{"id":85931,"date":"2022-07-15T13:15:23","date_gmt":"2022-07-15T11:15:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85931"},"modified":"2026-01-15T16:19:51","modified_gmt":"2026-01-15T15:19:51","slug":"julian-assanges-qualheimat-london-in-diesen-tagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85931","title":{"rendered":"Julian Assanges \u201eQualheimat\u201c London in diesen Tagen"},"content":{"rendered":"<p>Am vergangenen Wochenende besuchte ich einmal mehr das mir inzwischen ans Herz gewachsene London und sprach mit vielen seiner freundlichen Bewohner. Leider ist es aber auch der Ort, an dem sich WikiLeaks-Gr&uuml;nder Julian Assange seit &uuml;ber einem Jahrzehnt in willk&uuml;rlicher Gefangenschaft aufhalten muss. Die seit l&auml;ngerem geplante Reise fiel zusammen mit Boris Johnsons langsamem R&uuml;cktritt, der l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig schien, und einer Assange-Mahnwache, die wie jeden Samstag am Piccadilly Circus stattfand. Ein subjektiver Reisebericht von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9311\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-85931-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220717_Julian_Assanges_Qualheimat_London_in_diesen_Tagen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220717_Julian_Assanges_Qualheimat_London_in_diesen_Tagen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220717_Julian_Assanges_Qualheimat_London_in_diesen_Tagen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220717_Julian_Assanges_Qualheimat_London_in_diesen_Tagen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=85931-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220717_Julian_Assanges_Qualheimat_London_in_diesen_Tagen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220717_Julian_Assanges_Qualheimat_London_in_diesen_Tagen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Wie an vielen Orten Nordeuropas ist es in London derzeit sehr hei&szlig;, sodass man die ganze Zeit in T-Shirt und kurzen Hosen herumlaufen kann, und zum Gl&uuml;ck sind nirgends Masken vorgeschrieben, auch wenn man im &ouml;ffentlichen Nahverkehr permanent mit Durchsagen konfrontiert wird, die einem das Maskieren nahelegen. Das scheint aber die Reisenden nicht wirklich zu beeindrucken, denn gef&uuml;hlt folgt weniger als 1 Prozent der Londoner zurzeit dieser Propaganda.<\/p><p>In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, wie einerseits bestimmte kritische Medien oder Medien der Gegenseite als Propaganda verfolgt und unterdr&uuml;ckt werden, w&auml;hrend man im &ouml;ffentlichen Raum auf Schritt und Tritt von Werbung und Durchsagen der obigen Art verfolgt wird. Diese sind ja im Grunde Propaganda, welche in diesem Fall von Staat und Apparat gutgehei&szlig;en und gef&ouml;rdert werden.<\/p><p>Am Piccadilly Circus angekommen traf ich auf die &uuml;bliche unerm&uuml;dliche Gruppe, welche Assange schon seit Jahren unterst&uuml;tzt. Manche sind schon seit Assanges Tagen in der ecuadorianischen Botschaft dabei, einige sogar schon davor, als das inzwischen ad acta gelegte schwedische Auslieferungsverfahren gegen Assange vor Londoner Gerichten verhandelt wurde.<\/p><p>Auch die zwei Unterst&uuml;tzerinnen, mit denen ich vor mittlerweile 2&frac12; Jahren <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=56887\">diese Botschaft an den Erzbischof von Canterbury<\/a> &uuml;berbrachte, sind nach wie vor aktiv. Wir sind uns einig, dass es den Versuch wert war, obwohl immer klarer wird, dass der jetzige Erzbischof anscheinend ein Mann des Establishments ist.