{"id":8523,"date":"2011-03-01T13:28:13","date_gmt":"2011-03-01T12:28:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8523"},"modified":"2014-08-11T11:00:15","modified_gmt":"2014-08-11T09:00:15","slug":"guttenbergs-unaufrichtiger-ruecktritt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8523","title":{"rendered":"Guttenbergs unaufrichtiger R\u00fccktritt"},"content":{"rendered":"<p>Der heute vollzogene R&uuml;cktritt von Verteidigungsminister zu Guttenberg war &uuml;berf&auml;llig und richtig. Die Art und Weise, in der Karl-Theodor zu Guttenberg seinen R&uuml;cktritt vollzogen hat, ist jedoch sch&auml;big. Selbst in seiner bittersten Stunde bleibt Guttenberg sich selbst treu und best&auml;tigt seine Kritiker in ihren Vorw&uuml;rfen. Von Einsicht, Demut oder gar Selbstkritik war in seiner R&uuml;cktrittsrede keine Spur. Stattdessen stellte sich zu Guttenberg einerseits als Opfer der Medien und andererseits als tapferer Dienstherr, der sich vor seine Soldaten stellt, dar. Dabei hat es den Anschein, als ob zu Guttenberg sogar selbst glaubt, was er da sagt. Er ist aber kein Opfer, sondern ein T&auml;ter. Er sch&uuml;tzt mit seinem R&uuml;cktritt die Soldaten nur vor seinen eigenen Verfehlungen. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Wie passt es zusammen, wenn ein Verteidigungsminister, der in seinen &bdquo;Glanzzeiten&ldquo; mit seiner Frau und dem &bdquo;Hofberichterstatter&ldquo; Johannes B. Kerner nach Afghanistan fliegt, um dort PR-Arbeit in eigener Sache zu machen, sich nun dar&uuml;ber beschwert, dass die Medien seiner Person mehr Beachtung schenken, als den &bdquo;toten Soldaten in Afghanistan&ldquo;? Guttenberg nannte dies in seiner R&uuml;cktrittsrede eine &bdquo;dramatische Verschiebung [&hellip;] auf dem R&uuml;cken der Soldaten&ldquo;. In seiner Parallelwirklichkeit ist zu Guttenberg auch nur deshalb so sp&auml;t zur&uuml;ckgetreten, weil es f&uuml;r ihn &bdquo;gerade eine Frage des Anstandes&ldquo; gewesen sei, &bdquo;zun&auml;chst die drei gefallenen Soldaten mit W&uuml;rde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten &uuml;ber [seine] Person &uuml;berlagern zu lassen.&ldquo;<\/p><p>Wo war Guttenbergs Anstand, als es um die plagiierten Autoren ging? Wo war sein Anstand, als es um seinen &ndash; sicher zu gutgl&auml;ubigen &ndash; Doktorvater ging? Hat der Baron nicht dadurch, dass er, der die mediale Debatte durch seine arroganten und dilettantischen  Versuche, die Aff&auml;re auszusitzen, erst richtig befeuerte, nicht vielmehr die &bdquo;W&uuml;rde der gefallenen Soldaten&ldquo; besch&auml;digt? Solche Fragen stellen sich f&uuml;r zu Guttenberg offenbar nicht, denn in seiner Welt ist nur er selbst Opfer. Alle anderen Menschen, die er get&auml;uscht hat und denen er Leid zuf&uuml;gt hat, sind f&uuml;r ihn nur &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; seiner Eitelkeit. <\/p><p>Seine Inszenierung als Opfer setzte zu Guttenberg auch fort, als er die Berichterstattung der Medien anprangerte. &bdquo;Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person [&hellip;] aber auch die Qualit&auml;t der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie&ldquo;, so zu Guttenberg. Was f&uuml;r ein seltsames Bild von