{"id":85517,"date":"2022-07-04T14:36:47","date_gmt":"2022-07-04T12:36:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85517"},"modified":"2022-07-05T11:05:05","modified_gmt":"2022-07-05T09:05:05","slug":"wolfgang-ischinger-zu-nachdenkseiten-der-westen-ist-in-der-defensive","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85517","title":{"rendered":"Wolfgang Ischinger im Gespr\u00e4ch mit den NachDenkSeiten: \u201eDer Westen ist in der Defensive\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Chef der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz (SiKo) und jetziger Vorsitzende des Stiftungsrates der Siko, Wolfgang Ischinger, traf sich am 1. Juli mit Journalisten, Wirtschaftsvertretern und Diplomaten zu einem Gespr&auml;ch &uuml;ber die Lage in der Ukraine sowie die Gipfeldiplomatie der letzten Wochen. Die NachDenkSeiten waren dabei, fragten nach und dokumentieren f&uuml;r unsere Leser das aufschlussreiche Gespr&auml;ch. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9780\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85517-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220705-Ischinger-im-Gespraech-mit-den-Nachdenkseiten-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220705-Ischinger-im-Gespraech-mit-den-Nachdenkseiten-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220705-Ischinger-im-Gespraech-mit-den-Nachdenkseiten-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220705-Ischinger-im-Gespraech-mit-den-Nachdenkseiten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85517-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220705-Ischinger-im-Gespraech-mit-den-Nachdenkseiten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220705-Ischinger-im-Gespraech-mit-den-Nachdenkseiten-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Sitzungsraum des &bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo; im Steigenberger-Hotel, gelegen zwischen Kanzleramt und Berliner Hauptbahnhof, war gut gef&uuml;llt an diesem 1. Juli. Bevor der einstige Chef der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz zu seinem Vortrag ansetzt, war das informelle Hauptthema zwischen dem Klappern von Kaffeetassen und Fr&uuml;hst&uuml;ckstellern das Auftreten des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Jaroslawowytsch Melnyk. So fragte ein ehemaliger deutscher Botschafter seinen Tischnachbarn, einen nicht unbekannten ARD-Journalisten, schmunzelnd, ob dieser wisse, ob Melnyk jetzt freier oder festangestellter Mitarbeiter bei Springer sei. Ein Dritter warf grinsend ein, &bdquo;wohl Fester Freier&ldquo;. <\/p><p>Genau in dem Moment betrat Wolfgang Ischinger den Raum und begann umgehend mit seinem Vortrag. Doch bevor er sich dem Ukraine-Krieg und den Gipfeltreffen von G7 und NATO zuwandte, hatte er noch das dringende Bed&uuml;rfnis, seinen Gegen&uuml;bern zu versichern, dass er noch kein &bdquo;Pension&auml;rsdasein&ldquo; friste: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es &auml;rgert mich immer wieder, wenn ich jetzt h&auml;ufiger gefragt werde, was mach ich denn jetzt so als Pension&auml;r. Dazu will ich nur kurz sagen, es ist so: Den Vorsitz der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz habe ich an meinen Nachfolger Christoph Heusgen &uuml;bergeben. Ich selbst bin dann aber in die Rolle des Chefs des Stiftungsrates der Stiftung geschl&uuml;pft, der die M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz geh&ouml;rt. Es macht mir viel Spa&szlig;, mich an dem Nachdenken &uuml;ber die richtige oder falsche Au&szlig;enpolitik zu beteiligen. Also Pension&auml;rsdasein ist noch nicht angedacht!