<\/p><p>Viele der Passanten am Piccadilly Circus haben noch nie von WikiLeaks oder Julian Assange geh&ouml;rt, was in vielen F&auml;llen sicher mit dem Alter zu tun hat. Nach der anf&auml;nglichen Begeisterung und Nutzung von Assange und WikiLeaks sind die Mainstreammedien in den letzten zehn Jahren eher zum Ignorieren bis zur Verunglimpfung von ihm &uuml;bergegangen. Daran scheint sich h&ouml;chstens in den letzten Monaten etwas ge&auml;ndert zu haben. Vielleicht, weil doch mehr Journalisten merken, dass der Fall Assange aufs Engste mit Pressefreiheit und Meinungsfreiheit verbunden ist.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220714_IMG_3593_.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/220714_IMG_3593_.JPG\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Eine positive Erfahrung ist, dass sich ein Teil der Passanten auf l&auml;ngere Gespr&auml;che einl&auml;sst. Es w&auml;re interessant zu wissen, ob die Ermunterung, sich weiter zu dem Fall zu informieren und sich eine eigene Meinung zu bilden bzw. eine Haltung dazu anzunehmen, wirklich wirkt. Viele Menschen in unserer Gesellschaft sind allerdings mit dem t&auml;glichen elementaren Kampf ums (&Uuml;ber-)Leben so besch&auml;ftigt, dass keine Zeit und Energie mehr bleibt, um sich mit &bdquo;nachgeordneten&ldquo; Fragen wie Freiheit und Gerechtigkeit zu besch&auml;ftigen.<\/p><p>Andere sind zu besch&auml;ftigt mit Mode, Unterhaltung und anderen Dingen, wie z.B. ihrem Smartphone, um &uuml;ber diese Fragen nachzudenken. Mir dr&auml;ngt sich der Eindruck auf, dass diese wie auch immer geartete Apathie von den staatlichen und wirtschaftlichen Institutionen gewollt und gef&ouml;rdert wird. Im Londoner Nahverkehr sind nach meinen Beobachtungen ca. 80 bis 90 Prozent der Passagiere mit ihrem Handy besch&auml;ftigt. Roger Waters von Pink Floyd hat das Smartphone in <a href=\"https:\/\/duckduckgo.com\/?q=roger+waters+afshin+rattansi&amp;t=ffsb&amp;iax=videos&amp;ia=videos&amp;iai=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DdCDefH42_Rs\">einem Interview<\/a> als <a href=\"https:\/\/www.huxley.net\/soma\/somaquote.html\">Soma<\/a> bezeichnet, das in Aldous Huxleys Roman &bdquo;Sch&ouml;ne Neue Welt&ldquo; vom Staat als Gl&uuml;cksdroge an die B&uuml;rger verteilt wird. Auch bei Gruppenreisenden liegt das Handy auf dem Scho&szlig; oder in der Hand und wird regelm&auml;&szlig;ig beobachtet und um Rat gefragt. Andererseits wirkt das Handy auch wie der Bildschirm mit Kamera, der in Orwells &bdquo;1984&ldquo; allen B&uuml;rgern vorgeschrieben wird. Unser Smartphone benutzen wir freiwillig.<\/p><p>Dies fiel mir auch bei einem Abendessen mit Freunden auf. Ich hatte mein nicht sehr smartes Handy vergessen und war daher handylos in London unterwegs, was gar nicht so schlimm war, w&auml;hrend meine drei Freunde regelm&auml;&szlig;ig etwas mit ihrem Handy taten. Ich habe dann angemerkt, dass es eigentlich merkw&uuml;rdig ist, dass wir politische Gespr&auml;che &uuml;ber unliebsame Themen und Dissidenten f&uuml;hren, w&auml;hrend das Handy, das Abh&ouml;rmittel schlechthin, auch wenn es abgeschaltet ist, dreifach auf dem Tisch liegt.<\/p><p>Wir haben dann den Versuch gemacht und ein Handy in den <strong>nicht eingeschalteten<\/strong> Mikrowellenofen gelegt und es dann versucht anzurufen und auch eine SMS geschickt. Wir bekamen zu h&ouml;ren, dieses Handy sei nicht erreichbar, und die SMS kam auch erst an, als wir das Handy wieder aus der Mikrowelle herausnahmen. Von nun an bei vertraulichen Gespr&auml;chen also ab in die Mikrowelle mit den Handys! Wer keine Mikrowelle hat, kann sich eine beim Sperrm&uuml;ll besorgen, wer kein Handy hat, braucht vielleicht auch keins.