{"id":85684,"date":"2022-07-11T08:46:07","date_gmt":"2022-07-11T06:46:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85684"},"modified":"2022-07-11T22:44:23","modified_gmt":"2022-07-11T20:44:23","slug":"die-fehlentscheidungen-und-falschaussagen-der-usa-bei-den-kriegen-gegen-irak-und-libyen-als-warnsignal-fuer-europa-in-zeiten-der-ukraine-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85684","title":{"rendered":"Die Fehlentscheidungen und Falschaussagen der USA bei den Kriegen gegen Irak und Libyen als Warnsignal f\u00fcr Europa in Zeiten der Ukraine-Krise"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund des russischen Krieges in der Ukraine und den ma&szlig;geblich von den USA gesteuerten Reaktionen der NATO und der EU ist es angeraten, sich &uuml;ber m&ouml;gliche Konsequenzen f&uuml;r Europa Gedanken zu machen, vor allen Dingen f&uuml;r den Fall, dass sich Washingtons Position aus nationalem Interesse &auml;ndert. Im Folgenden wird anhand von einigen Beispielen aufgezeigt und erinnert, mit welcher Selbstverst&auml;ndlichkeit die US-Administration und auch f&uuml;hrende Politiker nach dem Eingest&auml;ndnis schwerwiegender Fehlentscheidungen einfach zur Tagesordnung &uuml;bergehen, ohne politische Konsequenzen zu ziehen und ohne &uuml;ber die Folgen f&uuml;r ihre eigenen Verb&uuml;ndeten nachzudenken. <strong>Von J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5674\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85684-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707-Warnsignal-fuer-Europa-in-Zeiten-der-Ukraine-Krise-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707-Warnsignal-fuer-Europa-in-Zeiten-der-Ukraine-Krise-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707-Warnsignal-fuer-Europa-in-Zeiten-der-Ukraine-Krise-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707-Warnsignal-fuer-Europa-in-Zeiten-der-Ukraine-Krise-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85684-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220707-Warnsignal-fuer-Europa-in-Zeiten-der-Ukraine-Krise-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220707-Warnsignal-fuer-Europa-in-Zeiten-der-Ukraine-Krise-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Beispiele f&uuml;r politische Fehlentscheidungen<\/strong><\/p><p><strong>Der Krieg in Afghanistan 2001-2021<\/strong><\/p><p>Als Vergeltung f&uuml;r die Terroranschl&auml;ge des 11. September 2001 f&uuml;hrten die USA mit Unterst&uuml;tzung der NATO und anderer Verb&uuml;ndeter eine Milit&auml;roperation gegen die in Afghanistan herrschenden Taliban mit der Begr&uuml;ndung durch, sie w&uuml;rden den f&uuml;r den Anschlag verantwortlichen Terroristen Unterschlupf gew&auml;hren. Den eigentlichen Kampfauftrag beendeten die USA im Dezember 2014 und wechselten in eine Unterst&uuml;tzungsoperation. Eine vorherige Absprache mit der NATO fand nicht statt. Als sich immer mehr abzeichnete, dass die Taliban erneut auf dem Wege zur Macht&uuml;bernahme sind und Friedensgespr&auml;che<strong> <\/strong>wenig erfolgreich erschienen, beendeten die USA im August 2021 die gesamte Afghanistan-Operation und zogen &ndash; ohne vorherige R&uuml;cksprache mit ihren Verb&uuml;ndeten und der afghanischen Regierung &ndash; alle US-Truppen ab und lie&szlig;en das v&ouml;llig destabilisierte Land v&ouml;llig auf sich gestellt zur&uuml;ck.