{"id":85825,"date":"2022-07-14T09:00:52","date_gmt":"2022-07-14T07:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85825"},"modified":"2022-07-19T15:25:30","modified_gmt":"2022-07-19T13:25:30","slug":"keine-annaeherung-mehr-mit-putins-regime-michael-roth-spd-im-gespraech-mit-den-nachdenkseiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85825","title":{"rendered":"\u201eKeine Ann\u00e4herung mehr mit Putins Regime!\u201c &#8211; Michael Roth (SPD) im Gespr\u00e4ch mit den NachDenkSeiten"},"content":{"rendered":"<p>Michael Roth, der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages und einer der vehementesten transatlantischen Vertreter der SPD-Fraktion, traf sich am 12. Juli mit Journalisten, Wirtschaftsvertretern und Diplomaten zu einem Gespr&auml;ch &uuml;ber den Krieg in der Ukraine und die Rolle Deutschlands. Die NachDenkSeiten waren dabei, fragten nach und dokumentieren f&uuml;r unsere Leser das aufschlussreiche Gespr&auml;ch, das unter anderem eklatante Wissensl&uuml;cken bei Herrn Roth aufzeigte. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7677\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85825-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220714-Michael-Roth-SPD-im-Gespaerch-mit-den-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220714-Michael-Roth-SPD-im-Gespaerch-mit-den-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220714-Michael-Roth-SPD-im-Gespaerch-mit-den-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220714-Michael-Roth-SPD-im-Gespaerch-mit-den-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85825-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220714-Michael-Roth-SPD-im-Gespaerch-mit-den-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220714-Michael-Roth-SPD-im-Gespaerch-mit-den-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Sitzungsraum des <a href=\"https:\/\/korrespondenten.com\/korrespondenten-cafe\">&bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo;<\/a> im Steigenberger-Hotel, gelegen zwischen Kanzleramt und Berliner Hauptbahnhof, war erneut gut gef&uuml;llt an diesem 12. Juli. Bevor der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages zu seinem Vortrag eintraf, war das informelle Hauptthema zwischen dem Klappern von Kaffeetassen und Fr&uuml;hst&uuml;ckstellern die Abberufung des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk. So erkl&auml;rt ein bekannter ehemaliger ARD-Auslandskorrespondent mit verschmitztem Gesicht:, &bdquo;Ich werde nie wieder &uuml;ber Tilo Jung l&auml;stern, dank ihm ist diese Type weg.&ldquo; Ein altgedienter Diplomat erwidert: &bdquo;Endlich!&ldquo;. In diesem Moment betritt Roth den Raum, wirft einen Blick &uuml;ber die Zuh&ouml;rerschaft und erkl&auml;rt: &bdquo;Viel zu wenig Frauen hier. Zu Ende meiner T&auml;tigkeit als Staatssekret&auml;r im Ausw&auml;rtigen Amt arbeiteten fast nur noch Frauen f&uuml;r mich.&ldquo; Dann f&uuml;hrte er noch aus, dass er M&auml;nnern im Ausw&auml;rtigen Amt (AA), die sich beschwerten, dass sie mit ihrem Geschlecht kaum noch Karrierechancen im AA h&auml;tten, psychologische Beratung empfahl. <\/p><p>Nach einer kurzen Einf&uuml;hrung durch den Leiter des &bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo;, den &ouml;sterreichischen Journalisten Ewald K&ouml;nig, ging Roth dann umgehend in die Vollen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es wird ja immer deutlicher, dass es sich nicht nur um einen Vernichtungskrieg gegen ein Volk und ein Land geht, das (sic!) von Putin ausgeht, sondern auch ein Krieg, der viele unmittelbare Folgen f&uuml;r uns hat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dann f&uuml;hrte er weiter aus, dass es nicht erst seit dem 24. Februar eine &bdquo;Zeitenwende&ldquo; g&auml;be, sondern dass man dies erst ab dem 24. Februar erkannt h&auml;tte. Diese Hypothese untermauert er dann mit einem Beispiel, das Fragen aufwirft, auf Basis welcher Quellen sich der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Bundestages so informiert: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Vergessen wir nicht, wir haben 2008 den Georgienkrieg, der von Russland ausging