{"id":85100,"date":"2022-06-23T11:00:52","date_gmt":"2022-06-23T09:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85100"},"modified":"2022-06-24T07:16:26","modified_gmt":"2022-06-24T05:16:26","slug":"die-linke-vor-dem-parteitag-chronik-eines-untergangs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85100","title":{"rendered":"DIE LINKE vor dem Parteitag \u2013 Chronik eines Untergangs"},"content":{"rendered":"<p>Anfang des Jahres konnte man lesen, dass Gregor Gysi f&uuml;r einige Tage die Rolle <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/article234689867\/Wie-Gregor-Gysi-zum-Ensemble-der-Rocky-Horror-Show-kam.html\">des Erz&auml;hlers<\/a> im Musical &bdquo;Rocky Horror Show&ldquo; &uuml;bernehmen w&uuml;rde. Um eine Horror-Show zu erleben, musste man als der LINKEN zugeneigter B&uuml;rger in den vergangenen Jahren aber gewiss nicht das frivole Grusel-Musical von Richard O&rsquo;Brien besuchen &ndash; da reichte es, wenn man die Geschehnisse der Partei verfolgte: Das Festhalten an gescheiterten Strategien, der &ouml;ffentliche Streit und die um sich greifende politische Anpassung gaben kein gutes Bild ab. An diesem Wochenende nun findet in Erfurt der <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/partei\/parteidemokratie\/parteitag\/erfurter-parteitag-2022\/\">Bundesparteitag<\/a> der LINKEN statt, der vermutlich wegweisende Entscheidungen dar&uuml;ber treffen wird, ob diese Partei eine Zukunft haben wird oder nicht. In diesem ersten Teil wird skizziert, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Der zweite Teil besch&auml;ftigt sich mit der Frage, was vom anstehenden Parteitag zu erwarten ist. Von <strong>Robert Schiffmann<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1343\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85100-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220623_DIE_LINKE_vor_dem_Parteitag_Chronik_eines_Untergangs_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220623_DIE_LINKE_vor_dem_Parteitag_Chronik_eines_Untergangs_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220623_DIE_LINKE_vor_dem_Parteitag_Chronik_eines_Untergangs_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220623_DIE_LINKE_vor_dem_Parteitag_Chronik_eines_Untergangs_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85100-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220623_DIE_LINKE_vor_dem_Parteitag_Chronik_eines_Untergangs_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220623_DIE_LINKE_vor_dem_Parteitag_Chronik_eines_Untergangs_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Wahlergebnisse bei der Bundestagswahl 2021 (4,9%) sowie bei den Landtagswahlen (Schleswig-Holstein 1,7%, NRW 2,1 %) in diesem Jahr waren d&uuml;ster. Lediglich Gregor Gysi, Gesine L&ouml;tzsch und S&ouml;ren Pellmann und ihren gewonnenen Direktmandaten ist es zu verdanken, dass DIE LINKE &uuml;berhaupt noch im Bundestag sitzt. Doch nicht erst seit gestern schneidet DIE LINKE bei Wahlen immer schlechter ab. Sp&auml;testens seit der Europawahl 2019, bei der DIE LINKE nur noch 5,5% der Stimmen holte, steckt die Partei in einer veritablen Krise. Damals konzipierte der Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer J&ouml;rg Schindler eine Wahlkampagne, die ein <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/partei\/parteidemokratie\/parteivorstand\/2016-2018\/beschluesse\/detail\/wahlstrategie-fuer-die-europawahl-2019\/\">&bdquo;besonderes Augenmerk&ldquo;<\/a> auf die W&auml;hlerschaft der Gr&uuml;nen warf und die Kritik an der EU und ihrer Verfasstheit abschw&auml;chte. F&uuml;r diese neue Hauptzielgruppe hatten sich die damaligen Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger schon l&auml;nger stark gemacht. <\/p><p>Die besagte Europawahl-Kampagne konnte dabei nicht so richtig deutlich machen (bspw. durch harte Kritik an den Gr&uuml;nen), warum man DIE LINKE und eben nicht das gr&uuml;ne Original w&auml;hlen sollte. