{"id":8535,"date":"2011-03-02T17:33:26","date_gmt":"2011-03-02T16:33:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8535"},"modified":"2014-08-11T11:00:43","modified_gmt":"2014-08-11T09:00:43","slug":"die-mehrheit-der-menschen-ist-der-gezielten-agitation-oft-hilflos-ausgeliefert-auch-dank-der-unfaehigkeit-der-medien-widersprueche-aufzudecken-und-aufzuklaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8535","title":{"rendered":"Die Mehrheit der Menschen ist der gezielten Agitation oft hilflos ausgeliefert &#8211; auch dank der Unf\u00e4higkeit der Medien, Widerspr\u00fcche aufzudecken und aufzukl\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Die totale Manipulation ist m&ouml;glich, hatten wir am <a href=\"?p=3763\">11. Februar 2009<\/a> und noch einmal am <a href=\"?p=4391\">7. Dezember 2009<\/a> geschrieben. Wir kommen darauf zur&uuml;ck, weil das Geschehen falsch analysiert, wer die M&ouml;glichkeit und die Bedeutung der totalen Manipulation nicht begriffen hat. Das erleben wir bei den krampfhaften Versuchen, den Aufstieg Guttenbergs zu deuten. Wir erleben es an vielen anderen Beispielen. Angela Merkel beherrscht im Verein mit den ihr verbundenen Medien die Methode perfekt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Am Montag letzter Woche, also am 21. Februar, hatte die Bundeskanzlerin als CDU-Vorsitzende einen Wahlkampfauftritt in Landau. Dort verk&uuml;ndete sie wie in diesen Tagen &uuml;blich und unter gro&szlig;em Applaus, wie erfolgreich wir dank der Politik der Bundesregierung durch die Finanzkrise gekommen seien. Am n&auml;chsten Tag wurde auf der ersten Seite des Lokalteils der &bdquo;Rheinpfalz&ldquo;, unserer regionalen Zeitung, &uuml;ber diesen Auftritt berichtet. Auf der Frontseite der gleichen Ausgabe war in einem Einspalter zu lesen, dass die &ouml;ffentlichen Schulden in einem Jahr, von Ende 2009 auf Ende 2010, um 304,4 Milliarden &euro; gestiegen sind, und dass ein gro&szlig;er Teil dieses Schuldenzuwachses auf Hilfsma&szlig;nahmen f&uuml;r die beiden Banken HRE und WestLB zur&uuml;ck zu f&uuml;hren sind. Siehe dazu die <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2011\/02\/PD11__069__713,templateId=renderPrint.psml\">einschl&auml;gige Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 21. Februar<\/a> dort hei&szlig;t es:<br>\n&bdquo;Wesentlich zum Anstieg beigetragen haben die im Jahr 2010 neu gegr&uuml;ndeten (&hellip;) &bdquo;Bad Banks&ldquo;. Die &Uuml;bertragung von Risikopapieren der Hypo Real Estate in die FMS Wertemanagement sowie die St&uuml;tzungsma&szlig;nahmen der Ersten Abwicklungsanstalt f&uuml;r die WestLB erh&ouml;hten den Schuldenstand zum Jahresende um 232,2 Milliarden &euro;.<br>\n232,2 Milliarden &euro; f&uuml;r zwei l&auml;cherliche Banken. Einfach so. Von guter Bew&auml;ltigung der Krise kann angesichts dieser von der Politik eingegangen Belastungen, die mehr als die H&auml;lfte des Bundeshaushalts ausmachen, nicht die Rede sein. Und dennoch applaudieren immer noch &uuml;ber 30 % der deutschen einer Bundeskanzlerin, die diese an der Wirklichkeit vorbeigehenden Spr&uuml;che macht.