{"id":86079,"date":"2022-07-21T09:00:08","date_gmt":"2022-07-21T07:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86079"},"modified":"2022-07-21T18:59:34","modified_gmt":"2022-07-21T16:59:34","slug":"unsere-europaeischen-werte-121-euro-mindestlohn-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86079","title":{"rendered":"\u201eUnsere europ\u00e4ischen Werte\u201c: 1,21 Euro Mindestlohn in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Die Ukraine ist korrupt &ndash; wissen wir, macht nichts, ist ja f&uuml;r die gute Sache. Aber die &auml;rmste und kr&auml;nkeste Bev&ouml;lkerung, Land als Drehscheibe der europaweiten Niedrigstl&ouml;hnerei und des Zigarettenschmuggels, Weltspitze beim Handel mit dem weiblichen K&ouml;rper &ndash; und mehr Soldaten als jeder europ&auml;ische NATO-Staat. Von <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8895\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86079-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220721_Unsere_europaeischen_Werte_1_21_Euro_Mindestlohn_in_der_Ukraine_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220721_Unsere_europaeischen_Werte_1_21_Euro_Mindestlohn_in_der_Ukraine_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220721_Unsere_europaeischen_Werte_1_21_Euro_Mindestlohn_in_der_Ukraine_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220721_Unsere_europaeischen_Werte_1_21_Euro_Mindestlohn_in_der_Ukraine_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86079-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220721_Unsere_europaeischen_Werte_1_21_Euro_Mindestlohn_in_der_Ukraine_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220721_Unsere_europaeischen_Werte_1_21_Euro_Mindestlohn_in_der_Ukraine_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Bei der ersten Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns in der Ukraine, im Jahre 2015, betrug er 0,34 Euro, also 34 Cent pro Stunde. Danach wurde er erh&ouml;ht: 2017 betrug er 68 Cent, 2019 betrug er 10 Cent mehr, also immerhin 78 Cent, und seit 2021 liegt er bei 1,21 Euro. Schon mal geh&ouml;rt?<\/p><p><strong>Selbst dieser Niedrigstlohn wird nicht immer bezahlt<\/strong><\/p><p>Das bedeutet nat&uuml;rlich nicht, dass dieser Mindestlohn in diesem Staat tats&auml;chlich korrekt bezahlt wird. Bei einer vollen Arbeitswoche im Jahre 2017 betrug so der monatliche Mindestlohn 96 Euro. Aber zum Beispiel in der Textil- und Lederindustrie kam dieser Mindestlohn bei einem Drittel der meist weiblichen Besch&auml;ftigten nur durch erzwungene und nicht eigens bezahlte &Uuml;berstunden zustande. Auch Bezahlung nach St&uuml;cklohn ist verbreitet &ndash; die bestimmte Zahl an Hemden muss in einer Stunde fertiggen&auml;ht sein; wenn das nicht klappt, muss unbezahlt nachgearbeitet werden.<\/p><p>Wenn keine Auftr&auml;ge vorlagen, wurde unbezahlter Urlaub angeordnet. Der gesetzlich zustehende Jahresurlaub wurde vielfach nicht gew&auml;hrt bzw. nicht bezahlt. Die Unternehmensleitung verhinderte die Wahl von Belegschaftsvertretungen. Mit diesem Mindestlohn lagen die Menschen weit unterhalb des offiziellen Existenzminimums: Es betrug im besagten Jahr 166 Euro.<\/p><p><strong>Die Hungerlohn-Kette aus der Ukraine in die EU-Nachbarstaaten<\/strong><\/p><p>Es gibt etwa 2.800 offiziell registrierte Textilunternehmen, aber auch eine vermutlich ebenso hohe Zahl an nicht registrierten Kleinunternehmen. Sie bilden seit Jahrzehnten eine ganz normale Schattenwirtschaft, oft in Kleinst&auml;dten und D&ouml;rfern.<\/p><p>Dabei rangieren die meisten dieser Unternehmen nur als Zweitklasse-Zulieferer f&uuml;r die international besser vernetzten Billigproduzenten in den benachbarten EU-Staaten, vor allem in Polen, aber auch in Rum&auml;nien und Ungarn.<\/p><p>So gehen 41 Prozent der Schuhe als Hungerlohn-Halbfertigware aus der Ukraine erstmal in die Niedriglohnfabriken Rum&auml;niens, Ungarns und Italiens: Dort kriegen sie dann das unschuldige und sch&ouml;ne Etikett &bdquo;Made in EU&ldquo;.<\/p><p><strong>Textilbesch&auml;ftigte selbst k&ouml;nnen sich nur Second-hand-Importe aus Deutschland leisten<\/strong><\/p><p>Die Mehrheit der etwa 220.000 Textilbesch&auml;ftigten sind &auml;ltere Frauen. Sie halten sich nur durch eigene Subsistenzwirtschaft &uuml;ber Wasser, etwa durch einen eigenen Garten mit H&uuml;hnerstall. Krankheiten wegen Mangelern&auml;hrung sind verbreitet.<\/p><p>Ihre eigenen Kleider kaufen die Textilarbeiterinnen meist aus Second-hand-Importen: Die kommen vor allem aus Deutschland, Polen, Belgien, der Schweiz und den USA. Die Ukraine importiert n&auml;mlich viel mehr Textilien als sie exportiert.