{"id":85208,"date":"2022-06-27T09:07:50","date_gmt":"2022-06-27T07:07:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85208"},"modified":"2022-06-28T11:29:00","modified_gmt":"2022-06-28T09:29:00","slug":"faktencheck-zu-unterrichtsmaterialen-der-bundeszentrale-fuer-politische-bildung-zum-ukraine-krieg-tendenzioese-sprache-und-nachweislich-falsche-fakten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85208","title":{"rendered":"Faktencheck zu Unterrichtsmaterialien der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung zum Ukraine-Krieg: Tendenzi\u00f6se Sprache und nachweislich falsche \u201eFakten\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Unter der Rubrik &bdquo;Lernen&ldquo; hat die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung (bpb) eine Brosch&uuml;re f&uuml;r Sch&uuml;ler zum Thema &bdquo;Krieg von Russland gegen die Ukraine&ldquo; herausgebracht. Die NachDenkSeiten haben sich dieses offizielle Lernmaterial f&uuml;r Schulen n&auml;her angeschaut und sind dabei auf zahlreiche Ungereimtheiten, gravierende Verk&uuml;rzungen sowie einseitige und teilweise explizit falsche Darstellungen gesto&szlig;en. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2398\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85208-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220627_Faktencheck_zu_Unterrichtsmaterialien_der_Bundeszentrale_fuer_politische_Bildung_zum_Ukraine_Krieg_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220627_Faktencheck_zu_Unterrichtsmaterialien_der_Bundeszentrale_fuer_politische_Bildung_zum_Ukraine_Krieg_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220627_Faktencheck_zu_Unterrichtsmaterialien_der_Bundeszentrale_fuer_politische_Bildung_zum_Ukraine_Krieg_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220627_Faktencheck_zu_Unterrichtsmaterialien_der_Bundeszentrale_fuer_politische_Bildung_zum_Ukraine_Krieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85208-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220627_Faktencheck_zu_Unterrichtsmaterialien_der_Bundeszentrale_fuer_politische_Bildung_zum_Ukraine_Krieg_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220627_Faktencheck_zu_Unterrichtsmaterialien_der_Bundeszentrale_fuer_politische_Bildung_zum_Ukraine_Krieg_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/materialien\/was-geht\/507419\/broschuere-zum-krieg-von-russland-gegen-die-ukraine\/\">Die vierseitige Brosch&uuml;re<\/a> &bdquo;Was geht?&ldquo; der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung wendet sich an Jugendliche und ist in mehrere Rubriken aufgeteilt:<\/p><ol>\n<li>Was ist bisher passiert?<\/li>\n<li>Was bedeutet der Krieg f&uuml;r Menschen in der Ukraine und Russland?<\/li>\n<li>Was sind die politischen Reaktionen auf den Krieg?<\/li>\n<li>Was hat der Krieg mit uns zu tun?<\/li>\n<li>Wie kann Frieden werden?<\/li>\n<\/ol><p>Der NDS-Faktencheck konzentriert sich auf die Hauptrubriken 1 und 2. Widmen wir uns zun&auml;chst der ersten Rubrik: &bdquo;Was ist bisher passiert?&ldquo;.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screenshot1.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screenshot1.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Schon der erste Satz der Rubrik wirft Fragen auf: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bis 1991 geh&ouml;rten Russland und die Ukraine zur Sowjetunion (UdSSR), die von den Russen dominiert wurde&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>Allein schon ein Blick auf die Herkunft der Parteichefs der Sowjetunion (SU) negiert diese Aussage in ihrer Absolutheit: <\/p><p>Von 1922 bis 1953 dominierte der geb&uuml;rtige Georgier Josef Stalin das politische Geschehen in der SU. Danach bis zu seinem Sturz 1964 war der m&auml;chtigste