und zu einer nachhaltigen Destabilisierung des Landes gef&uuml;hrt hat und einer der Gr&uuml;nde, wieso Georgien nicht den (NATO-)Kandidatenstatus erhalten hat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Behauptung von Roth ist nachweislich falsch. Die nach dem Georgienkrieg von der EU eingesetzte Untersuchungskommission kam zu dem <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/russland-georgien-eu-zf-20090930-idDEBEE58T0KH20090930\">eindeutigen Urteil<\/a>, dass der f&uuml;nft&auml;gige Krieg zwischen Georgien und Russland vom georgischen Milit&auml;r auf Befehl des damaligen Pr&auml;sidenten Michail Saakaschwili begonnen wurde.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220713-Screenshot1.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220713-Screenshot1.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Auf die sp&auml;tere Nachfrage des anwesenden NachDenkSeiten-Redakteurs, ob Roth die Erkenntnisse der EU-Untersuchungskommission anzweifelt, wich er mit Allgemeinpl&auml;tzen aus.<\/p><p>In dieser Manier aus Halbwahrheiten und Verk&uuml;rzungen ging es dann weiter. Als weiteren Beleg f&uuml;r die &bdquo;Brutalit&auml;t und H&auml;rte von Putin&ldquo; f&uuml;hrt er &bdquo;den Tschetschenienkrieg&ldquo; an, in dem Putin &bdquo;Grosny dem Erdboden gleichgemacht&ldquo; h&auml;tte. Mit keinem Wort erw&auml;hnt er dabei, dass der erste Tschetschenienkrieg und die damit einhergehende massive Zerst&ouml;rung von Grosny gar nicht auf das Konto von Putin ging, sondern in der Amtszeit von Boris Jelzin erfolgte, ebenso der Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges, welcher mit dem erneuten Einmarsch im Oktober 1999 begann. Als Vorsitzender des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Bundestages sollte man wissen, dass Wladimir Putin sein Amt als Pr&auml;sident erst im Mai 2000 antrat. <\/p><p>&bdquo;Wenn es um die Durchsetzung seiner eigenen Interessen geht, scheut er vor nichts zur&uuml;ck und wir haben seit 2014 gesehen, den Krieg im Osten der Ukraine, dem rund 14.000 Menschen zum Opfer gefallen sind&ldquo;, so Roths darauffolgendes Beispiel. Auch hier stellt er die circa 14.000 bis Februar 2022 get&ouml;teten Menschen, davon mindestens 3.500 Zivilisten, als ausschlie&szlig;liche Opfer Putins dar. Dass <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/Documents\/Countries\/UA\/29thReportUkraine_EN.pdf\">laut UN-Bericht<\/a>  aber ein Gro&szlig;teil der get&ouml;teten Zivilisten (rund 80 Prozent) auf das Konto der ukrainischen Armee und deren Artilleriebeschuss geht, l&auml;sst er in diesem Zusammenhang komplett unerw&auml;hnt. <\/p><p>Nach diesen ausnahmslos bez&uuml;glich ihres Faktengehalts zu hinterfragenden Aussagen von Roth allein in den ersten f&uuml;nf Minuten seines Vortrags setzt er dann &uuml;bergangslos zu einer Hymne auf die transatlantische Partnerschaft mit den USA an, erneut verbunden mit einer rein spekulativen Behauptung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir alle wissen, dass ohne Biden, ohne die Vereinigten Staaten von Amerika, die Ukraine diesen Krieg schon l&auml;ngst verloren h&auml;tte und Russland schon dabei w&auml;re, Moldau oder irgendein anderes Land anzugreifen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Nochmal zur Erinnerung, das sagt der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages und SPD-Abgeordnete gegen&uuml;ber Journalisten und Diplomaten und nicht irgendein CDU-Hinterb&auml;nkler oder unbedeutender Blogger im Hinterzimmer einer Kneipe. <\/p><p>Doch es sollte noch besser kommen. Im Anschluss an seine Hymne auf die USA erkl&auml;rt er dann:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es haben ja nicht alle Deutschen ihren Frieden mit der klaren Westbindung geschlossen. Aber mittlerweile wurden diese Stimmen, die den Eindruck erwecken wollten, als sei die NATO mit schuld an diesem Krieg, L&uuml;gen gestraft. Diese Kritik wird jetzt nur noch von einigen Ewiggestrigen gef&uuml;hrt, die mich als Kriegstreiber bezeichnen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Roth f&uuml;hrt weiter aus, dass er sich f&uuml;r die Aussagen &bdquo;einiger dieser