{"id":85081,"date":"2022-06-23T09:00:41","date_gmt":"2022-06-23T07:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85081"},"modified":"2022-06-23T11:47:46","modified_gmt":"2022-06-23T09:47:46","slug":"einstiges-friedensprojekt-eu-versinkt-im-rausch-eines-kriegerischen-nationalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85081","title":{"rendered":"Einstiges Friedensprojekt EU versinkt im Rausch eines kriegerischen Nationalismus"},"content":{"rendered":"<p>Kriege in Europa verhindern, indem man den tief verinnerlichten aggressiven Nationalismus der vormals verfeindeten Nationen in eine einvernehmliche Zusammenarbeit umwandelt; dieses kreative Lebenszeichen von empathischer Politik fand ausnahmsweise damals nach dem Zweiten Weltkrieg Zustimmung, wurde stetig bis heute weiterentwickelt und bleibt eine wesentliche Berechtigung der Europ&auml;ischen Union. Bei der Realisierung dieses vorausschauenden Vorhabens hat man offensichtlich nicht an die M&ouml;glichkeit gedacht, dass ein aufgebrachter Nationalismus in einer eurozentrischen Gestalt die EU  infizieren k&ouml;nnte. Von <strong>Pentti Turpeinen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5594\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85081-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220622-Friedensinitiative-EU-kriegerischer-Nationalismus-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220622-Friedensinitiative-EU-kriegerischer-Nationalismus-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220622-Friedensinitiative-EU-kriegerischer-Nationalismus-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220622-Friedensinitiative-EU-kriegerischer-Nationalismus-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85081-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220622-Friedensinitiative-EU-kriegerischer-Nationalismus-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220622-Friedensinitiative-EU-kriegerischer-Nationalismus-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Mit Weitsicht hatten politische Denker und praktische Politiker  nach all der  sinnlosen Zerst&ouml;rung  die Einsicht durchgesetzt, dass auch traditionell in tiefe Feindseligkeiten  verstrickte Nationen als kapitalistische Demokratien eine gemeinsame Basis finden k&ouml;nnen, um eine friedliche, transnationale wirtschafts-politische Zusammenarbeit zum Wohle der beteiligten V&ouml;lker zu entfalten. Vertraute Eroberungskriege machten ja keinen Sinn mehr; nicht mal f&uuml;r die abendl&auml;ndischen Kolonialherren. <\/p><p>Es waren die neuen sozio-&ouml;konomischen Bedingungen, die in Europa eine friedliche Zusammenarbeit unter den verfeindeten Nationen m&ouml;glich machten. Der Traum vom &bdquo;ewigen&ldquo; Frieden unter den EU-Mitgliedsstaaten konnte realisiert werden. Ja, nicht jammern und sticheln, vorw&auml;rts und sich in Freundschaften verstricken!  