<\/p><p>Die teuren, in der Ukraine vorproduzierten Importe von Boss und Esprit aus dem reichen EU-Westen sind f&uuml;r die reiche Elite und die NGO-Blase in Kiew bestimmt &ndash; w&auml;hrend die Mehrzahl der Importe billigste Second-hand-Textilien sind. Die Textilarbeiterinnen, aber auch die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung k&ouml;nnen sich nur die fast kostenlosen Wegwerf-Textilien aus den reichen Staaten leisten.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Aber westliche Gewerkschaften und &bdquo;Menschenrechtler&ldquo; blicken immer noch nach Asien und Bangladesh, wenn es um menschenrechtswidrige Niedrigl&ouml;hnerei in der Textilindustrie geht. Obwohl die Niedrigl&ouml;hne in der Ukraine viel niedriger sind. Auch bei den aktuellen Diskussionen in der EU und im Deutschen Bundestag &uuml;ber ein Lieferkettengesetz: Da geht der Blick weit hinaus, global, nach Asien, w&auml;hrend die EU-ukrainische Armutskette verleugnet wird.<\/p><p>Hier sitzt sie, die Korruption: C&amp;A, Hugo Boss, Adidas, Marks&amp;Spencer, New Balance, Esprit, Zara, Mexx sind die profitierenden Endabnehmer. Sie leben von der menschenrechtswidrigen Ausbeutung. Hier in den reichen EU-Staaten sitzen die wichtigsten Akteure der Korruption. Klammheimlich begr&uuml;&szlig;en sie freudig die nicht vorhandene bzw. komplizenhafte Arbeitsaufsicht des ukrainischen Staates, und die EU deckt das systemische Arbeitsunrecht ebenfalls, mit rituell-heuchlerischer und folgenloser Anmahnung der Korruption in der Ukraine.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p><strong>Autozulieferer, Pharma, Maschinenbau<\/strong><\/p><p>So &auml;hnlich wie in der Textil- und Lederindustrie l&auml;uft es auch in anderen Bereichen. Die Ukraine war ein Schwerpunkt industrieller Produktion in der Sowjetunion. Nach der Selbstst&auml;ndigkeit 1991 &uuml;bernahmen Oligarchen die Firmen, holten Gewinne raus, steckten nichts in die Innovation. F&uuml;r westliche Firmen standen Millionen gut qualifizierter Besch&auml;ftigter bereit &ndash; zu Niedrigstl&ouml;hnen.<\/p><p>Tausende Unternehmen vor allem aus den USA und EU-Staaten &ndash; allein aus Deutschland etwa 2.000 &ndash; vergeben Zuliefer-Auftr&auml;ge f&uuml;r eher einfachere Teile: Porsche, VW, BMW, Schaeffler, Bosch und Leoni etwa f&uuml;r Autokabel; Pharma-Konzerne wie Bayer, BASF, Henkel, Ratiopharm und Wella lassen ihre Produkte abf&uuml;llen und verpacken; Arcelor Mittal, Siemens, Demag, Vaillant, Viessmann unterhalten Montage- und Verkaufsfilialen. Hier werden durchaus L&ouml;hne von zwei bis drei Euro gezahlt, also mehr als der Mindestlohn, aber eben noch niedriger als in den angrenzenden EU-Staaten Ungarn, Polen, Rum&auml;nien.<\/p><p>Deshalb sind die ukrainischen Standorte mit den Standorten derselben Unternehmen in diesen benachbarten EU-Staaten eng vernetzt, wo die gesetzlichen Mindestl&ouml;hne &uuml;ber 3 Euro und unter 4 Euro liegen. Die Vernetzung gilt aber genauso mit den noch &auml;rmeren Nachbarstaaten Moldau, Georgien und Armenien, die nicht EU-Mitglieder sind. Hier werden ebenfalls Filialen betrieben. Im Zuge der &bdquo;&Ouml;stlichen Nachbarschaft&ldquo;, organisiert von der EU, werden alle Unterschiede der Qualifikation, der noch niedrigeren Bezahlung ausgenutzt &ndash; mit der Ukraine als Dreht&uuml;r.<\/p><p><strong>Millionenfache Arbeits-Migration<\/strong><\/p><p>Diese selektive Ausnutzung von Standortvorteilen durch westliche Kapitalisten hat nicht zur volkswirtschaftlichen Entwicklung gef&uuml;hrt, im Gegenteil. Die Ukraine wurde volkswirtschaftlich verarmt. Die Bev&ouml;lkerungsmehrheit wurde &auml;rmer und kr&auml;nker gemacht. Eine massenhafte Reaktion ist die Arbeitsmigration.<\/p><p>Sie setzte schon fr&uuml;h ein. Bis Ende der 1990er Jahre wanderten mehrere hunderttausend Ukrainer nach Russland aus. Die L&ouml;hne waren zwar nicht viel h&ouml;her, aber in Russland schlagen nicht die exzessive Verwestlichung des Lebensstils und die Verteuerung der Lebenshaltungskosten f&uuml;r Nahrung, Mieten, Gesundheit und staatliche Geb&uuml;hren durch.<\/p><p>Seit den 2000er Jahren und beschleunigt durch die Folgen des Maidan-Putsches 2014 sind etwa 5 Millionen UkrainerInnen als Arbeitsmigranten unterwegs &ndash; etwa zwei Millionen mehr oder weniger dauerhaft im Ausland, etwa drei Millionen pendeln in die Nachbarstaaten. Insbesondere der polnische Staat, der ohnehin Anspr&uuml;che auf westliche Teile der Ukraine erhebt, f&ouml;rdert die Arbeitsmigration aus der Ukraine. Etwa zwei Millionen UkrainerInnen verdingen sich in Polen vor allem in niedrigen Diensten als Putzkr&auml;fte, Haushaltshilfen, Kellner, Altenbetreuer, LkW-Fahrer.