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2019-05\/ergebnis-europawahl-die-linke-linkspartei-katja-kipping-parteifuehrung?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F\">Sachlich &uuml;berzeugender Unmut<\/a> an dieser Ausrichtung wurde &uuml;berh&ouml;rt. Und so gingen auch die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg 2019 daneben. Nat&uuml;rlich: Der LINKEN sterben im Osten auch die alten PDS-W&auml;hler weg, aber der Absturz dort ist allein damit nicht zu erkl&auml;ren. In Sachsen halbierte sich DIE LINKE fast (18,9% im Jahr 2014, 10,4% im Jahr 2019). In Brandenburg ist der Absturz noch massiver: Erreichte die Partei 2009 noch &uuml;ber 27 Prozent, waren es zehn Jahre sp&auml;ter gerade noch 10,7 Prozent. Die letzte Umfrage aus 2022 f&uuml;r dieses Bundesland sieht DIE LINKE nur noch bei 7 Prozent! Neben der Strategie aus der Parteizentrale spielt hier nat&uuml;rlich auch der stark ausgepr&auml;gte politische Opportunismus weiter Teile der Ost-Realos der LINKEN eine Rolle, der die W&auml;hlerschaft frustriert zur&uuml;ckl&auml;sst.<\/p><p>Wenn man ehrlich ist, zeigte das Jahr 2019 bereits, dass die von Katja Kipping und Bernd Riexinger eingeleitete Strategie, sich haupts&auml;chlich auf die aktivistischen, akademischen Stadtbewohner zu fokussieren, zum Scheitern verurteilt ist. Sie funktioniert vielleicht in Gebieten wie Berlin-Kreuzberg oder im Hamburger Schanzenviertel. Doch f&uuml;r Fl&auml;chenl&auml;nder, Kleinst&auml;dte und sogar schon f&uuml;r die nicht angesagten Stadtteile der Gro&szlig;st&auml;dte ist sie ungeeignet. Dort leben aber erheblich mehr Menschen als in den Innenst&auml;dten. Und vor allem lebt dort der Gro&szlig;teil der Niedrigl&ouml;hner, der &bdquo;normalen&ldquo; Mittelschicht und der Rentner. Eigentlich ein Kernklientel von Parteien, die sich in der Tradition der Arbeiterbewegung sehen. Das Ergebnis dieser strategischen Verengung auf ein bestimmtes Milieu seitens der Parteif&uuml;hrung war auch bei der Bundestagswahl 2021 erkennbar: Da w&auml;hlten gerade mal noch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2021-09-26-BT-DE\/umfrage-werwas.shtml\">3 % der W&auml;hler ohne Abitur<\/a> DIE LINKE. Auch unter Arbeitern (5 %) ist man <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2021-09-26-BT-DE\/umfrage-job.shtml\">deutlich schw&auml;cher<\/a> als fr&uuml;her. Und das, obwohl &bdquo;Soziale Sicherheit&ldquo; f&uuml;r die W&auml;hler das <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2021-09-26-BT-DE\/umfrage-wahlentscheidend.shtml\">wichtigste Thema<\/a> war.<\/p><p>Der oft in Papieren bem&uuml;hte Ansatz der &bdquo;verbindenden Klassenpolitik&ldquo;, den Ex-Parteichef Riexinger eingef&uuml;hrt hat, scheint die sozialen Milieus nicht zu verbinden. Unbestritten sind politische Bewegungen wichtig, aber: Der Fokus auf Bewegungen und Aktivisten und deren Sprache, Lebensstil und Gedankenwelt ist weit weg von der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung. Ein Indiz daf&uuml;r ist, dass DIE LINKE in den vergangenen Jahren zwar tausende junge, neue aktivistische Mitglieder dazugewonnen hat, sie aber &ndash; wie beschrieben &ndash; bei den Wahlen nach unten gegangen ist. Das ist aber eben nur auf den ersten Blick paradox.