{"id":85358,"date":"2022-06-30T12:45:58","date_gmt":"2022-06-30T10:45:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85358"},"modified":"2022-06-30T17:20:58","modified_gmt":"2022-06-30T15:20:58","slug":"rot-gruen-at-its-best-wirtschaft-wird-geschreddert-armutsquote-steigt-schuld-ist-der-russe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85358","title":{"rendered":"\u201eRot-Gr\u00fcn\u201c at its best: Wirtschaft wird geschreddert, Armutsquote steigt, Schuld ist der Russe"},"content":{"rendered":"<p>Es geht voran. Laut dem gestern in Berlin ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/themen\/sozialpolitik-arbeit-und-europa\/armut-und-grundsicherung\/armutsbericht-2022\/\">&bdquo;Armutsbericht 2022&ldquo; des Parit&auml;tischen Gesamtverbandes (PGV)<\/a> hat die Armut in Deutschland mit einer Armutsquote von 16,6 Prozent im vergangenen Jahr einen neuen H&ouml;chststand erreicht. 13,8 Millionen Menschen m&uuml;ssen demnach hierzulande derzeit zu den Armen gerechnet werden, 600.000 mehr als vor der Pandemie. Als arm gelten Haushalte, die &uuml;ber weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Haushaltseinkommens verf&uuml;gen. Das bedeutet f&uuml;r Ein-Personenhaushalte weniger als ca. 1.200 Euro. F&uuml;r Mehrpersonenhaushalte gelten entsprechende &Auml;quivalenzwerte. &ldquo;Die Befunde sind ersch&uuml;tternd, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie schlagen inzwischen voll durch. Noch nie wurde auf der Basis des amtlichen Mikrozensus ein h&ouml;herer Wert gemessen und noch nie hat sich die Armut in j&uuml;ngerer Zeit so rasant ausgebreitet wie w&auml;hrend der Pandemie&rdquo;, so Ulrich Schneider, Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer des PGV. Von <strong>Rainer Balcerowiak<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5818\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85358-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630_Rot_Gruen_at_its_best_Wirtschaft_wird_geschreddert_Armutsquote_steigt_Schuld_ist_der_Russe_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630_Rot_Gruen_at_its_best_Wirtschaft_wird_geschreddert_Armutsquote_steigt_Schuld_ist_der_Russe_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630_Rot_Gruen_at_its_best_Wirtschaft_wird_geschreddert_Armutsquote_steigt_Schuld_ist_der_Russe_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630_Rot_Gruen_at_its_best_Wirtschaft_wird_geschreddert_Armutsquote_steigt_Schuld_ist_der_Russe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85358-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220630_Rot_Gruen_at_its_best_Wirtschaft_wird_geschreddert_Armutsquote_steigt_Schuld_ist_der_Russe_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220630_Rot_Gruen_at_its_best_Wirtschaft_wird_geschreddert_Armutsquote_steigt_Schuld_ist_der_Russe_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Besonders auff&auml;llig ist der Zuwachs der Armutsquote unter prek&auml;r besch&auml;ftigten Erwerbst&auml;tigen, dabei besonders Selbstst&auml;ndigen (von 9 auf 13,1 Prozent). Neue Armutsh&ouml;chstst&auml;nde verzeichnen auch Rentner (17,9 Prozent) sowie Kinder und Jugendliche (20,8 Prozent). Es gibt gro&szlig;e regionale Unterschiede: W&auml;hrend sich Schleswig-Holstein, Brandenburg, Baden-W&uuml;rttemberg