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] In Polen bl&uuml;ht auch das Gesch&auml;ft von Vermittlungsagenturen: Die erkl&auml;ren Ukrainer zu polnischen Staatsangeh&ouml;rigen und vermitteln sie etwa als h&auml;usliche Pflegekr&auml;fte nach Deutschland und in die Schweiz: Da wird dann schon mal der dortige Mindestlohn bezahlt, f&uuml;r eine 40-Stunden-Woche, aber in Wirklichkeit m&uuml;ssen die Pflegekr&auml;fte 24 Stunden in Bereitschaft sein, so steht es im Vertrag mit der polnischen Agentur.<\/p><p>Hunderttausende UkrainerInnen verdingen sich zudem dauerhaft, auf Zeit oder hin- und herpendelnd in Rum&auml;nien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien, mit Mindestl&ouml;hnen zwischen 3,10 Euro und 3,76 Euro. Da freuen sich die UkrainerInnen, auch wenn sie ein bisschen unter diese Mindestl&ouml;hne gedr&uuml;ckt werden &ndash; das ist immer noch viel besser als in ihrer Heimat, und die Arbeitsaufsicht sagt nichts und die EU sagt auch nichts.<\/p><p>Studierende aus der Ukraine sind gern engagierte Saisonkr&auml;fte in der EU-Landwirtschaft. Allein in Niedersachsen sind es j&auml;hrlich etwa 7.000 Studierende, die freilich nicht unbedingt studieren, sondern mit gef&auml;lschten Immatrikulationspapieren einreisen. Weder in der Ukraine noch in Deutschland wird kontrolliert, wie eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung ergab.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Mindestlohn in Litauen: 2015 betrug er 1,82 Euro, also f&uuml;nf mal h&ouml;her als damals in der Ukraine; 2020 betrug er 3,72 Euro. Die EU f&ouml;rdert den Ausbau Litauens zur europ&auml;ischen Speditions-Zentrale: Mithilfe K&uuml;nstlicher Intelligenz werden billige und willige LkW-Fahrer aus Drittstaaten wie Ukraine, Moldau, aber auch von weiter her wie von den Philippinen quer durch Europa gelenkt. Sie brauchen keine Sprache zu lernen, sie bekommen ihre Anweisungen &uuml;ber Smartphone und Navigator. So fehlten mit Beginn des Krieges in der Ukraine den Speditionen in Litauen und Polen pl&ouml;tzlich &uuml;ber 100.000 LkW-Fahrer &ndash; aus der Ukraine, sie durften wegen des Milit&auml;rdienstes nicht mehr ausreisen.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>Frauen-Armut I: Es bl&uuml;ht die verbotene Prostitution<\/strong><\/p><p>Der patriarchale Oligarchenstaat Ukraine hat die Ungleichheit zwischen Mann und Frau extrem vertieft. Mit 32 Prozent <em>gender pay gap <\/em>stehen ukrainische Frauen an der allerletzten Stelle in Europa: Im Durchschnitt bekommen sie ein Drittel weniger Lohn und Gehalt als ihre m&auml;nnlichen Kollegen, im Bereich Finanzen und Versicherung sind es bei gleicher Arbeit sogar 40 Prozent[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] &ndash; der EU-Durchschnitt ist 14 Prozent. Wegen der patriarchalen Stereotype werden Frauen zudem besonders h&auml;ufig in prek&auml;re Teilzeitjobs abgedr&auml;ngt, sogar noch weit mehr als in Merkel-Deutschland, das bei der Benachteiligung von Frauen unter den EU-Staaten mit an vorletzter Stelle steht.<\/p><p>Zu dieser patriarchalen Frauen-Armut geh&ouml;rt das Verbot der Prostitution, die aber genau unter diesen Bedingungen besonders bl&uuml;ht. Auch Grundschullehrerinnen, die mit ihren 120 Euro im Monat nicht auskommen, z&auml;hlen zu den gesch&auml;tzten 180.000 Frauen, die in der Ukraine als Prostituierte arbeiten, geschiedene alleinstehende Frauen mit Kind, Arbeitslose.<\/p><p>Weil die Prostitution verboten ist, verdienen Bordellbetreiber ebenso mit wie Polizisten und Taxifahrer, weil sie durch Schweigen gute Einnahmen haben. Auch Privatwohnungen werden genutzt, wie die Bordelle in bester Lage in der Hauptstadt Kiew. Touristen werden angelockt &ndash; mit 80 Euro sind sie dabei. Acht Dienstleistungen pro Nacht &ndash; keine Seltenheit. Etwas weniger als die H&auml;lfte der Einnahmen bleibt bei den Frauen. So manche hoffen auf eine &Uuml;bergangszeit von einem Jahr, zwei oder auch drei Jahren. Oft vergeblich. Ein Drittel wird drogens&uuml;chtig, ein Drittel gilt als HIV-positiv.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Nach der &bdquo;Liberalisierung&ldquo; der Sexualdienste durch die Bundesregierung aus Schr&ouml;der\/SPD und Fischer\/Gr&uuml;nen wurde Deutschland zum &bdquo;Bordell Europas&ldquo;. Die bundeseigene Entwicklungsgesellschaft GTZ warb in ihrem &bdquo;Deutschland-Reisef&uuml;hrer f&uuml;r Frauen&ldquo; um Ukrainerinnen, die jetzt gute Aussichten im Sex-Gesch&auml;ft h&auml;tten. Viele kamen. Merkel-Deutschland wurde zum europ&auml;ischen Zentrum f&uuml;r gewerbliche Prostitution, mehrheitlich zudem illegal und beh&ouml;rdlich geduldet &ndash; g&uuml;nstige Bedingungen f&uuml;r Frauen, die nicht aus einem EU-Mitgliedsstaat kommen. So liegt es nahe, dass Zuh&auml;lter jetzt im Jahre 2022 fl&uuml;chtende ukrainische Frauen schon an der Grenze anzuwerben versuchen.