Den humanistischen Zukunftsvisionen von damaligen und auch heutigen Politikern sei Dank, dass meine Generation seit Jahrhunderten wohl als erste in Europa am eigenen Leibe keinen Krieg  erleben musste; bis jetzt. <\/p><p>Die transnationale wirtschaftspolitische Partnerschaft hat sich in der EU als eine v&ouml;lkervereinende Idee voll best&auml;tigt und das Bek&auml;mpfen der nationalistischen Bestrebungen in den Mitgliedsstaaten war eine Selbstverst&auml;ndlichkeit. Dabei fiel gar nicht auf, wie tief das angriffige nationalistische Gedankengut und der Eurozentrismus auch im friedenswilligen demokratischen Staats-Denken verinnerlicht sind. <\/p><p>Dass die Friedensinitiative EU als ein internationales Machtgebilde sich auch nach innen und au&szlig;en legitimieren muss, eine &bdquo;staatstragende&ldquo; Identit&auml;t braucht,  wurde von Anbeginn in v&ouml;lkerverbindenden Zielen einf&uuml;hlsam festgehalten. Vorbei schienen die Zeiten, als die europ&auml;ischen Nationen und Kaiser-K&ouml;nig-Reiche  ihre gloriose Einzigartigkeit in ausgrenzenden Ideologien zur Legitimation ihrer &Uuml;berheblichkeit und ihrer Eroberungskriege hervorheben konnten. Im erfrischenden Gegensatz dazu will die Friedensinitiative EU die V&ouml;lker zu einer friedlichen und kooperativen Zusammenarbeit zum Wohle aller einladen, ohne sich zum Retter der Menschheit zu erheben, ohne die Absicht, ihre Werte allen V&ouml;lkern als universelle aufzuzwingen, nur ein positives Beispiel sein; bis jetzt. <\/p><p>Und sogar Politiker, die das &Uuml;berwinden von tief verinnerlichten Vorurteilen unter den ehemals verfeindeten Nationen auf Russland ausdehnen wollten, fanden nach dem Zerfall der Sowjetunion nicht nur unter Gesch&auml;ftsleuten Anerkennung. Ja, die Idee von V&ouml;lkerverst&auml;ndigung und friedlichem Zusammenleben sollte ihre G&uuml;ltigkeit nicht an den EU-Au&szlig;engrenzen verlieren. &bdquo;It takes two to tango&ldquo;. Auch in der internationalen Politik: Gemeinsame Ziele finden! Gesch&auml;fte machen! Lasst uns Macht-Profit-Gier friedlich regeln! Das verbindet! Ja, &bdquo;those were the days, my friend&ldquo;. Und heute? <\/p><p>Es klingt tragisch paradox, nationalistisch, eurozentrisch, abendl&auml;ndisch &uuml;berheblich, wenn die heutige EU  ihre auf dem Papier emphatische Wertepolitik mit einem &bdquo;Wir sind die Guten&ldquo;-Image nicht nur in einen offenen V&ouml;lkerhass verwandelt, sondern im Verbund mit den USA und NATO-Staaten die Welt in ihre Gefolgschaft n&ouml;tigen will. Nachdem Russland, das russische Volk und seine Kultur ruiniert sein werden, haben die weitsichtigen Politiker von heute schon als n&auml;chstes China, die Chinesen und die chinesische Kultur im Visier. Den Rest der Erdenv&ouml;lker auf die Seite der abendl&auml;ndischen Zukunftsgestaltung zu ziehen, wird  dann nur ein fr&ouml;hliches Nachspiel sein; denkt man. Dass der globale S&uuml;den sich von der Sanktionspolitik des Westens fernh&auml;lt, sollte uns nachdenklich machen.<\/p><p>Die bis jetzt im Inneren erfolgreiche Friedensmission EU f&uuml;hlt sich nun berufen, die V&ouml;lker der Erde  hinter ihre Werte zu vereinen, im Namen des Guten das B&ouml;se aus der Welt zu vertreiben;  und dies aus tiefster &Uuml;berzeugung, dass die eigene Definition von Gut und B&ouml;se nicht hinterfragt werden muss.  Universelle humanistische Werte wurden wie selbstverst&auml;ndlich in westliche Werte, also westliche Betrachtungsweisen, uminterpretiert. <\/p><p>Dass die edelsten programmatischen Vorhaben je nach Interessenlage anders ausgelegt und missbraucht werden k&ouml;nnen, best&auml;tigt die Erfahrung.  