den Medien in diesen Worten durchschimmert. Wer es nicht besser wei&szlig;, k&ouml;nnte glatt den Eindruck bekommen, als h&auml;tten die Medien aus einer Petitesse einen Skandal gemacht und damit dem aufrichtigen Politiker und vor allem &ndash; so etwas darf in solchen Reden nie fehlen &ndash; seiner Familie Schaden zugef&uuml;gt. <\/p><p>Der T&auml;ter, der nach Ansicht der wissenschaftlichen Community betrogen hat, stilisiert sich zum Opfer. Doch Karl-Theodor zu Guttenberg ist kein Opfer der Medien; er ist vielmehr ein Opfer seiner selbst, ein Opfer seiner Realit&auml;tsverdr&auml;ngung. Egal wie man es dreht &ndash; Guttenberg hat bei seiner Dissertation betrogen, entweder selbst oder durch den Einsatz eines Ghostwriters. Er hat auch die &Ouml;ffentlichkeit betrogen, als er in der letzten Woche die Vorw&uuml;rfe kleinredete und seinen Betrug als eine Art liebensw&uuml;rdige Eselei darstellte. Wer sich selbst in diesem Kontext als Opfer darstellt, hat nicht verstanden, dass er selbst eklatant gegen Regeln und gegen den Anstand versto&szlig;en hat. In der Rechtsprechung gibt es den Begriff &bdquo;t&auml;tige Reue&ldquo;. Von jeder Form von Reue ist bei zu Guttenberg jedoch nichts zu sp&uuml;ren. Er lebt in seiner eigenen Parallelwelt, in der er selbst ein tragischer Held und seine Kritiker die eigentlichen T&auml;ter sind.<\/p><p>Von Anfang an war es seine Krisenstrategie, die Aff&auml;re, wenn m&ouml;glich, auszusitzen und als &bdquo;linke Schmutzkampagne&ldquo; zu verkaufen. Die Medien &ndash; so sein Kalk&uuml;l &ndash; w&uuml;rden nach wenigen Tagen die n&auml;chste Sau durchs Dorf treiben und der &ouml;ffentliche Diskurs w&uuml;rde dann schon abebben. Doch zum Gl&uuml;ck haben die alternativen und danach auch klassischen Medien in dieser Aff&auml;re nicht versagt. Das mag freilich auch an der gigantischen Fallh&ouml;he der selbst inszenierten Lichtgestalt zu Guttenberg liegen. Erst als offenbar wurde, dass sowohl die Medien als auch die zivilgesellschaftlichen Kr&auml;fte die Causa Guttenberg nicht ad acta legen w&uuml;rden und auch innerhalb der Unionsparteien der erste Gegenwind aufkam, musste dem Baron klar geworden sein, dass sein Vabanquespiel nicht aufgehen konnte. <\/p><p>&bdquo;Ich war immer bereit zu k&auml;mpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kr&auml;fte erreicht&ldquo;, so zu Guttenberg in seiner R&uuml;cktrittsrede. Guttenberg setzte alles auf die Karte &bdquo;Aussitzen&ldquo; und verlor. Da er aber nur noch alleine mit der BILD-Zeitung im Bunker sa&szlig; und die kritischen Einschl&auml;ge immer n&auml;her kamen, blieb ihm nur noch die Kapitulation. <\/p><p>Wer so wenig Einsicht in sein pers&ouml;nliches Fehlverhalten zeigt, hat sich auch eine &bdquo;zweite Chance&ldquo; verbaut. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heute vollzogene R&uuml;cktritt von Verteidigungsminister zu Guttenberg war &uuml;berf&auml;llig und richtig. Die Art und Weise, in der Karl-Theodor zu Guttenberg seinen R&uuml;cktritt vollzogen hat, ist jedoch sch&auml;big. Selbst in seiner bittersten Stunde bleibt Guttenberg sich selbst treu und best&auml;tigt seine Kritiker in ihren Vorw&uuml;rfen. 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