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p><strong>Frauen-Armut II: Der weibliche K&ouml;rper als Nutzungsmaterial<\/strong><\/p><p>Die Ukraine ist f&uuml;r westliche Unternehmen ein gef&auml;lliger Standort f&uuml;r Praktiken, die sonst verboten sind, ein tausendfach genutzter Standort f&uuml;r die US-gef&uuml;hrte Globalisierung. Das gilt auch f&uuml;r die gewerbliche Nutzung des weiblichen K&ouml;rpers, weit &uuml;ber illegale Prostitution hinaus.<\/p><p>Die Ukraine ist der globale hot spot f&uuml;r industrielle Leihmutterschaft, mit weitergehender &bdquo;Liberalisierung&ldquo; als sonst. Die weit verbreitete Frauen-Armut bietet ein unersch&ouml;pfliches Reservoir.<\/p><p>Vittoria Vita, La Vita Nova, Delivering Dreams oder etwas prosaischer BioTex &ndash; unter solchen Namen preisen in Kiew und Charkiw Agenturen f&uuml;r Leihmutterschaft ihre Dienste bzw. ihre Frauen an. In Katalogen werden, f&uuml;r zahlungskr&auml;ftige Ausl&auml;nder, h&uuml;bsche gesunde Ukrainerinnen angeboten. Zwischen 39.900 und 64.900 Euro liegen die Preise f&uuml;r ein gesund abgeliefertes Baby. Aus den USA, Kanada, Westeuropa, China kommen die Wunschkind-Touristen.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Das Wunscheltern-Paar liefert in einer der Dutzend Spezialkliniken Ei und Samen ab. Die werden in der Retorte befruchtet. Dann wird das fremde Embryo der Leihmutter eingepflanzt. Diese tr&auml;gt ein genetisch fremdes Kind aus. Das wurde in den USA entwickelt, ist aber viel teurer: Zwischen 110.000 und 240.000 Euro. In der Ukraine ist es weniger reguliert. Die austragende Frau darf genetisch nichts mit dem Kind zu tun haben, sie ist nur ein fremdes Werkzeug, das nach Benutzung sofort vergessen werden soll, gar nicht mehr existiert &ndash; und f&uuml;r die n&auml;chste Nutzung f&uuml;r ein ganz anderes fremdes Paar bereitsteht.<\/p><p>Die Preise unterscheiden sich je nachdem, ob die Wunscheltern f&uuml;r ihr bestelltes Baby ein bestimmtes Geschlecht haben wollen oder nicht: Ohne Geschlechtswahl kostet es bei BioTex 39.900 Euro, mit zweimaligem Versuch auf das gew&uuml;nschte Geschlecht kostet es 49.900 Euro, und bei zahlenm&auml;&szlig;ig unbegrenzten Versuchen kostet es 64.900 Euro. Zu diesen Angeboten geh&ouml;rt die Hotel-Unterbringung, die Ausstellung der Geburtsurkunde und des Reisepasses im deutschen Konsulat. Bisher wurden mehr als 10.000 solcher Babys weltweit ausgeliefert.<\/p><p>Die Leih- oder Surrogatmutter &ndash; eine Leihmutterfirma tr&auml;gt den dazu passenden Namen: Surrogacy Ukraine &ndash; bekommt w&auml;hrend der Schwangerschaft eine monatliche Pr&auml;mie zwischen 300 und 400 Euro, nach gelungener Ablieferung des Produkts wird die Erfolgspr&auml;mie auf 15.000 Euro aufgestockt. Wenn es eine Fehlgeburt gibt, das Kind behindert ist oder dessen Annahme verweigert wird, bekommen die Leihm&uuml;tter nichts. Deren seelische Verfassung bleibt unbeachtet, gegen gesundheitliche Sch&auml;den besteht keine soziale Absicherung. Untersuchungen &uuml;ber Langzeitfolgen werden nicht angestellt.<\/p><p><strong>Null-Stunden-Vertr&auml;ge, Enteignung der Gewerkschaften<\/strong><\/p><p>Die Selensky-Regierung erh&ouml;hte zwar den Mindestlohn auf 1,21 Euro, schw&auml;cht und zerst&ouml;rt aber gleichzeitig die ohnehin schon seit der Unabh&auml;ngigkeit immer mehr geschw&auml;chten Gewerkschaften. Das Arbeitsgesetz vom Dezember 2019 ist der bisherige H&ouml;hepunkt des extremen Arbeitsunrechts:<\/p><p>*Der Null-Stunden-Arbeitsvertrag ist zul&auml;ssig: Arbeit auf Abruf. Wenn der Unternehmer Arbeit zu vergeben hat, holt er sich kurzfristig den Besch&auml;ftigten. Da kann die Zahl der Arbeitsstunden und das Arbeitseinkommen auch mal Null betragen.<\/p><p>*Entlassungen m&uuml;ssen nicht mehr begr&uuml;ndet werden.<\/p><p>*Die individuelle Aushandlung der Arbeitsvertr&auml;ge wird gef&ouml;rdert &ndash; &bdquo;Aushandlung&ldquo; ist nat&uuml;rlich ein besch&ouml;nigender Begriff f&uuml;r alternativlose Angebote, was bei der hohen Arbeitslosigkeit kein Problem ist. In Unternehmen mit weniger als 250 Besch&auml;ftigten &ndash; das sind &uuml;ber 95 Prozent der Unternehmen &ndash; k&ouml;nnen Tarifverhandlungen ausgesetzt werden. Die davon profitierenden Unternehmen sind insbesondere staatliche, dann die Agrar- sowie Nahrungsmittel- und Tabakkonzerne wie Nestle und Philip Morris.