<\/p><p>Was gerne ausgeblendet wird, ist, dass durch einen Fokus auf eher gr&uuml;ne W&auml;hler-Klientel DIE LINKE f&uuml;r andere, zahlenm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;ere Bev&ouml;lkerungsgruppen unattraktiver wird. Denn Die Gr&uuml;nen sind sowohl unter den Menschen mit geringen Einkommen oder unter solchen mit niedrigen Bildungsabschl&uuml;ssen <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/wahlverhalten-deutschland-muslime-arbeiter-links-rechts-gruen-ld.1637800\">nicht sehr beliebt<\/a>.<\/p><p>Au&szlig;erdem muss sich DIE LINKE ver&auml;ndern, um unter den Gr&uuml;nenw&auml;hlern &uuml;berhaupt erfolgreich zu sein. Ein paar aktuelle Beispiele: Laut einer aktuellen <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Mehrheit-weiter-fuer-Lieferung-schwerer-Waffen-article23413595.html\">Umfrage<\/a> sind die W&auml;hler der Gr&uuml;nen mit Abstand am vehementesten f&uuml;r die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine und sie machen sich gleichzeitig am wenigsten Sorgen &uuml;ber die Konsequenzen (bspw. Eskalation des Konflikts zu einem Weltkrieg). Auch sind die Gr&uuml;nenw&auml;hler am st&auml;rksten f&uuml;r ein <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Deutsche-mehrheitlich-fuer-Ol-Embargo-article23367850.html\">Embargo russischen &Ouml;ls<\/a>. Und nur bei Gr&uuml;nenw&auml;hlern gibt&rsquo;s zudem eine <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Grosse-Mehrheit-will-Sanktionen-gegen-Schroeder-article23353920.html\">Mehrheit f&uuml;r einen Importstopp von russischem Gas<\/a>. Selbstverst&auml;ndlich wird der Verzicht auf russische Energietr&auml;ger die Energiepreise und die gesamte Teuerung nochmals verst&auml;rken. Darunter leiden besonders &auml;rmere Mitb&uuml;rger. Auch viele tausende Jobs stehen dadurch auf der Kippe. Sanktionen dieser Art schaden hierzulande mehr als sie n&uuml;tzen und erf&uuml;llen auch nicht den Zweck, den russischen Krieg zu beenden. <\/p><p>Wer sich an der gr&uuml;nen W&auml;hlerklientel oder auch am <a href=\"https:\/\/fridaysforfuture.de\/gas-embargo-sinnvoll-richtig-dringend-notwendig\/\">politischen Kompass von Fridays for Future<\/a> orientiert und diese Kreise gewinnen will, der sollte dann aber so ehrlich sein und zugeben, dass man daf&uuml;r die friedenspolitischen Linien der LINKEN massiv wird aufweichen m&uuml;ssen. Und mit Klassenpolitik, die an den gemeinsamen (materiellen) Interessen der Mehrheit der Bev&ouml;lkerung ansetzt, hat so eine Ausrichtung absolut gar nichts zu tun. Es verwundert denn auch nicht, dass mehrere Bundestagsabgeordnete und Parteifunktion&auml;re der LINKEN einigerma&szlig;en schockiert dar&uuml;ber berichteten, dass sie auf Friedenskundgebungen anl&auml;sslich des Krieges Russlands in der Ukraine, vor allem von j&uuml;ngeren Leuten und Fridays-for-Future-Aktivisten daf&uuml;r ausgebuht wurden, als sie sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aussprachen. Die Geister, die ich rief&hellip;<\/p><p>Zur&uuml;ck zur Chronik des Niedergangs: Als Reaktion auf das Grummeln und den Unmut in der Partei 2019 rief die Parteif&uuml;hrung aus Kipping\/Riexinger eine sogenannte Strategiedebatte ins Leben, &bdquo;verga&szlig;&ldquo; dabei aber klare Fragestellungen und Ziele vorzugeben. Das Ergebnis fiel deswegen recht