<\/p><p><strong>Die amerikanischen Sanktionen gegen den Irak nach der Operation &bdquo;Desert Storm&ldquo; 1991 und die Bewertung durch die ehemalige US-Au&szlig;enministerin Madeleine Albright<\/strong><\/p><p>Im August 1990 marschierten irakische Truppen v&ouml;lkerrechtswidrig in das benachbarte Kuwait ein und besetzten das Emirat. Nachdem die USA im Weltsicherheitsrat auf der Basis von zwei gef&auml;lschten Videos das Mandat erhalten hatten, auch milit&auml;rische Ma&szlig;nahmen gegen den Irak zu ergreifen, um Kuwait zu befreien, begann im Januar 1991 die von den USA angef&uuml;hrte &bdquo;Operation Desert Storm&ldquo;. Nach dem R&uuml;ckzug der irakischen Truppen aus dem Emirat und dem erfolgreichen Ende des Milit&auml;reinsatzes verh&auml;ngten die USA mit Unterst&uuml;tzung der &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; massive Sanktionen gegen den Irak. Die Folgen waren f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung verheerend. Die Vereinten Nationen versuchten das Leid der Bev&ouml;lkerung durch das Programm &bdquo;Oil for Food&ldquo; zu lindern, indem humanit&auml;re Ma&szlig;nahmen durch &Ouml;lverk&auml;ufe des Irak finanziert werden sollten. Das Programm funktionierte aber nicht, weil zu viele Produkte auf der Sanktionsliste der USA standen und deswegen nicht importiert werden durften. Krebspatienten bekamen keine Medikamente mehr, f&uuml;r Nierenkranke stand keine Dialyse mehr zur Verf&uuml;gung und tausende von Kindern starben an den Folgen von Hunger und Krankheiten. Der Sonderbeauftragte der UNO f&uuml;r das &bdquo;Oil for Food&ldquo;-Programm, der deutsche Diplomat Hans-Christof Graf von Sponeck, trat aus Protest wegen den von den USA verh&auml;ngten Sanktionen von seinem Amt zur&uuml;ck, um sich nicht mitschuldig zu machen.<\/p><p>Mitverantwortlich f&uuml;r die amerikanischen Sanktionen war die US-Politikerin Madeleine Albright, 1993-1997 UN-Botschafterin der Vereinigten Staaten und von 1997-2001 Au&szlig;enministerin der USA. Am 23. M&auml;rz dieses Jahres ist Madeleine Albright verstorben. Nach dem Prinzip &bdquo;De mortuis nihil, nisi bene&ldquo; &auml;u&szlig;erten sich westliche Politiker &uuml;berschw&auml;nglich zur Lebensleistung von Madeleine Albright und priesen sie geradezu als eine Lichtgestalt f&uuml;r zuk&uuml;nftige Generationen von Politikern. Normalerweise handele ich auch nach dem angesprochenen Grundsatz, sehe mich aber im konkreten Fall dazu nicht in der Lage.<\/p><p>Am 12. Mai 1996 f&uuml;hrte die amerikanische Journalistin Leslie Stahl im US-Sender CBS ein 60-min&uuml;tiges Interview mit Madeleine Albright und fragte sie u.a. zu den Folgen der von den USA verh&auml;ngten Sanktionen gegen den Irak:<\/p><p><strong>Leslie Stahl:<\/strong> <em>&ldquo;We have heard that a half million children have died (as a result of sanctions against Iraq). I mean, that is more children than died in Hiroshima. And, you know, is the price worth it?&rdquo;<\/em><\/p><p><strong>Madeleine Albright:<\/strong> <em>&ldquo;I think this is a very hard choice, but the price, we think the price is worth it.&rdquo;<\/em><\/p><p>In einem Focus-Interview vom 13. November 2013 korrigierte Albright diese Aussage, als sie u.a. nach ihren gr&ouml;&szlig;ten Fehlern gefragt wurde:<\/p><p><strong>FOCUS:<\/strong> <em>Sie sagten einmal, Sie k&ouml;nnten damit leben, dass wegen der Sanktionen gegen den Irak Kinder sterben. Das sei es wert gewesen. Wie beurteilen Sie Ihre Aussage heute?