<\/p><p>Au&szlig;erdem sollen die Gewerkschaften enteignet, das Verm&ouml;gen soll eingezogen werden. Auch wenn sie geschw&auml;cht sind, so haben sie aus sowjetischer Zeit noch Grundst&uuml;cke und teilweise gro&szlig;e H&auml;user, und zwar in den Zentren der St&auml;dte. F&uuml;r Selensky sind das &bdquo;russische &Uuml;berreste&ldquo; &ndash; also enteignen!<\/p><p>Hunderttausende Ukrainer protestierten gegen das neue Gesetz &ndash; dar&uuml;ber berichtete keine westliche Tagesschau. In einem gemeinsamen Brief vom 9. September 2021 haben die Internationale Gewerkschafts-F&ouml;deration und die Europ&auml;ische Gewerkschafts-F&ouml;deration &ndash; ITUC, CSI, IGB &ndash; die ukrainische Regierung und das mit der Integration der Ukraine beauftragte EU-Komittee darauf hingewiesen: Die Ukraine verletzt mit dem neuen Arbeitsgesetz nicht nur alle Arbeitsrechte der UNO und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, sondern auch die niedrigen Standards der EU &ndash; keine Reaktion.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p><strong>Enteignung und Verarmung der Bauern<\/strong><\/p><p>Nach der Selbstst&auml;ndigkeit bekamen die etwa 7 Millionen Bauern aus ihren Kollektivfarmen im Durchschnitt etwa vier Hektar Land als Eigentum zugeteilt. Das ist zu wenig, um eine eigenst&auml;ndige Landwirtschaft zu betreiben. Deshalb verpachten die Bauern bisher ihr kleines Land an in- und ausl&auml;ndische Oligarchen f&uuml;r eine niedrige Pachtgeb&uuml;hr, gegenw&auml;rtig im Durchschnitt f&uuml;r 150 Dollar pro Jahr, 2008 waren es noch 80 Dollar.<\/p><p>So hat etwa der Oligarch Andry Werewsky mit dem Konzern Kernel 570.000 Hektar Pachtland zusammengerafft, der Oligarch Oleg Bachmatjuk schaffte es mit UkrLandFarming auf 500.000 Hektar, der US-&bdquo;Heuschrecken&ldquo;-Investor NCH Capital aus New York brachte es auf 400.000 Hektar, der Oligarch Juriy Kosuk f&uuml;r MHP auf 370.000 Hektar, der Oligarch Rinat Achmetov f&uuml;r seine Agro-Holding auf 220.000 Hektar, w&auml;hrend die Continental Farmers Group aus Saudi-Arabien &bdquo;nur&ldquo; 195.000 Hektar pachtet. Schwedische und niederl&auml;ndische Pensionsfonds mischen mit. Aus Bayern kommen Klein-Oligarchen wie Dietrich Treis und Hans Wenzel, die zuhause 60 Hektar haben, in der Ukraine aber unvergleichlich g&uuml;nstig gepachtete 4.500 Hektar bewirtschaften.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Alexander Wolters aus Sachsen hat sich 4.200 Hektar zusammengepachtet, f&uuml;r 60 Euro pro Hektar im Jahr.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Sie alle sind voll in die EU und den westlichen Weltmarkt integriert:<\/p><p>*Die rechtlichen und Steuersitze sind vorzugsweise in den EU-&uuml;blichen Finanzoasen Zypern, Luxemburg und der Schweiz, die ukrainischen Regierungen brachten Steuererlasse und Subventionen bei.<\/p><p>*Sie erhalten immer wieder hohe Kredite der Europ&auml;ischen Bank f&uuml;r Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) und der Europ&auml;ischen Investitionsbank (EIB).<\/p><p>*Die Samen-, D&uuml;ngemittel-, Pestizid- und Landtechnik ist v.a. in den H&auml;nden von US- und deutschen Konzernen wie Cargill, Archer Daniels, John Deere, Corteva, Bayer und BASF.<\/p><p>Hochbezahlte Manager f&uuml;hren die Gesch&auml;fte. Einige wenige der Bauern k&ouml;nnen zum Mindestlohn Hilfsdienste in diesem gro&szlig;fl&auml;chig organisierten Agrobusiness ausf&uuml;hren. Ein bisschen nicht-verpachtetes Land erm&ouml;glicht ihnen k&uuml;mmerliches &Uuml;berleben.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p>Doch die Selensky-Regierung hat die Pacht-Praxis beendet: Seit 1. Juli 2021 k&ouml;nnen die Bauern ihr Land verkaufen, zun&auml;chst nur an K&auml;ufer mit ukrainischer Staatsangeh&ouml;rigkeit. Daf&uuml;r richtet die Regierung ein Auktionsportal ein, in dem auch anonym geboten werden kann. Die Freigabe des Verkaufs der h&ouml;chst fruchtbaren ukrainischen Schwarzerde wurde nicht nur von oligarchischen <em>land grabbern<\/em> verlangt, sondern auch vom Internationalen W&auml;hrungsfonds IWF, der der hochverschuldeten Ukraine f&uuml;r einen neuen 5-Milliarden-Kredit u.a. diese Auflage machte: Land darf verkauft werden, das f&uuml;hrt zu wirtschaftlichem Aufschwung! Ein sp&auml;teres Referendum 2024 soll dann den n&auml;chsten Schritt einleiten: Verkauf des Bodens auch an Ausl&auml;nder. Die weitere Verarmung der Bauernfamilien ist eine der Folgen, die unter diesen Bedingungen eingeleitet wird. Deshalb protestierten viele Bauern gegen diese &bdquo;Landreform&ldquo; &ndash; ohne Wirkung.