{"id":8589,"date":"2011-03-07T11:51:48","date_gmt":"2011-03-07T10:51:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8589"},"modified":"2014-08-11T12:55:31","modified_gmt":"2014-08-11T10:55:31","slug":"haben-sie-die-gleiche-leitkultur-wie-der-neue-innenminister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8589","title":{"rendered":"Haben Sie die gleiche Leitkultur wie der neue Innenminister?"},"content":{"rendered":"<p>Mich verbindet jedenfalls mit Dr. Friedrichs Katholischer <a href=\"http:\/\/www.ludovicia.de\/index.php?idcatside=4&amp;mod1_22_page=1\">Studentenverbindung Ludovicia Augsburg im KV<\/a>, die Frauen wie selbstverst&auml;ndlich von der Verbindung ausschlie&szlig;t, nicht mehr als mit dem t&uuml;rkischen Vater, der wegen seines islamischen Glaubensverst&auml;ndnisses nicht will, dass seine Tochter eine weiterf&uuml;hrende Schule besucht. Aber ich w&uuml;rde nicht in Zweifel ziehen, dass beides zur Realit&auml;t unseres Landes geh&ouml;rt. Der neue Innenminister bezweifelt, dass auch der Islam inzwischen zu Deutschland geh&ouml;rt. (Siehe unten Anlage) Dahinter stecken Vorstellungen von so genannten Identit&auml;ten, die angeblich zu unserem Land geh&ouml;ren, und Vorstellungen von einer Leitkultur, die an sich schon abwegig sind. Das eigentlich wichtige Merkmal ist die Pluralit&auml;t der Ansichten und der Lebensweisen. Es gibt wichtige Grundlagen unseres Gemeinwesens, auf die wir uns verst&auml;ndigt haben und auf die man sich immer wieder besinnen sollte. Aber ob gerade Vorstellungen aus dem Milieu des neuen Innenministers als besonders pr&auml;gend dazugeh&ouml;ren, kann man mit Recht bezweifeln. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nSchon mit Schrift und Tonlage der Webseite der Studenten-Verbindung unseres Innenministers verbindet mich nichts. Das gilt vermutlich auch f&uuml;r andere Vorstellungen des Milieus, aus dem der Innenminister stammt:<\/p><ul>\n<li>Das Z&ouml;libat zum Beispiel ist meiner Vorstellung von unserer &bdquo;Leitkultur&ldquo; so fremd wie das Kopftuch des T&uuml;rkenm&auml;dchens.<\/li>\n<li>Der Missbrauch von Kindern in christlichen Heimen und Schulen sollte genauso wenig zu unserem Land &bdquo;geh&ouml;ren&ldquo;(um die Sprache des Innenministers aufzunehmen) wie der Menschen verachtende Ehrenkodex in manchen t&uuml;rkischen Familien. Und geh&ouml;rt die Weigerung der katholischen Kirche, die Gesch&auml;digten wenigstens finanziell angemessen zu entsch&auml;digen, identit&auml;tsstiftend zu unserem Land? Nach meinen Vorstellungen nicht.<\/li>\n<li>Geh&ouml;rt die t&auml;gliche Zurschaustellung halbnackter Frauen auf der ersten Seite der Bild-Zeitung zur Leitkultur unseres Landes? So wenig und so viel vermutlich wie das Verbot des t&uuml;rkischen Vaters an seine Tochter, mit Bikini zum Schwimmunterricht zu gehen. Die Herren von der CSU und den katholischen Kartellverb&auml;nden haben sich damit als identit&auml;tstiftendem Merkmal unserer &bdquo;Leitkultur&ldquo; vermutlich auch nur deshalb arrangiert, weil die Bild-Zeitung ihnen nahe steht und weil sie Frauen so gebrauchen, wie Bild sie gebraucht.<\/li>\n<li>Mit kommerziellen Fernsehsendern, die junge Leute in ihren billig produzierten Sendungen, auf grobe Weise &uuml;bereinander her ziehen lassen und Aggressionen f&ouml;rdern, verbindet mich so wenig wie mit der Aggression eines t&uuml;rkischen Jungen, der seine Schwester verfolgt, weil sie mit einem Deutschen geht.