Herren&ldquo; sch&auml;me. In diesem Zusammenhang namentlich genannt wurden der einstige Kohl-Berater und CDU-Politiker Horst Teltschik, der ehemalige Hamburger Oberb&uuml;rgermeister und SPD-Bundesminister Klaus von Dohnanyi sowie der FDP-Politiker Gerhart Baum. <\/p><p>Im Weiteren erkl&auml;rte er es dann noch f&uuml;r &bdquo;Quatsch&ldquo; und Kreml-Propaganda, dass die Sanktionen Deutschland mehr schaden w&uuml;rden als Russland: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Putin&rsquo;sche Propaganda versucht nat&uuml;rlich, f&uuml;r Unruhe zu sorgen und die westlichen Sanktionen zu delegitimieren, indem der Eindruck erweckt wird, als seien die Hauptleidtragenden der Sanktionen nicht Russland, sondern der Westen selbst, indem wir mit massiv gestiegenen Energiepreisen zu tun haben, das ist nat&uuml;rlich alles Quatsch, aber diese Propaganda funktioniert tadellos.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Seinen Vortrag schloss der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses mit der Aussage ab, dass die Ukraine gute Chancen h&auml;tte, den Krieg gegen Russland zu gewinnen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Ukraine hat die Chancen dazu, diesen Krieg zu gewinnen. Gewinnen hei&szlig;t f&uuml;r mich, dass die Ukraine in territorialer Integrit&auml;t Bestand hat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Im Anschluss an den Vortrag fragte NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg, ob Roth, angesichts seiner Aussagen, dass Russland den Georgienkrieg begonnen h&auml;tte, die Einsch&auml;tzung der EU-Untersuchungskommission infrage stellt oder alternative Erkenntnisse habe. Ebenso wollte er wissen, welche Vorstellungen Roth von einer weiteren Zusammenarbeit mit Russland hat oder ob er f&uuml;r einen kompletten Kontaktabbruch mit dem gr&ouml;&szlig;ten Fl&auml;chenland der Erde votiert, wenn er Vertreter der Brandt&rsquo;schen Ostpolitik unter dem Diktum &bdquo;Wir wollen ein Land der guten Nachbarn sein&ldquo; wie etwa Klaus von Dohnanyi als Ewiggestrige bezeichnet. <\/p><p>Seine Antwort auf letztere Frage lautete: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn Sie mich so offen fragen, Herr Warweg, und diese schmerzhaften Gewissheiten muss man ja einfach mal sagen, kann ich mir unter Putins Regime keine Ann&auml;herung mehr vorstellen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Aus Gr&uuml;nden der Transparenz und Dokumentation geben wir in Folge im Wortlaut die gesamte Antwort des Vorsitzenden des Ausw&auml;rtigen Ausschusses auf die Nachfragen der NachDenkSeiten wieder: <\/p><ol>\n<li>Roths Antwort auf die Frage bzgl. seiner Aussage, die im direkten Gegensatz zu den Erkenntnissen der EU steht, Russland h&auml;tte den Krieg in Georgien 2008 begonnen: <\/li>\n<\/ol><blockquote><p>\n&bdquo;Da ich selbst an der sogenannten Kontaktlinie in S&uuml;dossetien, Abchasien war, wei&szlig; ich selber, dass diese beiden, ich wei&szlig; gar nicht, ob sie sich Regionen oder Provinzen nennen oder sonst wie, ausschlie&szlig;lich durch eine breite milit&auml;rische und wirtschaftliche Unterst&uuml;tzung Russlands halten. Sie sind offiziell Teile Georgiens, haben sich aber unabh&auml;ngig erkl&auml;rt. Das ist eine Politik der Destabilisierung von L&auml;ndern in der Region. Und darauf wollte ich hinweisen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><ol start=\"2\">\n<li>Antwort auf die Frage der NachDenkSeiten, wie er sich die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen vorstellt: <\/li>\n<\/ol><blockquote><p>&bdquo;Dann bin ich bei den Beziehungen zu Russland. Ich habe gerade am Wochenende, k&ouml;nnen Sie vielleicht <a href=\"https:\/\/www.michaelroth.eu\/wp-content\/uploads\/sites\/421\/2022\/07\/2022-07_Michael_Roth__Eine_neue_Ostpolitik_f__r_die_Zeitenwende.pdf\">nachlesen<\/a>, in der &bdquo;Welt am Sonntag&ldquo; ein l&auml;ngeres St&uuml;ck gehabt, wo ich nochmals erkl&auml;re, warum das, was ich einfordere, keine Abkehr von der Brandt&rsquo;schen Ostpolitik ist, sondern ganz im Gegenteil. Die Fehler der Ostpolitik sind in den 80er Jahren gemacht worden, aber nicht in den 60er und 70er Jahren. Und diese