{"id":85638,"date":"2022-07-07T12:30:22","date_gmt":"2022-07-07T10:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85638"},"modified":"2022-07-07T16:59:16","modified_gmt":"2022-07-07T14:59:16","slug":"melnyk-wird-erst-recht-zum-skandal-die-faz-wiederholt-die-relativierungen-des-bandera-antisemitismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85638","title":{"rendered":"Melnyk wird erst recht zum Skandal &#8211; Die FAZ wiederholt die Relativierungen des Bandera-Antisemitismus"},"content":{"rendered":"<p>Das dreist&uuml;ndige Gespr&auml;ch von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85554\">&bdquo;jung und naiv&ldquo;<\/a> vom 30.6. mit Andrij Melnyk, dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, bot ausreichend Stoff daf&uuml;r, dass der Mann umgehend den Hut nehmen und seinen Job abgeben m&uuml;sste. Rechtfertigung von Antisemitismus und eine Verharmlosung des Holocaust sollten in Deutschland nicht akzeptabel sein. Und ein Loblied auf einen Polen-Schl&auml;chter d&uuml;rfte in der Ukraine von heute kontraproduktiv wirken. Doch genau diese Vorw&uuml;rfe m&uuml;ssen Melnyk gemacht werden. Dennoch gibt es in deutschen Medien und in Kiew nur zur&uuml;ckhaltende Kritik. Es wird massiv bagatellisiert. Mehr noch: Der Mann wird offensichtlich bef&ouml;rdert. Er soll im Herbst zum stellvertretenden Au&szlig;enminister der Ukraine gek&uuml;rt werden. Von <strong>Winfried Wolf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6949\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85638-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707_Melnyk_wird_erst_recht_durch_FAZ_zum_Skandal_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707_Melnyk_wird_erst_recht_durch_FAZ_zum_Skandal_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707_Melnyk_wird_erst_recht_durch_FAZ_zum_Skandal_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707_Melnyk_wird_erst_recht_durch_FAZ_zum_Skandal_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85638-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707_Melnyk_wird_erst_recht_durch_FAZ_zum_Skandal_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220707_Melnyk_wird_erst_recht_durch_FAZ_zum_Skandal_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Liest man am 6. Juli einige deutsche Zeitungen, dann gewinnt man zun&auml;chst den Eindruck, Melnyk sei doch zur persona non grata geworden. So hei&szlig;t es in der &bdquo;S&uuml;ddeutschen Zeitung&ldquo; unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Als Vermittler ausgedient&ldquo;, Melnyk stehe &bdquo;vor einer R&uuml;ckkehr nach Kiew&ldquo;, wo er &bdquo;wom&ouml;glich Vize-Au&szlig;enminister werden k&ouml;nnte&ldquo;. Doch &bdquo;was als Aufstieg interpretiert werden kann, w&auml;re &hellip; de facto eine R&uuml;ckstufung.&ldquo; &Auml;hnlich die &bdquo;Neue Osnabr&uuml;cker Zeitung&ldquo;, in der es hei&szlig;t: &bdquo;Mit einer derart penetrant provokativen Art, wie sie der Topdiplomat an den Tag legt, sichert man sich nicht die Solidarit&auml;t der Deutschen [&hellip;] Je eher Pr&auml;sident Selenskyj also einen Nachfolger f&uuml;r Melnyk pr&auml;sentiert, der ein wenig mehr Gesp&uuml;r f&uuml;r deutsche Empfindlichkeiten beweist, umso besser f&uuml;r die ukrainische Sache. Ob es zielf&uuml;hrend ist, Melnyk als stellvertretenden Au&szlig;enminister wegzuloben, steht auf einem anderen Blatt&ldquo;. <\/p><p>Die &bdquo;Frankfurter Allgemeine Zeitung&ldquo; schaut sich dieses &bdquo;andere Blatt&ldquo; genauer an und stellt fest: &bdquo;Eine Degradierung w&auml;re der Weggang (von Melnyk nach Kiew; W.W.) allerdings nicht. Denn der 46 Jahre alte Diplomat soll in Kiew Stellvertretender Au&szlig;enminister werden. [&hellip;] F&uuml;r sein Land hat er einen guten Job gemacht.