<\/p><p><strong>Schmuggelzentrale Ukraine: Seit 30 Jahren<\/strong><\/p><p>Ab 1992 kauften die gr&ouml;&szlig;ten Zigarettenkonzerne Philip Morris, R.J. Reynolds, Britisch American Tobacco und Japan Tobacco die Zigarettenfabriken in der Ukraine. Teilweise blieb der Staat ein paar Jahre als Minderheitsgesellschafter dabei.<\/p><p>Die Produktion mit guten, aber nun schlechter bezahlten Fachkr&auml;ften galt zum wenigsten f&uuml;r den ukrainischen Markt. Das gro&szlig;e Spektrum der Luxusmarken wie Marlboro und Chesterfield bis hinunter zu Billigstmarken wurde f&uuml;r den Export produziert. Daf&uuml;r senkte die komplizenhafte Regierung die Tabaksteuer auf ein international konkurrenzloses Niveau, weniger als die H&auml;lfte der in Europa sonst geltenden Steuer. Gleichzeitig blieben die Zollkontrollen auf niedrigstem Niveau.<\/p><p>Ende der 1990er Jahre erkannte die Europ&auml;ische Kommission: Philip Morris &amp; Co produzieren in der Ukraine mehr als 90 Prozent f&uuml;r den Export, einschlie&szlig;lich mit den Billigzigaretten f&uuml;r den globalen Schmuggel in arme Staaten, aber auch in die reichen EU-Staaten. Durch den Schmuggel w&uuml;rden die EU-Staaten j&auml;hrlich um 4 Mrd. Euro gesch&auml;digt. Die EU klagte gegen Philip Morris und Reynolds auf Schadenersatz. Das Gericht in New York wies die Klage 2001 ab. Drei Jahre sp&auml;ter willigte Philip Morris ein, an die EU 1,3 Mrd. Dollar zu zahlen, um den Kampf gegen Schmuggel und gef&auml;lschte Etiketten zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Morris zahlte aber erstmal nicht, 2010 wurde das Abkommen erneuert. Morris hat sich verpflichtet, die Summe, auf 12 Jahre verteilt, an Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Portugal und Spanien zu bezahlen. Diese Staaten haben das Abkommen unterzeichnet &ndash; aber alle osteurop&auml;ischen EU-Staaten nicht. Gleichzeitig bl&uuml;hte hinter den Kulissen die Komplizenschaft: Michel Petite, von 2001 bis 2007 Generaldirektor des Juristischen Dienstes der EU-Kommission, wechselte 2008 zur US-Kanzlei Clifford Chance, &uuml;bernahm dort den Mandanten Philip Morris und wurde auch noch Vorsitzender des &bdquo;Ethik-Komitees&ldquo; der EU.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/p><p>In der Ukraine kostet eine Schachtel Marlboro-Zigaretten trotz inzwischen etwas erh&ouml;hter Tabaksteuer 2,50 Euro und im Kosovo 1,65 (Stand 2021) &ndash; w&auml;hrend die Schachtel in Deutschland 7 Euro kostet, in Belgien 6,20, in Frankreich 10, in Italien 6 usw. Deshalb gehen nat&uuml;rlich der Export und der Schmuggel aus der Ukraine weiter. Deshalb wird rituell-ergebnislos verhandelt, so auch beim 21. Gipfeltreffen EU-Ukraine. &bdquo;Die Ukraine ist zu einer weltweiten Drehscheibe f&uuml;r die Lieferung illegaler Zigaretten nach Europa geworden&ldquo;, so gestand der Vizechef des ukrainischen Pr&auml;sidentenamtes, Alexej Hontscharuk. Pr&auml;sident Zelensky hat nat&uuml;rlich wieder zugesagt, dass die Ukraine den Tabakschmuggel noch heftiger bek&auml;mpfen wird als bisher.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p><strong>Ukraine: H&ouml;chste Milit&auml;rausgaben in Europa<\/strong><\/p><p>Durch den von westlichen Akteuren &ndash; NATO, Horizon Capital, Swedbank, National Endowment for Democracy, Black See Trust, Soros Foundation &ndash; organisierten Maidan-Putsch 2014 wurde der kleine Banker Arsenij Jazeniuk ins Amt des ukrainischen Ministerpr&auml;sidenten gehievt.[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Die Boykotte gegen Russland f&uuml;hrten zum Verlust mehrerer hunderttausend Arbeitspl&auml;tze in der Ukraine &ndash; allein f&uuml;r deutsche Unternehmen wie den Autozulieferer Leoni waren es etwa 40.000.<\/p><p>Die ukrainische Regierung orientierte sich nun an der EU und f&uuml;hrte 2015 einen gesetzlichen Mindestlohn ein: 34 Cent pro Arbeitsstunde. Das war eine deutliche Ansage, auf welchem Niveau sich die Arbeitseinkommen bewegten. Die Besch&auml;ftigten wie in der Textilindustrie und im Agrobusiness freuen sich, wenn der Mindestlohn wirklich gezahlt wird. Andere Besch&auml;ftigte freuen sich, wenn der Stundenlohn in die N&auml;he von drei Euro kommt. Die Arbeitsmigration Richtung Ausland beschleunigte sich, wurde und wird von den nicht so stark verarmten osteurop&auml;ischen Nachbarstaaten gern genutzt. Die Ukraine wurde endg&uuml;ltig zur &bdquo;Lieferantin billiger Arbeitskr&auml;fte in die EU-L&auml;nder.