{"id":86125,"date":"2022-07-22T09:00:26","date_gmt":"2022-07-22T07:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86125"},"modified":"2022-07-27T10:45:49","modified_gmt":"2022-07-27T08:45:49","slug":"werden-am-ende-20-bis-30-prozent-aermer-sein-dihk-hauptgeschaeftsfuehrer-zu-auswirkungen-von-sanktionen-und-ukraine-krieg-auf-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86125","title":{"rendered":"\u201eWerden am Ende 20 bis 30 Prozent \u00e4rmer sein\u201c \u2013 DIHK-Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu Auswirkungen von Sanktionen und Ukraine-Krieg auf Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Dr. Martin Wansleben, Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), traf sich am 20. Juli mit Journalisten, Wirtschaftsvertretern und Diplomaten zu einem Gespr&auml;ch &uuml;ber die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sowie der Sanktionen auf die deutsche Wirtschaft. Die NachDenkSeiten waren dabei, fragten nach und dokumentieren f&uuml;r unsere Leser das Gespr&auml;ch, welches aufschlussreiche Einblicke vermittelte, wie Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft auf die aktuelle Lage blicken. Von&nbsp;<strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2654\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-86125-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220722_DIHK_Chef_Werden_am_Ende_20_bis_30_Prozent_aermer_sein_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220722_DIHK_Chef_Werden_am_Ende_20_bis_30_Prozent_aermer_sein_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220722_DIHK_Chef_Werden_am_Ende_20_bis_30_Prozent_aermer_sein_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220722_DIHK_Chef_Werden_am_Ende_20_bis_30_Prozent_aermer_sein_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=86125-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/220722_DIHK_Chef_Werden_am_Ende_20_bis_30_Prozent_aermer_sein_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"220722_DIHK_Chef_Werden_am_Ende_20_bis_30_Prozent_aermer_sein_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Sitzungsraum des&nbsp;&bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo;&nbsp;im Steigenberger-Hotel, gelegen zwischen Kanzleramt und Berliner Hauptbahnhof, war erneut gut gef&uuml;llt an diesem 20. Juli. Im Gegensatz zu den Terminen mit Botschafter Wolfgang Ischinger und dem Vorsitzenden des Ausw&auml;rtigen Ausschusses, Michael Roth, waren diesmal auch mehrere Kamerateams pr&auml;sent. <\/p><p>Nach einer kurzen Einf&uuml;hrung durch den Leiter des &bdquo;Korrespondenten-Caf&eacute;s&ldquo;, den &ouml;sterreichischen Journalisten Ewald K&ouml;nig (der einzige Auslandskorrespondent, der bis 1989 gleichzeitig in der BRD und der DDR akkreditiert war), erging das Wort an den DIHK-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Wansleben. Dieser legte umgehend los:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Guten Morgen meinerseits. Damit ich nicht bestimmte Dinge permanent wiederholen muss, bringe ich die jetzt gleich vor und dann komme ich zur Sache. Ich habe sieben Enkel, davon zwei in diesem Jahr geboren. Ich sage das deswegen, weil man sich dann nat&uuml;rlich die Frage stellt, was kommt da auf die zu. Dieser Krieg ist in jeder Hinsicht ein Verbrechen, unn&uuml;tz, hat keinerlei Legitimation. Diesen Krieg darf man nicht rechtfertigen. Wer diesen Krieg gemacht hat, hat alles gesprengt, was man sprengen kann. Und das sage ich nicht nur als Gro&szlig;vater, sondern als Sohn eines Kriegsbehinderten, der seit 80 Jahren im Rollstuhl sitzt. Schnitt, jetzt gehen wir zur Sache.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dann verwies Wansleben darauf, dass er Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer des DIHK sei, die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern und zugleich auch die Dachorganisation &bdquo;der 140 Auslandshandelskammern in 92 verschiedenen L&auml;ndern der Welt&ldquo;. Daher wolle er, so seine weitere Ausf&uuml;hrung, seinen Blick nicht auf Deutschland oder Europa begrenzen, sondern fragen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was hei&szlig;t dieser Krieg f&uuml;r die Welt?