Politiker der UdSSR der aus der Ukraine stammende Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Ihm folgte als Generalsekret&auml;r der&nbsp;KPdSU von 1964 bis zu seinem Tod 1983 der ebenfalls aus der Ukraine (Kamjanske, Zentralukraine) stammende Leonid Iljitsch Breschnew. Breschnews Amt wurde in Folge von Juri Wladimirowitsch Andropow &uuml;bernommen, Andropow hatte wiederum j&uuml;disch-finnische Wurzeln und starb 1984. Von 1985 an lenkte Michail Sergejewitsch Gorbatschow die Geschicke des Landes. Gorbatschow wurde im Nordkaukasus als Sohn einer ukrainischen Mutter geboren. <\/p><p>Dann folgt auf dem Zeitstrahl der bpb ein Sprung auf die Jahre 2013 bis 2014. Dort hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Viele Ukrainer_innen demonstrieren fu&#776;r eine sta&#776;rkere Anna&#776;herung der Politik an die EU (Maidan-Proteste). Die russland-freundliche Regierung la&#776;sst die Proteste mit Gewalt niederschlagen. Die pro-europa&#776;ischen Kra&#776;fte setzen sich Anfang 2014 durch. Im Februar besetzen daraufhin russische Truppen vo&#776;lkerrechtswidrig die Halbinsel Krim im Su&#776;den der Ukraine. Pro-russisch eingestellte Ka&#776;mpfer_innen wollen die Loslo&#776;sung der Gebiete Luhansk und Donezk (Donbas-Gebiet) von der Ukraine erzwingen. Seit 2014 gibt es in der Ukraine pro-europa&#776;isch eingestellte Regierungen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese extrem verk&uuml;rzte Darstellung der Entwicklung ab 2013 ist in dieser Form zumindest als Lehrmaterial f&uuml;r Sch&uuml;ler nicht tragbar. Weder entspricht die Betitelung &bdquo;russland-freundliche Regierung&ldquo; dem sehr komplexen und oft extrem widerspr&uuml;chlichen Agieren der Regierung unter Wiktor Janukowytsch der Realit&auml;t noch die ebenso vereinfachende Darstellung der Niederschlagung der Maidan-Proteste. Ebenso fragw&uuml;rdig erscheint der nicht weiter kontextualisierte Satz &bdquo;Die pro-europa&#776;ischen Kra&#776;fte setzen sich Anfang 2014 durch.&ldquo; Kein einziger Satz, der auch nur andeutet, dass die Absetzung von Janukowytsch auf verfassungswidrigem Wege ohne die daf&uuml;r n&ouml;tige parlamentarische Mehrheit erfolgte, ergo die Definition eines institutionellen Putsches erf&uuml;llt. (In der zum damaligen Zeitpunkt g&uuml;ltigen ukrainischen Verfassung war eine Dreiviertelmehrheit aller Abgeordneten f&uuml;r das Amtsenthebungsverfahren vorgeschrieben.) Auch die nachweislich erfolgte massive finanzielle Einflussnahme von &auml;u&szlig;eren Akteuren, insbesondere der USA, wird komplett verschwiegen. Selbst die b&uuml;rgerlich-transatlantisch ausgerichtete ZEIT <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2015\/20\/ukraine-usa-maidan-finanzierung\/seite-2\">titelte<\/a> 2015, &bdquo;Haben die USA den Maidan gekauft?&ldquo;, und schrieb dann:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Von f&uuml;nf Milliarden Dollar an die Ukraine sprach die amerikanische Staatssekret&auml;rin f&uuml;r Au&szlig;enpolitik, Victoria Nuland, in einem Gespr&auml;ch mit dem amerikanischen Botschafter in Kiew am 28. Januar 2014. Das war wenige Wochen bevor Viktor Janukowitsch, der mittlerweile zum Pr&auml;sidenten der Ukraine aufgestiegen war, aus dem Amt floh. Nuland sprach au&szlig;erdem dar&uuml;ber, wer aus der Opposition in die Regierung wechseln sollte, ganz so, als k&ouml;nnte sie das beeinflussen. All das kam heraus, weil das Gespr&auml;ch abgeh&ouml;rt wurde und offenbar vom ukrainischen Geheimdienst, loyal zu Janukowitsch, ver&ouml;ffentlicht wurde.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Sich mit f&uuml;nf Milliarden US-Dollar in die inneren Angelegenheiten eines Landes einzumischen, dessen <a href=\"https:\/\/www.kmu.gov.ua\/en\/news\/246982211\">Gesamtbudget 2014<\/a> nicht mehr als 35 Milliarden US-Dollar umfasste (392.6&nbsp;Milliarden Hryvnia), w&auml;re doch eigentlich eine Erw&auml;hnung in der bpb-Brosch&uuml;re wert.