unbefriedigend aus, was aber nicht am mangelnden Engagement der Mitglieder lag: Hunderte schrieben ebenso viele schriftliche Texte mit vollkommen unterschiedlicher Struktur. Kaum jemand in der Partei d&uuml;rfte allerdings mehr als ein paar davon gelesen haben. Als Abschluss dieser &bdquo;Strategiedebatte&ldquo; wurde eine Konferenz anberaumt, die aus der Parteif&uuml;hrung <a href=\"https:\/\/strategiedebatte.die-linke.de\/start\/\">als gro&szlig;er Erfolg gefeiert<\/a> wurde. Erkennbar ver&auml;ndert hat sich durch diese &bdquo;Strategie&ldquo;-T&auml;tigkeiten nichts &ndash; es wirkte eher wie eine bewusste Selbstbesch&auml;ftigung der Partei, um Kritik in harmlose Bahnen zu lenken. <\/p><p>Eine aufrichtige Frage w&auml;re demnach: Wie ist es m&ouml;glich, dass nur eineinhalb Jahre nach einer vorgeblich sehr erfolgreichen Strategiekonferenz das bereits erw&auml;hnte Ergebnis von 4,9 Prozent eingefahren wurde? Wie erfolgreich kann eine Strategie sein, die zu diesen Resultaten f&uuml;hrt und die der Partei nun erneut Strategiediskussionen und einen Existenzkampf aufn&ouml;tigt? Zugegeben: Eine Teilerkl&auml;rung f&uuml;r das schlechte Bundestagswahlergebnis ist auch, dass es in diesen eineinhalb Jahren eine Pandemie gab, bei der weite Teil der LINKEN als Opposition ausfielen und sich am hypermoralischen und medialen Mainstream orientierten.<\/p><p>Nach dem Bundestagswahlergebnis im letzten Herbst dauerte es nicht lange, bis die Schuldige daf&uuml;r gefunden war: Sahra Wagenknecht. Ihr und ihrem Umfeld in der Bundestagsfraktion wurde u.a. vom Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer J&ouml;rg Schindler in einem ziemlich unterirdischen Text <a href=\"https:\/\/www.links-bewegt.de\/de\/article\/407.todesstrafe-auf-bew%C3%A4hrung.html\">vorgeworfen<\/a>, durch abweichende &ouml;ffentliche Wortmeldungen der Partei geschadet zu haben. Hinter diesen unterschiedlichen Wortmeldungen steckt jedoch keine Sabotage, sondern ganz einfach der Richtungsstreit der Partei. Das sogenannte Wagenknecht-Lager h&auml;lt zum einen klassisch linke Au&szlig;enpolitik hoch, wie sie im Erfurter Parteiprogramm der LINKEN verankert ist und wie sie bis in die 90er in den linkeren Teilen der SPD und unter vielen Gr&uuml;nen Usus war. Das st&ouml;rt aber dabei, die heutigen liberalen Gro&szlig;st&auml;dter zu erreichen und in rot-rot-gr&uuml;ne Regierungen einzutreten und soll deswegen &bdquo;wegmodernisiert&ldquo; werden. <\/p><p>Zum anderen geht es darum, dass Wagenknecht und andere tats&auml;chlich die breite Masse der Bev&ouml;lkerung ansprechen k&ouml;nnen und wollen. Die tickt aber eben anders als weite Teile der akademischen Gro&szlig;stadtb&uuml;rger und sorgt sich beispielsweise ernsthaft um steigende Energiepreise und &Ouml;lembargos. Hinter der viel beklagten Vielstimmigkeit der Partei, die f&uuml;r die schwachen Wahlergebnisse verantwortlich gemacht wird, stecken also unterschiedliche strategische Ausrichtungen und die Frage, f&uuml;r wen die Partei in erster Linie Politik machen m&ouml;chte. Mit den von Schindler vorgeschlagenen Positionskorridoren &ndash; also Maulk&ouml;rben f&uuml;r abweichende Meinungen &ndash; wird diese strategische Auseinandersetzung kaum zu l&ouml;sen sein. <\/p><p>Nachvollziehbar ist, dass sich wohl viele in der Partei gew&uuml;nscht h&auml;tten, dass Wagenknecht ihr letztes Buch &bdquo;Die Selbstgerechten&ldquo; erst nach der Bundestagswahl ver&ouml;ffentlicht h&auml;tte. Ihren im Gro&szlig;en und Ganzen zutreffenden