{"id":86137,"date":"2022-07-22T10:30:29","date_gmt":"2022-07-22T08:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86137"},"modified":"2022-07-22T10:51:20","modified_gmt":"2022-07-22T08:51:20","slug":"spanien-zeigt-der-eu-und-insbesondere-deutschland-die-hoerner-nein-zum-gas-einsparungsplan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86137","title":{"rendered":"Spanien zeigt der EU und insbesondere Deutschland die H\u00f6rner: Nein zum Gas-Einsparungsplan"},"content":{"rendered":"<p>Die Europ&auml;ische Kommission &ndash; angetrieben von der Angst vor ausbleibenden russischen Gaslieferungen &ndash; gab diese Woche ihren Plan bekannt, im kommenden Winter notfalls eine verpflichtende Einsparung des Gaskonsums um 15 Prozent in allen Mitgliedsstaaten anzuordnen. Wirtschaftsminister Habeck, vor kurzem noch permanent mit einem Embargo russischen Gases drohend (&bdquo;Gas als politische Waffe&hellip;&ldquo;), l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en. Die spanische Regierung, in der Person von Teresa Ribera, Ministerin f&uuml;r den &ouml;kologischen &Uuml;bergang und die demografische Herausforderung, reagierte ungew&ouml;hnlich scharf und ver&auml;rgert. Wichtige Repr&auml;sentanten der spanischen Wirtschaft stellten sich hinter sie. Es rumort auf der Iberischen Halbinsel. Von <strong>Eckart Leiser<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Kernaussage der spanischen Ministerin:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir k&ouml;nnen nicht akzeptieren, dass man uns zwingt, unsere Produktion herunterzufahren, damit die deutsche weiter funktioniert&ldquo;.\n<\/p><\/blockquote><p>In einer weiteren Anspielung auf Deutschland sprach die Ministerin von einem woanders ausgedachten &bdquo;fertigen Men&uuml;&ldquo;, ohne auch nur nach den Ern&auml;hrungsbed&uuml;rfnissen Spaniens gefragt zu haben. Anschlie&szlig;end erinnerte sie daran, dass hinsichtlich der Anbindung der Iberischen Halbinsel an das europ&auml;ische Energienetz Br&uuml;ssel seit langem durch eine &bdquo;profunde Unt&auml;tigkeit&ldquo; auff&auml;llt (das der EU vorliegende Pipeline-Projekt Midcat liegt, weil &bdquo;unwirtschaftlich&ldquo;, seit langem auf Eis: das russische Gas war f&uuml;r Deutschland weit rentabler).<\/p><p>Und in der Tat: Spanien und Portugal (in dieser Frage mit Spanien eins) bilden seit langem eine von Resteuropa getrennte &bdquo;energetische Insel&ldquo;. Als solche versuchen beide L&auml;nder seit langem durch umfangreiche Investitionen ihre Energie-Zukunft zu sichern, und das mit Erfolg. Ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien deckt in Spanien fast 50 Prozent der Stromversorgung, in Portugal sogar 63 Prozent ab (in Deutschland liegt dieser Wert bei 47 Prozent). Sechs LNG-Terminals in Spanien, die 30 Prozent der Regasifizierungskapazit&auml;t in der EU erbringen. Zur&uuml;ckfahren der Kohle, die nur noch zwei Prozent der Stromerzeugung abdeckt (21 Prozent in Deutschland, Tendenz ansteigend). Und &ndash; &uuml;berall sichtbar &ndash; ein Hochfahren der Windenergie auf 24 Prozent. Das Land von Don Quijote hat sich in wenigen Jahren wieder mit &bdquo;Windm&uuml;hlen&ldquo; gef&uuml;llt.<\/p><p>Alles in allem: Spanien und Portugal sind infolge des Ausschlusses aus dem europ&auml;ischen Netz vom russischen Gas so gut wie unabh&auml;ngig, mehr noch: Spanien beliefert seit Ausbruch des Ukrainekriegs Frankreich mit Gas, &uuml;ber die zwei einzigen Pipelines am Maximum von deren Kapazit&auml;t. Wegen des Fehlens von Transportwegen k&ouml;nnten die 15 Prozent ersparten Gases also nicht einmal an andere EU-L&auml;nder gehen. Spanien erh&auml;lt einen erheblichen Teil seines Gases aus Algerien und den Rest als Fl&uuml;ssiggas aus den USA. <\/p><p>Mit Recht verweist die spanische Ministerin auf die massiven, vom spanischen Verbraucher finanzierten Investitionen der letzten Jahre, und darauf, dass das Gas zur Stromerzeugung (in Spanien 25 Prozent, in Deutschland 13 Prozent) im Unterschied zu Deutschland nicht durch Kohle ersetzt werden kann, denn deren F&ouml;rderung ist &ndash; auch aus &ouml;kologischen Gr&uuml;nden &ndash; so gut wie eingestellt worden. Tr&auml;te der Plan der Europ&auml;ischen Kommission in Kraft, w&uuml;rden das also viel massiver in Spanien als in Deutschland Wirtschaft und Haushalte zu sp&uuml;ren bekommen.<\/p><p>Auch die politischen Gegner aus dem rechten Oppositionslager, vom sprichw&ouml;rtlichen spanischen Stolz beseelt, werden sich wohl bei dieser Konfrontation mit der anma&szlig;end agierenden Europ&auml;ischen Kommission unter der deutschen Frontfrau von der Leyen und der deutschen Bundesregierung auf die Seite der spanischen Regierung stellen. Bedeutende Wirtschaftsvertreter haben dies bereits getan. <\/p><p>Titelbild: alberto clemares exposito \/ shutterstock<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82662\">Was sind das f&uuml;r Zeiten, wo ein Gespr&auml;ch &uuml;ber Spanien fast peinlich ist<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/bbb5a1e5704044838afe65c9dd045724\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ&auml;ische Kommission &ndash; angetrieben von der Angst vor ausbleibenden russischen Gaslieferungen &ndash; gab diese Woche ihren Plan bekannt, im kommenden Winter notfalls eine verpflichtende Einsparung des Gaskonsums um 15 Prozent in allen Mitgliedsstaaten anzuordnen. Wirtschaftsminister Habeck, vor kurzem noch permanent mit einem Embargo russischen Gases drohend (&bdquo;Gas als politische Waffe&hellip;&ldquo;), l&auml;sst gr&uuml;&szlig;en. 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