<\/p><p>Angesichts der Tatsache, dass diese Brosch&uuml;re als Unterrichts- und Aufkl&auml;rungsmaterial beworben wird, muss man auch die Betitelung als &bdquo;proeurop&auml;isch&ldquo; versus &bdquo;prorussisch&ldquo; hinterfragen. In Europa gibt es weit mehr als die 27 Staaten und 500 Millionen Einwohner der EU, die eigentlich gemeint ist. Die Gesamteinwohnerzahl Europas betr&auml;gt &uuml;ber 800 Millionen, verteilt auf 47 Staaten. Mit dieser Einteilung Europa versus Russland widerspricht die Brosch&uuml;re zugleich anderen Ver&ouml;ffentlichungen der bpb. Auf den von der Bundeszentrale vertriebenen <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/materialien\/karten\/34305\/staaten-europas\/\">Welt- und Europakarten<\/a> wird als gr&ouml;&szlig;te Stadt Europas Moskau genannt und auch der l&auml;ngste Fluss Europas ist mit &uuml;ber 3.600 Kilometern laut der bpb die Wolga, deren Verlauf sich von Quelle bis M&uuml;ndung ausschlie&szlig;lich auf russischem Territorium erstreckt. <\/p><p>Michael Klundt <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/428995.propaganda-zentrale-f%C3%BCr-politische-blendung.html\">formuliert<\/a> es treffend in einem Beitrag f&uuml;r die junge Welt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer\/wie\/was auch immer der wohl wichtigste Bewohner des Kreml ist: Er steht morgens in Europa auf und geht abends in Europa ins Bett.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Gleichsetzung von Europa mit der EU bei gleichzeitig explizitem sprachlichen Ausschluss Russlands vom europ&auml;ischen Kontinent kann man vielleicht einem Feuilleton-Beitrag von Springers Welt durchgehen lassen, aber nicht der Brosch&uuml;re einer staatlichen Institution, die deutschlandweit Sch&uuml;lern und Lehrern zur politischen Bildung dienen soll. Statt mit sachlicher, faktenbasierter Information dem Aufkl&auml;rungsauftrag nachzukommen, gerade in Krisenzeiten, wird dem derzeit laufenden Feindbildaufbau damit sogar noch Vorschub geleistet. Das ist aus gesellschaftlicher wie p&auml;dagogischer Perspektive betrachtet unverantwortlich. <\/p><p>Ebenso problematisch erscheint die extrem einseitige Darstellung von &bdquo;pro-russisch eingestellten Ka&#776;mpfer_innen&ldquo;, die die &bdquo;Loslo&#776;sung der Gebiete Luhansk und Donezk&ldquo; erzwingen wollen. Kein einziger Satz der Erl&auml;uterung, was die Hintergr&uuml;nde f&uuml;r diese Entwicklung waren: Wie etwa die Tatsache, dass als eine der allerersten und sehr symboltr&auml;chtigen Amtshandlungen der neuen &bdquo;proeurop&auml;ischen Regierung&ldquo; ein Gesetzesentwurf zum Verbot von Russisch als offizielle regionale Amtssprache vorgelegt wurde, bei einer Donbass-Bev&ouml;lkerung, die mehrheitlich Russisch als Muttersprache sprach und spricht.<\/p><p>Dann folgt ein Sprung zum Jahr 2021. Dass 2014 das sogenannte Minsker Abkommen unterzeichnet wurde, mit Deutschland als Garantiemacht, hat Sch&uuml;ler in der Bundesrepublik wohl nach Ansicht der bpb nicht zu interessieren. Dann m&uuml;sste man ja auch darlegen, dass die Regierung in Kiew sich von Anfang an geweigert hatte, dieses von ihr unterzeichnete und v&ouml;lkerrechtlich verbindliche Abkommen, welches zum Beispiel einen sofortigen Dialog &uuml;ber die Modalit&auml;ten der Durchf&uuml;hrung regionaler Wahlen sowie die Etablierung einer lokalen Selbstverwaltung der Oblaste Donezk und Lugansk vorsah, umzusetzen. <\/p><p>Dann geht es auf dem Zeitstrahl der Brosch&uuml;re zum Jahr 2022: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Am 21. Februar erkennt der russische Pra&#776;sident Wladimir Putin die russisch kontrollierten Gebiete im Donbas, Donezk und Luhansk, vo&#776;lkerrechtswidrig als selbststa&#776;ndige Staaten an.