&ldquo; Eine entsprechende Blattlinie scheint es auch bei der &bdquo;Schw&auml;bischen Zeitung&ldquo; zu geben. Sie pr&auml;sentiert Melnyk &ndash; ebenfalls in der Ausgabe vom 6.7. &ndash; in Form einer Hofberichterstattung auf einer dreiviertel Seite mit Foto und in Siegerpose. In dem Interview, gef&uuml;hrt vom Chefredakteur der Zeitung, Hendrik Groth, in der &ndash; mit pr&auml;chtig-kitschigem Barockgest&uuml;hl ausgestatteten &ndash; &bdquo;ukrainischen Residenz in Berlin Dahlem&ldquo;, gibt es nicht eine einzige kritische Frage zu den aktuellen Themen. Stattdessen darf Melnyk erneut austeilen, so gegen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des &bdquo;zweiten offenen Briefs&ldquo;, j&uuml;ngst ver&ouml;ffentlicht in der &bdquo;Zeit&ldquo;. Melnyk: &bdquo;Solche Briefe spielen Russland in die H&auml;nde.&ldquo;<\/p><p>Ganz offensichtlich aber konnten die Macher von &bdquo;jung und naiv&ldquo; Wirkung erzeugen. Und die Mainstream-Medien m&uuml;hen sich ab, die Plattform herunterzumachen, unsauberen Journalismus zu unterstellen und die entscheidenden Aussagen, die Melnyk dort machte, zu relativieren.<\/p><p><strong>Welche Art Interview?<\/strong><\/p><p>In der FAZ erschienen am 6.7. gleich zwei Artikel, die jeweils eine dreiviertel Seite in Anspruch nehmen. Ein erster, erschienen im Politik-Teil und verfasst von &bdquo;Gerhard Gnauck , Warschau, und Markus Wehner, Berlin&ldquo;, tr&auml;gt  die &Uuml;berschrift: &bdquo;Verschwinden wird er sicher nicht&ldquo;. Ein zweiter Artikel, nur mit Gerhard Gnauck als Autor und im Ressort &bdquo;Medien&ldquo; wiedergegeben, hat die &Uuml;berschrift &bdquo;Leise T&ouml;ne werden im Krieg &uuml;berh&ouml;rt&ldquo;. In dem zuletzt genannten Beitrag hei&szlig;t es: &bdquo;Nicht den heutigen Krieg oder aktuelle Kriegsverbrechen wollten die &acute;jungen und naiven&acute; Medienmacher in den Mittelpunkt stellen&hellip; Russische Kriegsverbrechen kamen, so die Auskunft der ukrainischen Botschaft, in dem Gespr&auml;ch erst gar nicht vor. Die Sendemacher nahmen stattdessen eine Passage &uuml;ber Verbrechen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs heraus und schickten sie per Twitter in die Welt. Die Passage erhellt wenig&hellip;&ldquo;<\/p><p>Das ist eine groteske Verzerrung des Interviews. Wobei es schon absurd ist, dass die FAZ sich bei einer der Aussagen, um was es in dem Interview geht, auf die &bdquo;Auskunft der Ukrainischen Botschaft&ldquo; berufen muss. In dem dreist&uuml;ndigen Gespr&auml;ch gibt es ausf&uuml;hrliche Passagen zum Krieg selbst. Die &bdquo;Macher&ldquo; von &bdquo;jung und naiv&ldquo; relativieren mit keinem Wort das, was in diesem Krieg stattfindet. Richtig ist, dass das Thema Bandera \/ OUN \/ Zweiter Weltkrieg rund die H&auml;lfte der dreist&uuml;ndigen Sendung bestimmt.<\/p><p><strong>Wer war Bandera?<\/strong><\/p><p>In der &bdquo;S&uuml;ddeutschen&ldquo; (6.7.) hei&szlig;t es:  Stepan Bandera &bdquo;f&uuml;hrte zeitweilig die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), unter deren Anh&auml;ngern viele Antisemiten waren.