlso ich w&uuml;rde da an seiner Stelle, nachdem wie ich sonst die jungen Menschen erlebt habe, was deren Gl&auml;ubigkeit (jedenfalls an seine Glaubenss&auml;tze) anbetrifft, sehr vorsichtig sein. <\/p><p>Als meine positive Einstellung zu kippen drohte, kamen mir Erinnerungen des in der ehemaligen DDR veranstalteten Weltjugendfestivals in den Sinn, das ich als Student in Berlin fr&uuml;her einmal in Ostberlin besucht habe. Auch dort trafen sich unz&auml;hlige fr&ouml;hliche junge Leute aus aller Welt. Auch dort eine offene, auf eine menschlichere und friedlichere Zukunft hoffende Jugend, dort versammelt unter einem anderen, &auml;hnlich abgehobenen ideologischen Vorzeichen &ndash; vielleicht ganz &auml;hnlich wie die jungen Leute in K&ouml;ln sich als Minderheit oder jedenfalls als von einer Mehrheit der Welt und von inhumanen (&ouml;konomischen und politischen) Kr&auml;ften bedroht f&uuml;hlend und daraus ein Zusammengeh&ouml;rigkeitsgef&uuml;hl entwickelnd. Eine, autosuggestive, etwas gek&uuml;nstelte, letztlich unehrliche selbstbeweihr&auml;uchernde Euphorie, wie ich damals empfand und wie es mich auch anl&auml;sslich des katholischen Weltjungendtages jedenfalls immer wieder ankam. <\/p><p>Auf dem riesigen Marienfeld, dem gigantischen Pilgerfeld in einem gesichtslos gewordenen und seiner Kultur und Geschichte sprichw&ouml;rtlich abgegrabenen Braunkohleabbaugebiet, bei der &bdquo;Vigil&ldquo; genannten n&auml;chtlichen Gebetsfeier am Samstagabend und beim Schlussgottesdienst am Sonntagmorgen war ich nicht. Da &uuml;berwog die Beschwerlichkeit des Weges meine Neugierde.<br>\nWas ich auf dem Bildschirm gesehen habe, war choreografisch oftmals durchaus ansprechend inszeniert, auch die Kirchenlieder haben die Form rhythmisch unterlegter popul&auml;rer Songs angenommen &ndash; eine Mischung aus Gregorianik und Pop.<br>\nWas ich aber geradezu als beleidigend gegen&uuml;ber den Hunderttausenden jungen Pilgern empfand, die einen wirklich beschwerlichen Anmarsch und eine eiskalte, absolut ungem&uuml;tliche Nacht unter freiem Himmel zu erleiden und einen geradezu chaotischen Abmarsch zu ertragen hatten, das waren die unz&auml;hligen unter dem hoch aufget&uuml;rmten Baldachin uniformiert aufgereihten katholischen W&uuml;rdentr&auml;ger. Da dr&auml;ngten sich mir Bilder von Parteitagen der chinesischen Staatspartei auf. Da dokumentierte sich die (im Askese &uuml;benden Pilgerkontext) idealisierte (ausschlie&szlig;lich m&auml;nnliche) Vermittlungs-Hierarchie der &bdquo;ecclesia militans&ldquo;, also der um ihren weltlichen Machtanspruch streitenden Kirche.<br>\nWenn man dazu noch in der K&ouml;lner Lokalzeitung lesen musste, dass f&uuml;r die kirchlichen W&uuml;rdentr&auml;ger ausschlie&szlig;lich f&uuml;r den Abschlussgottesdienst den Priestern , Bisch&ouml;fen und Kardin&auml;len &ndash; vom K&ouml;lner Paramentenhaus Wefers 4500 geliefert und gro&szlig;teils aus Kostengr&uuml;nden in Thailand geschneidert &ndash; einheitliche wei&szlig;e Priestergew&auml;nder, die beim Gebet ein Kreuz abbildeten, von der Kirche sozusagen als Souvenir zur Verf&uuml;gung gestellt wurden, dann wird eine Diskrepanz zu den sprichw&ouml;rtlich im Dreck und M&uuml;ll liegenden Pilgern erkennbar, die man wohl nur als strenggl&auml;ubiger Katholik ertragen kann. Zwischen der goldenen Seide f&uuml;r den Papst, der doch so viel von den heiligen drei K&ouml;nigen redete, zur armseligen Krippe des Jesuskindes war da doch eine fast zynische Diskrepanz.