<\/p><p>Die Verkn&uuml;pfung zwischen den st&auml;ndig wiederholten Aussagen von Angela Merkel &uuml;ber die einzigartige Krisenbew&auml;ltigung und den Fakten wird von den Medien in der Regel nicht hergestellt. Bei der zitierten Ver&ouml;ffentlichung des Statistischen Bundesamtes nicht wie auch nicht anl&auml;sslich der Ver&ouml;ffentlichung &uuml;ber das Ausma&szlig; an Privatinsolvenzen, die zwei Tage sp&auml;ter in der gleichen Zeitung stand. Dort hie&szlig; es: die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland habe im vergangenen Jahr erneut einen H&ouml;chststand erreicht. Fast 140.000 Bundesb&uuml;rger h&auml;tten diesen Weg aus der Schuldennot gew&auml;hlt. 6,4 % mehr als 2009. &ndash; Einige Stunden sp&auml;ter wurde gemeldet, dass Deutschland die Verschuldensgrenze von 3 %  &uuml;berschritten habe, also das Maastricht Kriterium verletzt habe. (Zum Beispiel hier: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/deutschland\/0,2828,747477,00.html\">&ldquo;Erstmals seit 2005 &ndash; Deutschland bricht EU-Stabilit&auml;tspakt&rdquo;<\/a> ) Die Bundesregierung verletzt also die Kriterien, die se selbst besonders hochh&auml;lt und schw&auml;rmt dennoch davon, wie gut wir durch die Krise gekommen seien und wie kr&auml;ftig der Aufschwung sei. Dass die Bundesregierung mit diesem Schwindel durchzukommen versucht, ist verst&auml;ndlich. Aber dass die Mehrheit der meinungsf&uuml;hrenden Medien auf die Widerspr&uuml;che nicht aufmerksam macht, ist schon sonderbar und Ausdruck des Verlustes an kritischer Substanz. Die Medien fragen kaum kritisch nach:<br>\nEs wird nicht gefragt, ob eine steigende Zahl von Privatinsolvenzen zu den st&auml;ndigen Erfolgsmeldungen &uuml;ber Boom und Wirtschaftsaufschwung passt.<br>\nEs wird nicht gefragt, ob die hohe Zahl der Privatinsolvenzen und der gewerblichen Insolvenzen vielleicht damit zusammenh&auml;ngt, dass der angebliche Boom immer noch nicht unsere gesamte Volkswirtschaft, sondern vor allem die Exportwirtschaft und in Teilen die Investitionsg&uuml;terindustrie erreicht hat, aber nicht die f&uuml;r den heimischen Konsum arbeitenden Gewerbe. Keinesfalls den Einzelhandel. Dieser stagniert, obwohl permanent das Gegenteil behauptet wird. Siehe <a href=\"?p=8530#h03\">Hinweis Nummer 3 von heute <\/a>und den <a href=\"?p=8364#h03\">Hinweis Nummer 3 vom 18.2.2011<\/a>.<br>\nEs wird nicht gefragt, welche Lasten durch die Bankenrettung auf uns zukommen. Immer werden auch auf diesem Feld Erfolgsmeldungen ver&ouml;ffentlicht, die den Eindruck vermitteln, als w&uuml;rden die Banken nur Garantien erhalten haben bzw. schon zur&uuml;ckzahlen, was Sie von uns Steuerzahlern erhalten haben. Davon kann keine Rede sein, auch wenn ein paar Showzahlungen stattfinden. Siehe dazu alleine die Verpflichtungen, die aus der Rettung der HRE folgen. Zum Beispiel hier: <a href=\"?p=6722\">&ldquo;Eine kritische Einordnung der neuerlichen Milliarden f&uuml;r die HRE (Finanzkrise XLV)&rdquo;<\/a> und hier: <a href=\"?p=7161\">&ldquo;&bdquo;Bad Bank&ldquo; oder die vors&auml;tzliche T&auml;uschung. Nachtrag. (Finanzkrise XLVIII)&rdquo;<\/a><br>\nEs ist nicht ausgeschlossen, dass die Zahlungen zum Beispiel der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/unternehmen\/2010-05\/commerzbank-gewinn\">Commerzbank<\/a> get&auml;tigt und hochgespielt werden, um dann Erfolgsmeldungen &uuml;ber die R&uuml;ckzahlung der Bankenrettungsleistungen der &Ouml;ffentlichkeit absetzen zu k&ouml;nnen. Das soll beruhigen und den Eindruck vom Aufschwung und der &Uuml;berwindung der Krise best&auml;rken. Ich traue den PR -Agenturen in Kombination mit der Bundesregierung und dem Bundespresseamt inzwischen alles zu.<br>\nEs wird nat&uuml;rlich nicht gefragt, wie es zur Verletzung des Maastricht Kriteriums kommen kann, wenn alles so wunderbar l&auml;uft, wie es insbesondere die Bundeskanzlerin behauptet.