&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p>Der hinsichtlich der Bev&ouml;lkerungsmehrheit aller&auml;rmste Staat in Europa r&uuml;stete mithilfe der NATO, insbesondere der USA und Gro&szlig;britanniens, ab 2016 noch schneller auf, von 2,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) f&uuml;r das Milit&auml;r innerhalb eines halben Jahrzehnts auf das Doppelte bis 2020, also schon vor dem Krieg: auf 5,9 Prozent &ndash; hochprozentigster Musterknabe f&uuml;r die Forderung von US-Pr&auml;sident Obama, die Milit&auml;rbudgets auf 2 Prozent zu erh&ouml;hen. Damit steht die Ukraine nach Saudi-Arabien weltweit an 2. Stelle, noch vor dem zweitbesten US-Musterknaben, dem hochger&uuml;steten Israel.[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]<\/p><p>Das Nicht-NATO-Mitglied Ukraine mit jetzt 41 Millionen Einwohnern hat mit seinen 292.000 Soldaten mehr Milit&auml;rs als die anderen und auch gr&ouml;&szlig;eren NATO-Mitglieder (USA nat&uuml;rlich ausgenommen), also mehr Soldaten als Deutschland, Frankreich, Gro&szlig;britannien, Italien, Griechenland, Spanien, Polen, Rum&auml;nien&hellip; Der Staat mit der aller&auml;rmsten Bev&ouml;lkerungsmehrheit in Europa leistete sich bzw. seinen Herren und Damen in Washington, Br&uuml;ssel, London, Paris und Berlin zugleich die weitaus h&ouml;chsten Milit&auml;rausgaben, vielleicht zur Vorbereitung eines Krieges, oder wof&uuml;r?<\/p><p><strong>Die &auml;rmste und kr&auml;nkeste Bev&ouml;lkerung Europas<\/strong><\/p><p>Der IWF vergab dem &bdquo;korruptesten Staat Europas&ldquo; (Transparency International) Kredite mit Auflagen f&uuml;r Sozial- und Rentenk&uuml;rzungen, f&uuml;r Erh&ouml;hung der Kommunalgeb&uuml;hren (Wasser, Abwasser, M&uuml;ll) und der staatlichen Energiepreise sowie f&uuml;r weitere Privatisierungen. Der IWF war auch Kriegstreiber: Der Verlust des Donbass w&uuml;rde sich negativ auf die H&ouml;he der westlichen Kredite auswirken, lie&szlig; er verlautbaren.[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>]<\/p><p>Die Staatsverschuldung wurde 2020 auf optisch h&uuml;bsche 60 Prozent herabgedr&uuml;ckt &ndash; hervorragend f&uuml;r einen Beitritt zur EU. Begleitfolge: Die Bev&ouml;lkerungsmehrheit ist noch &auml;rmer, die Lebenshaltungskosten, Nahrungsmittel, Kommunalabgaben, Mieten, Gesundheits- und Energiekosten sind gestiegen &ndash; sind nur noch teilweise bezahlbar oder eben gar nicht mehr. Die Durchschnittsrente betrug 2013, vor dem Maidan-Putsch, noch 140 Euro, das war der H&ouml;hepunkt in der Geschichte der unabh&auml;ngigen Ukraine. Seit 2017 betr&auml;gt die Durchschnittsrente 55 Euro. Immer mehr RenterInnen m&uuml;ssen weiterarbeiten.[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>]<\/p><p>Seit der westlich orientierten Unabh&auml;ngigkeit schrumpfte die Bev&ouml;lkerung der Ukraine von 51 Millionen Einwohnern auf jetzt 41 Millionen. Schon vor dem jetzigen Krieg prognostizierte die Internationale Organisation f&uuml;r Migration (IOM) f&uuml;r das Jahr 2050 eine weitere Schrumpfung: 32 Millionen Einwohner, und die w&uuml;rden dann noch mehr im Durchschnitt noch &auml;lter sein als jetzt schon.<\/p><p>Die &auml;rmste Bev&ouml;lkerung Europas ist auch die kr&auml;nkeste: Die Ukraine steht in Europa an erster Stelle der Todesf&auml;lle wegen Mangelern&auml;hrung.[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>]<\/p><p>Wie lobte doch die Pr&auml;sidentin der Europ&auml;ischen Kommission, Frau von der Leyen, so &uuml;berschwenglich: &bdquo;Die Ukraine verteidigt beeindruckend unsere europ&auml;ischen Werte!&ldquo; Deshalb soll die Ukraine EU-Mitglied werden. Die Pr&auml;sidentin f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Die Ukraine verdient diesen Status, denn sie ist bereit, f&uuml;r den europ&auml;ischen Traum zu sterben.&ldquo;[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>]<\/p><p>Die christlich lackierte Politikerin hat mehr recht, als sie glaubt.<\/p><p>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/g\/palex66\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">Protasov AN<\/a> \/ shuttestock<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Oksana Dutschak: Sweatshops am Rande Europas. Wie Markenkleidung in der Ukraine gen&auml;ht wird, Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung 4.12.2017; siehe auch: Clean Clothes Campaign: L&auml;nderprofil Ukraine 2017, herausgegeben von der Rosa Luxemburg-Stiftung.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Imperium EU. ArbeitsUnrecht, Krise, neue Gegenwehr. K&ouml;ln 2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Die n&uuml;tzlichen Migranten. Zwei Millionen Ukrainer in Polen, Deutschlandfunk 27.2.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Ukrainische Saisonarbeitskr&auml;fte in der Landwirtschaft, <a href=\"https:\/\/www.fes.de\/abteilung-analyse-planung-und-beratung\/artikelseite-apb\/ukrainische-saisonarbeitskraefte-in-der-landwirtschaft\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">fes.de<\/a>, 6.4.