<\/em><\/p><p><strong>Albright:<\/strong> &bdquo;<em>Das war die d&uuml;mmste Bemerkung, die ich je gemacht habe. Ich h&auml;tte es nie sagen sollen. Aber ich bin &uuml;berzeugt, dass Menschen verstehen m&uuml;ssen, dass das Leid der <\/em><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/orte\/irak\/\"><em>irakischen<\/em><\/a><em> Bev&ouml;lkerung nicht die Schuld der USA oder der internationalen Gemeinschaft war, sondern die von Saddam Hussein. Aber es war trotzdem eine d&auml;mliche Aussage.&ldquo;<\/em><\/p><p>Damit war das Thema f&uuml;r Madeleine Albright offensichtlich erledigt.<\/p><p><strong>Der Irak-Krieg 2003 <\/strong><\/p><p>Obwohl die irakische Bev&ouml;lkerung unvorstellbar unter den immer noch bestehenden Sanktionen litt, gab es keine Anzeichen f&uuml;r eine politische Schw&auml;chung des irakischen Herrschers. Ganz im Gegenteil schien sich seine politische Position st&auml;ndig zu verbessern, und die internationale Staatengemeinschaft war wegen des Leids der Menschen im Irak nicht mehr bereit, die Sanktionen weiterhin mitzutragen. Es war aus der Sicht Washingtons zu bef&uuml;rchten, dass Saddam Hussein f&uuml;r eine unbestimmte Zeit weiterhin den Irak beherrschen w&uuml;rde. Um das zu verhindern, planten die USA eine erneute Milit&auml;roperation gegen den Irak, um Saddam Hussein zu st&uuml;rzen.<\/p><p>Deshalb hielt der damalige US-Au&szlig;enminister Colin Powell am 5. Februar 2003 eine Rede vor dem Weltsicherheitsrat, mit der er den Krieg der USA gegen den Irak, der im M&auml;rz 2003 beginnen sollte, begr&uuml;ndete und rechtfertigte. Er behauptete, der Irak verf&uuml;ge &uuml;ber Massenvernichtungswaffen, darunter fahrbare biologische Labore, habe ein umfangreiches verbotenes Raketenprogramm und unterst&uuml;tze den internationalen Terrorismus.*<\/p><p>Bereits im September 2005 bedauerte Powell in einem Fernsehinterview seinen Auftritt im UN-Sicherheitsrat. Im US-Fernsehsender ABC sagte Powell u.a., er f&uuml;hle sich <em>&bdquo;furchtbar&ldquo;<\/em> wegen seinen Aussagen, die sich sp&auml;ter als unhaltbar herausgestellt h&auml;tten. Dies sei ein <em>&bdquo;Schandfleck&ldquo;<\/em> in seiner Karriere. Schlie&szlig;lich sei er es gewesen, der f&uuml;r die Vereinigten Staaten der Welt diese Argumentation pr&auml;sentiert habe. Das werde immer Teil seines Lebenslaufes sein. <em>&bdquo;Es war schmerzlich. Es ist jetzt schmerzlich.&ldquo;<\/em> Er habe keinerlei Beweise gesehen, die einen m&ouml;glichen Zusammenhang zwischen dem Irak unter dem damaligen Machthaber Saddam Hussein und den Terroranschl&auml;gen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten nahelegten, sagte der ehemalige Au&szlig;enminister. Zu den Entwicklungen nach dem Sturz Saddam Husseins &auml;u&szlig;erte Powell sich skeptisch.<\/p><p>Die Vereinigten Staaten h&auml;tten es vers&auml;umt, unmittelbar nach dem Sturz genug Soldaten zu schicken und die irakischen Streitkr&auml;fte rasch wieder aufzubauen. <em>&bdquo;Es w&auml;re vielleicht nicht so ein Durcheinander geworden, wenn wir einige Dinge anders gemacht h&auml;tten&ldquo;&hellip;.