{"id":858,"date":"2005-08-31T14:52:46","date_gmt":"2005-08-31T12:52:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=858"},"modified":"2016-03-06T09:36:58","modified_gmt":"2016-03-06T08:36:58","slug":"der-spiegel-ein-sprachrohr-von-kirchhofs-institut-fur-finanz-und-steuerrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=858","title":{"rendered":"Der SPIEGEL &#8211; ein Sprachrohr von Kirchhofs &#8220;Institut f\u00fcr Finanz- und Steuerrecht\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>Der SPIEGEL hat seinen Artikel &uuml;ber das Steuermodell Kirchhofs &bdquo;Pauschal sozial?&ldquo; in SpiegelOnline korrigiert. Was allerdings nicht mehr zu korrigieren ist, das ist ein schwerer Versto&szlig; gegen journalistische Grundtugenden, n&auml;mlich die Quelle anzugeben, wenn man &uuml;ber etwas berichtet. In der nachgeschobenen Korrektur musste der SPIEGEL n&auml;mlich eingestehen: Die von ihm ver&ouml;ffentlichten &bdquo;Berechnungen&ldquo; wurden von Kirchhofs &ldquo;Institut f&uuml;r Finanz- und Steuerrecht&rdquo; vorgelegt. W&auml;re das journalistisch fair und sauber dem Leser mitgeteilt worden, h&auml;tte er gewusst, woher &bdquo;der Wind&ldquo; in diesem Beitrag &bdquo;weht&ldquo;.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Es lohnt sich, genauer zu rechnen. In Wirklichkeit ist das Kirchhof-Modell sozialer, als die meisten glauben&ldquo; so berichtet der SPIEGEL in seiner urspr&uuml;nglichen Story dem erstaunten Leser. Er tut also so, als h&auml;tten die Autoren selbst diese Rechnung vorgenommen und b&uuml;rgten daf&uuml;r mit ihrer journalistischen Professionalit&auml;t. In der Korrektur hei&szlig;t es dann kleinlaut: &bdquo;Die Berechnungen wurden von Kirchhofs &ldquo;Institut f&uuml;r Finanz- und Steuerrecht&rdquo; vorgelegt. Bei den von den Steuerexperten angestellten Berechnungen wurden in der Spalte&acute; bisherige Rechtslage ` drei steuerabzugsf&auml;hige Aufwendungsarten mitberechnet, aber dem SPIEGEL nicht beziehungsweise falsch &uuml;bermittelt und deshalb in der Grafik nicht korrekt dargestellt.&ldquo;<br>\nWarum schreibt der SPIEGEL nicht von vorneherein, dass ihm die Berechnungen von Kirchhof &bdquo;vorgelegt&ldquo; und &bdquo;&uuml;bermittelt&ldquo; wurden?<br>\nDie Antwort ist ziemlich einfach: Das h&auml;tte der Geschichte jeden Neuigkeits- oder &Uuml;berraschungseffekt genommen. Denn dass Kirchhof sein Modell sch&ouml;n rechnet, das h&auml;tte niemand verwundert. Der SPIEGEL wollte deshalb nicht eingestehen, dass er schlicht Kirchhofs Darstellung &uuml;bernommen hat. Er hat damit Kirchhofs Berechnungen, den Anschein &ndash; um nicht zusagen, die &bdquo;Weihe&ldquo; &ndash; objektiver und unabh&auml;ngiger Berichterstattung gegeben und damit die (immer noch von vielen zugestandene) journalistische &bdquo;Autorit&auml;t&ldquo; des SPIEGELs gegen&uuml;ber seinen Leserinnen und Lesern missbraucht.<br>\nWas w&uuml;rde man dem Spiegel vorwerfen, wenn er ohne Angabe der Quellen einfach die steuerpolitischen Rechenmodelle von FDP, CDU, SPD, ja wom&ouml;glich der Linkspartei als seine journalistische Position ausg&auml;be? Richtig: Man w&uuml;rde sagen, der SPIEGEL sei parteiisch. Gerade so ist es aber auch bei der verdeckten &Uuml;bernahme der Berechnungen von Kirchhof. Man darf &uuml;brigens gespannt sein, wie der SPIEGEL die Druckfassung dieses Beitrags korrigiert. <\/p><p>Ob die vom SPIEGEL korrigierte und jetzt nachgeschobene Berechnung, wonach ein Manager mit 300.000 Euro Jahresbrutto nach dem Steuermodell Kirchhofs trotz einer drastischen Senkung seines Steuersatzes auf 25% mehr Einkommenssteuer zu bezahlen h&auml;tte als nach jetzigem Recht, stimmt, damit befassen sich derzeit eine Reihe von Steuerexperten. Wir werden dar&uuml;ber berichten. Was einen ganz normalen Lohnsteuerzahler allerdings ohne n&auml;here Pr&uuml;fung erstaunt, ist die H&ouml;he des Vorsorgeaufwands die vom Kirchhof-Institut in dem gegriffenen Rechenmodell als derzeit steuerfrei abgesetzt wird. Und was einen Normalarbeitnehmer gleichfalls &auml;rgern muss, ist die steuerliche Absetzbarkeit des Erhaltungsaufwands zweier Immobilien. Einmal abgesehen, dass der normale Lohnempf&auml;nger es wohl selten im Laufe seines Arbeitslebens zu zwei Immobilien bringen wird, jedenfalls kann er den Erhaltungsaufwand f&uuml;r sein H&auml;uschen oder f&uuml;r seine Mietwohnung mit keinem Cent von seiner Steuerlast absetzen.