<\/p><p>Leider zieht sich mittlerweile auch ein Riss durch die Londoner Assange-Unterst&uuml;tzer-Gruppe bzw. es gibt mittlerweile mindestens zwei Gruppen, deren Aktionen sich nur manchmal &uuml;berschneiden. Das ist auch menschlich und manchmal ist eine Zellenstruktur auch von Vorteil und schwerer zu st&ouml;ren. Dass ich zur Mahnwache am Piccadilly Circus gegangen bin und nicht zu der <a href=\"https:\/\/wiseupaction.info\/2022\/07\/04\/at-the-heart-of-british-politics-join-the-houses-of-parliament-solidarity-vigil-in-support-wikileaks-publisher-julian-assange-1-3pm-wednesdays-july-2022-2\/\">am Mittwoch am Parliament Square<\/a>, hatte terminliche und geografische Gr&uuml;nde.<\/p><p>Ein anderes Thema, welches in mehreren Gespr&auml;chen aufkam, war Paul Mason, ein britischer Journalist, der sich selbst dem linken Spektrum zurechnet, der mittlerweile aber als Akteur mit Geheimdienstverbindungen enttarnt zu sein scheint. Er selbst bestreitet dies, aber es lohnt sich, z.B. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85693\">diesen Artikel auf den NachDenkSeiten<\/a> und die weiterf&uuml;hrenden Links zu lesen und sich dann eine eigene Meinung zu bilden.<\/p><p>Es ist ja mittlerweile auch bekannt, dass Assange in der ecuadorianischen Botschaft zumindest in den letzten Jahren &uuml;berwacht wurde, und da ist es naheliegend, dass es auch in den Reihen von Assanges Unterst&uuml;tzern Personen gibt, die nicht nur Unterst&uuml;tzer sind, sondern auch f&uuml;r andere Dienste wie z.B. den sogenannten Verfassungsschutz arbeiten.<\/p><p>Diese Dienste haben sehr viel Personal und &bdquo;freie Mitarbeiter&ldquo; und es w&auml;re wohl naiv zu glauben, dass es in Unterst&uuml;tzerkreisen keine Informanten und Agenten gibt. Dar&uuml;ber, wer das wohl ist und wie weit oben bei den Unterst&uuml;tzern diese Doppelspieler angesiedelt sind, kann man nur spekulieren bzw. man kann versuchen, gewisse Aktivit&auml;ten oder Nichtaktivit&auml;ten dahingehend einzuordnen, ohne au&szlig;er Acht zu lassen, dass es f&uuml;r Aktivit&auml;t oder Nichtaktivit&auml;t auch immer verborgene, aber trotzdem legitime Gr&uuml;nde geben kann.<\/p><p>Man braucht deshalb nicht in Paranoia bzw. Misstrauen zu verfallen oder weitere Spaltungen zu betreiben. Die Aktionen der Unterst&uuml;tzer befinden sich auf dem Boden der Legalit&auml;t und hoffentlich werden die Grenzen der Legalit&auml;t von der Legislative nicht weiter in Richtung Unfreiheit verschoben. Wer Aktionen plant, wie z.B. Politikern oder Funktion&auml;ren unbequeme Fragen zu stellen, sollte dies wahrscheinlich im kleineren Kreis und mit dem Handy in der Mikrowelle besprechen. Au&szlig;erdem ist es ja auch prinzipiell gut und gesund, sich eine Privatsph&auml;re zu schaffen bzw. zu erhalten.<\/p><p>Manche Menschen trauen leider &uuml;berhaupt niemandem mehr und das ist nat&uuml;rlich auch &uuml;bertrieben und ungesund. Die allermeisten Menschen f&uuml;hren nicht absichtlich etwas B&ouml;ses im Schilde. Dass wir Menschen aus Bequemlichkeit ziemlich destruktiv sind bzw. dabei mithelfen, in eine ungem&uuml;tliche Zukunft zu steuern, steht auf einem anderen Blatt.<\/p><p>Auf dem Nachhauseweg auf einer sehr gro&szlig;en F&auml;hre war Kaffee nur aus Wegwerfbechern komplett mit Plastikdeckel zu haben und die M&uuml;lleimer quollen &uuml;ber davon, wie an vielen anderen Orten auch. Warum diese Becher &uuml;berhaupt noch beliebt und erlaubt sind, ist eine interessante Frage. Diese &uuml;berquellenden M&uuml;lleimer sind ein Anzeichen daf&uuml;r, dass der Markt doch nicht immer alles richtet und der Staat manche Dinge regulieren sollte.