und vor allem Bayern positiv absetzen, weisen f&uuml;nf Bundesl&auml;nder &uuml;berdurchschnittlich hohe Armutsquoten auf: Nordrhein-Westfalen, Th&uuml;ringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und das Schlusslicht Bremen, weit abgeschlagen mit einer Armutsquote von 28 Prozent. <\/p><p>Die Zahlen sind keine &Uuml;berraschung, entsprechend schulterzuckend reagierten Vertreter der Regierung darauf. Es gab ein paar warme Worte, ansonsten wurde auf die &bdquo;Pr&uuml;fung&ldquo; weiterer Entlastungen in den kommenden Monaten verwiesen, wobei vorbeugend erkl&auml;rt wird, dass man wohl nicht alle &bdquo;H&auml;rten&ldquo; ausgleichen k&ouml;nne. Bereits im April hatte Finanzminister Christian Lindner (FDP) die Losung ausgegeben, dass wir jetzt &bdquo;alle den G&uuml;rtel enger schnallen m&uuml;ssen&ldquo;. Die Armutsquote wird also weiter deutlich steigen, zumal die wirtschaftlichen Folgen des milit&auml;rischen und wirtschaftlichen Krieges gegen Russland noch wesentlich breitere Schneisen der sozialen Verw&uuml;stung schlagen werden als die Corona-Krise. <\/p><p>Die Inflation und die besonders rasant steigenden Preise f&uuml;r Energie und Lebensmittel sind l&auml;ngst &uuml;ber die klassischen Armutsmilieus hinaus zu einer existentiellen Bedrohung f&uuml;r viele Menschen geworden. Der private Konsum als unverzichtbare St&uuml;tze der konjunkturellen Entwicklung verzeichnet bereits deutliche Einbr&uuml;che. Aber auch einige Branchen der Industrie steuern auf einen Kollaps zu. Ihnen machen neben den explodierenden Energiekosten und der drohenden Energieknappheit vor allem gest&ouml;rte Lieferketten bei Rohstoffen und Zwischenprodukten zu schaffen. Das wird in absehbarer Zeit auch f&uuml;r erhebliche Verwerfungen auf dem derzeit noch vergleichsweise stabilen Arbeitsmarkt sorgen. Auf der anderen Seite will der Staat seine Ausgaben deutlich zur&uuml;ckfahren. Im kommenden Haushaltsjahr soll wieder die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; gelten, die die Nettoneuverschuldung der &ouml;ffentlichen Haushalte begrenzt. Nimmt der Bund f&uuml;r das laufende Haushaltsjahr noch rund 140 Milliarden Euro neue Schulden auf, sollen es 2023 nur noch 17,2 Milliarden sein. <\/p><p><strong>&bdquo;Rot-Gr&uuml;n&ldquo;: Garanten f&uuml;r Krieg und Sozialkahlschlag<\/strong><\/p><p>F&uuml;r das Kapital ist es ausgesprochen g&uuml;nstig, dass das &bdquo;Krisenmanagement&ldquo; in dieser prek&auml;ren Lage einer &bdquo;rot-gr&uuml;nen&ldquo; Regierung obliegt, diesmal &ndash; anders als 1998 &ndash; unter Einschluss der FDP. Denn nur sozialdemokratisch gef&uuml;hrte Regierungen mit Beteiligung der Gr&uuml;nen sind in der Lage, Kriegspolitik und sozialen Kahlschlag vergleichsweise ger&auml;uschlos und effektiv zu exekutieren. Als Regierungsparteien k&ouml;nnen SPD und Gr&uuml;ne potenziell widerst&auml;ndige Teile ihrer Basis und ihrer W&auml;hler weitgehend neutralisieren, als &ndash; ohnehin zumeist nur verbale &ndash; Opposition fallen sie dann aus. Auch die gro&szlig;en, traditionell mit der SPD verbandelten Gewerkschaften verhalten sich gegen&uuml;ber SPD-gef&uuml;hrten Regierungen noch deutlich handzahmer als ohnehin schon. <\/p><p>Wie das funktioniert, haben Gerhard Schr&ouml;der und Joschka