Heute etwa so: Wir als EU wollen die Weltgemeinschaft friedlich vereinen, sind tolerant, verteidigen die freie Meinungs&auml;u&szlig;erung aller, setzen uns ein f&uuml;r die Vers&ouml;hnung; es sei denn, es sind Russen oder andere unliebsame Au&szlig;ereurop&auml;er. Oder so: Als EU haben wir uns verpflichtet, f&uuml;r eine antirassistische Politik, f&uuml;r die Unantastbarkeit der W&uuml;rde des Menschen, f&uuml;r die F&ouml;rderung des Friedens, f&uuml;r die V&ouml;lkerverst&auml;ndigung auf der ganzen Welt einzutreten; vorausgesetzt, es sind keine Russen, auch nicht die anderen &uuml;blichen au&szlig;ereurop&auml;ischen Verd&auml;chtigen. <\/p><p>In allt&auml;glichen Kleinigkeiten der gegenw&auml;rtigen EU-Mentalit&auml;t befreit sich etwas schamvoll Verstecktes und spricht &uuml;berraschend deutlich und unwidersprochen: Die da, diese Russen und all die  anderen jenseits der gut bewachten Grenzen unserer europ&auml;ischen Wertegemeinschaft, das sind nicht Menschen wie wir, mit denen wollen wir nichts zu tun  haben. Und wenn, sollen sie wissen, dass wir die h&ouml;heren Werte vertreten!<\/p><p>Der europ&auml;isch-abendl&auml;ndische Welteroberer kennt und sch&auml;tzt seit Jahrhunderten seine charakteristischen Vorz&uuml;ge, f&uuml;hlt sich in seine Rolle als Gestalter der zivilisatorischen Menschheitsentwicklung hineingeboren, kultiviert seit Generationen die &Uuml;berzeugung, dass der  Russe b&ouml;se ist, untauglich, hinterh&auml;ltig, unzivilisiert. Derartige arrogante Vorurteile haben ja unsere hochgesch&auml;tzten europ&auml;ischen Vorfahren in ihren auserw&auml;hlten gro&szlig;en und auch kleinen, aber immer edlen, Nationen auch gegeneinander phantasievoll gepflegt und tief verinnerlicht.   <\/p><p>Nun ist man wieder dabei, das Selbstwertgef&uuml;hl und den eigenen Stolz mittels der Dem&uuml;tigung anderer V&ouml;lker wiederzufinden. Sehe und staune: Die EU und das Resteuropa praktizieren urpl&ouml;tzlich einen offen aggressiven urnationalistischen V&ouml;lkerhass, einen Rassismus, den man l&auml;ngst &uuml;berwunden meinte! Und dazu geh&ouml;rt, dass dies in der &Ouml;ffentlichkeit zu kritisieren, im bew&auml;hrten nationalistischen Stil nicht mal einigen Wenigen gestattet wird. D&eacute;j&agrave; vu!  <\/p><p>Andere Gemeinschaftstiere wie Ameisen, Bienen, Elefanten, Affen tun sich leichter als wir mit ihrem Nationsbuilding, f&uuml;gen sich kreativ in ihre jeweiligen unmittelbaren Lebensbedingungen ein, &uuml;berleben in einer Einheit mit der Lebenskraft. Der Mensch hat mit der Sprachf&auml;higkeit das faszinierende Verm&ouml;gen entdeckt, kommunikativ das gemeinschaftliche Leben in unterschiedlichsten Arten zu planen, sich im Geiste von der greifbaren Unmittelbarkeit zu l&ouml;sen, vorausschauende Ideen zu verwirklichen, mit einzigartigen Lebensbedingungen sinnvoll zu experimentieren, sch&ouml;pferische Kulturen zu entwickeln; diese Chance aber nur bedingt verwirklicht. Die Macht-Profit-Gier hat die gro&szlig;artigen M&ouml;glichkeiten der menschlichen Sch&ouml;pferkraft in eine Eint&ouml;nigkeit verwandelt. Utopien bleiben utopisch. Man hat sich angew&ouml;hnt, unsere naturgegebene Neugierde, das unersch&ouml;pfliche Erfinden und Entdecken, dem Funktionieren der Macht-Profit-Lebensweise unterzuordnen.  <\/p><p>Es gab und gibt auf unserer Erde wundervolle Kulturen, beeindruckende Kunst, Musik, Poesie und Literatur, au&szlig;ergew&ouml;hnliche Denker, Erfinder und Wissenschaftler.  