<\/p><p>Ein weitere, sicherlich sogar weitreichendere Ma&szlig;nahme auf der F&auml;hre war, dass man den Kaffee und alles andere nur mit Karte bezahlen konnte und jeder, der dabei (gezwungenerma&szlig;en) mitmacht, hilft dabei, der <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/bargeld-widerstand\/jazz-open-kein-bargeld\/\">Abschaffung von Bargeld<\/a> Vorschub zu leisten. Hier auch noch ein Artikel &uuml;ber die <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/macht-kontrolle\/norwegen\/\">Nutzung von Daten<\/a> aus Kartenzahlungen in Norwegen.<\/p><p>Auch bei diesem Thema kann und sollte sich jeder Mensch umfassend informieren und die eigene Mitwirkung betrachten und &uuml;berdenken. Es geht um ganz elementare Dinge wie Freiheit. Und in diesem Fall hat das auch mit nacktem &Uuml;berleben zu tun, denn in einer komplett bargeldlosen Welt kann einzelnen Individuen oder ganzen Gruppen der Geldhahn und somit der Zugang zu Essen und Obdach komplett zugedreht werden.<\/p><p>Wer dies als Utopie oder Schwarzmalerei betrachtet, sollte wissen, dass WikiLeaks w&auml;hrend der Jagd auf Assange auf Betreiben der US-Regierung von den gro&szlig;en Kreditkartenfirmen <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Kreditkartenzahlung-bei-Wikileaks-wieder-moeglich-bei-VPN-Diensten-nicht-mehr-1911194.html\">gesperrt wurde<\/a>. Derzeit ist die alternative Nachrichtenplattform Consortium News Ziel einer <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2022\/05\/06\/mistaken-paypal-email-means-cn-is-permanently-banned\/\">Sperrung durch PayPal<\/a>. Noch haben wir und diese Plattformen genug Alternativen, aber wenn diese einmal komplett wegfallen, k&ouml;nnte es ungem&uuml;tlich werden.<\/p><p>Ein weiteres Thema w&auml;hrend der Mahnwache waren die Proteste u.a. in Albanien, Holland und Sri Lanka, wo sie zum Sturz der Regierung f&uuml;hrten. Naturgem&auml;&szlig; wurden die Proteste von den in London Protestierenden sehr begr&uuml;&szlig;t. Ich habe da manchmal gemischtere Gef&uuml;hle. Dass man nicht nur in den Niederlanden die intensive Landwirtschaft reformieren kann und sollte, steht wohl au&szlig;er Frage. Ob der Plan der dortigen Regierung, 30 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe stillzulegen, zielf&uuml;hrend ist, ist meines Erachtens allerdings mehr als fraglich. Man sollte meinen, dass mehr kleinere Betriebe, die auf Details beim Umweltschutz mehr achten k&ouml;nnen und die Produkte lokal vermarkten, eher die Antwort sind als noch mehr Marktkonzentration.<\/p><p>&Uuml;ber Sri Lanka hatte ich eine l&auml;ngere Unterhaltung mit dem Kassierer des Kiosks in dem Londoner Vorort, in dem ich wohnte. Ich hatte ihn gefragt, welche Sprache es sei, die aus seinem Smartphone str&ouml;mte. Er sagte, es sei Tamil, worauf ich fragte, ob es um die Proteste in Sri Lanka gehe und was er davon halte. Er blickte sich kurz um, schaltete den Ton aus und erz&auml;hlte mir dann euphorisch vom dortigen Umsturz, der ein Resultat der Korruption und Vetternwirtschaft und der daraus resultierenden Inflation sei.<\/p><p>Bei mir hinterlie&szlig; diese Unterhaltung den Eindruck, dass diese Proteste und der resultierende Umsturz wohl unvermeidbar waren, aber auch die Frage, was danach kommt. Wird der IWF Sri Lanka Bedingungen diktieren, die das Land ausverkaufen und noch mehr Menschen in Armut st&uuml;rzen? Wird es wie in &Auml;gypten, wo der Diktator Mubarak durch den noch schlimmer erscheinenden Al-Sisi ersetzt wurde, die beide vom Westen hofiert und unterst&uuml;tzt wurden und werden?