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nach diesem bezeichnenden Eingangsstatement &agrave; la &sbquo;Ich bin noch wichtig&lsquo; ging der Chef des Stiftungsrates der Stiko in die Vollen. <\/p><p>Es h&auml;tte sich noch immer nicht in die Mehrzahl der K&ouml;pfe der deutschen Entscheidungstr&auml;ger festgesetzt, &bdquo;dass wir, anders als im Kalten Krieg, jetzt in einem Zeitalter leben, in dem es Krieg mit einer Nuklearmacht in Europa gibt&ldquo;. <\/p><p>Nach einer Kunstpause betonte er: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Lage ist gef&auml;hrlich. Es herrscht Krieg. Und kein Kalter Krieg 2.0 oder so. Es ist was ganz anderes.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Alte europ&auml;ische Sicherheitsordnung ist zerfallen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Auf diesen Aussagen aufbauend erkl&auml;rte er dann, dass bei den Artillerieschlachten im Donbass &bdquo;t&auml;glich Hunderte von Menschen&ldquo; sterben w&uuml;rden und eine v&ouml;llig andere Lage f&uuml;r die deutsche Sicherheitspolitik herrsche als zu Zeiten des Kalten Krieges. Anschlie&szlig;end verk&uuml;ndete er, dass seiner Meinung nach es bei diesem Konflikt nicht nur um &bdquo;die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t der Ukraine, in welchen Grenzen auch immer&ldquo;, ginge, sondern &bdquo;ganz grunds&auml;tzlich&ldquo; auch die Sicherheit Deutschlands bedroht sei.<\/p><p>Die &bdquo;alte europ&auml;ische Sicherheitsordnung&ldquo; sei, so Ischinger weiter, einer &bdquo;Zerfallsordnung&ldquo; gewichen. Er verwies dann auf David Wright Miliband (&bdquo;mein alter Freund&ldquo;), den einstigen britischen Au&szlig;enminister, der in diesem Zusammenhang den &bdquo;sch&ouml;nen Begriff&ldquo; &sbquo;Age of Impunity&lsquo; (zu Deutsch: Zeitalter der Straflosigkeit) gepr&auml;gt habe. Dann folgt eine Aussage, die aufhorchen l&auml;sst: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir leben jetzt in einem Zeitalter, in dem anscheinend alles erlaubt ist und niemand f&uuml;r V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;che zur Rechenschaft gezogen wird. Ich lese immer wieder in Zeitungsartikeln von klugen Professoren, wie man die russischen Kriegsverbrecher zur Rechenschaft ziehen soll. Die m&uuml;ssen Sie erstmal fangen und nach Den Haag bringen. Da warte ich drauf.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Es war offensichtlich bei dem Vortrag (und wohl auch sinnbildlich f&uuml;r Ischingers allgemeinen Blick auf die Welt), dass f&uuml;r den einstigen Siko-Chef das &bdquo;Zeitalter der Straflosigkeit&ldquo; mit dem russischen Einmarsch am 24. Februar in die Ukraine begann. Der sp&auml;teren Nachfrage des NachDenkSeiten-Redakteurs, ob er denn den herbeigelogenen US-gef&uuml;hrten Angriffskrieg gegen den Irak 2004 nicht ebenfalls als V&ouml;lkerrechtsbruch werte, bei dem nie auch nur versucht wurde, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, wich Ischinger aus. Insgesamt war es best&uuml;rzend zu sehen, mit welchem Ma&szlig; an Eurozentrismus und &sbquo;Wir sind die Guten&lsquo;-Haltung dieser an sich doch ganz weltgewandte (und nach wie vor einflussreiche) deutsche Spitzendiplomat auf die Welt blickt. <\/p><p><strong>&bdquo;NATO hat mit Ukrainekrieg fast nichts zu tun&ldquo;<\/strong><\/p><p>Seine weiteren Ausf&uuml;hrungen waren dann eine Mischung aus Werbung f&uuml;r sein Buch &bdquo;Welt in Gefahr&ldquo;, welches er mit der bescheidenen Aussage bewarb, er wolle sich ja nicht selbst loben, aber der Titel von 2018 sei doch sehr vorausschauend von ihm gew&auml;hlt worden