Die aufgekl&auml;rte europ&auml;ische Elite  in unterschiedlichsten Nationen identifiziert auch heute wie selbstverst&auml;ndlich die Menschheitsgeschichte mit der Geschichte ihrer  eigenen Kulturen. Vor allem mit der Geschichte ihrer welterobernden Imperien, Kaiserreichen, K&ouml;nigreichen, Nationen, Staaten und Machtbl&ouml;cken.  <\/p><p>Der Siegeszug des aufgekl&auml;rten abendl&auml;ndischen Geistes &uuml;ber den Rest der Welt war nach dem Zweiten Weltkrieg fast zum Stillstand gekommen. Unter normalen eurozentrischen Bedingungen h&auml;tte eine transnationale Friedensinitiative EU auch keine Chance gehabt. Die alten europ&auml;ischen Kolonialm&auml;chte waren geschw&auml;cht, erniedrigt sogar, und die USA, auf sich gestellt, haben nur Angriffskriege  mit dem Resultat &bdquo;chaos accomplished&ldquo; durchf&uuml;hren k&ouml;nnen. Heute f&uuml;hlt sich der Westen als eine Transnationale Abendl&auml;ndische Union (TAU) unter der F&uuml;hrung der USA in neuer St&auml;rke bereit, die ganze Menschheit endlich  hinter den universellen Werten unseres universellen Geistes zu vereinen; die Wiedergeburt des glorreichen Abendlandes bahnt sich an. <\/p><p>Die vormals lokale Friedensinitiative EU, die pr&auml;destiniert war, die Bildung von transnationalen Friedensunionen rund um die Welt, in Afrika, in allen Kontinenten, zu unterst&uuml;tzen, darf nun international in einer Art kolonialistischem Eroberungszug in der ersten Reihe dabei sein! Die NATO wird wohl demn&auml;chst als die offizielle Armee der EU mit allem feierlichen Bumm-Drum und Dran-Bang anerkannt. Die USA und NATO haben schon vorgemacht, wie man mit tiefster moralischer &Uuml;berzeugung Kriege f&uuml;r Frieden und Freiheit f&uuml;hren kann; und die eigenen Werte und Grenzen in der weiten Ferne mit Elan verteidigt. Und nun bejubeln auch wir Europ&auml;er unsere politische Elite, unsere kultivierten Frauen und M&auml;nner,  die sich &uuml;berzeugend in ihren Reden und Aktionen f&uuml;r das kompromisslose &bdquo;mal kurz die Welt retten&ldquo; engagieren. <\/p><p>Auf eigene Opfer ist der aufgekl&auml;rte Europ&auml;er  gut vorbereitet, wei&szlig; aus jahrhundertelanger Erfahrung, dass eine bl&uuml;hende Zivilisation eine nationalistische Opferbereitschaft verlangt, um ihre edlen Ziele  zu durchzusetzen.  Da alle Machtgebilde von einem positiven Image getragen werden, hat man in der eurozentristisch-abendl&auml;ndischen Geschichtsschreibung die eigenen Eroberungskriege, den Kolonialismus, Gewalt, Brutalit&auml;t, Unterdr&uuml;ckung, Ausbeutung, Sklaverei, Rassismus, V&ouml;lkerhass seit jeher unkritisch und wohlwollend beschrieben. Ja, wenn man diesen Jahrhunderte w&auml;hrenden erdenweiten Mord, Totschlag und Raub nicht als unvermeidliche Kollateralsch&auml;den in dem Kampf f&uuml;r die eigenen Macht-Profit-Werte vermitteln k&ouml;nnte, h&auml;tte auch unsere heutige Werte-f&uuml;r-die-Welt-Mission ein Glaubw&uuml;rdigkeitsproblem.<\/p><p>Die Friedensinitiative EU ist als treuer Partner der USA und NATO eine internationale wirtschafts-politische Macht geworden. Um auch f&uuml;r ihre Au&szlig;enpolitik Geh&ouml;r und Respekt zu schaffen, sind standhaftes Auftreten im internationalen milit&auml;rischen Stil, eine entsprechende Festigung der eigenen Identit&auml;t unabdingbar, nach innen und nach au&szlig;en; von den USA als erfahrener Lehrmeister der diplomatischen Manieren hat man dazu schon einiges gelernt.  