{"id":85245,"date":"2022-06-28T09:00:08","date_gmt":"2022-06-28T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85245"},"modified":"2022-06-28T12:56:49","modified_gmt":"2022-06-28T10:56:49","slug":"es-pressiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85245","title":{"rendered":"Es pressiert \u2026"},"content":{"rendered":"<p>&hellip; sagt man in Bayern, wenn etwas schnell gehen soll, eilig, dringend ist. Im Leben und auch im Zusammenleben &ouml;ffnet sich manchmal ganz von selbst ein Zeitfenster. In diesem ge&ouml;ffneten Zeitfenster ist dann etwas m&ouml;glich, etwas machbar, aber eben nur f&uuml;r eine gewisse Zeit. Dann schlie&szlig;t sich das Zeitfenster wieder und man gr&auml;mt sich einmal mehr wegen einer verpassten Gelegenheit. Von<strong> Michael Fitz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7149\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85245-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220628-Es-pressiert-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220628-Es-pressiert-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220628-Es-pressiert-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220628-Es-pressiert-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85245-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220628-Es-pressiert-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220628-Es-pressiert-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In der Ukraine tun russische Soldaten das, was ganz offensichtlich ihre Aufgabe ist. Sie schaffen Fakten. Das klingt, bezogen auf einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg, in dem t&auml;glich Menschen sterben, zivile oder milit&auml;rische Opfer zu beklagen sind, dem m&ouml;glichst rasch mittels Verhandlungen ein Ende gesetzt werden muss, vielleicht zynisch, aber es ist so. Es wird nicht mehr lange dauern und Putin wird sein prim&auml;res Kriegsziel, n&auml;mlich die vollst&auml;ndige Besetzung des Donbass und einen Land-Zugang zur Krim zu schaffen, erreicht haben.<\/p><p>Je n&auml;her dieses Ziel r&uuml;ckt, umso weniger Verhandlungsmasse gibt es f&uuml;r die ukrainische F&uuml;hrung. Von Seiten Russlands und mit Hilfe der Luft&uuml;berlegenheit wird man daf&uuml;r sorgen, dass alles, was an westlichen Waffen in die Ukraine geliefert wird, bereits unbrauchbar ist, bevor es zu dem Zweck genutzt werden kann, f&uuml;r den es gedacht ist.<\/p><p>Offenbar sind deshalb auch schon russische Einheiten auf dem Gebiet vom benachbarten Wei&szlig;russland zugange, um von dort aus die Nachschubwege aus dem Westen der Ukraine zu behindern. Je n&auml;her das Erreichen eines Kriegszieles f&uuml;r eine Partei r&uuml;ckt, umso mehr schlie&szlig;t sich das Fenster f&uuml;r Verhandlungen, insbesondere f&uuml;r die Seite, f&uuml;r die das &uuml;berlebensnotwendig w&auml;re. Putin wei&szlig; mit Sicherheit sehr genau, dass die EU mit ihrer Sanktionspolitik bestenfalls sich selbst und ihrer eigenen Wirtschaft schadet. Das d&uuml;rfte ihm, nach all dem, was ihm in den letzten Monaten der Chor der vor allem westlichen Entr&uuml;steten vorgeworfen oder angedichtet hat, inzwischen ziemlich egal sein. Er ist, auch was diesen Krieg betrifft, eben kein Schaumschl&auml;ger, sondern einer, der tut, was er ank&uuml;ndigt, dem man eigentlich nur gut h&auml;tte zuh&ouml;ren m&uuml;ssen, um zu erfahren, welcher Gestalt seine Absichten und welcher Art seine Ziele sind. <\/p><p>Wie sagte Klaus v. Dohnanyi so sch&ouml;n: &bdquo;Man muss seinen Gegner verstehen&ldquo;. Putins Ziele waren nie ein Geheimnis. Den russischsprachigen Donbass hat er als eigenst&auml;ndigen Staat anerkannt und will ihn aus der Ukraine herausl&ouml;sen und damit einen seit 2014 tobenden Krieg der ukrainischen