und f&uuml;r die Neuauflage w&uuml;rde er als Titel &bdquo;Welt in gro&szlig;er Gefahr&ldquo; vorschlagen und gewagten wie widerspr&uuml;chlichen Beteuerungen wie zum Beispiel:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;NATO hat mit dem Ukrainekrieg fast nichts zu tun, sie ist dort nur in eine dienende Mitwirkungs-Rolle ger&uuml;ckt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dass die &bdquo;dienende Rolle&ldquo; unter anderem das komplette NATO-Arsenal an Milit&auml;raufkl&auml;rung f&uuml;r die Ukraine umfasst, von der Lieferung schwerer Waffen, inklusive Ausbildung und dazugeh&ouml;riger Munition ganz abgesehen, ist Ischinger keinen einzigen erg&auml;nzenden Satz wert. <\/p><p>Ebenso bemerkenswert seine anschlie&szlig;ende Aussage, Deutschland k&ouml;nne im Ukraine-Krieg &bdquo;frei entscheiden, was es tun will&ldquo;, es g&auml;be keine offiziellen Beschl&uuml;sse oder Absprachen der NATO mit der Bundesrepublik, was zu liefern sei, &bdquo;h&ouml;chstens informeller Art&ldquo;.<\/p><p>Er berichtete dann noch von seinem Besuch in Kiew in der vorvergangenen Woche und erinnerte daran, dass auf dem Maidan &bdquo;nicht etwa US- oder NATO-Flaggen, sondern Tausende von EU-Flaggen&ldquo; das Bild dominiert h&auml;tten, es sei damals 2014 um &bdquo;Freiheit und Anbindung an Europa&ldquo; gegangen. Deswegen, so die bestechende argumentative Logik Ischingers, habe die Ukraine nun ein Recht auf die dem Land versprochene EU-Perspektive. Dem anwesenden NachDenkSeiten-Redakteur lag die Frage auf der Zunge, welchem Kontinent Ischinger denn vor dem Maidan-Umsturz die Ukraine zugerechnet hatte. <\/p><p>Bezugnehmend auf die Ukraine verwehrte sich Ischinger anschlie&szlig;end noch gegen &bdquo;&ouml;ffentliche Ratschl&auml;ge vom Pseudo-Philosophen Precht&ldquo; und betonte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir sind nicht schuld an der Entwicklung!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Ende seines Vortrags leitete er mit einem Verweis auf die russische Behauptung &bdquo;einer angeblichen Erweiterungspolitik der NATO&ldquo; und der Warnung ein, dass die Ziele von Putin &bdquo;weit &uuml;ber die Ukraine hinaus&ldquo; gingen und er eigentlich keine Alternative zur NATO-Mitgliedschaft der Ukraine sehe. Abschlie&szlig;end hob er zu einer Hymne auf die Rolle der USA und US-Pr&auml;sident Joe Biden an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir Europ&auml;er k&ouml;nnten keinen Mucks machen ohne die F&uuml;hrungskraft der Amerikaner. In diesem Sinne k&ouml;nnen wir mehr als froh sein, dass im Wei&szlig;en Haus ein Mensch sitzt, dem man nicht auf der Landkarte zeigen muss, wo Kiew liegt. Der kennt sich n&auml;mlich in Europa aus.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Diese Aussage t&auml;tigte Ischinger einen Tag nachdem Joe Biden bei seiner Pressekonferenz zum NATO-Treffen in Madrid von der Schweiz als NATO-Beitrittskandidat sprach, bevor er sich verbesserte, und erkl&auml;rte, &auml;h, er meine nat&uuml;rlich Schweden.)<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\" data-two-click-embeds-script=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Der&#127465;&#127466;Diplomat &amp; Leiter a.D. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MunSecConf?ref_src=twsrc%5Etfw\">@MunSecConf<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ischinger?ref_src=twsrc%5Etfw\">@ischinger<\/a> hat heute bei einem Pressegespr&auml;ch erkl&auml;rt, dass er froh sei, dass jetzt im <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/WhiteHouse?