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der DIHK-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer brachte daraufhin die These vor, dass &bdquo;die Welt&ldquo; nach dem Mauerfall die &bdquo;Entwicklung einer Art gemeinsamen Nenners&ldquo; entwickelt hatte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn wir gemeinsam Handel machten, hatte jeder was davon und alle wollten besser leben als gestern. Wenn Sie nach Russland fuhren, konnten sie &uuml;ber Gesch&auml;fte reden, klar, das verbindet. Wir hatten eine unglaubliche Entwicklung gehabt. Die Transaktionskosten des internationalen Handels sind erheblich abgesenkt worden. Das war die Welt, in der wir reich geworden sind und auch Russland sich erheblich entwickelt hat.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Er bedauere es, so Wansleben weiter, dass er jetzt nicht mehr &uuml;ber den Roten Platz schlendern und im Kaufhaus GUM ein Eis essen k&ouml;nne, und begann dann mit einem Abgesang auf Russland als &bdquo;Freund und Partner&ldquo;:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der 24. Februar hat dies im wahrsten Sinne des Wortes erschossen. Diesen gemeinsamen Nenner gibt es so nicht mehr, weil ein Land, jenseits aller Ratio, was &Ouml;konomie angeht, gesagt hat, koste es, was es wolle, wir brechen aus.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Wie gehen wir jetzt auf Dauer mit Russland um?&ldquo;, sei nur eine der Fragen, die sich jetzt stellen w&uuml;rden, so der DIHK-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer anschlie&szlig;end, die n&auml;chste Frage sei auch der Umgang mit China, das ebenfalls nicht so sei &bdquo;wie wir.&ldquo; <\/p><p>Darauf aufbauend verwies er dann auf die laut ihm n&ouml;tige Diversifizierung von Lieferketten und die generelle Vermeidung &bdquo;von zu gro&szlig;en Abh&auml;ngigkeiten&ldquo;. Wobei er diese Art der Abh&auml;ngigkeit interessanter Weise ausschlie&szlig;lich auf Russland und China bezog. <\/p><p>Weiter f&uuml;hrte er dann aus, dass sich &bdquo;die Risikomanagementsysteme von Banken und Versicherungen&ldquo; seit dem 24. Februar komplett ver&auml;ndert h&auml;tten. Einzubringendes Eigenkapital bei Gro&szlig;krediten f&uuml;r die Wirtschaft h&auml;tte sich von 20 auf 50 Prozent erh&ouml;ht. Und man bek&auml;me fast gar keine Kredite mehr oder nur zu sehr ung&uuml;nstigen Konditionen, wenn man in seiner &bdquo;Lieferf&auml;higkeit&ldquo; Abh&auml;ngigkeiten von Produkten aus China oder Russland h&auml;tte. Dazu brachte er ein Beispiel von der deutschen Handelskammer in China, die ihm mitteilte, dass sich schon mehrere deutsche mittelst&auml;ndische Unternehmen an sie gewandt h&auml;tten und sich gegen&uuml;ber der Handelskammer beschwert h&auml;tten, dass sie mittlerweile von internationalen Bieterverfahren ausgeschlossen werden, wenn sie erkl&auml;ren, dass sie relevante Teile eines Produktes nur in ihren (wohlgemerkt eigenen) Werken in China produzieren k&ouml;nnen. <\/p><p>Dann erkl&auml;rte er ohne weiteren &Uuml;bergang: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir m&uuml;ssen erschreckt sein, wie indifferent und erschreckend einseitig sich die chinesische Regierung (in diesem Krieg) positioniert. Aber viel wichtiger ist die dramatische Abwertung des Standorts China durch diese politische Instabilit&auml;t.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>2019 habe man noch eine Situation gehabt, so ging es unvermittelt weiter, in der man &bdquo;maximal g&uuml;nstig einkaufen und mit hoher Marge verkaufen konnte&ldquo;. Die sei vorbei, mittlerweile sei man gezwungen, auch beim zweit- oder drittbilligsten oder gar beim teuersten Anbieter einzukaufen, um die Lieferketten zu diversifizieren. <\/p><p>Von China sprang er dann wieder zu Russland und erkl&auml;rte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kein Unternehmen kann Putin mehr vertrauen. Wer ihm noch vertraut, l&auml;uft Gefahr, in die Geschichte einzugehen als d&uuml;mmster Unternehmer des Jahres.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&bdquo;Substanziell&ldquo; m&uuml;ssten jetzt alle deutschen Unternehmer davon ausgehen, dass russische Lieferungen (von Gas und &Ouml;l) nicht mehr stabil seien. Das f&uuml;hre zu einem enormen Dilemma f&uuml;r die deutschen Unternehmer, denn es g&auml;be keine rationale Handlungsgrundlage mehr, man m&uuml;sse in der Krise eigentlich &bdquo;situativ-opportunistisch&ldquo; handeln, aber die bestehenden Systeme in Deutschland seien, so Wansleben, gar nicht auf situatives Handeln ausgerichtet, da &bdquo;alles, was wir machen, rechtskonform sein muss.