<br>\nDass die derzeitigen Abschreibungsm&ouml;glichkeiten bei Vermietung und Verpachtung oder dass der Fiskus Einkommen aus Aktiengewinnen und Aktienverk&auml;ufen au&szlig;erhalb der Spekulationsfrist steuerlich beg&uuml;nstigt, das haben wir schon h&auml;ufig kritisiert. Dass das &bdquo;reformiert&ldquo; oder wie bei den Aktiengewinnen &bdquo;re-reformiert&ldquo; geh&ouml;rt, steht genauso au&szlig;er Frage, wie die Abschaffung andere Abschreibungsm&ouml;glichkeiten und Steuerprivilegien, die sich die Reichen und Superreichen &uuml;ber die Jahre gegen&uuml;ber dem Fiskus &bdquo;erk&auml;mpft&ldquo; haben. Es ist schlicht ein steuerpolitischer Skandal, dass die Bezieher hoher und h&ouml;chster Einkommen &ndash; und das alles mit Zustimmung des Haushaltsgesetzgebers &ndash; sich arm rechnen k&ouml;nnen und bei einer vielfachen Einkommensh&ouml;he weniger Einkommensteuer bezahlen m&uuml;ssen, als mancher normale Lohnsteuerzahler, dem heute seine Steuern schon vorab vom Gehalt abgezogen werden.<\/p><p>Dieser skandal&ouml;se Zustand ist aber noch lange kein zwingendes Argument, f&uuml;r die Abkehr vom grundlegenden Prinzip der Steuerbelastung nach der Leistungsf&auml;higkeit, d.h. nach der H&ouml;he des Einkommens &ndash; eines der Kernelemente des Sozialstaates.<br>\nDenn welches derzeit diskutierte Steuermodell man auch immer unterstellt, unbestreitbar ist, dass vor allem die mittleren Einkommensbezieher bei einer flat tax von 25% weniger Steuern sparen k&ouml;nnten als die hohen und h&ouml;heren Einkommensbezieher.<br>\nNach Berechnungen des DIW Berlin (Wochenbericht 16\/2004) w&uuml;rde der Netto-Einkommensmillion&auml;r um fast 9 % seines Nettoeinkom mens, also 90.000 Euro j&auml;hrlich, ein Arbeitnehmer mit 15.000 bis 20.000 Euro Nettoein kommen nur um 0,6 %, also 90 bis 120 Euro j&auml;hrlich entlastet<br>\n. Was daran sozial gerecht sein soll, wird das Geheimnis des in fast allen Talkshows und von vielen Leitartiklern hochgelobten radikalen Steuerreformers Kirchhof bleiben. <\/p><p>&Uuml;brigens: Ein so gro&szlig;es Geheimnis ist es nun auch wieder nicht. Die meisten, die &ouml;ffentlich die flat tax bejubeln &ndash; wie wohl auch der Gro&szlig;teil der SPIEGEL-Redakteure &ndash; geh&ouml;ren solchen Einkommensschichten an, die davon am meisten profitieren w&uuml;rden. Das Sein bestimmt eben einmal mehr das Bewusstsein der Kirchhof-Fan-Gemeinde.<br>\nEntgegen der allgemeinen Medienbegeisterung f&uuml;r das Kirchhof-Modell sehen das die &uuml;berwiegende Mehrheit der Menschen ganz anders: Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des &bdquo;Stern&ldquo; sprachen sich 56 % gegen eine einheitliche Einkommenssteuer bei Streichung aller Steuerprivilegien aus und lediglich 33 % bef&uuml;rworten eine flat tax. <\/p><p>Wie ein einfaches und sozial gerechtes Steuersystem aussehen k&ouml;nnte, siehe dazu einen Vorschlag von IMK und WSI:<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-663DCD6E\/hbs\/hs.xsl\/320_38326.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-663DCD6E\/hbs\/hs.xsl\/320_38326.html\">Hans B&ouml;ckler Stiftung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der SPIEGEL hat seinen Artikel &uuml;ber das Steuermodell Kirchhofs &bdquo;Pauschal sozial?&ldquo; in SpiegelOnline korrigiert. 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