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#WhiteHouse<\/a> wieder ein US-Pr&auml;sident <a href=\"https:\/\/twitter.com\/POTUS?ref_src=twsrc%5Etfw\">@POTUS<\/a> sitzt, der Europa auf einer Landkarte findet. Well, da hat er wohl u.a. die gestrige PK von <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Biden?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Biden<\/a> verpasst: <a href=\"https:\/\/t.co\/qhcLD5oKB6\">pic.twitter.com\/qhcLD5oKB6<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Florian Warweg (@FWarweg) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/FWarweg\/status\/1542850906957422592?ref_src=twsrc%5Etfw\">July 1, 2022<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p><strong>Was sagt Ischinger zum Vorwurf der westlichen Doppelmoral im Umgang mit Russland?<\/strong><\/p><p>Nach Ischingers Vortrag ging es &uuml;ber in die Fragerunde. F&uuml;r die NachDenkSeiten fragte Florian Warweg nach. Er wollte von Ischinger wissen, wie dieser die Rolle des Globalen S&uuml;dens in dem aktuellen Konflikt bewertet, der sich den Sanktionen gegen Russland ziemlich komplett verweigert und dem Westen Doppelmoral vorwirft, da beispielsweise der mindestens ebenso v&ouml;lkerrechtswidrige US-gef&uuml;hrte Angriffskrieg gegen den Irak 2004 in keiner Weise geahndet oder sanktioniert wurde. Zudem bat er Ischinger um Klarstellung, ob dieser tats&auml;chlich, wie es in seinem Vortrag anklang, einen qualitativen Unterschied macht zwischen V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;chen der USA (z.B. Irakkrieg 2004) und Russland (Ukraine 2022) und die Straflosigkeit nur im letzteren Fall beklagt. <\/p><p>Seine Antwort ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich und wird daher im Wortlaut wiedergegeben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zun&auml;chst glaube ich, dass der sogenannte Westen sich tats&auml;chlich der Frage nach Doppelstandards stellen muss. Da kann man auf die Konflikte in Syrien, Jemen und viele andere Regionen verweisen. Da haben wir zwar auch ab und zu gejammert, was dort Schreckliches passiert, aber keineswegs in derselben Intensit&auml;t, wie wir es im Falle der Ukraine getan haben. Das hei&szlig;t, ein kleines bisschen habe ich nicht nur Verst&auml;ndnis, sondern auch Empathie f&uuml;r diejenigen aus dem Globalen S&uuml;den, die sagen, es hat den Anschein, als ob sich der Westen, also jetzt konkret in der Ukraine, am liebsten um die Leute k&uuml;mmert, die aussehen wie Leute im Westen, also blond und hellh&auml;utig. Das ist der schwere Vorwurf des Rassismus. Den m&uuml;ssen wir ernst nehmen, auch wenn ich mir den nicht zu eigen mache. <\/p>\n<p>Deswegen ist es ja so wichtig gewesen, dass Olaf Scholz, deswegen kann ich ihn hier auch nur loben, den G-7-Kreis erweitert hat, indem man zum Beispiel S&uuml;dafrika, Senegal, Indonesien usw. eingeladen hat. Der G7 ist nicht mehr dasselbe, was es war, als es 1976 von Helmut Schmidt gegr&uuml;ndet wurde. Damals konnten die G7 behaupten, dass sie fast Zweidrittel der Weltwirtschaft repr&auml;sentieren, jetzt neigt sich dies gegen ein Drittel. Diese Gruppe hat also dramatisch an Schlagkraft (sic!) verloren. Ihre Frage zielt ja auf diese Doppelstandards hin, deswegen m&uuml;ssen wir anerkennen, dass der Westen in dieser Auseinandersetzung mit Russland und China im Augenblick in der Defensive ist. Wir sind katastrophal vorbereitet auf diese neue geostrategische Herausforderung. Der Westen muss sich bem&uuml;hen, hier wieder Glaubw&uuml;rdigkeit zu gewinnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Dann machte Ischinger abschlie&szlig;end einige sehr interessante Ausf&uuml;hrungen zur Verantwortlichkeit des Westens bei der aktuellen Getreidekrise, dies allerdings &bdquo;Unter 3&ldquo;. Das hei&szlig;t, man darf als Journalist diese unter &bdquo;U3&ldquo; erhaltenen Informationen nicht ver&ouml;ffentlichen.)