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Lastwagenfahrer fallen aus. Viele Ukrainer eingezogen, FAZ 9.3.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Gender Pay Gap in the Ukraine, <a href=\"https:\/\/www.globalpeoplestrategist.com\/\">globalpeoplestrategist.com\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] K&auml;ufliche Liebe im Untergrund, Der Spiegel 30.6.2012<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Ukrainerinnen auf der Flucht: &bdquo;Oft schon an Grenze von Zuh&auml;ltern angesprochen&ldquo;, MDR Sachsen 3.6.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Gesch&auml;ft mit dem Babygl&uuml;ck &ndash; Leihm&uuml;tter in der Ukraine, arte-TV 29.1.2021; Babys f&uuml;r die Welt. Das Gesch&auml;ft mit ukrainischen Leihm&uuml;ttern, DLF\/SWR\/ORF 30.11.2021; In der Ukraine boomte das Gesch&auml;ft mit der Leihmutterschaft. Dann kam der Krieg, Stern 25.3.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Sharan Burrow\/ITUC and Luca Visentini\/ETUC: Letter to Mr. Volodymyr Zelenskyy and others, Brussels 9 September 2021, <a href=\"http:\/\/pmguinfo.dp.ua\/images\/photo-news\/09_2021\/original_lista.pdf\">pmguinfo.dp.ua\/images\/photo-news\/09_2021\/original_lista.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Ukraine-Krieg: Niederbayerischer Landwirt bangt um seine Mitarbeiter, Bayerischer Rundfunk 4.3.2022; ARD Tagesschau 17.5.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Deutsche Landwirte in der Ukraine &auml;chzen &uuml;ber Preisschwankungen und Transportprobleme, mdr.de 21.5.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Who Benefits from the Creation of a Land Market in Ukraine? <a href=\"https:\/\/www.oaklandinstitute.org\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">oaklandinstitute.org<\/a>, December 2020; Christina Planks: Land grabs in the Black Earth: Ukrainian Oligarchs and International Investors, Heinrich B&ouml;ll-Stiftung 30.10.2013; Transnational Institute: Land Concentration, Land Grabbing and Peoples&rsquo; Struggles in Europe, June 2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Geschichte der EU-Vereinbarungen zum Tabakschmuggel: Unfairtobacco.org<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Schmuggel: Ukraine will Kooperation mit der EU verbessern, <a href=\"https:\/\/www.euraktiv.de\/section\/eu-aussenpolitik\/news\/schmuggel-ukraine-will-kooperation-mit-der-eu-verbessern\/\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">euraktiv.de\/section\/eu-aussenpolitik\/news\/schmuggel-ukraine-will-kooperation-mit-der-eu-verbessern\/<\/a>, abgerufen 15.7.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Jazeniuk made in USA, Ossietzky 9\/2014<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Olga Gulina \/ Oleksii Pozniak: Ukraine &ndash; Migrationsstr&ouml;me im Wandel, <a href=\"https:\/\/zois-berlin.de\/publikationen\/ukraine-migrationsstroeme-im-wandel\" target=\"_top\" rel=\"noopener noreferrer\">zois-berlin.de\/publikationen\/ukraine-migrationsstroeme-im-wandel<\/a>, 11.4.2018<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Milit&auml;rausgaben der Ukraine von 2006 bis 2021, de.statista.com, abgerufen 15.7.2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.cnbc.com\/2014\/05\/01\/ukraine-gets-17bn-bailout-russian-risks-remain.html\">cnbc.com\/2014\/05\/01\/ukraine-gets-17bn-bailout-russian-risks-remain.html<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Ukraine-analysen Nr. 200, 27.4.2018, <a href=\"http:\/\/www.laender-analysen.de\/ukraine\">laender-analysen.de\/ukraine<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Cardioviscular mortality attribuable to dietary risk factors in 51 countries in the WHO European Region from 1990 to 2016, European Journal of Epidemiology 34, 37ff. (2019)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Die Ukraine und die EU &ndash; Eine geopolitische Entscheidung, FAZ 17.5.2022\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/2b3928ff383b4275a55048d60f6b840e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ukraine ist korrupt &ndash; wissen wir, macht nichts, ist ja f&uuml;r die gute Sache. Aber die &auml;rmste und kr&auml;nkeste Bev&ouml;lkerung, Land als Drehscheibe der europaweiten Niedrigstl&ouml;hnerei und des Zigarettenschmuggels, Weltspitze beim Handel mit dem weiblichen K&ouml;rper &ndash; und mehr Soldaten als jeder europ&auml;ische NATO-Staat. 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