&ldquo; Tats&auml;chlich war Bandera ab Mitte der 1930er Jahre Teil der OUN-F&uuml;hrung und ab 1940 und bis Anfang der 1950er Jahre der &ndash; auch so bezeichnete &ndash; &bdquo;F&uuml;hrer&ldquo; der OUN-B, wobei das &bdquo;B&ldquo; f&uuml;r &bdquo;Bandera&ldquo; stand. Die OUN-B war der radikalere Teil der OUN. Die OUN war zu hundert Prozent antisemitisch. Siehe unten. OUN und Bandera sind nicht zu trennen beziehungsweise diejenigen, die das zu trennen versuchen, f&auml;lschen Geschichte.<\/p><p><strong>Wirklich im KZ? Und wenn ja, wann genau?<\/strong><\/p><p>In dem Gnauck\/Wehner-FAZ-Artikel ist zu lesen: &bdquo;Tats&auml;chlich war Bandera [&hellip;] von 1942 bis 1944 eine Art Vorzugsh&auml;ftling im Konzentrationslager Sachsenhausen und konnte diese Befehle [Juden zu vernichten; W.W.] nicht geben.&ldquo; Damit wird die Linie von Melnyk verfolgt, Bandera sei eine Art freischwebende Figur und in der Regel nicht direkt f&uuml;r die OUN-Verbrechen verantwortlich.<\/p><p>Tats&auml;chlich befand Bandera sich von Anfang Juli 1941 bis September 1944 in Sachsenhausen. Die Verbrechen der OUN begannen jedoch mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen ab September 1939; die OUN unter Bandera agierte da als Hilfstruppe der Nazis, auch bei der Vernichtung der j&uuml;dischen Bev&ouml;lkerung. Bandera war damit bis Ende Juni 1941 und ab September 1944 auch Teil der operativen F&uuml;hrung der OUN. Inwieweit er von Sachsenhausen aus &bdquo;Befehle erteilen&ldquo; konnte, mag strittig bleiben. Das ist in diesem Zusammenhang jedoch nicht relevant. Weder distanzierte sich die OUN von ihm noch er sich irgendwann von der OUN und ihrem verbrecherischen Wirken.<\/p><p>Bandera war im KZ Sachsenhausen &bdquo;Ehrenh&auml;ftling&ldquo;. Er bewohnte dort zwei Zimmer, ausgestattet mit M&ouml;beln und Teppichen. Es gibt keinerlei Berichte &uuml;ber Misshandlungen. Faktisch befand er sich dort in einer Art mittelm&auml;&szlig;ig komfortablen Hausarrest, der verh&auml;ngt wurde, weil Banderas Projekt einer unabh&auml;ngigen Ukraine ab Juli 1942 nicht mehr ins Konzept der NS-Kriegsf&uuml;hrung passte.   <\/p><p><strong>Was waren die OUN, die UPA und in welchem Verh&auml;ltnis standen sie zu Stepan Bandera?<\/strong><\/p><p>In dem FAZ-Artikel von Gerhard Gnauck und Markus Wehner hei&szlig;t es: &bdquo;Die von Bandera gef&uuml;hrte Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) wollte einen ethnisch homogenen Staat, in dem es keinen Platz f&uuml;r Juden und Polen geben sollte. Milizen, die sich auf Banderas OUN beriefen, sollen zwischen 1942 und 1944 an der Ermordung zehntausender Juden und Polen im Westen der Ukraine beteiligt gewesen sein. [&hellip;] Bandera und die ohne seine direkte Teilnahme gegr&uuml;ndete Ukrainische Aufst&auml;ndische Armee (UPA) sind in Polen Reizthemen, vor allem im rechten Teil des polnischen Spektrums. Die ethnischen S&auml;uberungen vor allem in der Region Wollhynien hatten damals zehntausende Todesopfer gefordert.