F&uuml;hrung, vor allem der nationalistischen Kr&auml;fte, gegen die eigene russisch-st&auml;mmige Bev&ouml;lkerung im Donbass beenden. Und er wollte eine Landverbindung zur mehrheitlich russischsprachigen Krim. So wie es aussieht, hat er diese Kriegsziele mehr oder weniger bereits erreicht. <\/p><p>Das Fenster, noch gesichtswahrend aus diesem Konflikt herauszukommen, beginnt sich gerade f&uuml;r Selenskyj und seine Mannschaft zu schlie&szlig;en. Selbst die Falken in Washington, insbesondere im Pentagon, wissen das und manche raunen inzwischen h&ouml;rbar, dass dieser Krieg f&uuml;r die Ukraine nicht zu gewinnen ist. <\/p><p>Niemand in Washington und niemand in Moskau will diesen Konflikt ausweiten und m&ouml;glicherweise zum Nato-B&uuml;ndnisfall machen. Das Gerede vom Neo-Imperialisten und &bdquo;M&ouml;chtegern-Zar&ldquo; Putin, der als n&auml;chstes irgendein anderes Nachbarland &uuml;berfallen wird, kann man getrost als haltlose Propaganda abhaken. So dumm und durchgeknallt ist der Mann nicht. <\/p><p>In Berlin ist diese Erkenntnis nur leider noch nicht angekommen. Hier ist man immer noch der Meinung, dass man Selenskyj nur genug Waffen liefern muss, und dann w&uuml;rden die tapferen Ukrainer bis zum letzten Mann und der letzten Frau k&auml;mpfen, um die Russen niederzuringen, w&auml;hrend die mit der Ukraine ach so solidarische EU Putin mit mannigfachen Sanktionen so weit schw&auml;cht, dass er irgendwann wie von selbst seine Armee aus der Ukraine zur&uuml;ckzieht. Dann wird man gemeinsam und feierlich die Ukraine als neues EU-Mitglied, mit allen Konsequenzen, nat&uuml;rlich auch einer Nato-Mitgliedschaft, in die westliche Wertewelt integrieren, soweit das Narrativ bzw. die Vorstellung unserer gr&uuml;nen Chef-Diplomatin und einiger anderer Mitglieder der Ampel-Koalition.<\/p><p>Es ist jetzt schon deutlich sichtbar, dass das nicht funktionieren wird. Wer das jetzt noch glaubt, ist wom&ouml;glich naiv. Auch hier schlie&szlig;t sich gerade das Fenster f&uuml;r insbesondere Deutschland, aber auch alle anderen ehemaligen europ&auml;ischen Handelspartner Russlands, vor allem Bezieher von russischem Gas und &Ouml;l, vielleicht doch noch eine brauchbare, nicht gegen, sondern gemeinsam mit den Russen erarbeitete L&ouml;sung zu finden, um nicht im eigenen Land soziale Unruhen und eine Demontage der eigenen Wirtschaft zu erleben. Das gilt vor allem f&uuml;r den Mittelstand, der in Deutschland ja bekanntlich die Hauptlast des Steueraufkommens tr&auml;gt. <\/p><p>Wie h&ouml;rte man neulich sogar im Deutschlandfunk: &Uuml;ber Nord Stream 1 und 2 lie&szlig;e sich ganz Europa mit vergleichsweise g&uuml;nstigem, russischem Gas und &uuml;ber die Land-Pipeline nach Schwedt mit ebensolchem &Ouml;l versorgen. Man m&uuml;sste nur verhandeln, anstatt sich weiterhin in markiger Kriegs-Rhetorik, a la &bdquo;wir werden Russland vernichten&ldquo;, zu &uuml;ben, &uuml;ber allerlei absurde und in h&ouml;chstem Ma&szlig;e umweltsch&auml;digende Alternativen laut nachzudenken oder die eigene Bev&ouml;lkerung auf Frieren im Winter verbal vorzubereiten.<\/p><p>Noch g&auml;be es M&ouml;glichkeiten und Kan&auml;le. Je mehr Zeit ungenutzt verstreicht, umso mehr schlie&szlig;t sich auch dieses, zumindest noch einen Spalt breit ge&ouml;ffnete Fenster und umso mehr wird hier ein Europa der guten Nachbarschaft oder zumindest der soliden Handelsbeziehungen mit Russland f&uuml;r lange Zeit verspielt. <\/p><p>Wem das egal ist, hat die Idee und die Wichtigkeit einer Friedensordnung in Europa, die Russland einschlie&szlig;en muss, nicht verstanden und handelt, vor allem mit Blick auf die Zukunft, unverantwortlich und nicht im Sinne all derer, die vor allem t&auml;glich in der Ukraine betroffen sind und m&ouml;glicherweise auch derer, die bald auch hierzulande, zumindest wirtschaftlich, betroffen sein werden. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich schw&ouml;re, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erf&uuml;llen und Gerechtigkeit gegen jedermann &uuml;ben werde.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Soweit der Amtseid f&uuml;r Bundesminister. W&auml;hrend Putin Fakten schafft, vergeht ein Tag nach dem anderen, ohne dass erkennbare Bem&uuml;hungen unserer Amtstr&auml;ger sichtbar werden, hier eine tragf&auml;hige L&ouml;sung, zum Wohle der eigenen Bev&ouml;lkerung und nicht der geostrategischen Ziele der USA, zu finden. Die Leit-Medien, allen voran ZDF und ARD, nach wie vor geradezu durchdrungen von der transatlantischen Sichtweise auf die Situation, treiben die Politik mit ihrer permanenten Kriegspropaganda, meist auf Basis un&uuml;berpr&uuml;fbarer Angaben der ukrainischen Seite, und dem Ruf nach immer schwereren Waffen f&uuml;r die Ukraine vor sich her und kaum einer traut sich mit einer brauchbaren Idee, sofern &uuml;berhaupt vorhanden, aus der Deckung und fordert das einzig Sinnvolle. N&auml;mlich Verhandlungen zur m&ouml;glichst raschen Beendigung der Kampfhandlungen. <\/p><p>Bei der Er&ouml;ffnungsveranstaltung des Filmfestes M&uuml;nchen gab es zwar gottlob keine Video-Schalte zu Selenskyj im Kampfanzug, so wie neulich beim Festival in Cannes, aber M&uuml;nchens zweite B&uuml;rgermeisterin Katrin Habenschaden, ihres Zeichens Gr&uuml;nen-Politikerin, hat es sich in ihrer Festansprache nicht nehmen lassen, Selenskyj zu zitieren: &bdquo;Es ist Zeit f&uuml;r einen neuen Charlie Chaplin, der dem (b&ouml;sen) Diktator den Spiegel vorh&auml;lt&ldquo; &hellip; und damit Putin in eine Reihe mit Hitler stellt. Eine solche Aussage von einer Amtstr&auml;gerin in einem Land, dessen letzter Feldzug gen Osten allein 27 Millionen sowjetischen Staatsb&uuml;rgern das Leben gekostet hat, sagt viel &uuml;ber das verquere Geschichtsverst&auml;ndnis der derzeitigen Amtstr&auml;ger und ihrer Generation. <\/p><p>Au&szlig;er dem samst&auml;glichen Motorenl&auml;rm einer Schnitzeljagd oder Rallye mit getunten und entsprechend lauten Klein-PKWs aller Art ist hier bei uns auf dem Land nichts zu h&ouml;ren. Offenbar ist der Benzinpreis noch nicht so hoch, dass man sich diese Art von Bespa&szlig;ung nicht mehr leisten k&ouml;nnte. Und so vergeht eine Woche nach der anderen und das Zeitfenster schlie&szlig;t sich langsam. Herbst und Winter werden kommen, ganz sicher&hellip;<\/p><p>&hellip; es pressiert!<\/p><p>Titelbild: r.classen\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip; sagt man in Bayern, wenn etwas schnell gehen soll, eilig, dringend ist. Im Leben und auch im Zusammenleben &ouml;ffnet sich manchmal ganz von selbst ein Zeitfenster. In diesem ge&ouml;ffneten Zeitfenster ist dann etwas m&ouml;glich, etwas machbar, aber eben nur f&uuml;r eine gewisse Zeit. Dann schlie&szlig;t sich das Zeitfenster wieder und man gr&auml;mt sich einmal<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85245\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":85246,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3240,3004,1867,259,260,2377,1019],"class_list":["post-85245","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-donbass","tag-eu-mitgliedschaft","tag-russland","tag-ukraine","tag-waffenlieferungen","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/220628_fitz.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85245"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85245\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85269,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85245\/revisions\/85269"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}