<\/em><\/p><p>Dieses von ihm angesprochene &bdquo;Durcheinander&ldquo; ist de facto ein noch heute politisch instabiler Irak, der durch die Sanktionen und die Milit&auml;roperationen auf die Stufe eines Entwicklungslandes zur&uuml;ckgefallen ist. Die Infrastruktur ist weitgehend zerst&ouml;rt, es gibt immer noch nur stundenweise Strom und in vielen St&auml;dten kein sauberes Wasser. Ebenso ist die medizinische Versorgung unzureichend und neben Tausenden von Toten und traumatisierten Menschen, darunter vor allem viele Kinder, haben Millionen Iraker ihre Heimat verloren, sind entweder ins Ausland geflohen und leben als &bdquo;Displaced People&ldquo; im eigenen Land. Auch die Entstehung der Terror-Organisation &bdquo;Islamischer Staat&ldquo; w&auml;re ohne den v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg der USA so nicht m&ouml;glich gewesen.<\/p><p><strong>Der v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg in Libyen und der Sturz von Pr&auml;sident Mohammed Gaddafi<\/strong><\/p><p>Am 17. M&auml;rz 2011 verabschiedete der Weltsicherheitsrat die Resolution 1973. Sie erm&auml;chtigte die internationale Gemeinschaft zu milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen zum Schutz der Bev&ouml;lkerung in dem im Februar 2011 begonnenen B&uuml;rgerkrieg. Konkret billigte der Weltsicherheitsrat ein Waffenembargo gegen Libyen und die Einrichtung einer Flugverbotszone. Zehn Sicherheitsratsmitglieder stimmten f&uuml;r die Resolution, Brasilien, China, Deutschland, Indien und Russland enthielten sich der Stimme. Am 19. M&auml;rz begannen Frankreich, Gro&szlig;britannien und die USA mit ihrem Milit&auml;reinsatz. Sie operierten weit &uuml;ber die vom Weltsicherheitsrat gebilligten milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen, die letztlich zum v&ouml;lkerrechtswidrigen Sturz des libyschen Herrschers f&uuml;hrten. Die sich anschlie&szlig;ende Gesetzlosigkeit f&uuml;hrte dazu, dass es sich bei Libyen mittlerweile um einen &bdquo;Failed State&ldquo; handelt, der von bewaffneten Milizen beherrscht wird und in dem sich noch heute zwei Regierungen um die Macht streiten. Der Krieg in Libyen ist eine wesentliche Ursache f&uuml;r die aktuelle Situation in Mali, wohin sich schwer bewaffnete Tuaregs nach dem Sturz des libyschen Herrschers abgesetzt hatten.<\/p><p>Der damals verantwortliche US-Pr&auml;sident, Barack Obama, hat diesen Krieg in einem Interview mit &bdquo;Fox News Sunday&ldquo; als seinen schlimmsten politischen Fehler bezeichnet.<\/p><p>Ein gr&ouml;&szlig;eres Engagement der USA beim Wiederaufbau Libyens und dem Wiederherstellen der politischen Ordnung und Stabilit&auml;t ist bis heute nicht erkennbar.<\/p><p><strong>Der Atomvertrag mit dem Iran und die Sanktionen gegen das Land<\/strong><\/p><p>2015 wurde der Atomvertrag mit dem Iran geschlossen, der 2018 einseitig und ohne R&uuml;cksprache mit den Verb&uuml;ndeten vom damaligen US-Pr&auml;sidenten Donald Trump gek&uuml;ndigt wurde. Der Iran leidet weiterhin unter den von den USA initiierten und zus&auml;tzlich bilateral verh&auml;ngten Wirtschaftssanktionen. Diese haben neben der Verschlechterung der Versorgungslage der Bev&ouml;lkerung zu einem Wahlsieg s.g. Hardliner gef&uuml;hrt. Seit dem Pr&auml;sidentenwechsel in den USA wird &uuml;ber eine &bdquo;Reaktivierung&ldquo; des Atomvertrags verhandelt. Der Iran macht seine Unterschrift von der Aufhebung aller Sanktionen abh&auml;ngig. Russland will nur dann zustimmen, wenn die bilateralen Absprachen im Rahmen der nuklearen Zusammenarbeit beider Staaten weiterhin Bestand haben.