{"id":85333,"date":"2022-06-30T08:51:20","date_gmt":"2022-06-30T06:51:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85333"},"modified":"2022-06-30T14:10:32","modified_gmt":"2022-06-30T12:10:32","slug":"jaemmerliche-medien-beispiel-handelsblatt-morning-briefing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85333","title":{"rendered":"J\u00e4mmerliche Medien. Beispiel Handelsblatt Morning Briefing"},"content":{"rendered":"<p>Das Handelsblatt verschickt jeden Morgen ein so genanntes Handelsblatt Morning Briefing. Das ist eigentlich eine vern&uuml;nftige Einrichtung. Aber sie ist zu oft mit abstrusen Texten und Behauptungen gef&uuml;llt. Heute ist das mal wieder so. So bodenlos, dass ich daraus zitieren muss. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9958\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85333-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630-Jaemmerliche-Medien-Beispiel-Handelsblatt-morning-briefing-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630-Jaemmerliche-Medien-Beispiel-Handelsblatt-morning-briefing-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630-Jaemmerliche-Medien-Beispiel-Handelsblatt-morning-briefing-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630-Jaemmerliche-Medien-Beispiel-Handelsblatt-morning-briefing-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85333-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630-Jaemmerliche-Medien-Beispiel-Handelsblatt-morning-briefing-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220630-Jaemmerliche-Medien-Beispiel-Handelsblatt-morning-briefing-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zu Beginn hei&szlig;t es unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Unerwartet: Die Inflation in Deutschland sinkt&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;man muss die guten Nachrichten feiern, vor allem wenn sie so unerwartet kommen:<strong> <\/strong>Seit Wochen beziehen die Ampel-Koalition&auml;re mediale Dresche f&uuml;r Tankrabatt und Neun-Euro-Ticket. Zwei Musterbeispiele f&uuml;r milliardenteuren Staatsaktionismus, von dem bis heute nicht klar ist, was er eigentlich f&uuml;r wen bringen soll.<\/p>\n<p><strong>Klar ist jetzt immerhin: Beide Ma&szlig;nahmen wirken, und zwar auf die Inflation. <\/strong>Die Verbraucherpreise in Deutschland legten im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat zwar um 7,6 Prozent zu. &Ouml;konomen hatten aber mit einem weiteren Anstieg der Teuerungsrate auf 8,0 Prozent gerechnet. Im Mai lag die Inflation bei 7,9 Prozent.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im weiteren Verlauf des Textes wird das zwar gleich wieder relativiert. Aber warum muss man einen solchen Unsinn dann aufschreiben? Wie unsinnig das ist, wird schon daran sichtbar, dass hier Ver&auml;nderungen im Vergleich zu einer prognostizierten Teuerungsrate interpretiert werden. 8 % war von &bdquo;&Ouml;konomen&ldquo; vorhergesagt worden. Die Ver&auml;nderung auf 7,6 % wird gefeiert. Diese Ver&auml;nderung ist klein und die Preissteigerungen sind mit 7,6 % so hoch, dass es nichts zu feiern gibt. (Nachtr&auml;glich pr&auml;zisiert)<\/p><p><strong>Ein weiterer Teil des Handelsblatt Morning Briefing widmet sich dann dem Beschluss der NATO zu einer neuen Strategie gegen&uuml;ber Russland und einer massiven Aufr&uuml;stung der schnellen Eingreiftruppe auf 300.000 Mann.