So hat sich die EU-Politik in der &ouml;ffentlichen Medienmeinung wie auch in privaten Meinungen eine Sprache angeeignet, die wie eine Mischung aus amerikanischem Exzeptionalismus und altbew&auml;hrtem eurozentrisch-abendl&auml;ndischen Nationalismus klingt; die Wiedergeburt des Abendlandes  macht sich mit un&uuml;berh&ouml;rbaren Wehen weltweit bemerkbar. <\/p><p>In etwas Gro&szlig;em aufzugehen, befriedet, das liegt uns und wird nun auch von der EU zur Stabilisierung der eigenen Macht kultiviert. Mit welchen simplen Spr&uuml;chen, trivialen Slogans hochgesch&auml;tzte m&auml;chtige Imperien, Nationen und K&ouml;nigreiche im Lauf der Geschichte vereint werden konnten und jetzt wieder von der heutigen europ&auml;ischen politischen Elite k&ouml;nnen! Sehe und staune: Sich als Verteidiger, ja sogar als Retter der westlichen Werte zu identifizieren, ist in Europa eine Selbstverst&auml;ndlichkeit geworden, kommt auch am Internetstammtisch gut an. Dass die EU-Elite die allgemeinen Werte des gemeinschaftlichen Zusammenlebens zu ihrem Machtinstrument degradiert, f&auml;llt im Inneren des Strudels nicht auf. <\/p><p>Eine einleuchtend nachvollziehbare  Einheitsmeinung hat ihre faszinierenden Vorteile: Man wei&szlig;, wor&uuml;ber geredet wird, bleibt im Bilde, f&uuml;hlt sich gereift f&uuml;r qualifizierte eigene Kommentare, erlebt sich als ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft. Und es ergreift und begeistert sogar Intellektuelle, die g&uuml;ltige Einheitsmeinung kreativ unterhaltsam aus immer neuen Perspektiven zu beleuchten, weiterzuentwickeln. Und die Talkshows und Medien behalten ihre aufmerksamen Zuschauer, indem sie es phantasievoll schaffen, einen immergleichen Blickwinkel in unersch&ouml;pflichen Variationen als ein neues Thema interessant zu machen. <\/p><p>Die transnationale Friedensinitiative EU hat gezeigt, dass die Politik die Macht hat, Menschlichkeit durchzusetzen; bis vor kurzem. In der heutigen politischen Kultur Europas wird die Oberfl&auml;chlichkeit bejubelt. Zweierlei Ma&szlig; hat sich als Norm durchgesetzt. Die Weitsichtigen von heute singen stolz frei nach Bertolt Brecht: Wir machen einen Plan! Wir sind ein gro&szlig;es Licht! Denn f&uuml;r dieses Leben sind wir schlau genug und haben alles im Griff!<\/p><p>Das Macht-Profit-Zusammenleben funktioniert am effektivsten, wenn die Mitgestalter sich auf ihre begrenzten Aufgaben konzentrieren, ihr Erkennen auf ihre jeweilige Funktion reduzieren, sich das Denken &uuml;ber die Vielfalt von Zusammenh&auml;ngen abgew&ouml;hnen. Dass m&ouml;glichst alle der  gleichen Meinung sind, wird als ein Segen in allt&auml;glicher Kommunikation empfunden. Das Einengen des gemeinschaftlichen Erkennens vereint die Gem&uuml;ter, erheitert die Stimmung, wird in Liedern bejubelt, in Festreden gefeiert, erh&ouml;ht die Produktivit&auml;t. Und h&ouml;re und staune: Diese altbew&auml;hrte nationalistisch eurozentristische Art der Selbstverdummung wird nun von der Friedensmission EU und von den anderen europ&auml;ischen Nationen willig und &uuml;berzeugend zur Stabilisierung der Wiedergeburt des Abendlandes