<br>\nDie Einlassungen der Bundeskanzlerin und der Bundesregierung zur &Uuml;berwindung der Krise einschlie&szlig;lich der &Uuml;bertreibung, dass Deutschland einzigartig sei, wird nicht hinterfragt, weil diese Behauptungen zentraler Bestandteil der Strategie der &Ouml;ffentlichkeitsarbeit und damit auch der Vorbereitung der kommenden Wahlen bis hin zur Bundestagswahl 2013 sind. Man erkennt, dass dies wichtige Botschaften f&uuml;r das konservative Lager und die neoliberale Bewegung sind und unterl&auml;sst schon deshalb kritische Fragen. So sind unsere Medien in der Mehrheit, auch wenn sie jetzt zum Beispiel &uuml;ber zu Guttenberg herfallen.<\/p><p>Wir m&uuml;ssen jedenfalls feststellen, dass auf zentralen Feldern der Kommunikation die totale Manipulation trotz aller M&uuml;hen um eine Gegen&ouml;ffentlichkeit m&ouml;glich ist. Wir notieren diese Feststellung ausdr&uuml;cklich, weil die offene Diskussion der M&ouml;glichkeit von totaler Manipulation vielleicht eine der wenigen Chancen enth&auml;lt, solche Bastionen der Meinungsmache zu st&uuml;rmen.<br>\nIch nenne einige weitere Beispiele, auch solche, bei denen die M&ouml;glichkeit zur totalen Manipulation erfreulicherweise wankt,<\/p><ol>\n<li>Immer wieder wird behauptet, der angebliche Boom sei die Folge der Reformpolitik von Rot-Gr&uuml;n und Schwarz-Rot. Gerade zu klassisch in einem Leitartikel der Rheinpfalz vom 7. Februar 2011:<br>\n<blockquote><p>Deutschland, vor einigen Jahren noch als kranker Mann Europas verschrien, hat eine beeindruckende Entwicklung genommen. Kaum ein Land in der EU hat die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise so gut weggesteckt wie die Bundesrepublik. Geholfen dabei haben die Reformen in der Sozialpolitik und am Arbeitsmarkt, die insbesondere Rot-Gr&uuml;n sowie die gro&szlig;e Koalition gegen zum Teil heftigen Widerstand durchgesetzt haben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich zitiere diese Passagen nicht wegen der Quelle &bdquo;Rheinpfalz&ldquo;, sondern wegen der Musterg&uuml;ltigkeit dieser Art von Argumentation. &ndash; Es k&ouml;nnte &uuml;berall stehen.<br>\nSchon zu Beginn wird das Ergebnis einer der typischen, penetrant betriebenen Manipulationen zitiert. &bdquo;Kranker Mann Europas&ldquo; war Deutschland zum Beispiel in den tonangebenden B&uuml;chern von Prof. Sinn aus M&uuml;nchen und des ehemaligen Leiters des Spiegelb&uuml;ros Berlin, Gabor Steingart. Dieses Gespenst wurde von diesen und anderen Personen einschlie&szlig;lich der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft an die Wand gemalt, um die deutsche &Ouml;ffentlichkeit auf Reformen a la Rot-Gr&uuml;n und Schwarz-Rot einzustimmen.<br>\nAuf die auf die L&uuml;ge vom kranken Mann Europas baut die Reformpolitik von Merkel und Schr&ouml;der auf und dann seit 2008 die zuvor schon beschriebene Behauptung, wir h&auml;tten einen Boom und dieser Boom sei die Folge der Reformpolitik.<br>\nBesonders bei Zeitgenossen, die zu den gut verdienenden Schichten geh&ouml;ren oder in der Exportwirtschaft arbeiten, verfangen diese Behauptungen. Da diese Privilegierten zu den meinungsf&uuml;hrenden Gruppen geh&ouml;ren, ist diesem nicht repr&auml;sentativen Bild kaum beizukommen. <\/p><\/li>\n<li>Der Komplex demographisches Problem und Privatvorsorge als L&ouml;sung des angeblichen Problems ist ein weiteres bedr&uuml;ckendes Beispiel f&uuml;r die M&ouml;glichkeit totaler Manipulation. Bei der Mehrheit der Journalisten wie vor allem in der jungen Generation ist die Botschaft, dass die gesetzliche Rente wegen der demographischen Entwicklung nicht mehr trage, nahezu fest verankert. &ndash; Aber hier tut sich was und das macht ein bisschen Hoffnung: Die aufkl&auml;rende Gegenbewegung, an