damalige Ostpolitik war auch verkn&uuml;pft mit Wehrhaftigkeit. Wir hatten damals 400.000 Soldaten unter Waffen in Deutschland (Anmerkung Florian Warweg: Er meint mit &bdquo;Deutschland&ldquo; allerdings nur die BRD, nicht die DDR) und haben drei Prozent unserer Wirtschaftsleistung in die Verteidigung investiert. Und es gab damals eine Sowjetunion, die nur den Status Quo verteidigt hat. Und wenn man Erleichterungen f&uuml;r die B&uuml;rger der DDR erreichen wollte, war man gezwungen, mit Moskau zusammenzuarbeiten. Das hat sich nat&uuml;rlich komplett ge&auml;ndert nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen. Wir haben es mit souver&auml;nen Staaten zu tun. Und niemand muss in Moskau nachfragen. Die Ukraine, Georgien und andere Staaten, das Baltikum, w&uuml;rden es sich verbitten, dass &uuml;ber ihre Zukunft, in welchem B&uuml;ndnis auch immer, ob das EU oder NATO ist, mit Moskau gesprochen wird.<\/p>\n<p>Wenn Sie mich so offen fragen, Herr Warweg, und diese schmerzhaften Gewissheiten muss man ja einfach mal sagen, kann ich mir unter Putins Regime keine Ann&auml;herung mehr vorstellen. Wir m&uuml;ssen uns jetzt, und das geht mit erheblichen Kosten einher, dauerhaft aus der Energieabh&auml;ngigkeit von Russland befreien. Das w&auml;re sicherlich leichter gewesen, wenn wir von vorneherein auf Nord Stream 2 verzichtet h&auml;tten, der Fanclub bezieht sich ausschlie&szlig;lich auf Deutschland und &Ouml;sterreich. Ich kenne kein einziges Land, das Nord Stream 2 seine Zustimmung erteilt hat. Das ist &uuml;berall als Egotrip Deutschlands wahrgenommen worden. Wir haben mit Nord Stream 2 den Bogen &uuml;berspannt. Also, wir werden uns jetzt aus der Energieabh&auml;ngigkeit befreien, wir werden massiv in Aufr&uuml;stung, Wehrhaftigkeit und Abschreckung investieren m&uuml;ssen. Die NATO hat ja jetzt auch in Madrid beschlossen, die gr&ouml;&szlig;te Gef&auml;hrdung f&uuml;r Frieden geht von Russland aus und dem m&uuml;ssen wir nat&uuml;rlich auch Rechnung tragen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit Putin zum Status, &auml;h, zur&uuml;ckkehren werden. Nat&uuml;rlich wird Russland aber ein zentraler internationaler Akteur bleiben, st&auml;ndiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat. Wir werden auch im Nahen Osten keine dauerhafte Friedens- oder Stabilit&auml;tsl&ouml;sung ohne Russland bekommen. Auch beim Iran-Deal brauchen wir eine konstruktive Haltung Russlands. Also hei&szlig;t das f&uuml;r mich nicht, dass wir alle Gespr&auml;chsformate komplett beenden mit Russland, nat&uuml;rlich werden wir auch mit Russland reden, ich gebe mich aber keinen Illusionen hin. <\/p>\n<p>Was mich optimistisch stimmt, zwar besitzt kein Land der Welt mehr Atomwaffen als Russland, aber davon abgesehen ist Russland noch nicht einmal eine Regionalmacht. Russland ist nicht wettbewerbsf&auml;hig. Russland lebt derzeit von der Substanz. Das sind vor allem die erheblichen fossilen Energietr&auml;ger. Aber es ist in Sachen Forschung, Technologie und Bildung weit, weit abgeschlagen. Es gibt keine Innovation, die auch von der Gesellschaft ausgehen k&ouml;nnte. <\/p>\n<p>Die einzige Sprache, die Putin verstehen wird, ist Geschlossenheit, ist Wehrhaftigkeit, ist Abschreckung. Also gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Distanz zu Russland.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Werte Leser, was halten Sie von diesen Ausf&uuml;hrungen des Vorsitzenden des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, des SPD-Politikers Michael Roth? Schreiben Sie uns gerne Ihre Einsch&auml;tzung: <a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe@nachdenkseiten.de<\/a>.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85993\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Florian Warweg<\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/cb5cc1ea140b4b4c908729be4893e909\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Roth, der Vorsitzende des Ausw&auml;rtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages und einer der vehementesten transatlantischen Vertreter der SPD-Fraktion, traf sich am 12. 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