&ldquo; (Anmerkung Florian Warweg: Nun ja, &bdquo;Rechtskonformit&auml;t&ldquo; stand dem Profitstreben schon oft im Wege, k&ouml;nnte man da einwenden.) <\/p><p>Darauf aufbauend gab er dann eine geopolitische Einsch&auml;tzung zur weiteren Blockentwicklung zum Besten: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich glaube, die Welt zerlegt sich in Russland, China, Indien, die USA und, wenn wir Gl&uuml;ck haben, in Europa. Und diese Bl&ouml;cke stehen sich jetzt gegen&uuml;ber, der gemeinsame Nenner der gemeinsamen Wirtschaften ist weg. Jetzt sind wir praktisch beim Monopoly-Spiel: &sbquo;Gehe zur&uuml;ck auf Los, ohne 4.000 Euro zu ziehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Dies sei, so der DIHK-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer weiter, f&uuml;r Deutschland, &bdquo;das mindestens zwei Weltkriege mitzuverantworten hat&ldquo;, ein absoluter Albtraum, weil man &bdquo;pl&ouml;tzlich in Kategorien von Interessen und Macht&ldquo; reden m&uuml;sse (Anmerkung Florian Warweg: Man beachte den Verweis auf &bdquo;pl&ouml;tzlich&ldquo; in diesem Zusammenhang):<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Schauen Sie nur einmal, wie die Gr&uuml;nen-Bundesminister Annalena Baerbock und Robert Habeck &uuml;ber Waffenlieferungen reden. Also, ich bin in einer Welt gro&szlig; geworden, in welcher man Frieden schaffen wollte ohne Waffen. Und das war keine politische Spinnerei gewesen, sondern das war der Traum der Kriegsgesch&auml;digten. Wenn Sie Ihr Leben lang einen kriegsbehinderten Vater sehen, dann ist Krieg in jeder Form verwerflich und keine L&ouml;sung.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Deswegen, so Wansleben, stelle sich die Frage: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Was muss welches Land tun, damit sich eine neue, bessere Weltordnung etabliert?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Daraus folge, &bdquo;die L&auml;nder, die vernunftbegabt sind&ldquo; (in Wanslebens Logik seien das ausschlie&szlig;lich die westlichen), m&uuml;ssten ihren Unternehmen jetzt erm&ouml;glichen, weltweit aktiv zu sein. Vielfalt sei jetzt angesagt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das hei&szlig;t, wenn wir die Lieferketten diversifizieren wollen, dann m&uuml;ssen wir jetzt raus, neue Freunde, neue Kunden, neue Zulieferer, neue Rohstoffquellen suchen. Das zweite ist, wir m&uuml;ssen als Deutschland eine offensive Handelspolitik machen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Russen habe man als Freunde und Handelspartner verloren, so der DIHK-Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer weiter und zitierte dann ein Beispiel, das tief in die kulturelle Verfasstheit der deutschen Wirtschaftselite blicken l&auml;sst: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn Sie mit China oder Russland Gesch&auml;fte machten, brauchten Sie erstmal ein paar Wochen, mit denen sich zu unterhalten, um einigerma&szlig;en ins Gesch&auml;ft zu kommen, um das Misstrauen zu &uuml;berwinden. Uns Deutschen wird &ouml;fters gesagt, wir seien zu undiplomatisch, das ist das Ergebnis eines Vertrauensvorschusses. Ich kenne den Herrn K&ouml;nig nicht (Referenz auf den Moderator des Pressegespr&auml;ches), aber ich wei&szlig;, dass ich mit dem offen reden kann, der schl&auml;gt mich nicht gleich tot. Und ich muss mit ihm zuvor auch keine Flasche Schnaps leeren. Das ist Ergebnis einer Kulturgeschichte, die ein Riesenvorteil ist f&uuml;r Europa.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Mischung aus kulturalistischem Klischee und Anma&szlig;ung in Verbindung mit offener Verachtung gegen&uuml;ber Chinesen und Russen aus dem Munde eines f&uuml;hrenden deutschen Wirtschaftsvertreters im Rahmen eines Pressegespr&auml;chs muss man sich in seiner ganzen Implikation vor Augen f&uuml;hren. <\/p><p>Vor dem Hintergrund der vom DIHK-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer get&auml;tigten Aussagen wollte der anwesende NachDenkSeiten-Redakteur Florian Warweg in der anschlie&szlig;enden Fragerunde wissen, ob Wanslebens Abgesang auf Russland als Freund und Handelspartner tats&auml;chlich so endg&uuml;ltig und langfristig intendiert war, wie er es formuliert hatte, und darauf aufbauend fragte er noch nach dessen Einsch&auml;tzung zu den Russland-Sanktionen und deren Auswirkungen auf die Wettbewerbsf&auml;higkeit der deutschen Wirtschaft (Stichwort LNG-Gas um Faktor 7 teurer als russisches Gas auf Basis der einst geschlossenen Langfristvertr&auml;ge). <\/p><p>Aus Gr&uuml;nden der Transparenz und Dokumentation geben wir in Folge im Wortlaut die gesamte Antwort des Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrers des Deutschen Industrie- und Handelskammertags wieder: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zur ersten Frage. Ich hatte gehofft, dass mir jemand diese Frage stellt. Wir sind als Deutsche komplett irritiert. Wirtschaftlich, politisch, emotional. Weil wir eigentlich davon tr&auml;umen, mit Russland ein gutes Verh&auml;ltnis zu haben. Freund-Feind-Bilder taugen da gar nichts. Deswegen ist Ihre Frage v&ouml;llig richtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Bezug auf Russland ein Verh&auml;ltnis entwickeln wie zu Nordkorea und es einfach ignorieren. Das wird nicht funktionieren. Russland ist f&uuml;r die Entwicklung in Europa und der Welt zu relevant. Es gibt keine Alternative zu verbesserten Beziehungen. Wir m&uuml;ssen das hinkriegen, ohne den Krieg zu verkleistern. Das geht nicht. Aber am Ende ist das permanente Arbeiten an Zukunft die einzige Alternative, die wir haben. <\/p>\n<p>Zweitens. Mit den Sanktionen sprechen Sie ein ganz schwieriges Thema an, denn man kann ganz unterschiedlich &uuml;ber Sanktionen reden. Als der Krieg begann, haben alle Leute von der Wirtschaft zu Recht gesagt, was anderes k&ouml;nnen wir denn machen, au&szlig;er Sanktionen, auch wenn diese schmerzhaft sind. Deswegen sind wir &uuml;berzeugt, dass das vom Ansatz her richtig ist. <\/p>\n<p>Die Frage, die wir aber stellen m&uuml;ssen, ist: F&uuml;hrt das zu einer L&ouml;sung oder nicht? Haben die Sanktionen dazu gef&uuml;hrt, dass das russische Volk geeint wurde oder dass Diskussionen in Russland begonnen haben? Wenn stimmt, was ich aus Russland h&ouml;re, dann haben die Sanktionen daf&uuml;r gesorgt, dass das russische Volk geeint wurde. Dann k&ouml;nnte man rational sagen, puhh, ob das mit den Sanktionen so schlau war, wissen wir nicht. Wenn Sie aber sagen, Krieg bedarf einer Antwort, dann m&uuml;ssen Sie den Sanktionsweg gehen. <\/p>\n<p>Was ich in diesem Zusammenhang noch sagen will, die Sanktionen sind wohlbedacht. Und die Sanktionen sind willentlich nicht komplett zerst&ouml;rerisch ausgerichtet. Also, der Westen verzichtet darauf, mit &auml;hnlichen Dimensionen zu spielen, wie dies auf der russischen Seite getan wird mit der Vorstellung, kein Gas mehr zu liefern. Darauf verzichtet der Westen. Nur ein Beispiel: Die Versorgung mit Medikamenten ist bislang nicht sanktioniert. Finde ich eine sensationelle Leistung. 80 Prozent der Medikamente, die man in russischen Apotheken kaufen kann, kommen von uns. (Anmerkung Florian Warweg: Was der gute Herr Wansleben hier aber unterschl&auml;gt, ist die Tatsache, dass, &auml;hnlich wie im Falle von Iran oder Venezuela, man Medikamente gar nicht explizit sanktionieren muss, wenn den Zentralbanken der L&auml;nder per se die M&ouml;glichkeit verweigert wird, internationale Transaktionen durchzuf&uuml;hren, dann k&ouml;nnen diese auch keine Medikamente erwerben.) <\/p>\n<p>Diese Frage der Sanktionen f&uuml;hrt automatisch dazu, dass es absolut irritierend ist, wie sich politisch China und Indien verhalten. Denn wenn die sich klar gegen den Krieg positioniert h&auml;tten, dann h&auml;tten wir dies alles so nicht erlebt. <\/p>\n<p>Ich komme zum Schluss: Sanktionen sind immer auch selbstsch&auml;digend und Sanktionen haben immer auch die Dimension einer gewissen Hilflosigkeit an sich.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Abschlie&szlig;end erkl&auml;rte er noch die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen zusammenfassend: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir werden einfach alle &auml;rmer. F&uuml;r Deutschland male ich Ihnen ein Bild: Ich w&uuml;rde mich nicht wundern, wenn wir am Ende 20 bis 30 Prozent &auml;rmer sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Titelbild: Florian Warweg<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86304\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85825\">&bdquo;Keine Ann&auml;herung mehr mit Putins Regime!&ldquo; &ndash; Michael Roth (SPD) im Gespr&auml;ch mit den NachDenkSeiten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=85517\">Wolfgang Ischinger im Gespr&auml;ch mit den NachDenkSeiten: &bdquo;Der Westen ist in der Defensive&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/566a4df960f9440ca6c9af0baab53680\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Martin Wansleben, Hauptgesch&auml;ftsf&uuml;hrer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), traf sich am 20. 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