der wir mit Publikationen und den NachDenkSeiten von Anfang an beteiligt sind, hat erste Erfolge zu verzeichnen: Gelegentlich wird erkannt, dass politische Korruption bei Riester-und R&uuml;rup-Rente im Spiel war. Es wird erkannt, dass die private Vorsorge so rentabel gar nicht sein kann, schon wegen der abzuziehenden Provisionen und Verg&uuml;tungen, die sich die Finanzdienstleister, die Banken und Versicherungen bezahlen lassen. Es wird erkannt, welches unw&uuml;rdige Spiel die beteiligten Wissenschaftler spielten. Sie waren und sind zu aller erst Interessenvertreter.<br>\nDie Einheitsfront der Medien wurde in diesem konkreten Fall mithilfe  von medialen Ereignissen aufgebrochen &ndash; zum Beispiel schon fr&uuml;h mit dem Film <a href=\"?p=317\">Rentenangst der ARD<\/a> und neuerdings <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fW5hwU4njDo\">Panorama zum Fall Maschmeyer.<\/a>: Aber, man sollte sich keine Illusionen machen: Die Standard Parolen der Privatvorsorgelobby geh&ouml;ren bei der Mehrheit der Journalistinnen\/en wie auch anderer Multiplikatoren zum fest verankerten Repertoire an gesellschaftlichem Halbwissen: &bdquo;Wir werden immer weniger, wir werden immer &auml;lter, der Generationsvertrag tr&auml;gt mehr, die gesetzliche Rente wird zwangsl&auml;ufig immer weniger, jetzt hilft nur noch private Vorsorge. &ndash; Diese Abfolge von wirklich penetrierten Behauptungen sitzt sehr fest und es bleibt eine schwierige Arbeit, sie aufzuknacken. \n<p>Wir haben in letzter Zeit an mehreren Personen studieren k&ouml;nnen, wie sich Images pr&auml;gen und notfalls verhindern lassen, wenn die entsprechende Medienmacht und PR macht und vermutlich auch Interessen dahinter stecken: <\/p><\/li>\n<li>Der Aufstieg Guttenbergs ist nur so zu verstehen.<\/li>\n<li><a href=\"?p=6777\">Der Versager Steinbr&uuml;ck, dem wir einen beachtlichen Beitrag zum Aufbau des Finanzcasinos verdanken<\/a>, wird heute wieder f&uuml;r gro&szlig;e &Auml;mter gehandelt.<\/li>\n<li>Das PR-Produkt Gauck spielt bei der SPD immer noch eine Rolle, obwohl bekannt ist, dass der Vorschlag, ihn zum Bundespr&auml;sidenten Kandidaten zu machen, aus dem Springer-Verlag kam und Gauck wenige Wochen nach Abtritt als Kandidat in Diensten der PR Agentur, die ihn im SPD Wahlkampf betreute, Reklame f&uuml;r die FAZ machte. Siehe dazu genauer den Nachtrag zum Taschenbuch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; &bdquo;Schmierentheater mit einem aparten Abgang des Hauptdarstellers&ldquo;.\n<\/li>\n<\/ol><p>Das sind nur wenige Beispiele aus einer Vielzahl von Vorg&auml;ngen, an denen man die M&ouml;glichkeit der totalen Manipulation studieren kann. Ich mache nur deshalb immer wieder in darauf aufmerksam, weil so viele Menschen immer noch darauf herein fallen und deshalb viele Vorg&auml;nge falsch analysieren. Das ist nicht n&ouml;tig. <\/p><p>Machen Sie bitte in Ihrem Umfeld darauf aufmerksam. Man muss Meinungsmache begriffen haben, um die Welt besser zu verstehen und sich unn&ouml;tige Umwege und M&uuml;hen zu ersparen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die totale Manipulation ist m&ouml;glich, hatten wir am <a href=\"?p=3763\">11. Februar 2009<\/a> und noch einmal am <a href=\"?p=4391\">7. Dezember 2009<\/a> geschrieben. Wir kommen darauf zur&uuml;ck, weil das Geschehen falsch analysiert, wer die M&ouml;glichkeit und die Bedeutung der totalen Manipulation nicht begriffen hat. Das erleben wir bei den krampfhaften Versuchen, den Aufstieg Guttenbergs zu deuten. 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