<\/p><p>Wird die kopflose, den USA gegen&uuml;ber servile und selbstm&ouml;rderische Sanktions-Politik der europ&auml;ischen Regierungen, die zu weiterer Inflation und Armut f&uuml;hrt, auch in Europa zu gr&ouml;&szlig;eren Protesten und Umst&uuml;rzen f&uuml;hren? Wenn man sich den Umgang der franz&ouml;sischen Regierung mit den Gelbwesten-Protesten anschaut oder den der deutschen oder niederl&auml;ndischen Polizei mit Corona-Demonstranten, dann l&auml;sst das nichts Gutes ahnen, sondern eher, dass wir auf einen neuen Faschismus zusteuern bzw. schon angekommen sind, diesmal nicht in v&ouml;lkischem Namen, sondern genannt &bdquo;gr&uuml;n&ldquo;, &bdquo;divers&ldquo; und &bdquo;solidarisch&ldquo;.<\/p><p>Diese Worte werden immer mehr als Schlagworte benutzt, ohne dass sie mit dem Gehalt ausgef&uuml;llt werden, der ihrem Wortsinn entspricht. Wenn diese Worte eingesetzt werden, um andere zu entm&uuml;ndigen oder zu diffamieren, dann wird es schwierig. Auch hier sei jedem selbst angeraten, immer genau zu pr&uuml;fen, ob Behauptungen, so wie sie aufgestellt werden, &uuml;berhaupt stimmen (k&ouml;nnen). Aber wem sage ich dies, und das Vorangestellte gilt nat&uuml;rlich auch f&uuml;r meine eigenen Worte.<\/p><p>Ein weiteres Thema in London war der bisher unvollendete Abgang von Boris Johnson, auch wenn es kein brennendes Thema zu sein schien. Es war zu h&ouml;ren, dass die Erleichterung &uuml;ber Johnsons Abgang in der Mainstreampresse wohl eher illusorisch ist, weil jeder seiner m&ouml;glichen Nachfolger Johnson bisher in irgendeiner Art und Weise unterst&uuml;tzt habe. Bei Johnson habe man zumindest gewusst, dass man es mit einem Clown zu tun habe, wohingegen seine Nachfolger eher den Eindruck von aufstrebenden Funktion&auml;ren machen.<\/p><p>Ein Beobachter meinte, dass jetzt wohl eine lange Phase von instabilen Regierungen folgen werde. Vielleicht ist das ein Zeichen der Zeit, aber nicht unbedingt das, was das Vereinigte K&ouml;nigreich gerade braucht. Wenn man allerdings durch die Londoner City geht, fragt man sich sowieso, wo genau die Strippen gezogen werden. Doch dazu an anderer Stelle mehr.<\/p><p>Ein Freund nannte auf meine Frage, wer Johnsons Nachfolger werde, ohne zu z&ouml;gern den Namen Jeremy Hunt, welcher sich in den letzten Jahren zielstrebig vor und hinter den Kulissen in diese Ausgangsposition gebracht habe. Bei der letzten Runde der Vorwahlen zum Vorsitz der Tories schied Hunt allerdings aus dem Rennen aus, aber vielleicht entpuppt er sich ja als der britische Friedrich Merz und kommt auf Umwegen wieder. Oder wie Adenauer, der wartete, bis seine Zeit gekommen war. Der oder die neue Premierminister\/in wird aber aus dem Establishment kommen und zusammen mit der gleichen K&ouml;nigsfamilie regieren.<\/p><p>Diese Person wird wohl die gleichen Gesetzesvorhaben weiterf&uuml;hren, die zur Privatisierung des Gesundheitswesens und zur Einschr&auml;nkung von B&uuml;rgerrechten im Innern f&uuml;hren und die in der Au&szlig;enpolitik auf Eskalation, Scharfmacherei und Diktat gegen&uuml;ber Schw&auml;cheren setzen. Auch hiermit steht das Vereinigte K&ouml;nigreich nicht allein und auch dieser Stoff liefert Themen f&uuml;r mehr als einen Artikel.