&ldquo;<\/p><p>Hier gibt es die typischen Relativierungen, wie sie auch Melnyk dutzendfach im Gespr&auml;ch vornahm; sie sind alle angesichts der geschichtlichen Forschungen durch nichts gerechtfertigt. Die Milizen &bdquo;beriefen&ldquo; sich nicht blo&szlig; auf Bandera; es waren OUN-Milizen bzw. UPA-Milizen. Die UPA war eine Gr&uuml;ndung der OUN-B; sie wurde von der OUN-F&uuml;hrung, in der angegebenen Zeit auch direkt von Bandera, befehligt. Zu schreiben, diese Todesschwadronen &bdquo;sollen&ldquo; an den genannten Verbrechen beteiligt gewesen sein, ist skandal&ouml;s. Sie waren direkt beteiligt, oft Ausf&uuml;hrende. Die Aussage, dass die OUN und die UPA &bdquo;vor allem im rechten polnischen Spektrum&ldquo; verurteilt w&uuml;rden, soll erneut relativierend wirken. OUN\/UPA und Bandera gelten bei der gesamten politisch bewussten polnischen Bev&ouml;lkerung als verbrecherisch; der politisch rechtsstehenden polnischen Regierung ist es eher unangenehm, dass Melnyk und Asow-Regiment-Faschisten die aktuelle Harmonie, die es zwischen Warschau und Kiew gibt, st&ouml;ren. <\/p><p>In dem zweiten FAZ-Artikel, verfasst ausschlie&szlig;lich von Gerhard Gnauck, hei&szlig;t es: &bdquo;In erster Linie wurden polnische Zivilisten ermordet, in zweiter Linie j&uuml;dische. Beide wollte die OUN durch &acute;ethnische S&auml;uberungen&acute; loswerden. Tilo Jung und sein Gespr&auml;chspartner h&auml;tten an dieser Stelle erkl&auml;ren k&ouml;nnen, dass viele V&ouml;lker, die keinen eigenen Staat hatten, zur Waffe des Terrors griffen &ndash; wie Bandera es tat. [&hellip;] Richtig war allenfalls, dass der Nationalist die einmarschierenden Nazitruppen &acute;ausnutzen wollte&acute;, um eine unabh&auml;ngige Ukraine zu schaffen &ndash; was ihm nach wenigen Tagen untersagt und mit Verhaftung beantwortet wurde.&ldquo;<\/p><p>Richtig ist, dass man die faschistische Ideologie und die Verbrechen von Bandera und OUN nur konkret nachvollziehen kann, wenn man sie im Zusammenhang mit den h&ouml;chst unterschiedlichen Phasen des Krieges in Verbindung bringt. Ich nannte dazu, gest&uuml;tzt auf die Darstellung des Historikers Keith Lowe, vier Phasen, was hier nicht zu wiederholen ist.   <\/p><p>Nimmt man die Periode 1939 bis 1945 als Ganzes, dann waren die OUN und die UPA wesentlich mitverantwortlich f&uuml;r die Ermordung von 200.000 J&uuml;dinnen und Juden und f&uuml;r rund 90.000 ermordete Polinnen und Polen. Dass es &bdquo;in erster Linie um polnische Zivilisten&ldquo; gegangen w&auml;re, ist demnach falsch. Die Formulierung, dass man mit Massenmord die polnischen und j&uuml;dischen Menschen &bdquo;loswerden&ldquo; wollte, deutet bereits auf die dann folgenden drei Verharmlosungen hin. Da hei&szlig;t es zun&auml;chst, andere h&auml;tten doch ebenso gehandelt; Terror und Faschismus seien doch eine Art Zug der Zeit gewesen. Im Interview sagte dazu Tilo Jung bereits, dass das damit ja nicht weniger zu verurteilen w&auml;re. Sodann wird behauptet, Bandera h&auml;tte die NS-Besatzer &bdquo;ausnutzen&ldquo; wollen, was ihm aber &bdquo;nach wenigen Tagen untersagt&ldquo; und mit &bdquo;Verhaftung&ldquo; beantwortet worden sei.<\/p><p>Das ist der Skandal im Skandal: Die f&uuml;hrende Zeitung in Deutschland wiederholt faktisch fast alle Relativierungen, die Melnyk in Sachen Bandera\/OUN selbst vortrug. Es ist aber so: Die Ideologie von Bandera und diejenige von OUN und UPA war durch und durch faschistisch und antisemitisch. Sie besagte explizit, dass Juden, Polen und Russen die &bdquo;drei Feinde&ldquo; der Ukraine seien; weswegen diese auszurotten seien. Die Praxis von Bandera und OUN\/UPA entsprach dieser Ideologie. Sie begingen vielfachen Massenmord &ndash; mal im Verbund mit den Nazi-Banden, mal als eigenst&auml;ndige Formationen. Die Art und Weise, wie sie mordeten, unterschied sich nicht von den Methoden der Nazis, was auch damit zusammenh&auml;ngt, dass sie ihre ersten massenhaften Verbrechen (1939-1941) als Hilfstruppen der SS und der Einsatzkommandos der Wehrmacht begingen; dass es die deutsche Seite war, die ihnen das m&ouml;rderische Handwerkszeug beibrachte.