<\/p><p>Das rhetorische Vorgehen von Ischinger bei der &bdquo;Beantwortung&ldquo; der Frage ist bezeichnend. Den Frageteil zur Bewertung und fehlenden Sanktionierung von bisherigen westlichen V&ouml;lkerrechtsbr&uuml;chen ignoriert er komplett und fokussiert sich ausschlie&szlig;lich auf einen kleinen Teilaspekt des Vorwurfs der Doppelmoral, den er dann auch noch relativiert mit der Aussage, man m&uuml;sse f&uuml;r diese Vorw&uuml;rfe zwar (&bdquo;ein kleines bisschen&ldquo;) Verst&auml;ndnis aufbringen, sich aber gleichzeitig diese nicht zu eigen machen. Das hei&szlig;t &uuml;bersetzt, wir heucheln etwas Verst&auml;ndnis, wirklich voll nehmen wir diese Vorw&uuml;rfe aber nicht. Diese ganze Argumentationsfigur Ischingers bezeugt wohl unfreiwillig und exemplarisch die anhaltende westliche Arroganz in den internationalen Beziehungen. <\/p><p>&Auml;hnlich bezeichnend waren &uuml;brigens die Fragen und Ausf&uuml;hrungen der anderen anwesenden Journalisten, bei denen sich der NDS-Redakteur tats&auml;chlich mehrmals fragte, in welchem Paralleluniversum er gelandet sei. Eine kosovo-albanische Journalistin fragte Ischinger in forderndem Ton, wann denn endlich Kosovo und Albanien NATO-Mitglieder werden w&uuml;rden. Eine chilenische Kollegin forderte mehr US-Pr&auml;senz in Chile und Lateinamerika, um den Subkontinent wieder zur Ruhe zu bringen, angesichts des dortigen Linksrucks. Die Deutsche-Welle-Vertreterin fragte, wie es sein k&ouml;nnte, dass der serbische Pr&auml;sident Vu&#269;i&#263; sich noch an der Macht h&auml;lt, obwohl er Putin-Verb&uuml;ndeter sei und &bdquo;Propaganda-Minister&ldquo; unter Slobodan Milo&scaron;evi&#263;&nbsp;gewesen war. Und die Redakteurin einer nicht unbekannten Tageszeitung aus S&uuml;ddeutschland leitete ihre Frage nach der Zukunft der Ukraine mit der bezeichnenden Aussage ein: &bdquo;Unser aller diplomatischer Gro&szlig;meister Kissinger meinte einst&hellip;&ldquo;.<\/p><p>Titelbild: Florian Warweg<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/17b6f7d587b14a50a24e7721849e5cbd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der fr&uuml;here Chef der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz (SiKo) und jetziger Vorsitzende des Stiftungsrates der Siko, Wolfgang Ischinger, traf sich am 1. Juli mit Journalisten, Wirtschaftsvertretern und Diplomaten zu einem Gespr&auml;ch &uuml;ber die Lage in der Ukraine sowie die Gipfeldiplomatie der letzten Wochen. Die NachDenkSeiten waren dabei, fragten nach und dokumentieren f&uuml;r unsere Leser das aufschlussreiche Gespr&auml;ch.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85517\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":85518,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171,11],"tags":[3212,593,2265,466,259,260,1556,1703],"class_list":["post-85517","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-doppelte-standards","tag-g7820","tag-ischinger-wolfgang","tag-nato","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa","tag-voelkerrecht"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Unknown-1.jpeg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85517"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85517\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85564,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85517\/revisions\/85564"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}