<\/p><p>Am Ende sei noch meine kurze Begegnung mit dem ehemaligen ecuadorianischen Konsul Fidel Narvaez erw&auml;hnt, der Assange aus gemeinsamen Tagen in der Botschaft kennt und sch&auml;tzt. Er sagte mir, dass die Behandlung von Julian Assange im Hochsicherheitsgef&auml;ngnis Belmarsh schlimm genug sei, dass ihn aber in den USA im Falle einer Auslieferung noch viel Schlimmeres erwarte. Eine Zelle von der Gr&ouml;&szlig;e eines Autoparkplatzes, mit M&ouml;beln aus Beton und Toilette im Raum. Hofgang in einem K&auml;fig zu unregelm&auml;&szlig;igen Zeiten, manchmal mitten in der Nacht. Besuche nur &auml;u&szlig;erst selten und &bdquo;Unterhaltungen&ldquo; mit anderen Gefangenen nur durch Betonw&auml;nde und 10 cm dicke Stahlt&uuml;ren.<\/p><p>Narvaez zeigte sich &auml;u&szlig;erst besorgt wegen der Bedingungen im US-Strafvollzug. Unter diesen <a href=\"https:\/\/www.ranker.com\/list\/what-is-florence-adx-supermax-prison-like\/jacob-shelton\">barbarischen Bedingungen<\/a> leben jetzt schon Tausende von Menschen in den USA, dem Land, zu dem unsere europ&auml;ischen Politiker aufschauen, w&auml;hrend gleichzeitig andere L&auml;nder d&auml;monisiert werden.<\/p><p>Um selbst etwas gegen die m&ouml;gliche Auslieferung zu unternehmen, kann man sich an <a href=\"https:\/\/www.freeassange.eu\/#veranstaltungen\">diesen Mahnwachen<\/a> beteiligen, man kann an MdBs schreiben oder zur moralischen Unterst&uuml;tzung an Assange selbst. Letzte Woche hat der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/wikileaks-usa-auslieferung-psychologische-folter-bundestag-nimmt-julian-assange-petition-an-li.244063\">der Bundesregierung empfohlen<\/a>, auf die Regierung des Vereinigten K&ouml;nigreichs einzuwirken, sodass diese die Auslieferung Assanges an die USA unterbindet. Man darf gespannt sein, ob und was die Bundesregierung unternimmt und ob sie ihre Stimme in Richtung London erheben wird.<\/p><p>Titelbld\/Fotos: &copy; Moritz M&uuml;ller<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am vergangenen Wochenende besuchte ich einmal mehr das mir inzwischen ans Herz gewachsene London und sprach mit vielen seiner freundlichen Bewohner. Leider ist es aber auch der Ort, an dem sich WikiLeaks-Gr&uuml;nder Julian Assange seit &uuml;ber einem Jahrzehnt in willk&uuml;rlicher Gefangenschaft aufhalten muss. Die seit l&auml;ngerem geplante Reise fiel zusammen mit Boris Johnsons langsamem R&uuml;cktritt,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85931\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":85932,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,126,20],"tags":[681,3144,282,2163,469,2958,2297,1554,603,3619,2063,2673,2061],"class_list":["post-85931","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-assange-julian","tag-bargeldloser-zahlungsverkehr","tag-buergerproteste","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-hygieneregeln","tag-johnson-boris","tag-orwell-2-0","tag-ruecktritt","tag-reisebericht","tag-smarte-technik","tag-sri-lanka","tag-umweltverschmutzung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/220714_IMG_3582.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85931","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=85931"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85931\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":85965,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/85931\/revisions\/85965"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/85932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=85931"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=85931"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=85931"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}