<\/strong> Ich zitiere:<\/p><blockquote><p>\n&sbquo;Wie der sprichw&ouml;rtliche alte Zirkusgaul, der pl&ouml;tzlich wieder auflebt, wenn die vertraute Manegen-Musik erklingt, zeigt sich die Nato in diesen Tagen. <strong>Die schnelle Eingreiftruppe soll drastisch aufgestockt werden, der Beitritt von Schweden und Finnland ist so gut wie beschlossen. <\/strong><\/p>\n<p>Und nun hat sich das westliche Milit&auml;rb&uuml;ndnis auf seinem Gipfeltreffen in Madrid auch noch eine neue Grundsatzstrategie verordnet, die keinen Zweifel daran l&auml;sst: Der Feind steht im Osten. Russland wird im neuen Nato-Konzept als &bdquo;bedeutendste und unmittelbarste Bedrohung f&uuml;r Frieden und Stabilit&auml;t im euro-atlantischen Raum&ldquo; beschrieben. Das Dokument soll der Allianz in den kommenden zehn Jahren als sicherheitspolitischer Leitfaden dienen. Es ersetzt die Nato-Leitlinie von 2010. Damals wollte die Allianz noch auf eine &bdquo;echte strategische Partnerschaft mit Russland&ldquo; hinarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Nun hei&szlig;t es: <\/strong> &bdquo;Vor dem Hintergrund ihrer feindseligen Politik und Handlungen k&ouml;nnen wir die Russische F&ouml;deration nicht als unseren Partner betrachten.&ldquo;<\/p>\n<p><strong>Die Klarheit der Sprache in diesem Nato-Dokument l&auml;sst einen fr&ouml;steln &ndash; und ist wahrscheinlich nur ehrlich, ohne die sonst &uuml;blichen diplomatischen Verbr&auml;mungen.<\/strong> Es ist kein Zirkusgaul, der da in Madrid erwacht. Sondern ein erfahrenes Schlachtross, das unruhig mit den Hufen scharrt, weil es aufziehenden Pulverdampf wittert. Oder wie mein Kollege Jens M&uuml;nchrath formuliert:<\/p>\n<p>&bdquo;F&uuml;r eine Institution, die k&uuml;rzlich noch als &bdquo;hirntot&ldquo; (Macron) und &bdquo;obsolet&ldquo; (Trump) bezeichnet wurde, zeigt sich die Nato doch recht vital. Das Verteidigungsb&uuml;ndnis gewinnt die Bedeutung zur&uuml;ck, die es zuletzt auf dem H&ouml;hepunkt des Kalten Kriegs in den 60er- und 70er-Jahren hatte.&lsquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Soweit das Zitat. Diese feurigen Lobeshymnen auf die NATO sind in einer blumigen, das Milit&auml;r bewundernden Sprache abgefasst. Und dann folgt am Ende auch noch eine Feststellung zum fr&uuml;heren Kalten Krieg, die offenbart, dass im Handelsblatt Menschen in f&uuml;hrender Position t&auml;tig sind, deren historische Kenntnisse gegen Null gehen. Da hei&szlig;t es, das Verteidigungsb&uuml;ndnis gewinne die Bedeutung zur&uuml;ck, &bdquo;die es zuletzt auf dem H&ouml;hepunkt des Kalten Krieges in den 60er- und 70er-Jahren hatte&ldquo;.<\/p><p>Wer so etwas in das Handelsblatt Morning Briefing aufnimmt, m&uuml;sste seine Funktion als Textchef an den Nagel h&auml;ngen. Denn es ist nahezu alles falsch:<\/p><p>In den sechziger Jahren haben Brandt und Bahr in Tutzing die neue Ostpolitik verk&uuml;ndet. Die Formel ihrer Strategie hie&szlig;: Wandel durch Ann&auml;herung. Das war 1963. Gleich zu Beginn der im Dezember 1966 startenden Gro&szlig;en Koalition und seiner T&auml;tigkeit als Au&szlig;enminister hat Willy Brandt auf einer NATO-Tagung die Politik der Verst&auml;ndigung und damit die Beendigung des Kalten Krieges mit dem Westen abgestimmt. In seiner ersten Regierungserkl&auml;rung als Bundeskanzler erkl&auml;rte Willy Brandt am 28. Oktober 1969: &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo;. 1970 wurde der Moskauer Vertrag und der Warschauer Vertrag abgeschlossen. Vertr&auml;ge mit dem Kern: Gewaltverzicht. 1975 traf sich die Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.<\/p><p>Und das alles nennt der Textchef des Handelsblatts, Christian Rickens, &bdquo;H&ouml;hepunkt des Kalten Krieges&ldquo;. Und die meisten Leser glauben wohl diese Fehldarstellungen.<\/p><p>Beachten Sie bitte: Diese etablierten Medien ma&szlig;en sich ein Urteil &uuml;ber die kritischen Medien im Internet an. Eine Kampagne, die auch die NachDenkSeiten betrifft. Wir empfehlen diese Kampagne Ihrer Aufmerksamkeit und regen an, dagegenzuhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Handelsblatt verschickt jeden Morgen ein so genanntes Handelsblatt Morning Briefing. Das ist eigentlich eine vern&uuml;nftige Einrichtung. Aber sie ist zu oft mit abstrusen Texten und Behauptungen gef&uuml;llt. 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