kultiviert. <\/p><p>Wie leicht es ist, von einem Denken in Zusammenh&auml;ngen Abstand zu nehmen, macht die gegenw&auml;rtige politische und journalistische Elite der EU und Resteuropas uns vor. In ein paar markanten Formulierungen will die europ&auml;ische politische &Ouml;ffentlichkeit eine fundierte Analyse von komplexen weltpolitischen Zusammenh&auml;ngen vermitteln, mit ein paar Spr&uuml;chen V&ouml;lker disqualifizieren, sogar mit mehr Waffen Frieden schaffen. Die d&auml;monisierende Einseitigkeit im Nachrichtengesch&auml;ft und in politischen Statements bei den Kriegen gegen die arabischen Staaten galt wohl als eine Art Vor&uuml;bung.<\/p><p>Die aktuelle zukunftsweisende Weitsicht der europ&auml;ischen Politik hat eine Zukunftsperspektive aus den vergangenen Zeiten wiederbelebt:  Mit USA und NATO sind wir Europ&auml;er  in unserem Werte-Western-Showdown  gegen das B&ouml;se unbesiegbar. Und man singt gemeinsam &bdquo;we are the world&ldquo; im Sinne: Gemein sind wir stark!<\/p><p>Selbsterzeugte Katastrophen sind die Regel in der Menschheitsgeschichte. Verwirrt stehen wir immer wieder vor Folgesch&auml;den unseres Handelns, seien es Kriege oder Naturzerst&ouml;rung, geloben Verbesserungen, loben unsere Lernbereitschaft, verbreiten Zuversicht; bis zur n&auml;chsten selbsterzeugten Katastrophe; so wie jetzt. <\/p><p>Unsere sehr effektiv  geschmierten Macht-Profit-Gesellschaftsmaschinen  funktionieren bestens ohne R&uuml;cksicht auf die Folgen des eigenen Handelns. Das Nachdenken in Zusammenh&auml;ngen wird der Freiheit, einen eigenen Vorteil zu verwirklichen, untergeordnet; auch in der Politik der EU.    <\/p><p>Mit unseren &Uuml;berlebensf&auml;higkeiten haben wir Menschen uns seit Anbeginn zu potentiell kreativen Improvisationsk&uuml;nstlern kultiviert. In neuen Herausforderungen charakterisiert uns der Wille, der Mut und vor allem das K&ouml;nnen, experimentierend und phantasievoll zu handeln. Das ging ja so lange gut, wie wir die Folgen unseres Tuns in der Unmittelbarkeit des Lebens &uuml;berschauen konnten. Mit dem Sprachverm&ouml;gen entdeckten wir die geistreiche F&auml;higkeit, unser Handeln kommunikativ in ferne Zeiten und R&auml;ume zu versetzen. Dass wir dabei die gewohnte &Uuml;bersicht &uuml;ber die Folgen unseres Handelns verloren haben, fiel gar nicht auf, haben wir bis heute nicht zu beachten gelernt. <\/p><p>Die unterschiedlichsten Macht-Profit-Strukturen haben uns w&auml;hrend des allzumenschlich-unmenschlichen Geschichtsverlaufs in eine produktive geistige Enge getrieben,  den &Uuml;berlebensk&uuml;nstler zu einem Vollzugsbeamten ausgebildet, unser vielseitiges Erkennen und Handeln in die kunstvolle Intelligenz eines Spezialisten umgespult, der wundervolle Einzelleistungen vollbringen kann. Und statt von einer gemeinschaftlichen geistigen Wachheit wird unsere &Uuml;berlebensf&auml;higkeit von unterschiedlichsten engstirnigen Ideologien geleitet, und dies, um die Arroganz der Herrschaftssysteme zu stabilisieren; so wie jetzt.<\/p><p>Ein Kaiser-K&ouml;nig-Himmel-Reich, ein Imperium, Nationalstaat, USA, China, RU, usw. ist in all der jeweiligen  Komplexit&auml;t  nicht wahrzunehmen, nicht mal logisch vorstellend zu durchschauen. Ja, was f&uuml;r eine Wirklichkeit erkenne ich, wenn ich mir die EU vorstelle? Intuitiv suche ich nach einzelnen   Ausdr&uuml;cken, Begriffen, die meine Gesamtvorstellung von der EU repr&auml;sentieren k&ouml;nnten.  