Fischer zwischen 1998 und 2005 eindrucksvoll demonstriert. In ihrer &ndash; im Vergleich zur &Auml;ra Kohl und der &Auml;ra Merkel recht kurzen &ndash; Regierungszeit gab es etliche &bdquo;Zeitenwenden&ldquo;. Zum einem die direkte Beteiligung Deutschlands an dem v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Jugoslawien, aber auch einen in dieser Wucht zuvor f&uuml;r undenkbar gehaltenen sozialen Kahlschlag. Das von Schr&ouml;der und anderen wackeren Sozialdemokraten wie Olaf Scholz, Andrea Nahles, Hubertus Heil, Franz M&uuml;ntefering entwickelte Leitprogramm &bdquo;Agenda 2010&ldquo; umfasste unter anderem die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und deren Ersetzung durch ein sanktionsbewehrtes Almosensystem (&bdquo;Hartz IV&ldquo;), die umfassende Prekarisierung der Arbeitswelt, die Absenkung des Rentenniveaus nebst Teilprivatisierung der Altersvorsorge sowie weitere Zuzahlungen und Einschnitte bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Begleitend wurden die Spitzensteuers&auml;tze gesenkt, die soziale Wohnraumf&ouml;rderung faktisch eingestellt und die &ouml;ffentliche Infrastruktur sowie weite Bereiche der sozialen Daseinsvorsorge kaputt &bdquo;gespart&ldquo;. <\/p><p>Die Bilanz der Agenda-Politik kann sich sehen lassen: Erosion der Tarifbindung, daf&uuml;r neue Rekorde bei prek&auml;rer Besch&auml;ftigung, Niedriglohnsektoren und Kinderarmut. Eher ein &bdquo;Kollateralschaden&ldquo; war das zeitweilige Aufbl&uuml;hen einer sozialen Protestbewegung gegen Hartz IV, die einige Jahre sp&auml;ter in der Gr&uuml;ndung einer recht starken gesamtdeutschen linken Partei m&uuml;ndete, die aber mittlerweile dabei ist, sich aus der Parteienlandschaft wieder zu verabschieden.<\/p><p>Auf der geleisteten Drecksarbeit konnten Angela Merkel und ihre CDU\/CSU anschlie&szlig;end aufbauen, ohne sich &uuml;berm&auml;&szlig;ig selber die Finger schmutzig machen zu m&uuml;ssen. Im Gegenteil: Die Weltfinanz- und Wirtschaftskrise 2008\/2009 wurde von der Merkel-Regierung vergleichsweise gut und pr&auml;zise abgefedert, und im Laufe der Jahre kam es sogar zu zarten Korrekturen an der Agenda-Linie, etwa durch die Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohnes. Und au&szlig;enpolitisch zieht sich das Bem&uuml;hen um stabile politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Russland jenseits aggressiver atlantischer Politik wie ein Roter Faden durch die &Auml;ra Merkel. Doch in der Corona-Krise verblasste der Stern der lange Zeit nicht zuletzt wegen der recht stabilen wirtschaftlichen Entwicklung  ungew&ouml;hnlich beliebten und zeitweise unangefochtenen Kanzlerin. Ihrer Partei hinterlie&szlig; sie nach ihrem etappenweisen R&uuml;ckzug einen nicht mehr regierungsf&auml;higen Tr&uuml;mmerhaufen. In den Geschichtsb&uuml;chern werden Figuren wie Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; nur in sehr kleinen Randnotizen auftauchen. <\/p><p><strong>Mit Glasperlen gegen Massenarmut<\/strong><\/p><p>H&ouml;chste Zeit also f&uuml;r Rot-Gr&uuml;n reloaded plus FDP, als Liaison zwischen beinharten Atlantikern, vermeintlichen &Ouml;kofundamentalisten und wirtschaftsliberalen Austerit&auml;tsfanatikern. Die Wahlprogramme sind l&auml;ngst geschreddert, die &bdquo;Klimawende&ldquo; muss warten, die