<\/p><p>Wenn Melnyk jetzt sagt &ndash; so zitiert in der FAZ &ndash; die Juden seien &bdquo;ein untrennbarer Teil der Geschichte meiner Heimat, ein fester Bestandteil unserer DNA&ldquo;, dann wirkt das grotesk vor dem Hintergrund seiner vielfachen Aussagen, Stepan Bandera sei ein &bdquo;K&auml;mpfer f&uuml;r die ukrainische Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; gewesen, den er bewundere. Das machte er auch dadurch deutlich, dass er am 27. April 2015 bei seinem Besuch in M&uuml;nchen am Grab des Antisemiten und Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera Blumen niederlegte. Im jung-und-naiv-Interview erkl&auml;rte er zwei Mal und mit Verve, dass er sich nicht von Bandera distanzieren werde.<\/p><p><strong>Die Fl&uuml;chtlinge und der aktuelle Rassismus<\/strong><\/p><p>Der Rassismus der Bandera-OUN-Ideologie spielt auch im aktuellen Ukraine-Krieg eine erkennbare Rolle. Wobei es so gut wie keine Juden auf ukrainischem Gebiet mehr gibt; und es so bei einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Kiew und Tel Aviv bleibt. Und Polen enger B&uuml;ndnispartner und wichtige Durchgangsstation f&uuml;r die Waffenlieferungen ist, weswegen man sich hier keinen h&auml;rteren Disput leisten kann.<\/p><p>Es bleibt von den drei Feinden der Ukraine Russland. Und Russischsprachige gibt es in der Ukraine als Ganzes wohl um die 40 Prozent; auf dem aktuell verbliebenen, von Kiew beherrschten Gebiet sind es wohl um die 30 Prozent. Und selbst in Lwiw, der Heimatstadt von Melnyk, sind es nach dessen eigenen Aussagen rund ein F&uuml;nftel. Zwei Mal in dem &bdquo;jung und naiv&ldquo;-Gespr&auml;ch wurde Melnyk gefragt, ob er denn keine russischen oder russischsprachigen Freunde oder Bekannte h&auml;tte. Er verneinte dies. Das ist im &Uuml;brigen verwunderlich, da er ja in den Jahren 2010 bis 2014 auch unter dem ukrainischen, eher russlandfreundlichen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowytsch als Diplomat treu diente.<\/p><p>Doch offensichtlich hat sich der Mann inzwischen klar entschieden. Neu f&uuml;r einen j&uuml;dischen Pr&auml;sidenten Selenskyj und dabei gleichbleibend f&uuml;r den Judenhasser Bandera. In dem Interview rechtfertigt er das Verbot von zehn Parteien in der Ukraine, da diese alle &bdquo;russlandfreudlich&ldquo; seien; auch w&uuml;rde die russische Kultur &bdquo;als Waffe&ldquo; eingesetzt, weswegen er auch auf diesem Gebiet entsprechende Ausgrenzungen und Verbote mitzutragen scheint.<\/p><p>Melnyk wurde beim Thema Fl&uuml;chtlinge rhetorisch gefragt, ob er denn wisse, welches Land &ndash; nach Polen &ndash; am meisten Fl&uuml;chtlinge aufgenommen habe. Die Antwort: 1,1 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer seien nach Russland gefl&uuml;chtet. Und dies, so &bdquo;jung und naiv&ldquo;-Journalist Hans Jessen, seien die offiziellen Zahlen des UN-Fl&uuml;chtlingshilfswerks UNHCR. Melnyk protestierte mehrfach gegen diese Feststellung und bezweifelte die Glaubw&uuml;rdigkeit dieser Zahl. Er behauptete, diese Menschen seien &uuml;berwiegend deportiert oder zur Flucht in diese Richtung gezwungen worden.