<\/li>\n<li>Und geh&ouml;rt es zu unserer Leitkultur, dass private Aktion&auml;re am Wasserverbrauch von Millionen von Menschen verdienen? Und soll es Identit&auml;tsstiftend sein, wenn Klinikkonzerne 15 % Umsatzrendite f&uuml;r ihre Aktion&auml;re anstreben und dabei die Gesundheit vieler Menschen opfern? Die Gastfreundschaft vieler islamischer Familien h&auml;tte ich jedenfalls viel lieber als Merkmal meiner Leitkultur als die kalte Mentalit&auml;t deutscher Betriebswirte, aus Menschen auch noch das letzte heraus zu pressen.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Pluralit&auml;t akzeptieren und auf die Wahrung einiger weniger Grunds&auml;tze achten<\/strong><\/p><p>Auch unter Deutschen herk&ouml;mmlicher Herkunft ist die Bandbreite an Wertvorstellungen und Verhaltensweisen offensichtlich sehr breit. Wir sollten diese Pluralit&auml;t endlich akzeptieren und anmahnen, und uns gegen Versuche, zum Beispiel der Herren Friedrich und Sarrazin wehren, ihre eigene, enge Welt als identit&auml;tsstiftend darzustellen und f&uuml;r uns alle verbindlich zu machen. Zwischen der &bdquo;Kultur&ldquo; eines Herrn Sarrazin zum Beispiel und den Vorstellungen seiner Frau vom Schulunterricht und dem, was viele andere f&uuml;r lebens- und liebenswert halte, liegen Welten. <\/p><p>Es gibt ein paar Grundwerte und Versprechen unseres Grundgesetzes zur Gestaltung unseres Landes. An manche halten sich gerade besonders eifrige Vertreter einer angeblichen Leitkultur am allerwenigsten:<br>\nZum Beispiel an das Versprechen, dass unser Gemeinwesen sozialstaatlich gepr&auml;gt sein soll. Dieses Versprechen ist gerade in den letzten 20 Jahren in Zeiten der Herrschaft konservativer Zeitgenossen besonders oft und pr&auml;gend verletzt worden.<br>\nZum Beispiel das Versprechen, dass die politische Willensbildung demokratisch ablaufen soll. Stattdessen herrscht Medien- und finanzielle Macht und die Hauptmatadore der Leitkulturvorstellung sind die Hauptprofiteure der Verletzung des Demokratiegebots.<br>\nZum Beispiel Gleichheit und Gleichstellung. In das Milieu des Herrn Bundesministers Friedrich ist diese Vorstellung immer noch nicht eingedrungen. Siehe seine Studentenverbindung.<\/p><p><strong>Anlage:<\/strong><\/p><p>05. M&auml;rz 2011, 09:56&nbsp;Uhr<br>\n<strong>Islam-Kontroverse um Innenminister<br>\n&ldquo;Ohrfeige ins Gesicht der Muslime&rdquo;<\/strong><br>\nStarke Spr&uuml;che, heftige Widerworte: Mit seiner Aussage, der Islam geh&ouml;re nicht zu Deutschland,&nbsp;ruft der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich&nbsp;jetzt immer mehr Kritiker auf den Plan &ndash; und rei&szlig;t alte Gr&auml;ben in der Union neu auf.<br>\nBerlin &ndash; Wer als unbekannter Darsteller die gro&szlig;e politische B&uuml;hne betritt, sollte das mit einem Donnerhall tun. Vielleicht hatte sich der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) von eben dieser Maxime leiten lassen, als er kurz nach seinem Antritt verk&uuml;ndete: &ldquo;Dass der Islam zu Deutschland geh&ouml;rt, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen l&auml;sst.&rdquo;<br>\n(&hellip;)<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,749255,00.html\">SPIEGEL Online<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mich verbindet jedenfalls mit Dr. Friedrichs Katholischer <a href=\"http:\/\/www.ludovicia.de\/index.php?idcatside=4&amp;mod1_22_page=1\">Studentenverbindung Ludovicia Augsburg im KV<\/a>, die Frauen wie selbstverst&auml;ndlich von der Verbindung ausschlie&szlig;t, nicht mehr als mit dem t&uuml;rkischen Vater, der wegen seines islamischen Glaubensverst&auml;ndnisses nicht will, dass seine Tochter eine weiterf&uuml;hrende Schule besucht. 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