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zumindest der Teil &bdquo;die russisch kontrollierten Gebiete im Donbas&ldquo; steht in dieser sprachlichen Eindeutigkeit im Widerspruch zum Erkenntnisstand des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages und der Bundesregierung. In einem <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/672712\/2a08c849f9d72846dab01a017ac40ce2\/WD-2-137-19-pdf-data.pdf\">Bundestagsgutachten von September 2019<\/a> hei&szlig;t es dazu: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Donbass\/Donezbecken. Der Territorialkonflikt weist klassische Zu&#776;ge eines nichtinternationalen (internen) bewaffneten Konflikts auf. U&#776;ber Umfang, Qualita&#776;t und Ausma&szlig; der milita&#776;rischen Involvierung Russlands im Ukraine-Konflikt gibt es neben wenigen belastbaren Fakten und Analysen vor allem zahlreiche Spekulationen, zum Teil widerspru&#776;chliche Berichte und Pressemeldungen, verschiedene Dementi aber insgesamt kein eindeutiges Lagebild. Auch der Bundesregierung liegen nach eigenen Angaben offenbar  keine belastbaren Erkenntnisse vor. Wieviel Einfluss Russland heute auf die Separatisten in der Ostukraine tatsa&#776;chlich ausu&#776;bt, la&#776;sst sich daher kaum verla&#776;sslich ausmachen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Auch hier muss man erneut sagen, dass es im Rahmen von Lehrmaterial f&uuml;r Sch&uuml;ler untragbar ist, dass die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung im Indikativ und ohne jede Relativierung davon spricht, dass Russland die Donbass-Republiken kontrolliert, obwohl sowohl der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages wie auch die Bundesregierung einr&auml;umen, dass sie &uuml;ber keinerlei belastbare Erkenntnisse zu dieser behaupteten &bdquo;Kontrolle&ldquo; der Russischen F&ouml;deration verf&uuml;gen. <\/p><p>Die erste Rubrik, &bdquo;Was ist bisher passiert?&ldquo;, schlie&szlig;t dann mit dem Satz: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Am 24. Februar marschieren russische Truppen von Norden, Su&#776;den und Westen in die Ukraine ein.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Darstellung ist mindestens verwunderlich. Laut Darstellung der bpb sollen russische Truppen also angeblich vom Westen in die Ukraine einmarschiert sein, nicht aber von Osten kommend. Jetzt ist es im klassischen geografischen Verst&auml;ndnis bisher eigentlich &uuml;blich gewesen, im Westen der Ukraine Polen, die Slowakei, Ungarn und Rum&auml;nien zu verorten, im Norden Belarus und im Osten Russland. <\/p><p>In keiner auch nur halbwegs seri&ouml;sen Quelle ist von einem russischen Einmarsch westlich der Ukraine die Rede gewesen. Beispielhaft sei auf diese Karte des britischen Verteidigungsministeriums zum 24. Februar verwiesen. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screenshot2.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screenshot2.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Es gibt keinen einzigen Hinweis auf vom Westen her einr&uuml;ckende russische Truppen, daf&uuml;r aber sehr wohl aus &ouml;stlicher Richtung. W&auml;ren tats&auml;chlich, wie von der Bundeszentrale in diesem Lehrmaterial behauptet, russische Truppen vom Westen in die Ukraine einmarschiert, dann h&auml;tten wir umgehend den NATO-B&uuml;ndnisfall gehabt, denn im Westen der Ukraine liegen, wie schon dargelegt, ausschlie&szlig;lich NATO-Staaten. Vermutlich bezieht sich das Lehrmaterial der bpb darauf, dass Einheiten aus den westlichen russischen Milit&auml;rbezirken zum Einsatz kamen, dies sollte sie dann aber auch explizit so benennen. Aber der alleinstehende Satz in der Brosch&uuml;re &bdquo;Am 24. Februar marschieren russische Truppen (&hellip;) von Westen in die Ukraine ein&ldquo;, ist in dieser Form einfach falsch. <\/p><p>Die n&auml;chste Seite steht unter der &Uuml;berschrift: &bdquo;Was bedeutet der Krieg f&uuml;r Menschen in der Ukraine und Russland?