<\/p><p>In der &bdquo;Neuen Z&uuml;rcher Zeitung&ldquo; vom 6. Juli gibt es eine interessante Reportage aus dem Donbass. In dieser wird ein Bewohner der Stadt Slowjansk, die sich noch unter ukrainischer Kontrolle befindet, wie folgt zitiert: &bdquo;Eines ist klar: Dieser Krieg muss sofort aufh&ouml;ren.&ldquo; Viele Dinge seien falsch gelaufen hier im Donbass. &bdquo;Daran tr&auml;gt die Regierung in Kiew auch Schuld. Wir h&auml;tten zumindest Autonomie bekommen m&uuml;ssen, wenn nicht sogar mehr. Schlie&szlig;lich sprechen wir Russisch, kein Ukrainisch.&raquo; <\/p><p>Weiter <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/international\/krieg-im-donbass-reportage-aus-einer-untergehenden-region-ld.1690961?ga=1&amp;kid=nl164_2022-7-5&amp;mktcid=nled&amp;mktcval=164_2022-07-06\">hei&szlig;t es im NZZ-Bericht<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie ist nicht die Einzige in der Stadt, die so denkt. &acute;Ein gewisser Teil unserer Einwohner ist nun einmal prorussisch&acute;, sagt Wadim Lach, der B&uuml;rgermeister. &acute;Das ist ein Problem. Aber wir k&ouml;nnen daran nichts &auml;ndern. Ich frage mich nur, warum diese Leute nicht einfach hin&uuml;ber nach Russland gehen.&acute;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Es war die 2014 an die Macht gekommene Regierung Jazeniuk, die Russisch als zweite Amtssprache abschaffte, was wesentlich zum Krieg in der Ostukraine und zum Entstehen der &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; beitrug. Es war die Regierung Poroschenko, die 2019 ein Gesetz beschlie&szlig;en lie&szlig;, wonach in der Ukraine alle Publikationen, die in russischer Sprache erscheinen, zugleich in ukrainischer Sprache publiziert werden m&uuml;ssen. Das Gesetz trat Anfang 2022, kurz vor Kriegsbeginn, in Kraft; es bedeutet das Aus f&uuml;r viele Zeitungen, Zeitschriften und Verlage, die in erster Linie in russischer Sprache publizieren. Und es sind heute Selenskyis eigene Leute, die der russischsprachigen Bev&ouml;lkerung zurufen: Geht doch r&uuml;ber!<\/p><p>Titelbild: Oleksandr Polonskyi\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das dreist&uuml;ndige Gespr&auml;ch von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85554\">&bdquo;jung und naiv&ldquo;<\/a> vom 30.6. mit Andrij Melnyk, dem Botschafter der Ukraine in Deutschland, bot ausreichend Stoff daf&uuml;r, dass der Mann umgehend den Hut nehmen und seinen Job abgeben m&uuml;sste. Rechtfertigung von Antisemitismus und eine Verharmlosung des Holocaust sollten in Deutschland nicht akzeptabel sein. Und ein Loblied auf einen Polen-Schl&auml;chter<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85638\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":85639,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,107,198,183,171,125],"tags":[3249,1945,1542,1289,1830,2840,3202,799,259,260,966],"class_list":["post-85638","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antisemitismus","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-medienkritik","category-militaereinsaetzekriege","category-rechte-gefahr","tag-bandera-stepan","tag-faschismus","tag-faz","tag-holocaust","tag-jung-tilo","tag-massenmord","tag-melnyk-andrij","tag-polen","tag-russland","tag-ukraine","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/shutterstock_1969386013.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85638"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85672,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85638\/revisions\/85672"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}