<\/p><p><strong>Die westliche Staatengemeinschaft und ihr Verh&auml;ltnis zu Venezuela<\/strong><\/p><p>2019 brachen die USA die diplomatischen Beziehungen und jegliche Zusammenarbeit mit Venezuela ab. Sie forderten den Sturz von Pr&auml;sident Nicolas Maduro und erkannten den Oppositionsf&uuml;hrer Juan Guaid&oacute; als neuen Pr&auml;sidenten an. Auf Druck der USA schlossen sich die meisten westlichen Verb&uuml;ndeten dem Vorgehen der USA an. Venezuela wurde de facto aus westlicher Sicht zu einem &bdquo;Paria-Staat&ldquo;. Jetzt haben die USA, ohne jegliche R&uuml;cksprache mit ihren Verb&uuml;ndeten, eine 180-Grad-Wende ihrer Venezuela-Politik vollzogen. Nachdem Washington wegen des Ukraine-Kriegs den &Ouml;l-Import aus Russland eingestellt hatte, wurden die Beziehungen mit Venezuela sozusagen &bdquo;wiederbelebt&ldquo;, um die &Ouml;lversorgung der USA mit Hilfe des s&uuml;damerikanischen Landes sicherzustellen. Damit soll vor allem der weitere Anstieg der Kraftstoffpreise gestoppt werden. Eine erste US-amerikanische Delegation hat sich in Caracas mit Vertretern der venezolanischen Regierung getroffen. Beide Seiten haben die ersten Gespr&auml;che positiv beurteilt.<\/p><p>Von den westlichen Verb&uuml;ndeten fordert Washington weiterhin, ihre &Ouml;l- und Gasimporte aus Russland zu stoppen, um dadurch den Krieg in der Ukraine nicht weiter zu finanzieren. Als Kompensation haben die USA eigene Gaslieferungen angeboten. Die EU scheint jetzt diese Import-Option anzunehmen, obwohl das amerikanische Gas zu einem gro&szlig;en Teil durch das umweltsch&auml;dliche Fracking gewonnen wird und deutlich teurer ist als das bislang von Russland gelieferte Gas.<\/p><p><strong>Bewertung<\/strong><\/p><p>De USA verfolgen mit ihrer Politik, unabh&auml;ngig davon, welche Partei gerade den Pr&auml;sidenten stellt, immer vorrangig bis ausschlie&szlig;lich eigene nationale Interessen. Das ist legal und vor allem f&uuml;r eine Gro&szlig;macht auch durchaus &uuml;blich. Da unterscheiden sich China und Russland und auch andere Staaten &uuml;berhaupt nicht von Washington.<\/p><p>Wichtig ist in diesem Zusammenhang f&uuml;r Europa und nicht zuletzt f&uuml;r unser eigenes Land, diese Politik als solche zu erkennen und ihr nicht undifferenziert zu folgen.<\/p><p>Die angeh&auml;ngten Beispiele sollen verdeutlichen, wie absolutistisch die amerikanische Politik ist. Stellen sich politische Entscheidungen als nicht zweckm&auml;&szlig;ig oder gar falsch heraus, werden diese r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht und in der Regel, ohne die Verb&uuml;ndeten, die diese Entscheidungen mitgetragen hatten, umgesetzt. Stellungnahmen der verantwortlichen US-Politiker sind geradezu banal und enthalten trotz der h&auml;ufig katastrophalen Folgen keinerlei pers&ouml;nliche Konsequenzen. Diese m&uuml;ssen nicht nur von den Verb&uuml;ndeten ertragen, sondern vor allem von der jeweils betroffenen Bev&ouml;lkerung ausgehalten werden.<\/p><p>Deshalb muss Europa auch in der aktuellen Situation endlich eigene Positionen beziehen. Jede verh&auml;ngte Sanktion gegen Russland muss hinsichtlich ihres Zieles auf den Pr&uuml;fstand gestellt werden, und zwar auch vor der Frage, ob dabei die Ziele der USA und Europas identisch sind.<\/p><p>Europa muss einen diplomatischen L&ouml;sungsvorschlag zur Beendigung des Krieges machen und dieser muss, auch wenn das nicht nur ungerecht erscheint, sondern letztlich auch ist, Pr&auml;sident Putin die M&ouml;glichkeit geben, sein Gesicht zu wahren. Kriege und ihre Folgen sind leider niemals gerecht. Das hat die Geschichte gezeigt.