{"id":8560,"date":"2011-03-04T13:42:29","date_gmt":"2011-03-04T12:42:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8560"},"modified":"2014-08-11T12:15:42","modified_gmt":"2014-08-11T10:15:42","slug":"nun-steht-der-ruf-der-uni-bayreuth-auf-dem-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8560","title":{"rendered":"Nun steht der Ruf der Uni Bayreuth auf dem Spiel"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem R&uuml;cktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg aus allen politischen &Auml;mtern steht nunmehr die wissenschaftliche Anerkennung, Reputation und das Renommee der Universit&auml;t Bayreuth auf dem Spiel. Die Universit&auml;t hat sich bislang darauf beschr&auml;nkt, zu Guttenberg den Doktorgrad unter R&uuml;ckgriff auf das Verwaltungsverfahrensrecht wegen objektiver Fehlerhaftigkeit der Dissertation abzuerkennen. Sie scheute damit davor zur&uuml;ck, zu Guttenberg den pers&ouml;nlichen Schuldvorwurf einer absichtlichen T&auml;uschung zu machen. Damit wird die politische Aff&auml;re zu Guttenberg zu einer wissenschaftspolitischen Aff&auml;re der Uni Bayreuth. Der Schaden f&uuml;r diese Hochschule ist schon jetzt erkennbar, der besch&auml;digte Ruf d&uuml;rfte n&auml;mlich mit eine Rolle gespielt haben, dass die Uni Bayreuth entgegen allen Erwartungen bei der Exzellenzinitiative leer ausgegangen ist.<br>\nAus Kreisen der Hochschule wurde uns der nachfolgende Brief eines Hochschulratsmitglieds an die Uni-Leitung zur Kenntnis gebracht.<br>\nWolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Sehr geehrter Herr Pr&auml;sident, sehr geehrter Herr Kanzler, sehr geehrte Vizepr&auml;sidenten, sehr geehrte Frau Vizekanzlerin!<\/p><p>Ich schreibe Ihnen als ein Mitglied des Hochschulrates, das entsetzt und in vielerlei Hinsicht fassungslos vor dem steht, was gegenw&auml;rtig in und mit unserer Universit&auml;t vorgeht. Die Universit&auml;t Bayreuth steht m.E. zufolge ihres Umganges mit der Guttenberg-Aff&auml;re am Abgrund. Wissenschaftliche Anerkennung, Reputation und Renommee, die unter gro&szlig;en M&uuml;hen &uuml;ber Jahrzehnte aufgebaut wurden, sind durch einen v&ouml;llig unangemessenen Umgang mit der Aff&auml;re zerst&ouml;rt worden. Es ist n&auml;mlich f&uuml;r niemanden, dem wissenschaftliche Standards etwas bedeuten, nachvollziehbar, dass auf dem Kenntnisstand, wie er hinsichtlich des Plagiatsverdachts zu Anfang der letzten Woche gegeben war, nicht auf&nbsp; absichtliche T&auml;uschung und Betrug seitens des Doktoranden und heutigen Verteidigungsministers zu Guttenberg erkannt wurde. Herr zu Guttenberg hat absichtlich get&auml;uscht und ist ein Betr&uuml;ger &ndash; das war zur Mitte der letzten Woche angesichts sich t&uuml;rmender Evidenzen jedem denkenden Menschen klar, der die Faktenlage analysierte. Eine Universit&auml;t, die bei dieser Lage den Doktortitel nicht wegen Betrug und T&auml;uschung aberkennt, sondern vermeintlich oberschlau den Titel unter R&uuml;ckgriff auf &sect; 48 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes entzieht, minimiert offensichtlich den Schaden f&uuml;r den Minister zu Guttenberg; sie ist aber ebenso offensichtlich eine Universit&auml;t, die Betrug und T&auml;uschung jedenfalls dann, wenn der T&auml;ter ein Minister ist, nicht mehr Betrug und T&auml;uschung zu nennen bereit ist. Durch Finessen dieser Art macht sich die Universit&auml;t faktisch zum Komplizen eines Betr&uuml;gers. Daran &auml;ndert sich auch nichts mehr, wenn eine Kommission, die wissenschaftliches Fehlverhalten untersuchen soll, und sich dabei &ndash; wie es hei&szlig;t &ndash; nicht unter Zeitdruck setzen l&auml;sst, nach genauer Pr&uuml;fung schlie&szlig;lich zu derjenigen Erkenntnis kommt, die man leicht Anfang letzter Woche haben konnte, dass wir n&auml;mlich einem Betr&uuml;ger aufgesessen sind. Dieser zu erwartende Kommissionsbefund kommt, wenn er dann schlie&szlig;lich kommt, viel zu sp&auml;t und ist eben deshalb vom politischen Effekt her unter den insgesamt gegebenen Bedingungen eher als Beihilfe zur Flucht zu werten. Wiederum steht unsere Universit&auml;t als Komplizin eines Betr&uuml;gers da.