versprochene Kindergrundsicherung auch, Immobilienkonzerne k&ouml;nnen aufatmen, Umverteilung l&auml;uft auf vollen Touren &ndash; von unten nach oben. Dazu ein beispielloses, 100 Milliarden Euro umfassendes Aufr&uuml;stungsprogramm. F&uuml;rs Volk gibt es ein paar Glasperlen &aacute; la 300 Euro Einmalzuschuss und 9-Euro-Ticket, sch&ouml;n verpackt mit Kriegsrhetorik und Durchhalteparolen. Doch bald k&ouml;nnten sogar die Glasperlen knapp werden. Die Inflation gerade bei existenziellen Grundg&uuml;tern frisst sich unerbittlich durch die privaten Budgets. Wohlhabende und Gutverdiener k&ouml;nnen das relativ locker kompensieren, alle anderen nicht. F&uuml;r deutlich gestiegene Armutsquoten im n&auml;chsten Armutsbericht ist also gesorgt. Daf&uuml;r gibt&lsquo;s aber ein neues Transgendergesetz und die Legalisierung von Cannabis wird auch kommen.<\/p><p>Wenn die Lage nicht so ernst w&auml;re, k&ouml;nnte man &uuml;ber das ganze &bdquo;Zeitenwende&ldquo;- und &bdquo;Wertegemeinschafts&ldquo;-Geblubber eigentlich nur lachen. Man will Russland ja nicht nur &bdquo;besiegen&ldquo;, sondern auch &bdquo;isolieren&ldquo; und &bdquo;wirtschaftlich ruinieren&ldquo;. Doch der atlantische Wahn st&ouml;&szlig;t au&szlig;erhalb der unmittelbaren Einflusszone der USA auf wenig Gegenliebe und kaum jemand kann verstehen, warum sich die f&uuml;hrende europ&auml;ische Wirtschaftsnation quasi freiwillig selbst ruiniert. In Russland freut man sich derweil &uuml;ber steigende Exporterl&ouml;se f&uuml;r Erd&ouml;l, engere wirtschaftliche Beziehungen zu vielen Schwellenl&auml;ndern und einen stabilisierten Rubel.<\/p><p>Bleibt die Frage, ob dieser Irrsinn irgendeinem Masterplan folgt. Was die geostrategischen Interessen der US-gef&uuml;hrten NATO betrifft, liegt das einigerma&szlig;en auf der Hand. Aber hat die deutsche Regierung einen Plan? Erkennbar ist er jedenfalls nicht. Vielmehr hat man den Eindruck, dass besonders die gr&uuml;nen Frontfiguren Robert Habeck und Annalena Baerbock ihrer eigenen Hybris erlegen sind und jetzt nicht mehr wissen, wie sie aus der Nummer wieder rauskommen. Die soziale Rechnung f&uuml;r diesen Wahnsinn ist gigantisch und wird noch gigantischer werden. Und wer diese Rechnung bezahlen soll, liegt auch auf dem Tisch. Derzeit gibt es gegen diese Politik wenig deutlich vernehmbare Opposition, vor allem keine linke. Bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens die Erkenntnis, &bdquo;Wer Gr&uuml;ne w&auml;hlt, w&auml;hlt Krieg und Armut&ldquo;, nach der Neuinszenierung dieses St&uuml;ckes endlich mal etwas tiefer im Bewusstsein festsetzt.<\/p><p>Titelbild: Theo Duijkers\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht voran. Laut dem gestern in Berlin ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.der-paritaetische.de\/themen\/sozialpolitik-arbeit-und-europa\/armut-und-grundsicherung\/armutsbericht-2022\/\">&bdquo;Armutsbericht 2022&ldquo; des Parit&auml;tischen Gesamtverbandes (PGV)<\/a> hat die Armut in Deutschland mit einer Armutsquote von 16,6 Prozent im vergangenen Jahr einen neuen H&ouml;chststand erreicht. 13,8 Millionen Menschen m&uuml;ssen demnach hierzulande derzeit zu den Armen gerechnet werden, 600.000 mehr als vor der Pandemie. 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