<\/p><p>Ohne eine diplomatische L&ouml;sung wird &ndash; vereinfacht gesprochen &ndash; Pr&auml;sident Putin weiter bomben lassen, der Westen immer neue Sanktionen verh&auml;ngen und die Zivilbev&ouml;lkerung und die Soldaten auf beiden Seiten den Preis daf&uuml;r bezahlen.<\/p><p>Schlussendlich muss auch die grunds&auml;tzliche Frage beantwortet werden, wie denn das zuk&uuml;nftige Verh&auml;ltnis zu Russland aussehen soll, wenn dieser v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg beendet ist. Soll Russland ein Pariastaat werden oder ein Verb&uuml;ndeter Chinas? Oder sollte man sich nicht vielmehr Gedanken &uuml;ber eine europ&auml;ische Sicherheitsstruktur machen, in die auch Russland eingebunden ist?<\/p><p>Es ist vorstellbar (vielleicht auch sicher?), dass die US-Administration die aktuelle Situation anders bewertet als die EU, n&auml;mlich:<\/p><ul>\n<li>Die F&uuml;hrungsrolle der USA ist gest&auml;rkt.<\/li>\n<li>Die Verb&uuml;ndeten in der NATO sind auf Linie gebracht und wieder im Gleichschritt mit dem gro&szlig;en Bruder auf der anderen Seite des Atlantiks.<\/li>\n<li>Die Regierungen der NATO-L&auml;nder sind bereit, f&uuml;r ihre Verteidigung deutlich mehr Geld auszugeben.<\/li>\n<li>Washington redet in der EU mit, obwohl die USA kein Mitglied sind.<\/li>\n<li>Russland ist &ndash; zumindest in der westlichen Welt &ndash; v&ouml;llig isoliert und mutma&szlig;lich als Rivale auf der Weltb&uuml;hne ausgeschaltet.<\/li>\n<li>Europa verzichtet zuk&uuml;nftig auf russische &Ouml;l- und Gaslieferungen.\n<ul>\n<li>&bdquo;Nord-Stream 2&ldquo; wurde &bdquo;beerdigt&ldquo;<\/li>\n<li>Europa setzt in Zukunft ma&szlig;geblich auf Gaslieferungen aus den USA<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul><p>Mit Blick auf die angef&uuml;hrten Beispiele und auch auf die aktuelle Situation muss jedem verantwortlichen Politiker klar sein, dass Russland (bis zum Ural) ein europ&auml;isches Land und f&uuml;r viele Staaten ein direkter Nachbar ist und nicht auszuschlie&szlig;en ist, dass die US-Administration ihre eigene politische Position &auml;ndert &ndash; und zwar ohne jede R&uuml;cksprache mit &bdquo;Verb&uuml;ndeten&ldquo; &ndash; wenn es aus nationalem Interesse sinnvoll erscheint.<\/p><p>* 11.07.2022 22:15 Uhr: In einer ersten Fassung des Artikels hatte unser Gastautor versehentlich geschrieben, dass die USA ein UN-Mandat f&uuml;r Ihren Angriff auf den Irak 2003 erhalten hatten. Dies stimmt in dieser Form nicht. Wir haben es umgehend korrigiert.<\/p><p>Titelbild: By United States Government &ndash; Made from video <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20030411134510\/http:\/\/www.whitehouse.gov\/news\/releases\/2003\/02\/20030205-1.html\">from this link<\/a>. Transferred from en.wikipedia to Commons., Public Domain, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=3532304\">commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=3532304<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund des russischen Krieges in der Ukraine und den ma&szlig;geblich von den USA gesteuerten Reaktionen der NATO und der EU ist es angeraten, sich &uuml;ber m&ouml;gliche Konsequenzen f&uuml;r Europa Gedanken zu machen, vor allen Dingen f&uuml;r den Fall, dass sich Washingtons Position aus nationalem Interesse &auml;ndert. 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