&nbsp;<\/p><p>All das wird schlimme Folgen haben: Wer will an einer Universit&auml;t, die so etwas mit sich macht, Professor(in) werden oder bleiben &ndash; jedenfalls dann, wenn es Alternativen gibt? Wer will an so einer Universit&auml;t promovieren? Welche ambitionierte Abiturientin, welcher ambitionierte Abiturient will an einer Universit&auml;t studieren und einen Abschluss erwerben, wenn man bei Angabe seiner Alma Mater Gesp&ouml;tt riskiert.&nbsp;<br>\nDie Aff&auml;re Guttenberg wird nun auch zu einer Aff&auml;re Uni-Bayreuth. Dabei w&auml;re es mit etwas Mumm und Entschlossenheit ein Leichtes gewesen, die Aff&auml;re Guttenberg als Universit&auml;t unbeschadet zu &uuml;berstehen. Erforderlich war dazu lediglich eine absolut unmissverst&auml;ndliche Erkl&auml;rung: &bdquo;Der Doktorand zu Guttenberg ist ein Betr&uuml;ger. Deshalb wird der Titel aberkannt.&ldquo; H&auml;tten wir z.B. hinzugesetzt: &bdquo;Zuk&uuml;nftig werden wir alle Dissertationen nicht nur f&uuml;r bestimmte Fristen in Dekanaten auslegen, sondern wir werden sie in diesen Fristen auch im Web f&uuml;r jedermann einsehbar machen&ldquo;, dann h&auml;tten wir sogar an der Spitze einer Bewegung f&uuml;r mehr Transparenz in akademischen Qualifikationsprozessen gestanden. Stattdessen werden wir nun ein prominentes Fallbeispiel in Krisenmanagement-Seminaren werden &ndash; leider allerdings in der falschen Beispielsklasse.&nbsp;<\/p><p>Der durch v&ouml;llig unzul&auml;ngliches Krisenmanagement entstandene Schaden ist sehr, sehr hoch. Wenn wir noch etwas retten k&ouml;nnen, dann nur dadurch, dass wir sofort, und mit &bdquo;sofort&ldquo; meine ich sofort, eine absolut unmissverst&auml;ndliche Position beziehen. Diese Position ist etwa: &bdquo;Unser fr&uuml;herer Doktorand und heutige Verteidigungsminister ist ein Betr&uuml;ger und absichtlicher T&auml;uscher. Deshalb konnte und musste ihm auch ganz unabh&auml;ngig vom &sect;48 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes der Doktortitel entzogen werden.&ldquo; Eine Erkl&auml;rung mit diesem harten Kern sollte von Hochschulleitung, Senat und Hochschulrat bzw. Repr&auml;sentanten dieser Gremien gemeinsam abgegeben werden.&nbsp;<\/p><p>Eine solche Erkl&auml;rung kommt bereits zum Ende dieser Woche zu sp&auml;t, da es dann hei&szlig;en wird, dass wir nur unter dem Druck der Unterschriften, die bereits gegen uns gesammelt werden, reagieren. Es muss daher sofort jene unmissverst&auml;ndliche Position bezogen werden, die von Anfang an geboten gewesen w&auml;re.<\/p><p>Entsetzt &uuml;ber den Schaden, den wir uns selbst in leicht vermeidbarer Weise in so kurzer Zeit zugef&uuml;gt haben, gr&uuml;&szlig;t<\/p><p>Prof. Dr. R. Hegselmann<\/p><p>(Mitglied des Hochschulrates der UBT)<\/p><p>PS. Ich erlaube mir, diesen Brief auch an die anderen Mitglieder des Hochschulrates und die Mitglieder der Universit&auml;t Bayreuth weiterzuleiten<br>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br>\n<em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Inzwischen haben bereits mehrere tausend Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in einer Erkl&auml;rung ihr Befremden zum Ausdruck gebracht, dass die Universit&auml;t Bayreuth die Aberkennung des Doktorgrades von Herrn zu Guttenberg nicht mit einer vors&auml;tzlichen T&auml;uschung begr&uuml;ndet hat. <\/em><br>\n<em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.hausdorff-research-institute.uni-bonn.de\/mkreck\/Erklaerung.pdf\">Erkl&auml;rung [PDF &ndash; 585 KB]<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem R&uuml;cktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg aus allen politischen &Auml;mtern steht nunmehr die wissenschaftliche Anerkennung, Reputation und das Renommee der Universit&auml;t Bayreuth auf dem Spiel. 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