Intuitiv gehe ich davon aus, dass ich die EU als  eine zusammenh&auml;ngende Einheit erkennen kann; und dann fehlen mir doch die Worte. Also wei&szlig; ich, dass mein Wissen seine Grenzen wei&szlig;. Dass unser Wahrnehmen  nicht nur ein jeweiliges Objekt erfasst, sondern zugleich unser Reagieren und Interpretieren mitreflektiert, beachten wir kaum. Die n&auml;chste Entwicklungsstufe des menschlichen Geistes bahnt sich an: Das Zusammenh&auml;ngende erkennen lernen.<\/p><p>Die EU als eine Friedensinitiative pr&auml;gt mein Bild von der Union. Und das Hauptanliegen der Europ&auml;ischen Union: Frieden unter den eigenen Mitgliedern zu schaffen, wurde mit Bravour erf&uuml;llt. Im Friedensnobelpreis 2012 wurde der Jahrzehnte lange Einsatz f&uuml;r Frieden und Vers&ouml;hnung in Europa mit Recht gew&uuml;rdigt; welch ein Traum w&auml;re das f&uuml;r Afrika und andere politisch zerrissene und wirtschaftlich zerst&ouml;rte Kontinente! Lasst uns mehr transnationale Friedensinitiativen schaffen! <\/p><p>Statt die Idee von einer friedlichen Zusammenarbeit gemeinsam auf der Weltb&uuml;hne im respektvollen Dialog mit anderen Kulturen  kreativ weiterzuentwickeln, entdecken die europ&auml;ischen V&ouml;lker ihre vertrauten kolonialistischen und urnationalistischen Herrschaftsgel&uuml;ste. Zeitgem&auml;&szlig; will man nun in einer globalisierten Welt mit einer globalisierten Ideologie die Herrschaft der Werte des Westens durchsetzen: &bdquo;We can change the world&ldquo; singen sie und bejubeln den traditionellen Kolonialismus im abendl&auml;ndischen Gewand eines friedenbringenden Geistes.<\/p><p>Die logische Aufgabe der transnationalen Friedensinitiative EU w&auml;re gewesen, nach eigenen Erfolgen diese Idee weltweit in  die Tat umzusetzen! Als Friedensstifter hat sich die EU mit freundlicher Unterst&uuml;tzung der Bev&ouml;lkerung disqualifiziert. Und dies mit einem euphorisch unkritischen Enthusiasmus, als ob man darauf sehns&uuml;chtig gewartet h&auml;tte; grade das entsetzt mich zutiefst. <\/p><p>Welch ein friedliches Zusammenleben sich aus den weltweiten transnationalen Friedensinitiativen entwickeln k&ouml;nnte, hat der ber&uuml;hmte englische Philosoph John Lennon in seinem Werk &bdquo;Imagine&ldquo; voraus-gesungen: &bdquo;imagine there&rsquo;s no countries, it isn&rsquo;t hard to do&hellip;nothing to kill or die for, and no religion, too&hellip;imagine all the people, livin&rsquo; life in peace&hellip;I hope someday you&rsquo;ll join us, and the world will live as one&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: LeStudio \/shutterstock<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/125e8d61f4514ce4b691a8294d032655\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriege in Europa verhindern, indem man den tief verinnerlichten aggressiven Nationalismus der vormals verfeindeten Nationen in eine einvernehmliche Zusammenarbeit umwandelt; dieses kreative Lebenszeichen von empathischer Politik fand ausnahmsweise damals nach dem Zweiten Weltkrieg Zustimmung, wurde stetig bis heute weiterentwickelt und bleibt eine wesentliche Berechtigung der Europ&auml;ischen Union. 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