Ausf&uuml;hrungen h&auml;tte das sicher keinen Abbruch getan. Wenn man die Art und Weise, wie Wagenknecht in den letzten Jahren angefeindet wurde, wie sachliche Einw&auml;nde von ihr skandalisiert wurden, verfolgt hat, kann man jedoch auch verstehen, dass sie hier keine R&uuml;cksicht genommen hat. Beispielhaft genannt sei hier nur kurz die Kontroverse um die Forderung nach &bdquo;offenen Grenzen f&uuml;r alle&ldquo; vom Kipping\/Riexinger-Umfeld. Einige Parteimitglieder wiesen das als unrealistisch zur&uuml;ck und pl&auml;dierten <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/download\/debatte\/einwanderungsgesetz\/2018-05-03_thesenpapier_linke_einwanderungspolitik.pdf\">sachlich f&uuml;r andere Losungen<\/a>. Nicht zuletzt auch, weil nur winzige Minderheiten in der Gesellschaft solche Grenzenlosigkeit goutieren. Die Vereinbarkeit solcher Hirngespinste mit einem klassenpolitischen Ansatz ist zudem h&ouml;chst fraglich. <\/p><p>Nachdem Wagenknecht und andere heftigste Anfeindungen ertragen mussten &ndash; sie wurden aus der Partei heraus u.a. als AfD-Light bezeichnet (hier die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=q9sdtBDiRnI\">treffende Reaktion<\/a> darauf) &ndash; konnte doch noch ein <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/220623_Kompromiss_PV-Fraktion_2018_final.pdf\">Kompromiss<\/a> gefunden werden. Darin einigten sich Wagenknecht, Ihr Ko-Fraktionschef Bartsch sowie Kipping und Riexinger im Sp&auml;tsommer 2018 auf eine Formulierung, die auf die Forderung nach &bdquo;offenen Grenzen f&uuml;r alle&ldquo; verzichtete. Damit h&auml;tte dieser Streitpunkt ein f&uuml;r alle Mal erledigt sein m&uuml;ssen. Doch nur wenige Monate sp&auml;ter lie&szlig;en Kipping und Riexinger diese Forderung wieder ins <a href=\"https:\/\/www.die-linke.de\/fileadmin\/download\/wahlen2019\/wahlprogramm_pdf\/Europawahlprogramm_2019_-_Partei_DIE_LINKE.pdf\">Europawahlprogramm<\/a> (auf Seite 40) der Partei schreiben. Wer solche Parteifreunde hat, braucht keine Feinde mehr. Und allein dieses Beispiel gen&uuml;gt, um zu verstehen, warum die Partei um ihre Fortexistenz bangen muss.<\/p><p>Titelbild: Die Linke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang des Jahres konnte man lesen, dass Gregor Gysi f&uuml;r einige Tage die Rolle <a href=\"https:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/article234689867\/Wie-Gregor-Gysi-zum-Ensemble-der-Rocky-Horror-Show-kam.html\">des Erz&auml;hlers<\/a> im Musical &bdquo;Rocky Horror Show&ldquo; &uuml;bernehmen w&uuml;rde. Um eine Horror-Show zu erleben, musste man als der LINKEN zugeneigter B&uuml;rger in den vergangenen Jahren aber gewiss nicht das frivole Grusel-Musical von Richard O&rsquo;Brien besuchen &ndash; da reichte es, wenn<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85100\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":85102,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,195],"tags":[1343,359,547,1473,632,255],"class_list":["post-85100","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-die-linke","tag-kipping-katja","tag-parteistroemungen","tag-parteitag","tag-riexinger-bernd","tag-wagenknecht-sahra","tag-wahlanalyse"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/220623_Website-Header-BPT2022_min.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85100"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85129,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85100\/revisions\/85129"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}