<br>\nDass die katholische Jugend der Welt da noch in Begeisterungsst&uuml;rme ausbrach, stimmt doch sehr nachdenklich. &Uuml;berhaupt stellt sich die Frage, warum mussten diese H&ouml;hepunkte des Weltjugendtages weit au&szlig;erhalb der Stadt in einem riesigen Braunkohlebaggerloch auf Zuckerr&uuml;benfeldern stattfinden. Warum mussten sich unz&auml;hlige Menschen einen &auml;u&szlig;erst beschwerlichen, weiten Weg in eine trostlose, rekultivierte Landschaft aufmachen und &ndash; weil eine R&uuml;ckkehr zu den Nachtasylen nicht m&ouml;glich war &ndash; eine Nachtlang halb erfrieren und anschlie&szlig;end in einem v&ouml;lligen Chaos teilweise &uuml;ber viele Stunden wieder ihren R&uuml;ckmarsch in die Zivilisation ausgesetzt werden? Musste es unbedingt auf einer Fl&auml;che sein, die einer Million Menschen Platz bot. H&auml;tte man nicht in urbaner Umgebung mehrere Veranstaltungen mit dem Papst organisieren k&ouml;nnen. W&auml;re der Papst damit nicht den Pilgern viel n&auml;her gewesen, als auf seinem k&uuml;nstlich aufgesch&uuml;tteten H&uuml;gel im R&uuml;benfeld unter einem riesigen postmodernen Baldachin? <\/p><p>Nein, den kirchlichen Organisatoren des Weltjugendtages gen&uuml;gte es nicht, dass Hunderttausende von jungen Menschen in einer Stadt zusammen kamen, sie mussten &ndash; wie zu einer massenhaften Machtdemonstration, um nicht zu sagen Masseninszenierung &ndash; an einer Stelle zusammengef&uuml;hrt werden, damit das superlative Bild durch die Welt ging, eine Million Menschen, noch mehr, die jungen Menschen der Welt huldigen dem Papst &ndash; ihrem kirchlichen Oberhaupt.<br>\nDa geriet der Weltjugendtag zum Weltpapsttag. Man wollte St&auml;rke und Masse zeigen. Wie schwach f&uuml;hlt sich die Katholische Kirche inzwischen eigentlich? <\/p><p>Besonders schade finde ich, dass dieser ganze Einsatz an Emotionen, dieser ganze Aufwand, soweit ich das beurteilen kann und soweit es f&uuml;r mich als Nichtkatholik von Interesse ist, praktisch mit keiner nennenswert neuen Botschaft verkn&uuml;pft war. Ich will die Hoffnungen auch vieler Jugendlichen und vor allem von jungen Frauen hier gar nicht nennen, die auf diesem Weltjugendtag entt&auml;uscht worden sind. Es gab aber auch kein Signal in punkto &Ouml;kumene, die evangelische Kirche bleibt f&uuml;r die katholische Kirche eine Art freikirchliche Sekte. In der j&uuml;dischen Synagoge in K&ouml;ln streckte in gro&szlig;herziger Weise der Gemeindevorsteher die Hand aus, von Ratzinger kam aber keine Andeutung von Schuld seiner Kirche im Hinblick auf den Nationalsozialismus und den Holocaust, geschweige denn im Hinblick auf den &uuml;ber die Geschichte andauernden Beitrag des Christentums zum Antisemitismus. Die Vertreter des Islam in Deutschland wurden bei ihrem kurzen Empfang nur mit einem Bekenntnis des Papstes gegen den islamisch verbr&auml;mten Terrorismus in einen &ouml;ffentlichen Zusammenhang gebracht.<br>\nBenedikt XVI. trat sympathisch zur&uuml;ckhaltend und freundlich auf, er vermied die Selbstinszenierungen seines Vorg&auml;nger Johannes Paul II., von seinen fr&uuml;heren Positionsbestimmungen als extrem konservativer Glaubensh&uuml;ter in Sachen Sexualit&auml;t, der Rolle der Frau in der Kirche, im Hinblick Gemeinschaft der Christen hat er als Papst aber keinerlei Abstriche gemacht. &Uuml;ber den Kardinal Ratzinger haben selbst manche Katholiken gel&auml;stert, sein Nachtgebet sei wohl: Lieber Gott, ich mach Dich fromm, wenn ich in den Himmel komm.<br>\nAls Benedikt XVI. h&auml;tte er auf dem Weltjugendtag seine L&auml;sterer L&uuml;gen strafen k&ouml;nnen. Das hat er als Papst vers&auml;umt. Er genoss lieber &ndash; ziemlich weltlich und all zu menschlich &ndash; die massenhafte Huldigungen einer mit ihren Fragen und Hoffnungen allein gelassenen Jugend der Welt.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein pers&ouml;nlicher Eindruck.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[199,161],"tags":[525],"class_list":["post-850","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kirchen-religionen","category-wertedebatte","tag-papst"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=850"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/850\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31881,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/850\/revisions\/31881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}