&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen3.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen3.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Wie man auf der Darstellung sehen kann, wird &bdquo;Zensur und Propaganda&ldquo; in Russland dem &bdquo;Schutz vor Angriffen&ldquo; in der Ukraine gegen&uuml;bergestellt. Zensur und Propaganda gibt es laut der Brosch&uuml;re der bpb ausschlie&szlig;lich in Russland. Dass in der Ukraine die Medien im Zuge des verh&auml;ngten Kriegsrechts komplett gleichgeschaltet wurden und dass de facto alle relevanten Oppositionsparteien und oppositionsnahen TV-Sender vom ukrainischen Pr&auml;sidenten <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/politik\/ausland\/ukraine-krieg-selenskyj-verbietet-elf-parteien-mit-russland-verbindungen-die-arbeit_aid-67317457\">verboten wurden<\/a> (ein Gro&szlig;teil zudem <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/international\/pressefreiheit-selenskyj-verbietet-zwei-oppositionssender-in-der-ukraine-\/27933872.html\">bereits 2021<\/a>, also lange vor der Invasion), sollen Sch&uuml;ler in der Bundesrepublik anscheinend nicht erfahren. Man fragt sich, mit welcher Motivation ausgerechnet in einer Brosch&uuml;re, die neutral und sachlich zum Ukraine-Krieg und dessen Vorlauf informieren soll, auf diese Information verzichtet wurde. Was h&auml;tte dagegengesprochen, die realen Zensurma&szlig;nahmen im Zuge des Krieges in Russland und der Ukraine gegen&uuml;berzustellen? Stattdessen wird den Sch&uuml;lern ein idealisiertes Bild von der Ukraine vermittelt. Ein Bild zudem, dass jeder Sch&uuml;ler mit f&uuml;nf Minuten Rechercheleistung selbst hinterfragen kann. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen4.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen4.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Dieses Vorgehen der bpb ist p&auml;dagogisch h&ouml;chst fragw&uuml;rdig und zudem kontraproduktiv f&uuml;r die eigene Reputation dieser Institution der politischen Bildung in Deutschland. <\/p><p>Weiter geht es in dieser Rubrik mit dem Unterkapitel &bdquo;Wirkung der Sanktionen&ldquo;. Dort f&auml;llt ein Satz, der ebenfalls Verwunderung hervorruft:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die westlichen Staaten haben wirtschaftliche und finanzielle Strafen (Sanktionen) gegen Russland verha&#776;ngt, deren Folgen die Menschen in Russland bereits spu&#776;ren. Der Wert der russischen Wa&#776;hrung (Rubel) ist gesunken.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen5.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen5.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Auf der Website der bpb wird als <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/materialien\/was-geht\/507419\/broschuere-zum-krieg-von-russland-gegen-die-ukraine\/\">Ver&ouml;ffentlichungsdatum<\/a> f&uuml;r die Brosch&uuml;re der 29. April genannt. Die URL zur digitalen Version der Brosch&uuml;re ist mit einem <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/system\/files\/dokument_pdf\/Bpb_Ukraine-Krieg_220603_UA_Doppelseiten.pdf\">Datumsvermerk<\/a> versehen, dieser verweist auf den 03.06.2022. <\/p><p>Zwar ist unmittelbar nach den Sanktionen die russische W&auml;hrung tats&auml;chlich massiv im Wert gesunken, doch zum Zeitpunkt der Ver&ouml;ffentlichung der Brosch&uuml;re war der Rubel schon l&auml;ngst wieder auf den <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/finanzen\/rubel-russland-sanktionen-101.html\">Wert des Vorkriegsniveaus gestiegen<\/a>. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen6.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220627_Faktencheck-Unterrichtsmaterialen-Screen6.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die im Pr&auml;sens formulierte Aussage in der Brosch&uuml;re, dass Menschen in Russland die Auswirkungen der westlichen Sanktionen bereits sp&uuml;ren w&uuml;rden, denn &bdquo;der Wert der russischen W&auml;hrung ist gesunken&ldquo;, ist in dem Kontext und zu dem Zeitpunkt folglich nachweislich nicht korrekt. <\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> Die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung als Bundesanstalt im Gesch&auml;ftsbereich des Bundesinnenministeriums hat nach <a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/behoerden\/DE\/bpb.html\">eigener Darstellung<\/a> die Aufgabe, &bdquo;Verst&auml;ndnis f&uuml;r politische Sachverhalte zu f&ouml;rdern und das demokratische Bewusstsein zu festigen&ldquo;, und soll in Folge &bdquo;motivieren und bef&auml;higen, sich kritisch mit politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinander zu setzen&ldquo;. Weiter hei&szlig;t es: &bdquo;Interessierte B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger k&ouml;nnen sich bei der BpB also umfassend informieren.&ldquo;<\/p><p>Zumindest bei der hier analysierten &bdquo;bildungspolitischen&ldquo; Brosch&uuml;re zum Ukraine-Krieg mit Fokus auf jugendliche Sch&uuml;ler wird keine einzige der formulierten Aufgaben und Anspr&uuml;che erf&uuml;llt. Die Bundeszentrale sollte, wenn sie ihren Auftrag wirklich ernst nimmt, diese Brosch&uuml;re umfassend &uuml;berarbeiten. Die in der Brosch&uuml;re genannte &bdquo;wissenschaftliche Begutachtung&ldquo; durch <a href=\"https:\/\/zzf-potsdam.de\/de\/mitarbeiter\/jan-c-behrends\">Prof. Dr. Jan C. Behrends<\/a> muss in Folge ebenfalls als mangelhaft bewertet werden. <\/p><p>Zum Abschluss noch eine Frage an unsere Leserschaft: Teilen Sie die Einsch&auml;tzung und Analyse der bpb-Brosch&uuml;re durch die NachDenkSeiten oder gibt es Punkte, von denen Sie sagen w&uuml;rden, dass ist zu kleinlich oder nicht gerechtfertigte Kritik an dem Bildungsmaterial? Schreiben Sie uns gerne an <a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe@nachdenkseiten.de<\/a>. <\/p><p>Titelbild: Screenshot von bpb.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der Rubrik &bdquo;Lernen&ldquo; hat die Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung (bpb) eine Brosch&uuml;re f&uuml;r Sch&uuml;ler zum Thema &bdquo;Krieg von Russland gegen die Ukraine&ldquo; herausgebracht. Die NachDenkSeiten haben sich dieses offizielle Lernmaterial f&uuml;r Schulen n&auml;her angeschaut und sind dabei auf zahlreiche Ungereimtheiten, gravierende Verk&uuml;rzungen sowie einseitige und teilweise explizit falsche Darstellungen gesto&szlig;en. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85208\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":85222,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,171,11],"tags":[1616,3004,2005,3238,663,1418,259,260,1085,220],"class_list":["post-85208","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bundeszentralelandeszentrale-fuer-politische-bildung","tag-donbass","tag-fake-news","tag-faktencheck-der-faktenchecker","tag-putsch","tag-regime-change","tag-russland","tag-ukraine","tag-wechselkurse","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/dpb-screenshot.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85208"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85208\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85260,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85208\/revisions\/85260"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}